d'sche Regierungen hatten die Konstitution durch eine Serie von iOintergehungen verletzt, aber die schwedische Nation suchte dies durch systematisch erwiesene Sympathie für die vom Unrecht Be- trofsenen gutzumachen. Wir Schweden , die Sinn für Gerechtigkeit hatten, wurden Vaterlandsverräter genannt, und es waren heiße Tage in den Jahren 1880— 1884. Nun ist das Freiheitswerk vollbracht, und eS freut uns, wenigstens ein Jugendidcal verwirklicht zu sehen. Uns, die wir noch übrig sind. Es schmerzt uns, zu hören, daß Björnson das Ge° schehene beklagt I Es geschah nämlich ohne ihn und gegen seinen Willen; Friede über seinen Staub und seine Asche. Aber das befreite Norwegen gibt der Welt in diesen Tagen kostbare Lehren. Wir sehen, wie«ine Nation regiert wird von einem Reichstag und Ministern, ohne Monarch, ohne einen Repu- blikpräsidenten, ohne provisorische Regierung. Alles geht seinen gewöhnlichen Gang, ohne Störungen. So leicht sind Reiche zu verwalten und so viel altertümlichen Gerumpels, wie Höfe, Mon- archen und Präsidenten, kann man entbehren I Es war wohl ein derber Spaß, wenn die Norweger einen schwedischen Prinzen als König begehrten. Sie hatten zu wählen zwischen einem Kavallerie-Jnspektor sPrinz Karl), einem Landschaftsmaler(Prinz Eugen ) und einem Seekadetteit�Prinz Wil - Helm). Denken wir uns das alte, unbändige Norwegen „regiert" von einem Seekadetten I Und doch wurde das in Schweden als Ernst aufgefaßt! Durch- auS als Ernst! Ich habe dieser Tage auf meiner Sommermietswohnung eine reine schwedische Flagge gehißt, ohne Unionszeichen. Das KainS- zeichen ist verschwunden, denn nun hat der Bruder aufgehört, den Bruder zu schlagen; wir hoffen das! Furusund, den 16. Juli 190S. August Strindberg ." Italien . Der Judaslohn. Rom , 23. August.(Eig. Ber.) Während des Eisenbahnerstreiks hatte, wie erinnerlich, die Handelskammer von Rom eine Kollekte für die Streikbrecher organisiert. Man brachte 14 666 Lire zusammen, von denen eine Hälfte bereits den Streik- blechern der Mittelmeerbahn zugewandt wurde. Die übrigen 7333 Lire sind noch nicht verteilt und die Ordnungspresse regt sich immer mehr über ihren Verbleib auf. Trotz aller Mahnungen hat die Handelskammer sie noch immer nicht herausgerückt, wodurch sich die Streikbrecher der Adriatischen Bahn in ihren heiligsten Rechren geschädigt fühlen. Auf diese Weise erfahren wir übrigens, daß von dem ganzen Personal der Adriatischen Bahnen, über 25 000 Mann, nur 210 auf den Judaslohn Anspruch erheben.— Amerika. Roosevelt bei den Kohlengräbern. In WilkeSbaron, im Zentrum des Kohlengrubendistrikts von Pennsylvanien . fand kürzlich eine Massenversammlung von Kohlengräbern statt, in welcher Präsident Roosevelt als Redner auftrat. Es sollte erst die Generalversammlung der katholischen Abstinenzler sein, vor der Roosevelt sprechen wollte, aber Mitchell, der Präsident des Kohlengräber-Verbandes, wußte die Sache zugunsten des Verbandes auszunützen. Die Mehrzahl dieser katholischen Abstinenzler sind organisierte Kohlengräber» Mitchell wurde Präsident der Versammlung, und die Arbeiterinteressen traten tu den Vordergrund, die Temperenz war Nebensache. Im Jahre 1902 hatte Roosevelt den großen Streik der Kohlengräber durch ein SchtedSgerichh geschlichtet. Die Arbcftshedingungen wurden für