Nr. 278. 22. Jahrgang.
Dienstag, 28. November 1905.
hafte Preissteigerung nach dem Ausfall der Futtermittelernte bei, Schlachttiere. Bei den hohen Marktpreisen bringen die Landwirte den Schweinen festgestellt. Selbst nach dem Hochsommer, in dem die Tiere zum Teil halbgemästet auf den Markt. Darunter muß fonft der Schweinepreis regelmäßig am höchsten steht, ist er in diesem natürlich auch die Nachzucht vollwertigen Maftviehes leiden. Am Jahre noch ganz bedeutend in die Höhe gegangen. Man hat gesagt: 30. Oftober 1905 war in München der Viehpreis für Ochsen pro Schuld daran sind die Fleischermeister, ist der Zwischenhandel. Auch 50 Kilogramm Schlachtgewicht um 11-13 M., bei Schweinen Im Plenarsizungssaale des preußischen Abgeordnetenhauses den Städten hat man einen Teil der Schuld beischreiben wollen. um 16-18 M. höher, als am 31. Oftober 1904. Am 1. November trat heute früh um 10 Uhr der erste deutsche Städtetag zusammen. Es ist eine Tatsache, daß stets bei einer Fleischteuerung Vorwürfe 1905 waren die Fleischpreise für Ochsenfleisch um 7-10 Pf., für Anwesend find die Vertreter fast sämtlicher größeren Städte gegen Handwerk und Handel erhoben werden. So war es auch Schweinefleisch um 13-16 Pf. höher als im Vorjahre. In München Deutschlands . Aus vielen Städten sind die Oberbürgermeister und bei der Teuerung 1902. Auch damals suchte die Bertretung der betrug der Fleischkonsum in den Jahren 1886-1890 noch auf den Stadtverordneten- Vorsteher an der Spike einer Reihe weiterer Landwirtschaft diese Behauptung zu beweisen. Aber troß diefes Kopf der Bevölkerung 90 Kilogramm jährlich, 1904 betrug er nur Delegierten erschienen, so u. a. die Oberbürgermeister Adides löblichen Bestrebens" mußte die Denkschrift der Landwirtschafts - noch 75 Kilogramm, und für 1905 muß ein weiterer Rückgang von ( Frankfurt a. M.), Fuß( Kiel ), Bender( Breslau ), Bed fammern damals zugeben: es tann nicht erwiesen werden, daß förm- 7 Kilogramm pro Stopf erwartet werden. Nun wird versucht, die ( Chemnih), Koerte( Königsberg ), aden( Stettin ), Kirschliche Verabredungen der Händler bestehen, um die Fleischpreise dem Händler, die Kommissionäre, die Metzger und die mangelhaften Einner( Berlin ), Beder( Köln ), ferner die Stadtverordneten Konsumenten zu verteuern. Nun sagt man: der Handel gehe durch richtungen der Städte für die Fleischteuerung verantwortlich zu Vorsteher Dr. Freund( Breslau ), Dr. Langerhans zu viele Hände, wodurch die Viehpreise erheblich berteuert werden. machen. Es ist nicht in Abrede zu stellen, daß die Gewerbe( Berlin ), die freifinnigen Reichstags- Abgeordneten Dove und Tatsächlich aber handelt es sich beim Viehhandel und dem System treibenden zuzeiten mehr Gewinn aus der Eidhoff, Landtagsabgg. Rose now, Kreitling und der Wiehtommissionäre um eine praktische Arbeitsteilung. Daß Fleischbersorgung gezogen haben, als im Inter Cassel, von der Freisinnigen Vereinigung Reichstagsabg. eine Verteuerung durch die Schlachthof- usw. Gebühren stattfinde, effe der fonfumierenden Bevölkerung gelegen Gothein, von Sozialdemokraten die Abgg. Ehrhardt, ist nicht stichhaltig. In Berlin betragen die Gebühren für je hat. Wie sie aber die Schuld an den jetzigen Zuständen treffen Ulrich, und die Stadtvv. Borgmann- Berlin , Borgmann Berlin , Böhle. 