B. 155. 19. Jahrgang. 3. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt.
Kapitalistisches Schreckensregiment.
er wollte.
=
Sonntag, 6. Juli 1902.
ſchreiben konnten, zu engagieren. Die Leute sahen sich aber in ihren nichts für solch arbeiter, Einträger, Pfleger, Ausleerer 2c., erträglichen Verhältnisse beseitigt, hat Unfrieden und Erbitterung
Gewerbegericht eine solche Arbeitsordnung als rechtsverbindlich an- Jeder, der nur mündlich oder schriftlich mit dem Vertrauensmann sähe. Nach der Arbeitsordnung ist ferner der Arbeiter verpflichtet, verkehrt, wird entlassen. In die Fabrikwohnungen wird kein Fremder nach Ermessen der Fabrikleitung auch andre Arbeit als die, hineingelaffen. Die Glasarbeiter Dresdens ersuchen uns um Aufnahme der für welche er angenommen ist, zu übernehmen. Welch an So ist es denn erreicht worden, daß von den ca. 400 organi folgenden Darstellung der Zustände in der großen Glasfabrik der eine Fülle von Möglichkeiten zur Chikane giebt nicht diese Bestimmung fterten Arbeitern, die vor dem Streit bei Siemens arbeiteten, nur Firma Siemens: Es heißt ferner in dieser Muster- Scharfmacher- Arbeitsordnung: noch einige 80 übrig geblieben sind. Die Organisation hat keine Ein wahres Schreckensregiment führen, nachdem die Glas- Vom Lohn können außer der Verrechnung etwaiger Vorschüsse noch Möglichkeit, ihren kulturfördernden Einfluß geltend zu machen. Anf arbeiter der Hunger wieder in die Hütten getrieben, die abgezogen werden: Gegenforderungen der Fabrikleitung, soweit ihre einen Streit oder Maßregelungen tann sie es nicht mehr auFlaschenfabrikanten. Aber nirgends fann es jetzt so schlimm Aufrechnung gegen die Lohnforderung gesetzlich zulässig ist, insbesondere tommen lassen, dazu fehlen nach dem mörderischen Verzweiflungssein, selbst nicht bei dem gewiß nicht als human verschrienen etwaige fällige Mietbeträge". Eigentlich müßte sie also Reisevorschüsse streit die Mittel. Es bleibt also nichts weiter mehr übrig als die 80 Millionen- Hehe in Gerresheim , wie bei der Firma Siemens und Mietbeträge erst einflagen. Das macht die Firma aber nicht, öffentliche Kritik. Vielleicht wirken auch alle Arbeiter darauf in Dresden und Döhle 11. sondern zieht einfach alles ab. Daß der§ 616 in einem solchen hin, daß diese rücksichtslose Firma, die den Arbeitern die allerSchon vor dem Streit waren die Verhältnisse unerträglich, fort- Betriebe durch einen entsprechenden Bassus unwirksam gemacht ist, elementarsten Menschenrechte vorenthält, von feiner Körpers während fanden Maßregelungen statt. Die Hüttenverwaltung ging darüber wundert man sich nach dem Voraufgegangenen nicht mehr. schaft, von feinem Unternehmen, auf das Arbeiter Einfluß sogar so weit, die von den Arbeitern ordnungsgemäß ge- Alles Risiko wird in diesem Betriebe, in dem Jahr für Jahr au haben. fernerhin noch Bestellungen erhält. Wenn die wählten Vertreter zur Generalversammlung der Betriebs- Stranfentasse die glücklichen Aktionäre, alles schwer reiche Leute, 18 und mehr Pro- Ausbeutung der Arbeiter eine derartige Höhe erreicht, wenn das zu maßregeln, weil diese es versuchten, die Interessen ihrer zent Dividende ausgezahlt wird, auf die Arbeiter abgewälzt. Es Elend und die Lebenshaltung, die Menschenwürde der Arbeiter einen Mandatgeber, der Versicherten, auch wirklich zu vertreten. Man heißt da, für alle Waren, die von der Fabritsleitung nicht als brauchbar solchen Tiefstand erreicht hat, daß sie sich selbst nicht mehr zu wehren wurde diese unbequemen