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dem Terrain zwei Spielplätze vorgesehen; der Ausschuß hat einem einheitlichen größeren Spielplatze den Vorzug gegeben.) Die Versammlung tritt dem Ausschußantrage bei und beräth darauf aus Antrag Laugerhans vorweg den Antrag Meyer II wegen der Projekte zur Umgestaltung der Schloßumgebuugcn, der nachtraglich auf die Tagesordnung gesetzt ist. Die Stadtvv. Meyer II, Langerhaus, Hermes, V i r ch o>v, W o h l g e m u t h und Celle beantragen: den Magistrat zu ersuchen, ihr baldigst Mittheilung davon zu machen, ob er in Verhandlungen betr. die Freilegung der Umgebungen des Schlosses eingetreten ist, mit wem diese Verhandlungen gepflogen werden und welchen Inhalt sie haben. Stadtv. Meyer II: Nach den neuesten Zeitungsnotizen müssen wir glauben, daß der Magistrat uns Aufschluß geben kann über Projekte, welche bisher im Halbdunkel ihr Dasein ge- fristet haben, welche aber in der Bürgerschaft lebhaste Erörte- rungen erregt haben und vielleicht zu ernst sind, um mit deni Spott abgefertigt werden zu können, den sie herausforderten. Die Gestaltung der öffentlichen Straßen und Plätze ist Sache der Behörden; nicht aber haben dabei Privat« Personen in den Vordergrund zu treten, um derartige An- gelegenheiten selbstthätig in die Hand zu nehmen(Sehr wahr!). Die Gefahr, daß dem ersten Schritte auf diesen dunklen und ver- schlungenen Wegen zum Nachtheil der Stadt weitere folgen müssen, hat sich für die Stadt bereits verwirklicht, nachdem sich tne städtischen Behörden bei der Niederlegung der Schloßfreiheit die Initiative haben aus der Hand winden lassen.(Sehr richtig!) Es sind bei allen löblichen Absichten auch sehr materielle �Interessen mit diesen Projekten verknüpft gewesen, es sind von Privatpersonen sehr große Lotterieprovisionen bei dem Schloß- freiheitsprojekl eingestrichen worden. Jeder betreibt das Ge- schüft, welches er gelernt hat(Heiterkeit), wir haben uns aber gegen solche Bestrebungen zu wehren, die eigentlich die .Stadt beleidigen. Ader auch das Ziel dieser Pro- jekte müssen wir mißbilligen, wir können nicht um irgend einer künstlerischen Laune willen in gesundes Fleisch .schneiden. Schon heute neigt man auch in den Kreisen, die sich für die Niederlegung der Schloßfreiheit begeisterten, zu der An- nähme, daß der gewollte Zweck nicht erreicht wird. Es wäre ja nun möglich, daß die Umgestaltung der laugen Brücke Umbauten am Schloßplatz nöthig macht, aber darüber der Kommune ihr unlegitimirtes Urtheil aufzudrängen, hat keine Privatperson das Recht!(Zustimmung.) Es handelt sich weiter um die Nieder- legung des Rotheu Schlosses, um die Erweiterung und Ver- legung des Spreearmes. Man spricht von einem Enteuteich. Dergleichen Teiche mögen in ländlicher Umgebung ein nicht zu verachtendes Idyll sein, aber nicht in großen Städten. Das Bauwerk Schinkels verlangt auch Nespett. Alle diese Pläne sind gleichmäßig phantastisch und kulturwidrig. Man soll Berlin nicht plötzlich umgestalten wollen nach den Ideen eines namenlosen Komitees. Auch von dem Mittel einer Lotterie ist wieder die Rede.Wenn man nicht weiß, wo oder wie, dann macht man schleunigst'ne Lotterie*(Heiterkeit). Im Interesse der Stadt, im Interesse der Erhaltung der wirthschaftlichen guten Ordnung unter den Bürgern müssen wir gegen solche Ver- lockungen einschreiten. Hoffentlich wird das Magistratskollegium und jedes seiner Mitglieder gegen diese Pläne eine straff ab- lehnende Haltung einnehmen.