6 bezw. 4 Pfund Fleisch einen Pfennig. foll, ist nicht einzusehen. Die Organisation des Biehhandels, des Straßburg , ich Mülhaufen. Der Referent zeigt weiterhin an der Hand der bestehenden Meggergewerbes und die Zusammensetzung der Stadtverwaltungen Neben der Konstituierung des deutschen Städtetages bildet den Gefeßgebung, daß selbst in ihr die Seuchenfreiheit Deutschlands ist in Berlin , Dresden , Nürnberg und München durchaus verschieden. Hauptpunkt der Tagesordnung die Fleischteuerungsfrage, und die Verseuchtheit Deutschlands keineswegs vorausgesetzt sei. Ueberall aber herrscht die gleiche Fleischnot. Daraus geht hervor, die auch den Anstoß zur Einberufung gegeben hat. Halte man dazu das Verbot der Einfuhr von Büchsenfleisch usw., daß die angezogenen Momente gar nicht ausschlaggebend sind, daß Zu diesem Bunft unterbreiten die Referenten Oberbürger- so könne man sich dem Eindruck nicht entziehen, daß andere Gesichts- die Wurzel des Uebels in der ungenügenden Viehproduktion liegt. meister Koerte( Rönigsberg i. Pr.), Reichstagsabg. Syndikus punkte für die Schließung der Grenzen maßgebend sind, als die Weite Kreife haben bereits auf den Fleischgenuß verzichten Dr. Dove( Berlin ) und Magistratsrat Dr. Bech( München ) sanitären, daß man aus anderen Gründen das Ventil nicht öffnen müssen. Diese Unterernährung hat so schwere soziale, hygienische folgende Beitfäße zur Fleischteuerungsfrage: wolle, durch das allein eine Besserung zufließen könne. Schließlich und ökonomische Schäden im Gefolge, daß die maßgebenden Stellen 1. Es besteht zurzeit in Deutschland eine ganz außer seien die Verteidiger der Grenzsperre, nachdem alle ihre Positionen sich auf die Dauer der Frage nicht entziehen werden können. gewöhnliche Höhe der Fleischpreise, insbesondere der Schweine sich als unhaltbar erwiesen, auf das Argument zurüdgewichen, daß fleischpreise, an deren alsbaldiger Beseitigung alle Kreise des die Preise im Auslande ebenso hoch seien. Nun, da tomme es doch Volkes, insbesondere die minderbemittelte Bevölkerung der auf eine Probe an! Das Vieh, daß uns das Ausland nicht liefere, Städte, in dringendes Interesse haben. werde unseren Biehbestand gewiß nicht verseuchen. Redner schließt 2. Die Ursache solcher Teuerungen ist darin zu erblicken, daß mit der Bitte um einstimmige Annahme der vorgelegten Leitfäße: die inländische Viehproduktion dem starken Wachstum der Be- Auf einem Städtetag war es, wo einst Mar b. Fordenbed die bölferung gegenüber nicht stetig imstande ist, den inländischen Städte aufrief gegen die Verteuerungspolitik. In seinem Sinne Bedarf an Fleischnahrung zu decken, insbesondere nicht nach den müssen wir hier erklären, daß, wenn wir die Interessen der erfahrungsgemäß sich wiederholenden Mißernten in Futter- städtischen Bevölkerung wahrnehmen, wir gleichzeitig die des ganzen mitteln. Die Behauptung, daß der Zwischenhandel die Ver- Landes vertreten. Wenn wir auch im Augenblide infolge der anlassung für die derzeitige Fleischteuerung abgebe, kann als Wahlkreiseinteilung wie aus anderen Gründen wenig Aussicht zutreffend nicht anerkannt werden. gerechten Interessen Gerechtigkeit widerfährt. Einigkeit macht auf Sieg haben: wir werden den Kampf fortsetzen, bis unseren stark.( Lebhafter anhaltender Beifall.) Als zweiter Referent sprach Oberbürgermeister Roerte ( Königsberg i. Br.) über:
3. Zur Dedung des einheimischen Fleischbedarfs ist deshalb der Rüdgriff auf die Vieh- und Fleischbestände des Auslandes unter voller Wahrung des Seuchengesetzes für die einheimischen Viehbestände geboten. Die bestehenden Einfuhrverbote und Erschwerungen überfchreiten zum Teil das durch die Gesetzgebung im veterinären und janitären Interesse vorgesehene Maß und führen dazu, die Einfuhr, auch wo sie zugelassen ist, unwirksam zu machen. 4. Von den vorgeschlagenen Abhülfemitteln kann die unmittelbare Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch durch die städtischen Verwaltungen als geeignetes Mittel zur wirksamen, dauernden Beseitigung der Fleischteuerung nicht angesehen
werden.
