Nach Schluß der Stimmabgabe erfolgt in sedem Wahllokal sofort öffentlich die Feststellung der auf die einzelnen Vorschlagslisten gefallenen Stimmenzahl. Die einzelnen Wahlvorsteher haben lediglich die Stinimenzahl, die die einzelnen Listen enthalten haben, und die Gesamtzahl der in ihren Wahllokalen abgegebenen Stimmen fest- zustellen. Ein besonders vom Magistrat ernannter Wahlvorsteher hat dann am nächstfolgenden Tage im Vereine mit den» Wahl- auSschuß die als Beisitzer und Ersatzmänner gewählten Personen zu ermitteln. Von den auf den einzelnen Vorschlagslisten ent- haltcnen Personen gilt d i e Zahl als gewählt, die sich zu der Gesamtzahl der zu wählenden Beisitzer bezw. Ersatzmänner ebenso verhält, wie die Zahl der auf die Liste entfallenden gültigen Stinimen zu der Gesamtzahl der abgegebenen gültigen Stimmen. Ergeben sich bei der Verteilung Bruchteile, so werden die noch übrig bleibenden Sitze den Listen zugeteilt, deren Stimmenzahl bei der verhältnismäßigen Verteilung die größten Reste aufweist. Bei gleich großen Resten entscheidet erforderlichenfalls das Laos . Unter den Personen einer Liste entscheidet die Reihenfolge, in der sie genannt sind._ Gegen die gesetzliche ArbritSlosen-Bersicherung hat sich ein- stimmig ein in Braiinschweig tagender deutscher Tischlertag aus- gesprochen. Grund: der belannte; zu hohe Belastung der Unter- nehmer. Eine blutige Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Der Klempner N. war eines Mittags von seinem Arbeitgeber Hiibner entlassen worden. Es kam dann zu allerlei Wortplänkeleien zwischen beiden, bei denen auch die Lohnberechnung eine Rolle spielte. N. begab sich schließlich nach dem Comptoir Hübners. EtwaS später sah ihn einer seiner Kollegen blutend auf dem Hofe „umhertaumeln" und den Brunnen aufsuchen, wo er sich vom Blute reinigte. Er entfernte sich dann und klagte beim Gewerbegericht auf Zahlung seines Lohnes in Höhe von 87, L0 M. und einer Lohnentschädigung wegen nicht rechtzeitiger Aus- händigung der„Papiere". Der Beklagte wollte den Lohn abzüglich des Betrags für den Nachmittag des Entlassnngstags zahlen, bestritt aber jede weitere Verpflichtung.— Der Kläger behauptete: Auf sein Verlangen nach dem Lohn habe Beklagter rhu aufgefordert, inS Comptoir zu kommen. Dort habe Beklagter die Thür hinter ihm zugemacht und fei, als N. von ihm Lohn und Papiere verlangte, gleich auf ihn zugesprungen und habe ,hn mit den Worten:„Da haben Sie Ihren Lohn!" ins Gesicht geschlagen.— Der Beklagte behauptete dem gegenüber, er habe nicht geschlagen, sondern ihn„höchstens" nach dem Ausgange„gedrängt", wobei N. wohl gegen die Thür„gerannt" sein möge. So sei wahrscheinlich die lutende Wunde entstanden. N. habe die Papiere nicht nehmen und auch nicht gehen wollen. Bei dem Vorfall war niemand zugegen. Beklagter macht sich anheischig, sogar zu beschwören, daß er den Kläger nicht geschlagen habe. Der Kläger blieb trotzdem auf das bestimmteste bei seinen Angaben und erklärte sich bereit, einen ihm vom Gewerbegericht auferlegten Eid zu leisten, daß Hübner ihn blutig geschlagen habe.