(Beifall.) Stadtrath Voigt: Die verschiedenen Gegenstände de> An- trags wie der Begründung sind für den Magistrat vollständig getrennt. Es besteht ein Äemeindebeschluß, wonach die Stadt sich bereit erklärt hat, die freigelegte Schloßfreiheit zu einem Schmuckplatz zu gestalten. Diese Angelegenheit steht ganz außer Zusammenhang mit der Frage der Beseitigung der Häuser zwischen Breitestraße und Kurfürstenbrücke. Die erste Frage ist erschwert worden durch ihre Verknüpfung mit der Frage der Dcnkmalsausstellung. Durch diese Verknüpfung ist die Leitung der Verhandlungen über die Gestallung des Platzes aus das Reichsamt des Innern übergegangen. Unter dieser Leitung hat neuerlich eine Konserenz stallgefunden; da wurde auch das Projekt eines Baumeisters Ziller zur Kenntniß gebracht, welches das Terrain vor dem Schlosse und bis zum Werder'schen Markt betraf; das Projekt ist aber nicht Gegenstand der Verhandlung gewesen. Die Absicht, das Schloß mit einer Terrasse zu um- geben, kam auch zur Sprache, die Bedenken dagegen sind hervor- gehoben, ein Beschluß aber nickt gefaßt worden. Die Frage wegen Ueberlassung des Helms'schen Grundstückes ist auch von gewissen Vorbehalten abhängig gemacht worden. Die event. Be- seitigung der Häuser auf der Südseite des Schloßplatzes, die über die Fluchtlinie von der Brüderstraße hinausgehen, ist schon 1881/82 im Magistratsdezernat erörtert worden, aber die Angelegenheit scheiterte am Kostenpunkt. Als der Schloßbrunnen ausgestellt werden sollte und der Umbau der Kurfürstenbrücke, welche nach- theiligerweise schräg zur Achse des Flusses liegt, in Betracht kam, wurde wiederum nichts daraus, bis jetzt dem Magistrat von deni Ober- Berwaltungsgerichtsrath Kunze der Antrag unterbreitet wurde, daß er zur Beseitigung der Gebäude durch die Stadt IV» Millionen beitragen würde, die nicht im Wege einer Lotterie beschafft werden sollten. Da das Projekt aus sachlichen Gründen als wünschenswerth bezeichnet werden muß, die Brücke sich dann günstiger bauen, der Berkehr besser anordnen läßt, so hat der Magistrat geglaubt, dem Projekt nicht mehr so ablehnend gegen- über zu stehen. Er bat beschlossen, daß die Sache gänzlich außer Zusammenhang mit irgend einem Lotterieprojekt zu bleiben habe, und die Baudeputation beauftragt, ein Projekt für die Reg ulirun g des Schloßplatzes aufzustellen. Stadtv. Singer: Ich bin dem Magistratsvertreter außer- «rdentlich dankbar dafür, daß er Herrn Kunze aus dem mysteriösen Dunkel endlich einmal auf die Bildfläche gebracht hat. Dieser Umstand ist viel werth. Weiter aber kann ich meine Zustimmung zu den, Ausführungen des Sladtraths Voigt nicht erstrecken. Richtiger wäre es wohl gewesen, wenn der Magistrat die Frage nicht mit derjenigen Sympathie behandelt hätte, wie es geschehen ist. Ich hätte gewünscht, daß auch im Magistratskollegium die Ueber- zeugung zum Ausdruck gekommen wäre, daß, wenn die Stadt Berlin es für nothwendig hält, im öffentlichen Interesse Häuser niederzureißen, sie dazu der Gaben sogenannter patriotischer Leute nicht bedarf. Die unmittelbare Konsequenz dieses Stand- Punktes wäre gewesen, das Anerbieten des Herrn Kunze pure ab- zuweisen. Damit wäre der Stadt mehr gedient gewesen als durch die Verhandlungen mit diesem Herrn. Daß die beiden Angelegenheiten vollständig zu trennen sind, kann formell nicht in Abrede gestellt werden, aber