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Nr. 16.

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Ericheint täglich außer Montags.

Norwärts

Berliner Volksblaff.

22. Jahrg.

Die Infertions- Gebühr

beträgt für die sechsgespaltene Stolonel. geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins­und Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett­gebrudte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet.

Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

An die organisierten Arbeiter

Deutschlands !

Im Ruhrkohlenrevier ist am 17. Januar der Generalstreik aller Berglente eingetreten. 200 000 Arbeiter stehen im Ausstande, um die Anerkennung ihrer Rechte zu erkämpfen. Was sie von ihren Vätern ererbt hatten, die Achtstundenschicht, sollte ihnen durch hinterlistige Grubenordnungen genommen werden. Ihre Vorstellungen und Proteste blieben wirkungslos, das Grubenkapital befahl und die Arbeiter sollten sich einfach unterwerfen. So war es schon seit Jahren gegangen, bald hier, bald da wurden die Schichten verlängert, wurden die Gedinge gekürzt, Wagen genullt, Strafgelder erhoben und den Arbeitern unbezahlte Nebenarbeiten aufgebürdet, die ihren Verdienst schmälerten. Und jahrelang wurden die Bedrückungen murrend, aber ohne ernste Gegenwehr ertragen, weil die Arbeiter keinen Kampf heraufbeschwören wollten, dessen Tragweite unab­sehbar werden mußte.

Indes wuchs die Unzufriedenheit in ihren Reihen immer mehr. Die Unfallgefahr nahm mit der Tiefe der Schachtanlagen von Jahr zu Jahr zu, und die Arbeits­verhältnisse wurden immer ungünstiger. Dazu breitete sich die Wurmseuche in den Gruben aus, die Tausende von Bergleuten mit schwerem Siechtum behaftete und sie einer widerwärtigen Behandlungsweise aussette. Umso höher stieg die Aufregung, als die Grubendirektionen weder ernsthafte und schleunige Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Seuche an­ordneten, noch um die ausreichende Unterstützung der Er­frankten sich fümmerten. Dafür erbitterten sie die Bergleute durch die Stillegungen von ertragsfähigen Kohlenzechen, die nur die Konzentration einiger Groß­

Donnerstag, den 19. Januar 1905.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

An die örtlichen Gewerkschaftskartelle ist Das Telegramm, das wir an die Spize gesetzt haben, ist ein das Ersuchen ergangen, die Sammlungen für die streikenden Klassisches Dokument kapitalistischer Schredensherrschaft. Der Staat Bergarbeiter in der umfassendsten Weise zu organisieren und sind wir", erklären die Leiter des Syndikats. Wir geben der Re­ihnen zu vollem Erfolge zu verhelfen. Durch ihre Hand sind gierung die Aufklärungen, die wir für nötig halten. Wir können alle eingegangenen Gelder gemäß einer mit dem Vorstande und wollen es nicht verhindern, daß die Regierung sich nach den Beschwerden der Arbeiter erkundigt, aber uns fällt es nicht ein, etwa des Deutschen Bergarbeiter- Verbandes getroffenen Vereinbarung mit den Arbeitern in Gegenwart der Regierungskommissare Aug' in abzuführen an dessen Hauptkassierer

Paul Horn, Bochum , Wiemelhauserstr. 38-40. Und nun ans Werk! Bewährt Eure Arbeitersolidarität. Unterstützt rasch und reichlich.

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Auge uns über die Beschwerden auseinanderzusetzen. Wenn die Regierung Zeit und Luft hat, sich anstandshalber nach den Be­schwerden der Arbeiter zu erkundigen, so sind wir gern bereit sagen die Herren des Syndikats, das auf diese Weise ge­fammelte Material anzuhören, und wir werden der Regierung dann Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands . beweisen, was von vornherein ja feststand, daß alle Beschwerden - unbegründet sind.

An die Arbeiterschaft Berlins und Umgegend!

Werte Genossen!