einen Termin von 3 Jahren festgesetzt. Dieser Termin läuft im April nächsten Jahres ab, und die Kohlengräber müssen sich zu einem neuen Kampfe rüsten. Eine gute Einleitung dazu schien Mitchell diese Massenversammlung mit Roosevelt und Kardinal Giichons, der ersten Leuchte der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten . Natürlich sprachen die Redner viel von dem Wohl der Arbeiter, sind Roosevelt wiederholte, was er schon oft gesagt hatte, daß er nämlich die Gewerkschaften hochschätze, so lange sie weise und gerecht handeln und die Rechte anderer respektieren. Die Kohlengräber haben nun ihre bestimmten Forderungen, nämlich den Achtstundentag und die Anerkennung der Union , was ihnen am wichtigsten ist. Die Organi- sation unter den Kohlengräbern ist schwierig, weil die große Mehr- zahl aus Ausländern besteht, darum ist eine gewisse Einrichtung in der Weichkohlenregion von großem Vorteil für den Verband. Die Mtgliedsbeiträge werden dort direkt vom Lohn abgezogen und von der Grubenverwaltung in die Gewerkschaftskasse gezahlt. In der Hartkohlcnregion ist das nicht der Fall und die Union ist dort schwach; seit dem letzten Streik sind sogar viele Mtglieder abgefallen. Alle Bemühungen, neue Mitglieder zu gewinnen, haben wenig Erfolg, trotzdem man das frühere Beitrittsgeld von 10 Dollar auf 2 Dollar herabsetzte. Darum verlangt der Verband die Anerkennung der Union mit dieser Garantie, daß nur Unionleute angestellt werden.— ES wird nicht leicht sein, die Forderung durchzusetzen. Australien . Der Einftust der Arbeiterpartei in der Politik des LandeS hat sich in der jüngsten Zeit wieder stark geltend gemacht. TaS Mi- nisterium Reid. welches durch ein zeitweises Zusammengehen zwischen Arbeiterpartei und SchutzziMnern gestürzt tvurde, ist durch das Ministerium Dealin ersetzt worden. Deakin lvar gezwungen, die Mitgliederliste seines Kabinetts sowie sein Programm Watson, dem Führer der Arbeiterpartei, zur Genehmigung vorzulegen. Deakin. der Führer der Schutzzöllner hat im Bundesparlament eine Partei von 27 Mitgliedern; die Freihändler unter Reid zählen 23 und die Arbeiterpartei zählt 20 Stimmen. Kapitalistische Zeitungen klagen über die„Unsicherheit der Lage" durch den wachsenden Einfluß der Arbeiterpartei: diese aber erhofft von den kommenden Wahlen noch eine erhebliche Steigerung ihrer Macht und ihres Einflusses.— Eue Induftnc und Handel Der Kampf um den Stettiner„Vulkan". Stettin . 30. August 1905.(Eig. Ber.) Die zur Beschlußfassung über das bekannte Projekt einer Werft- ankage bei Hamburg nach dem Stettiner Börsengebäude einberufene außerordentliche Generalversammlung der Aktionäre des Stettiner Vulkan" gestaltete sich zu einem hartnäckig durchgefochtenen Interessen- kämpf, in dessen Verlauf die das Projekt befürwortenden Vertreter der Ver- waltungspartei mehrfach scharf mit der Opposition aneinandergerieten, Die schwersten Kämpfe sind in der kapitalistischen Welt stets jene, die um persönliche Vorteile geführt werden— das zeigte sich auch in diesem Fall. Zwar beruft sich ein Teil der den Plan einer Hamburger Zweigniederlassung bekämpfenden Aktionäre äuf das Wohl der Stadt Stettin , aber hinter den lokalpatriotischen Gründen stecken, wenn auch nicht in allen Fällen, so doch vielfach recht eigen- nützige