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Ur. 135. 19. Jahrgang. 1. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt.

Herrenhaus.

13. Sigung vom Donnerstag, den 12. Juni,

-

b. Koscielski:

um

Freitag, 13. Juni 1902.

unfer Voltstum im Osten 811 schützen, werden wir geringe Erfolge erzielt. Möge die Regierung eine Politik der immer reich genug sein.( Beifall.) ( Beifall.) Es handelt sich um die Aussöhnung treiben und nicht die Politik der Unterdrückung weiter Fortführung der nationalen Aufgaben, die die preußischen verfolgen. Könige in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit Ruhm gelöst

( Bravo !)

Damit fchließt die Debatte. Die Borlage geht an eine Kom mission von 15 Mitgliedern. Nächste Sizung Freitag 1 Uhr.( Main - Neckarbahn- Vertrag, fleinere Vorlagen und Petitionen.) Schluß 5 Uhr.

Die Zolltarif- Kommission

Fürst Bismarck : nahm. 1, Uhr. haben. Darin werden wir uns nicht durch kleinliche Gesichtspunkte Herr v. Koscielski hat uns eine kleine Fabel erzählt. Ich Am Regierungstisch: Graf Bülow. Frhr. b. Rheinbaben, irre machen lassen. Wir denken nicht daran, unsre polnischen Mit möchte auch auf eine Fabel hinweisen, die vom Lamm und dem Frhr. v. Hammerstein, v. Thielen, Stubt, v. Podbürger aus ihrer Heimat zu vertreiben, ihnen ihre Sprache und Wolf. Dabei spielen die Polen die Rolle der Wölfe, nicht umgekehrt, bielsti, Schönstedt . Religion zu nehmen. Wir hoffen vielmehr, daß unsre polnischen wie man es auf polnischer Seite darzustellen liebt. Herr v. Koscielski Vicepräsident Frhr. v. Manteuffel eröffnet die Sigung. Mitbürger mit der Zeit aus voller Ueberzeugung gute und loyale rief aus: Wir bleiben Polen !" Ich hätte lieber gehört, wenn er Auf der Tagesordnung steht zunächst die allgemeine Be- Preußen und Deutiche sein werden; wir können aber nicht gefagt hätte: Wir bleiben Preußen, wenn auch mit polnischer tatung der vom Abgeordnetenhaus unverändert angenommenen dulden, daß unsre Kaufleute und Handwerker boyfottiert Sprache!" Die große Gefahr der Ansiedelungspolitik ist die, Polenvorlage. und wirtschaftlich vernichtet werden, daß der. deutsche daß die deutschen Ansiedler gewöhnlich in der zweiten Das Wort ergreift zunächst Bauer verdrängt und mit allen Chikanen fein Abzug Generation Polinnen heiraten und dann ihre Kinder polnisch erzwungen wird. Der fortschreitenden Polonisierung unsrer östlichen sprechen lassen. Dies ist bei der bekannten Energie der Polinnen So oft vor dies hohe Haus eine sogen. antipolnische Gesetzes- fonsequente Abwehr. Wer auch immer später an meiner Stelle die Vermehrung des Domanialbestandes. Ich begrüße die Vorlage Provinzen wollen wir entgegentreten durch eine ruhige. flare und nicht verwunderlich.( Heiterkeit.) Das Hauptgewicht lege ich auf borlage gebracht wird, muß ich immer wieder an die Fabel von stehen wird, er wird vor der großzpolnischen Agitation die Waffen mit großer Genugthuung und hoffe, daß die jetzige Politik konſequent dem nackten König denken, dem kein Mensch zu sagen wagt, nicht ftreden, bevor nicht alle polnischen Unterthanen auf dem Boden fortgeführt werde und nicht wieder eine Zeit des Schivankens folge. daß er nackt ist. Kein Mensch hat den Mut, zu sagen, das Polentum der vollen Loyalität gegenüber dem preußischen Staate stehen. sei nadt, eine mit Beulen und Wunden bedeckte Jammergestalt,( Bravo 1) Ich bin überzeugt, daß dieses hohe Haus dem Gesetz sondern jeder sagt, es sei bekleidet, gewappnet vom Kopf bis zum feine Zustimmung erteilen wird.( Lebhafter Beifall.) Fuß und sogar mit einem gewaltigen Speer in der Rechten. So fömen fich auch vernünftige Menschen hypnotisieren lassen. Oberbürgermeister Witting- Bofen haben wir es auch erlebt bei dem Hundertmillionen- Schwindel begrüßt die Vorlage mit Genugthuung. Die Begründung des ( Oho! Große Unruhe) Wie meinen Sie? Jawohl, bei Gesezes, das ja im wesentlichen aus der Initiative des Reichs­dem Schwindel der Madame Humbert.