thatsächlich ist die bisherige Art der Verhandlungen einzig und allein die Folge jenes Beschlusses gewesen, der zur Niederreißung der Schloßfreiheit führte. Der Magistrat sollte doch nicht Bogelstrauß-Politik treiben, denn die Frage der Neugestaltung der Umgebungen des Schlosses ist nrchts als eine Folge jenes ersten Beschlusses. Auch ist, mit dem Ausschluß zeder Lotterie die Angelegenheit durchaus nicht abgemacht. Die ganze Auffassung des Magistrats entbehrt sur. nuch der Klarheit und namentlich deS Rückgrats, welches ich lebhast wünschen würde. Ich bitte daher um die Annahme des Antrages, weil ich hoffe, daß dem Magistrat klar werden wird, daß damit zugleich ein Votum in der Sache selbst abgegeben und er niemals auf die Zustimmung der Versammlung zu rechnen haben wird. Es ist>0 ein Akt hoher Selbstverleugnung unseres Oberbürgermeisters, wenn er, wie die Zeitungen schreiben, dem Kunze'schen Projekt nicht ganz abgeneigt gegenübergestanden hat. Aber so edel und anerkennenswerth diese Eigenschaft ist (Heiterkeit), wir haben doch keine Veranlassung, deswegen diesem Projekt näherzutreten. Einmal werden die Grundstücke doch viel theurer sein, dann aber wird, was durch die Verbreiterung des Platzes etwa für den Berkehr gewonnen werden könnte, durch das derühmte Terassenprojekt sofort wieder weggenommen werden. (Zwischenrufe: Vielmehr! Doppelt soviel!) Wenn man aller- dlnas auf dem Standpunkt des Magistratskommissars steht, daß «s für»ine Brücke»in Unglück ist, daß st« nicht rechtwinklig zur Axe des Flusses liegt, daß Brücken und Flüsse sich nach den be- nachbarten Schlössern zu richten haben, dann liegt die Sache anders. Ich kau» nun nicht mit Herrn Meyer darin über- einstimmen, daß er gerade auf die fluchwürdigen Privat- Personen die Schale seines Zornes ausgegossen hat. Viel berechtigter hätte sich sein Groll gegen die amtlichen Stellen gewendet, welche es den Privatpersonen erst ermög- lichten, zu glaube», daß man auf ihre Wünsche eingehen wird. Es ist die höchste Zeit, daß sich die Vertretung der Stadt Berlin von diesen Projekten loslöst. Tie Frage braucht gar nicht so delikat behandelt zu werden, es handelt sich hier um Stellen- jägerei, um Spekulation auf Auszeichnungen und auf materiellen Gewinn. Wir haben also keinen Grund, mit unserer Meinung hinterm Berge zu halten. Ter Magistrat wird gut thun, wenn er aus der Annahme des Antrages die Ablehnung aller derartigen Projekte durch die Versammlung für sich herauslieft. Bürgermeister Zelle: Ich bitte, die Angelegenheit durch die Debatte und die Antwort des Magistrats als erledigt anzu- sehen.(Widerspruch.) Wir im Btagistrat werden eine weitere Antwort zu geben nicht im Stande sein. Herr Singer sprach von Projekten, an welchen der Magistrat mehr oder minder be- theiligt sein soll. Von dem Projekt eines Teiches oder der Be- seitigung der Bau-Akademie ist absolut nicht die Rede. Der Magistrat ist nicht damit befaßt.(Zivischenruf: Kommt noch!) Es sind das bloße Gerüchte. Der Magistrat ist nur mit der Herstellung der Schloßfreiheit als Schmuckplatz beschäftigt und mit der Frage, ob nicht noch bei der Umgestaltung der Kur- fürstenbrücke über das eine Haus, das ohnehin augeschuitten werden muß, hinausgegangen werden solle.