5. Dagegen erachtet der deutsche Städtetag als geeignete Mittel gegen die Fleischteuerung die möglichst ungehinderte Einfuhr lebenden Viehs aus dem Auslande unter boller Wahrung aller veterinärpolizeilich notwendigen Schuhmaßregeln--zur Abschlachtung in öffent
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lichen Schlachthäusern;
die Einfuhr ausgeschlachteten Fleisches aus dem Auslande unter Beseitigung aller fanitär nicht unbedingt gebotenen Erschwerungsmaßregeln;
bie Einfuhr ausländischen Büchsenfleisches und sonstiger Fleischbauerwaren; die Ermäßigung der Zölle und Eisenbahntarife für Futtermittel in Zeiten bestehender Futternot. 6. Der deutsche Städtetag erklärt, daß die Behandlung der Fleischteuerungsfrage durch die maßgebenden Instanzen des Reiches und einzelner Bundesstaaten die berechtigten Intereffen der städtischen Bevölkerung schwer schädigt.
Die Fleischversorgung der deutschen Städte und die Schädigung ihrer Bevölkerung durch die gegenwärtige Fleischteuerung.
die Entwickelung der Fleischpreise im Osten ein, wobei er sich auf Er nimmt Bezug auf die Leitfäße und geht im Speziellen auf eine neuerlich angestellte Umfrage bei 64 ostpreußischen Städten beruft. Es haben alle bis auf zwei geantwortet und allgemein wird eine anormale Fleischteuerung anerkannt, sechs davon sprechen von einer ausgesprochenen Fleischnot. Das muß besonders ins Gewicht fallen, da Ostpreußen eines der größten deutschen Viehproduktionsgebiete ist. Andererseits muß auch gegenüber den gegnerischen Behauptungen festgestellt werden, daß 75 Fleischerei betriebe in dem letzten Jahre in Ostpreußen den Betrieb eingestellt haben, in Sönigsberg 17, in Allenstein 6, in dem kleinen Schippenbeil 6.
Oberbürgermeister Stirschner teilt mit, daß zwei Petitionen eingelaufen feien. Die eine, vom Deutschen Fleischerverband, will Stellung genommen fehen gegen die Anregung einer fommunalen Fleischversorgung. Die zweite Petition ist von der Potsdamer Fleischerinnung und verlangt Abschaffung der Potsdamer Schlachtsteuer. Der Städtetag beschließt, zunächst in eine allgemeine Debatte einzutreten.
