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Nr. 81. 23. Jahrgang.

Reichstag .

1. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt.

85. Sigung bom Donnerstag, den 5. April, bormittags 11 hr.

Am Tische des Bundesrats: Fürst Bülow , Graf Posa bowsky, b. Tschirschty, Freiherr v. Stengel.

Haus und Tribünen sind gut besetzt.

Das Haus ehrt das Andenten des Donnerstag früh um 6 Uhr verstorbenen Abgeordneten Meister( Soz.) durch Erheben von den Blägen. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Etats für den Reichskanzler und die Reichskanzlei.

Reichskanzler Fürst Bülow :

Meine Herren! Ich möchte die erste Gelegenheit ergreifen, die sich mir bietet, um mich nach dem materiellen Abschluß der Konferenz von Algeciras vor diesem hohen Hause über unfere Marokko - Politik

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eine

Freitag, 6. April 1906.

wäre. Aber troßdem müssen wir die Frage, ob es besser gewesen Zeitpunkt für sein Auftreten selbst wähle. M. H.! Wir haben sicher­wäre, angesichts der Geringfügigkeit unserer wirtschaftlichen Interessen lich Interesse an der Aufrechterhaltung des Prinzips der offenen in Marokko uns passiv zu verhalten, uns als quantité negligeable Tür in Marokko . Aber der Vertrag vom 14. April 1904 zwischen behandeln zu lassen, berneinen! Man hätte dann von unserer England und Frankreich hat dieses Prinzip auf 30 Jahre stipuliert, Friedensliebe eine zu weitgehende Meinung gehabt und geglaubt, und es wäre also nur die Frage gewesen, ob es nicht möglich war, daß wir auch in anderen Fällen, in denen wir entschiedenere Inter - daß an Stelle dieser Bestimmung die des freien Handels im Vertrage essen zu vertreten gehabt hätten, allzu nachgiebig gesinnt von 1880 getreten wäre. Die Situation für Deutschland lag aller­sein könnten, zumal kaum je so wie in diesem Falle das Recht unzweifel- dings dann sehr eigentümlich. Denn der Vertrag vom 8. April 1904 haft auf unserer Seite war.( Bravo ! rechts und im Zentrum.) war auch von Stalien, Spanien und Rußland gebilligt, also von Die sensationellen Enthüllungen des" Matin" tönnen ja nicht als drei Mächten, die an dem Vertrage von 1880 intereffiert waren. authentisch gelten, aber ein gewisses Unbehagen haben sie doch zurück- Fünf Mächte hatten demnach bereits ihre Zustimmung zu dem Vertrage gegeben. Gleichwohl wäre es unseres Erachtens not­gelassen; denn wo Rauch iſt, iſt auch Feuer. Schon die Tatsache, daß eine Verständigung erzielt worden ist, wendig gewesen, daß Deutschland in dieser Beziehung sein Inter­ist als ein erfreulicher Erfolg für Dentschland zu begrüßen. Ja, effe wahrte. Ich möchte aber hervorheben: Wenn der sogar daß überhaupt eine Konferenz der europäischen Mächte zu- Reichskanzler die Notwendigkeit anerkennt, den Reichstag ſammengebracht werden konnte, ist von unserem Standpunkt aus über diplomatische Frage zu unterrichten, daß er denn jede fühlt in solcher Lage in das möglichst ausreichend tue. Aber dem Gelbbuch gegen lebhaft zu begrüßen; sich das gesteigerte Verantwortlichkeitsgefühl, für eine Friedens- über zeigt fich die Stellung des deutschen Reichstages störung mitverantwortlich zu sein. Was die einzelnen Bestimmungen im Verhältnis zur französischen Deputiertenkammer als angeht, so haben wir besondere Borteile weder gesucht noch erwartet! eine geradezu flägliche, die ganze Unbedeutendheit, die auszusprechen. Sie werden es auf der anderen Seite verstehen, Ich glaube, daß es in Algeciras weder Besieger noch Besiegte ge- der Reichstag in in bezug auf die Auslandspolitik Besitzt, wenn ich heute meine Worte sehr sorgsam abwäge, nicht nur, weil geben hat.