(Aha!) Die Ausarbeitung der Pläne ist unserer Bau- Deputation übergeben. Der Oberbürgermeister hat sich mit diesen Projekten gar nicht abgegeben. Herr Singer bedauerte, daß ganz ehren- werthe Personen aus den Kommunalbehörden sich dazu hergegeben hätten, Projekte wie die Niederlegung der Schloßfreiheil mit- zumachen. Was die Niederlegung der Schloßfreiheit betrifft, so ist das noch nicht auch blos eiue ästhetische Grille. Man hat sich doch gefreut, daß dort ein Schmuckplatz, eine wirkliche Freiheit entstehen soll. Die Absicht dazu wurde ja seit niehr als 10 Jahren vergeblich verfolgt. Die Lotterie war uns keineswegs migenehni. Im Gegentheil, um den Schmuckplatz für die Stadt zu retten, haben Herr Stryck, Herr Maaß und ich uns geopfert. Die Lotterie war doch nicht abzuwenden. Damit glaubten wir uns den Dank beider Kollegien zu verdienen. Stadtv. Langerhans kann nicht ganz zugeben, daß mit diesen Erklärungen die Sache erledigt ist. Der Magistrat sei offenbar nicht scharf genug vorgegangen. Waren bei den Be- sprechuugen im Reichsamt des Innern Magistratsvertreter zugegen, dann.hätten diese sofort ganz energisch gegen die vorgeführten neuen Projekte Front machen müssen. Noch erstaunlicher sei, daß man jetzt das Helms'sche Grundstück fiskalischerseits nicht vor- dehaltlos hergeben wolle, während das Gegentheil seiner Zeit stipulirt worden sei. Ein solches Gehenlassen könne die Ver- sammlung nicht billigen. Noch viel weniger wolle sie mit der- artigen unangenehmen Geschäften, wie Lotterien, irgend etwas zu thun haben. Stadtrath Voigt entgegnet, daß die Magistratskommissare gegen das weitergehende Projekt nicht austreten konnten, weil es nicht Gegenstand der Berathung war(Heiterkeit). Stadtv. Barth beantragt, den Magistrat zu ersuchen, beiden Verhandlungen über die Umgestaltung des Schloßplatzes gänzlich von der Ausbringung der Kosten durch private Beiträge abzusehen.(Widerspruch.) Stadtv. V o r t m a n n: Die Erklärungen des Magistrats genügen nicht, höchstens beweisen sie, daß Herr Kunze geschickler als die Magistratsvcrlreter operirt hat. Es ist auch ein ganz abnormer Ausnahmefall, daß der Magistrat den Anträgen des Herrn Kunze gegenüber sofort auf neue Straßenregulirungen u. Vgl. eingeht, während andere derartige Anträge nur sehr schwer beim Magistrat Gehör finden. Von der Bedingung der Ab- tretung von 12 Nietern Fläche längs der Südfront des Schlosse!- für Terrassen ist in der Magistratsantwort gar nicht die Rede. Hoffentlich wird der Antrag Barth eine große Mehrheit finden. Die Bürgerschaft will nichts geschenkt haben.(Widerspruch.) Stadtv. Meyer I beantragt die Vertagung, da der Antrag Barth zu weit gefaßt sei und erst gründlich erwogen werden müsse. Stadtv. Sachs U spricht gegen die Vertagung, da es für die Versammlung sich blos darum handle, zu erklären, daß sie mit Projektenmachereien und Projektenmachern nichts zu thun haben wolle. Der Antrag auf Vertagung der Weitcrberathung dieses Gegen- standes wird angenommen. Der Magistrat ersucht die Versammlung, in die Anfhebnng der mit den Pächtern der Restaurationen in den Markthallen IX(Pücklerstraße) und XII(Gesundbrunnen ) abgeschlossenen Verträge zu willigen. Die Verträge sind s. Z. auf drei Jahre abgeschlossen und laufen noch bis Ende September 13M bezw. Ende Januar I89S. Beide Restaurateure sind in ihren bezüglich des Verkehrs in den genannten Hallen und bezüg- lich des Restaurationsgeschästs gehegten Erwartungen getäuscht worden; die Hallen sind von Händlern nur schwach besucht, auf eine Hebung des Verkehrs ist vorläufig nicht zu rechnen, und von dem