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Die
Erster Redner in der Diskussion ist: auf dem letzten preußischen Städtetag Opposition machte und der Oberbürgermeister Wade hit- Weißenfels, der schon Die Fleischteuerung werde nicht bestritten, die Ursache liege aber auch diesmal den Referenten und deren Leitsätzen entgegentritt. Richtig sei es, daß das lebel befämpft werden muß. Aber es handelt allein an der schlechten vorjährigen Futterernte.( Widerspruch.) sich da um die Frage: mit welchen Mitteln? Alle drei Referenten rufen: öffnet die Grenzen! Ich bin mit vielen Millionen der Ansicht, daß das das ungeeignetste Mittel wäre.( Dho! Unruhe und ( Burufe und Gelächter.) Das ist doch etwas ganz natürliches! Widerspruch.) Ja, meine Herren, ich stelle den nationalen Gesichtspunkt voran.( Lachen.) Das Land muß das Vieh selbst produzieren. Allerdings für den internationalen Handel ist das nicht natürlich, ( Murren.) Aber ich sehe nicht ein, welches Intereffe der Konsument haben sollte, das Bieh aus dem Auslande zu erhalten.( Burufe.) ch bestreite gar nicht die Berechtigung des Städtetages zu dieser Frage Stellung zu nehmen.( Rufe: Na also!) Ich meine aber, daß die Verteuerung der Wohnungen viel tiefer und dauernder an den Geldbeutel der Arbeiter greift, als die vorübergehende Fleischteuerung.( Lärm und Schlußrufe.) Bundesrat und Reichstag einmittig- Sie wollen in das vom mit Ausnahme der Sozialdemokraten und Der Preis pro Zentner Schlachtgewicht ist geftiegen bei Rindern Wert des Rolltarifs Bresche legen.( Großer Lärm! Schluß! Schluß!) Freifinnigen geschaffene mühevolle seit Januar 1905 bon 68 M. auf 74 M. im Oktober, bei Schweinen Jch trete für alle Mittel ein, die die Viehproduktion im Lande ver bon 55,75 M. auf 73,50 m.( hört! hört!) Gleiche Verhältnisse tärten fönnen, wie Herabfeßung der Eisenbahntarife und Regelung herrschen in Schlesien und im ganzen Often. Es fann gegenüber des Auftriebes durch die Stadt, eine Maßregel, die das nüßliche und den Tatsachen auch die Behauptung nicht aufrecht erhalten werden, notwendige Fleischerhandwerk gar nicht schädigen kann. Wie Rußdaß die Vieh- und Fleischpreise auch sonst überall ebenso hoch sind. land, Amerifa und England müssen wir ein wirtschaftliches EinheitsNach amtlichen Ermittelungen betragen die Viehpreise an der russischen Grenze pro Doppel zentner 60-92 W2. für Rinder gebiet werden, indem wir die Grenzen weiter stecken. und 46-60 20. für Schweine. Von zwei Grenzstädten, Mawa union fördern: Nach außen begrenzt, nach innen unbegrenzt". M. Fleischnot wird den Gedanken einer mitteleuropäischen Zoll( russisch ) und Neidenburg ( preußisch), find in der ersteren die Fleischpreise 225-250 Prog. niedriger.( Vielfaches hört! hört!) Ich war nicht darauf gefaßt, hier folche Ausführungen wie die des Stadtverordneter und Landtagsabg. Justizrat Caffel- Berlin : 80 der kleine Grenzverfehr- 2 Stilo pro Tag und Person Borrebners au hören. Um so stärker empfinde ich die Notwendigkeit, freigelassen ist, ist er außerordentlich start, ja für die fleinen Leute ihm entgegenzutreten. Ich anerkenne seine Offenheit, aber die Art, Wo die einzige Art der Fleischbersorgung. Diese Einfuhr hat von Juli wie er Gegnern, die das gleiche Recht haben, auf dem Städtetage bis Oftober ständig start zugenommen und beträgt jeht für Oft- ihre Ansichten zu vertreten wie er, einseitig entgegentrat, fonnte die preußen 36 000 Zentner. Würde des Städtetages nicht erhöhen und war nur möglich auf dem Was ist nun den Städten anempfohlen worden zur Linderung Hintergrunde einer bestimmten politischen Partei.( Lebhafte Bu der Fleischnot? Die herabminderung der Schlachthofsgebühren, ftimmung.) Einige Zeitlang hatte ich die Illusion, nicht nur räumlich, die Beseitigung der das Fleisch so außerordentlich verteuernden sondern auch tatsächlich im preußischen Abgeordnetenhause zu sein Ueberschüsse der Schlacht- und Viehhöfe. widerlegte Märchen; durch diese Ueberschüsse wird nach einer amt- jegt der Vorredner fißt. Aber das sind ja längst( Seiterfeit.) und eine Rede von der Seite zu hören, auf der lichen Breslauer Berechnung das Pfund Fleisch mit siebzehn der Landwirtschaftsminister das Kompliment nicht vorenthalten, ( Erneute Heiterfeit.) Ihm wird ja Hundertstel Pfennig belastet. die direkte Verbindung mit den Produzenten. Wir in Königsberg Die agrarischen Verbindungen, die der Vorredner vermißte, bestehen Weiter ist uns empfohlen worden vollkommen objektiv die Frage geprüft zu haben.( Heiterkeit.) haben einen Biehtommiffionär angestellt, aber sehr maßgebende Ber - ja im stärksten Maße; fie haben ihre Interessen und Forderungen treter der Landwirtschaft haben ihm erwidert, sie verkauften jegt zum größten Teile bei der Regierung durchgefeßt. Und da lieber an händler aus dem Westen zu teureren sollten wir nicht das Recht haben, wenn Reichstanzler und LandPreisen.( Seiterfeit.) Dann riet uns der Herr Landwirtschafts- wirtschaftsminister sich unseren berechtigten Anforderungen gegenüber minister in seiner bekannten geiftvollen Art zur städtischen Schweine so verhalten, auf die Not und das Elend des Volkes hinzuweisen? zucht. Aber die erfordert einen großen Verwaltungsapparat und( Sehr gut!) Daß viele selbständige Fleischermeister ihren Betrieb erhöht durch Zusammenbringung großer Schweinemassen gerade einstellen mußten, ist noch das geringste Uebel. Aber die Aerzte ernach agrarischer Auffassung übermäßig die Seuchengefahr. Schließ- blicken schon in diesem Umfange der Teuerung eine Gefahr für die lich hat die Zentralstelle der deutschen Landwirtschaftskammern fich Boltsgesundheit. Da müssen die Städte erklären, daß die Interals Vermittlerin zwischen den Produzenten und den städtischen effen der städtischen Bevölkerung Schaden nehmen. Verwaltungen angeboten. Sehr zuversichtlich heißt es in dem Schreiben, daß auf diesem Wege die städtischen Konsumenten be- auf Futtermittel. Warum nicht auch der Viehzölle? Die vorgelegten Refolutionen verlangen Herabfehung der Zölle Wohl könnten stimmt sehr viel billigeres Fleisch erhalten" würden. In der Tat mittels der Vorschläge diefer Leitfäße vorübergehend gewisse Eraber hat B. die Stadt Magdeburg fich burchaus vergeblich an leichterungen geschaffen werden, aber bauernde Abhülfe aus dem, diefe Zentralftelle gewandt. Der Zweifel, ob dieses Angebot über- was bevorsteht, zu schaffen, find fie nicht geeignet. Trotz der GrenzDer Vorstand schlägt Ihnen vor, außer mir als bisherigem haupt ernsthaft gemeint war, muß aber entschieden verstärkt öffnung würde bei den aufs Dreifache erhöhten Viehzöllen an ein Vorsitzenden zur Leitung der Versammlung zu berufen die Herren werden, wenn man in einem Artikel des Herrn Dekonomierats Herabgehen der Preise nicht zu denken sein. Deshalb hat auch der Oberbürgermeister Barth- Straßburg , Erzellenz, Beutler- Ring in der Landwirtschaftlichen Rundschau" lieft:" Die Städte Berliner Magistrat vom Staatsministerium die Aufhebung oder Dresden , b. Schuh- Nürnberg und Gauß- Stuttgart.( 8u- müßten an ihre soziale Pflicht erinnert werden, wenigftens zu ber- Serabfegung der Viehzölle verlangt. stimmung.) Das Schriftführeramt hat Herr Stadtrat Rams Iau- fuchen, bem Wolfe billiges Fleisch zu liefern. Dann werde man Berlin übernommen.
Kurz nach 10 Uhr eröffnete der Oberbürgermeister von Berlin , Kurz nach 10 Uhr eröffnete der Oberbürgermeister von Berlin , Kirschner, die Versammlung. Er führte in der Eröffnungsansprache
aus:
Der deutsche Städtetag tritt als ständige Einrichtung heute zum ersten Male zusammen. Von den in Frage kommenden größeren Städten haben fast alle, bis auf einen taum nennenswerten Teil, den Beitritt erklärt. Dazu gefellen sich durch den Beitritt einer Reihe Städtebunde eine größere Bahl von kleineren Städten. Wir begrüßen die Bertreter der Städte aus allen Bundesstaaten und aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes. Es ist das ein Beweis dafür, daß der Geift der Einheit in den deutschen Städten stark ist und gepflegt wird. Ein neues Band umschließt nunmehr die deutschen Städte. So wollen wir uns an erster Stelle, ehe wir an die Arbeit gehen, in der uns allen treuen Liebe für das deutsche Waterland deffen gedenken, der an der Spike des Reiches die Geschide des Vaterlandes mit unermüdlichem Eifer und starter Hand leitet.( Die Versammlung hatte sich erhoben und stimmte in das Raiserhoch ein.) Oberbürgermeister Kirschner teilt dann mit, daß von den Städten mit 25 000 Einwohnern 44 den Beitritt erklärt, von 3 Städten steht die Erklärung noch aus und von nur 3 Städten ist eine Absage erfolgt. Außerdem haben 7 Städtebünde ihren Beitritt erklärt. Der deutsche Städtetag fönne demnach als tonstituiert betrachtet werben.( Beifall.)
Wir können damit übergehen zur
Ronstituierung des Bureaus.
Als Referent au Punkt 1 der Tagesordnung:
Die Frage der Fleischversorgung der großen Städte und die bestehende Fleischteuerung crhält das Wort:
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sehen, wo die wahren Fleischberteurer fißen."( Bachen.) Das berrät einen ganz anderen Zweck, als den fachlicher Erörterung. Zum Schluß beschäftigt sich Redner mit der Stellung ber Reichsregierung und der einzelnen Bundesstaaten zu der Fleischteuerung.
Stadtverordneter Karl Mary Frankfurt a. M.( Vorsitzender des Deutschen Fleischerverbandes) nimmt die Viehhändler und das Schlächtergewerbe in Schuß. Die teuren Schweinepreise brächten dem fleinen Mann, der sich sein Schwein heranzüchte, auch keinen Vorteil, da der Ferkelverkauf sich für ihn dementsprechend verteuere. Wenn maßgebende Stellen den Deutschen Städtetag auch heute nicht mit ihrer Anwesenheit beehrt hätten, sei doch zu hoffen, daß die Verhandlungen hier mindestens davon überzeugten, daß das deutsche Bolt schwer unter der Fleischnot leide.( Bravo !)