( Allgemeine Ent- fanzlers hervorgegangen ist, geht nur in einer Beziehung täuschung.) Von uns wird jetzt eine Ausgabe von 250 Mill. verlangt, von einer falschen Voraussetzung aus: man follte die obgleich die Regierung sonst bei allen Gelegenheiten auf die ungünstige polnische Bresse nicht gar zu tragisch und ernsthaft Finanzlage des preußischen Staates hinweist. Aber selbst wenn die nehmen. Dieser heftige Ton liegt im Charakter des Volkes, es Finanzlage des Staates eine glänzende wäre, sollte es dann keine sind aber im wesentlichen nichts als Worte. Die polnische Bevölkerung Berlin , 12. Juni. andre Aufgabe geben, wert des Ehrgeizes einer Regierung, als die trägt alle Merkmale einer aufstrebenden Bourgeoisie an sich, und Offenbar hat sich der Präsident vor Schluß des Reichstags jezt von der Regierung inaugurierte Aftion? Wir leben in einer eine solche ist nicht zu Aufständen und Butschen geneigt die Ermächtigung zur späteren Feststellung der Tagesordnung für Beit, wo die öffentliche Hygiene daniederliegt, wo der Volksschullehrer Noch heute tönnte ein energischer Stabeoffizier mit einem das Plenum, das am 14. Oftober erst wieder zusammentritt, erteilen in seiner socialen Existenz taum über dem gewöhnlichen Erdarbeiter steht Bataillon Infanterie die ganze Provinz sosen in Schach laffen, damit er je nach dem Gange der Beratung in der Zoll­( Oho) ja wohl, ausgenommen natürlich die Lehrer im Osten, die halten. Andrerseits liegt in der Energie und der Konsequenz fommission die Eventualität ins Auge fassen kann, die 2. Lefung Prügelprämien bekommen, wo tausend sociale Aufgaben ihrer Lösung der Polen eine große Gefahr für das Deutschtum. Die Thätigkeit des Bolltarifs schon am 14. Oktober auf die Tagesordnung harren. Trotzdem schmeißt die Regierung für nichts und wieder der polnischen Agitation ist in ihrer Art geradezu großartig, und setzen zu können. Wenn er aber bei seiner gestrigen An­nichts eine Viertelmilliarde heraus, um das schon an sich stärkere die Ansicht ist weit verbreitet, daß die Mittel Element in den östlichen Provinzen noch zu stärken. Allerdings wird dieser Thätigkeit nicht nur zu wesenheit in der Zollkommission, als diese ihren Geschäftsplan beriet, aus einheimischen Geldern ge- nochmals eine solche Möglichkeit überschlug, mußte er aus den diver­der Goldstrom diefes Fonds auch nus Bolen wohl in mancher wonnen werden.( hört! hört!) Allerdings kann das Bestreben gierenden Aeußerungen aus allen Parteien zu der Ansicht kommen, Beziehung stärken. Wenn wir dann an Größenwahn erkranken nie sein, die Polen zu germanisieren; wer das ernstlich versuchen daß sich dieser Wunsch schwerlich verwirklichen läßt. Die sollten, so ist es möglich, daß wir auf denselben Standpunkt kommen wollte, der würde in der That auf Granit beißen. Bon Schwierigkeiten, den Entwurf bis zum 14. Oktober in der Kom­wie der ganze preußische Staat.( Unruhe.) Man scheint ganz zu ver- einer Unterdrückung der Polen seitens der Deutschen tann mission durch die 1. und 2. Lesung zu jagen, sind für alle Parteien geffen, daß es ohne Wahrheit teine Gerechtigkeit, und ohne Gerechtig- teine Rede sein, das beweist doch schon der große Erfolg der nn überwindliche, wenn sie auf fachliche und gründ teit feine Macht giebt. Es sind gerade in den legten Tagen polnischen Nation. Bezeichnend aber ist, daß die Polen nie auch mir liche Durchberatung Anspruch erheben. Die beste Be­einige Anzeichen aufgetaucht, die auf eine Einkehr auch einen Silbergroschen für gemeinnützige oder gar für deutsche Zwecke gründung hierfür ist aus dem heutigen Kommissionsbericht zu in der konservativen Presse hindenten. Wir Polen freilich ausgeben. Herr v. Koscielski, der doch heute sehr scharf gegen die erschen. werden uns durch keine noch fein gesponnene Be Regierung gesprochen hat, ist für seine Haltung von der polnischen mühung verleiten laffen, den Rechtsboden zu verlassen. Uns Bresse sehr heftig angegriffen worden; man hat ihm seine loyale" gerrimut aber nun auch unser legtes Traumbild in das Nichts: das Opposition auf das schärfste vorgeworfen. In der Versöhnungsära der Präsident des Reichstags. Graf Ballestrem, habe ihm Im Eingang der Sigung macht der Vorsitzende die Mitteilung, Märchen vom preußischen Rechtsstaat!( Große Unruhe.) war Herr v. Koscielski in Posen der bestgehaßte Mann; er konnte fich in Bosen kaum auf der Straße sehen lassen. Herr v. Koscielski feine Absichten mitzuteilen bezüglich der Diätengewährung an die Der historische Werdegang der preußischen Monarchie hat uns und seine Freunde sind heute Offiziere ohne Soldaten; die polnische Stommiſſion; er, der Vorfigende, bittet darum, die Diskussion über gezwungen, Fragmente, Bruchstücke fremder Nationalitäten in den zu sein, sie ist längst eine radikal- demokratische geworden. Das Bu Position 363 des Entwurfs, Zündpillen, Bündhütchen, gezwungen, Fragmente, Bruchstücke fremder Nationalitäten in den Bewegung hat längst aufgehört, eine aristokratisch- klerifale den innezuhaltenden Geschäftsplan zu vertagen, bis die Mitteilungen des Präsidenten eingelaufen seien.