Nr. 249. 20. Jahrgang.
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Theater.
191
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die
Sonnabend, 24. Oktober 1903.
Jahren der Zufall wieder zusammen. Der eine ist sein Lebelang verspricht es, aber ihre Liebe bricht das Gelübde. So verliert demütiglich in dem Geleise des vorgeschriebenen Glaubens weiter ge- Senardi ſein Tenerstes, doch auch der Stolz und die Hoffnung trottet und soll nun im Lyceum einer italienischen Kleinstadt die Alberinis sinken in Trümmer. Eine Zufallskrankheit streckt jungen Köpfe nach derselben Norm dressieren. Der andre, Professor die junge Frau nach wenigen Monaten der Ehe aufs TotenLucifer". Drama in vier Aften von Alberini, ist den Weg moderner Bildung gegangen. Die Priesterfutte hat bett. Gin Ereignis, wie jeder Tag es bringen kann, nicht merkE. A. Butti. Deutsch von Otto Erich Hartleben und er von sich geworfen und mit den äußeren auch die inneren Fesseln ge- würdiger und nicht entsetzlicher als tausend und abertausend SchickOttomar Pilz.- Wer da geglaubt hatte, die Uebersezerschaft sprengt. Seiner kraftvollen Natur widerstrebt alles Unentschiedene, Halbe. sale, an denen die, die nicht getroffen sind, mit gleichgültigem Hartlebens deute auf eine Wahlverwandtheit des Italieners mit dem Wie er, so lange er glaubte, mit glühendem Fanatismus an der Räsommement vorübergehen. Aber nun der Schlag auf ihn selber Hartleben , der das„ Studententagebuch", die Humoresken, die frivol Kirche hing, so von Grund aus feindlich steht er nun dem Katho- niederzuckt, wanft jede Stüße der Philosophie in des jungen Guido graziöse Sittliche Forderung" und die spottfunkelnde Komödie Die lizismus und jeder Art des Glaubens gegenüber. Die Wissenschaft, Herz. Der Vater mahnt zur Fassung, zur Vernunft, er hört es Grziehung zur Che" geschrieben, wurde gründlich enttäuscht. Nichts, bas ift die Macht, die wachsend und wachsend alle gebensrätsel nicht, da alt Worte vertrauten flingen ihm wie hohle nicht ein einziger flüchtig aufblizender Zug erinnert an den durchleuchten und lösen wird! Es giebt nichts, was sich ihr ent- Schellen. Warum sollte nicht ein Gott sein, ein Gott, der diese Umkreis jener Stimmungen, aus denen Otto Erich, mit ziehen könnte! Mit schweren Kämpfen errungen, ist diese Ueber- Schickung als Strafe verhängt, der also sie auch wenden könnte, ein dem Motto wider die Philister, seine besten Dichtungen geschöpft zeugung ihm ein feſtes Fundament des Lebens geworden. Gott , zu dem man beten darf?! Gebrochen, halb bewußtlos an dem hat. Wenn nicht der Zufall die Wahl geleitet, scheint sie ein An- Er hat Glück und Frieden und neuen Kampfesmut in Arm des Priesters wankt er zu der Leiche. Starr sieht der Prozeichen von inneren Wandlungen. Schwermütig- resignierender Ernst ihr gefunden. Sein Sohn, im gleichen Geiste erzogen, feffor dem Verschwindenden, den er so gut gestählt glaubte für den spricht aus dem Drama Buttis. Es sind bedeutsame Konflikte, an die soll der Fortführer und Vollender seines Werfes sein, zu Höhen Kampf um die Wahrheit, nach, und während draußen die Glocken er rührt; aber er rührt auch eben nur an sie. Von einer fünst flimmen, die er selber nicht erreichen konnte. Der Atheismus Alberinis, des Ostermorgens läuten, drängt sich wie eine von der Flut des lerischen Durchdringung des Problems ist er so weit entfernt, unter andern Umständen etwas so Gewöhnliches, hat in dem Unglücks aus weiter Vergangenheit heraufgespülte Erinnerung, daß die Uebertragung, nach Gesichtspunkten artistischen Interesses fatholischen Städtchen ihn mit geheimnisvollem Nimbus umwoben. ein leises:„ Wer weiß es?" über feine Lippen. Der beurteilt, sich in keiner Weise würde rechtfertigen und verstehen" Lucifer" benamsen ihn dort die naiven Gemüter. Der Schmerz ruft nicht den Glauben, aber das vergessene Gefühl lassen. Hartlebens hochentwickelter und klarer Formensinn fann sich gläubige Jugendfreund besitzt eine Tochter, und des der Schranken, die jedem Wissensstolz gesetzt sind, in ihm wach. dem nicht verschlossen haben. Der Aufbau in den vier Akten, die Professors Sohn verliebt sich also, wie voraus zu sehen, Gine tendenziöse Verherrlichung der Gläubigkeit liegt dem Stücke, fich Sommer, Frühling, Herbst und Winter auf dem Theaterzettel in das Mädchen, leider ohne uns für seine Leidenschaft interessieren liegt auch diesem Schlusse, scheint mir, völlig fern. In der Gegennennen, ist von einer Einfachheit, die die Geduld auf eine wirklich zu können. Mathilde erschricht nicht wenig, als der junge Mann ihr überstellung der streitenden Meinungen hat der Dichter Licht und harte Probe stellt. Wozu ein paar andeutungsreiche Scenen die von väterlicher Seite ererbten Doktrinen auseinandersetzt, aber Schatten gleich verteilt. genügt hätten, das wird in langen redseligen Aufzügen ein Kuß stellt schnell die zärtlichen Gefühle wieder her. Ihr Vater Die Aufführung, mit warmem Beifall aufgenommen, bot pedantisch gründlich auseinandergesetzt. Gut die Hälfte will um seiner und der Tochter Seelenheil die jungen Tüchtiges. Den Professor gab Pitts chau mit Kraft und Würde, des Stückes wäre entbehrlich gewesen. Der Dialog ist so beziehungs- Lente trennen. Er lädt einen Priester, der dem liebenswürdigen und ebenso traf Roland ganz den rechten Ton in der Rolle los und unpersönlich, so ohne alle Hintergründe und in das Duntlere Mädchen die Verworfenheit der Ungläubigen recht lebendig des Gegenpartners, des bescheiden- demütigen und doch festen i des Seelenlebens sich eröffnende Perspektiven, als hätte es niemals ausmalt und seine Warnungen durch Hinweis auf die Höllenstrafen Senardi. Frl. Cerigioli war in Sprache und Haltung eine eine naturalistische Bühnenkunst, einen Ibsen, einen Hauptmann ge- unterstützt. Vergebens, daß der Professor für seinen Sohn beim sympathische Mathilde, und Alexander Wierth, als Liebhaber ein geben. Erst in den Scenen des dritten und vierten Aftes weht Freunde sich verwendet. Der bei aller Bigotterie herzensgute Alte, wenig fade, wirkte durchaus echt in dem Verzweiflungsausbruch des etivas wie ein Hauch von Stimmung. der mit rührender Liebe an seiner Tochter hängt, bittet und beschwört letzten Attes. Zwei Jugendfreunde aus dem Priesterseminar führt nach langen sie, ihm den Schmerz eines solchen Bundes zu ersparen. Mathilde
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