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. 274. 20. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt. Dienstag, 24. Bovember 1908.

Stadtverordnetenwahlen

Enden in der dritten Wählerklasse

am 27. November

bon morgens 9 bis abends 8 Uhr in den folgenden Kommunal­Wahlbezirken statt, in denen die dabei benannten Kandidaten seitens der Socialdemokratie aufgestellt sind:

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2. Kommunal- Wahlbezirk: Waldeck Manasse.

5.

8.

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11.

Hermann Werner.

Arthur Stadthagen . Emil Kerfin.

Max Schönemann.

Paul Schneider .

Otto Antrick.

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13.

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Paul Singer.

14.

17.

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18.

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37.

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47.

24.

25.

28.

31.

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Bernhard Bruns. Franz Kotzke. Hermann Schubert. Hermann Borgmann. Karl Anders.

Ferdinand Ewald. Richard Augustin.

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sache gelesen und gesehen, daß dabei behauptet wurde, seine Mutter intellektuelle Urkundenfälschung mit der Unterfrage nach mildernden Um habe die Entbindung vorgenommen. Da dies mit den Mitteilungen ständen; 2. bezüglich der Ossowska auf Begünstigunghind Meineid; 3. be­seiner Mutter nicht übereinstimmte, habe er mehrere Versuche gemacht, züglich der Knoska und Chwiatowska auf Beihilfe, Begünstigung mit dem Ehepaar v. Koszorowski zusammen zu kommen, uni ihm seine nach der That und Meineid. Bei diesen lezten drei Angeklagten wird Wissenschaft zu unterbreiten. Im Frühjahr dieses Jahres sei ein noch die Unterfrage gestellt, ob sie bei Bekundung der Wahrheit in ihm unbekannter, in den besten Jahren stehender, mittelgroßer und der Gefahr gestanden hätten, selbst wegen eines Vergehens oder blonder Mann bei ihm erschienen und habe ihm 3000 Rubel geboten, Verbrechens verfolgt zu werden. Die Geschwornen haben hier­wenn er ihm ein Geheimnis preisgeben könnte. Der Mann habe nach vierzehn Fragen zu beantworten. auch schon 3000 Rubel auf den Tisch gelegt, da er aber sagte, daß er( Cwell) auch mit nach Berlin fahren müßte, so habe er es ab­gelehnt. Später sei ein andrer Mann zu ihm gekommen und habe ihn gleichfalls gefragt, ob er nicht ein Geheimnis bewahre, welches er ihm preisgeben wolle. Er habe dem Manne gesagt:" Gott , es war ja schon ein Mann hier, der auch ein Geheimnis von mir haben wollte; das ist doch auffällig! Ich weiß ja auch gar nicht, wer Sie find!" Darauf habe der Mann geantwortet: Ich bin

der Vetter der Gräfin Kwilecka;

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Vor Beginn der Plaidoyers findet eine einstündige Pause statt. Als nach der Pause die Saalthüren wieder eröffnet werden, ist der Andrang des Publikums so groß, daß die Ordnung nur durch energische Maßregeln des Beamtenpersonals aufrecht erhalten werden tann. Große Heiterfeit erregt es, daß die Verteidiger nur mit größter Anstrengung in den Saal hinein können.

Die Plaidoyers.