Beweggründe. Die meisten dieser Aktionäre sind zugleich Haus- und Grundbesitzer. Gastwirte. Ladeninhaber oder mit dem„Vulkan" in Verbindung stehende Geschäftsleute, die sämtlich befürchten, daß wenn erst einmal der„Vulkan" zur Anlage einer Werft bei Hamburg schreitet, diese bald zum Hauptbetriebe wird, und dann die im Gefolge dieser Entwickelung unvermeidlichen Beamtenversetzungen und Arbeitcrentlassungen ihre speziellen ErwerbSinteressen schädigen. Zudem aber rechnet man damit, daß, wenn das Nordseewerftprojekt zur Ausführung gelangt, die 14proz. Dividende, die in den letzten Jahren der„Vulkan" trotz seiner hohen Reservestellungen und seiner größtenteils aus den laufenden Einnahmen bestrittenen Betriebs- erweiternngen verteilt hat, in den nächsten Jahren sehr zusammen- schrumpfen wird. Natürlich kämpft man auf der Seite der Verwaltungspartei ebensowenig für ideale Interessen. ES kann als sicher gelten, daß der Verwaltung sowohl von feiten des ReichSmarineamteS als der Hamburg-Amerika-Linie bedeutende Aufträge in Aussicht gestellt worden sind, und man befürchtet, daß, weim der„Vulkan" mit dem ganzen Betnebe in Stettin oder vielmehr in Bredow verbleibt, diese Aufträge nicht nur verloren gehen, sondern auch bei Hamburg eine neue Konkurrenz ersteht, welche die Bedeutung des„Vulkan" für den deutschen Schiffsbau mehr und mehr herabdrückt. Und zu diesen mehr allgemeinen gesellen sich allerlei spezielle Motive. Ohne eine namhafte Vermehrung des Aktienkapitals oder bedeutende An- leihen läßt sich z. B. das Hamburger Projekt kaum durchführen und es ist deshalb begreiflich, daß die Banken, denen die Aktienemission und die Beschaffung der Anleihesummen zufallen würden, kräftig für die Nordseewerftanlage eintrelen. Deshalb der Eifer des Herrn Fürstenberg von der Berliner Handelsgesellschaft. Auch bei Herrn Rathenau dürfte die Aussicht. daß bei der Installierung des neuen Hamburger Betriebes mancher Austrag für die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft abfallen wird, nicht unwesentlich mitsprechen. Gleich die Einleitung gestaltete sich zu einem scharfen Rededuell zwischen dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, dem Geheimrat S ch l u t o>v, und dem Führer der Stetliner Opposition, dem Stadtverordneten M a n a s s e. Schlutow hatte in seinem kurzen Resümee über die bisherigen Kämpfe um das Hamburger Projekt nur bedauert, daß die Verwaltung des„Vulkan" in ihrer an die Aktionäre gerichteten Veröffentlichung die Delbriickschen Briefe in scharfer Weise kritisiert hatte, und als seine Ansicht ausgesprochen, daß diese Kommentierung besser unterblieben wäre. Mit solcher halben Entschuldigung erklärte sich Manasse nicht zufrieden. Er verlangte formelle Zurücknahme der gegen die Führer der Opposition erhobenen Beschuldigungen und Ver- dächtigungen, und als Schlutow sich weigerte, dieses Verlangen zu erfüllen, ging Manaffe, unterstützt vom Rechtsanwalt Lippmann, zu einem scharfen Angriff auf Schlutow vor, bis dieser sich endlich zur Abgabe der verlangten Ehrenerklärung verstand. Nach diesem Intermezzo nahm Manasse wiederum das Wort, um in einer längeren Rede die von den Direktoren des „Vulkan" in der bekannten an die Aktionäre gerichteten Veröffentlichung für die Hamburger Zweigniederlassung geltend ge- machten