— Hübner zahlte darauf vergleichsweise b0 M. an den Kläger._ GcwerkfcbaftUchcs« Berlin und Qmgcgend. Die streikenden Glaser hielten am Montag eine Versammlung ab, in welcher die Streikleitung mitteilte, daß die Innung zu ihrer Versammlung den Gesellenausschnß eingeladen habe und wurde Fiegel als Bevollmächtigter dahin delegiert. Ferner gab der Vorsitzende einen Bericht über den Stand der Bewegung. Im Streik befinden sich 300 Glaser. Bewilligt haben die Firmen Schnierler u. Co., Otto Zielte, C. F. W. Schneider u. Sohn, C. A. Lüders, H. Schmidt, Brunnenstraße, H. v. Ottowicz, E. Tell, Fuchs, Glowacz. Köther, Hübner, Fuß und noch zehn kleine Firmen, bei denen insgesamt 150 Glaser zu den neuen Bedingungen arbeiten. Nicht zur Streikkontrolle gemeldet haben sich die Glaser der Firmen Jachmann, Schelsky jun. und sen., Günter, Mutz u. Co. und Nau- schütz. Bei der Ein- und Verkaufsgenossenschaft selbständiger Glaser meifler Deutschlands verrichtet der Glasermeister Stampehl, der früher in der Glaserbewegung an erster Stelle stand. Streikbrecher� dienste. An alle besonders in der Schaufenster- und LadeneinrichwngS Branche thätigen Schlosser und Tischler richtet die Streik- leifamg das dringende Ersuchen, jede Arbeit, welche von Glasern zu verrichten ist, entschieden zu verweigern. Abgesehen von den Unfällen, die dabei sehr leicht möglich sind und die für die Beteiligten die schwersten Folgen haben könnten, würden dieselben auch die Glaser in ihrem gerechten Kampfe aufs empfindlichste schädigen. Da der Streikleitung bereits mehrere derartige Fälle gemeldet sind, so appelliert dieselbe an das Solidaritätsgefühl der in Frage kommenden Arbeiterkategorien. Wie nachträglich mitgeteilt wird, haben bereits 2g Firmen unterschriftlich beloilligt. Außerdem haben sich eine ganze Anzahl andrer Firmen bereit erklärt, den geforderten Lohn zu zahlen, doch sträuben sie sich im Hinblick auf voraussichtliche Unannehmlichkeiten seitens ihrer Unternehmerkollegen, den neuen Tarif zu unterschreiben. 360 Glaser stehen in den Streiklisten als Ausständige verzeichnet; die Zahl der Ausständigen ist aber noch im Wachsen begriffen. Die Streitenden sehen in dem Abschluß eines Tarifs von Organisation zu Organisation eine um so größere Gewähr für die Jnnehaltung der Arbeitsbedingungen, als sie leider die Erfahrung machen mußten, daß in der Schlichtungskommission zur Ueberwachung des alten ab- gelaufenen Tarifs seitens der Arbeitgeber tarifuntreue Firmen vertreten waren. Gestern abend befaßte sich auch eine außerordentliche Generalversammlung der Glaser-Zwangsinnung mit dem Streik. Die Ver- Handlungen wurden unter Zulassung der Vertreter aller Berliner Blätter in voller Oeffentlichkeit geführt. Außer dem bezahlten Scharfmacher der Abteilung II des Kühnemänner-Verbandes, dem bekannten Generalsekretär Nasse, blies vor allem der frühere Leiter der Glaserorganisation, der jetzige Glasermeister Stampehl, Brunnenstraße, in die Kriegstronipete. Dieser Mann zeigte recht augenfällig, was ein Renegat zu leisten vermag; er mußte es aller- dings erleben, daß ein erheblicher Teil der Arbeitgeber ihn nur sehr widerwillig mit anhörte. Sehr vorteilhaft von den Reden der ver- schiedenen Jnnungshitzköpfe stachen die Ausführungen des Meisters Schmidt aus der Brunnenstraße ab. Dieser empfahl, sich nicht an der modernen Gesellenorganisation zu stoßen, sondern im Ver- handlunaSwege eine Verständigung anzubahnen, da der Streik auch den Arbeitgebern enorme Opfer kosten werde. Obermeister Jost erklärte darauf: Es bestehe durchaus keine Abneigung gegen Verhandlungen. Doch da die Meister keine frei- willige Jnteressenorganisation, sondern eine gesetzlich geschaffene Zwcmgsinnung seien, so entspräche es auch nur der Billigkeit, wenn die Innung als Korporation nur mit dem ebenfalls gesetzlich ge- schaffenen Gesellenausschuß, nicht aber mit der freiwillig gegründeten Organisation der Gesellen in Verhandlung träte. Die Innung kümmere sich auch gar nicht darum, ob die Gesellen der Organffation angehören oder nicht. Deshalb habe es die Organisation auch völlig in der Hand, organisierte Gesellen in die Verhandlungskommission zu delegieren, nur müsse der gesetzlich gewählte Altgeselle Obmann dieser Kommission sein. Genau so, wie der alte Tarif mit dem Gesellenausschuß vereinbart worden sei, so könne auch der neue Tarif mit dieser 5iörperschaft für das ganze Gewerbe abgeschlossen werden. Allerdings seien die gegenwärtigen Forderungen der Gesellen nicht akzeptabel. Ueber die Lohnhöhe lasse sich sprechen, doch die übrigen Forderungen bedürften unbedingt einer Modifikation. Da wohl jeder Meister am liebsten seine alten Gesellen wieder habe, so glaube er. daß schon bis zum nächsten Freitag, wo eine neue Generalversamm- lung stattfindet, eine Verständigung erzielt werden könne. Beschlossen wurde sodann: Nur auf Grundlage des im Juni der Gesellenschaft vorgelegten Tarifs mit einer Kommission zu ver- handeln, deren Obmann der Altgeselle Fiegel ist. Einzelab machungen wurden als unzulässig erklart. Demgemäß erklärten sämtliche anwesenden Meister, die den neuen Tarif bereits unterschriftlich anerkannt hatten, ihre Unterschrift wieder zurück- ziehen zu wollen. Ausgenommen hiervon war nur Meister Schmidt in der Brunnenstratze, der sich den Gesellen gegenüber nicht wortbrüchig machen wollte. Die Lagerarbeiter der Ein- und Berkaufs- Genossenschaft selb- ständiger Glasermeister, Hallesches Ufer, legten Dienstag früh ein- mütig die Arbeit nieder, nachdem man an dieselben das Ansinnen stellte, Glaserarbeiten zu verrichten. Die schon schlechten Lohn- Verhältnisse gaben mit dazu Veranlassung, den streikenden Glasern nicht in den Rücken zu fallen, weil der Lohn in gar keinem Ver- hältniS zu der zu leistenden Arbeit steht. Arbeitswillige sind nicht zu verzeichnen, doch wurde das kaufinännische Personal gesehen, wie es Scheiben auf die Wagen der Lohnfuhrwerke lud. Die Situation ist günstig. Zuzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung I des Verbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutschlands . Verhandlungen in der Vildhauer-Modellbranche. Auf Veranlassung der Freien Vereinigung der Stuckgeschäste hat kürzlich eine Besprechung zwischen Vertretern der Unternehmer und der Modelleure und Antrager stattgefunden, die dazu dienen sollte, Schäden des Berufs zu beseitigen. Besonders war es den Unter- nehmern darum zu thun, gegen die sogenannten Subunternehmer, Gehilfen, die auch selbständig Arbeiten annehmet,, vorzugehen, die ihrer Meinung nach hauptsächlich diejenigen sind, die Schmutz konkurrenz betreiben. Dagegen führten die Vertreter der Gehilfen an, daß auch von großen Firmen nicht minder schädliche Schinutz konkurrenz betrieben wird, und wiesen dann im weiteren Verlauf der Besprechung aus eine Anzahl andrer Mißstände hin, die am besten durch vestimmte tarifliche Vereinbarungen eingeschränkt und beseitigt werden könnten. Die Besprechung endete damit, daß man überein kam, nach vier Wochen eine neue Zusammenkunft ab zuhalten, in der über bestimmte Vorschläge verhandelt werden soll. Am Montagabend fand nun- eine Versammlung der Model- leure und Antrager im Gewerkschaftshaus statt, in der die Branchenkommisfion über den Verlauf d-r Besprechung berichtete und Vorschläge zu einem Tarif machte. Die Vorschläge wurden in der Versammlung diskutiert, die Beschlußfassung wurde jedoch auf eine über acht Tage stattfindende neue Versammlung verschoben. Oeutkches Reich. Die Ardeitsiilederlegung der Holzbildhauer in Breslau ist eine allgemeine, da die Meister sich auf eine Bewilligung der Forderungen nicht einlassen wollen.— Zuzug von Holzbildhauern ist von Breslau fernzuhalten. Mit einer Aussperrung drohen die Klcmpnermeister m D ü s s e l« d o r f. Seit etwa acht Tagen sind beim JnnungSmeister W. Täller zehn Gehilfen ausständig. Diesem Ausstand liegen folgende Ursachen zu Grunde: Herr Täller läßt sich seit vorigem Jahre von jedem Gehilfen eine sogenannte Werkzeugkaution im Betrage von S0 M. stellen, welche nach und nach vom Lohn einbehalten wird. Als vor einiger Zeit ein neuer Meister von Herrn Täller eingestellt wurde, welcher die Düsseldorfer Jnstallationsarbeiten in keiner Weise kannte, gab es fortwährend Streitigkeiten, weil kein Gehilfe dem neuen Antreiber genug leisten konnte. Nunmehr führte er auch noch eine Neuerung ein, indem er jedem Arbeiter einen Tag, den Sonn- abend, vom Lohn einbehalten wollte. Die„Kaution" würde sich dadurch auf ca. 5S M. erhöht haben. Hiermit waren die Gehilfen, welche sämtlich organisiert sind, nicht einverstanden. Sie wählten eine Kommission, welche bei Herrn Täller vorstellig wurde. Der Herr Jnnungsmeister hatte für die Kommission aber nur die Ant- wort:„Was ich einbehalte, ist meine Sache, wem es nicht paßt, kann gehen." Daß auf diese Antwort hin die Gehilfen die Arbeit niederlegten, ist wohl selbstverständlich. Die Innung erklärte sich nun mit Herrn Täller solidarisch und verlangt die Beendigung des Streiks bis Dienstag. Andernfalls droht sie mit Gegenmaßregeln. Bezeichnend für das Verhalten der Innung ist die Thatsache, daß sie das Verhalten des Herrn Täller gar nicht einmal verteidigt. Ob der Herr im Recht ist oder nicht, das läßt sie völlig kalt. Die Herren vertreten den Standpunkt, daß die Gesellen überhaupt kein Recht haben zu streiken. Die Geschäftskonjunkwr ist augenblicklich eine gute. Wenn der Zuzug ferngehalten wird, können die Arbeiter den Dingen mit Ruhe entgegensehen. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck gebeten. Su»l«»d. Amerikanische Riesenstreik». Die„Frankfurter Zeitung " meldet aus New York : Die Pullmann- Wagenbau- Werkstätten sind auf unbestimmte Zeit ge- schloffen worden.— Tausend Telegraphisten an der Missouri- Kansas-Texas-Bahn streiken; der Verlehr ist erheblich gestört. Versammlungen. In den Streik gehetzt. Wir haben unfern Lesern schon mitgeteilt, in welcher Weise die Direktion der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer u. Co. durch einen Ukas an die Arbeiter die Mißstände aus ihrem Betriebe zu be seitiaen unternahm. Sie verlangte von ihnen eine Bescheinigung darüber, daß alles gut und schön sei. Wer das nicht bestätigen könne oder wolle, der möge gehen. Der Herr Direktor rief und alle, alle— gingen I Die Arbeiter hielten eine öffentliche Versammlung ab und faßten einstimmig folgenden Beschluß: „Die heutige öffentliche Versammlung der gesamten Arbeiter- schast der Leverkusener Farbenfabriken erklärt sich mit dem Beschlüsse der Organisationen solidarisch und ver- spricht die Arbeit morgen früh nicht mehr aufzunehmen, bis die Forderungen der Arbeiterschaft: bessere Lohn- und Arbeitsbediligungen, Abschaffung der Mißstände, Anerkennung der gesetzlichen Staatsbiirgerrechte, anerkannt find. Zu diesem Beschluß sind wir nach reiflicher Erwägung gekommen, insbesondere nach den vollständig konstatierten entscheidenden Beweisen. Die heutige Versammlung unterwirst sich jedem Schiedsspruch einer dafür maßgebenden Behörde, weil sie die feste Ueberzeugung hat, daß diese Rechte ihnen anerkannt werden müssen." Nach den bisherigen Mitteilungen haben von ca. 4000 Be schästigten sich etwa 2000 dem Streik angeschlossen. Zuzug ist fern- zuhalten._ Achtung, Glaser k Wegen Ausbruch von Differenzen, trotz der Aussperrung durch Vergehen der Innung gegen ß SS des Hand- werkergeseyes, ist der Zuzug von Blei- und Blankgläsern nach Frank- furt a. M. streng fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Ortsverwaltung Frankfurt a. M. des CentralvcrbandeS deutscher Glaser. Zur Aussperrung im Maingebiet wird berichtet, daß die von den Unternehmern und Arbeitern ernannten Kommissionen gestern zum erstenmal zusammentraten, um über die Einigungsbedingungen zu beraten. In den Kreisen der Arbeiter bringt man den Verhandlungen wenig Vertrauen entgegen; man glaubt nicht, daß die Unternehmer einigermaßen annehmbare Be- dingungen vorlegen werden. Der Weggang der Arbeiter dauert fort. In Darmstadt führte die Aussperrung am Montagabend zu irößeren Ansammlungen von Ausständigen am Neubau deS Darm- lädter Hofes, wo eine größere Anzahl arbeitswilliger Zimmerleute beschäftigt sind. Als diese die Arbeitsstelle nach Feierabend verließen, wurden sie von der mehr als hundertköpfigen Menge mit Johlen und Pfuirufen empfangen mrd nach dem Bahnhof verfolgt. Auf dem Bahnhofe kam es erneut zu Demonstrationen. Bier Personen wurden verhastet._ Eine Bauarbeiter- Aussperrung in München ? In München treiken die Maurer und Bauhilfsarbeiter auf verschiedenen Bauten. Der Arbeitgeberverband hat nun den Beschluß gefaßt, alle bei seinen Mitgliedern beschäftigten Maurer auszusperren, wenn die Streikenden nicht bis zum kommenden Montag ihre Thätigkeit wieder auf- genommen haben. Der Beschluß»st von 60 Baugeschäftsinhabern unterzeichnet. Zum internationalen Arbeiterkongress in Amsterdam nahmen die Berliner Parteigenossen gestern abend Stellung in einer Ver« sammlung, die im Feenpalasr abgehalten wurde. Der Refertznt Molkenbuhr verbreitete sich hauptsächlich über die Tages- ordnung des Kongresses. Dann folgte eine rege Diskussion, die sich ausschließlich um die Maifeier drehte. Angenommen wurde eine Resolution, welche ausspricht, daß die Delegierten in der deutschen Delegation dahin wirken sollen, daß am 1. Mai für die Ausdehnung der Arbeiterschutzgesetze, den Achtstundentag, den Völkerfrieden und die Forderungen der Socialdemokratie demonstriert wird, daß die Demonstration in allen Kulturlände un eine einheitliche