( Geschieht.) preußischen Staatenverband aufzunehmen. Unfre Könige haben diesen scheint auch das Centrum allmählich einzusehen. Auf dem Boden des anderssprachigen Elementen alle Wohlthaten der Patronen 36 Mark, stellt Geheimrat Wermuth anheim, preußischen von dem Reichskanzler angeblich ausgesprochenen Kaninchenvergleichs Kultur und der preußischen Verwaltung 811 teil werden lassen. Ich verstehe deshalb nicht, wie Herr ein genauer Beweis für seine Authenticität ist ja nicht geführt diesen Zoll entsprechend den Beschlüssen über Pos. 361/62 auf den v. Koscielski von einem Traumbild" des preußischen Rechtsstaates Vermehrung der Polen , in der Beziehung thun auch die Kommission beschließt demgemäß 30 M. 3o II. Poj. 364, stehe ich nicht gang; ich glaube nicht an die ungeheuere von Gothein beantragten Satz von 30 M. herabzusetzen. Die sprechen konnte. Der preußische Rechtsstaat beſteht nach wie vor Deutschen eigentlich ihre Schuldigkeit.( Seiterkeit.) Aber thatsächlich 3ündhölzer, Zündstäbchen aus Pappe 10 M., wird nach auch gegenüber unsren polnischen Mitbürgern. Wir können aber den werden durch die Haltung der polnischen Bevölkerung zahlreiche Stearin, Wachs oder ähnlichen Stoffen 12 Mart, be der Vorlage angenommen. Bu Pos. 365, Zündkerzchen aus fremden Nationalitäten bei uns keine Autonomie einräumen. Denn Deutsche aus der Provinz Bosen verdrängt. Die Thätigkeit der der preußische Staat ist ein Einheitsstaat und ein deutscher Staat; Auftedelungskommission bedarf mannigfacher Reformen. Wir können antragen die Socialdemokraten 3ollfreiheit; er ist der deutsche Staat an sich, und sein geschichtlicher Beruf besteht die geforderten Summen ruhig bewilligen. Die kulturelle Hebung Debatte, in der Stadthagen den Antrag auf Bollfreiheit be­Abg. Müller Fulda beantragt 10 Mart. Nach kurzer darin, überall das Deutschtum zu stüßen und zu fördern. Ich zweifle des Ostens ist die einzige Möglichkeit, um die Deutschen auf die hohen Hause, ich glaube aber doch sagen zu dürfen, daß Herr von man mag das Land noch so sehr verlottern und verlumpen lassen. Binkfackeln- 50 M.. stellt Geheimrat Müller anheim, den Zoll nicht an der vollen Loyalität irgend eines polnischen Herrn in dieſem Dauer dort zu erhalten; die Polen bleiben immer in ihrer Heimat, gründet, wird der Antrag Müller- Fulda angenommen. Auch bei Pos. 366, Feuerwerk aller Art; Antimon, Magnesium, Koscielski mit dieser so forrekten und richtigen Auffaffung so ziem: In möglichst viele polnische Städte müssen Garnisonen gelegt werden. ift eine rara avis nans in gurgite( ein einsamer Vogel, der auf dem darinentum vorwirft, so ist es allerdings wünschenswert, daß es sich Bollfreiheit im Interesse der Pyrotechniker. Die sicherheitspolizeilichen lich vereinzelt unter seinen politisch thätigen Landsleuten dasteht. Es was das deutsche Beamtentum anlangt, dem man so vielfach Man- entsprechend dem Vorgang bei Schießpulver herabzusetzen, Strudel schwimmt). Ich glaube nicht, daß Herr v. Koscielski fich an etwas mehr am öffentlichen Leben beteilige. Die östlichen Provinzen Vorschriften können für die Pyrotechniker das Abbrennen der Fabriten irgend welchen Lostrennungs- Bestrebungen beteiligt, sein Einfluß sind ein Teil der Monarchie; wenn ein Teil eines Körpers frank ist, verhindern und bedeuten daher materielle Vorteile. Man könne auf die polnische Agitation ist aber nicht so groß, wie ich so leidet darunter das Ganze. Deshalb darf keine Provinz sich bei seinen vortrefflichen Anschauungen wünschen möchte, daß er es ficherheitspolizeiliche Vorschriften doch nicht, wie die Motive des wäre.( Heiterfeit.) Ich glaube, daß er mehr geschoben wird, als weigern, zur Gesundung der östlichen Provinzen beizutragen. Entwurfs nahe legen, mit einem Zoll belohnen. daß er schöbe, und daß in kritischen Zeiten das revolutionäre Element in derselben Weise auftreten wird wie 1848. Unbestreitbar sind Be­strebungen im Gange, die am legten Ende abzielen auf die Los- Die polnische Agitation ist in ganz radikale Bahnen eingelenkt; trennung der östlichen Provinzen von der preußischen Monarchie. Sie arbeitet der Socialdemokratie in die Häude und steht mit Diese Bestrebungen werden seitens der polnischen Agitation mit dem Ausland in Verbindung. Ihre Staatsgefährlichkeit steht fest. steigender Leidenschaft verfolgt. Diese Agitation befehdet die Eine energische Abwehrpolitik ist absolut notwendig. preußische Staatsidee aufs bitterste und schiebt den Gedanken der