technischen Griiude zu zerpflücken. In anschaulicher Weise schilderte er die Werftaulage in Bredow, die Möglichkeit ihrer Er- Weiterung durch benachbarte Terrains, den Verlauf der zwischen der Regierung, der.Vulkan"-Verwaltullg. dem Magistrat und den Stadtverordneten stattgefundenen kommissarischen Besprechungen, in denen sich die Stadt bereit erklärt habe, 11 000 Quadrat- meter Wiesenland dem„Vulkan" umsonst zur Verfügung zu stellen und außerdem die Ausbaggerung eines Teiles des Fahrwassers auf eigene Kosten vornehmen zu lassen. Alle diese Vorschläge hätte jedoch die Vulkanverwaltnng schließlich einfach ab- gelehnt. Dann folgten technische Ausführungen über die Tiefe des Fahrwaffers, die Möglichkeiten und Kosten einer weiteren Ver« tiefung, den Tiefgang der Kriegsschiffe, den Unfall der„Preußen" usw. Geschickt wußte der Redner dabei den Besuch der englischen Flotte in Swinemünde zu verwerten, indem er darauf hinwies, daß doch die großen englischen Linienschiffe mit einem Tiefgang von 8,4 Meter ohne Lootsen durch den Belt und über die gefährlichsten Stellen der Ostsee hinweg gekommen wären. Solchen Tiefgang aber würden die neuen Linienschiffe, die das Marineamt bauen lassen wollen, nicht haben.„Ich habe," sagte er wörtlich, ,. aus sicherer Quelle, daß die neuen Schiffe, die das deutsche Marineamt bauen wird, zwar etwa i;6 000 T o n nje n groß sein, aber doch nicht tiefer gehen werden, als 7,8 Meter. Auch die finanzielle Seite des Hamburger Projekts wurde von dem Redner ausführlich behandelt. Er bezeichnete die von der Direktion veranschlagte Summe von 12 Millionen Mark für die Hamburger Niederlassung als zu gering und suchte nachzuweisen, daß mindestens 20 Millionen Mark erforderlich seien, die sich durch den späteren vollen Ausbau vielleicht sogar auf 36 Millionen erhöhen würden. Zum Schluß erklärt Manasse, daß er bestimmt wisse, die Absicht der Direktion wie des Auftichtsrates gehe dahin, künftig alle „Oualitätsschiffe", d. h. alle größeren Kriegsfahrzeuge und Passagier- Schnelldampfer, in Hamburg , und nur der billigeren Stettiner Löhne wegen die minderwertigen Schiffe, besonders die Fracht- dampfer, in Stettin herstellen zu lassen. Wenn dies nicht der Fall sei, dann möchten die AufsichtsratSmitglieder hervortreten und offen erklären, eine solche Absicht bestände nicht. Erkläre die Verwaltung des„Vulkan", daß sie die Bredower Werftanlage vergrößern und in Hamburg nur solche Kriegsschiffe und Passagierdampfer bauen lassen wolle, die in Stettin wegen der nicht genügenden Tiefe der Fahrrinne oder aus anderen„zwingenden Gründen" nicht gebaut werden könnten, dann ziehe er seinen Widerspruch gegen das Ham- burger Projekt zurück. An sich war die Rede eine hervorragende Leistung. Die Unzu- länglichkeit der von der„Vulkan"- Direktion für die Hamburger Anlage geltend gemachten Gründe wurde größtenteils von Manasse in überzeugender Weise nachgewiesen. Die Sache ist nur, daß diese Gründe tatsächlich gar nicht die wirklichen Motive sind, welche die .,VuIkan"-Verwaltung zu der geplanten Nordsee -Werftanlage be- wegen, sondern � nur den wirklichen Gründen, den geheimen Ab- machungen zwischen der Verwaltung und dem ReichS-Marineamt als Deckmantel dienen. Eine Ergänzung fand die Rede Manasses in ber des Stadt- verordneten L i p