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Genug: eines schönen Tages verließ sie Berlin , um wieder in ihre russische Heimat zurückzukehren. Sic wurde nach Vorschrift ab- gemeldet, wie der Stempel des betreffenden Polizeibureaus au dem uns vorliegenden Belegexemplar nachweist. Indes a m Alexanderplatz glaubte mans besser zu wissen. Reichlich fünf Wochen nach der Abmeldung und dem Wegzug der Russin schickte das Polizeipräsidium ihr einen Schreibcbrief, durch den sie benachrichtigt wurde, daß sie als..lästige Ausländerin" hier- mit ausgewiesen werde. Man sieht, wie genau die Berliner Polizei über die Russin unterrichtet war. wenn sie nach fünf Wochen noch nicht mal wußte, daß sie sich schon deshalb nicht mehrlästig" machen konnte, weil sie längst nicht mehr hier war. Wer mag denn d,ese Ausländerin observiert haben, um ihreLästigkeit" sestzu- stellen? Durch Aisturz von einem Neubau schwer verunglückt sind heute in der Heilbronnerstraße die Maurer August Richter aus Rixdor und Wilhelm Kieseler aus Rummelsburg . Beide stürzten anscheinend infolge mangelhaften Bretterbelages aus der Höhe des vierten Stock« Werkes ins Kellergeschoß hinab, wo sie blutüberströmt liegen blieben. Von Arbeitskollegen sofort mittels Droschke der Rettungswache in der Nollendorfftraße zugeführt, mußten beide wegen der Schwere ihrer Verletzungen dem Elisabcth-Krankeuhause überwiesen werden. Die Schuldfrage harrt noch der Aufklärung Ueber Mißstände in stäbtischen Betrieben wird uns aus Kreisen der städtischen Arbeiter geschrieben: Auf dem Lagerplatz Haide- straße, welcher der städtischen Kanalisationsverwaltung unterstellt ist, herrschen seit Jahr und Tag Zustände, welche geeignet sind, in immer steigendem Matze den Unwillen der beteiligten Arbeiter zu erregen. Es wird dort noch immer an der ganz veralteten Ein- teilung von Sommer- und Winterlohn festgehalten. Bei An- nähme der Arbeit wird versichert, die Arbeitszeit beträgt zehn Stunden und zwar 38 Pf. pro Stunde, gewiß ein sehr minimaler Lohn; aber es werden von Oktober bis März nur neun resp. acht Stunden gearbeitet, so daß der Arbeiter ganze 18,24 M. für die volle Arbeitswoche einheimst. Nach Abzug der Kassengelder verbleiben dann glücklich 17 M. und etliche Pfennige für die Familie. Wie man damit auskommen kann, ist bis jetzt Geheimnis der betreffenden Verwaltung. So erfreulich ja notwendig der Achtstundentag für diesen Betrieb wäre, können die beteiligten Arbeiter doch nicht sonderlich zufrieden sein mit dieser Achtstunden. Entlöhnung, zumal der vielgerühmte, vom Herrn Ober- bürgermeister Kirschner gewissermaßen garantierte Minimallohn von 3.50 M. hier nicht erreicht wird. Alle Eingaben in bezug auf Tage» resp. Wochenlohn waren bis jetzt erfolglos, und es bleibt da- her nur der Weg an die Oesfentlichkeit. Auch in anderer Bc- ziehung sind zahlreiche Mißstände vorhanden. So dient z. B. zum Einnehmen der Mahlzeiten und Umkleiden eine zerlegbare Bretterbude, welche allen hygienischen Anforderungen Hohn spricht. Sie ist derart defekt, daß die Löcher mit Putzwolle verstopft werden müssen, um den Natten resp. dem Zugwind den Eintritt einiger- maßen zu wehren. Außerdem ist sie so eng. daß die ganze Kolonne aufstehen mutz, um den event. später Erscheinenden durchzulassen. Mit der Reinigung ist es auch sehr mangelhast bestellt. Bei nassem Wetter sind die Arbeiter oft bis auf die Knochen durchnäßt, aber die Sachen