Reichskanzler Graf Bülow:

-

( Beifall.)

Fürst v. Hatzfeld:

Graf Hoensbrocch:

Molkenbuhr begründet den socialdemokratischen Antrag auf

Müller- Fulda beantragt 30 M. Zou; Gothein 3 M. Zoll. Brömet, der an Gotheins Stelle in die Kommission eingetreten ist, begründet letzteren Antrag und giebt zu, daß, wenn die Verhältnisse fo liegen, wie Molkenbuhr sie geschildert, die Regierung einen Thorenstreich mit dem Zoll beginge.

Müller- Sagan will die Einfuhr fremden, besonders chinesischen Fenerierts nicht beschränkt wissen. Die Krieger und sonstigen patriotischen Vereine brauchten bei ihren Festen nur einheimische Feuerwerkskörper zu verwenden, dann würde die Industrie besser gestützt, als durch den Zoll.

Soch wendet sich gegen Geheimrat Miller, der die Aus­führungen Molkenbuhrs bezüglich der polizeilichen Schutzvorschriften bemängelt hatte. Hahn und Förster Sachsen beantragen Schluß der Debatte. Beschlossen wird nach dem Antrag Müller Fulda, den Boll auf 30 m. herabzusetzen. Pos. 367, Pech fadern 5 M., wird nach der Vorlage angenommen. Brömet erinnert daran, daß ein Beschluß der Kommission, wonach ein Namensverzeichnis der im wirtschaftlichen Ausschußz ver­nommenen Sachverständigen den Mitgliedern der Kommission zu­gehen soll, nicht zur Ausführung gelangt ist.

Graf Posadowsky erklärt, das tönne sofort geschehen. Die Verteilung erfolgt.

