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ftaft ske Me Verpflichtung iZkernoinmen hatte, einen ZweidritteljahreS» bedarf und den Kriegsbedarf aufLager zu halten. Ob Z 15 des Vertrages in der Weife auszulegen ist, wie Herr Erzberger meint, scheint mir fraglich. Wir sind übrigens bereits mit der Firma in Verbindung getreten wegen eventueller Abänderung des Vertrages. Zu einem abschließenden Ergebnis sind diese Verhandlungen noch nicht gekommen. Oberst Deimling: Herr Erzberger hat mich interpelliert wegen deS Telegramms, das von der Kapstädter Presse auf meine neulich hier getane Aeußerungen gestern hier angekvmmeii ist. In diesem Telegramm verwahrt sich die Kapstädter Presse gegen den Vorwurf, daß die Engländer sich weigerten, den Deutschen im Süden unserer Kolonie die nötige Verpflegung zuzuführen. Ich stelle fest, daß ich mich so niemals geäußert habe, im Gegenteil. Ich habe es stets dankbar anerkannt, daß die Engländer uns dort unten im Süden helfen. Ich habe gesagt, ich hätte den letzten Feldzug in die Berge gegen Morenga nicht unternehmen können, wenn die englischen Firmen nicht rechtzeitig mit Lieferung von Gewehren eingetreten wären. Wenn jemals durch Konkurrenzstreiligkeiten unter den beteiligten englischen Firmen Stockungen in den Lieferungen eingetreten sind, dann hat stets die englische Kapregierung dafür gesorgt, daß die Verpflegung nicht ins Stocken geriet, wir sind ihr also nur zu Dank verpflichtet. Was ich gesagt habe, war nur das, daß die englische Verpflegung es uns nicht erlaubte, eine genügend große Reserve im Süden aufzustapeln. die es uns ermöglicht hätte, die Operation gegen Morenga so energisch zu Ende zu führen, wie wir es hätten tun müssen. Das beweist uns eben, ich komme wiederum auf mein cstorurn censeo zurück die Notwendigkeit des Baues einer Bahn nach Keetmans- Hop.(Bravo I rechts.) Abg. Bebel(Soz.): Ich bin genötigt, zunächst eine Richtig- stellung vorzunehmen an einer Ausführung, die ich inr vorigen Jahre gemacht habe. Der Herr Abg. Lattmann hatte damals auf gewisse Preßäußerungen eines Kaufinanns G ö r n e, die in die Presse lanciert waren, Bezug genommen, nach denen ich einer Pri- vatunterhaltung mit diesem Herrn Anschauungen über unsere Ko- lonien entwickelt haben sollte, die im strikten Gegensatz zu den An- fchanungen gestanden hätten, die ich hier im Hause vertrete. Ich habe Herrn Lattmann geantwortet, daß diese Ansführungen total un- richtig seien, und fügte Hinz», daß ich aus Mitteilungen imHamburger Echo" entnommen habe, daß dieser Herr kein besonderes Vertrauen verdiene. Er habe diese Ansführungen wohl nur gemacht, um für seine Geschäftsspekulationen Reklame zu machen. Gegen meine Aus- führungen hat dann Herr Görne reklamiert. ich habe ihn an das Hamburger Echo" verwiesen und dieses hat am 30. Januar erklärt, eS habe sich überzeugt, daß eS unrichtig unterrichtet gewesen sei und nehme seinen Vorwurf unter dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Hiernach nehme ich selbstverständlich auch meine in dieser Beziehung gemachten Ausführungen ebenfalls zurück. Die Ausführungen des Herrn LegattonSratS Seitz bezüglich des Vertrages mit der Firma Tippelskirch waren äußerst schwach. Wenn der Vertrag weiter keinen Zweck gehabt hätte, als den, den er anführte. hätte ich dagegen nichts einzuwenden, denn es ist selbstverständlich, daß die Kolonien Bedürf- nisse erwecken, die bei der Neuheit des Kolonialwesens in Deutschland hier ohne weiteres befriedigt werden konnten. Dahin gehört in erster Linie die Fabrikation des so- genannten Khaki. Hätte man sich damit