Das dritte Referat au demfelben Gegenstand hat: Reichstagsabg. Syndikus Dove- Berlin: Die Frage der Magistratsrat Dr. Bech( München ): Jch bedaure nicht, Fleischteuerung ist der einzige fachliche Gegenstand der Verhand- daß ich vieles von den Vorrednern wiederholen muß. Denn diese lungen dieses Städtetages. Das allein beweist schon ihre Be- Gleichheit der Zustände in den räumlich entferntesten Gegenden ist 8weiter Bürgermeister Fahrig Münster hat einige grunddeutung. Welche ihrer Aufgaben sich bewußte Stadtvertretung ein Beweis mehr für unsere Anschauungen. Wir haben uns schon sägliche Bedenten gegen die Berallgemeinerungen im ersten Teil der tönnte aber auch an den Zuständen gleichgültig vorübergehen, die auf dem bayerischen Städtetag im Oktober zu Bamberg und auf der Resolution. Es dürfe nicht gefagt werden: die deutsche Landwirtfich auf dem Gebiete der Fleischversorgung heut überall entwickelt vom Ministerium des Innern einberufenen Fleischverforgungs- fchaft sei nicht in der Lage, das notwendige Vich zu produzieren. haben. Eine lange Zeit andauernde, unmäßige Teuerung des tonferenz mit der Frage der Fleischnot beschäftigt. Früher habe man ja auch gesagt: die deutsche Industrie tönne feine Fleisches muß zu einer Unterernährung des Boltes führen und Immer wird darauf hingewiesen, daß die bayerische Landwirtschaft Maschinen bauen, die müßten in England gekauft werden. Tausende damit nachteiligen Einfluß auf die Produktion ausüben. Zum Aus- in normalen Zeiten den Viehbedarf des Landes zu decken vermag. von Hektolitern Zerealien würden in Deutschland zur Spiritusgleich der Mehrausgaben für Fleisch sind Lohnerhöhungen erforder- Es wird aber dabei ganz übersehen, daß Bayern doch kein nach fabrikation verwandt; Fleisch sei aber notwendiger als Spiriins. lich ; die Produktion berteuert sich also. Diese Lohnerhöhungen außen abgeschlossenes Wirtschaftsgebilde, sondern ein Teil des Die Städte hätten auch ein vitales Interesse daran, daß die Hälfte werden vielfach erst durch Lohnkämpfe erzielt werden; es tritt also deutschen Absatzgebietes ist und daß ein Teil feiner Milchproduktion der deutschen Bevölkerung, die nicht in den Städten wohne, laufeine Störung des Produktionsprozesses ein. Endlich werden weite an andere deutsche Staaten geht. Deshalb ist Bayern an der mög- fräftig fei, denn der innere Markt sei doch der sicherste. Der atveite Kreise in ihrer Kauftraft geschwächt, so daß die inländische Pro- lichst ungehinderten Vieheinfuhr nicht nur aus seinen Nachbarstaaten negative Teil der Refolution sei ein Mißtrauensvotum; ob es Einbuftion nicht nur in ihrem Wettbewerb auf dem Weltmarkt schwer Desterreich, Schweiz und Italien , sondern auch aus Rußland , Däne- druck machen werde, sei sehr zweifelhaft. beeinträchtigt wird, sondern auch durch eine Verminderung des mark und Holland intereffiert. Vom Münchener Markt wurden in Stadtv. Singer: Mit den Vorträgen der Referenten bin ich im Absatzes auf dem Innenmarkt bedroht wird. jeber Woche 1000 Stud Großvieh nach westdeutschen Städten allgemeinen einverstanden. Aber sie haben wohl in dem Bestreben, Das Vorhandensein einer unmäßigen Erhöhung der Vieh- und exportiert; jetzt ist dieser Export allerdings um 200 Stück zurüd- möglichst wenig anzustoßen, die Ursachen der Lebensmittelnot nicht Fleischpreise wird nicht mehr bestritten. Aufgegeben ist die Be gegangen. Die Zahl der Schlachtungen ist in den erften zehn scharf genug bezeichnet: fie liegen in der agrarischen Naubpolitik, die hauptung, fie fei Mache der intereffierten Zwischenhändler. Tat- Monaten diefes Jahres gegen das Vorjahr in München zurück- in Deutschland betrieben wird.( Unruhe.) sächlich haben wir in Berlin für die letzten Jahrzehnte eine un- gegangen: an Ochsen um 1860 Stüd, an Schweinen um 11544 Stüd. Diese ganze agrarische Politit, die jetzt im materiellen Interesse unterbrochene Preissteigerung bei allen Biebgattungen, eine sprung. Dazu kommt das Mindergewicht und die geringere Qualität der einer Klaffe gemacht wird, ist umso verwerflicher als dieselben