umwohnenden Publikum haben die Markthallen-Restauralionen keinen Zuspruch. Beide Pächter, von denen derjenige in Markt- Halle IX an Pacht nnd Wohnungsmiethe 10 000 M. zahlt, wür­den bei dem schlechten Geschäft pekuniär vollständig ruinirt werden. Die Versammlung stinimt dem Antrage des Magistrats zu. Mit der vorgelegten Skizze zur Erweiterung des städtischen Obdachs erklärt sich die Versammlung einver- standen. Danach sollen das Gebäude für nächtlich Obdachlose erweitert, eine Waschanstalt neu erbaut, dem Vordergebäude zwei neue Flügel in der Flucht der Hauptfront und zwei neue Seitenflügel an der Diesterweg- bezw. Winsstraße zur Unter- bringung von obdachlosen Familien angefügt werden. Die Vorlage betr. die Vertheilung der im Jahre 1891/92 beim Lehrpersonal der Gemeindeschulen lreirten Stellen auf dir einzelnen Gehaltsstufen wird ohne Diskussion an- genommen. Der Entwurf zum Neubau einer Leichenhalle und eines Wächterhauses auf dem städtischen Grundstück an der Diestel- meyerstraße neben dem Parochialkirchhofe und den Kostenanschlag von 47 bOO M. genehmigt die Versammlung, desgleichen das Projekt und den mit 419 000 M. abschließenden Kostenanschlag für den Neubau einer Gemeindedoppclschule auf dem Grundstück Wrangelstraße 133. Der Magistrat theilt die in Gemäßheit des Beschlusses der Versammlung vom 7. April an den Reichskanzler gerichtete Vor- stellung in Betreff des Gebrauchs der Schußwaffen seitens militärischer Wachtposten im Wortlaut mit. Die Versammlung nimmt ohne Debatte davon Kenntniß. Der Magistrat sucht bei der Versammlung unter detaillirter Mittheilung der Verwendungen des Erlöses aus der 53 Millionen- Anleihe von 1890 und unter spezifizirter Darlegung der innerhalb der nächsten vier Jahre aus Anleihen zu bestreitenden städtischen Bedürfnisse die Zustimmung zur Aufnahme einer O b l i- gationen- Anleihe von 70 Millionen nach. Bis zum Schlüsse des Rechnungsjahres 1393/93 werden, wie der Magistrat veranschlagt, die bezüglichen Ausgaben sür wirth- schaftliche und industrielle Anstalten 71703 984 M., für Kämmereizwecke 23 394 337 M.» in Summa 100 801 321 M. betragen, wovon aus dem Bestände der Anleihe von 1890 noch 1 302 333 Mark gedeckt werden können. Der Bedarf stellt sich hiernach auf 98 988 833 Mark; doch sollen einstweilen nur siebzig Millionen aufgenommen werden, die jedenfalls für einen Zeitraum von einigen Jahren ausreichen werden, nach dessen Verlauf dann besser zu übersehen sein wird, wie sich die weiteren Bedürfnisse für die Zukunft herausstellen und auf wie hoch und unter welchen Bedingungen eine fernere Anleche zweckmäßig ist. Die Anleihe soll aufgenommen werden: 1. Für die Fortführung der Kanalisation, für Bauten der städtischen Wasserwerke, für den Bau von Markthallen, für Neu- und Erweiterungsbauten der städtischen Gasanstalten nnd des städtischen Zentral- Vieh- Marktes und Schlachthofes; II. für den Bau einer zweiten Irren- anstalt, einer Anstalt für Epileptische, für den Ausbau der Damm- mühleugebäude, für die Erbauung von Brücken, für die Um- gestaltung des Mühlendammes und die Kanalisirung der Unter- spree, für die Anlegung bezw. Verlängerung der Kaiser Wilhelm- straße und Umgestaltung des Neuen Marlies, für den Hafen am Urban, für die Verlegung der Stettiner Eisenbahn, endlich für Straßenregulirungen aus Veranlassung der Errichtung der Stadt- bahn. Die Anleihe soll mit 3�/s pCt. verzinst werden und die