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9. Jahrg.

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Fernsprech- Anschlus Amt 1, v. 4186.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Bur Erinnerung.

Am 10. September war ein Vierteljahrhundert verflossen, seitdem unser Genoffe Wilhelm Liebknecht Mitglied des Reichstages ist.

Was Liebknecht in diesen fünfundzwanzig Jahren, von dem ersten Norddeutschen Reichstage an bis heute, im Parlament geleistet, das brauchen wir unseren Lesern heut nicht besonders zu sagen.

Mit unvergänglichen Lettern ist es in die Geschichte der Bartei eingetragen, sein Wirken für die Arbeiterklasse wird un­vergeßlich sein. Im Augenblick in Marseille , um den fran­zöfifchen Parteigenoffen zu ihrem Kongreß die brüderlichen Grüße und Wünsche der deutschen Sozialdemokratie zu überbringen, steht Wilhelm Liebknecht wie vor 25 Jahren auch beute noch in der vordersten Reihe der Streiter für die Sache der Sozial­demokratie, und kämpft, an der Schwelle des Greifenalters, mit der glühenden Begeisterung und unverwüstlichen Kraft eines Jünglings für die Befreiung des Proletariats.

Möge sein selbstloses Wirken der Partei noch lange Jahre erhalten bleiben und der Soldat der Revolution" nach dem heißen Rampf noch den fröhlichen Sieg erleben! j

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Die Sozialdemokratie in Rußland .

Freitag, den 23. September 1892.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

westlichen Gubernien Rußlands am Arbeiterfeiertage dieses Jahres gehalten wurden.

des Druckes der brutalsten und grausamsten aller Regie­rungen. Ein lehrreiches Beispiel für die ganze Welt. Nicht einmal in Rußland glaubte man es; nicht ein- Es hat wohl anders ausgesehen in dieser Versammlung, mal die russischen Revolutionären wagten darauf zu hoffen. als wie es in einer Arbeiterversammlung in Westeuropa So ging selbst die kühne sozialrevolutionäre Partei Rußlands , aussieht. Jeder, der hinfam, wußte, daß er sein Gedanken aus, daß unter den gegebenen politischen Verhält- tamen fie. Es waren ihrer über Hundert, Männer und die Narodnaja Wolja, die Partei des Volkswillens", von dem Alles, seine Eristenz, sein Leben aufs Spiel sezte. Dennoch nissen eine Arbeiterbewegung in Rußland nicht möglich sei, Frauen. Feierliche Stille herrschte und mit tieffter Auf­daß es daher die Aufgabe aller das Volk und die Freiheit merksamkeit lauschten sie den Reden, die Fünf aus ihrer liebenden Elemente aus der besseren Gesellschaft, der eigenen Mitte, 3 Männer und 2 Frauen, an sie rich­Intelligentia" sei, für das Volk die politischen Rechte teten. Es war eine Stimmung, wie eine ähnliche etwa in als ob in der Geschichte, wo alles nur durch das mag. zu erkämpfen. Für das Volt ohne das Bolt! den Zusammenkünften der ersten Christen geherrscht haben Bolk gemacht wird, etwas ohne das Volk sich machen ließe!