p m a n n. der die Vorlegung genauer Kosten- anschlüge für das Hamburger Projekt und eine Aufklärung darüber forderte, wie die Kosten gedeckt werden sollten. Zunächst antwortete Geheimrat Schlutow heftig; dann hüllte er sich gegenüber den erneuten Angriffen der Opposition in Schweigen, aus dem er sich auch durch die erneute Aufforderung ManasseS. ihn Lügen zu strafen und seine Aeußerung zu demcn- tieren, daß man beabsichtige, alle Oualitätsschiffe in Hamburg zu bauen, nicht herauslocken ließ. Seine Antwort bestand nur in der Wiederholung des Satzes, man möchte doch glauben, daß die Ver- waltung ihre guten Gründe für die Hamburger Anlage habe; alle Aufsichtsratsmitglieder wären doch in höchstem Maße finanziell an der Rentabilität des„Vulkan" interessiert; keiner von ihnen würde für das Hamburger Projekt eintreten, wenn er nicht seine Gründe hätte.„Alles Gerede," meinte er.„ist überflüssig; was gesagt werden konnte, ist gesagt; stimmen wir endlich a b." Schließlich verzichtete die Opposition auf das Wort. Die Ab- stimmung begann. Erleichtert atmeten die bisher am Vorstands- tische sitzenden Herren auf, zündeten sich eine Zigarre an und schauten halb spöttisch, halb gelangweilt dem Aufruf und der Addition der für und gegen das Projekt abgegebenen Akticnmengen zu. Eine lange Reihe von Ablehnern, aber meist nur mit geringen Attiensummeu. Dann folgten die Großaktionäre. Sie stimmten durchweg mit„Ja". DaS Ergebnis war: mit 5 275 800 Mark Aktienkapital gegen 2146 000 Mark wird die Werftanlage bei Hamburg beschlossen. Für Stettin ein schwerer Schlag. Es verliert sein größtes industrielles Unter- nehmen. Viele seiner Arbeiter werden genötigt sein, sich andere Arbeit zu suchen. Denn daö Verhalten der Verwaltung läßt keinen Zweifel daran, daß man beabsichtigt, nach und nach den Schwer- Punkt des Untexnehmevs sg.ch Himburg zu verlegen und die Stettiner Anlage zu einem Zweigbetriebe zu degradieren, t» MT nur billigere und schlechtere Arbeiten gemacht werden. Doch noch in anderer Hinsicht hat die Generalversammlung deS „Vulkan" ein beachtenswertes Resultat geliefert; sie zeigt deutlich, daß das Marineamt tatsächlich den forzierteu Bau einer großen Anzahl neuer Linienschiffe für die Nordsee plant. Die„gewissen Gründe" des Aufsichtsrates, auf die sich Schlutow immer wieder gegenüber der Opposition berief, sie sind nichts anderes als die Zusicherung der Regierung, daß. wenn der„Vulkan" die vom Marineamt gewünschte Hamburger Anlage schafft, er für diese den Hauptteil der neuen Schiffsaufträge erhalten soll._ HeringSfrschcrei.'In der jetzigen Zeit der Fleischteuerung muß in den ärmeren Haushalten vielfach der Hering das Fleisch ersetzen. Leider sind auch die Hcringsprcise beträchtlich gestiegen, und weitere Erhöhungen stehen allem Anschein nach bevor. Die Preise haben sich seit dem Herbst vorigen Jahres um 30 bis 40 Proz. erhöht, so daß trotz der geringeren Fangergcbnisse im laufenden Jahre die teringsfischereien gute Geschäfte machen. Nach den Berichten der mder Heringsfischerei-Akticngcscllschaft hat deren Flotte mit 35 Schiffen im Jahre 1904 12 642 KantjeS gleich 10 416 Tonnen von der ersten Reife' angebracht, in diesem Jahre aber 9603 Kantjes gleich 7910 Tonnen, so daß jetzt 2506 Tonnen auf der ersten Reise weniger gefangen