Zins- zahlung am I. Januar resp. 1. Juli erfolgen, vom 1. Jan. 1397 soll die Ainortisation mit 1 pCt. jährlich beginnen. Stadtv. K a l i s ch beantragt Vorberathung der Anleihevor« läge an einen Ausschuß von 13 Mitgliedern. Stadtkäiuinerer Maaß widerspricht diesem Autrage mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der Bewilligung und weil im Ausschuß neues Material doch nicht gebracht werden könnte. Stadtv. K a l i s ch hält Ausschuß-Berathung doch sür an- gezeigt, da die Schuldenlast der Stadt rapide wachse und außer- veni diesmal für Siechenhäuser und höhere Schulen in der An- leihe nichts verlangt sei. Ueber dieses richtige Prinzip, das der Magistrat jetzt anerkenne, müsse man sich im Ausschuß aus- sprechen. Stadtv. Singer beantragt, bei der vorgerückten Stunde (nach 81/» Uhr) die Vertagung des Gegenstandes bis zur nächsten Sitzung. Ter Antrag wird abgelehnt. Stadtv. Singer: Stach dieser Ablehnung werden Sie nun schon noch einige Zeit aushallen müssen. Eine Berathung der Vorlage im Ausschuß halte ich mit dem Kämmerer für überflüssig, denn ob die Stadl Berlin eine Slnleihe aufnehmen soll und wie hoch, diese Frage gehört ihrer Natur nach in die öffentliche Ver- sammlung, weil die Bürgerschaft außerordentlich daran interessirt ist. Für uns, die wir hier die Mehrheil nicht haben, ist also eine eingehende erste Berathung das einzige Mittel, diese gründ- liche Erörterung herbeizuführen. Die Vorlage macht sür die Verwendung der 70 Millionen durchaus sachgemäße Vor- schlüge. Ich begrüße es mit dem Stadtv. Kalisch, daß der Magistrat jetzt auch das Prinzip anerkennt, Einrichtungen, welche durch das ständige Wachsthum der Bevölkerung zu den laufenden Ausgaben gerechnet werden müssen, nicht mehr aus Anleihen zu decken. Ich rechne dahin Krankenhäuser, höhere Schule, z. Th. auch Brücken. Wäre nach diesem richtigen System schon bisher verfahren, dann hatten wir nicht eine so respektable Anleihe- schuld. Bedauerlicherweise aber ist diese Auffassung im Magistrats- kollegium nicht schon beim Etat zum Durchbruch gekommen. Der Magistrat hätte den Etat dazu benutzen sollen, um unter Verzichtleistung auf die Herabsetzung der Einkommensteuer in denselben Summen einzusetzen und quasi alsSparfonds auszugestalteii, aus welchen dann nach einigen Jahren für Krankenhäuser u. s. w. die Ausgaben zu bestreiten wären. Dieses Verfahren unter Bei- beHaltung eines nun einmal cingebürgerieu Sleuersatzes hätte sich für eine geordnete Fiuanzwirlhschast viel mehr empfohlen. Tie Zeiten werden, namentlich nach der jetzt beliebten Herabsetzung, komm?», wo 120130 pCt. gebraucht werden. Ich will nur hoffen, daß die beiden Kollegien sich an dieser einmaligen Herab- setzung auf 70 pCt. werden genügen lassen. Ich wünsche nun aber, die neue Auffassung über die auf Änleihen zu übernehmenden Ausgaven jedenfalls lieber noch lebendiger und schärfer zum Ausdruck ge- bracht zu sehen. Vielleicht theilt uns der Kämmerer die Ans- fassung des Magistrats mit. Im übrigen stinime ich der Anleihe zu, obwohl mir der Zinsfuß von 3>/s nicht der rechte zu sein scheint. Ich habe allerdings selbst in der Finauzdeputation für 3>/» gestimmt, weil ich mit meiner Anschauung allein blieb. Ich wiederhole aber, es ist gut, wenn wir uns darauf gefaßt machen, dem Vorgehen anderer Körperschaften zu folgen. Das Gelb muß so billig beschafft werden wie möglich und die Stadt Berlin kann Geld wohl zu 3 