Nr. 156. 20. Jahrgang.
1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt.
Prozeß gegen die Pommernbank.
an sich gebracht haben.
Lokales. Unfren Abonnenten,
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Expedition des Vorwärts".
Beim Kaffenarzt.
Mittwoch, 8. Juli 1903.
wenig salonfähig sind, daß sie in das Wartezimmer eines Kassenarztes nicht hineinpassen. Zweifellos wird von den Kassenpatienten hinsichtlich der Kleidung, in der sie vor ihren Kaffenarzt hintreten, manchmal gefündigt; aber in dem vorliegenden
In der gestrigen Sitzung wurden am Schluß nochmals die Gegensäge der Tagen- Sachverständigen zur Erörterung gebracht. Es wird zuerst nochmals der Sachverständige Prof. Dietrich welche den Vorwärts" bisher durch die am letzten Sonn- Falle würde auch der anspruchsvollste Arzt nicht den Vorwurf erheben von der technischen Hochschule vernommen. Er batte in einer Ein- abend verstorbene Spediteurin Witwe Ketterer, Laufiger- tönnen, daß das Kostüm des radelnden Patienten nachlässig oder gabe an das Gericht bekanntlich u. a. gesagt: Daß die Art der Straße, bezogen, ihn aber in den letzten Tagen nicht erhalten unsauber gewesen sei. Gegen das Radlerkostüm haben vor Jahren Tagierung, welche von den Angeklagten Bohl und Hanel in An- haben, teilen wir hierdurch mit, daß an der mangelhaften die Richter Einspruch erhoben und Ungebührstrafen verhängt, wendung gebracht worden, die fachlich allein richtige sei; daß die Zustellung nicht die Expedition Schuld trägt, sondern eben der aber in neuerer Zeit sollen fie andren Sinnes geworden sein. Berauch von Herrn Geh. Rat Hecht als die allein richtig bezeichnete Todesfall der Witwe Ketterer. Wir bitten die Abonnenten, langt Herr Dr. Röhr mehr„ Respett" als ein Richter? Dann werden sogenannte faufmännische Tage gerade diejenige sei, die zu einer wilden Grundstücksspekulation führe, unter der manche Städte leiden, ihre Bestellungen daher entweder direkt bei der Expedition die radelnden Kassenpatienten sich allerdings danach richten müssen, indem einzelne kaufmännische Spekulanten alles verfügbare Bauland oder bei der Parteiſpedition P. Böhm, Lausikerplaz 14/15, d. h. es wird ihnen nur übrig bleiben, entweder Kniehose und aufgeben zu wollen, da wir nicht im Besitz der Abonnenten- Sweater zu Hause zu lassen oder auf die Hilfe des Herrn Dr. Röhr Sachverständiger Prof. Dietrich: Man müsse unterscheiden Liste sind. zu verzichten. zwischen den Verhältnissen in kleineren Städten und einer Großstadt wie Berlin . In kleineren Städten werde alljährlich doch nur eine beschränkte Zahl von Bauten ausgeführt und dort werde sich mehr Nachklänge von der Maifeier. Wieder verhandelte das Schöffenein Handelswert der Gelände herausstellen. Es habe sich in vielen gericht einen Fall wie den jüngst von uns berichteten. Diesmal Städten gezeigt, daß die Baugesellschaften einen vollen Ring ge= Während Krankenkassen - Aerzte sich darüber beschweren, daß sie von betraf er den Tischler Beyer. Derselbe sollte sich am 1. Mai, bildet haben und deshalb sei wiederholt darauf hingewiesen worden, manchen Kassenvorständen etwas sehr von oben herab behandelt bormittags, auf der Promenade der Schönhauser Allee einer gedaß die Stadtverivaltungen selbst die Gelände ankaufen und sie dann schlossen marschierenden Abteilung von ungefähr 120 Tischlern, die würden, kann man andrerseits von Mitgliedern der zur Maifeier nach der„ Neuen Welt" gingen, angeschlossen und Unternehmern zum bebauen anbieten möchten. In einer Großstadt wie Berlin sei der Ring von Geländen, die um das Weichbild liegen, so groß, rantentassen die Klage hören, daß ihnen gegenüber der Aufforderung eines Aufsichtsbeamten, sich vom Buge zu trennen, daß von einem großen Trust noch nicht die Rede ist und fleinere Gesell- die Kaffenärzte zuweilen recht turz angebunden zwar Folge geleistet, sich aber vor dem Hause Schönhauser Allee 40 schaften in die Erscheinung treten. Wenn die Terrains, die