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H- dor12

Nr. 84. 21. Jahrgang.

3. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt. Sung

Wirtschaftlicher Wochenbericht.

Hohe Rücksichten.

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Berlin , 9. April 1904. Induſtriedienst und Staatsdienst.

der Industrie und der Konkurrenz mit den gewaltigen zusammen­geſchweißten Stapitalmächten des Auslandes für unerläßlich. Der einzelne muß seine individuellen Interessen dem nationalen Wohl unterordnen. Dem Stahltverksverband würden zunächst die

Billwichtigsten Aufgaben zufallen, eine leberproduktion zu greisregulierung gegen­über dem Auslande, in dem sich bis jetzt die Werke immer gegenseitig unterboten haben, durchzuführen."

Herr v. Rheinbaben und der Stahlwerksverband. Der Uebertritt des Regierungsrats Dr. Boelcker in den Syndikatsdienst. Herr Boelder als Referent über die Eisen- Syndikate in der Kartellkommission.

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Regierungsbeamte im Induſtriedienst.

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Sonntag, 10. April 1904.

Wettbewerb der Walzwerks- Erzeugnisse auszuhalten gehabt hätten, und ob die gemischten Werke dann nicht versucht hätten, ihre gesamte Produktion an Halbzeug in der Form von Fertigerzeugnissen auf den Markt zu bringen und die Preise dadurch so zu werfen, daß eben die von den reinen Walzwerken gewünschte höhere Spannung doch nicht erzielt worden wäre."

Ja, Herr Dr. Voelker zeigte sich sogar so besorgt um das fried­Eine befremdende Stellungnahme eines Ministers zu einem die liche Zusammenarbeiten der großen Syndikate, daß er zu Beginn nadtesten Profitinteressen vertretenden Unternehmerverband. Schon der Verhandlungen über den Halbzeug- Verband, als der Gegensatz möglich, daß Herr von Rheinbaben als Chef der Seehandlung die zwischen den Stahl- und den reinen Walzwerken das Hervortreten an dem Zustandekommen des Stahlwerksverbandes interessierten mancher dem Halbzeug- Verband belastenden Anklagen erwarten ließ, Großindustriellen und oberschlesischen Kommerzienräte als recht an die Großindustriellen die Mahnung richtete, doch nicht so gründlich honnette Herren kennen gelernt hat. Aber die aus solchen Erfahrungen in der Erörterung der Streitfragen zu fein. Er sagte nach dem Ver= entsprungenen Sympathien für fapitalistische Interessenbestrebungen handlungsbericht wörtlich: find seine privaten, keine ministerielle Angelegenheit. Mag Herr von Rheinbaben sich den Leitern des Stahlwerksverbandes in der Tiefe seines Herzens noch so seelenverwandt fühlen, die öffentliche Propaganda für ihren Verband gehört nicht zu seinen amtlichen

Wenn der Herr Vorsitzende gestern abend in seinen Schluß­torten einen kurzen Rückblick über die Verhandlungen der beiden ersten Tage gegeben hat, so darf ich seinen Ausführungen vielleicht noch hinzufügen, daß nach meiner persönlichen Ansicht in folge des vielleicht zu weiten Eingehens auf Einzel­heiten und durch eine zu gründliche Dar­stellung der der Vergangenheit angehörendeπ Verhältnisse, die sich zwischen den Buddel- und Walzwerken auf der einen Seite und dem Roheisen- Syndikat auf der andren Seite herausgebildet haben, schließlich nicht mehr genügend Zeit übrig geblieben ist, um den Wegeiner Verständigung zu beschreiten."

Daß die Kartell- Enquete, nachdem sie über ein Jahr sich in müden, immer mehr in rein geschäftsmäßigen Erörterungen aus Laufenden Verhandlungen hingeschleppt hat, schließlich doch noch sensationelle Weberraschungen bescheren könnte, hat kaum jemand er­wartet. Und thatsächlich haben auch die Debatten selbst die von manchen zu Beginn der Untersuchungen erwarteten sensationellen Enthüllungen noch immer nicht gebracht, wohl aber haben jüngst einzelne Mitglieder der hohen Regierung zu den Syndikats­bestrebungen in breitester Oeffentlichkeit eine Stellung eingenommen, Obliegenheiten. die selbst bei denen, die sonst nicht zur Ueberschäßung der geistigen Noch mehr überrascht als die Rede Rheinbabens hat indes die und sittlichen Qualitäten des heutigen Regimes leiden, Befremden Meldung, daß Herr Regierungsrat Dr. Boelder, der von der erregt. Recht seltsam berührte schon, daß die Regierung in fürsorg- Regierung für die Kartell- Enquete gestellte Referent über die Eisen­licher Rücksichtnahme auf die Interessen der großen rheinischen Stahl- syndikate, in den Dienst des Stahlwerksverbandes tritt, und daß der iverfe es kommen eigentlich nur zwanzig Werke in Betracht für ihn reservierte Posten, obgleich er große Anforderungen an die die Enquete vorläufig eingestellt hat, um die Verhandlungen Arbeitskraft kaum stellt, mit 100 000 m. jährlichem Ge­dieser Werke über die Gründung eines zur Behalt dotiert wird. Wie es heißt, haben die Herren Kirdorf , herrschung des deutschen Stahlmarktes be Rob, Röchlin, Thyssen usw. in Herrn Voelcker eine hervorragende Eine Aeußerung, die eine höchst sonderbare Auffassung von dem stimmten Stahlwerksverbandes nicht zu stören. organisatorische Kraft" erkannt, die sie der Verwaltung Zweck einer Enquete verrät; denn eine solche veranstaltet man doch Der inzwischen gegründete Stahlwerksverband ist die vermehrte, des Stahlverbandes dienstbar machen wollen. gerade, um Aufschlüsse über gewisse Verhältnisse zu erlangen, nicht monopolistisch besser ausgestattete Neuauflage des Halbzeug- Die Herren befizen mag man sonst über sie denken, wie man aber um Verständigungen" oder Interessenausgleiche herbei verbandes, des Syndikats, das durch seine Preispolitik mehr wie will entschieden eine gute Dosis Menschenkenntnis. Regierungs- zuführen. irgend ein andres die deutsche industrielle Entwicklung geschädigt hat. rat Dr. Voeffer wird sich mit feinem Verständnis den Bedürfnissen Der Stahlwerks- Verband macht also in Dr. Voelfer eine wert­Während es auf dem deutschen Inlandsmarkt mit allen Mitteln die des Stahlsyndikats anzupassen wissen, dafür bürgen allein schon seine volle Akquisition. Anders stellt sich aber vom politischen Standpunkt Preise für Halbzeng( sogenannte Flußeisen- oder Rohstahlprodukte) Referate über einzelne Startellfragen in der Kartellkommission. dessen Eintritt in den Syndikatsdienst darbesonders da es sich auf den hohen Stand, den sie in den Hochkonjunkturjahren 1898/99 wußte er doch bei der Wiedergabe der verschiedenen Ansichten über hier nicht um einen vereinzelten Fall handelt, sondern seit einigen eingenommen hatten, festzuhalten suchte, stellte es andrerseits seinen die Syndikatspolitik Licht und Schatten sehr hübsch zu verteilen und Jahren die großen Banken und Industriegesellschaften geradezu Mitgliedern den Export nach auswärts zu jedem beliebigen Preise für die der Vergangenheit der Kartelle angehörenden früheren sportsmäßig die Anwerbung höherer Regierungsbeamten betreiben. frei; eine Freiheit, die, wie die am 2. und 3. Dezember vorigen Fehler nachsichtsvolle Entschuldigungen zu finden. So zum Beispiel, Erinnert sei nur an den Eintritt des Geh. Seehandlungsrats Jahres stattgefundenen Verhandlungen der Kartellkommission nach wenn er in seinem Referat zu Beginn der Sizung am 1. Dezember Schoeller und des Ministerialdirektors Geh. Ober- Regierungsrats gewiesen haben, von einzelnen Werken dazu benutzt wurde, um ihre vorigen Jahres die Frage, durch welche Mittel das Roheisen- Hoeter in den Dienst der Diskonto- Gesellschaft, des Ministerial­Erzeugniffe auf die Auslandsmärkte zu 35-40 Proz. billigeren Syndikat den Abschluß langfristiger Lieferungsverträge erzwang, direktors Micke in den Dienst der Großen Berliner Straßenbahn, Breisen zu werfen. Die Folge war, daß zwar die Ausfuhr von ganz unberücksichtigt ließ, und statt dessen einfach erklärte: Es der Geh. Ober- Finanzräte Müller und Hartung von der Reichsbank Halbzeug in den letzten Jahren rapide zugenommen und sich z. B.( d. h. das Roheisen- Syndikat) wurde hierzu bestimmt durch die in den Dienst der Dresdner Bank und des Schaaffhausenschen Bant­im Jahre 1902 im Vergleich zu 1901 mehr als verdreifacht hat, daß vielen Anmeldungen für das ganze Jahr 1901, die sich bereits an- bereins, des Börsenkommissars Herrn Schönfeld in den Dienst der aber andrerseits die auswan tige Walzeisen- Industrie in die Lage fangs 1900 auf 123 000 Tonnen beliefen." Oder wenn er auf Deutschen Bank usw. Natürlich wird jede solche Erwerbung von fam, den deutschen Rohstahl ungleich billiger einzufaufen als die die Klage, daß nach Eintritt der Krise das Roheisen- Syndikat hart- den betreffenden Gesellschaften mit den besonderen Organisations­deutsche Fertigeisen- Industrie, so daß sie dem deutschen Erport in nädig an seinen früheren Preisvereinbarungen festgehalten habe, talenten der bei ihnen eintretenden Beamten begründet. Die läster fertigen Stahlfabrikaten ohne große Anstrengungen ein Paroli zu kurzweg auf die Nüglichkeit der fünftigen Einfügung einer Baisse füchtige Fama sucht jedoch hinter diesen Engagements ganz andre bieten vermochte. Der Enderfolg lief also auf eine Beeinträchtigung Klausel in die Lieferungsverträge hinwies und den Nachweis der Motive. Sie meint in ihrer moralischen Verdorbenheit, daß es sich der deutschen Fabrikation von stählernen Fertigprodukten zu Gunsten schädlichen Rückwirtung des Maffenerportes des Stahlzeug- Verbandes für die Banken und industriellen Gesellschaften entweder darum der Rohstahl- Ausfuhr hinaus. Und troß dieser für das deutsche auf die deutsche Walzeisen- Industrie mit den Worten abfertigte: handelt, gute Sonnegionen in Regierungsfreisen zu haben, oder Wirtschaftsleben nichts weniger als nüßlichen Interessenpolitik des ich glaube nicht zu irren, ivenn ich behaupte, daß uns Beamte, die man in ihren Stellungen fürchtet, faltzustellen. Viel früheren Halbzeugverbandes diese ärtliche Rücksichtnahme der hohen die Verkäufe nach dem Auslande über die schwierigen Zeiten, die fach wird sogar behauptet, daß heute schon von strebsamen jüngeren Regierung auf die Bedürfnisse feines im gleichen Fahrwasser segeln- wir in den letzten Jahren in der Eisenindustrie gehabt haben, zum Beamten der Durchgang durch den Staatsdienst als das beste Mittel den Nachfolgers! Teil hinweggeholfen haben. Hierbei muß man auch untersuchen, angesehen wird, um später hochdotierte Stellungen im Finanz- und ob sich die Lage der reinen Walzwerke wesentlich gebessert hätte, Induſtriedienst zu erlangen. Selbstverständlich beruhen solche Be wenn dieser Export nicht möglich gewesen wäre. Allerdings hätten hauptungen nur auf schnöder Verkennung edelster Absichten. die reinen Walzwerke dann billigeres Halbzeug gehabt, wie sie Tat. es auch haben werden, wenn der Halbzeug- Verband nicht erneuert werden sollte. Ich möchte aber an die Vertreter der reinen Walz­fverfe die Frage richten, ob sie dann nicht einen um so größeren

Doch Herr Rheinbaben hatte noch eine andre Ueberraschung in petto. In feiner Rede in preußischen Abgeordnetenhause am 20. Januar trat er als Anwalt der neuen Verbandsgründung der Herren A. Kirdorf, Lob, Thyssen u. Co. auf, indem er in edlem Eifer um das Wohl der deutschen Eisenindustrie erklärte:" Auch das Zustandekommen des Stahlwerksverbandes halte ich im Interesse

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