sind. Ganz anders stellt sich aber wie die„Köln . Ztg." meldet, das geldliche Ergebnis. Im Jahre 1904 betrug der Preis zu derselben Zeit wie jetzt 27 M. die Tonne, 1905 37 M. Mithin war der Ertrag 1904 für 10 416 Tonnen zu 27 M. gleich 281 232 Mark und 1905 für 7910 Tonnen zu 37 M. gleich 292 670 M.; es ergab sich also eine Mehreinnahme für 1905 von 11 438 M. Dieser Mehrertrag erhöht sich aber weiter um die gesparten Ausgaben. Die Ausgaben betrugen 1904 für 10 416 Tonnen Heringe 10 416 leere Tonnen zu 5 M. gleich 52 080 M. und Tonnengclder an die Mann- schaft mit 2,16 M. für die Tonne gleich 22 493 M., zusammen 74 578 M. Im Jahre 1905 erforderten für 7910 Tonnen Heringe 7910 leere Tonnen 39 550 M. und die Tonnengelder an die Mann- schaft 17 876 M., zusammen 57 426 M. Es sind also 1905 auch an Unkosten gespart worden 17 152 M., so daß sich der Unterschied zu» züglich des Mehrerlöses von 11 438 M. zusammen auf 28 590 M. zugunsten dieses JahreS stellt. Bon der amerikanischen Getreideernte. Seit dem 1. August, als die Aufnahme über den Stand der Ernte für das Ackerbauamt in Washington stattfand, haben sich die Aussichten auf eine reiche Ernte in mancher Beziehung noch gebessert. So ist der Mais in Missouri und Kansas , durch starke Regenfälle im Anfange des Monats begünstigt, über alle Erivartungen gut geraten. Den Berichten nach werden die Schätzungen der Weizenernte mit 690 bis 700 Millionen Bushel das Richtige treffen. Der Eigenbedarf an Weizen ist stark, aber nach dem„Price Current" in Cincinnäti werden für den Export beinah« an 200 Millionen Bushel übrig sein. Die Mißernte Ruß- lands wird also auf dem Weltmarkt durch die größere Ernte Ameri- kas ausgeglichen._ Bus def frauenbewegung. Die sozialdemokratischen Frauen des Wahlkreises Nieder-Barnlm nahmen am 29. August zum Parteitag Stellung. Sie hielten zu dem Zweck unter Leitung der Kreisvertrauensperson, Genossin I u n g» Nieder-Schöneweide, im Festsaal von Trapp zu Tegel eine Kreisversammlung ab.— Das Referat hatte Genossin Heiden-Deutschmann aus Tegel übernommen. Einleitend feierte sie die Bedeutung der russischen Revolution, unter deren Zeichen sich der Parteitag abspielen werde. Besonders gedachte sie des Opfermutes der russischen Frauen, die sich in die vorderste Reihe der Kämpfenden stellten. Ihnen hätten die deutschen Frauen nach- zueifern. Dann ließ Redncrin die einzelnen Punkte der Tages- ordnung des Parteitages Revue passieren. Das Bemühen, die Or.� ganisation der Partei straffer zu fassen, wie es im Entwurf der Vorberatungskommission zutage trete, sei zu begrüßen. Die Be- ratungen des Organisationsstatuts dürften nach ihrer Meinung kaum zu besonderen Verwickelungen führen. Anders stände es zum Beispiel mit der Frage der Maifeier. Die Gründe, die gegen die Maifeier durch Arbeitsruhe von gewissen Gewerkschaftsvertretern geltend gemacht würdeis und rein taktischer und geschäftsmäßiger Natur seien, würden vielleicht nicht ganz unberechtigt sein, wenn die Gewerkschaften nur als reine Versicherungsgesellschaften zu be- trachten waren. Diese Auffassung wäre aber ganz falsch, und so könne man die Maifeier nicht werten, wie es von jenen geschehe. Der Gedanke an die Arbeitsruhe sei immer mehr in die Massen eingedrungen, und die Maifeier habe an agitatorischer Kraft ent» schieden zugenommen. Von Jahr zu Jahr seien Fortschritte zu ver. zeichnen. Die Maifeier habe sich als agitatorisches Moment, als erhebendes und ideales Moment so fest eingebürgert, daß es ein Schlag gegen das proletarische Empfinden wäre, wenn das Diktum käme, die Arbeitsruhe am 1. Mai habe aufzuhören, bloß weil die Gewerkschaften das materielle Opfer dafür zu groß fänden. Der Parteitag werde ein ernstes Wort für die Beibehaltung der Mai- feier durch Arbeittzruhe zu sprechen haben.