auf- seien. Nicht selten wird geradezu behauptet, daß die Aerzte einen wieder einer geschlossenen Abteilung zugefellt haben. Beher erhielt geschlossen werden, auf den Markt gebracht werden, so könne das deutlichen Unterschied zwischen Kassenpatienten und Privatpatienten deswegen auf Grund des Straßenpolizei- Reglements einen Strafnur geschehen auf Grund von Tagen von Bau- Sachverständigen. machen und das Krankenkassenmitglied zu einem Patienten zweiter befeht, gegen den er Widerspruch einlegte. In der Verhandlung Er lege hier den Parzellierungsplan der Baugesellschaft Kleiner Klaffe herabdrücken. Wir haben nicht die Absicht, in dieser Frage bemerkte Beyer, er habe lediglich seine Tochter in die Schule gebracht; auf dem Rückwege traf er einige Bekannte, die nach der Tiergarten" vor, an deren Spitze der Geh. Rat en gestanden. den Richter zu spielen schon deshalb nicht, weil wir wissen, daß bracht; auf dem Rüdwege traf er einige Bekannte, die nach der Neuen Welt" gingen, Dort sei in ganz gleicher Weise die Tage aufgestellt worden, wie es leider auch Kaffenmitglieder giebt, die ihrerseits sehr sorgfältig Augenblick, als er ahnungslos auf Befehl des Polizeilieutenants er unterhielt sich mit diesen einen hier. Alle Banken bedienen sich des Rates von Bau- Sachverständigen zwischen einem Privatarzt und einem Kassenarzt unterscheiden und fiftiert wurde. Der vernommene Wachtmeister vermochte diese Dars und viele Gesellschaften haben Bau- Sachverständige als Direktoren. Er weise schließlich auch noch darauf hin, daß sich die Bautverte dem letteren wie einem Arzt zweiter Klasse entgegentreten. Der stellung nicht zu widerlegen. Er fonnte weder bekunden, daß der folcher Gelände immer ändern mit einer Aenderung der Bau- folgende Fall von kassenärztlicher Unterscheidung zwischen Angeklagte sich einer geschlossenen Abteilung angeschlossen noch daß Ordnung. Privatpatienten und Kassenpatienten ist aber doch er der Aufforderung der Polizei sich widersetzt habe. Der Angeklagte, Sachverständiger Geh. Rat Hecht: Sein Gutachten berüd- so lehrreich, daß er weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient. dem als Verteidiger der Rechtsanwalt Dr. Heinemann zur Seite sichtigte nicht nur die Praxis kleinerer Städte, sondern auch großer Der Metallarbeiter R., Mitglied der Drts Krantentasse stand, wurde hierauf freigesprochen. Der Vorsitzende wies Städte. Er wiederhole: er stehe auf dem Standpunkte, daß für der Gürtler, ließ sich von dem Kassenarzt Dr. Röhr, wenn Leute sistiert und auf die Anklagebant gebracht würden, denen darauf hin, daß es doch einen schlechten Eindruck machen müsse, derartige umfangreiche Terrains, wie sie hier in Frage stehen, das Kommandantenstr. 45, behandeln. Herr R. begab sich per Fahrrad Nachteiliges nicht nachgesagt werden könne, anstatt diejenigen herausSystem der ind. Ertragstage überhaupt nicht anwendbar ist, weil es unmittelbar zur Folge hat, daß Zukunftswerte und nicht zu dem Arzt und war dabei kostümiert, wie es Radfahrer zu zugreifen, denen wirklich eine Strafthat nachzuweisen sei. Zeitwerte festgestellt werden. Er betone außerdem immer wieder: sein pflegen. Er trug Kniehose, Strümpfe, Schuhe, auf dem Oberes handle sich hier doch immer um Schätzungen, die als Unterlage förper einen weißen Sweater und darüber eine dunkle Jacke. Die Wie die Unfrommen mit den Frommen leiden müssen." Bit für hypothefarische Beleihung der Grundstücke dienen sollten. Kleidung war nicht mehr neu, aber durchaus sauber; R. unfren Ausführungen über den Kolportagebetrieb religiös- erbaulicher Vorsigender Landgerichts - Direktor Heidrich erklärt dann, daß pflegt in ihr den Weg nach und von der Arbeitsstelle zurückzulegen. Schriften durch eine Buchhändlerfirma„ Emil Schwarz Verlag", die Anklage nunmehr durchgearbeitet sei und es nur noch der Wir haben Herrn N. in seiner Wohnung aufgesucht und ihn in deren Ware nicht nur den Frommen, sondern auch den