Damit wird das ganze Vermittelungsverfahren der Deffentlich­teit entrückt und die Unterhändler der Regierung sind lediglich Bossenfiguren, die die Aufgabe haben, den Syndikatsherren Gelegen heit zu geben, noch einmal festzustellen, daß alles in Ordnung ist. Hätte die Regierung nur eine Spur von Ehrgefühl( von fozialem Bewußtsein nicht zu reden) gegenüber dem Kohlensyndikat, so würde Bezugnehmend auf obigen Aufruf der General- Kommission sie den Zechenbaronen jetzt schroff erklären, daß sie teinen Anlaß der Gewerkschaften Deutschlands machen wir hiermit bekannt, mehr habe, gemeinsam mit ihnen und den Arbeitern zu verhandeln daß von heute an von der Berliner Gewerkschafts- Kommission und weiterhin die Aufklärungen des Unternehmertums entgegenzu Sammellisten für die Bergarbeiter herausgegeben werden. nehmen; die Sache der Partei, die vor Gericht nicht erscheint, gelte Dieselben tragen den Stempel der Kommission. Listen ohne stets als zurückgewiesen, die Regierung nehme also die Beschwerden der Arbeiter für begründet und berechtigt an. Stempel sind ungültig. Arbeitern der Regierungskommissar melancholisch seine Zweifel Schon am Dienstag hatte am Schlusse der Beratung mit den geäußert, ob die Vertreter des Unternehmertums zu den von ihm geäußert, ob die Vertreter des Unternehmertums zu den von ihm inszenierten gemeinsamen Vergleichsverhandlungen erscheinen würden. Der Mann kannte seine Leute. Die Syndikatsherren denken in der Tat nicht daran, von ihrer Auffassung einen Schritt abzugehen, daß fie der Staat sind, daß sie über das Wohl von einer Viertelmillion Arbeiter und ihrer Familien, über das wirtschaftliche Schicksal des ganzen Deutschen Reiches zu entscheiden haben. Politik treiben heißt für jie: provozieren! Die Regierung ist für das Syndikat lediglich der Ausschuß des

Für Berlin find Gelder zu richten an A. Störsten, Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. Dafelbft sind auch Liſten zu haben in der Zeit von 9-1 und 4-8 Uhr im Saal III. Die Quittungen erfolgen öffentlich durch den Vorwärts". Der Ausschuß der Berliner Gewerkschafts- Kommission.

In dem wirtschaftlichen Riesenkampfe des bergmännischen Proletariats find die Parteigenossen und Genofsinnen Berlins

betriebe fördern sollten, zugleich aber Tausende von Berg- berpflichtet, das äußerste für ihre kämpfenden Brüder zu unternehmertums, und dieses ist wenigstens so brutal ehrlich, durch

an den Rand des Ruins brachten.

So war seit langem der Zündstoff zum Kampfe systematisch angehäuft worden. Kann es da befremden, daß die frivole Schichtverlängerung auf der Zeche Bruchstraße" das Maß der Erbitterung füllte? Aber die Führer der Berg Teute wollten noch immer den Kampf vermeiden und durch gütliche Verhandlungen die Zurückziehung dieser Maßregel er­reichen. Sie wurden schroff abgewiesen. Das Grubenkapital wollte den Kampf. Aufs neue trugen die Drganisationen der Bergarbeiter Verhandlungen an. Die Grubendirektionen ant­

tun.- Es gelangen durch die Partei- Organisationen ebenfalls Sammellisten zur Ausgabe, welche von den Bezirksführern zu beziehen sind und die mit der Partei verrechnet werden müssen. Auch ist das Parteibureau, Adresse:

A. Gerisch, Lindenstraße 69, gleichfalls zur Empfangnahme von Geldern bereit.

Gerede von einer über den Parteien und über den Klassen stehenden Regierung eine lächerliche Heuchelei sei. Das Kohlensyndikat befolgt

nicht die Schwazpolitik von der goldenen Mitte und der Diagonale, von dem Ausgleich und der Versöhnung der Interessen. Es proklamiert seine absolute Herrschaft, es befiehlt und die Ar- Nation nebst der Regierung hat zu gehorchen.

Parteigenossen und Genossinnen, Arbeiter und beiterinnen Berlins , tut auch im gelverkschaftlichen Kampfe wie beim Crimmitschauer Streit Eure Schuldigkeit! Hoch die Solidarität aller Arbeiter!

Die Vertrauensleute von Berlin und Umgegend.

Die bürgerliche Presse verfolgt natürlich umgekehrt die Tendenz, dieses Verhältnis zu verschleiern, und so werden von schlecht unterrichteten, aber gut gesinnten Ruhr Berichterstattern über die Stellung des Syndikats immer wieder irreführende Meldungen tele­graphiert. Unmittelbar vor der Ablehnung, mit den Arbeitern zu

worteten mit Maßregelungen und höhnischen Drohungen Die Vertrauenspersonen der Frauen Berlins und Umgegend. verhandeln, berbreitete for Stipierte ober büpierende Berichte

und verweigerten schließlich den Bergleuten mitten in schlimmster Winterkälte die ihnen zustehenden Deputattohlen. Da zerriß die Erbitterung der Bergarbeiter die letzten Dämme und der Generalstreit wurde unvermeidlich. Noch hofften die Führer durch präzise Aufstellung von Forderungen und Anrufung des Einigungsamtes in letter Stunde die Gefahr zu beschwören. Das Gruben­tapital lehnte auch dieses Entgegentommen ab und der Kampf hat begonnen.

Einig, wie ein Mann, haben sich alle vier Bergarbeiterorganisationen des Ruhrreviers der gerechten Sache der Bergleute angenommen. Zum erstenmal ist in diesem Stampf die Einigteit aller Arbeiter­verbände zur Tatsache geworden. Sie verbürgt den Streifenden eine gerechte Würdigung ihrer Forderungen.

Aber die Organisation eines einzelnen Berufes ist den Anforderungen eines solchen Riesenkampfes nicht ge­wachsen. Millionen sind notwendig, um diese Hunderttausende zu unterstützen in ihrem gerechten Kampfe gegen den maßlosen Uebermut einiger Millionäre und Milliardäre. Da muß die ganze deutsche Arbeiter­fchaft einig und hülfsbereit hinter den Streifenden stehen und für sie opfern, was in ihren Kräften steht.

,, Der Staat sind wir?"

erstatter

" Lokal Anzeigers"

daß das Syndikat die Forderung der Arbeiter nicht völlig ablehnen werde. So sind auch in den Abendblättern vom Mittwoch noch Telegramme zu finden, wonach die Vertreter des bergbaulichen Vereins am Donnerstag unter Vorsitz der Effen, 18. Januar. Der Rheinisch- West- Regierung mit den Arbeitern beraten würden. Das Kohlensyndikat fälischen Zeitung" zufolge dauerten die hier durchkreuzt mit anerkennenswerter Offenheit alle diese Bemühungen, heute unter dem Vorsitz des Ober- Berghaupt- die Gewalttätigkeit des Kapitalismus in seiner Größe und Unbarm­manns v. Velsen zwischen den Ministerial- Kom- herzigkeit auch nur in etwas abzuschwächen. missaren, dem Berghauptmann und dem Ausschuß

Die Lage

*

des bergbaulichen Vereins gepflogenen Ver­handlungen bis 1 Uhr. Sie waren rein in charakterisiert am Mittwochabend in einem Privattelegramm formatorischer Art. Der bergbauliche Verein aus Bochum unser Z- Mitarbeiter wie folgt:

erklärte sich vor allem bereit, alle seine Mit- In Dortmund , Bochum und Herne herrscht musterhafte glieder zu veranlassen, jede Auskunft über die Ruhe. In den Städten sieht man kaum etwas vom Streif. Berhältnisse der Zechen in ausgiebigfter Weise In Dortmund ist eine Bekanntmachung des Oberpräsidenten zu erteilen. An den morgigen Verhandlungen Stubt vom 27. April 1891 angeschlagen: in Dortmund nimmt der bergbauliche Verein nicht teil. Dort soll den Vertretern der Arbeiter­organisationen Gelegenheit gegeben werden, alle ihre Beschwerden gegen die einzelnen Zechen vorzubringen. Darauf werden die Beschwerden Punkt für Punkt in Verhandlungen mit den betreffenden Zechen geprüft werden.

Wer sich unbefugt in der Nähe von Betriebsstätten eines Bergwerkes oder auf den Zugangsstraßen zu einer folchen Betriebsstätte aufhält oder der Aufforderung der Bolizeibeamten, sich zu entfernen, keine Folge leistet, wird mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder entsprechender Haft bestraft.