( Zustimmung.) Wir erblicken in der getroffenen Ver- tommt zum Ausdruck. Das deutsche Weißbuch enthält 28 Aften­der formale Abschluß der Konferenz noch nicht erfolgt ist und noch ständigung eine verstärkte Bürgschaft für ein dauernd friedliches und stücke auf 27 Seiten. Das französische Gelbbuch dagegen 368 Aften­in feinem anderen Barlamente das Ergebnis der Konferenz und die freundliches Nebeneinanderbestehen der beiden großen Kontinentalmächte. stüde auf 323 Seiten. Nun wird in den meisten Aftenstüden darauf Maroffofrage(?) besprochen worden sind, sondern auch weil ich die In dieser Hoffnung bestärkt uns das wunderbare Ereignis der hingewiesen, daß es insbesondere das Verhalten des französischen erreichte, die mühsam erreichte Verständigung nicht beeinträchtigen legten Tage. Mit großer Freude haben wir anläßlich des furcht- Gesandten in Fez gewesen sei, das die deutsche Regierung zu ihren oder trüben will. Will man unsere Maroffopolitik richtig ver- baren Grubenunglücs in Courrières deutsche Bergleute zu Hülfe Vorgehen veranlaßt habe. Es wird nämlich darauf hingewiesen, stehen, so muß man zu ihrem Ausgangspunkte zurückkehren, will eilen sehen. So trägt wohlwollende Gesinnung über trennende daß der französische Gesandte dem Sultan erklärt habe, er stelle man das Ergebnis richtig würdigen, den Anfang mit dem Ende politische Gegenfäße hinweg.( Lebhafter Beifall.) die Forderungen im Namen Europas , und und demgegenüber vergleichen. Eine Zeit der Beunruhigungen liegt hinter uns. Es An Bundesgenossen stand uns während der Konferenz nur war Deutschland zweifellos berechtigt, Einspruch zu erheben. gab Wochen, wo der Gedanke einer triegerischen Verwickelung sich Desterreich- Ungarn mit unwandelbarer Treue zur Seite. Wenn man näher zufieht, so muß man gegen die Versicherungen des der Gemüter bemächtigte. Wie kam das? Waren Lebensinteressen Möge das energische und besonnene Eintreten dieses unseres Nachbar- Sultans mißtrauisch sein. Nicht allein hat der Sultan von Marokko des deutschen Boltes bedroht, so daß die Leitung unserer aus- staates für die Sache des Friedens uns noch über manche Fährlich- erklärt, daß der französische Gesandte eine derartige Erklärung ab­wärtigen Bolitit daran denken konnte, die Machtfrage aufzuwerfen? feit hinweghelfen, und möge es ihm auch im Inneren gelingen, gegeben hat, sondern es ist auch wiederholt dem deutschen Gesandten Sollten wir, wollten wir um Marotto Krieg führen? Nein, meine diejenigen Krisen zu überstehen, die diesseits und jenseits der Leitha gegenüber bestätigt worden, daß der Sultan Frankreich gegenüber Herren: um Marotto nicht! Wir haben in Marokko keine direkten noch bestehen.( Beifall.) Zusicherungen über die Annahme von Reformen gemacht hat. politischen Interessen, wir haben dort keine politischen Aspirationen. Die Haltung Italiens hat eine gewisse Beunruhigung her- den Aften ergibt sich, daß man in Marokko dankbar war für die Wir haben weder, wie Spanien , eine jahrhunderte alte mauriſche vorgerufen. Wir haben vollstes Butrauen zu den maßgebenden franzöfifchen Reformen, die in Vorschlag gebracht waren und daß der Vergangenheit, noch, wie Frankreich , eine Hunderte von Kilometern Kreisen Italiens , aber in der italienischen Breffe haben sich die Maghzen bereit war, die Reformen einzuführen. Erst im Dezember 1904 Lange Landesgrenze mit Marokko . Wir haben keine mit großen Stimmen gemehrt, die wir nur tief beklagen können. Das entspricht machte der französische Gesandte die Bemerkung, daß bei der ma­Opfern