— Brennend geworden sei auch die Frage de» politischen Massenstreiks. Ursprünglich eine akademische Erörterung, habe sie solchen Widerhall in den Massen gefunden, daß man schon daraus ersehen könne, wie die ganze politische Lage zur Diskussion der Frage dränge. Und da komme der Gewerkschaftskongreß und fasse den bekannten törichten Beschluß, wonach in den Gewerkschaften die Diskussion darüber und die Pro- pagierung einer derartigen Waffe ausgeschlossen sein solle. Wenn eine Frage angesichts unserer ganzen sozialen und politischen Kon- stellation, angesichts der Verschärfung der Klassengegensätze und der politischen EntrcchtungSbestrebungen so intensiv die Köpfe und Ge- müter bewege, so müsse man, ganz gleich, welche Stellung man in der Sache selbst einnehme, sie eingehend erörtern, um die Meinungen klarzustellen und zu einem bestimmten Entschluß zu kommen. Und zwar müsse die Diskussion überall erfolgen, wo sich irgend die Ge- legenheit biete. Aufgabe des Parteitags werde es sein, auch nach der Richtung klärend zu wirken. Aber auch die Frauen müßten' ssch ganz besonders mit der Möglichkeit eines politischen Massen- treiks vertraut machen, erzieherisch aufeinander einwirken, Opfer- 'reudigkeit und Kampfesmut gewinnen und verbreiten, um im Not. alle eine tätige Genossin des Mannes zu sein und nicht lähmend zu wirken. Andererseits hätten die Frauen ihre Macht über das noch leicht empfängliche Gemüt der Jugend auszunutzen und den Freiheitsdrang bei ihr zu erwecken, auf daß der junge Soldat un» fähig wäre, auf Eltern und Geschwister, auf das Volk zu schießen. Mit weiteren anfeuernden Worten an die Frauen, in der Partei tatkräftig an allen Aufgaben derselben mitzuwirken, schloß Rednerin unter lebhaftem Beifall den Vortrag. — Zur Diskussion meldete sich niemano. Genossin Jung stellte darauf das Einverständnis der Versammlung mit den Ausführungen der Referentin fest. Als Delegierte wurde die Genossin N c u m a n n aus Weißensee gewählt. Nachdem unter den anwesenden Frauen eine lebhafte Agitation für die„Gleichheit" entfaltet worden war, die auch die Ge- winnung einer Anzahl Abonnentinnen zum Erfolge hatte, schloß die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale völkerbefreiend« Sozialdemokratie._ 6ewerklcbaftUebe9. Eine gelbe Gewerkschaft im roten Berlin . Bisher kannte man das Institut der gelben Gewerkschaft nur aus französischen und amerikanischen Berichten. Es war das jene Kolonne, die den Streikbruch zum Prinzip erhob. Dort, wo di« organisierte Arbeiterschaft mit dem Unternehmertum ein hartes Ringen um die Hebung ihrer Lebenslage führte, dort erschienen die „Gelben ", um ihre schimpfliche Rolle auszuüben, indem sie den kämpfendes NMükv in den Rücken fielen. In Deutschland WK
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