müssen meist morgens, namentlich im Winter, wieder so naß angezogen werden, wie sie abends hingehängt wurden. Bei dem Arbeiten mit Teer, Holzkohlen. Petroleum usw. sollte eine Wascheinrichtung als etwas Selbstverständliches gelten. Weit gefehlt. Wozu ist denn der Brunnen da? Wir meinen, daß eine Baubude mit Wascheinrichtung den Etat der Verwaltung ganz ge- wiß nicht aus dem Gleichgewicht bringen würde. Hoffentlich bc- quemt man sich jetzt endlich zur Abstellung dieser Mißstände, nach- dem die Sache bekannt gegeben ist. Ein schwerer Straßenbahnunfall hat sich gestern mittag infolge ziner seltsamen Veranlassung in der Pankstraße zugetragen. An der Ecke der Wiesenstraße hatte sich der 23jährigL Kaufmann Leopold Rotenhagel. Tnrmstraße 38. von einem Freunde verabschiedet und auf dem Stratzendamm drehte er sich noch einmal um. um dem Freunde noch einen Gruß zuzuwinken. R. übersah dabei das Her- onnahen des Straßenbahnwagens Nr. 1314 der Linie 34, und trotz- dem sich der Führer alle mögliche Mühe gab, den Motorwagen noch rechtzeitig zum Stehen zu bringen, gelang dieses nicht mehr. R.. der auf dem Gleis stand, wurde von der Vorderplattform erfaßt. überfahren und fürchterlich zugerichtet. Der Schädel war ihm gebrochen und die Kopfhaut förmlich skalpiert. An der linken Hand waren 4 Finger abgefahren worden und außerdem hatte der Ver- unglückte noch starke Brustquetschungen erlitten. Man brachte den Schwerverletzten nach der Unfallstation in der Lindowerstraße, und nachdem er dort die erste Hülfe erhalten, in das Lazaruskranken- haus, wo er in fast hoffnungslosem Zustande darniederliegt. Nach den Angaben einiger Augenzeugen soll d i e B r e m s e deL er- wähnten Motorwagens nicht ordnungsgemäß funk- tioniert haben. Die Meldung von demGerichtsring" ist noch verfrüht. Tat- fache ist, daß eine Verlängerung der Linie 8 in Erwägung gezogen wurde. Es ist jedoch noch keinerlei Beschluß gefaßt worden, in welcher Weise die Verlängerung ausgeführt werden soll. Ein schweres Unwetter ging Freitag abend über die östlichen und südlichen Bororte Berlins über. Zwischen 9 und 19 Uhr entlud sich plötzlich ein starkes Gewitter, welches an vielen Stellen mit einem wolkenbruchartigen Regen verbunden war. So stand die Köpenicker Landstraße und die Treptower Chaussee längere Zeit unter Wasser, so daß der Fußgängerverkehr stellenweise völlig unter- brachen war. Ausgedehnte Ueberschwcmmungen hatte das Gewitter auch in Britz , sowie in den Ortschaften an der Dresdener- und Wanseebahn zur Folge. Strichweise trat heftiger Hagelschlag auf. der besonders an den Obstbäumen erheblichen Schaden verursachte. Leider wurde auch ein Menschenleben vernichtet. Auf der Fahrt von Berlin nach dem Ober-Spree-Kanal wurde der Steuer- mann Ernst Busch aus Neuendorf i. M. von einem Blitzstrahl ge- troffen und auf der Stelle getötet. B. führte auf dem letzten Kahn eine« vierteiligen Schleppzuges das Steuer. Auf der Oberspree zwischen Zeuthen und Schmöckwitz brach er plötzlich von einem Blitz- schlage getroffen tot zusammen. Der Kopf der Leiche wies ein großes Loch auf und der ganze Körper war blau angelaufen. Die Leiche wurde an Land gebracht und nach der Friedhofshalle in Eich- walde übergeführt. Großfeuer i« einer Kistenfabrik. Gestern nachmittag gegen 1 Uhr kam in der Waldemarstraße 14 in der Kisten- und Flaschen- kastenkabrik von Viktor Schmidt ein großer Brand aus und machte der Feuerwehr