begnügt, auf eine mäßige Reihe von Jahren mit einer bestiminten Finna einen solchen Vertrag in bezug auf einige Artikel abzuschließen, dann wäre dagegen nichts einzuwenden gewesen. Wir haben aber gehört, daß der Vertrag sich auf eine ganze Reihe anderer Artikel bezieht, die auch von einer großen Menge anderer Firmen in Deutschland jeden Augenblick min- bestens so gut, nur weit billiger geliefert werden könnten. Das schlimmste aber ist, daß nachdem der erste Vertrag auf zehn Jahre abgeschlossen war, man im siebenten Jahre, als man doch schon genügend Er- fahrungen hatte, um zu sehen, wie die Entwickelung ging und als eS selbst im Interesse der Kolouialverivaltung liegen mußte, dafür zu sorgen, daß die Konkurrenzfirmen herangezogen wurden, um die Preise herabzudrücken daß man damals, noch ehe die zehn Jahre um waren, den Vertrag auf neue zehn Jahre ver- längerte. Das ist das Unerhörte, was vorgekommen ist. Und dazu hat man noch den Vertrag auf eine ganze Reihe weiterer Artikel ausgedehnt, die anderswo zweckmäßiger und billiger zu haben waren. War man denn in der Kolonialverwaltung so kurzsichtig, daß man nicht begriff, jetzt sei es an der Zeit, sich von der Firma unabhängig zu mawen? I Es scheint, daß der Vertrag unter dem jetzt beurlaubten Herrn Kolonialdirektor erneuert worden ist. Als vor einigen Monaten die bekannten Anklagen gegen Herrn Dr. Stübel und den Landwirtschaftsminister Herrn von Podbielski erhoben wurden, da war ich nicht eine Sekunde im Zweifel, daß, soweit die Person des Herrn Dr. Stübel in Frage kam, es ausgeschlossen war, daß er sich in irgend etwas eingelassen habe, was seinen Charakter irgendwie tan- gieren konnte. Ich war überrascht, daß man in der Presse es wagte, Herrn Dr. Stübel nach dieser Richtung hin anzugreifen. Das be- treffende Blatt ist ja auch verurteilt. Mini st er v. Podbielski hat es aber unterlassen, Klage einzureichen. Es ist richtig, daß Herr v. Podbielski der Firma beigetreten ist, bevor er Minister wurde. Sobald er aber Minister wurde, hätte er doch aus der Firma austreten müssen, denn er wußte, daß das Engagement, das er eingegangen war, ihn möglicherweise in seiner Stellung schädigen konnte. Er durfte deshalb überhaupt das Ministerportefeuille nicht annehmen, oder wenn er glaubte, dem Staate seine wertvollen Dienste nicht entziehen zu können, war er verpflichtet, aus der Firma auszutreten, komme was da wolle. Nun mag man sagen, die Firma konnte seine Einlage nicht ohne weiteres auszahlen. Ich erkläre: ein so glänzendes Geschäft mit einer so großartigen Dividende findet stets, wenn ein Teilhaber ausscheiden will, nicht nur zu jeder Stunde, fondern auch zu jeder Minute einen Finanzmann, der für ihn einttitt. Der erste beste Börsenmann würde den Anteil des Herrn v. Podbielski übernommen haben; vielleicht mit Einschluß der Dividende für das laufende Jahr. Also mit solchen Erzählungen komme man unS nicht. Wir und besonders Sie, die Begünstiger der Kolonialpolittk, haben alle Ursache, dafür zu forgen, daß die Integrität der Beamten geschützt wird. Als vor einigen Tagen einige Firmen, die damit um- gehen, ein großes Handelsunternehmen für Abessinien zu betreiben, ein Rundschreiben verschickten und in diesem auch zwei Herren des Auswärtigen Amtes mit ihren Titeln und Namen fungierten, also kein Zweifel bestand, daß damit eine Reklame gettieben wurde und die Verwaltung glaubte, nichts dagegen ein- wenden zu sollen, da ist ihr unter allgemeiner Zustimmung klar gemacht worden, daß so etwas unter keinen Umständen geduldet werden dürfe. Von dieser Ausfassung hätte meines Erachtens auch terr v. Podbielski ausgehen sollen. Er durfte eine solche tellung nicht eine Minute lang behalten, nach- dem er Mini st er geworden war. Er mag jetzt tun, was er will, er wird in weiten Kreisen des Hauses den Verdacht nicht abwenden, daß die außerordentlich gnnstigc» Verträge der Firma Tippelskirch seinem Einfluß mit zuzuschreiben sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Vor einem solchen Verdacht hätte er sich auf das allerstrengste hüten sollen. Alle Darlegungen hinsichtlich der Verbindungen mit dieser Firma vom Regierungstisch aus sind nicht stichhaltig. Zugegeben, daß eine Reihe von Jahre» die Notwendigkeit bestand, eine solche Firma, ich will einmal sagen, groß zu züchten, so rechtfertigt das die jetzigen Verträge nicht. Wenn hier vorgetragen ist, daß die Preise dieser Firma gegenüber denen anderer 50, 60 und 70 Proz. Differenz aufweisen, nicht bei Monopolartikeln, sondern bei Artikeln, die eine ganze Reihe anderer Firmen ebenso gut liefern können, dann mögen Sie reden, wie fie wollen, dann wird bei dem deutschen Volke der Glaube vorhanden sein, daß ganz außerordent- liche Momente bei der Preisbildung mitwirken. Die Konkurrenten, für die ich sonst ivenig geneigt bin einzutreten, haben in diesem Falle recht gehabt. Sie hatten Ursache sich zu beschweren, und wir sind sogar zu Dank verpflichtet, daß sie n»s zeigen, wie das deutsche Reich auf bas schwerste geschädigt ist. Wenn uns jetzt mitgeteilt! wird, die Firma sei geneigt, in eine Abänderung des Ber« trageS einzutreten, so glaube ich daS ohne weiteres. Sie sieht den Antrag Hompesch und sagt: Rette, was zu retten i st! tSehr richtig! links.) Wir müssen aber mehr verlangen I Es fragt sich, ob der Vertrag nicht so verklausuliert ist, daß die Kolonialverwaltung von diesem Vertrage nicht loskommen kann. Jedenfalls fordert in diesem Augenblick die Ehre der Firma, daß sie erklärte: Ich will mit diesem Vertrage nichts mehr zu tun haben. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Außerdem sagt ja der Anttag Honipesch gar nicht, daß keine Geschäfte mehr mit der Firma gemacht werden sollen, sondern nur, daß sie für nicht länger als ein Jahr abgeschlossen iverden sollen. Ich darf wohl annehmen nach dieser Richtung hoffe ich mich nicht zu täuschen, daß speziell das Firmenmitglied Herr v. Podbielski dafür sorgt, daß der Vertrag sofort aufgehoben wird.(Sehr richtig! links.) Ich werde mir erlaube, bei der dritten Lesung anzufragen, ob diese meine Erwartungen sich erfüllt haben. Der Abg. Lattmann hat sich heute wieder einmal als echter Kolonialoptimist gezeigt. Wenn man die Kolonial'chivärmer hört, sollte man glauben, daß in Südwestasrika. wenn man einen Spaten nimmt und gegen den Felsen schlägt, nicht nur Wasser heranskonimt. Wenn man nach Geld nicht zu fragen hat, kann man allerdings aus dem traurigsten Drecknest binnen ein paar Jahren ein Paradies machen. (Sehr richtig! bei den Soz.) Der Abg. Erzberger hat ausgerechnet, daß uns Südwestasrika schon 300 Millionen gekostet habe. Rechnen wir hinzu, was die nächsten Jahre kosten werden, dann kommen über 500 Millionen heraus. Wenn wir das Geld auf die Urbar- machung unserer Oedländereien verwenden würden, hätten wir mindestens drei Millionen Hektar unfrucht- baren Landes in prächtig st e Landschaft ver- wandeln können! Wenn aber ein solcher Vorschlag ge- macht würde. würde er bei den Kolonialenthusiasten den allergrößten Widerspruch erfahren. Dann würde» die Herren anfangen zu rechnen. Das Wort Kolonien aber hat einen magischen Einfluß, bei seinem Klange steht gewissen Leuten sofort der Verstand still. Kaum 1 Proz. hat das ausgegebene Geld ein- gebracht. Wenn die Herreu damit zufrieden sind, so besitzen sie doch außerordentliche Bescheidenheit. Ich wollte einmal sehen, was die Herren von der Rechten für Klagen anstimmen würden, wenn die land- wirtschaftlichen Betriebe sich so jämmerlich rentierten wie die Kolonien. Die verschiedensten Saltiverständigen in den Kolonien haben aus- gerechnet, daß auf ein Stück Großvieh 40 Hektar entfallen. Was würde ein deutscher Bauer sagen, wenn er eine solche Rente bekäme? Die Klagen über die Not der Landwirtschaft hätten dann allerdings die größte Berechtigung. In den Kolonien läßt man aber alle Grund- lagen jeder Staatswirtschaft und Berechnung schleu. Die Ausgaben werden auch noch größer werden. Ich beziehe mich dafür auf die Darlegung des Oberst Deimling, der uns klar gemacht hat, daß es noch eine ganze Reihe von Jahren dauern würde, um das Land zu beruhigen. Eine ganze Reihe von Jahren muß also die deutsche Herrschaft noch ihre Macht- mittel dort lassen, um jeden Versuch eines Ausstaudes niederzuhalten. Danach müssen noch Tausende von Mannschaften der Schutztruppe im Lande bleiben, um Pazifizierungsarbeiten vorzunehmen. Ja, es besteht die größte Wahrscheinlichkett, daß die verstärkte Schußtnippe dauernd in Südwestasrika erhalten werden muß. Oberst Deimling hat zii meiner Ueberraschung angeführt, der Aufstand glimme unter der Asche und bedürfe nur eines Lnftzuges, um zur Flamme zu werden. Alseinen solchen Lustzug bezeichnete er die äthiopische Bewegung. Der Gouverneur dagegen hat uns in seiner Denkschrift kategorisch erklärt, daß die äthiopische Bewegung aus Südwestafrika nicht den geringsten Einfluß ausübe. Ich war daher überrascht zu hören, daß auch dort ttotz der großen Entfernung die äthiopische Bewegung eine Gefahr für die Kolonie bilde. Ich nehme an, daß Oberst Deimling nicht eine leere Drohung ausgesprochen hat. Dann ergibt sich aber aus seiner Aeußerung, daß nach Ansicht der Herren, die sich als die Sachverständigen ansehen, eine bedeutend verstärkte Schutztruppe dauernd gebraucht werde. Der Abg. Lattmann hat weiter gemeint, es sei dringend nötig, das Aufkommen einer MischlingSrasse zu verhüten. Ich hätte gern von ihm gehört, wie er sich diesen schönen Plan denkt.(Heiter- keit.) Man müßte dann doch in erster Linie die Edel- germanen fernhalten, die als Erzeuger in Frage kommen. Auf der anderen Seite müßte man vorschreiben, daß überhaupt kein unverheirateter Weißer einwandern darf. daß jeder, der einwandert, seine Frau oder Braut mitbringen muß.(Heiterkeit. Zuruf des Abg. M ü l l e r- Meiningen: Seine Kusine! Stürmische Heiterkeit.) Der Abg. Lattmann hat die Einziehung des Landes für eine außerordentlich gerechte und ver- nünftige Maßregel gehalten. Ich stehe gar nicht an zu erklären, ich halte sie für die denkbar verkehrteste. Ich sehe das als direkte» Raub an.(Sehr richtig l) Was würden Sie(nach rechts) denn sagen, wenn man Ihnen auf gleicher Weise daS Land nehmen wollte? Es steht doch auch fest, daß gerade der früher schon berührte Landraub die H a u p t u r s a ch e für den Aufstand gewesen ist. Ich will nicht die alten Debatten, die wir seit drei Jahren gehabt haben, wieder aufrühren; wenn man aber die Bedingungen über die Landeinziehnng hört, dann kommt es einem doch so vor, als ob überhaupt kein Land übrig bleibt. Gerade die Missionare sind eS, die auf die Seite der Eingeborenen getreten sind und gesagt haben, die Hauptursache des Auf- standeS fei, daß man den Eingeborenen die einzige Existenzmöglichkeit genommen habe, indem man ihnen daS gute Land entzogen und sie auf das schlechte gesetzt habe. Die Kolonial- Verwaltung spricht von dem Lande, das die Weißen auf Grund der Verträge beanspruchen könnten. Wir wissen aber, daß dahin Ver- träge gehören, wie sie zum Beispiel mit Samuel Maharero ab- abgeschlossen sind, der gar kein Recht hatte, solche Verträge abzuschließen. Mit der Verordnung, die im Dezember er- lassen ist, haben die Kolonialleute das erreicht, worauf sie von den ersten Monaten des Aufstandes an hingewiesen haben. (Sehr richtig I links.) In den ersten Monaten war in der kolonial- begeisterten Welt einstimmig die Ansicht vorhanden, daß eigenttich dieser Aufstand gar nichts Böses sei, daß er im Gegenteil wie ge- rufen komme, weil er den schönsten Borwand liefere, den Schwarzen das Land zu nehmen und es den Ansiedlern zuzuweisen. Dieser Zustand ist jetzt herbeigeführt. Herr Lattmann rechtfertigt den Raub damit, daß er sagt, die Schwärzen seien mulwillige Empörer. Wieso? Man hat doch die Leute dazu gedrängt, Empörer zu werden! Wenn die Eingeborenen so behandelt werden, wie es geschehen ist. haben sie ein Recht zur Empörung. Nur Feiglinge und Schlvächlinge würden es nicht getan haben. Der Abg. Lattmann sagt, die Missionare. erklärten es für ganz in der Ordnung, daß den Schwarzen das Land genommen wäre; vielleicht ist diese Angabe ebenso war wie die neuliche, daß es ein Programmpunkt der Sozialdemokratie sei: noch ruppiger zu werden. Seine Angabe über die Ansichten der Missionare wiirde allem wider- sprechen, was man früher gehört hat. Gewiß, die Regierung hütet sich jetzt gegen die OvamboS vorzugehen. Von anderer Seite wird aber schon aufgefordert, jetzt auch schon mit diesem Stamme reinen Tisch zu machen. Die Negierung ist in diesem Augenblicke vernünftiger. ich hoffe, sie wird es dauernd bleiben. Ich stimme hier heute noch dem Grasen Caprivi zu: Es wäre mir am liebsten, wenn wir so bald als möglich aus Südwestafrika heraus wären. Wir haben jedenfalls guten Grund, die Augen offen zu halten und gegen jedes Andrängen der Kolonialfteunde uns zu wehren. Ein Sachverständiger hat berechnet, daß man im höchsten Fall 20 000 Kolonisten m Südwestasrika unterbringen könnte. Mit allen Beamten. Handwerkern und Schutztruppen zusammengerechnet würde man höchstens 160 000 Menschen dort unterbringen können. Und dnzu wenden wir jedeS Jahr Dutzende und aber Dutzende von Millionen auf. Das ist etioas, was wir unter keinen Umständen mitmachen. Selbst dieKölnische Volkszeitung" hat in einem Artikel gefragt, ob es sich lohne, überhaupt noch Ausgaben für die Kolonien zu machen. Militärischen Wert hätten sie überhaupt nicht, als Flottenstationen kämen sie nicht in Betracht. sie hätten nur Wert für die Lieferanten. Wenn ivir nur hier im Hause vom Zentrum etwas gehört hätten, was dem entspräche. Es mag wohl manchen im Zentrum geben, der ebenso denkt, aber mit dieser Ansicht nicht hervorzutreten wagt.(Sehr richtig! links.) Herr Lattmann hat nun besonderes Lob dem Gouverneur L i n d e g u i st gespendet, an seinsn Amtsantritt sind ja alle möglichen Hoffinmgen in der kolonialen Presse geknüpft worden. Ich kenne Herrn v. Lindequist nicht und habe keine Ahnung, ob diese Hoffnungen Aussicht auf Erfüllung haben. Aber die erste Amtshandlung des neuen Gouverneurs, hat bei mir gerade keine günstige Meinung von ihm erweckt. Er hat bei seiner An- knnft in Swakopmund einer größeren Zahl von Hereros eine Standrede gehalten, um ihnen zu sagen, wie unrecht sie gehandelt hätten, sich wider die deutsche Regierung zu empören, sie hätten dazu gar keine Ursache gehabt. Und nachdem er dann mit der Straf - predigt fertig war, fragte er sie:Habt Ihr alles verstanden?" Antwort einstimmig:Ja."