Darauf tritt die Kommission in die Beratung über den Ge: schäftsplan ein. Zuerst wird die Frage erörtert, ob zwischen der ersten und zweiten Lesung eine Pause eintreten soll. Spahn und Stadthagen treten für eine Pause ein; fie wünschen auch, daß eine Busammenstellung der Beschlüsse erster Lefung an alle Mitglieder des Hauses übermittelt werden. Ho ch wünscht, daß dieser Zusammen­stellung auch alle dazu gestellten Anträge beigegeben werden. Baasche wünscht bestimmte Frist für die Beerdigung der 1. Lesung. Graf Posadowsky bittet, die Dispositionen so zu treffen, daß der Entwurf bei Wiederzusammentritt des Plenums dort in zweiten Lesung genommen werden könne. Speck wünscht, daß am 18. oder 20. Juli die erste Lesung be

Wiederaufrichtung eines polnischen Reiches unverhüllt in den Vorder- Die Regierung ist verpflichtet, das Deutschtum des Ostens zu grund. Deshalb ist diese Frage nach meiner Ansicht die wichtigste stärken. Dazu ist diese Vorlage ein geeignetes Mittel. Die Polen Frage unsrer inneren Politik, sie ist die Schicksals- und Zukunftsfrage verhalten sich herausfordernd deutschen Katholiken gegenüber. Freilich für unfre Monarchie; denn sie greift an die Fundamente Preußens zu bedauern ist, daß man in einigen Kreisen die Protestantisierung und des Deutschen Reiches. Mir ist noch heute morgen ein Aus- des Ostens als die Lösung der polnischen Frage bezeichnet. Ich schnitt aus einer angesehenen polnischen Zeitschrift zugegangen, würde der Regierung dankbar sein, wenn sie auch in diesem hohen worin ausgeführt wird: Es ist tein Polen denfbar ohne Ober- Hause erklärte, daß sie diese Tendenzen nicht billigt. schlesien , Posen, Westpreußen , ja selbst nicht ohne Ostpreußen . Für Reichskanzler Graf Bülow: den preußischen Staat bedentet der Verlust dieser Provinzen die Aufgabe seiner Existenz, ja selbst seines Namens. Bülow Es handelt sich für die preußische Regierung hier nur um meint, die preußische Regierung verstehe feinen Spaß nationale, nicht un fonfessionelle Gegensätze und Aufgaben. Jeder in polnischen Angelegenheiten. Nun, auch verstehen Gedanke an eine sog. Proteftantifierung des Oftens liegt uns feinen Spaß in den Fragen unsrer Existenz und unsrer vollkommen fern. An diesen nationalen Aufgaben sollen sich alle Zukunft." Bor kurzem habe ich in einem in Graudenz erscheinenden Deutschen ohne Unterschied der Konfession beteiligen. Leider ist noch Blatte gelesen, daß aus Oberschlesien , Posen, Westpreußen und nicht in genügendem Maße für die Seelsorge der deutschen Masuren ein eignes polnisches Gebiet gebildet werden müsse, mit Satholiken im Often gesorgt. Es ist aber eine Verdrehung der einem eignen Statthalter und einem eignen polnischen Landtag. Thatsachen, daß die katholische Kirche im Osten nur unter Gleichwohl wurde ich aufgefordert. mir neben den verehrten Kollegen, der Herrschaft des Polonismus gedeihen könnte. Ich danke die ich schon habe, noch einen besonderen Kollegen für polnische An- dem Grafen Hoensbroech für seine Stellungnahme zu unsrer Ost­gelegenheiten zuzulegen.( Heiterkeit.) Wer das sein sollte, wurde markenpolitik. Diese Stellung ist ein Beweis. daß ein deutscher mir aber nicht gefagt. Wenn wir uns gegen eine solche Agitation Statholik sich durch seine Sympathien für seine polnischen Religions­wehren, so thun wir einfach unire Pflicht. Es ist die Pflicht genossen nicht verhindern lassen darf, die von polnischer Seite dem der Regierung, gegen alle Bestrebungen. die in das feste Deutschtum drohenden Gefahren zu erkennen und zu würdigen. Gefüge des preußischen Staates einen feindlichen Keil hineintreiben Ernst Günther Herzog zu Schleswig Holstein : wollen, alle Maßnahmen zu treffen, die notwendig sind, ne quid Es ist die Pflicht der Polen , gute preußische Unterthanen detrimenti capiat res publica( damit der Staat leinen Schaden zu werden. So lange dies Ziel nicht erreicht ist, ist die Aufgabe unsrer Bolenpolitik nicht erfüllt. Wir haben leider gegenüber Die Vorlage steht durchaus im Einklang mit den Tendenzen des andren Nationen nicht die glückliche Hand wie die Eng­1886 vom Fürsten Bismard vorgelegten Ansiedelungsgesetzes. Die länder.( Sehr wahr!) Wir müssen besonders dafür sorgen, endet wird und die zweite Lesung am 1. September beginnt. Ansiedelungsaktion und die Domänenaktion fönnen sehr wohl neben dag in der Provinz Bosen möglichst viele deutsche Gentleman", Hahn meint, die zweite Lesung müsse am 1. Oktober beendet einander hergehen, sie ergänzen einander. Die Hauptsache bleibt vornehme Leute aus allen Ständen der Bevölkerung vorhanden sind, natürlich, neue bäuerliche Ansiedelungen ins Leben zu rufen. Es fehlt die diese vornehme Gefimmung im Verkehr mit den Polen nach jeder aber den deutschen Ansiedlern vielfach an Offizieren, und zu solchen Stichtung zum Ausdrud bringen. Die Quintessenz unirer Bolen Offizieren würden sich gerade die Domänenpächter eignen. Ich weiß politif fofte fein: Fortiter in re, neaviter in modo l( Energisch sehr wohl, daß alles darauf ankommt, daß die Waffe, die der Re: in der Sache, mild in der Form.) Wir müssen bestrebt sein, das gierung zur Berteidigung des Deutschtums in die Hände gegeben beste Material der deutschen Vevölkerung, z. B. abgehende Offiziere, wird, richtig angewendet wird. Ich werde es mir ganz besonders angelegen sein laffen, über die zur Ansiedelung in den östlichen Provinzen anzureizen.( Beifall.) Oberbürgermeister Delbrück - Danzig : Thätigkeit der Ansiedelungskommission zu wachen und dafür zu sorgen, daß die Ansiedelungskommission praktisch und geschickt Die Borlage steht durchaus auf dem Boden der Verfassung. Die vorgeht, nicht in bureaukratischer, sondern mehr in fauf- Bolen freilich, wenn sie auch formell die Verfassung nicht verletzen, männischer Weise, nicht vom Standpunkt der Oberrechnungsfämpfen mit ihren ganzen Anschauungen materiell gegen die Ver­tammer, sondern von dem einer gut geleiteten flugen Bant. faffung. Dafür zeugen alle modernen polnischen Schriftsteller, auch ( Sehr richtig 1) Dann wird es sich lohnen, Westpreußen und Bosen der historisch korrekte Sinkiewicz. Die Fortschritte der Bolen liegen mit einer Viertelmilliarde fruchtbar zu machen. Herr v. Koscielski auf wirtschaftlichem Gebiete, und deshalb ist der Grundgedanke der scheint sehr für die Finanzen des Staates besorgt zu sein. Mein Vorlage, ihnen auch auf wirtschaftlichem Gebiete entgegenzutreten, verchrter Freund v. Rheinbaben hat aber doch auch die Vorlage als durchaus richtig. absolut notwendig bezeichnet, und selbst Miquel, der doch viel von

