Nr. 238. 19. Jahrgang.
Musik.
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ich weiß es nicht sicher. Sicher aber ist, daß er trabt wie viel Geld zu verdienen, daß sie ihren Geliebten heiraten könnte, nur irgend einer, und daß er es am wenigsten sollte. Denn der wenn er ihr nicht natürlich noch stürbe diese Geschichte hat der vielleicht größte Teil seines Tertes sind Recitative, Gesprächsjähe von Komponist in eine grelle Effektmusik getaucht, in der Einzelres, Opernhaus . Den in Stürmen erprobtesten Seemann kann der nüchternsten Gewöhnlichkeit, die am ehesten noch erträglich werden wie z. B. ein Soldatenlied und das darauf folgende Nachtstück sogar bielleicht doch einmal, wenn die Wetter gar zu wild wüten, eine könnten durch eine freie( nicht„ menfurierte") Sprachdeklamation. sehr interessant geraten ist. Frau de Nuovina ist in der That eine Bangigkeit oder die Seekrankheit befallen. Auch dem Musikreferenten, was thut mein Urich? Er liedertafelt sie nur so herunter und macht große Spiel- und Singkünstlerin mit einer höchst dramatischen der an das schrecklichste Gestampfe der Operettenschiffe und Opern- es mit ihrer Orchesterbegleitung erst recht ebenso. Daß diese aber Stimme, die namentlich in den unteren Lagen eine prächtige expreßdampfer gewöhnt ist, der furchtlos durch die Alte Jakobstraße den Gesang wahrhaft ausdeutete nein!( Man sehe z. B. die Be- Qualität besißt, im übrigen freilich etwas wie eine wuchtige Härte und selbst durch die Linden oder gar zum Kroll zu gehen vermag, gleitung der Worte auf S. 5 des Textbuches:„ Und wenn der Frei- zeigt. Die Sängerin behielt die französische Sprache bei, während der kühl und ruhig bleibt, wenn der Text- und Ton- Trott von Mißheitskampf mir Enttäuschungen" ust.) Ein paar charakterisieren alle andren deutsch sangen eine seit längerem übliche Bereicherung verständnis- Komödien herantrabt: auch ihm kann es geschehen, daß wollende Spielereien mit den Instrumenten wirken eher komisch. Um unsrer Kunstzustände. Alseits französisch zu fingen, würde immer bei diesem Trotten und Stampfen und Schaukeln allmählich die große wenigstens etwas zu retten: manchmal ist die malende Instru- noch besser taugen. Uebligkeit herannaht und er mit verzweifelten Blicken und gerungenen mentierung nicht übel( z. B. in jenem Buch S. 27). Aber das Die beiden Aufführungen waren ersichtlich eine GelegenheitsHänden zum großen Kronleuchter emporseufzt:" Muß es denn sein, Glockenspiel, das Frieden verkündet, nachdem die Sturmglocke in der und Verlegenheitsarbeit. Besonders mit dem Glockenspiel" fand daß ein Mensch so leidet? Ist nirgends Land zur Rettung zu er Stadt Dünkirchen Anno 1646 vergeblich zur Niedermezelung der be- man sich rasch ab. Doch eine solche Sinnwidrigkeit wie das Kommen reichen? Und muß es gerade das weltberühmte Opernhaus in Berlins fiegten Spanier aufgefordert hat? Das müßten doch liebliche und Gehen der Personen durch die gegenüberliegenden Thüren im Mitte sein, das solche Qualen bringt, inmitten eines Publikums, das Klänge sein und vielleicht gar ebenso ins Ganze hineingearbeitet sein, ersten Aft sollte sich eine Regie wie die Droeschers nicht leisten; jubelt, wenn es derartiges genießen darf?!" wie es gestern mit Hubays Hackbrett im Dorflumpen" war? Doch oder interessiert sie sich einzig nur für Massen? nicht zum einen und noch weniger zum andern reicht Urich3 Erfindung. wirkende waren für uns neu. Fräulein Reinisch ist von der Den Abend beschloß ein Werkchen des angesehenen Komponisten Stuttgarter Oper, guten Angedenkens, herübergenommen. Sie hatte J. Massenet . Vor einiger Zeit hatte ein biblisches Oratorium sich dort als kunstvolle Koloraturistin bewährt; in der jugendlichvon ihm, ich glaube" Maria Magdalena ", uns nicht eben viel Sehn- dramatischen Rolle der Meßnerstochter stand sie nicht am richtigen sucht nach diesem altjungen Franzosen erweckt.„ Das Mädchen Plazz; und es war wohl weniger ihre Schuld als die einer nachvon Navarra", Lyrische Episode in zwei Aften, Dichtung von lässigen Gesamtarbeit, daß sie zu Beginn des zweiten Aftes sich mit J. Claretie und H. Cain, deutsch von Mar Kalbeck, ist dein Orchester nicht zusammenfand. Herr Jörn, der in der nun jedenfalls die Leistung eines die Tonkunst ganz anders be-" Navarreserin" eine Nebenrolle gab, war uns vor etwa zwei Jahren herrschenden Künstlers, als dies von Urich gelten fann. Sie war im in der Morwitz- Oper aufgefallen durch eine gut veranlagte, aber vergangenen Frühjahr von der unglücklichen scanzösischen Opern- ordinär behandelte Stimme. Seither ist es mit seiner Stimmgesellschaft gebracht worden, mit der berühmten de Nuovina, behandlung etwas besser geworden, doch unfein und gewöhnlich die jenes Unternehmen hätte retten sollen. Der Dame ging eine flingt und spielt dieser Tenor immer noch. Zwischen unsren Chrischen schr ehrenvolle Achtung persönlich wie künstlerisch zur Seite, Tenoren, Sommer und philipp, geht es aber zur Not an. und es war gut, sie in glatteren Verhältnissen kennen lernen zu Ueber die äußeren Erfolge zu berichten lohnt bei dem Typischen alf lassen. Ten Massenet hat man vielleicht nur ihr zu Liebe vor dieser Vorgänge so wenig wie sonst.- geführt. Die Geschichte von der Navarreserin, die im Carlistenfrieg von 1874 den gefürchteten bastischen Führer tötet, um sich so
Die ztveiaftige Oper„ Das Glockenspiel", mit dem modischen Nebentitel aus dem Französischen( Le Carillon"), Tert von J. Mér y und P. B. Ghe usi, Musik von J. U rich, die vorgestern Donnerstag im Opernhaus zum erstenmal gegeben wurde, war viel leicht der Gipfel dessen, was sich dieses Kunstinstitut seit langem geleistet hat. Wahrscheinlich gehört sie zu den Stücken, die der„ viel versprechende" selige Geheimrat Pierson irgendwann angenommen, und die nun vertragsmäßig erledigt werden müssen. Wir haben schon mehrmals bemerkt, daß die meisten jezigen Komponisten, felbst wenn sie im Melodischen und Harmonischen und noch in anderm recht u nehmbares leisten, doch in Rhythmischen und( um dies noch eigens abzugrenzen) im Metrischen oft unglaublich primitiv arbeiten. Das einförmige Getrabe geht so dahin, als sollte dem Taktstrich ein hohes Lied dargebracht werden. Man lese einmal diesen Bericht laut mit gleicher Betonung etwa jeder vierten Silbe, und man wird ahnen, was wir meinen. Die Deutschen dürften hier obenan stehen. Ob Urich zu ihnen gehört, ob er seinen Text im Französischen vertont
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