viel zu schaffen. Auf dem zweiten Hofe des umfangreichen Grundstücks erstreckt sich ein einstöckiger, etwa 25 Meter langer Fabrikanbau, dessen ersten Stock die genannte Firma als Arbeits- und Lagerräume benutzt. Das Feuer entstand im Nordflügcl und breitete sich mit unheimlicher Schnelligkeit aus, so daß die anwesenden Arbeiter schleunigst die Flucht ergreifen mußten. AIS der erste Löschzug aus der Köpenickcrstraße eintraf, bildete der ganze Fabrikanbau schon ein einziges Flammenmeer. Brandmeister Sandberg ließ daher sofortMittelfeuer" nachmelden, woraus noch weitere Löschzügc zur Unterstützung herbeieilten. Bald waren nun mehrere Dampfspritzen in Tätigkeit. Vom Hofe und vom Dache des angrenzenden Hauses aus wurde mit fünf Schlauch- lcitungen der Angriff vorgenommen. Immerhin dauerte es fast eine Stunde, bevor die Flammen erstickt waren. Der ganze erste Stock ist total ausgebrannt und der entstandene Schaden daher sehr beträchtlich. Die entwickelte Hitze war derart, daß das Mauerwerk barst und daß von ihm getragene Wellblechdach infolge- dessen an einer Stelle einzustürzen drohte. Brandmeister Sandberg ließ die gefährdete Stelle absperren. Tie vollständige Ablöschung und Aufräumung zog sich bis gegen Abend hin. Ueber die Ent- stehungsursache des Feuers ist noch nichts Bestimmtes festgestellt. Mehrere Arbeiter beklagen den Verlust ihrer Garderoben, die sie bei dem plötzlichen Ausbruch des Brandes nicht mehr mit nehmen konnten. Im Apollotheater hat am Freitag ein neues OpuS von Paul Lincke das Licht der Welt erblickt.Das blaue Bild" ist eine Phantasie in einem Akt, zu welcher Bolten-Bäckcrs den Text ge- schrieben hat. Der Inhalt ist ein alltäglicher und dürftiger. Ein junger Maler verliebt sich in sein Modell und diese in ihn. Eine dauernde Vereinigung ist abhängig von dem Schicksal seines Bildes. eines blauen Bildes. Warum das gerade blau ist, erfährt man nicht. Von den Schülerinnen des Meisters reflektiert eine Ameri kanerin auf ihren Meister, verliebt sich auch in den jungen Künstler. Diese Tatsacke weckt in Elly, der Braut des Malers, unbegründete Eifersucht. Als sie von einem solchen Anfall heimgesucht wird, versetzt sie sich in einen narkotischen Schlaf und erlebt in ihrem Traumzustand die schlimmsten Dinge. Die Wirklichkeit findet beide wieder. Das blaue Bild ist preisgekrönt und nun kriegen sie sich. Die Musik erinnert an verschiedene andere Produkte LinckeS. Das schmachtende LiedJugend und Liebe" wurde stark applaudiert und wird wohl bald auf dem Leiertasten seine Wiederauferstehung feiern. Im Belle-Alliance-Theater sollte zunächst am Donnerstag und dann am Freitag die auch an den Säulen angekündigte Gesangs- PosseAbends nach Neune ein Kabarett im Warenhause" aufge- führt werden. Schauspieler und zahlreiche Besucher, die sich einge- fundcn hatten, erfuhren aber, daß die Polizei die Aufführung nicht gestatten würde, angeblich weil die Bühne wegen zu geringer Zahl an Ausgängen nicht die genügende Sicherheit biete. Wenn das der wahre Grund des Verbots sein sollte, so wundert uns nur, daß die Polizei diese Einwände nicht schon eher geltend gemacht hat. Die Beträge für die vorher gelösten Billetts wurden zurückerstattet. Im wisseuschastliche» Theater der Urania wird Herr Direktor Dr. P. Schwahn seinen Vortrag:Der jüngste Ausbruch des Vesuv ", welcher mit zahlreichen farbigen Bildern nach eigenen Aufnahmen ausgestattet ist, am Sonntag, Montag und Dienstag persönlich wiederholen. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montag abend 9 Uhr Fortsetzung des Kursus in der 1. Abteilung im Lokal Dresdenerstraße 45. Vortrag über Physiologie. Neue Teilnehmer können noch eintreten. Einschreibegeld 25 Pf. Monatsbeitrag 25 Pf. Die Bibliothek steht den Mitgliedern zur freien Verfügung. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht hatte der 7. Zug zum zehnten Male innerhalb kurzer Zeit einen Preßkohlenbrand in der Brombergcrstraße 15 zu löschen. Nachts wurde der 15. Zug nach Charlottcnburg gerufen. In der Kaiserin Augusta-Allee stand ein Bretterschuppen in Flammen. Die Charlottenburger Feuerwehr war zur Stelle. Es gelang, die Flammen auf den Brettcrschuppcn zu beschränken. Der 8. Zug wurde in Rixdorf in Anspruch ge- nommen. Am Kottbuser Damm 87 brannte ein Holzschuppen. Die Berliner Feuerwehr gab mit einer Schlauchleitung Wasser und übergab dann die Brandstelle der Rixdorfer Feuerwehr. Am Michaelkirchplatz 3 war in einer Wohnung Feuer ausgekommen und hatte schnell an Ausdehnung gewonnen. Durch energisches Vorgehen gelang es, den Brand auf die Wohnung zu beschränken. Durch einen Wasserrohrbruch wurde der Keller des Hauses Kurze- straße 1 unter Wasser gesetzt. Die Feuerwehr beseitigte die Gefahr. Ein Kellerbrand beschäftigte die Wehr in der Frankfurter Allee 194 und ein Wohnungsbrand mußte vom 13. Zuge in der Oranien- burgerstraße 8 gelöscht werden. Ferner hatte die Wehr noch in der Landsberger Allee 132 zu tun. Vorort- JVaebnebten. Charlottenburg . Der erste freie Kindergarten. Der am 2. Mai in Charlottenburg . Berlinerstr. 86», oröffnet worden ist, hat sich bisher in günstigster Weise entwickelt. Vierzig Kinder, fast alle Arbeiterkinder, besuchen bereits die Spiel- und BeschäftigungSstuuden in dem schön gelegenen Lokal, sodaß in Kürze die Errichtung eines zweiten Kindergartens, voraussichtlich in Moabit , ins Auge gefaßt werden darf. Auch die Zahl der Mitglieder des VereinsFreier Kindergarten" ist in er- freulichem Wachstum begriffen. Dienstag, den 22. Mai, abends 8>/z Uhr, findet bei Bauer, Berlinerstr. 86». eine Generalversammlung des Vereins statt mit folgender Tagesordnung: 1. Zweck und Ziele des Vereins sReferentin Frau Sußmann). 2. Statutenberaiung lReferent Herr S. Katzenstein). 3. Vereinsangelegenheiten. Gäste ind willkommen. Ein kleinerWeltreisenber" ist gestern in Charlottenbura auf- gegriffen worden. Der hiesigen Polizei war von Eberswaloe die Nachricht zugegangen, daß dort der zwölfjährige Schüler Martin Rebowski spurlos verschwunden sei. Ein Schutzmann in Charlotten- bürg, dem das Signalement des Schülers bekannt war, erkannte dort R. an der Klassenmütze und hielt ihn an. Der Knabe hatte eine kleineWeltreise" unternehmen wollen, die jedoch eine unliebsame Unterbrechung erfahren mußte. Ein volkstümlicher RczitatiouSabend, zu dem auch Nichtnsitglieder als Gäste Zutritt haben, wird von dem Verein Freie Volksbühne Charlottenburg am Sonntag, den 27. Mai, abends 8 Uhr, im Volks Haufe veranstaltet. Das Programm beginnt mit der R ü t l i- Szene aus Schillers"Teil" und bringt alsdann eine Reihe der schönsten Dichtungen ernsten und humoristischen Charakters aus demBuch der Freiheit", darunter solche von Ferd. Freilig rath(Aus dem schlesischcn Gebirge",Die Revolution"), Heinrich Heine , Leopold Jakoby und anderen. Der Verein hat mit dieser Veraiistal tung