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Nr. 247. 22. Jahrgang.

1. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt. Sonnabend, 21. Oktober 1905.

Waffenstillstand.

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materieller Hinsicht, ein faum nennenswerter getvesen, auf alle Fälle aber eine bedeutende Schwächung der Arbeiter und ihrer Organisationen, so daß an einer weiteren Ausnutzung der guten Konjunktur für diesen Winter nicht zu denken gewesen wäre. Nun wird man einwenden: Ja, wer schützt Euch dabor, daß nicht die Unternehmer in fürzester Zeit ivieder aussperren? Darauf ant­

Unter obiger Ueberschrift bringt der Vorwärts" vom 16. d. M. einen Leitartikel, der geradezu von Unrichtigfeiten und Wider­fprüchen wimmelt. Dabei hätte die Redaktion sehr wohl einen zu­treffenden Artikel bringen können, denn sie war über alle Einzel- worten wir: Das wollen wir ruhig abwarten. heiten der Bewegung informiert.

Bwvar geht es nicht an, heute schon aus den einzelnen Vor­fommnissen Lehren für die Zukunft zu ziehen, aber auf Grund des oben erwähnten Artikels muß etwas schon heute gesagt werden. Ruhig zugestanden fann werden: Wir haben keinen Sieg er­rungen. Aber deshalb liegt noch lange fein Grund vor zu sagen: Wir sind die Geschlagenen.

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An einer Reihe von Vorkommnissen ließe sich sehr leicht nach weisen, daß zwar nicht auf materiellem Gebiet einige Erfolge erzielt sind, die für denjenigen, der die Situation in der Metall­industrie kennt, von nicht zu unterschäbender Bedeutung sind. Wir haben auch keine Schlacht verloren. Wenn man schon in diefen militärischen Ausdrüden reden will, fönnte man höchstens sagen: Wir sind einer in der Entwidelung be­griffenen Schlacht ausgewichen.

Auch das sonst noch im Artifel vom Sonntag über die Taktik Gefagte ist nicht zutreffend und fann nach meinem Dafürhalten nur angeführt werden, wenn man, wie der Artikelschreiber, abfolut feine Ahnung hat, was wohl die Absicht der Unternehmer gewesen ist. Erft wenn man über die Absichten sich flar ist, läßt sich das Ganze beurteilen und lassen sich richtige Schlüsse ziehen. Eigentlich hätte ja der Artikelschreiber selbst einmal versuchen können, etwas tiefer zu graben und nicht nur an der Oberfläche haften zu bleiben. Doch ftellen wir einmal die Tatsachen fest:

Die Schraubendreher im Wernerwert hatten schon längere Zeit unter großer Unsicherheit im Affordverdienst zu leiben. Eine neue Berechnung der Affordpreise wollte die Firma einführen. Die Breise, die sich nach der neuen Berechnung als zu hoch erwiesen, wurden herabgesetzt; aber die Preise, die sich als zu niedrig er. wiesen, nicht heraufgefeßt. Dadurch trat nach und nach eine be­deutende Verschlechterung ein, und diese Berschlechterung wollten die Schraubendreher durch den geforderten Prozentaufschlag wieder wett machen. Im Grunde genommen war also der Streit der Schraubendreher kein Angriff, sondern ein Abwehrstreit.

Die Lagerarbeiter allerdings find agressiv vorgegangen, aber wo auf der ganzen Welt gibt es einen Menschen, der dies Bergehen nicht als berechtigt anerkennen wollte angesichts der vollständig un­genügenden Löhne, die diese Arbeiter bezogen.

Nun die Fragen: Wie kommt es, daß diese beiden Streiks, die rein aufällig aufammenfielen, zum Ausgangspunkt der Riesenaussperrung genommen wurden? Die Höhe der For berungen kann es nicht gewesen sein. Denn einmal sind eine ganze Reihe von Berufen in diesen Werfen beschäftigt, die mehr verdienen, als hier gefordert wurde. Für die Schraubendreher kommt hinzu, daß die Berufsfollegen anderer Werte derselben Gesellschaft das verdienen, was die Schraubendreher forderten. Dann aber macht es für derartige Firmen, wie Siemens, gar nichts aus, wenn wirklich das, was die Arbeiter forderten, an Löhnen mehr gezahlt wird. Für die A. E.-G. trifft das in noch höherem Maße zu. Die Gründe der Aussperrung müssen also andere sein.