erworbenen historischen oder militärischen Rechte wie dem Wachstum des Radikalismus und der revolutionären Tendenzen rokkanischen Regierung ein Widerstand gegen die französischen Reformen diese beiden europäischen Kulturländer. Aber wir hatten in Italien . Möge es der italienischen Regierung gelingen, einen eingetreten war, und der französische Gesandte ist der Meinung ge­wirtschaftliche Interessen an einem selbständigen und unab- Ausgleich zwischen den staatlichen und den kirchlichen Interessen zu wesen, daß dieser Widerstand im wesentlichen hervorgerufen sei durch hängigen, bisher noch wenig erschlossenen, zukunftsreichen Lande. findan, damit die konservativen Elemente ihr kirchliches Interesse mit die Unterstützung, die dem Sultan seitens des deutschen Gesandten Wir waren Teilhaber einer internationalen Konvention, die das der Teilnahme am öffentlichen Leben vereinigen können.( Lebhafter zuteil geworden. Das geht aus einem Schreiben des französischen Prinzip der Meistbegünstigung enthielt. Wir hatten einen Handels- Beifall im Zentrum.)" Das würde auch unsere feste Bundesgenossen- Gesandten vom 5. Februar 1905 hervor. Da war in Deutschland bertrag mit Marokko abgeschlossen mit dem Recht der meist schaft stärken! die Absicht vorhanden, die Dinge in Marotto in ein anderes Fahr­begünstigten Nationen. Darüber nicht ohne unsere Zustimmung Was England betrifft, so bin ich auch der Ansicht, daß die wasser zu leiten. Es war ein Wandel in der deutschen Politik ein­verfügen zu lassen, war eine Frage des Ansehens der deutschen Haltung Englands auf der Konferenz durchaus loyal war. Unser getreten, und der Sultan hatte seine Haltung seine Haltung gegenüber Politit, der Würde des Deutschen Reiches , eine Frage, in welcher Verhältnis zu diesem Lande kann nur ein freundliches sein, weil es Frankreich geändert! Wenn ich durch etwas überrascht wir nicht nachgeben durften.( Lebhaftes Sehr richtig! rechts und ein friedliches sein muß.( Sehr wahr! im Zentrum und links.) worden bin, dann durch die Mitteilung des Reichskanzlers, bei den Nationalliberalen.) Daraus folgt, was wir in der Marokko- Was Rußland betrifft, so muß ich allerdings der Verstimmung der meinte, daß die ganze maroffanische Angelegenheit eigentlich frage wollten und was nicht. Wir wollten nicht in Marokko selbst Ausdruck geben, die in allen nationalen Kreisen herrscht über die eine ziemlich unbedeutende gewesen sei. Es ist doch auffallend, daß festen Fuß fassen; denn darin hätte eher eine Schwächung als eine Anweisung des russischen Ministers an den russischen Vertreter in gegenüber einer solchen Erklärung der Kaiser in eigener Person Stärkung unserer Stellung gelegen. Wir wollten Ansprüchen anderer Baris. Wenn auch die erste Veröffentlichung des Temps" den mobil gemacht wird, um eine Reise dahin zu unternehmen. Diese Mächte keinen schifanösen oder überhaupt irgend einen Widerstand Schlußfaz fortgelaffen hatte, in dem von der gleichmäßigen Wahrung Reise hat in der ganzen Welt ungeheures Aufsehen erregt und viel­entgegensegen, solange die deutschen Rechte und Intereffen geschont der Ehre Deutschlands die Rede war, so ist doch in dieser Anfach außerordentliche Mißstimmung erzeugt.( Sehr wahr! bei den und geachtet wurden. Wir wollten uns auch nicht mit weisung auch nach der Ergänzung noch recht viel Unfreundliches Sozialdemokraten.) Man bestreitet, daß dadurch der Widerstand des England deshalb reiben, weil dieses in dem Vertrage vom übrig geblieben.( Sehr wahr auf allen Seiten des Hauses.) April 1904 eine Annäherung an Frankreich gefunden hatte; denn

Das haben wir um Rußland nicht verdient!

Nordamerika ist nicht auf der Konferenz vertreten gewefen. Wäre es vertreten gewesen, so würde es im Interesse des Friedens gewirkt haben. Dankbar erinnern wir uns des Eingreifens seines Präsidenten zur Beendigung des russisch - japanischen Krieges.( Sehr wahr! im Zentrum.) Unser Verhältnis zu Nordamerika muß ein gutes sein, ich kann nur an vorübergehende Verstimmungen, nicht aber an dauernde Mißstimmung glauben.( Sehr wahr! im Zentrum und links.) In diesem Sinne begrüße ich auch den Profefforen austausch.( Schallende Heiterkeit.) Für die Wissenschaft wird nicht viel dabei herauskommen( Große Heiterkeit und Sehr richtig! im Bentrum und links), aber es ist recht nüglich, wenn die Spigen der Intelligenz sich verstehen lernen.

Aus

Sultans gegen den französischen Gesandten gesteigert worden ist. In einer der Reden ist aber ausdrücklich gesagt, der Besuch gelte dem Sultan als unabhängigen Herrscher. Man wird doch zugeben müssen, daß eine derartige Aeußerung das Selbstbewußtsein des

Es wird immer auf die Haltung Englands hingewiesen. Aber man nehme einmal an, der König von England hätte die Reise nach Tanger unternommen und hätte ähnliche Reden gehalten! Was wäre die Folge gewesen, die ein solches demonstratives Verhalten in Deutschland gehabt hätte?

Als Delcassé am 9. April davon hörte, daß der Sultan fich aus naheliegenden Gründen für eine internationale Konferenz erklärt habe, war er sehr unangenehm davon berührt. Er nahm die Gelegenheit wahr, auf einem Diner in der deutschen Botschaft mit dem deutschen Gesandten Rücksprache zu nehmen. Delcaffé erklärte sich bereit, falls noch irgend welche Mißverständnisse Das geschah am 13. April. vorlägen, jede Aufklärung zu geben. Der deutsche Gesandte erwiderte, er könne die Frage nicht beantworten, er werde nach Berlin berichten, und es fand ein Depeschenwechsel statt. Auf französischer Seite machte sich die Auffassung geltend, daß Deutschland zum Kriege treiben wolle, und Delcassé erklärte sich bereit, einzulenten. Inzwischen hatte sich der marokkanische Gesandte geweigert, die Zusage Marottos Frankreich gegenüber zu halten. Jedenfalls geht aus all dem hervor, daß durch die Reise des Kaisers nach Tanger das

in diesem Vertrag verfügt England, was Marotto anbetrifft, nur über seine eigenen Interessen, und was Aegypten betrifft, so hatte es( Sehr wahr!) Wir sind ihm stets ein freund in den uns angehenden Fragen nachträglich unsere Zustimmung licher Nachbar gewesen.( Erneutes Sehr richtig! Sultans steigern mußte. Wenn in einer späteren Rede erklärt wird, herbeigeführt. Was wir wollten, war: zu befunden, daß das Deutsche Wir hoffen, daß es in die Reihe der Kulturstaaten endlich der Kaiser werde sich mit dem Sultan ins Einvernehmen Reich sich nicht als quantité négligeable( unbeachtliche Größe) be- einrücken möge( Sehr gut! im Zentrum und links) und wünschen, setzen, so wird auch eine solche Aeußerung wieder in Verbindung ge­handeln läßt( Sehr richtig! rechts), daß die Basis eines internatio- daß es sich dann auch uns gegenüber freundlich verhält. bracht mit der ungeheuren Ehre, die dem Sultan durch den Kaiser, nalen Vertrages nicht ohne Zustimmung der Signatarmächte verrückt Ein dauernd geschwächtes Rußland ist im Interesse des einem der mächtigsten Kaiser der Welt, zuteil wird, der die Reise werden darf, daß zu einem so wichtigen, selbständigen, an zwei europäischen Friedens nicht zu wünschen. Der Wunsch nach einer unternahm, um dem Sultan jene Versicherung zu geben. Welthandelsstraßen gelegenen Wirtschaftsgebiet die Tür für die Frei- Gesundung Rußlands geht aber doch nicht soweit, daß ich wünschen heit des fremden Wettbewerbes offen gehalten werden muß. Das möchte, daß das deutsche Kapital sich an der Gesundung beteiligt. geeignete Mittel, dies Ziel auf friedlichem Wege zu erreichen, war die( Große Heiterkeit im ganzen Hause.) Einberufung einer neuen Konferenz. Ich habe in den Zeitungen hie und da gelesen, daß wir mit einem französisch- deutschen Separat­abkommen mehr erreicht haben würden. Ich weiß nicht, ob ein solches überhaupt möglich gewesen wäre und ob nicht bei einem Versuch dazu im Gegenteil die Gegensäße sich noch mehr verschärft haben würden. Jedenfalls würden wir damit von vornherein unsere feste auf einem internationalen Vertrage beruhende Rechtsstellung geschwächt haben. Unser Vertrauen in die Sicherheit, die durch eine feste Rechtsgrundlage gewährt wird, war so groß, daß wir auf die Kon­ferenz drängten, obwohl jedermann wußte, daß drei Großmächte burch Separatablommen an Frankreich gebunden waren, eine vierte ihm alliiert, wir also unsere Forderungen auf der Konferenz gegen eine Mehrheit der Großmächte durchzusehen hatten. Das Vertrauen, Wie fommt es, daß wir troß unserer notorischen Friedensliebe von dem ich vorhin sprach, hat uns nicht getäuscht. Gewiß hat ja im Auslande so angefeindet werden? Wir haben in Rußland den die Konferenz länger gedauert, als man erwartet hat. Die Sache furchtbaren Vorstoß der Revolution erlebt; die revolutionäre Presse war eben nicht leicht. Es gibt auch in der Diplomatie wie im sprach es aus, daß dieser Vorstoß in anderen Ländern Folgen haben bürgerlichen Leben wichtige Angelegenheiten, über die länger ver- müsse. Solche revolutionären Bestrebungen stoßen aber auf Wider Selbstbewußtsein des Sultans von Marokko gesteigert worden ist. handelt wird.( Heiterfeit.) Ich bin unseren Delegierten die Aner- stand bei dem mächtigen Deutschen Reiche, das als Hort chriftlicher Jetzt macht allerdings von allen in Algeciras vertretenen Mächten fennung schuldig, daß sie die deutschen Forderungen mit ebensoviel Kultur alle revolutionären Austürme mit voller Macht abwehrt. Der Sultan das allerbetrübteste Gesicht, weil er durch den Festigkeit und Bähigkeit wie Umsicht vertreten haben.( Beifall.)( Bravo ! rechts und im Zentrum.) Darin erblicken wir einen Grund Verlauf der Konferenz enttäuscht ist. Nach 1895 wurden Die einzelnen Konferenzbeschlüsse sind durch die Presse veröffentlicht der Abneigung, welche die revolutionäre Presse des Auslandes ja auch die Chinesen enttäuscht durch die deutsche Politik. und Ihnen bekannt. Ich will sie in diesem Augenblick nicht nähet gegen Deutschland schürt. Es ist ferner bon dem. Zickzacfurs, Damals trat Deutschland beim Frieden von Shimoniseti für China erörtern und auch hinsichtlich des Gesamtergebnisses nur vorläufig von dem persönlichen Moment in unserer Politik gesprochen worden. ein, angeblich ohne irgend einen Vorteil für sich zu erwarten. Und das Nachstehende betonen: Es wäre ein Mangel an Augenmaß ge- Wir billigen nicht alles in unserer auswärtigen Politik, nicht jede wenige Jahre darauf kam dann trotzdem die Pachtung von Kiautschou. wesen, wenn wir wegen untergeordneter Forderungen die Konferenz Rede, nicht jede Depesche, aber wir haben zu dem gegenwärtigen 1896 hat das Telegramm an den Präsidenten Krüger bei den Buren hätten scheitern lassen, wie: die Zahl der Zensoren für die Staats- verantwortlichen Leiter der deutschen Politik das Vertrauen, daß er ganz ungerechtfertigte Hoffnungen erweckt. Aehnlich haben die Reisen bank oder die Polizeistationen, Fragen, die für uns nicht Selbst- fie ruhig und sicher führen wird, daß wir nach wie vor eine Politik nach Budapest , Konstantinopel und Jerusalem durch Erweckung zwed, sondern Mittel zum Zwed waren. Für solche sekundären For- vertreten werden, die start ist im Bewußtsein der eigenen Kraft und unbegründeter Hoffnungen die fremden Regierungen schwer Serungen Kopf und Kragen daranzusehen, wäre nicht praktische Politit ohne Chauvinismus und Verzagen, ohne jemand zu brüsfieren, gereizt und damit wesentlich dazu beigetragen, daß Deutschland in gewefen. Auch ließ sich schwer bestreiten, daß fein Land vermöge unsere Interessen nachdrücklich vertritt.( Lebhafter Beifall rechts und die Lage tam, die in Algeciras der ganzen Welt vor Augen ge­seiner Erfahrungen geeigneter war, die Polizeiinstrukteure zu stellen, im Zentrum.) treten ist. Das ist das allerschlimmste, was die Konferenz Deutsch­als die beiden Nachbarländer Spanien und Frankreich . Hätten wir uns land gebracht hat.( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) dieser Tatsache nachträglich verschlossen, so würde der von der aus­Was der Herr Reichskanzler gefagt hat, genügt nicht, um die Auch heute glaube ich noch, daß eine andere Tattik der deutschen ländischen Presse gegen die deutiche Politit so lebhaft erhobene deutsche Politit, die wir Marokko und Frankreich gegenüber in den Regierung bei dem Vertrag vom 8. April 1904 Deutschland all' das Vorwurf der Intransigenz( Unverföhnlichkeit) wirklich berechtigt ge- letzten zwei Jahren beobachtet haben, hier in das rechte Licht zu verschafft hätte, was es jezt mühselig und unter schweren Kämpfen wesen sein. Worauf es antam, war: den internationalen Charakter stellen. Er hob selbst hervor, daß wir in Maroffo feine politischen in Algeciras erreicht hat. Schon bei der Debatte über den Etat der Polizeiorganisation zu verwirklichen. Frankreich hat sich mit Aspirationen( Ansprüche) haben, und er stellte die Frage: Sollten habe ich geäußert, daß eine Tangerreise unter der Kanzler­gleicher Versöhnlichkeit hier zu einer loyalen Lösung dieser und wollten wir wegen Marokko Krieg führen? Wenn dem aber so fchaft des Fürsten Bismarck niemals möglich gewesen wäre. Ich schwierigen Fragen bereit finden lassen. Wir sind nicht kleinlich ge- war und wir keinerlei politische Interessen in Marokko zu vertreten darf heute hinzufügen, daß ein Bismard auch nie die Konferenz von wesen, wir sind in manchen Einzelfragen nachgiebig gewesen Aber haben, so entsteht doch die Frage, woher tam denn der Lärm, der Allgeciras veranlaßt hätte.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) ivir haben unerschütterlich festgehalten an dem großen Grundsatze im ganzen vorigen Sommer die Welt beunruhigt hat? Soviel ich Er hätte sich nicht ohne Not der Gefahr ausgefeßt, nach monate der offenen Tür, der neben der Wahrung des deutschen Ansehens weiß, war es der Reichskanzler selbst, der hier erklärt hat, daß langen Verhandlungen als isolierter Mann, als Vertreter des iso­uns in der ganzen Marokkoaktion geleitet hat und leiten mußte. allerdings in den letzten Monaten die Situation eine bedenkliche und lierten Reichs dazustehen.( Erneute Zustimmung bei den Sozialdemo= Manche Fragen waren ziemlich schwierig zu lösen. Manche Ueber- gefährliche gewesen sei! Ist die Situation aber derart, daß es sich kraten.) gänge waren nicht ohne Gefahr, eine Zeit der Mühe und Be- bei dem ganzen Streit nur darum handelte, das Prinzip der unruhigung liegt hinter uns. Ich glaube, daß wir jegt mit mehr offenen Tür zur Geltung zu bringen, so verstehe ich nicht, Ruhe weiter gehen können. Die Konferenz von Algeciras hat, wie wieso der ganze ich glaube, ein für Deutschland und Frankreich gleich befriedigendes, für alle Kulturländer nützliches Ergebnis geliefert.( Lebhafter Beifal rechts und in der Mitte.)