pCt. erhalten. Vorsteher Stryck: Die Kontrolle meldet soeben, daß wir nicht niehr beschlußfähig sind. Schluß gegen 9 Uhr. Uolrales. Herr Richter, der Wahrheitsfreund. Das für den Vorwärts* eingerichlete Schimpfregister derFreisinnigen Zeitung* vom 5. Mai hatte eiue Nummer mehr, als wir annahmen. Zerknirscht thun wir Buße deswegen, daß wir die unerschöpfliche Leistungsfähigkeit dieses Blättchens im Schelten unterschätzten. Außer der kläglichen Erwiderung auf unseren willkürlichen Angriff* gegen die deutschfreisinnigen Lotterie- Patrioten(Vorwärts", Nr. 104 vom 4., Nr. 103 vom 3. Mai) rempelt der Chef des Blattes denVorwärts" wie folgt an: Renegaten sind anerkannter Weise die gehässigsten Gegner der- jenigen Anschauungen, welche sie früher vertreten haben. Seitdem imVorwärts" Renegaten, welche früher in der Redaktion der Volks-Zeitung" thätig waren, das Wort führen, ist die Ge- hässigkeit, mit welcher über freisinnige Dinge und dieFreisinnige Zeitung" gelogen wird, noch rasfinirter geworden, als früher." Diese Behauptung derFreisinnigen Zeitung" ist von Anfang bis Ende eine unverschämte Lüge. Es ist unwahr, daß irgend jemand von denen, diefrüher in der Redaktion der Volks-Zeitung" thätig waren", imVorwärts"das Wort führen". Aber selbstverständlich steht den durch schmählichste Machenschaften der Kapitalistenklique aus ihrer Stellung hinausgemaßregelten und geboykotteten Redakteuren der früher gut demokratischen Volks-Zeitung", den Opfern des Lindau - und Fortschrittsklüngels, unser Blatt zur Verfügung, wenn sie es zur Abwehr der schamlosen Angriffe jener bürgerlichen Klique gebrauchen, die sich nicht damit begnügt, mißliebige Gegner brotlos zu machen, sondern sie auch hinterlistig verleumdet. Als Die, welche ohne Grund Herrn Richter's Galle so sehr in Aufruhr bringen, in der Redaktion der Volkszeitung" thätig waren, denunzirre Herr Richter Tag für Tag und zwar war das unter dem Ausnahmegesetz die Volkszeitung" dem Puttkamer als einsozialdemokratisches" Blatt. Und heute sind sieRenegaten", weil'sie, wie Richter mit kecker Stirne flunkert, angeblich die Wortführer desVor- wärts" sind. Der schmähliche Humbug, den Richter heute treibt, schließt sich würdig einer früheren Heldenthat dieses Sykophauten an, die in dasselbe Kapitel gehört. Nach dem sozialistengesetzlichen Verbot derVolkszeitung" nämlich hausirte er mit der brünstigen Gier eines hosenhandelnden Schacherers jenes famose Zirkular, das die Abonnenten der unterdrücktenVolks-Zeitung" in das Gimpelnetz derFreisinnigen Zeitung" locken sollte. Das Ge- schäst über Alles! Daß dieFreisinnige Zeitung" in ihrer Be- griffsverwirrung, die nur die Folge eines moralischen Defekts, Wahrheit und Lüge stets verwechselt, und unsere fachliche, wahr- heitsgemäße an ihr und dem Deutschfreiflnn geübte Kritik für rasftnirle Lügen" hält, ist ein unheilbarer organischer Fehler. Britz . Die Maifeier, welche von den hiesigen Parteigenossen in Gebr. Walter's Rosen-See-Terrasse veranstaltet war, litt leider sehr unter dem schlechten Wetter und war infolge dessen auch der Zudrang nur ein geringer; ungefähr 300 Per- sonen mochten sich eingefunden haben. Dessenungeachtet verlief das Fest in harmonischster Weise. Ein Prolog, gesprochen vom Genossen M ö ß, leitete die Feier«in. Vorträge dreier Gesang- vereine wechselten mit Konzertpieeen und«inigen deklamatorischen Vorträgen ab. Die Festrede war uns von Seiten der Behörde