Mahner auf sehr leichte Art und Weise los. angesehen werden, hat der Arbeiter keine Bezahlung zu verlangen. Und vermögen, dann hat die gesamte übrige organisierte Arbeiterschaft, Man warf sie aufs Pflaster. Schließlich ließen sich natürlich mir wie oft kommt es nicht vor, daß infolge schlechten Glases, wofür soweit sie organisiert ist, die Pflicht, einzugreifen; fie tann eine einnoch Ergebene der Werksverwaltung wählen, mit denen der natürlich der Glasmacher doch nicht im geringsten haftbar gemacht werden zelne Arbeiterschicht nicht sinken lassen. ans Beamten der Hütte gebildete Borstaud umspringen fonnte wie fann, weil er mit der Bereitung der Glasmasse nicht das geringste Unausgefeßt streckt das Siemenssche Riefenunternehmen seine zu thun hat, mangelhafte Ware hergestellt wird. Auch für Macht aus über zahlreiche kleine Hütten, um ihr System rechtsloser Die Siemenssche Hütte hatte fortwährend Agenten in alles, was noch später mit den Flaschen bis zur Versendung Arbeitsverhältnisse einzuführen. Ueberall, wohin es seine Hände Böhmen , Galizien und Rußland , die bemüht waren, geschieht, wird der Glasmacher herangezogen. Er bekommt gestreckt, hat es die bis dahin dort herrschenden einigermaßen neue Arbeiter, am liebsten solche, die kein Wort Deutsch lesen und ebenso wie Man kann sich also einen Begriff gefät. Ueberall sucht die Firma die Organisation aus Heffnungen später sehr enttäuscht. Die armen Ausländer, die meistens davon machen, wie oft alle diese Arbeiter die harte, ungesunde Ar- zurotten. Massenhaft zieht sie aus Böhmen , Galizien und mit Sad und Back, mit Frau und Kindern hierher geschafft wurden, beit in glühender Hize umso ist machen müssen. Wenn sie infolge Rußland indifferente, leichter auszumuzende, leichter zu bevor waren hilflos allen Anordnungen verfallen. So lange der größte Teil eingetretener Betriebshindernisse mehrere Tage nichts verdienen mundende Opfer heran. Sie ist so richtig das Urbild des modernen der im Betrieb beschäftigten Arbeiter noch gewerkschaftlich organisiert tönnen, so geht das auf ihr Risiko. Sie dürfen nach der Arbeits- Scharfmachertums, dem Stumin und Krupp ihren Stempel aufwaren, standen diese deir also Ratlosen mit Rat und That zur Seite, ordnung nicht einmal ohne Kündigung aufhören und sich neue Arbrit gedrückt. Aber es ist noch ein Unterschied: Während die Scharfso viel es möglich war. Jezt giebt es für dieselben nur zwei Wege: fuchen. Die in der Gewerbe- Ordnung angegebenen Gründe zur macher der Eisenbranche ihre Arbeiter, wenn sie ihnen auch die Entweder sie lassen sich alles gefallen: Wintürliche Lohnabzüge, Auflösung des Arbeitsverhältnisses genügen dem Siemensschen persönliche Freiheit beeinträchtigen, sie doch wenigstens so viel ver= Strafen, Schimpfereien, ja selbst Handgreiflichkeiten von seiten dieses Werke noch nicht. Es hat sich noch ein paar Extra- Gründe, dienen lassen, daß sie nicht verhungern die Firma Siemens oder jenes Werkzeuges der Direktion oder aber sie schütteln den Staub die der Willkür Thür und Thor öffnen, konstruiert. So kann tnebelt ihre Arbeiter erst und treibt sie dann durch ihre Unduldsamunter Zurücklassung von sog.„ Spargeldern" cc. von ihren Stiefeln die sofortige Entlassung des Arbeiters erfolgen bei Handlungen, die feit in die Verelendung, in den langsamten Hungertod! und ja, was wollen sie machen. Dabei hat man auf der eine Täuschung der Vorgesetzten oder der Fabrikleitung zum Zweck Siemensschen Hütte ein fein ausgeflügeltes System: Wenn irgend einer haben, bei Aufwiegelung von Mitarbeitern zu Handlungen gegen Differenzen gehabt hat, dann wird gewöhnlich die ganze Berwandt- das Interesse der Fabrik. Man sieht, die Fabrik hat es in der Hand, fchaft, Väter, Söhne, Schwäger zc., ebenfalls aufs Pflaster geworfen. jeden Mißliebigen jofort zu egmiitieren; denn Handlungen gegen das au Haben sie eine Fabritswohnung inne und die von auswärts Interesse der Fabrik sind schon, wenn einer bessere Bezahlung Kommenden werden mit Vorliebe dahineingesteckt dann müssen sie oder sanitäre Verbesserungen verlangt. Geradezu einzig dürfte auch auch die verlassen und wissen meistens nicht wohin. die Bestimmung sein, nach der dem Glasmacher, der nicht eine bestimmte Summe wöchentlich verdient, 3 Prozent abgezogen werden tönnen. Wenn also durch Schuld der Betriebsleitung der Arbeiter Swinemde. 761 WSW 2bedeckt an flotten Arbeiten durch allerhand Betriebsstörungen, schlechtes Glas, Hamburg unregelmäßigen Gang der Ofen, verhindert wird und wenig ver- Verlin dient, dann werden ihm zur Strafe dafür 3 Proz. vom Lohn ab- Grantf./M. 766 SW München 769 23 gezogen. Der Arbeiter wird für das Verschulden der Betriebsleitung Wien Das eine kleine Blütenlese aus diesem einer
Ja, wird man verwundert sagen: Es giebt doch aber ein Gericht, sogar ein Gewerbegericht, wo die Leute ihr Recht suchen können. Gewiß! Und die Sirma Siemens ist wie zu Hause da. Durch die langjährige Bragis aber hat sie eine solche Erfahrung darin gesammelt, twie man es anzufangen hat, um durch die sogenannte Fabrik ordnung alle oder doch die meisten Klagen von vornherein unwirksam zu machen, daß es nur selten einem Arbeiter gelingt, zu bestraft. Rechte zu kommen. Die Gewerberichter wie die
feineb et au comm, 15 belt ichon oft die stöpfe geſchüttelt über ordnung, it reies nur Slechte per Gabrit, für den
die kalte Gelassenheit der Vertreter der Firma, mit der die Lohn- Arbeitssklaven nur Pflichten giebt. ansprüche den armen Teufeln vorenthalten wurden. Rücksichtslos wird jeder Versuch, die unerträglichen Verhältnisse einer Arbeitsordnung an. In§ 3 heißt es:" Der Inhalt der an einer Versammlung teilnimmt, wird unweigerlich hinausder Arbeitsordnung ist auch ohne Empfangnahme und unterschrift geworfen. Spigel werden in die Versammlungen liche Vollziehung für den Arbeiter rechtsverbindlich." Wenn gefchickt, die frech und offen erklären: fie wären von der man nun weiß, daß viele Ausländer auf der Hütte beschäftigt Direktion gesandt, um jeden Arbeiter der Firma Siemens aufzunotieren. werden, die nicht deutsch verstehen, kann man ermessen, was dieser Allein nach der ersten Bersammlung wurden 30 Arbeiter, die von Bassus besagen will. Verwunderlich wäre es allerdings, wenn ein den Spizeln, jungen Schreibern, erkannt waren, gemaßregelt.
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Stationen
stand mm
Wind
Bunipia
Windstärke
Wetter
763 WNW 5 bedeckt 763 S
Temp. n. C.
5°. 4° R.
Stationen
Barometer=
stand mm
Winds
Windstärke
richtung
Wetter
2wolkig
Temp. n. 6.
15° 6.= 4° R.
33718
15 Haparanda 754
1 bedeckt 2wolkig
15 Petersburg 7582 15 Cort 17 Aberdeen
1 bebeckt
4wolfig 19 Paris 1woltig 18
768 769
1 Dunst
1 wolfen 19
766 3 Wetter Prognose für Sonntag, den 6. Juli 1902. Ziemlich fühl, zunächst trübe und regnerisch; später vielfach heiter, mit unter Regenschauer bei frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau.
Briefkasten der Redaktion.
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