den zahlreichen Wünschen nachgegeben, die aus Mtglieder- und sonstigen Ärbeiterkreisen nach dem Heine-Bbend der Freien Volksbühne laut wurden. Auch diesmal ist der Vortrag Herrn Danegger anvertraut, so daß der Abend in jeder Weise em wert voller und genußreicher zu werden verspricht. Den Abschluß bildet geselliges Beisammensein. Karten a 39 Pfennig auch für Gäste sind im Bolkshause bei Müller, beim Kassierer A. Will. Kirchstraße 39, sowie in allen Zahlstellen des Vereins und am Abend des Vortrags beim Saaleingang zu haben. Garderobe und Programm find frei. Die nächste Vereinsvorstellung ist am 15. 5>suni und zwar wird da« berühmte Werk Friedrich Hebbels:Maria Magdalena " gespielt. Die alsdann folgende Aufführung istZapfen- t r e i ch Schöneberg . Urber das Treiben des gefährlichen Hochstaplers Metzner, über dessen Flucht mit der Tochter des Rentiers M. auS Schöneberg wir berichteten, werden immer wieder neue Schwindeleien zu Tage ge- 'ordert. So hat M. auch einige Zeit hindurch einen falschen Borussen abgegeben. Durch einen angeblichen Heidelberger Kommilitonen ge- lang es M., in die hiesige studenlische KorporationBorussia" em- geführt zu werden. Kaum fühlte sich der Hochstapler im Kreise der Verbindung einigermaßen sicher, so fing er an zu pumpen. Die Leidtragenden" sind Angehörige derBorussia" sowie der Kneipen- wirt. Im Juli v. I. wurde M. entlarvt und auS der Verbindung herausgeschmissen. Um unliebsames Aufsehen zu vermeiden, zahlte die Korporation die Schulden des Pseudostudenten. Uebrigens sind auch eine ganze Reihe von Gewerbetreibenden durch den Schwindler geschädigt worden. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ver- tand er eS. sich hinreichenden Kredit zu verschaffen. So hatte er Schneidermeister um Summen von 199. 89 M. usw. betrogen. Bei einem hiesigen Verlagsbuchhändler glückte es dem Schwindler. 790 M.leihweise" zu erhalten. Gern führte M. seine vornehme Verwandtschaft ins Gefecht. So behauptete er beispielsweise, er habe einen bekannten hiesigen Profeffor als Onkel, der in einer Schöne- berger Nervenheilanstalt(llaison de santd) tätig sei. Allerdings ist ein Onkel des M. in der Anstalt beschäftigt, freilich nicht als Professor, sondern als Barbier.' Ueber das Schicksal der Braut des M. war bisher noch nichts festzustellen. Metzner ist am 19. November 1876 in Hannover , Frl. M. am 23. Dezember 1873 in Berlin geboren. Groß-Lichterfelde . Einer nicht geringen Rücksichtslosigkeit ihre?Wohltäters" er» fteuen sich die Laubenkolonisten auf dem Terrain des Herrn Rahlson zwischen Schiller- und Berlinerstraße. Nach Mitteilung desGeneral-Anzeigers" für Groß-Lichter- selbe usw. beabsichtigt der Zirkus Maine auf dem Platze Ecke Wilhelm- und Goethestraße Ausstellung zu nehmen, der ihm auch bereits von dem Besitzer Herrn Rahlson zugesagt war. Nach mehrmaliger Rücksprache des Geschäftsführers des ?iirlu8 bedeutete Herr Rahlson, daß er den Eckplatz nicht ergeben könne, da derselbe zur Besichtigung Kauflustiger fteigelassen werden müffe. Er stellte ihm hingegen ein anderes ihm gehöriges Grundstück zwischen Schiller- und Bcrlinerstraße zur Verfügung, das er seinerzeit armen Leuten zur Bebauung freigestellt hatte. Als sich der Geschäftsführer diese» Terrain ansah, fand er alles in herrlichstem Wachstum; hierauf sollte der Zirkus errichtet werden. Der Geschäftsführer konnte sich jedoch nicht dazu verstehen, die Freude dieser