erleide).

Graf Droste- Bischering:

Finanzfachen verstand, hat wiederholt darauf hingewiesen, daß mit Ich halte es nicht für recht, die Polen unter ein Ausnahme­der Ansiedelung recht wohl ein gutes Geschäft zu machen sei, und gesetz zu stellen. Die bisherige Ansiedelungspolitik hat nur sehr

fein. Wenn schnell gearbeitet wird, stellt uns das eine Prämie in Aussicht."( Heiterkeit.)

Brömel will keine Verschleppung, aber eine gründliche, ein­gehende Prüfung, dann könne das Plenum immer noch die zweite Lesung vornehmen, die er und seine Freunde wünschten.

v. Kardorff erwidert, Mitglieder der Freifinnigen Vereinigung hätten ihm gesagt, sie wollten dafür sorgen, daß die Vorlage nicht aus der Kommission an das Plenum komme.( Brömel ruft: Namen nennen!)

Graf Pofadowsky legt der Kommission in eindringlichen Worten nahe, das Werk nicht zu gefährden durch Hinausziehung und dadurch das Ansehen Deutschlands vor dem Aus= Lande herabzuseßen.

Molkenbuhr ist für eine Pause zwischen 1. und 2. Lesung, ebenso Müller- Sagan.

Blankenhorn ist der Ansicht, daß der Termin des Wieder­zusammentritts des Plenums jedenfalls zwischen Regierung und Parteien vereinbart ist, in der Voraussetzung, daß die Kommission sich beeilt mit ihrer Arbeit. Er giebt sich der Hoffnung hin, daß auch noch eine Pause vor dem 14. Oktober eintritt.