Unfrommen Erledigung der weiter von der Verteidigung noch zu erwartenden diesem Kostüm gesehen, als er eben von der Arbeit nach Hause aufgedrängt wird, schickt uns der Centralausschuß für Beweisanträge bedürfe. Er giebt anheim, diese am Donnerstag geradelt war. Dabei haben wir, nebenbei bemerkt, den Eindruck innere Mission, Abteilung für Schriftwesen", durch Herrn und Freitag während zweier sizungsfreier Tage durch die Bücherrevisoren nachprüfen zu lassen. Es würde dann ein Teil dieser gewonnen, daß er, wie die meisten Radler, selber Wert Pastor Remé die schriftliche Erklärung, daß er unsre verurteilenden Worte vollkommen unterschreibt". Daß aber die Geistlichkeit Beweisanträge am Sonnabend erledigt werden und die am Sonn- darauf legt, seinen äußeren Menschen auch auf dem Wege Abwehrmaßregeln hiergegen ergreife, sei eine ungerechtfertigte Zus abend entgegenzunehmenden letzten Beweisanträge am Montag nach oder von der Arbeit möglichst vorteilhaft zu präſen- mutung, weil feine kirchliche Instanz einem selbständigen Geschäftsihre Erledigung finden können. Der Vorfißende hofft, daß dann tieren. Viermal war er so zu dem Arzt gefahren, um ihn zu manne über seinen Geschäftsbetrieb Vorschriften zu machen" am Dienstag oder Mittwoch mit den Plaidoyers begonnen werden konsultieren. Als er beim vierten Mal vor Herrn Dr. Röhr hintrat, habe. Wir vermuten, daß die Herren vom ,, Centralausschuß usw." fann. bemerkte ihm dieser:„ Wenn Sie in dem Kostüm weiter unsre Ausführungen( vgl. Nr. 151 vom 2. Juli) nicht genau gelesen zu mir kommen, tann ich Sie nicht mehr behandeln." oder fie nicht völlig verstanden haben. Oder hat ihnen einmal zu Dr. Röhr fügte hinzu, er habe noch Privatpatienten, von denen der der heiße Wunsch, den Lesern des Vorwärts" Berliner Partei- Angelegenheiten. sprechen, einen eine oder der andre Anstoß daran nehmen könne. Er stellte schließbie Gelegenheit dazu an den Haaren herbeizuziehen"? Nicht wir, Streich gespielt und sie verleitet, Ober- Schöneweide. Heute abend 8%, Uhr findet bei. Kaufholt, lich dem unvorschriftsmäßig gekleideten Kassenpatienten anheim, sondern, wie in Nr. 151 deutlich gesagt ist, einer unsrer Leser, aus Wilhelminenhofftr. 18, die Generalversammlung des fünftig fieber nach Schluß der Sprechstunde zu kommen, da tolle er dessen Einsendung wir zur Warnung für andre ein paar Säge Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen ihn gern empfangen, sofern er dann noch zu Hause sei. Der Patient wiedergaben, hat die oben erwähnte Zumutung gestellt. Wir wissen Dr. Bernstein. Diskussion. Kassenbericht. Sommerfest. Neue im Radlerkostüm lehnte dankend ab. Er erklärte dem Arzt, er werde selber, daß die Geistlichkeit einem Geschäftsmann keine„ Vorschriften Mitglieder werden aufgenommen. Gäste, auch Frauen, haben Zutritt. ihn überhaupt nicht weiter bemühen, und wollte sich sofort entfernen. zu machen" hat. Aber wir haben allerdings angenommen, daß sie Steglik. Heute abend 8 Uhr findet im Restaurant Gam Dr. Röhr lenkte nun ein, nötigte den Stadler zum Sizen und unterbrinus( Schellhase), Ahornstr. 15a, die regelmäßige Versuchte ihn noch einmal trog Kniehose und Sweater. Vor weiterer Berührung mit diesem Patienten wird er allerdings bewahrt bleiben; 25 Jahren und heute. Vereinsangelegenheiten. Groß Lichterfelde . Die Monatsversammlung das betreffende Kassenmitglied wird ihn nicht wieder in Wer Wahlvereins am 8. d. M. fällt aus. Die restierenden Mit- legenheit bringen. glieder werden ersucht, bis zur Versammlung im August ihre Bei- Das interessante Vorkommnis aus der Praxis eines Kaffenarztes träge zu entrichten. Desgleichen sind die Sammllisten von der Wahl ist dem Kassenvorstand mitgeteilt worden, der in eine Prüfung der sofort beim Raffierer abzurechnen. Frage eintreten wird, ob Sweater und Kniehose wirklich so
jammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bor
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Das Conclave.