der Vater zahlreicher Kinder

Nach Wiedereröffnung der Sigung nimmt zunächst das Wort Staatsanwalt Dr. Müller: Meine Herren Geschwornen! unfre Damen machen Böses, und ich möchte das Geheimnis Wenn dieser Prozeß, der uns mehrere Wochen hindurch beschäftigt und günstig verwerten". Als er Zweifel an der Richtigkeit dieser An- an den Körper und Geist der Herren Geschwornen die denkbar größten gaben äußerte, fragte der Fremde, was er verlangen würde und da Anforderungen stellte und dem Sie, losgelöst von Ihren Berufs­habe er denu, da ihm schon einmal eine Erbschaft und 3000 Rubel geschäften, mit einer bewunderungswürdigen Hingabe gefolgt sind, angeboten worden waren, scherzend gesagt: Na, 8000 m. wären ein über das gewöhnliche Maß weit hinausgehendes Aufsehen erregt doch wohl nicht zu viel?" Darauf habe der Mann, der sehr dringend hat, so liegt der Grund dafür einerseits in der Seltenheit und ge­war, das Geheimnis zu erfahren, nur geantwortet: Na, das sind radezu Einzigartigkeit des Delikts und anderseits in den Persönlich­ja noch nicht einmal 10 000 Rubel". Weiter sei nichts verhandelt teiten, um die es sich hier handelt. Wenn Ihnen vor Jahr und Tag worden, denn er habe auch hier gesagt, daß er eventuell nur vor jemand mit den geradezu verblüffenden Einzelheiten des polnischen Gericht Aussage machen würde. Der Zeuge Hechels fi wird hier Dramas gekommen wäre, so würden Sie diese für das borgerufen und der Zeuge Cwell erkennt ihn als den Mann wieder. Produkt einer überhigten Romanphantasie oder für die Aus­Der Vorsigende legt dem Sanitätsrat Dr. Rosinski die grabung aus mittelalterlichen Chroniken gehalten haben. Und in der Mängel im Schulwesen, in der Kranken- und Ge- ältere Photographie der Frau Ewell vor und fragt ihn, ob That sind eine ganze Reihe von Momenten in die Erscheinung ge­sundheitspflege, in socialer Fürsorge für die dies die Hebamme sei, die er bei der Gräfin vorgefunden? treten, die einer weiten Vergangenheit anzugehören scheinen. Kein Sanitätsrat Dr. Rosinski glaubt, dies bejahen zu können. städtischen Arbeiter, die Wohnungsnot, der Mangel Auch die Zeugin genczewska bestätigt, das dies die wirkliche Leben mit seinen Absonderlichkeiten und seinen taleidoskop­Roman, kein Theaterstück kann, wie sich hier wieder zeigt, an das an ausreichender Beschränkung der Kinderarbeit, Ver- Hebamme sei, die Frau v. Koszorowska von Warschau mit nach artigen Mannigfaltigkeiten heranreichen. Das wirkliche Leben fagen ausreichender Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit, Berlin genommen habe. Zeuge& well erklärt weiter auf Befchlägt in dieser Beziehung jede Konkurrenz. Ich kann nun nicht die furzsichtige Politik des Freisinns, der die Eingemeindung im fragen: Seine Mutter habe sich bis an ihr Lebensende nur als jebe Einzelheit dieser ganzen Entwicklung durchgehen, sondern rechten Moment unterließ, die Ausnutzung der städtischen Straßen Hebamme ernährt und sich mit etwas anderm nie befaßt. In wessen will nur im Fluge cine Reihe von Jahren durcheilen. durch die Aktionäre der Straßenbahn- Gesellschaften Auftrag die erwähnten Männer bei ihm nach dem Geheimnis ge- Der Staatsanwalt wendet sich zunächst der Geschichte des gräflich und Elektricitäts- Gesellschaften, der Servilismus forscht haben, weiß der Zeuge nicht. Auch ein Kaufmann Lewinski Kwileckischen Hauses zu. Im Jahre 1864 heiratete der Graf die und Byzantinismus des Freisinns, eine Steuerpolitit fei noch einmal bei ihm gewesen und habe ihn gefragt, Gräfin geb. Gräfin Beninsti. Ein männlicher Erbe starb, seitdem zu ungunsten der erwerbsthätigen Bevölkerung об er ein Geheimnis wisse. Auch von diesem wisse er wurden in der gräflichen Ehe mur noch Kinder weiblichen Geschlechts das sind von Tag zu Tag wieder in die Augen fallende dieser kein Geld angeboten. nicht, in wessen weffen Auftrag er gekommen, doch habe ihm geboren. Der Graf hatte zwar zahlreiche Liebschaften, mit einer Früchte der kapitalistischen lassenpolitit, die der fundung des Schließlich ist nach der Be- gewissen Bonhommie sagte er ja: weshalb soll ich nicht! Er soll Zeugen noch ein Mann bei Sommunalfreifinn im Noten Hause treibt. Einer der eine Art Detektiv gewesen ist und ihn auch nach allem Möglichen ihm gewesen, ja auch Heinen Minderheit von Besitzenden räumt das Dreiklaffen- Wahl- auszufragen fich bemühte. Auf dessen Wunsch habe er diesem auch gewesen sein. Für die Gräfin gestaltete sich die Ehe sehr un­system die Herrschaft in der Stadtverwaltung ein. Und diese sucht ein Bild seiner Mutter überlassen, welches nach Berlin geschickt erfreulich. Sie soll der Mißstimmung ja auch in manchen Meußerungen fie bis aufs Tipfelchen über dem i auszunüßen. Diesem Bestreben werden sollte. Ausbruck gegeben haben, so: ich ekle mich vor meinem Manne. Der trist nicht ohne Erfolg allein die Socialdemokratie auf allen Ge- Mittel vorgestellt und in dessen Wohnung der Zeuge gewesen, einen Gerichtsvollzieher war schließlich ein so häufiger Gast, daß er scherz­Rechtsanwalt Chodziesner: Hat der Mann, der sich als Graf lebte ziemlich anspruchslos, sie verbrauchte Unsummen. bieten entgegen. Die Socialdemokratie wirkt jeder geistigen und körperlichen Verelendung der er 3euge: Ja, er war sehr elegant und vornehm und sprach sehr gut Jahre war der persönliche Kredit der Angeklagten fo gut wie er­vornehmen Eindruck gemacht? Sprach er elegant polnisch? weise nicht anders als Dntel" genannt wurde. Mitte der 90 er werbsthätigen Bevölkerung entgegen. Gelindert polnisch. Er sagte, es handle sich um ein geheimes Untersuchungs- schöpft; weiter war es ihnen faum möglich, Geld zu bekommen, fann die Not auf allen Gebieten, die wir nannten, bureau. Vert.: Konnte es ein polnischer Aristokrat, ein Graf schon weil kein männlicher Erbe da war. auch im Rahmen der heutigen Gesellschaftsordmmg werden, gewesen sein? 8euge: Das möchte ich nicht sagen. Vert.: Der Staatsanwalt geht noch näher auf die schlechten wirtschaft­tenn die Stadtverwaltung wollte. Beseitigt werden Sie haben doch wohl nicht den Eindruck gehabt, daß dieser Mann lichen Verhältnisse sowie auf das Cheleben der Angeklagten und farm sie nur dadurch, daß die heutige Ausbeutungsordnung etwas Unrechtes von Ihnen verlangte? Zeuge: Nein, diesen die bekannte Reise nach dem Süden ein. Als die Gräfin im beseitigt wird. Das kann nur erreicht werden durch Vergesellschaftung Eindruck hatte ich aber auch von den andern Männern nicht. Mai 1896 von Italien zurückkam, hieß es plötzlich, fic ſei der Produktionsmittel, die in den Händen der jetzigen Eigentümer Uebrigens ist Herr Rittel mehrmals bei mir gewesen und als ich ihn schwanger. Natürlich war das auffallend; jedermann, der cls Mittel der Ausbeutung der großen Menge auf wirtschaftlichem zugestanden, daß er die Erbschaftsgeschichte nur erfunden habe, um das so lange Jahre wie Hund und Kaze gelebt, auf einmal so große fragte, wie es denn nun mit der Erbschaft stände, hat er mir die Verhältnisse fainte, wunderte sich, daß das Ehepaar, und politischem Gebiete dienen. Auf, Wähler! Beschleunigt dieses Biel der arbeitenden Mensch- des Vorzeugen Magdalene well schließt sich den Aussagen ihres Niederkunft der Gräfin fiebzehn oder achtzehn Jahre zurüd lag, daß Die Ehefrau Neigung zu einander gefaßt haben sollte. Dazu kam, daß die letzte heit dadurch, daß Ihr im gerechten Kampf gegen die jetzige Mehrheit Mannes an. Die Zeugin erklärt weiter auf Befragen, daß ihre die Vermögensverhältnisse schlechter waren als je zuvor, der Kredit der Stadtverordneten nicht nur am Freitag einhellig Eure Stimme Schwiegermutter ihre Söhne, wenn sie sich einmal in kritischer Lage zu Ende war und daß schließlich noch verlautete, die Gräfin wolle den socialdemokratischen Kandidaten gebt, nein- agitiert befanden, mit Geld ausgeholfen habe. agitiert befanden, mit Geld ausgeholfen habe. Die alte Frau Ewell sei im Auslande entbinden. borher, werbt Retruten, flärt auf, revolutioniert die Köpfe überhaupt eine recht gute Frau gewesen. Erster Staatsanwalt Der Antläger geht nun auf die Pariser Reise sowie auf die der Indifferenten, Halben, Lauen, Zaghaften. Steinbrecht : Wenn die alte Frau Ewell eine so gute Frau einzelnen Vorfälle bei der Geburt in Berlin ein. Die ganze Pariser war, dann ist es doch wunderbar, daß Sie auf den Gedanken gelommen Sache ist oberfaul! Ich behaupte: auch das Verhalten der Frau Gräfin eben, weil sie uns nichts mitgebracht hat. sind, sie sage Ihnen nicht die Wahrheit. 3eugin: Ja, ich dachte in Berlin während der Entbindung ist auffallend und unverständlich. Staatsanwalt Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das von der Gräfin an Dr. Müller: Neigte denn Ihre Schwiegermutter zum Lügen. geblich am 27. Januar geborene, am 30. Januar beim Standesamt 3eugin: In unschuldigen Dingen hat sie wohl auch einmal in Berlin vom Grafen angemeldete Kind kein andres ist, als der gelogen. Staatsanw. Dr. Müller: Haben Sie ihr mun ge- am 22. Dezember in Krakau geborene Sohn der Cäcilie Pracza glaubt oder nicht? 8eugin: Ich habe ihr geglaubt und auch jetzigen Frau Meher. nicht geglaubt. Ein Geschworner wünscht von der angeklagten Seit September 1896 war auf dem Gut als Wirtschafterin Gräfin Kwilecka zu wissen, wieviel die Ewell für die Entbindung die alte Andruszewska angestellt, der deren Tochter Hedwig erhalten. Angell. Gräfin smileda: 700-800 m. hat ihr mein als Gehilfin beigegeben war. Die alte Andruczewska hat Mann gezahlt. Graf Wesiarski- wiledi: Ich habe ihr un aber schon lange vorher in der gräflichen Familie eine gefähr 800 m. gegeben. Ich wollte ihr zunächst 700 M. zahlen, Vertrauensstellung genossen. Ihre besondere Stellung geht am die Civell bat aber, ich folle ihr nur noch etwas zulegen, fie tönne besten aus dem Briefe hervor, den die Gräfin von Nizza aus beim es brauchen, ihren Kindern gehe es nicht ganz gut. Der Ge- Tode der alten Andruszewska an die Hedwig geschrieben hat. Der schworne fragt ferner, wieviel ungefähr in den hohen polnischen Adels- Brief lautet in Uebersetzung: familien den Hebammen für eine Entbindung gezahlt werde. Liebe Hedwig !

Es gilt nicht nur, den Sieg an die Fahne der Socialdemokratie zu heften, sondern neue Anhänger der Socialdemokratie zu werben. Vielfach herrscht noch Lauheit, weil zu große Sieges zubersicht vorhanden ist. Sich in Siegeshoffnungen zu wiegen, ist aber falsch ohne Kampf fein Sieg!

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Darum auf zum Kampf! Auf zum Sieg!

Der Kampf ums Majorat.

Achtzehnter Tag.

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in der Swileckischen Sache an ihn heranzukommen.

die

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differieren.

besonders hoch?

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Berteidiger Rechtsanwalt

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Dr.

Der heutigen Sigung, die Landgerichtsdirektor Leuschner um 9 Uhr eröffnet, wohnt in einer Loge der Justizminister Dr. Schönstedt bei. Die neuerdings von der Staatsanwaltschaft geladenen Zeugen, Sanitätsrat Dr. Rofinsti: Die Hebamme wird manchmal sehr Die uns heute zugegangene Nachricht von dem Tode Deiner das Ehepaar Cwell aus Warschau 2c., find zur Stelle. Der gleich gut bezahlt, 10 W. und mehr täglich bei freier Verpflegung, aber Mutter hat uns so tief erschüttert, daß ich fortwährend weine und falls neu vorgeladene Hauptmann v. Biegler aus Krakau ist nicht Finden Sie die gezahlte Summe Deine Mutter aufgesucht habe. v. Rychlowski- Posen: erschienen. Er hat dem Gericht geschrieben, daß er das erste Mal daß es mir sehr leid thut, daß ich am Tage meiner Abreise nicht noch schlechte Erfahrungen mit den Beugengebühren gemacht habe; er durchaus nicht.- Rechtsanwalt Chodziesner: Es handelte Mutter zu aus hatte, findet man nicht wieder! Deshalb zolle ich Sanitätsrat Dr. Rosinsti: Nein, Ein solches Herz, eine solche Anhänglichkeit, wie sie Deine habe aus eigner Zasche zulegen müssen und finde die Sache für ihn sich um die Geburt des langerfehnten Majoratserben. Das war unsrer lieben Toten die vollste Anerkennung und wiederhole das zu teuer. Als erster Zeuge wird der Mechaniker Thomas Cwell aus boch gewiß ein ganz besonderes Motiv, an seinem Geldbeutel nicht Deiner Mutter gegebene Versprechen, Dich nimmer zu verlassen, Warschau vernommen. Er ist der 43 Jahre alte Sohn der ver- zu kaufern. Sanitätrat Dr. Rosinsti: Das ist auch meine hiermit feierlichst mit ganzer Seele und ganzem Herzen bei der storbenen Hebamme Ewell; da er nicht deutsch spricht, muß" Rittel" sich bei ihrem Manne damit eingeführt habe, daß er ihm Ansicht. Die Zeugin Cwell bekundet noch, daß der angebliche Reiche der geliebten Anicla! der Dolmetscher Regierungsrat Brandt seine Aussage über­von einer Erbschaft erzählte. So weit sie sich entsinne, sei das vor Mutter Gottes und wende Deine Augen, Dein Herz mir, als Deiner Du aber lege Deinen Schmerz nieder zu den Füßen der heiligen tragen. Er sagt folgendes aus: Im Jahre 1897 das Jahr wisse er, weil er damals bei der Eisenbahn arbeitete, sei seine Mutter etwa drei Jahren gewesen. Rechtsanwalt Chodziesner: Das Wochen abwesend gewesen. Nach ihrer Rückkehr habe er sie gefragt: Justizrats Lewinski in Posen, welch letzterer bekanntlich seiner Zeit zu einer Entbindung nach Berlin gefahren und etwa zwei bis drei wäre also zu der Zeit gewesen, als der Civilprozeß in Posen schwebte. alleinigen Stütze zu. Möge Dich Gott behüten. Zeuge Kaufmann Lewinsti aus Warschau ist der Bruder des Die heute mit Dir zugleich Thränen vergießende J. W. Kwilecka." Na, Mutter, wie ist es Dir ergangen in Berlin ?" Darauf habe in dieser Angelegenheit einige später als Zeugen auftretende Personen die durch die Beweisaufnahme als durchaus richtig bestätigt worden fie erwidert: Ach ich wünschte, ich hätte Berlin gar nicht gesehen, vernommen hat. Der Zeuge war aufgefordert worden, sich über den Diese Hedwig Anduszewska hat Mitteilungen ihrer Mutter bekundet, denn ich bin infolge Erkältung so krant geworden, daß ich die Ents Leumund der Frau Gwell zu erkundigen und ist auf diese Weise mit sind. Danach ist ihre Mutter im Auftrage des gräflichen Ehepaares bindung nicht vornehmen konnte, sondern eine andre Hebamme in Thätigkeit treten mußte. Wenn ich nicht krant geworden wäre, würde dem Ehepaar Ewell in Verbindung getreten. Bei dieser Gelegenheit nach Krakau gefahren und hat sich an eine in der Johannisstraße überhaupt nicht zugegen gewesen, weiß der Zenge nicht. Es sei Frau Ewell eine viel beschäftigte Hebamme gewesen sei, die mur Krakauer Ermittelungen gewesen und diese haben alles bas bestätigt, ich viel mehr verdient haben!" Ob die Mutter bei der Entbindung hat, wie er bekundet, Frau Cwell ihm gesagt, daß die verstorbene wohnende Hebamme gewandt, welche einen als Säufer bekannten Sohn gehabt habe. Diese lettere Thatsache ist die Brücke zu den aber sehr wohl möglich, daß die Mutter eine Ausrede gemacht habe, ehrliche Geschäfte gemacht habe. Wenn sie unfaubere Geschäfte was die Hedwig Andruszewska als Mitteilung ihrer Mutter vorher hätte machen wollen, dann würden sie alle nicht so ärm- ons lich, sondern ganz anders dastehen. bekundet hatte. Es erscheint ganz ausgeschlossen, daß die Hedwig Herr Cwell hat ihm 11. a. von dem Manne erzählt, der ihm 3000 Gulden an sich alle diese Einzelheiten aus den Fingern gesaugt haben kann. und dies auf diese Weise ihren Angehörigen habe berheimlichen geboten und hat sich auch nach der Adresse des Herrn und Sie hat alles dies pöllig übereinstimmend im Sommer 1901 der wollen.( Bewegung im Publikum.) Der Zeuge überreicht eine der Frau v. Koszorowska erkundigt. Herr Ewell hat ihm auch von Valentine Andruszewska mitgeteilt, deren Ehemann hat es zu starke Person gewesen sei. Weiter bekundet er auf Befragen: Richtig und die Entbindung nicht habe vornehmen können, er habe aber geruht, bis ältere Photographie feiner Mutter und erklärt, daß fie eine große, der Bemerkung der Mutter erzählt, daß sie frank geworden sei Papier gebracht, ist aber darüber hingestorben und die Sache hat der Windhund Hechelski

daß sie

viel Geld verdient

sei es, daß seine Mutter auf dem Sterbebette noch nach ihm geschickt gleich hinzugesezt, daß er nicht wisse, ob dies wahr sei.

und ihre Umgebung gebeten habe, ihn schleunigst herbeizuholen, da Die nächste Zeugin Fräulein Grünewald ist längere Zeit, bis die Sache erfuhr, sich ihrer bemächtigte und sich an den Grafen Hektor sie ihm noch etwas zu sagen habe. Nicht richtig sei es, daß die zum Jahre 1897, auf Wroblewo Erzieherin der Komtesse Marie wandte. Hechelski hat mit großer Ausbauer die Thatsachen ge­Mutter dabei von einem wichtigen Geheimnis" gesprochen habe. gewesen. Sie weiß, daß die Gräfin zur Entbindung nach Berlin sammelt und es hat sich ergeben, daß die Mitteilungen der Hedwig Seine Mutter habe etwa zwei Monate nach ihrer Rückkehr zu gefahren sei und sagte, sie reise deshalb nach: Berlin , weil sie sich durchaus bestätigt haben, daß die Cäcilie Meyer in der kritischen fränteln angefangen und als sie starb, habe er nicht recht- anderswo fürchte, daß die Agnaten dem Kinde etwas anthum könnten. Beit ein Kind für 100 Gulden verkauft hat und dieses zeitig zu ihr eilen können, sondern als er anfam, fie schon Sie selbst habe an der Schwangerschaft der Gräfin keinerlei Zweifel ind von einer alten Frau, die nach meiner Behauptung tot vorgefunden. Vor etwa einem Jahre sei ein Mann, der gehabt. Auf Befragen des Staatsanivalts erklärt die Zeugin, daß die alte Andruszewska war, nach Berlin geschafft worden ist. sich Mittel nannte, zu ihm gekommen und habe ihm gesagt, fie von einer im Jahre 1896 unternommenen Reise der Gräfin zugegeben, daß Hedwig sich in zahlreichen Punkten mit andern daß in Berlin eine Erbschaft für die Brüder Cwell und deren nichts wisse. Zeugen in Widerspruch befunden hat; sie hat aber alles doch nur Schwester flüssig werde. Er habe sofort gesehen, daß dies nicht Auf weitere Beweisaufnahme wird allseitig aus Mitteilungen ihrer Mutter gewußt und man muß immer wieder wahr sein könne und ungläubig gelächelt, und als dann der Mann verzichtet. im Auge behalten, daß Hedwig schon vor Jahr und Tag, noch ehe ihn über die von seiner Mutter in Berlin vorgenommene Ent bindung aushorchen wollte, habe er ihm geantwortet: er würde Die vom Vorsitzenden formulierten fich Hechelski der Sache bemächtigte, alles erzählt hat, was sich nachher bestätigt hat. Darüber kommt man nicht hinweg, selbst event. in Berlin vor Gericht Zeugnis ablegen, sonst aber nichts sagen. Schuldfragen wenn man Hechelski und die Hedvig preisgeben und die lettere für Bestimmte Geldversprechungen habe ihm der Mann nicht gemacht. lauten: 1. Bezüglich des Grafen und der Gräfin v. Wesniersti eine Halbverrückte und Herrn Sechelsti für einen Erzschelm halten Seine Verbindung mit dem Ehepaar v. Koszorowski beschränke sich wiledi auf Kindesunterschiebung( allein oder gemeinschaftlich) wollte wofür die Verhandlung aber gar keinen Anhalt ge­auf folgende Thatjache: Er habe in den Zeitungen über diese Prozeß zum Zwecke der Erlangung von Vermögensvorteilen, ferner auf geben hat.

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