sein soll und die Arbeitsruhe alss würdigste Demonstration betrachtet wird, und überall stattfinden soll, wo es ohne Schädigung der Wirtschaft- lichen Interessen der Arbeiter möglich ist. Als Delegierte wurden gewählt: Werner(2. Kreis). Büchner(4. Kreis), Ernst (6. Kreis)._ Letzte Nachrichten und Oepelchen. Berlin , 2. August. (SB. T. B.) Ablösungstransport-Dampfer der Ostasiatischen Besatzungsbrigade„Rhein " am 1. August von Tsingtau mit 59 Offizieren, Sanitätsoffizieren und Beamten und 886 Unteroffizieren und Mannschaften(darunter 31 Angehörige der Marine) Heimreise angetreten. Transportführer Major und Depot-Direttor Thiemig. Hongkong wird auf der Heimreise nicht angelaufen. Rom , 2. August. (W. T. B.) Von dem Palais der ftanzöfischen Boffchaft beim päpstlichen Stuhl ist heute das Wappenschild entfernt worden. Rom , 2. August. (B. H. ) Der„Italic" zufolge beabsichtigt der Papst, über den französischen Ministerpräsidenten CombeS düi höheren Kirchenbann zu verhängen. Bom ostasiattschen Kriegsschauplatz. Tokio , 2. August. (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Wie vertautet, haben die Japaner nach dreitägigem verzweifelten Kampfe Shantaikau, eine wichtige Verteidigungsposition bei Port Arthur, genommen. Tokio , 2. August. (W. T. B.)(Amtliche Meldung.) General Kuroki meldet folgendes: Unsre Armee begann am 31. Juli bei Tagesanbruch zum Angriff gegen den Feind vorzugehen, der Kushulintzu(vier Meilen von Heihoyen) und Janglzuling(sechs Meilen ostlich vom Motienpaß) besetzt hielt. Beide Orte liegen 2S Meilen von Liaujang entfenit. Die bei Kushulintzu stehenden russischen Truppen bestanden aus zwei Divisionen mit ent- sprechender Artillerie. Die Angriffsoperationen wurden nach einem vorher festgelegten Plane durchgeführt und bei Sonnen- Untergang waren beide Flügel des Feindes geschlagen. Da der Feind aber sehr stark war und in festen Stellungen stand, war es uns nicht möglich, seine Stellungen zu nehmen. Beim An- bruch des folgenden Tages wurde der Angriff wieder aufgenommen; es gelang uns, den Feind um die Mittagsstunde au§ seiner Stellung zu verdrängen und wir verfolgten den Feind, der in der Richtung auf Anping floh, vier Meilen weit nach Westen.— Bei gangtzuling standen Russen in Stärke von zwei und einer halben Division mit vier Batterien. Der Angriff wurde auch dort erfolgreich durchgeführt. Bei Sonnenuntergang nahmen wir die Hauptstellungen des FeindeS; ein Teil des Feindes leistete aber den hartnäckigsten Widerstand und wir mußten die Nacht über in Schlachtstellung bivakieren. Bei Tagesanbruch des 1. August gingen wir von neuem zum Angriff vor und um 8 Uhr morgens fielen alle Höhen in unsre Hände. Der Feind floh auf Tanghoyen zu. Ueber unsre Verluste werden Ermittelungen angestellt. Wir haben eine Anzahl Feldgeschütze erobert.— In diesem Gefecht hatten wir bei unsren Angriffsoperationen mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da wir gegen schroffe Abhänge vorgehen mußten, ohne eine passende Stellung für unsre Artillerie zu haben; dabei war eine Hitze von gegen 40 Grad Celsius. Petersburg, 2. August. (W. T. B.) Ein Telegramm des Generals Sacharow an den Generalstab meldet unterm 1. August: In der Richtung Saimatei-Liaujang blieb unsre Vorhut nach einem hartnäckigem Kampfe am 31. Juli in ihrer alten Stellung. Auf