Man wird der Sache auf den Grund kommen, wenn man fol­gendes in den Bereich der Betrachtung zieht:

Es steht fest, die Elektrizitätsgesellschaften hatten und haben noch gute, ja fogar sehr gute Konjunktur. Dies haben die Firmen ausgenutzt, um mit ihren Produkten um 10 Broz. in die Höhe zu gehen.

Aber auch die Arbeiter wollten diese günstige Gelegenheit aus. nußen, und es ist ja auch bei mehreren Branchen ohne weiteres möglich gewesen, Aufbesserungen zu erzielen. Rein vernünftiger Mensch wird dies den Arbeitern verdenken. Von selbst bessern Unternehmer die Preise nicht auf; an den guten Zeiten läßt man die Arbeiter nicht teilnehmen, wohl aber durch Abzüge und der­gleichen an den weniger guten Zeiten. Da ist es einfach Pflicht der Selbsterhaltung, daß der Arbeiter das, was man ihm freiwillig nicht gibt, fich fordert.

aus:

Nun gingen die Firmen zweifellos von folgenden Erwägungen Mehreren Abteilungen haben wir 8ulagen gegeben. Die Schraubendreher und Lagerarbeiter fommen jetzt, und wenn wir auch diesen bewilligen, fommen noch mehr. Dadurch aber kann ein nennenswerter Teil des 10prozentigen Aufschlags verloren gehen, und dem gilt es entgegenzuwirken.

Den Arbeitern einen Dämpfer auffehen, die Gewerkschaften gur Aber lassen und wegen seiner Monopolstellung doch keine Auf­träge verlieren, das war es, was die Herren mit ihrer Aussperrung erreichen wollten.

Es steht durchaus heute feft:

Die Firmen wollten unter allen Umständen aussperren. Das geht daraus hervor, wie die erste Aussperrung inszeniert wurde.

Angesichts all dieser Umstände nun fragen wir, ob nicht der Weg, den mir eingeschlagen haben, der richtigste war? Giner oder gar der Entscheidungsschlacht mit den Kühnemännern sind wir aus­gewichen, weil verschiedene Voraussetzungen, die wenigstens einiger­maßen einen Erfolg garantierten, nicht erfüllt waren.

an Stärfe getinnen. Was wir aber hiermit ausdrücken wollen ist, daß an solche Sämpfe zukünftig mit größerer Vorsicht heran­gegangen werden muß.

In Zukunft möge man den Arbeitern stets vor Augen halten, daß sie alle Ursache haben, wenn irgend möglich, solche Macht­proben zu meiden, man möge sie aber hinweisen auf die großen Entscheidungskämpfe, die uns noch bevorstehen. Um diese aber ehrenvoll und fiegsaft bestehen zu können, mögen die Arbeiter immer und immer wieder darauf hingewiesen werden, daß ihre Macht erst in ihrer Stärke liegt. Unermüdliche Stärkung in finanzieller Hinsicht, unermüdliche Agitation zur Werbung neuer Mitglieder, unermüdliche Arbeit in der Aufklärung zur Schaffung ziel betoußter Kämpfer, das sind die Mittel, die die Arbeiterschaft in den Stand setzen werden, ihre Organisationen so zu stärken, daß sie zukünftig in der Lage find, Uebergriffen der Industries proken energischer als sonst und machtvoller die Spize bieten zu fönnen."

Daß auch die Arbeiter immer in Bewegung gehalten werden, und deren Erregung sich nicht legt, nun, dafür sorgen in threr un­glaublichen Sturzsichtigkeit die leitenden Personen in den Werken. Nach mehrfachen Mitteilungen sest nämlich jekt eine Politik der Nadelstiche ein. Besonders zu beobachten ist dieses im Dynamowerf und Glühlampentverk Siemens- Schudert, sowie im Werneriert Siemens u. Halste. Gefallen lassen werden wir uns die Nadelstich- dings politit nicht, und so entsteht aus diesem Anlaß heraus, schon bom deutet: ersten Tage an, der sogenannte Kleinkrieg, der die Aufmerksamkeit der Arbeiter ständig wach hält.

Also: Die Schlacht ist abgebrochen, aber der Krieg geht dank der Kurzsichtigkeit der unter­nehmer weiter!

Adolf Cohen.

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Nur der Zimmerer" vermag noch von einem Erfolg, aller einem verschwindenden" zu reden, den er wie folgt an­

Wenn auch der Augenblidserfolg fast völlig verschwindet, so gehen doch unbestreitbar die Organisationen gestärkt aus dem Stampfe hervor."