(Heiterkeit.)Gebt Ihr zu, daß Ihr den Krieg grundlos angefangen und selbst an den Folgen schuld seid?"Ja. wir wissen das I"(Große Heiterkeit links.)Habt Ihr Vertrauen zu mir. daß ich Euch stets mit Gerechtigkeit und Wohlwollen entgegenkommen werde?"Ja, wir vertrauen Dir." (Erneute große Heiterkeit.) Wehe ihnen, wenn die Antwort nicht so gelautet hätte!(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Liegt die Sache so, dann werden die Hoffnungen, die Herr Lattmann und seine Freunde hegen, nach keiner Seite hin gerechtfertigt werden. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Arendt(Rp.) polemisiert gegen den Abg. Bebel: Bei der Rentabilitätsberechnung der Kolonien sollte man doch auch die Fehler in Betracht ziehen, die durch die falsche Sparsamkeitspolilik der Kolonialgegner gemacht sind. Das Land hat den Hereros nie gehört, sondern ihren Häuptlingen, deren Sklaven sie waren. Sie haben also nur Vorteile von der deutschen Herrschaft. Herr Bebel rügt es, daß in der Zentrumspartei nicht jeder frei aussprechen kann, was er meint. Na, bei der Sozialdemokratie(Heiterkeit), da darf ja jeder sagen, was er will, gewiß!(Heiterkeit.) Es kommt aber aus die Folgen an. Bei der Sozialdemokratie richten sich diese Folgen nach dem Satze: Wer nicht pariert, fliegt raus!(Sehr gut! und große Heiterkeit rechts und in der Mitte) Auch ich bin gegen die Monopolvertrüge, aber Herr v. Podbielski ist unschuldig.(Hört! hört! rechts.) Mein An- trag ist besser als der des Abg. Graf Hompesch. Das Reich mutz auch der Firma Tippelskirch seinen rechtlichen Verpflichtungen nach- kommen. Es kann keine Scheinmanöver machen.(Sehr richtig I rechts.) Redner wünscht, daß der Bau der Bahn Windhuk-Rehoboth so sänge verschoben wird, bis die Bahn Swakopmund-Windhuk vollspurig umgebaut ist. Dagegen ist die Bahn Kubub-KeetmanShop dringend notwendig. Erbprinz zu Hohenlohe: Nach den Ausführungen des Abg. Bebel könnte es den Anschein haben, als ob die Tatsache, daß Herr v. Pod- bielski Mitglied der Firma Tippelskirch ist, Einfluß auf die Verträge mit der Firma gehabt hat. Von einer solchen Beeinflussung kann aber nicht im entferntesten die Rede sein. Ich habe die Erklärung abgegeben, daß sich die Kolonialverwaltung in keiner Weise darum kümmert, wer zufällig Mitglied einer Firma ist. Ich hoffe, daß diese Erklärung bei der Mehrheit des Hauses Beifall finden wird. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Schräder(srs. Vg.): Der Abg. Bebel hat heute wieder einmal gegen die sogenanntenKolonialschwärmer" polemisiert. ES gibt aber auchschwärmerische" Kolonialgegner, Leute, die in ihrer Gegnerschaft jedes Maß und Ziel vergessen lassen. (Beifall rechts.) Ich bin mit dem Abg. Bebel ganz darin einig. daß wir für längere Zeit die Schntztruppe nicht entbehren können. Wir müssen im übrigen eine Kulturpolitik treiben, in erster Linie also Eisenbahnbau. Ich sehe gar nicht ein, warum nicht gleichzeitig die Bahn Windhuk Rehoboth und Kubuk Keetmanshop gebaut werden können.(Abg. Dr. Arendt: DaS würde keine Mehrheit finden.) Ich sehe gar nicht ein, warum die Mehrheit dieses Hauses nicht vernünftigen Erwägungen zugänglich sein solle. Ein großer Teil der Kosten würde schon dadurch gedeckt sein. daß wir an den Viehtransporten große Ersparnisse durch den Bahnbau machen werden, besonders bei der nach Keetmanshop. Diese Bahn führt übrigens auch durch ein Gebiet, das der Er- schließung wohl lohnt. Ob freilich der Bahnbau so schnell möglich sein wird, wie man sich hier vielfach vorstellt, scheint mir recht zweifelhast. Jedenfalls könnten wir durch gleichzeitige Jnangriff- nähme der beiden Bahnen das Land völlig erschließen. Die Kosten für die Verzinsung der Bausumme kämen schon gegenüber den Er- sparnissen bei der Schutztruppe gar nicht in Betracht.