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danach in dem vorliegenden Falle auch gar kein Verlangen haben werde. Es freut uns, zu hören, daß es anders ist; denn wir dürfen nun hoffen, daß sich die Geistlichkeit fünftig Mühe geben wird, wenigstens jene andren ungebetenen Besucher, die dem Einfluß der Geistlichkeit erreichbar sind, in die gebührenden Schranken zu berweisen die Sonntagspredigt- Berteiler, die StadtmissionsSendboten und was sonst noch als lästiger Gast mehr an die Thür der un frommen als der Frommen Klopft und dann manchmal ebenfalls nur schwer abzuweisen ist.]
gaben sich die Kardinäle während der Wahlhandlung jeden werden, weil abgesehen von den persönlichen Interessen, Beeinflussungen Abend in ihre Wohnungen zurück, jetzt aber müssen sie vom und Intriguen im Kardinalskollegium, Parteiungen der verschiedensten Morgen des zweiten Tages an bis zur vollzogenen Wahl in den Art, nationale kirchliche und politische, verschiedene Rücksichten auf die Nach dem Tode des Papstes Clemens IV. ( 1271) konnten sich die engen düsteren Räumen verbleiben. Wer die Paläste der römischen weltliche Macht, auf die großen Orden ze. existieren. Diese Zwiespältigkeit in Viterbo versammelten Stardinäle über den Nachfolger nicht Stirchenfürsten kennt, wer weiß, über welche großen Mittel fie ver- im Kardinalskollegium tritt erst im Conclave in volle Erscheinung. Vor einigen. Da gebrauchte der Präfekt dieser Stadt ein recht eigen- fügen, und daß die meisten von ihnen auch nicht verächter der demselben beugten sich die meisten Kardinäle unter den Befehlen artiges Mittel, um das in Parteiungen zerklüftete Kardinalkollegium Freuden des Lebens und der Geselligkeit sind, der wird begreifen, des Papstes, noch mehr nahmen sie oft Rücksicht auf die Günſtlinge zu zwingen, endlich zu einem Resultat zu gelangen. Er schloß alle daß diese Einsperrung und vollständige Abschließung von der Außen- des Papstes. Alle diese Rücksichten verschwinden mit dem Tode, anwesenden Kardinäle in einem besonderen Gebäude ein, um sie da- welt ein nicht zu unterschäßendes Mittel ist, um eine rasche Be- wird es doch erst vom Ergebnis der Papstwahl abhängen, wer durch zur Beschleunigung der Wahl zu veranlassen. Aus dieser Wahl endigung des Wahlaktes herbeizuführen. Die meisten Kardinäle fünftig im Vatikan zu befehlen hat, wer zum Vollstrecker des päpstging ein Papst hervor, der sich den Namen Gregor X. beilegte. stehen auch im hohen und höchsten Greifenalter, schon deshalb muß lichen Willens gemacht wird, wer Ehren, Stellen und Vorteile ver Auf dem allgemeinen Konzil zu Lyon , das drei Jahre nach dieser diese Versetzung in ungewohnte Verhältnisse, dieser Verzicht auf alle geben wird. Bestehen num aber heute schon mehrere Gruppen unter Bapstwahl stattfand, wurden diese Maßnahmen bei der Bapstwahl zum Lebensgewohnheiten für sie etwas Drückendes haben. Die den Kardinälen, so ist, wenn sie im Conclave versammelt sind, Geseze erhoben. So ist der Präfekt von Viterbo , Rainer Gotto mit Thüren und Fenster des fleinen Raumes, der ihnen zur nicht mehr daran zu denken, daß eine Wahl per Acclamation stattseiner etwas energischen Polizeimaßregel der Schöpfer des Conclaves Verfügung gestellt wird, werden bermauert, nur eine finden könne. geworden. Freilich hat diese Einrichtung im Laufe der Jahrhunderte fleine Deffnung zur notdürftigen Beleuchtung wird offen gelassen, Ebensowenig Wahrscheinlichkeit hat bei einer fünftigen Papstdurch eine ganze Reihe von gefeßlichen Bestimmungen Aenderungen bloß ein Ausgang gegen den Korridor bleibt jeder Abteilung offen, wahl die andre firchenrechtlich mögliche Form: per compromissum. erfahren, das System ist