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Abg. Bebel( Soz.):

Marokkorummel"

verschiedenen Staaten Deutschland gegenüber Revue passieren lassen. Der Abg. Frhr. v. Hertling hat nacheinander die Stellung der Ich will diesem Beispiel nicht folgen, obgleich ich vielfach zu ganz anderen Schlüssen kommen würde.( Sehr wahr bei den Sozial zwei Jahre lang Europa hat in Aufregung verfeßen fönnen. Es ist demokraten.) Aber feststeht, und dahin kann man das Resultat von mir nicht verständlich, woher der scharfe Gegensatz in der deutschen Algeciras zusammenfassen, daß Frankreich , England, Spanien , Abg. Freiherr v. Hertling( 3.): Ich werde den Standpunkt Bolitik im April 1905 zu der im April 1904 fam. Am 14. April Italien und Rußland vereinigt gegen uns stehen, Nord- Amerika sozusagen meiner Fraktion mit aller der Reserve vertreten, die nach der Lage 1904, als eben der Vertrag zwischen England und Frankreich öffent- neutral ist und Desterreich- Ungarn zwar seine guten Vermittlerdienste der auswärtigen Politik all denen geboten erscheinen muß, die die lich bekannt geworden war, erklärte der Reichskanzler hier im Reichs- in Algeciras ausgeübt hat, aber doch nur in höchst rückgratloser Weise. diplomatischen Verhandlungen nur bon außen fennen. Ich glaube, tage auf meine Anfrage: Deutschland habe keinerlei Ursache, dem Da nun die Verstimmung, die in den Beziehungen verschiedener wir müssen dem Reichskanzler dafür danken, daß er den Rückblick Vertrage mißtrauisch gegenüber zu stehen, Deutschland freue sich Staaten zu Deutschland in Algeciras herbortrat, feineswegs über­auf die Marollokonferenz so fühl und nüchtern gestaltet hat, wie sie vielmehr, daß die materiellen und ökonomischen Interessen, die es in wunden ist, so ist das Resultat der Konferenz bedauerlich.( Sehr es verdiente.( Sehr gut im Zentrum.) Sämtliche deutschen Marotto zu verfolgen habe, bei diesem Bertrage gewahrt feien. wahr! bei den Sozialdemokraten.) Man rühmt in den deutschen politischen Kreise waren von jeher in dem Gedanken ver- Ein Jahr später tlang es freilich ganz anders, und darüber befragt, Beitungen, daß es der Regierung gelungen sei, das marokkanische einigt, daß wir um Marottos willen keinen Krieg führen welches die Ursache der veränderten Haltung sei, sagte der Reichskanzler: Gebiet intatt zu erhalten. Aber aus naheliegenden Gründen wäre dürften. Alle hätten es lebhaft beklagt, wenn aus Anlaß Darüber wolle er sich nicht aussprechen, aber wenn er jest anders es weder Frankreich noch England eingefallen, maroffanisches Gebiet bes Marokkohandels eine schwere Verwidelung entstanden auftrete wie vor einem Jahre, so liege das auch daran, daß er den

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zu besezen. Frankreich hätte nach den Erfahrungen, die es seit Jahrzehnten