(Bravo ! rechts und bei der frs. Vg.) Hierauf wird die Weiterberatung auf Sonnabend, 1 Uhr, vertagt. Schluß 6 Uhr._ Hbgcordnetcnbaud. 50. Sitzung vom Freitag, den 23. März vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. B e t h m a n n- H o l l w e g. Präsident Kröcher teilt mit, daß der Kaiser dem Hause ein Gruppenbild der kaiserlichen Familie mit eigen- händigcm Namenszug überwiesen habe. Er werde das Bild im Arbeitszimmer des Präsidenten anbringen lassen. Auf der Tagesordnung stehen der Gesetzentwurf betr. Per- mehrung der Mitglieder des Hauses der Abgeordneten und Aenderungen der LandtagSwahlbezirke und Wahlorte und der Gesetz- entwurf betr. Abänderung der Vorschriften über das Verfahren bei den Wahlen, zum Haufe der Slbgeordneten. Die Besprechung beider Vorlagen wird auf Antrag des Abg. Dr. v. Heydebrand(k.) verbunden. Minister des Innern v. Bethmann-Hollweg : Die Gesetzentwürfe sollen in erster Linie dazu dienen. daS Zustandekommen der Wahlen auch in größeren Wahlkreisen zu sichern, den Obstruktionsgelüsten. die sich noch 1903 gezeigt haben, so viel wie möglich zu begegnen. Die Entwürfe bilden eine untrennbare Einheit, wesentliche Aenderungen ihres Inhalts würde deshalb die Regierung nicht annehmen können. Sie hofft auf Zustimmung um so mehr, als die Vorlage qualitativ, wenn auch nicht quantitativ den Wünschen deS Hauses entspricht. Wir haben deshalb in erster Linie die Frist- wähl und die Gruppenwahl eingeführt. Nun werden wir ja hier wieder hören, daß die Entwürfe blutwenig brächten.(Sehr richtig! links.) Die Frage einer Neueinteilung hat dieses Haus wiederholt beschäftigt. Ter eine Teil dieses Hauses hat eine generelle Neu- eiuteilung gefordert, der andere hat sich mehr auf historischen Boden gestellt. Die Regierung hat sich dem letzteren Standpunkt an- geschlossen. Da halte ich es für müßig, die Gründe für und gegen zu wiederholen. Eine Adoption des Reichstagswahlrechts ist für uns unannehmbar.(Beifall rechts.) Man wirft mir Notgcsetze vor. Wenn es mir gelingen sollte, wirkliche Nöte abzustellen, so würde ich mir darin genügen lassen(Beifall), weil der Geist doch immer noch ctwaS mehr ist als die Form.(Beifall rechts.) In gewisser Hinsicht beneide ich die Anhänger deS ReichstagswahlrechtZ, sie haben es furchtbar einfach(Heiterkeit rechts), die Schablone ist vorhanden. Das Reichstagswahlrccht ist für die Kämpfer in einer großen Zeit geschaffen. Diese Zeit war von dem unbedingten Ver- trauen beherrscht. Man legte die Geschicke des Reiches in die Hände gleichberechtigter, kampferprobter Männer. Und heute? Besteht nicht überall ein bitteres Gefühl der Unlust in unserem öffentlichen Leben? Die Geschichte wird unserer Zeit einst das Zeugnis ausstellen, daß wir dahin gewirkt haben, die ärmeren Schichten an den Wohltaten der Zivilisation teilnehmen zu lassen. Aber sie wird uns auch den Tadel nicht ersparen, daß wir in eine Abhängigkeit geraten sind, die nicht zu ertragen ist.(Sehr richtig! rechts.) ES ist ein Unheil, daß wir alle Gesetze abhängig machen müssen von der Wirkung aus die Sozialdemokratie.(Sehr wahr! rechts.) Es ist ein Unheil, daß unsere Presse nicht mehr in ihrer Gesamtheit das Echo einer selbständigen unabhängigen Partei- Politik ist, sondern umgekehrt eine Diktatur auszuüben beginnt, di«