ausgebaut worden, bis es bei den Papst für den Fall der Erkrankung und behufs des täglich zweimaligen Diese Wahlform, die auch schon seit sehr langer Zeit aus der Uebung wahlen der letzten Jahrhunderte die Gestalt annahm, wie bei der Ganges zur Wahlkapelle. Die Haupteingänge, welche die Verbindung gekommen ist, findet in der Weise statt, daß alle anwesenden Kardinäle bevorstehenden. mit der Außenwelt ermöglichen würden, werden mit Schlössern und ihre gesamten Rechte bei der Wahl an einen kleinen Ausschuß von Unter Conclave versteht man sowohl das für die Kardinäle zur Siegeln sorgfältig abgesperrt, bis auf einen, an dem aber eine zahl- mindestens zwei Kardinälen übertragen, der sich über den künftigen Vornahme der Papstwahl besonders eingerichtete und sorgfältig ab- reiche Wache dafür sorgt, daß jeder Verkehr mit der Außenwelt un- Papst zu einigen hat, und den alle übrigen dann anerkennen. Dies geschlossene Gebäude, wie auch die zu diesem Behufe stattfindende möglich gemacht wird. Nur durch Triller können die Kardinäle zur be- jenigen, die mit der Wahl des Papstes betraut wurden, müssen dann Bereinigung der Kardinäle, der höchsten Würdenträger der katholischen stimmten Essenszeit Speisen und Getränke erhalten, aber bevor die Mahl wieder schwören, daß sie in lauterster und uneigennützigster Weise Kirche, deren Zahl niemals 70 übersteigen darf. zeiten in den Raum des Conclaves geschoben werden können, überzeugt nur das Interesse der Kirche vor Augen halten, daß sie vor allem Das Conclave soll jedesmal an dem Ort stattfinden, an dem sich ein eigens zu diesem Zweck beeidigter Wächter, daß keine schrift- bestimmte, berpönte Formen, so z. B. die Wahl durchs Los, der Papst mit Tod abgegangen ist. Es findet somit in den meisten liche Mitteilung mit den Speisen eingeschmuggelt wird. Die Triller unterlassen werden. Diese beiden Formen der Papstwahl sind seit Fällen in der Residenz des Papstes, in Rom statt. Seitdem die werden, nachdem die Speisen hineingeschoben sind, von außen zu langem vollständig in den Hintergrund gedrängt durch die Einverleibung des Kirchenstaates in das Königreich Italien dazu gerollt und dann durch den dienstthuenden Prälaten von außen ver- viel weniger poetische, der Wahl per scrutinium, das ist geführt hat, daß der Papst das Gebiet des Vatikans niemals ver- fiegelt, für die gleiche Vorsichtsmaßregel forgt von innen der mittels einer geheimen Abstimmung durch Stimmzettel, die so lange läßt, um den Glauben zu erwecken, daß er ein Gefangener in dem Ceremonienmeister. Auch über die Art und Menge der Mahlzeiten, fortgesetzt wird, bis sich auf einen Kandidaten eine Zweidrittelreichsten und herrlichsten Palaste der Welt sei, versteht es sich von nicht nur über ihren Zeitpunkt bestehen genaue Bestimmungen, die mehrheit vereinigt. An jedem Tage wird zweimal gewählt. Alle selbst, daß die Papstwahl in Rom stattzufinden hat. Aber auch in auch eine Verkürzung der Wahlhandlung veranlassen sollen. Während Garantien für das Geheimnis der Wahl werden vorgenommen. früheren Jahrhunderten bildete die Papstwahl in Rom die Regel. nämlich in den drei ersten Tagen den Kardinälen die Auswahl der Die Stimmzettel werden versiegelt und zwar nicht mit dem Siegel Während aber bei der Wahl der drei Vorgänger Leos XIII. der Wahl- Speisen frei steht, wird ihnen vom vierten Tage ab die Menge und des Wählers, sondern mit einem fremden Siegel, in verstellter aft im Quirinal stattfand, war dies selbstverständlich bei der die Art des Mahles, und zwar nicht reichlich, vorgeschrieben. Durch Schrift wird der Name des Kandidaten aufgeschrieben und als Wahl Leos XIII. nicht möglich, weil im Quirinal der König von strenge