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Die Parteipresse steht, mit Ausnahme der Blätter, die von einer gemeinsamen Korrespondenz bedient werden, auf dem Stand­punkt des Vorwärts".

Wirtschaftlicher Wochenbericht.

Der neue Aufschwung. und Maschinenindustrie. Aussperrungstaftif.

Die Startelle.

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Berlin , den 20. Dftober 1905. Ronjunktur und Streik.

Die Geschäftslage der Stohlenindustrie.- Eiſen­

Genosse Cohen hat in obigem Artikel zur Aufklärung der Sachlage so gut wie nichts beigetragen. Nach einer Einleitung, welche die totale Unfähigkeit des Artikelschreibers im Vorwärts" feststellte, die Absichten des Unternehmertums zu erkennen, durfte man twohl erwarten, daß Cohen über die Absichten desselben mehr verraten würde, als dem Artifelschreiber und den Lesern des Vor­wärts" bereits bekannt war. Daß das geschehen ist, müssen wir verneinen. Ausnutzung der Konjunktur durch die Kartelle.­Sonderbar ist übrigens, daß Genoffe Cohen einen solchen Stärkung der Stampfpofition der Unternehmer durch Vorwurf gegen jemand zu erheben fertig bringt, der den Führern Sit eine Nenderung der Streiftaktik nötig? ber Metallarbeiter alle Operationen ihrer tapitalistischen Gegner schon im Anfangsstadium fchwungsperiode 1896/1900 jäh unterbrach und, ausgehend von der Die Wirtschaftskrise, die im Jahre 1900 die glänzende Auf­der Bewegung vorausfagte Gifenindustrie, nicht nur die meisten der deutschen Großindustrien, fondern auch das Bankgewerbe mit in den Bereich ihres Strudels svg, fann heute als böllig überwunden gelten. Die letzten ber einzelten Nachwirkungen, die noch zu Beginn dieses Jahres in einigen Gewerbegweigen hervortraten, sind im Laufe der letzten Monate mehr und mehr verschwunden. Deutlich zeigt sich, daß in schlängelt, wir uns wieder auf einer aufsteigenden sturve befinden. In dem der Wellenlinie, in der sich die kapitalistische Entwidelung aufwarts tetigen Wechsel zwischen Fall, Stagnation und neuem Aufstieg, in welchem sich nach den ihr eigenen Gesetzen die Ausweitung der kapitalistischen Wirtschaftsweise vollzieht, find wieder die beiden ersten Stadien überholt, und in schneller Fahrt geht es aufwärts zur Höhe- und zu neuem Abfall.

Im übrigen würden wir sehr bedauern, wenn die Metall­arbeiter nach den Lehren dieses großen Kampfes nichts anderes wüßten, als den Kleintrieg" von neuem zu beginnen, der den Unternehmern den Borwand zu einer Aussperrung gab.

Beendigung der Aussperrung ihren Lesern lediglich durch Bericht der Die meisten Getvertschaftsblätter haben sich damit begnügt, die Tatiachen mitzuteilen. Das geschieht selbst in der Metallarbeiter Beitung". Das erste Blatt, das sich kritisch zu der Beendigung der Aussperrung äußerte, war der " Correspondent für Deutschlands Buchdrucker".

Er schreibt:

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Der Berliner Borwärts" sagt zu dem Ausgange des Den Tiefpunkt des Abfalls erreichte das Jahr 1902, das fast allen Kampfes: Es sei ruhig zugestanden, die Arbeiter kehren in die von der Krise erfaßten Industriezweigen den schlechtesten Absatz Fabrifen zurück als die Geschlagenen! In dem immerwährend brachte. Im Jahre 1903 begann für einige der größten Industrien, tobenden heftigen Kampfe zwischen Kapital und Arbeit haben vornehmlich für die Kohlen und die meisten Branchen der Eisen­fie eine Schlacht verloren." So ist es auch. Und es ist nur industrie, bereits der Anfaz zu einem neuem Aufstieg, der allerdings gut, daß die Niederlage nicht eine größere geworden ist zunächst noch recht schwerfällig vor sich ging und wiederholt von dadurch, daß man den Metallindustriellen Gelegenheit zur leineren Rückschlägen unterbrochen wurde, besonders als die Krise Erweiterung der Ausfperrung gab. Wie die Dinge lagen, war des amerikanischen Eisenmarktes im Herbst 1908 den inter­an einen für die Arbeiterschaft günstigen Ausgang nicht mehr zu nationalen Eisenmarkt in starke Mitleidenschaft zu ziehen be­denken, nachdem es sich in den letzten vierzehn Tagen gezeigt gann. Das Jahr 1904 brachte trotz des in Ostasien ausbrechenden hatte, wie wenig die Versorgung mit elektrischem Strome unter Stampfes zwischen Japan und Rußland und der Schädigung der bunden war. an Es wird zwar auch die Meinung laut, daß bei Baumwollindustrie durch die wüsten Preistreibereien den einem sofortigen allgemeinen Angriffe der Arbeiterschaft die Ge- amerikanischen Baumwollmärkten eine weitere Besserung der fellschaften hätten niedergerungen und die Aussperrungstaktik Wirtschaftslage, die im Laufe des jegt seinem Ende entgegengehenden durchkreuzt werden können. Die Vertreter dieser Ansicht übersehen Jahres 1905 nach und nach auch auf jene Branchen übergriff, die aber, daß nicht die Gesellschaften, sondern die Arbeiter die Un bisher die Welle der neuen Konjunktur nicht erfaßt hatte. vorbereiteten waren. Das allgemach zur anarchistischen Phrase ge- Zu Anfang des laufenden Jahres erfolgte zwar zunächst ein stempelte Herweghsche Wort von dem Stillstande aller Räder hätte neuer Rückschlag hervorgerufen durch den großen Bergarbeiter hier wahrlich keine Wunderdinge ausrichten können. Man kann also streit im Ruhrrevier, der nicht nur die Kohlenindustrie dieses größten die Verwendung von Feuerwehrleuten, das Einspringen der technischen Industriereviers Deutschlands lahm legte, sondern auch viele Hüttenwerke Beamten usw. in den Dienst bei den Kraftzentralen, die Rücken zur Produktionseinichränkung, teilweise sogar zu zeitweiliger Einstellung deckung der Gesellschaften durch die Erflärung der Militärbehörde, der Arbeit zwang; doch alsbald nach dem Ende des Streits setzte die Tätig­eventuell Mannschaften der Eisenbahnbrigade zur Verfügung zu feit mit um fo größerer Intensität ein. Im Juni trat dann allerdings stellen, noch so sehr bedauern und verurteilen, an der Sachlage eine erneute mäßige Abflauung ein, jedoch nicht infolge eines Um­wird dadurch nichts geändert: Die Position der Arbeiter war die schwunges der Tendenz, sondern teils weil in den vorhergehenden schwächere... Haben also die Funkenprozen" gleich den Kohlen- Monaten die Produktion allzu sehr angespannt worden war, teils magnaten vollständig das Feld behaupten können, so ist diese weil die in Rheinland und Westfalen ausgebrochenen Streitigkeiten große Berliner Aussperrung wieder eine Mahnung mit Donner im Baugewerbe und die darauf von dem Unternehmertum beliebte timme an alle deutschen Arbeiter geworden, den vermaledeiten Massenaussperrung vielfach zu einer Unterbrechung der Herstellung Organisationsstreit zu begraben und alles in die einheitlichen industrieller Anlagen führten. Schon Ende August fegte denn auch Gewerkschaften zu treiben, um dann in mächtiger Schlachtlinie die Förderung mit neuer Kraft ein, so daß im September für den gegen solches progenhaftes Unternehmertum aufzumarschieren. Das Arbeitstag 20 250 Wagen( a 10 Tonnen= 200 Bentner) angefordert möge die Lehre dieses verlorenen Kampfes sein, an dem freie und 19 839 verschickt wurden gegen 17 954 im September 1904. Gewerkschaftler, Lokalisten, Hirsch- Dunderianer, Christliche und Un­organisierte die Menge beteiligt waren."

Mittwoch mittag wird verlangt, daß bis Donnerstag mittag die Streiks, und zwar beide, aufgehoben sein müssen. Dabei werden die den Schraubendrehern bereits gemachten Bugeständnisse voll. des ständig zurückgezogen und die den Lagerarbeitern gemachten Zu­geständnisse zum großen Teil zurüdgezogen. Jeder Versuch, Auf­schub der Aussperrung zu erlangen, um mit den beteiligten Kol­Iegen reden zu können, war vergeblich.