armen Leute zu vernichten, weshalb er zu dem Grundbesitzer zurückging und ihm die Mitteilung machte, den Zirkus auf da» von den Leuten mit größter Mühe und Sorgfalt bearbeitete Land nicht aufbauen zu wollen. Jedoch der Herr erhielt zur Antwort:nur ruhig aufbauen." Der Geschäftsführer tat es jedoch nicht und hat der Zirkus beim Birkenwäldchen Aufstellung genommen. Wir glauben in diesem Falle jedoch besser zu tun, wenn wir uns jeder Meinung enthalten. Der Fall an sich wird jeden Leser zu einem richtigen Urteil veranlassen. Steglitz . Der grausige Selbstmordversuch de? Dieustmädchens«nma Hübncr aus der Schützenstr. 53 in Steglitz hat für die Lebensmüde traurige Folgen noch sich gezogen. Wider Erwarten ist in dem Be- finden deS Mädchens eine Besserung eingetreten und man hofft die Schwerverletzte am Leben zu erhalten. Die Unglückliche hatte sich mit dem Rasiermesser nicht weniger als elf Einschnitte in den Hals beigebracht, und gerade dieser verdächtige Umstand gab die Ver- anlassung zu dem Gerücht von einem Lustmord. Das schaurige Drama wird noch insofern ein tragisches Nachspiel haben, als die H. infolge der zahlreichen Verletzungen dauernd der Sprache beraubt werden wird. Weißensee. Die Gemeinde Weißensee hat jährlich an Zinsen und zur Tilgung der aufgenommenen Anleihen ungeheuere Summen aufzubringen, was auS folgendem ersichtlich ist: An den Reichsinvalidenfonds find für zwei Anleihen im Betrage von 375 999 M. an Zinsen und Tilgung zu zahlen 18 744 M., an die Preußische Zcntral-Bodenlredit-Aktien- gesellschaft für drei Anleihen im Betrage von 2 959 999 M. 97 925 M., an die Sparkasse des Kreises Nieder-Barmm für sieben Anleihen im Betrage von 1 271 450 M. 30 799,25 M., an die Landesversicherung-: anstalt Brandenburg für drei Auleihen im Betrage von 589 999 M. 34345 M., an den Oberhofmeister Freiherrn v. Mirbach für eine Anleihe von 89999 M. 4999 M., an die Kur- und Neumärkische Ritterschaftliche DarlehnSkasse für eine Anleihe von 399 909 M. 12 750 M., an die Sparkasse deS Kreises Liegnitz für eine Anleihe von 599 999 M. 25 000 M., an die Kurmärkische HülfSkaffe eine Anleihe von 49 999 M. 2545,86 M., für neuaufzunehmcnde Anleihen im Betrage von 1 923 459 M. 33 520 M., so daß die Gesamtsumme an Zinsen bezw. TilgungS- und Verwaltungskosten 268 629,11 M. beträgt. Demgegenüber hat die Gemeinde eine Einnahme auS Zinsen usw. von 77 299 M., so daß inmrer noch ein Zuschuß der Schulden- und Kapital» Verwaltung von 191429 M. beansprucht wird; auf den Kopf der Bevölkerung eine Summe von 5,63 M. In allernächster Zeit wird Weißensee vor weiteren Anleihen nicht zurückschrecken dürfen. da es gezwungen ist, ein neue? Rieselgut zu erwerben; ferner soll das Kanalisationsnetz auf den übernommenen Ortsteil Alt-Weißensee ausgedehnt werden, die Erbauung einer Realschule, einer Gemeinde- turuhalle usw. sollen noch im Laufe dieses Jahres vorgenommen werden. Die maßgebenden Körperschaften beschäftigen sich damit, eine Riesenanleihe aufzunehmen, um so nicht nur die bestehenden Projekte auszuführen, sondern auch kleinere Anleihen abzulösen. Zeuthen . Ei» aufregender Borfall spielte sich Freitag mittag auf der Vorort- bahn nach Königs-Wusterhausen ab. Kurz vor der Einfahrt in die Station Zeuthen stürzte sich plötzlich ein Mann vor die Loko- motive, legte den Hals auf das Gleis und im nächsten Augenblick waren die Räder über den Unglücklichen hinweggegangen. Der Kopf