Arbeiter sprachen zu Arbeitern; worüber sprachen sie? Sie erklärten die Bedeutung des ersten Mai: wie die Ver­Nur eine winzige Gruppe von Leuten Blechanoff, Axelrod, Wjera Sassulitsch und noch ein Mann, sammelt und beschlossen haben, daß die Arbeiter auf dem war es: treter der Arbeiterschaft der ganzen Welt sich in Paris ver der jetzt seit Jahren in den Fesseln und Banden einer ganzen Erdball den ersten Maitag feiern sollen. Der Zweck rachsüchtigen Regierung schmachtet, die von vornherein dieses Festes der Arbeiter bestand hauptsächlich darin, von den sagten: Wendet Euch an die Arbeiter!" Wendet Euch an Kapitalisten den achtstündigen Arbeitstag zu fordern, und auch die Arbeiter, denn sie sind die ökonomisch bestimmte revo- um der ganzen bürgerlichen Welt zu zeigen, zu welcher Macht lutionäre Klasse. Wendet Euch an die Arbeiter, denn die die Arbeiterklasse fich entwickelt hat." Sie sprachen von politische Freiheit ist die Grundbedingung ihrer ökonomi- der großen Klassenspaltung der Gesellschaft. Die ganze schen Befreiung. Wendet Euch an die Arbeiter, denn in Menschheit hat sich in zwei Klassen getheilt: die Klasse der ihnen liegt die Kraft der Gesellschaft; Ihr aber selbst, die tleine Schaar, Jhr werdet nichts ausrichten. Wendet Euch an die Arbeiter, denn hat sie einmal der zündende Strahl der Erkenntniß gestreift, so Lodert in ihnen das Feuer des Selbstbewußtseins so mächtig auf, daß nichts mehr in der Welt es auslöschen kann!

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Reichen, der Ausbeuter der Gesellschaft, und die Klasse der elenden Arbeiter, und diese ersten sind unsere Todfeinde." Sie zeigten, wie die kapitalistische Gesellschaft, entstanden ist, und daß sie untergehen muß; und sie nannten dabei einen großen Namen, den Namen Karl Mary. Und was unsere heutige kapitalistische Gesellschaftsordnung anbetrifft, Und was sie vorausgesehen, das geschieht. Die Ju so seht uns unser Arbeiterlehrer Mary auseinander, daß das Ein Russe schreibt uns: telligentia" konnte die Freiheit in Rußland nicht erkämpfen. Kapital zur Zeit des Feudalismus im Reime da war; und Merkwürdige, ganz eigenartige Nachrichten kommen jetzt Jeht erhebt sich die Arbeiterschaft. Troß aller Unterdrückungs- jetzt wie Marg fagt wenn die Hülle der heutigen von Zeit zu Zeit aus Rußland . Man ist in West- Europa maßregeln erhebt sie sich und sammelt ihre Schaaren. Dies fapitalistischen Ordnung zerplatzt, wird der Samen des gewöhnt, aus diefem kulturvernachlässigten despotischen Lande, ist die geschichtliche That derjenigen Intelligenzen" in Ruß- Sozialismus zum Vorschein kommen und wird wachsen immer wo ein großes Volk der Willkür einer absoluten Regierung land, die fich mit der Leuchte des Wissens an die Arbeiter mehr und mehr." Sie schilderten die elende Lage preisgegeben ist, die mit ihrem Heer von Beamten wandten. Ein Theil des Ruhmes, dies vollbracht zu haben, des Arbeitervoltes, seine schmachvolle gesellschaftliche Stellung. auf das