der südlichen Front ging der Feind unentschlossen vor und begnügte sich mit einem Artilleriekampf auf weitere Entfernung. Am 1. August war alles ruhig. Am 30. Juli unternahmen die Japaner eine Rekognoszierung mit bedeutenden Stueitkrästen in der Richtung auf Föngwangtschöng und Haitscheng. Durch die russischen Bor - Posten wurde der Feind auf die Höhen von Zurintunia zurück- geworfen. Ein Angriff der Japaner bei Utunschugou wurde ebenfalls von den russischen Feldwachen aufgehalten. Auf Seiten der Russen wurden 2 Offiziere und 34 Untermilitärs verwundet. Am 31. Juli wurde japanische Infanterie, welche auf LaoHantst vorgegangen war. durch das Feuer russischer Batterien und sechs Compagnien zum Stehen gebracht. Teibei sind zwei russische Offiziere gefallen und einer verwundet worden. Von Untermilitärs sind 26 tot und ver- wundct. Am 31. Juli setzten zwei japanische Bataillone den Paß zwischen Sanschugou und Zutsiaputei. Auf Seite der Russen wurden 50 Offiziere und ungefähr 40 Untermilitärs verwundet. Petersburg, 2. August. (W. T. B.) Ein Telegramm des Admirals Skrydlow an den Kaiser meldet: Der von mir mit dem Kreuzer- geschwader, bestehend aus der„Rossija", dem"Gromboi" und„Rjurik ", an die Ostküste Japans ausgeschickte Konteradmiral berichtet: Das Geschwader was bei seiner Ausfahrt aus der Meerenge von Sangar in den Ocean am 20. Juli auf einen kleinen japanischen Dampfer Okasima-Maru". Nachdem die Besatzung das Schiff verlassen hatte, wurde dieses versenkt. Die Besatzung fuhr auf Booten ans Ufer. Gleichzeittg wurde der englische Dampfer„Kamara" angehalten und einem Verhör unterworfen. Der Dampfer führte Kohlen nach Mororan. Obgleich Grund zu der Annahme vorhanden war, daß das Schiff fich mit der Beförderung von Kriegskontrebande beschäftigt. wurden wir doch durch das Fehlen direkter Indizien besttnimt, es freizugeben. Bald darauf stieß das Geschwader auf den japa- nischen Küstendampfer„Kioduniu- Mari»" mit S0 Passagieren, zum größten Teil Frauen. Dieser Umstand bestimmte uns, den Dampfer freizugeben. Auf der Weiterfahrt nach Süden trafen wir nach einander zwei japanische Dschunken. beide mit Fischen und Salz beladen. Die Dschunken wurden nach Uebernahme der Mannschaft versentt. Am 22. Juli wurden hundert Meilen von Dokohama der deutsche Dampfer„Arabia" angehalten. der eine bedeutende Ladung Kriegskonterbande führte. Die Konter» bände bestand in Eisenbahnmaterial und Mehl, das für japanische Häfen bestimmt war. Die„Arabia" wurde nach Wladiwostok geschickt. J.) Der Streik der Lastfuhrwerk»« größte Teil der Forderungen der Wien . 2. August. (S Kutscher ist zu Ende, da der' Streikenden bewilligt wurde. Wien , 2. August. (W. T. B.) Heute nachmittag ist zwischen den Fuhrwerksunternehmern und den Vertretern der ausständigen Kutscher eine Einigung zu stand« gekommen. Nizza , 2. August. (B. H. ) In der Nahe von Kap Martin entgleisten an einer abschüssigen Stelle zwei voll besetzte Tramwah- waren. Drei Passagiere sind tot, zahlreiche wurden mehr oder minder schwer verletzt. Verantw. Redakteur: Paul Büttner , Berlin . Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin . Druck m Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer LiCo.. Berlin 51V. Hierzu 2Beilagenu.llnterhaltung»tlaU
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