Deutlicher fonnten ja wohl die Firmen nicht zeigen, baß fie unter allen Umständen aussperren wollten. Denn daß die vor der ersten Aussperrung gestellten Bedingungen von den Arbeitern nicht angenommen werden konnten, wußten die Firmen, mußten sie wissen, und eben weil sie es wußten, darum diese Bedingungen. Nun tönnte man sagen: Ja, aber der Zeitverlust für die Firmen ist durch die Aussperrung ein ganz enormer. Darauf entgegnen wir: Die Firmen haben das auch bedacht, glauben aber durch Ueber­stunden und dergleichen den Verlust wieder wett zu machen. Darauf deuten ja auch die Versuche hin, jezt schon die Arbeiter zur Leistung von Ueberstunden zu veranlassen. Das ist auch bei den legten Ber­handlungen zum Ausdruck gekommen, wonach man hofft, bis zum Schluß des Geschäftsjahres diesen Ausfall wieder eingeholt zu haben. Den Arbeitern aber wird erzählt, man wolle ihnen Gelegenheit geben, den Ausfall an Verdienst wieder wett zu machen durch Ueber. ftundenarbeit.

Auf diese Weise wollen die Firmen sich bor Verlusten schützen. die Arbeiter durch die Hungerfur mürbe und gefügig machen und die Gewerkschaften durch die auszuzahlenden großen Summen an Unterstüßungen auf längere Zeit lahmlegen.

Gelang das, dann konnte man in den nächsten Monaten in aller Ruhe die gute Ronjunktur für sich allein ausnutzen und die Arbeiter hatten das Nachsehen.

Je weiter die Aussperrung ging, desto deutlicher traten bie Merkmale dieser Absicht zutage..

Dem galt es, unsererseits entgegenzuwirken, und darum find wir auf die Bedingungen vom Mittwoch, den 11. Oktober, ein­gegangen.

Was ist nun der Erfolg dieser unserer Tattil?

Die Arbeiter sind durch die Aussperrung, weil nur von kurzer Dauer, wenig oder gar nicht wirtschaftlich geschwächt.

Die Gewerkschaften sind durch die Ausgaben von insgesamt 500 000 m. menig geschwächt und können außerdem diese Ausgabe sehr schnell wieder einholen. Damit haben wir die Möglichkeit, mit unserer Forderung der Anteilnahme an der guten Ronjunktur genau wieder de einsehen zu fönnen, wo wir vor der Aussperrung auf­gehört hatten.

Auf der anderen Seite wäre der Erfolg der Arbeiter selbst bei günstigstem Abschluß der eventuell weitergehenden Aussperrung, in

Der Grundstein" der Maurer brudt einen wesentlichen Teil Vorwärts"-Artikels ab, ebenso die Schlosser- Beitung"." Die Fachzeitung der Schneider" schreibt:

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Seit Oftober ist aber die Nachfrage nach Kohlen derart gestiegen, daß fast überall Ueberschichten eingelegt worden find und die Eisenbahnverwaltungen den Bedarf an Wagen nicht entfernt zu denken vermögen. Und dasselbe Bild bietet, wenn auch in fleinerem Maßstabe, das oberschlesische Kohlenrevier. Der Kampf in der Berliner Elektrizitätsindustrie, an dem Bum Teil wird die forcierte Förderung der Kohlenindustrie durch fiber 33 000 Arbeiter beteiligt waren, hat mit einem für die die Nachfrage nach Hausbrandfohlen veranlaßt; doch mehr noch als Arbeiter negativen Resultat fein Ende gefunden. Die Arbeit ist diefe ist die Nachfrage nach Industriefohlen und Kots gestiegen zu den schon vor der Aussperrung seitens der Direktionen ge- der sichere Beweis dafür, daß die gegenwärtigen Ansprüche an die machten Zugeständnissen, die allerdings eine etwas loyalere Aus- Bechen nicht nur die Bedeutung einer bald wieder zurückwogenden leging gefunden hatten, wieder aufgenommen worden. Maßregeluiwelle haben. Vor allem ist es die Eisenindustrie, die verstärkte lungen follten nicht stattfinden; wie aber diese Bedingung von Anforderungen stellt. Auf dem Siegerländer Eisenmarkt hat sich, obgleich seiten der Werke gehalten wurde, zeigt, daß noch große Diasien schon seit Monaten alle früheren Fördereinschränkungen gefallen sind, ein von Arbeitern auf der Strede geblieben sind. Es ist das wiederum tatsächlicher Mangel an Eisenstein eingestellt. Die Hochofenwerke find ein Beweis, daß auf die Loyalität des Unternehmertums fein feit Beendigung des Streits derartig beschäftigt, daß sie den durch Verlag ist. Wenn es auch den Arbeitern in diesem Stampfe noch diesen hervorgerufenen Produktionsausfall bereits im Juni eingeholt nicht möglich war, die Leitungen der Elektrizitätswerte zur An- und in jedem der letzten Monate durchschnittlich über 100 000 Tonnen erkennung ihrer bescheidenen Forderungen zu zwingen, so werden Roheisen mehr produziert haben, als im vorigen Jahre. Meist find fie doch daraus gelernt haben, daß es noch ganz anderer Maß fie bereits bis April nächsten Jahres mit Aufträgen versehen und nahmen bedarf, um sich den erforderlichen Einfluß auf die Ge- nehmen bis dahin neue Aufträge nicht an. Ebenso günstig lauten staltung ihrer Existenzbedingungen zu sichern. Die Macht des die Berichte vom Halbzeugmarkt. Der Jnlandsbedarf wie der Export Unternehmertume fann nur durch die Macht der Organisation der sind im steten Aufsteigen begriffen, und während in den vergangenen Arbeiter gebrochen werden." Jahren die Sommermonate regelmäßig eine Abflauung brachten, Selbständig äußert sich noch Der Töpfer". Er meint: stiegen diesmal die Anforderungen. Auch auf dem Walzeisen­Diese Beendigung bedeutet eine Riederlage für die Arbeiter. marft ist die Stimmung eine wesentlich festere. Solvohl Die Unternehmer haben erweiterte Bugeständnisse nicht gemacht. Flußstabeisen als Schweißstabeisen findet zu erhöhten Preisen Auf das Bestimmtefte war von ihnen erklärt worden, daß fie über Absatz. Teilweise haben die Werke schon für das zweite

den Nahmen des bisher Bewilligten in keiner Weise hinausgehen Quartal 1906 große Aufträge aufgenommen. Und nicht minder wollten. Es wurde nur ausgelegt, daß die zugestandenen erzeugen die Lieferungsbedingungen und Preise des Blech, Draht­Selbst höhten Löhne der Lagerarbeiter als Mindestlöhne zu betrachten und Röhrenmarftes von einer starten, steigenden Nachfrage. feien und daß die Erhöhung der Affordsäge für Schrauben die Kleineisenindustrie des bergischen Landes und die Maschinen­breber um 5 bis 6 Proz. eine Durchschnittserhöhung darstellen. industrie sind seit dem Frühjahr mehr und mehr vom Strom des Weiter wurde zugesichert, daß Maßregelungen nicht stattfinden wirtschaftlichen Aufschwungs erfaßt worden. Aus der Landwirtschaft, sollten. dem Bergbau, der Metallindustrie, dem Tertilgewerbe fließen der Maschinenindustrie in steigendem Maße Aufträge zu, so daß sich bereits mehrere Fabriken zu beträchtlicher Verlängerung ihrer Liefer­fristen genötigt fahen.

Für solche Mielenkämpfe ist unseres Erachtens nach die Arbeiter schaft noch nicht reif, erst wenn die Organisationen genügend gestärft find, an Mitgliedern sowohl als auch in finanzieller Hinsicht, dann wird eher Aussicht vorhanden fein, sich auf solche Entscheidungs­fämpfe einzulaffen. Damit soll nicht gefagt sein, daß man in der Jezizeit solchen Machtkämpfen partout aus dem Wege zu gehen hat. Wenn das Unternehmertum unter entwürdigenden Zumutungen den Arbeitern folche Rämpfe aufzwingt, werden wir noch öfter die Fälle erleben, daß seitens der Arbeiter der Fehdehandschuh auf­gehoben wird. Wenn auch in vielen Fällen dann die Erfolge für Die Arbeiterschaft gering fein werden, so wird sie einstweilen der organisatorische Erfolg folcher Aussperrungen über das Rächst liegende hinweghelfen, sie werden an Mitgliederzahl und damit

Und nicht nur in der Metallindustrie hat eine neue Prosperitäts­periode eingefeßt, auch die Elektrizitätsindustrie, der Schiffbau, verschiedene Branchen der Textilindustrie und fast alle Industrien, die dem Baugewerbe Materialien liefern, find relativ gut beschäftigt. Ueberall zeigen fich die Shniptome eines neuen Aufschwungs.

Die Unternehmerschaft weiß diese günstige Situation gefchidt zur Mehrung des Unter nehmerprofits auszunugen. Durchweg hat sie in allen genannten Industriezweigen die Preise hinaufgeschroben, in einzelnen Fällen bis zu 20 roz. und mehr. Leider wird ein großer Teil