Schändlichste wirthschaftet, entweder Schauder gebührt aber der organisirten Arbeiterschaft Europas , nament E3 bricht Einem das Herz beim Anblick, wie der Arbeiter nachrichten über die Greuelthaten des Barenthums oder lich den deutschen Arbeitern, denn das Schauspiel ihres vom Unternehmer seinen Lohn erbettelt, wie er vor ihm Nachrichten über unsägliches Elend und Stumpfsinn der Kampfes war es, was in den russischen Arbeitern das zittert, als ob er um ein Almosen bitte und nicht um sein Boltsmassen zu empfangen, oder auch bestenfalls Klassenbewußtsein weckte, und auch jetzt lernen sie von dem mit seinem Blut verdientes Geld..... Sollten wir nicht Berichte über die Heldenthaten einer kleinen Anzahl Beispiel ihrer deutschen Brüder und schöpfen daraus ihren dasselbe Recht haben zu leben und zu genießen, wie die wagemüthiger edler Geister, die, beseelt von Sym Muth und die Hoffnung der Erlösung. Unternehmer? Wofür denn uns dies Alles? Etwa dafür, pathie für die unterdrückten Boltsmassen und von dem Noch ist die Zahl der organisirten Arbeiter sehr klein, daß wir durch unsere Arbeit ihnen die Taschen füllen?" fich empörenden Stolz des geknebelten Geistes, allein den erst aus Hunderten besteht sie. Aber diese Hunderte werden wir bleiben arm, man schaltet mit uns, wie man will, großen Kampf wagen gegen die gewaltthätigste aller Re- zu Tausenden und aber Tausenden werden, denn es sind man beschimpft uns, und wir sind nicht einmal im Stande, gierungen. Die zivar noch spärlichen, aber doch regelmäßig Hunderte aus dem Volke selbst, die in ihrem ganzen Leben zu begreifen, wie, warum und zu welchem Zwecke wir unsere auftretenden Nachrichten, die wir jetzt erhalten, sind ganz mit dem Volke verbunden sind, und es sind Hunderte von Lebensjahre und unsere Arbeit für einen winzigen Lohn anderer Natur. Nicht von Mordthaten der Regierung Auserwählten. weggeben." Sie zeigten aber auch den Weg, auf dem die melden sie und auch nicht von Dynamitexplosionen, und Der organisirten Arbeiterschaft der Welt ist es bekannt, Arbeiter sich eine bessere Zukunft verschaffen können. Sie wenn sie vom Volt sprechen, so thun sie es in einer ganz anderen daß schon der Maifesttag 1891 von russischen Arbeitern in verwiesen auf die Nothwendigkeit der Organisation. Sie be Weise. Ja, fie sprechen ganz anders! Denn diese Nach- Petersburg gefeiert wurde. Der 1. Mai 1892 brachte die tonten, daß die Arbeiter in ihrem Erlösungskampfe nur auf sich richten kommen vom Bolte selber: vom Wolf unter das Lodzer Manifestationen mit sich, woran fich Tausende und selbst, auf ihre eigenen Kräfte angewiesen sind. Wir sind Wolf. Abertausende polnischer Arbeiter betheiligt haben. Nunmehr der Meinung, daß kein Gott und kein Teufel es verniag, liegen uns die Reden vor, welche in einer Versammlung die unterdrückte Waffe vom Joch, das sie zur Erde biegt, russisch - jüdischer Arbeiter in einer der größten Städte der zu befreien; nur die Wissenschaft und die eigene Energie

Was fast unmöglich schien, das geschieht. Die russische Arbeiterwelt erwacht und organisirt sich. Und das troz

Feuilleton.

Macbrud verboten.)

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Die Waffen nieder!

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gauzes Buch voll pädagogischer Klagen und Bedenken lag leise an mich wird ihm der Pfarrer sagen, daß man in diesem Blick und diesem Schweigen. feine Feinde lieben solle- o Logik!" Dann laut zu Rudolf: Nicht, weil wir sie hassen, dürfen wir unsere Feinde schlagen, sondern weil sie uns schlagen wollen."

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Besonders unliebsam war mir die Soldatenspielerei, welche sowohl mein Vater wie mein Bruder mit dem Kleinen trieben. Die Begriffe von Feind" und von, Drein­hauen" wurden ihm beigebracht, ich weiß gar nicht wie. Eines Tages tamen wir dazu, Friedrich und ich, wie Rudolf mit einer Reitgerte unbarmherzig auf zwei wimmerude junge Hunde einhieb.

" Das ist ein falscher Italiener", sagte er, auf das eine der armen Thierchen ausholend, und das" auf das andere ein frecher Däne".

Hand:

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Und warum wollen sie uns schlagen?"

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" Weil wir sie nein, nein," unterbrach er sich, aus diesem Zirkel find' ich keinen Ausweg. Geh spielen, Studi wir verzeihen Dir aber thu's nicht wieder." Better Konrad machte, wie mir schien, einige Fort­schritte in Lilli's Gnade. Es geht doch nichts über Ausdauer. Ich hätte diese Verbindung fehr gern gesehen, und beobachtete mit Bergnügen, wie die Blicke meiner Schwefter froh auf­leuchteten, wenn von weitem der Hufschlag von Konrad's Pferde sich vernehmen ließ, und wie sie seufzte, wenn er wieder davonritt. Er machte ihr nicht mehr den Hof, das heißt er sprach nichts von seiner Liebe, brachte seine Werbung nicht von neuem vor- dennoch war sein Benehmen eine regelrechte Belagerung.

Eine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner . Mein Sohn Rudolf, nunmehr ein siebenjähriger kleiner Mann, fing jetzt an lesen und schreiben zu lernen, und seine Lehrerin -war ich. Ich hätte feiner Bonne" die Freude Friedrich riß dem Nationenzüchter die Gerte aus der gegönnt was ihr übrigens vermuthlich gar keine gewesen wäre diese kleine Seele langsam sich entfalten zu sehen" Und das ist ein herzloser Desterreicher," sagte er, und derselben die ersten Ueberraschungen des Wissens bei indem er ein paar tüchtige Schläge auf Rudolf's Schultern zubringen. Oftmals war der Kleine unser Begleiter auf fallen ließ. Italiener und Däne liefen vergnügt davon, unseren Spaziergängen, und wir wurden nicht müde, und das Wimmern wurde jetzt von unserem kleinen Lands die Fragen, welche seine erwachende Wißbegier an uns mann besorgt. Wie es verschiedene Arten giebt, eine Festung zu stellte, zu beantworten. Zu beantworten, so gut und so Bist Du mir böse, Martha, daß ich Deinen Sohn nehmen", so erklärte er mir eines Tages, durch Sturm, weit wir konnten. Auf Lügen ließen wir uns nicht ein. geschlagen? Ich bin sonst wahrlich nicht für die Prügel- durch Hunger so giebt es auch mehrfache Mittel, Wir scheuten uns nicht, solche Fragen, auf die wir keinen strafe eingenommen, aber Grausamkeit gegen Thiere fann ein Frauenherz zur Rapitulation zu bringen. Darunter Bescheid wußten auf die tein Mensch Bescheid weiß mich entrüsten-"

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Du haft Recht gethan", unterbrach ich. R Also nur gegen Menschen... darf man... grausam ?" fragte der Kleine mitten in seinem Schluchzen. Auch nicht noch weniger"

Du hast doch selber auf Italiener und Dänen ge­

mit einem aufrichtigen das weiß man nicht, Rudi" zu be­antworten. Anfänglich geschah es, daß Rudolf mit solcher Antwort nicht zufrieden, seine Frage nochmals bei Tante fein Marie, bei seinem Großvater oder bei der Kinderfrau Dorbrachte, und da wurden ihm stets unzweifelhafte Auf­schlüsse zu Theil. Triumphirend kam er dann zu uns: haut?" hr wißt nicht, wie alt der Mond ist? Ich weiß es jezt: sechs tausend Jahre merkt Euch das." Friedrich und ich wechselten einen stummen Blick. Ein

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Das waren Feinde-"

Die also darf man haffen?"

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eins der wirksamften: die Gewohnheit die Rührung... Es muß sie doch rühren, daß ich so beharrlich liebe, dabei so beharrlich schweige und immer wiederkomme. Wenn ich ansbliebe, riffe das eine gewaltige Lücke in ihre Existenz; und wenu ich noch eine Zeit lang fo fortfahre, so wird sie ohne mich es gar nicht mehr aushalten."

Und wieviel mal fieben Jahre gedenkst Du so um Deine Erkorene zu dienen?" Das habe ich nicht berechnet... so lange, bis sie

" Und heute oder morgen"- wandte fich Friedrich mich nimmt."