einen imermeßlichen Vortheil: ihre Gemüther lind noch jung- fraulicher Boden, gänzlich frei von den ererbten„respektablen" Bourgeoi?-Vorurtheilen ivelche ine Kopfe der besser gestellten „alten Union isten' ve irren. Und so sehen wir jetzt, wie diese neuen Unions die Führung der Arbeiterbewegung im allgemeinen ergreifen, und mehr und mehr die reichen und stolzen„alten" Unions ins Schlepptau nehmen. „Unzweiselhaft haben die Ostend -Leute kolossale Böcke gemacht; das thaten aber ihre Vorgänger auch, das thun heute noch die doktrinären Sozialisten, die über jene die Nase rümpfen. Eine große Klasse wie eine große Nation lernt nie besser und schneller als aus den Folgen ihrer eigenen Jrrthümer. Und trotz aller möglichen Fehler in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, bleibt das Wiedererwachen des Ostends von London eines der Größten und fruchtbarsten Ereignisse dieses fin de sifecle, und roh und stolz bin ich, daß ich es erlebte. 11. Januar 1392. F. Engels." Volitifche Aeverstifik. Berlin , den 9. Mai. Aus dem Abgeordneteuhause. Der deutschfreisinnige Antrag, der in der Sitzung vom 9. Mai zur Verhandlung gekommen ist, ersuchte um Auskunft darüber, ob die Staats- rcgiernug beabsichtige, fiskalische G e b ä u d e in der Umgebung des Schlosses niederzulegen oder fiskalischen Grund und Boden abzutreten, ferner, ob die Staats- regierung nochmals eine Lotterie zur Erwerbung oder Niedcrlegung von Privatgebäuden in der Umgebung des Schlosses genehmigen wolle. DaS Ergebniß der Debatten war zwieschlächtig. Eine positive Antwort wurde über den ersten Theil des Antrages durch eine> vom Minister des Innern, H e r r f u r t h, verlesene königliche Kabinets- ordre ertheilt, laut welcher der König bestinimt, daß „für das Kaiser Wilhelm I. zu errichtende Nationaldeukmal ein Entwurf ausgearbeitet werde, in welchem die Denkmals- anlage auf das östliche Ufer des Kanals beschränkt bleibt und von der jetzigen Fluchtlinie des gegenüberliegenden Ufers überall einen Abstand von 13 Meter erhält." Der Plan, einen Ententeich zu schaffen und die Schinkel'sche Bau-Akademie niederzureißen, ist durch diese Kabinetsordre, die recht lange hat auf sich warten lassen, ein für alle Mal beseitigt. Ueber den zweiten Theil der Anfrage, das Lotterieprojekt, dagegen schwiegen sich die zwei Minister, welche in die Debatte eingriffen, Herrfurth und Miquel— anwesend waren der Ministerpräsident Graf Botho zu Eulenburg, die Minister des Innern, der Finanz, und der Eisenbahnen, H e r r f u r t h, Miquel und T h i e l e n, sowie der dauerhafte Staatssekretär v. Bötticher— in ein so diplomatisches wie durchsichtiges Schweigen.„Ueber Bor- Hänge", sagte v. Bötticher,„welche nicht in den Kreis unserer verantwortlichen Thätigkeit fallen, können wir keine Erklärungen abgeben, auch nicht über Vorgänge, welche sich in der Um- gebung de? Kaisers abgespielt haben, soweit nicht Regie- rungShandlungen in Frage kommen." Und der Minister des Innern erklärte,„ein Antrag auf Gestattung einer Lotterie im Zusammenhange mit den erwähnten Projekten sei an ihn weder schriftlich noch mündlich gelangt und iveder amtlich noch— abgesehen von Zeitungsartikeln— außer- amtlich sei ihm etwas davon bekannt' geworden. Eine Ab- ficht der Regierung, eine Lotterie zu genehmigen, könne nicht vestehen, noch bestehe sie. Alle Angaben, als ob ihm Lotterie- Projekte vorlägen«., seien vollständig frei erfunden." Wie aber das Ministerium sich zu einem Lotteneprojekt stellt, das ihm gegebenen Falls vorgelegt werden würde, darüber erfuhr man nichts. Der Kunze'fche Plan ist aber doch nur vorläufig zu den Akten gelegt und kann Fleisch und Blut annehmen, wie die von der Staatsregierung genehmigte Echloßfreiheits- und„Antisklaverei"-Lotterie. Konstitutionelle Illusionen täuschen uns aber auch gar nicht. Die Herren Staatsminister halten es für vereinbar mit ihrer Stellung. daß das persönliche Regiment mit seinen Rathgebern und Gefolgsleuten sich immer fester„stabilirt". Und sie sind doch in der That die Nächsten dazu, sich ein Urtheil darüber zu bilden, was höher zu schätzen sei, das Portefeuille oder der politische Ruf. Graf Zedlitz, Reaktionär vom Wirbel bis zur Zehe, hat diese Streit- frage, die für die Bötticher, Miquel� Herrfurth doch längst etwas mehr als„ein Problems nur" ist, mit klugem Sinne beantwortet. Daß dieser aristokratische EincinnaluS sich an Reiche hundert Mittel, Dich zu verderben, wenn er Dich nicht erwerben kann? Ein Päckchen Spitzen genügt, in Deinen Koffer heimlich eingeschwärzt, um Dich den Armen der Gerechtigkeit zu überliefern. Denn: Heilig ist das Eigenthum! Menschenwürde und Meuscheiiglück aber und jungfräuliches Zartgefühl sind es nicht. Berufst Du Dich auf Deine Unschuld? Du mußt Sie beweisen. Kannst Du sie beweisen? Deine Thränen, Dein unschuldiges, frommes Auge beweisen nichts, gegen den erheblichen Verdachtsgrund: arm zu sein. Monate lang hat die Dahingeschiedene in den Armen der Gerechtigkeit gelegen; sie haben genügt, um ihr das Herz zu brechen. Und nun ruhe sanft. Du holdes Ständchen des großen Weltalls. Andere Blumen werden blühen und gebrochen werden, bis die Erlösungsstunde schlägt, aber Du wirst unvergessen bleiben und unsere Herzen begeistern für den großen Kampf. Und nun weine nicht, Bräutigam, um Dein dahingewelktes Bräutchen. Jenseits des Grabes winkt und lockt die schönere, unvergängliche, uns Allen gemeinsame Braut: Die Freiheit! „So bleibt auch gefaßt, Ihr Anderen; laßt Eure Herzen nicht erweichen in Thränen, sondern laßt sie hart werden im Schmerz, damit sie fertig und bereit sind, für die Freiheit eine That zu thun. Nicht zur Rache fordere ich Euch auf, denn die Rache schließt eine Vergangenheit ab, ohne eine Zukunft zu eröffnen; wer aber ein Mann unter Euch ist, der werfe mit der Handvoll Erde das stille Gelübde mit in die Gruft, Gut und Blut dafür einzusetzen, daß solcher Opfer nicht mehr viele der Menschheit zur Schmach und Schande fallen. Amen!" Wieder erklangen die Töne des Hornquartetts in ernster Weise, und der Ntännerchor stimmte Freiligrath's herrliches Lied an: —„O lieb', so lang Du lieben kannst"— Hierauf trat Lange au das offene Grab und sprach mit weithin tönender Stimme: „Schon naht die Sonne sich mit frischem Glänze Und schaut die Erde an mit Liebesblicken; Der Frühlingsgotr mit buntem Blumenkranze Will wieder Feld und Wald und Wiesen schmücken. seinen heimischen Hcerd zurückzog, bewies, daß er ein Staatsmann war. Daß die Kollegen, welche mit ihm das- selbe Eisen im Feuer hatten, geblieben sind, beweist nur, daß sie— Minister sind. Kein Minister hat bestritten, daß Herr Kunze über die Köpfe der Minister hinweg im Auf- trage des Kaisers mit dem Berliner Magistrat in Ver- Handlung getreten ist.— Charakteristisch für die Landraths- kammer war der Tiefstand der Verhandlungen. Herr Eugen Richter , der den deutschfreisiunigen Antrag vertrat, hatte leichtes Spiel bei allen Parteien, von dem lustigen Ein- gänger Don Carlos Cremer abgesehen, da er das prädestinirte Opferlamm, den von Allen preisgegebenen Ober- Verwaltungsgerichts- Rath Kunze, zur Schlacht- dank führte. Den Opferungsakt begleitete er mit den feinsten Komplimenten für die Minister, die er von vornherein außerhalb der Wurflinie seiner Ge- schösse stellte. Schwirrte ab und an ein Redepfeil gegen das königliche Schloß, so hütete sich der Bourgeoispolitiker peinlich, an dem System Kritik zu üben. Statt arund- sätzlicher Beurtheilung persönliche Angriffe, das ist der ewige Nothbehelf jener Gruppen, die mit eherner Roth- wendigkeit an dasselbe System gefesselt sind, gegen dessen Konsequenzen sie sich des Oefteren zur Wehre setzen müssen. Gewandt tummelte er, ein Konkurrent des Treitschke, sein Rößlein als Leibhusar der Hohenzollern . Mit byzantini-, schem Schwünge feierte er die„Sparsamkeit" der Vorfahren Wilhelm IL und schmolz beinahe in royalistischer Ergeben- heit, da er von dem„altehrwürdigen Schlosse" sprach. Der deutschfreisinnige Antrag wurde zurückgezogen, da Herr Richter ihn durch den„Gang der Debatte" für„erledigt" erklärte. Was die nächste Zukunft bringen wird, bleibt ab- zuwarten. Und w i r können warten.— Sechszig Millionen. Angeblich wird die Mehr- forderung für Heereszwecke sechszig Millionen Mark betragen, was einer ständigen Erhöhung der dauernden Aus- gaben des Kriegsbudgets, die sich heuer auf rund 400 Millionen belaufen, um fünfzehn Prozent gleichkäme. Das dicke Ende aber käme noch nach in jenen lieblichen„außer- ordentlichen" Ausgaben, die das Ordinarium, die ordent- licke Ausgabe, mit mathematischer Genauigkeit begleiten und trotz ihreS Namens ga« oft wiederkehren. Jedenfalls aber betrügen sie viele hunderte von Millionen. Ter deutsche Michel wird neue indirekte oder höhere alte indirekte Steuern tragen müssen: denn dieser Reichstag sagt Ja!— Naive Ertvartunge». Augenblicklich sind Gerüchte im Schwange, wonach die württembergische Regie- nmg eine Reform der Branntweinsteuer angeregt haben soll. Und zwar hätten die Staatsweisen im Schwaben - lande die Absicht, die Beseitigung des famosen Vierzig M i l l i o n e n- T r i n k g e l d s, das den ostelbischen Schnapsbrennern alljährlich vom deutschen Volke in den Sack gesteckt wird, zum Besten der R e i ch s k a s s e zu fordern. Es müßte zu diesem Zwecke die Kontingentirung im Bräunt- weinsteuer-Gesetz aufgehoben, und der Steuerunterschied von 20 M. zwischen dem kontingentirten und nicht-kontingentirten Spiritus, die Liebesgabe für die Brenner, beseitigt werden. Die guten Leutchen, die glauben, daß Preußen, der aus- schlaggebende Bundesstaat, für diesen Eingriff in das ge- heiligte Bakschisch-Recht des„alten befestigten" Grundbesitzes zu haben wäre, sind wirklich recht schlechte Musikanten. Es ist noch kein Monat verflossen, seit der preußische Land- wirthschafts-Minister von Heyden bei der Pachtnachlaß- Debatte in gehobenem Tone erklärte, verkrachte Domänen- Pächter müßten ein kleines Vermögen von zehn- bis zwölf- tausend Thälerchen aus der Sintfluth des Bankrotts retten. Eher opfert ein preußischer Junker zwölf Zacken von seinem Stammbaum, ehe er einen Pfennig seiner wohlverbrieften Einkünfte preisgiebt. Und die Junker sind maßgebend in Preußen. Wozu die vierzig Millionen, die dem Reichssäckel zufließen sollen, verwandt werden würden? Die neue Militärvorlage giebt die Antwort darauf. Man könnte das Schauspiel für Götter erleben, daß die Junker gegen die Wehrvorlage stimmten, wenn ein Theil der Kosten aus dem bisherigen Brenner-Liebesgaben-Fonds bestritten werden sollte. Und deshalb wäre der Versuch nicht unwill- kommen als Probe für den waschechten„Patriotismus" der altpreußischen Granden, die jeden Mann und jeden Pfennig auf Kosten des Volts zu dewilligen die anmuthige Gepflogen- heit haben.— Und dennoch liegt die Erde unbewegt Und trauert still in unnennbaren Schmerzen, Denn eine Blume, die sie lang gepflegt, Liegt starr und leblos jetzt an ihrem Herzen. Ein schönes Herz, das aufgehört zu schlagen, Ein edler Geist ruht aus vom Erdenmüh'n, Noch in des Lebens gold'nen Frühlingstagen Umstrahlte sie das legte Abendglüd'n. Und, schon umwölbet von der dunklen Erde, Liegt, was so heiß geliebet und ersehnt, Was treue Lieb' am frühverwaisten Herde Als seinen köstlichsten Besitz gewähnt. So treten wir jetzt still an Deine Bahre. Die Thrän' im Auge und das Herz voll Leid, Und wissen doch, uns trennen wenig Jahre, Ein Tropfen nur im Meer der Ewigkeit; Ist doch auf Erden Wandrer, was da lebt, Dir war ein kurzer Lebenspfad beschieden, Jndest der Freunde Herz noch kämpft und bebt, Verträumest Du den Lebenskampf im Frieden. Leb', Thenre, wohl! Dein Bild ist uns geblieben, Schaut wie ein Himmel mild auf uns herab; Es stirbt als Blülhe, wen die Gülter lieben. Die Dichtung singt an einem frühen Grad; Und wenn die güld'ne Sonn' am Himmel scheint, Dan» seh'u wir Dich in jenen blauen Höhen Als Bild der Göttin, die uns Alle eint, Der Freiheit Bild, der wir entgegen gehen!" Noch einmal erhob sich der Gesang der Männer in dem Hauff'schen Liebe: „Morgenroth, Morgenroth! Dann trat Barth mit umflorten Blicken vor die Grab- öffnung und Haute schweigend bald den Sarg und bald die Tiefe an, in der jener gebettet werden sollte; und erst als die Träger hinzugetreten und den Sarg herabgelassen, sprach er mit gebrochener Stimme, deren Töne nur Wenigen vernehmlich wurden: „Süße Braut, mein Glück, meine Freude,'mein Leben, leb' wohl!" und so schonend wie möglich ließ er ein Bouquet von Rosen und Myrthen auf den Sarg hernieder- gleiten. „Judenflinten." Der„Reichs-Anzciger"(Nr. 110 vom 9. Mai) veröffentlicht an hervorragender Stelle fernes nichtamtlichen Theils folgende Nachricht: „Zu den in der A h l w ard t' sch en Broschüre „Neue Enthüllungeu Judenflinten" enthaltenen Angaben, welche geeignet sind, ganz falsch« Vorstellungen über die Beschaffenheit eines großen Theils unserer Infanterie- bewaffnung zu erzeugen, und zu den über diese Broschüre in mehreren Zeitungen stattgehabten Besprechungen wird Stach- stehendes veröffentlicht: I. Die Kommanditgesellschaft aus Aktien (Ludwig Löwe , Berlin ) war kontraktlich verpstichtet, das Material zu dem Hanpttheil des Gewehrs— dem Lauf— von der königlichen Gewehrfabrik Spandau in Form von Lauf« stäben zu beziehen. Die der Firma gelieferten Laufstäbe sind identisch mit den seitens der drei königlichen Gewehrfabriken verarbeiteten. Da von der Beschaffenheit des Laufmaterials wesentlich die Kriegsbrauchbarkeit der Waffe abhängt, so liegt in dem vorerwähnten Umstände eine E i ch« r h ert für die Leistungstüchtigkeit der Löwe'fchen Gewebre; auch haben sich bis jetzt nach etwa IV, jährigem truppenmäßigen Gebrauch dieser Waffen besondere Mängel nicht bemerkbar ge- macht. Während der ganzen Dauer der Fabrikation dieser Gewehre haben ferner Kontrollbeschüsse seitens der Gewehr- Prüfungskommission stattgefunden, und haben sich bei diesen Beschüssen keinerlei Anstände ergeben. 2. Die Firma Löwe war durch Kontrakt verpflichtet, bis ult. Januar 1392 die letzten Waffen der ihr übertragenen Lieferung vo» 425 000 Gewehren abzugeben, nicht, wie in der Broschüre ge- sagt ist, am 1. Januar 1392. Mitte Januar dieses Jahres sind die letzten Gewehre der genannten Fabrik abgenommen worden. 3. Der Firma Löwe ist nicht ein Gewehrpreis vo» 53 M. gezahlt worden, wie die Broschüre behauptet, sondern ein er- heblich niedrigerer. Unter Zugrundelegung des Gewehrpreises in den königlichen Fabriken kann die Firma Löwe etwa 2 bis 4 M. an jedem Gewehr verdient haben, nicht 30 M., wie der Berfaffer der Broschüre behauptet. 4. Gegen die Ange- schuldigten, soweit sie der Militärgerichtsbar- k e i t unterstellt sind, ist gerichtliche Untersuchung eingeleitet. 5. Dem Staatsanwalt ist von der Sache Mittheilung zugegangen mit dem Anheimgeben, seinerseits die erforderlichen Schritte zu thun." Diese vorläufige Mittheilung, die als„halbamtlich" zu betrachten ist, giebt noch keine entscheidende offizielle Auskunft über den Kern der Ahlwardt 'schen Anklagen. Hoffentlich werden Militärgericht und bürgerliches Gericht in das Helldunkel, das über der Sache ruht» sobald wie möglich Licht bringen und den Thatbestand endgiltig fest- stellen. Das herrliche geheime Verfahren der preußischen Militärgerichtsbarkeit wird, so erwarten wir, diesmal kein Hinderniß fein, volle Publizität über den Ausgang des Prozesses walten zu lassen.— Der Streit im konservativen Lager. Graf K l e i st» Schmeuzin, der im preußischen Abgeordnetenhause den pommerfchen Wahlkreis Schivelbein-Dramburg und im Reichstag den 4. Kösliner Wahlkreis vertritt, hat seinen Austritt aus der konservativen Fraktion des Abgeordneten- Hauses erklärt. Veranlaßt ist dieser Schritt durch den Be» schluß der Fraktion, darauf zu dringen, daß der Einfluß des Abgeordneten v. Helldorff aus der Gefammtleitung der Partei entfernt werde. Graf Kleist hatte der Sitzung der Fraktion, in der jener Beschluß gefaßt wurde, nicht bei« gewöhn! Die Grimpe Helldorff hat noch immer sehr be- quem auf dem Rücksitze einer Droschke zweiter Klasse Platz.- Der 9. Mai— ein Rückblick. Heute vor 43 Jahren — am 9. Mai 1849 gelang es, nach sechstägigem blu- tigern Kamps, den für die Fürsten kämpfenden preußisch' sächsischen Truppen, den„Dresdener Mai-Auf- stand" niederzuschlagen und die Bertheidiger der Reichs- Verfassung zu überwinden. Auf die Einzelnheiten jenes Kampfs, der unmittelbar darauf in Baden und der Pfalz seine Fortsetzung fand, bis die Reaktion für den Augenblick endgiltig siegte, wollen wir hier nicht näher eingehen. Die Schilderung eines Auaenzeugen, die in der vorigen und heuttgen Nummer unseres Blattes zu finden ist, giebt dem Leser ein lebendiges Bild jener Tage. Wir wollen bloS auf einen Punkt, der ein besonderes Interesse hat, die Ausmerksamkeit lenke». Man hat uns oft die Frage gestellt:„Glaubt Ihr an eine friedliche Entwickelung der Dinge?" lind wir antworteten stets:„Das hängt mcht von uns ab, sondern von unseren Gegnern". Im Jahre 1349 hatten die gesetzlichen, nach all- gemeinem Stimmrecht gewählten Vertreter des deutschen Volks, imFraukfurtn Parlament versammelt, eine Reichsverfaffung be« Darauf aber gestattete er dem Blicke, auf seiner Um- gebung herumzuirren; seine Züge nahmen dabei einen AuS- druck ernster Entschlossenheit an, und festen Schritte? trat er zu den Uebrigen zurück. Da öffnete sich der Kreis der Männer, und in weißen, mit schwarzen Bändern garnirten Kleidern traten Helene, S ermine, Elise, Fanny Musselich und Veronika Habicht an das rab, um, ihrem HerzenSbedürfniß gemäß, zu beten und Kränze und Palmen als letzte Liebesgabe der todten Freundin aus den Sarg zu streuen, worauf sie sich alsbald nach ihren Wagen zurückbegaben. Dem Todtengräber aber ward die Arbeit erspart, denn nicht eher hörten die Arbeiter aus, mit ihren Händen Erde in die Gruft zu werfen, bis diese ge« füllt war; und dann mußte sich darüber noch ein Hügel wölben, den bald die übrig gebliebenen Blumen über» deckten. Nun erst löste sich die Versammlung ruhig und schweigend auf. Die Feierlichkeit, welche bald genug die Keime für größere und wichtigere Ereignisse entwickelte, war u Ende; der Kirchhof blieb allein mit seinen Todten, im eierlichen Schweigen Derer wartend, die ihm der Tod noch weiter zuführen sollte. Zweites Kapitel. Philosophie und Leben. Wir folgen Einigen der vom Grabe Zurückkehrenden. Im lebhaften Gespräche begriffen sehen wir Lange, Iwan und Frank, während Barth einige Schritte hinter ihnen W trauervollem Sinnen zurückbleibt. „Also gesund wieder in Deutschland angekommen und schon einige Zeit hier, ohne daß Sie ein Lebenszeichen von sich gegeben hätten?" fragte Lange seinen jungen Freund aus dem großen Ostreiche. „So ist es; ich bedurfte einiger Zeit der Sammlung und Ueberlegnng, um mit festem, klarem Blick und Eni- schluß in die /nunmehr eröffnete praktische Wirksamkeit zu treten." g „Und Ihre Reise hat den gewünschten Erfolg gehabt � „Ueber alles Erwarten, so trostlos im Anfang die Aus« sichten schienen. Aber was weinen Sie dazu, daß Dr. Rag'
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