Eide soll strengstes Stillschweigen über alle Vorgänge Unterschrift wird nicht der Name gesezt, sondern ein Satz oder eine Italien Hof hält. Die Wahl Leos XIII. fand deshalb in der Cappella beim Conclave erzielt werden. Ist das Conclave zufammen 8ahl. Bei der Wahl schwört man, daß man nur denjenigen wähle, Baulina, in einem Flügel des Vatikans statt, wo auch bis zum getreten, so ist in den nächsten drei Tagen den in Rom anwesenden den man vor Gott tauglich halte. Ist eine Zweidrittelmehrheit Jahre 1800 die meisten in Rom vorgenommenen Bapstwahlen er- Stardinälen der Zutritt zu demselben noch gestattet, wenn sie aus nicht zu stande gekommen, so werden in einem speciell für folgten. Wenn der Papst stirbt, erhalten die Bauleute zu thun. irgend welchen Gründen nicht schon vom ersten Tage ab an der diesen Zweck bestimmten Kamin die Stimmzettel verbrannt. Das Sofort werden im ersten Stockiverte des erwähnten Gebäudes die Wahlhandlung teilnehmen. Die aus entfernteren Gegenden kommenden kleine Wölkchen, das dem Schornsteine entströmt, ist für die außengroßen Säle durch hölzerne Wände in eine Reihe von Zimmern Kardinäle werden zum Conclave zugelassen, wenn sie drei Tage nach stehende Menge, für alle, die an dem Fortgange der Bapstwahl zerlegt, und jedes derselben wird wieder in drei bis vier Zellen ihrer Ankunft in Rom der Wahlversammlung beitreten. Verläßt interessiert sind, das Zeichen, daß die Wahl noch nicht beendet ist. geteilt. Dieselben werden mit einem Kruzifige, einem Bette, einem aber ein Kardinal wegen Krankheit oder aus sonstigem Grunde das In der Theorie ist der Kreis der wählbaren Personen ein Tische und einigen Stühlen ausgestattet. Conclave, so darf er unter feinen Umständen wieder an demselben unendlich großer, kann doch jeder der Keßerei nicht verfallene Am 10. Tage nach dem Tode des Papstes oder an dem seiner teilnehmen. katholische Christ, Geistlicher wie Laie, gewählt werden, ja selbst der Bestattung folgenden Tage versammeln sich die Wahlmänner der Nach drei Formen kann der Wahlakt vor sich gehen, erftens unverheiratete Stand ist teine Voraussetzung der Wählbarkeit. Ist katholischen Kirche, die Stardinäle im Vatikan . Nach einer religiösen durch Acclamation, d. h. durch einstimmig erfolgte Wahl, durch all die Frau eines Verheirateten einverstanden, so kann ihr Mann lebung( Messe) werden sie aufgefordert, den würdigsten als„ Štatt- gemeine Huldigung aller Kardinale einem Auserwählten gegen- Papst werden. Wurden in früheren Zeiten Laien auch zu Päpsten halter Christi auf Petri Stuhl zu erheben", dann ziehen sie in einer über. Diese Wahl nennt man quasi per inspirationem, getvählt, so ist seit langer Zeit, wenn auch an den BeArt Prozession in den Raum des Conclaves, hierauf in die Sixtus- d. h. durch göttliche Eingebung, beziehentlich durch Eingebung timmungen nichts geändert ist, die Wahl auf den Kreis der kapelle, dort werden ihnen die auf die Wahlordnung bezüglichen des heiligen Geistes. Diese Form ist aber seit drei Jahrhunderten Stardinäle beschränkt, ja es hat sich die Uebung seit dem Jahre 1522 Bullen der früheren Päpste vorgelesen, deren Einhaltung fie dann gänzlich aus der llebung gekommen, wenn sie auch niemals formell erhalten, daß nur ein italienischer Kardinal Papst werden könne, zu beschwören haben. Jeder einzelne von ihnen hat hierauf zu abgeschafft wurde und eine Wiederholung firchenrechtlich nicht aus was ja dadurch gesichert ist, daß faft immer die Italiener die Mehrpersprechen, daß er am Abend wiederkehren würde. Früher be- geschlossen ist. Freilich praktisch kann sie als unmöglich betrachtet heit im Kardinalkollegium bilden. Destreich, Frankreich und Spanien