Das ist eine offenbar ungesetzliche Verordnung gegen das Strettpostenstehen. Es ist bedauerlich, daß so wenig ge­Im Namen der Vorstände der zentralisierten Gewerk- Die Herren des Kohlensynbitats pfeifen auf die Regierung. Die feßlicher Sinn in Regierungs- und Unternehmerkreisen herrscht.. Auf mehreren Zechen sind bei der Lohnauszahlung sechs schaften, deren Zustimmung der Generaltommiffion zu teil Regierung fann ihnen sonst was. Sie sind so grausam, daß sie dem wurde, appellieren wir an alle gewertschaftlich preußischen Ministerium mit höhnischer Gelassenheit die Larve der Schichten wegen Kontraktbruch abgezogen und zahlreich die Der preußische Wohnungen gekündigt worden. Dagegen wird Klage erhoben organisierten Arbeiter Deutschlands , die berföhnenden Sozialpolitik vom Gesicht reißen. Handelsminister hat im Abgeordnetenhaus für das Syndikat ge- werden. Kämpfenden Bergarbeiter in jeder Weise zu unterstützen. predigt, aber, um den Schein der Objektivität zu wahren, Regierungs- Auf Konstantin IV und V" fuhren um 4 Uhr etwa Wohl wissen wir, wie schwer gegenwärtig für viele Arbeiter tommiffare entsandt. Schon in ihrem früheren Protokoll hatten die 30 Arbeitswillige aus, kleine Jungen und alte Männer. Sie familien auch ein geringes Opfer wird, da Winterskälte und Gewaltigen des Kohlensyndikats der Regierung diktiert, daß sie wurden von fünf Polizisten nach Hause begleitet. Arbeitsmangel doppelt auf ihnen lasten. Die gemeinsame zwar bereit wären, den Kommissaren Audienz zu erteilen, Eine Anzahl Streitender standen auf der Rechenstraße Sache aller Arbeiter erfordert es, daß jeder gibt, was er zu aber nur um ihnen flar zu machen, daß feinerlei Miß- unter der Aufsicht vieler Polizisten und berittener Gendarmen. geben vermag. Die Opferwilligkeit der deutschen Arbeiter- stände im Ruhrrevier beständen. Die neuesten Entschlüsse des Die Leute verhielten sich völlig ruhig. Klasse, die vor Jahresfrist den 6000 Crimmitschauer Webern Syndikats sind darauf berechnet, in der Deffentlichkeit keinerlei Die Zeche Julius Philipp", deren Arbeiter sich mit der ein glänzendes Weihnachtsfest bereitete, wird auch die Hundert- Sweideutigkeit darüber entstehen zu lassen, daß die Kommissare der Verwaltung geeinigt haben und nun nach Bewilligung einiger tausende von Bergarbeitern nicht dem Hunger Regierung nicht zur Vermittelung entsandt find, sondern zur Ent Forderungen wieder eingefahren sind, gehört zu denen, die Die Diftatoren still gelegt werden sollten. Sie beschäftigt nur noch 200 überlassen und sie zwingen, ins unerträgliche Lohnjoch gegennahme der Befehle des Unternehmertums. Die Diktatoren still gelegt werden sollten. des Ruhrreviers haben nicht nur den Arbeitern gegenüber abgelehnt, Mann. Bedingung der Einigung ist, daß nicht mehr Leute zurückzukehren. Sie wird ihnen helfen, den Stampf für ihre Rede zu stehen, sie haben auch den ins Ruhrrevier entsandten angelegt werden als bisher. Arbeiterrechte zu einem guten Ende zu führen. Regierungskommissaren mit nicht mehr verhülltem Hohn flar ge- Am Dienstag fanden mehr als 60 Versammlungen statt. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter werden der macht, daß sie nicht daran denken, sich unter dem Vorsitz der Ein in Herten verbreitetes Flugbatt, das zur Wieder­Arbeiterschaft vorangehen durch Dpfersinn und Sammeleifer. Regierungskommiffare in Vermittelungsunterhandlungen einzulassen. laufnahme der Arbeit auffordert, ist nicht vom christlichen Ge­