wurde fönnlich vom Halse getrennt. In dem Selbstmörder erkamltc man den Maschinenmeister Fritz Kluge aus Niederlehme. Ein anderer Borfall trug sich auf der Königs- Wusterhausen Töpchiner Kleinbahn zu. Als ein Zug von Mittenwalde die Ab- zweigungsstrecke zurückfuhr, bemerkte der Lokomotivführer, daß der Bahnwärter kurz vor den, Zuge auf den Schienen herlief. Der Zug konnte zwar noch zum Stehen gebracht werden, doch war es nicht mehr zu verhindern, daß der Wärter umgerissen und ihm die rechte Hand abgefahren wurde. Aus die Schmerzensrufe des Verunglückten eilten dessen Frau und Kinder hinzu und die erstere wdr so entsetzt. daß sie in der Verwirrung vor die Maschine lief, welche den über- fahrenen Wärter nach Mittenwalde schaffen sollte. Noch im letzten Moment rettete sich die Frau durch einen Sprung auf das Trittbrett der Lokomotive. Potsdam . Die Stadwerordnetenversammlung nahm am Freitag die Wiederwahl des(besoldeten) Stadtrats Dr. Over vor, dessen Mandat am 16. Juli dieses JahreS abläuft. In der Ersatzwahl für den verstorbenen Stadtrat Meinhardi wurde für den Rest seiner Wahlperiode(23. Septemaer 1911) der Stadtverordnete A r t e l t gewählt. Die hier noch bestehende städttsche Fleisch st euer führt zu zahlreichen Konflikten der Steuerbeamten mit den Einheimischen sowohl, wie mit dem den Fremden. Mit Recht wird darüber Klage geführt, daß das ahnungslose Publikum oft in wenig taktvoller Weise an die Fleischsteuer erinnert wird. Würden sich die Steuer- beamten etwas mehr Mühe geben, das Publikum auf die Steuer- Pflicht der etwa mitgebrachten Fleischwaren genügend aufmerksam zu machen, so würde mancher Zwischenfall vermieden und manche Straf- erspart werden. Zur Abstellung dieser Mißstände wurde eine sieben- gliedrige Kommission gewählt. Ueber die Regulierung der Neuen Königstraße respektive die Heranziehung der Anlieger zu 199 999 M. zu den Kosten entspann sich eine längere Debatte. Schließlich wurde beschlossen, die An- liegerbeiträge mit 19 resp. 25 Mark für den laufenden Meter je nach den wirtschaftlichen Vorteilen zu bemessen. Zu der durch die Umwandlung der Straßenbahn in einen elektnschen Betrieb aufgerollten Verkehrsfrage richtete Stadtver- ordncter T o e p f e r an den Magistrat die Aiifrage, wie er sich zur event. Einführung des Automobllbetriebes stellt. Diese Anfrage sei deshalb berechttgt, weil die ansänglich geplante Ausdehnung des SchienemutzeS der elektrischen Straßenbahn vorläufig wieder aufge- geben worden sei. Potsdam brauche aber eine bessere Ausgestaltung »einer Verlehrsmittel. einmal aus Rücksicht auf seine ausgedehnte Lage, dann aber auch als Fremdcnstadt. die mit ihren Vororten immer mehr als solche und für Sommerftischen in Frage kommt. Auch interessiere sich einehochstehende Stelle" für den Automobilbetrieb ... Bürgermeister Borkastner wandte sich in energischer Weise gegen dieses neue Projekt, das man den Borortsinteresienten überlasten solle. Er bat schließlich darum, doch erst die elektrische Bahn fertig werden zu lasten; dann könne man weiter sehen. Damit war diese Sensationsfrage" wieder einmal glücklich erledigt. Den Schluß dieser Sitzung bildeten mehrere Vorlagen der Schul-, Krankenhaus- und Bauverwaltung, die ohne weiteres genehmigt wurden. verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin , Füx den Inseratenteil vkrantw.: Th. Glocke, Berlin . Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW."