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Nr. 137. 23. Jahrgang.

1. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt.

Die Revolution in Rußland .

Ein zweites Kischinew.

Die Petersburger Telegraphen- Agentur bringt folgende Meldung: P Bjelostok, 14. Juni. Während einer religiösen Prozession ent­stand heute hier eine Schlägerei, die zu Ruheſtörungen führte, bei denen eine Anzahl Personen getötet und verwundet wurden. Mehrere Läden wurden geplündert. Die Straßen des Stadtinnern wurden militärisch beseyt. Die Truppen geben Schüsse ab. Der Gouverneur bon Grodno ist hier eingetroffen.

Ueber denselben Vorgang sendet dem Berliner Tageblatt" ein Privatkorrespondent das folgende Telegramm, das wohl mehr Glauben verdient, als die oben wiedergegebene offiziöse Dar stellung:

Sonnabend, 16. Juni 1906.

Rede nimmt die Duma den Antrag Aladjin einstimmig an. bestehen, durch die viele Gemeinden schwer belastet werden. Um 7 Uhr vertagt sich die Duma bis Montag.

Die Zensur!

Ohne gleichzeitige Regelung der konfessionellen Verhältnisse der Volks schule wäre eine solche Regelung im Abgeordnetenhause nicht möglich gewesen. Eine Einschränkung der städtischen Rechte der Selbst­Infolge des Vorgehens der russischen Regierung und der verwaltung ist nicht beabsichtigt und auch nicht erfolgt. Vielmehr Schwierigkeiten, die dem telegraphischen und brieflichen Verkehr sind vielen Gemeinden erweiterte Rechte gegenüber dem jetzigen zwischen den, Reichsdumamitgliedern der extremen Parteien und Bustande durch das Gesetz zugedacht. ihren Wählern in den Weg gelegt werden, verlassen einige Ab­geordnete der Arbeitsgruppe Petersburg , um mit ihren Wählern die weiter zu befolgende Taftit an Ort und Stelle zu besprechen.

Die Agitation im Heere.

Dant dem weitgehenden Entgegenkommen des Finanzministers sind die Geldmittel start vermehrt worden, die der Staat zur Unters stützung bedürftiger Schulgemeinden und Schulverbände zur Vers fügung stellt. Redner verliest umfangreiche Tabellen zur Er­läuterung feiner Ausführungen. Im Hinblick auf die dringende Bei ihrer Agitation in der Armee bedienen sich die ruffifchen Notwendigkeit, mit Rücksicht auf die zahlreichen überfüßten Schul­Sozialisten vor allem der speziell für die Untermilitärs bestimmten Klassen haben sich die maßgebenden Parteien des Hauses der Ab­revolutionären Schriften Stafarma" und" Soldat", die unter den geordneten zur Zurückstellung ihrer Sonderwünsche entschlossen, um Bielostok, 15. Juni. Beim gestrigen Fronleichnamsfeste wurde russischen Truppenteilen in Massen verbreitet und gern gelesen ein brauchbares Gesetz zustande zu bringen. Auch in diesem hohen in eine Prozession eine Bombe geworfen. Die erregte Menschen werden. Außerdem verwenden die Agitatoren vielfach die auf Hause werden noch manche Bedenten zu überwinden sein. Mögen menge eröffnete darauf unter den Juden, die man als die Urheber schmalen Streifen gedrudten Flugblätter, die das erst fürzlich konsti- die Beratungen zu einem gedeihlichen Ziele führen und der Volls­des Attentates ansah, ein furchtbares Blutbad, Hunderte tuierte, aber schon jest in zahlreichen Städten Rußlands erfolgreich schule und damit der ganzen preußischen Monarchie zum Segen ge von Leichen liegen auf den Straßen. Läden wurden geplündert tätige sozialistische Militärkomitee bald hier, bald da herausgibt. reichen.( Beifall.) und demoliert, wobei Polizei und Militär ich be- Außerdem üben die russischen Sozialisten eine mündliche Propaganda v. Rosciclsti beantragt Absetzung der Vorlage von der Tages­teiligten. Besser fituierte Israeliten eilten zur Bahn, um aus, die ihr Ziel noch weit besser erreicht als die revolutionären Schriften, ordnung unter Berufung auf einen Artikel des Abgeordneten Bielostok zu verlassen. Sie wurden aber von Soldaten aus den da die mündliche Agitation nicht nur von zahlreichen Abgesandten v. Dziembowski- Bomian im Tag", in welchem ausgeführt Waggons herausgezerrt und auf dem Bahnsteig ermordet. Die der russischen sozialistischen Parteien, sondern auf Schritt und Tritt wird, daß, verfassungsmäßig erst dann eine Verhandlung über Plünderungen und das Schießen dauern noch heute fort. Die Zahl auch von solchen Personen ausgeübt wird, die oft in keinerlei Be- das Voltsschulgesetz stattfinden könne, wenn der Antrag Schiffer der Ermordeten läßt sich auch nicht annähernd angeben, immer neue ziehung zu den revolutionären Organisationen stehen. Und diese Gesetz geworden sei. Noch ist der Antrag Schiffer nicht Gesez ge­Opfer tommen hinzu. Der Gouverneur von Grodno ist hier ein- mündliche Propaganda kann und wird nicht ohne Erfolg bleiben; worden. Also find noch die beiden Paragraphen der Verfassung, getroffen. denn der russische Soldat so tapfer und ergeben er auch sein auf die der Antrag sich bezieht, in Kraft. Also bedeutet das Bolts mag läßt sich sehr leicht belehren, zumal wenn man ihn in schulunterhaltungsgesetz eine Verfaffungsänderung. Also mußte im Nunmehr sieht sich die Petersburger Telegraphen- Agentur ge- gefchickter Weise bearbeitet, Sorge für die Wahrung seiner Intereffen Abgeordnetenhause zweimal über die Vorlage abgestimmt werden, zwungen, folgende amtliche Darstellung des traurigen Ereignisses zu zeigt und sein an und für sich gutmütiges Herz gewinnt. Dazu ehe fie an das Herrenhaus gelangen konnte. Die zweimalige Ab­kommt noch der mit großen Strapazen verbundene Dienst bei der Stimmung ist nicht erfolgt. Wenn wir uns jetzt mit dem Petersburg, 15. Juni. Die gestrigen Unruhen brachen aus, Unterdrückung der revolutionären Bewegung, deren Ende nicht ab- Gegenstande beschäftigen, so drücken wir unser Siegel unter einen als eine orthodore und eine katholische Prozession von einem zusehen scheint, das oft schroffe Verhalten der Offiziere den Mann Verfassungsbruch. Nicht als Bole, sondern als Veteran dieses Hauses Balkon durch Juden beschossen wurden. Militär antwortete mit schaften gegenüber, die fortgesetzte Benachteiligung der Truppen bitte ich um Zurücksendung der Vorlage an das Abgeordnetenhaus. Schüssen. Die Juden schleuderten auf die flüchtenden Teilnehmer durch die Intendantur und dergleichen mehr, wodurch der Boden Jezt hat das so oft in der Preise und der öffentlichen Meinung der Prozessionen Bomben. Während der entstehenden Banit für eine erfolgreiche Agitation im russischen Heere bestens vor- gefchmähte Herrenhaus Gelegenheit, als Hüter der preußischen Ber wurden Kinder niedergetreten. Ein katholischer Priester soll ge­fassung aufzutreten! Ich bitte nochmals inständigst um zurück­tötet sein. Das Postamt und die Rentei wurden beschossen. Der Schwere Wahl. verweisung des Gesezentivurfes, der jetzt nicht verhandelt werden Postverkehr ist eingestellt. fann, ohne daß eine Bestimmung der preußischen Verfassung verletzt wird.

berbreiten:

Aus der Duma.

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bereitet wird.

In diesen Tagen wird im Kriegsministerium unter Beteiligung von Vertretern des Hauptstabes die Frage beraten, wo die dies­jährigen Manöver veranstaltet werden sollen. Die einen raten, fie im Weichsel - oder im Baltischen Gebiete abzuhalten, weil dort im laufenden Jahre große Unruhen bevorstehen dürften. Andere das gegen sind dafür, die Manöver in die Zentralgouvernements zu ver­legen, da ste glauben, daß die Agrarbewegung in diesem Jahre im 3entrum Rußlands einen besonders gefährlichen Charakter an­nehmen werde. Trostlose Aussichten.

Kultusminister Dr. Studt bittet, den Antrag Koscielski auf Ab­Jm weiteren Verlaufe der Donnerstags- Sigung verlangte fetzung der Vorlage von der Tagesordnung abzulehnen, und weist Madjin( Arbeitspartei) gerichtliche Verfolgung des Kriegsministers. auf die einstimmige Annahme der Ler Schiffer im Abgeordneten­Anitin schlägt vor, die Duma solle fich an das Bolt wenden und ihm hause hin. mitteilen, daß die Duma machtlos sei und nicht einmal ein paar v. Koscielski hält daran fest, daß eine zweimalige Abstimmung Menschen das Leben retten könne; andere Redner sagen, die Kriegs­über die Vorlage im Abgeordnetenhause verfassungsrechtlich not­gerichte bereiten den Brand des ganzen Landes vor. Shillin wendig sei. fchlägt eine Tagesordnung vor, nach der die Erklärungen des Kriegs­Der Präsident stellt die Unterstützungsfrage. Nur zwei Mit­ministers der zur Untersuchung ungefeglicher Regierungshandlungen eingesezten Kommiſſion überwiesen werden. Winawer schlägt eine andere 35 Millionen Rubel ungedeckt bleiben. Am 14. Januar 1907 wird. Roscielsti auf Zurückverweisung der Vorlage an das Abgeordneten Petersburg , 15. Juni. Im neuen Steuerprogramm werden noch glieder des Hauses erheben sich zur Unterstützung des Antrages Tagesordnung vor, die befagt: Die Duma betrachtet die Erklärungen des das Finanzministerium damit beginnen, der Entscheidung der Duma haus. Die Unterstützung reicht nicht aus. Der Antrag ist somit Kriegsministers als Weigerung, ihren Forderungen zu entsprechen, Gefeßentwürfe zu unterbreiten betreffend eine Einkommensteuer und gefallen. drüdt ihre Entrüstung über den Ton und die Form der Erklärungen eine Erhöhung der Tabatsteuer. Von diesen soll die erstere 25 bis das Recht, hier als besonderer Hüter der Verfassung aufzutreten. Frhr. v. Manteuffel bestreitet zunächst dem Herrn v. Koscielski aus und geht zur Tagesordnung über!- Diese Tagesordnung wird 40 Millionen Rubel ergeben, während die lettere 11 bis 12 Millionen( Beifall.) Namens der konservativen Fraktion beantrage ich leber mit großer Mehrheit angenommen. Nachdem noch eine Anzahl Rubel bringen foll. Die Erhöhung der Grundsteuer wird infolge weifung der Vorlage an eine 21 gliedrige Kommiffion.- Sympathisch Interpellationen eingebracht sind, von denen eine die Abschaffung des Steigens des gegenwärtigen Preises für Landbesitz 30 433 000 berührt uns die gesetzliche Festlegung der Konfessionalität. Gegen­des Belagerungszustandes in Odessa fordert, wurde die Sigung ge- Rubel ergeben, was gegenüber dem gegenwärtigen Steuererträgnis über diesem großen Prinzip und gegenüber der großen Ve­ein Plus von 17 069 000 Rubel bedeutet.

schlossen.

Petersburg, 15. Juni. Die Sigung der Duma wurde heute um 11 Uhr 35 Minuten unter dem Vorsitze des Fürsten Dolgorukow eröffnet. Bei den Debatten über die Agrarfrage erzählt Shrtlanoff von Landräubereien, die im Gebiete der Baschtiren vorgekommen seien und wobei der Fistus Geld verdient habe. Nach Ablauf von 10 Minuten, die mit einer Sanduhr ge­messen wurden, wurde der Redner vom Präsidenten unterbrochen. Abg. Jezersky stellte darauf den Antrag, daß den Bauern alle der Kirche und dem Fiskus gehörigen Güter sowie alle kaiserlichen Domänen umsonst übergeben werden sollten, damit so gezeigt werde, daß die Duma auf der Zwangsenteignung bestehe, ohne die Aus­führungen der Minister zu beachten.

Im weiteren Berlaufe der Situng wird eine Interpellation über die gestrigen Borgänge in Bjelostok eingebracht, deren Be­sprechung große Erregung hervorruft. Verschiedene Abgeordnete halten heftige Reden. Nabokoff erklärt, es sei festgestellt, daß wie in Rischinew und Homel so auch hier der Ausbruch der Krawalle auf ein gegebenes Signal hin erfolgt fei! Die Duma müsse unverzüglich gegen dieses verabscheuungswürdige Verbrechen vorgehen. Levin( Jsraelit) erklärt, das Progrom in Bjelostok sei von jemand provoziert worden, der dem Bolizeidirektor genau be­fannt sei! Das Brogrom sei die Antwort der Minister auf die Interpellationen der Duma. Jukovsky erklärt die Beziehungen der polnischen Juden zu den Orthodoxen für ausgezeichnet. Roditscheff führt aus, das Vaterland sei in Gefahr, denn die Regierung stifte selbst die Judenhezen an, und das Baterland werde in Gefahr bleiben, so lange das Ministerium am Ruder bleibe. Aladjin schlägt eine Tagesordnung vor, nach der die bereits gebildete Kommission zur Untersuchung ungefeglicher Afte der Regierung zwei ihrer Mitglieder nach Bjelostok entsenden folle; um die Ursachen des Progroms festzustellen. Nach einer von dem Bopen Afanassiet gegen die antisemitische Presse gehaltenen

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Sibirien !

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Die Verschidung nach Sibirien wird laut Nachrichten aus scheljabinsk in größtem Maßstabe fortgesetzt. Im Mai dieses Jahres passierten Tscheljabinst 7000 Verschickte!

Herrenbaus.

20. Sigung vom Freitag, den 15. Juni, nachmittags 2 Uhr. Am Ministertische: Dr. Studt, v. Bethmann- Hollweg . Freiherr

v. Rheinbaben.

Das Andenken der seit der letzten Sitzung verstorbenen Mit glieder wird durch Erheben von den Sitzen geehrt. Auf der Tagesordnung steht die allgemeine Diskussion über den Entwurf des Voltsschulunterhaltungsgefezes.

deutung, die

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die Volksschule im Kampfe gegen die Sozialdemokratie hat, müssen Einzelbedenken und fleine fraktionelle Eifersüchteleien schweigen. Es liegt uns daran, das Gesez noch in dieser Session zustande zu bringen, damit nicht in lezter Stunde sich Einflüsse von außen her geltend machen, um das große Wert zum Scheitern zu bringen. An der Finanzfrage wird dieses hohe Haus und unsere Fraktion dies Gesetz nicht scheitern lassen. Wir wollen auch nicht leugnen, daß uns die der Kirche eingeräumte Stellung nicht be sonders gefällt. Aber wie gesagt in Einzelerörterungen will ich hier nicht eintreten. Bitten möchte ich die Staatsregierung aber, uns nicht zu drängen und uns nicht fortwährend damit zu ganze Gesetz zum Scheitern bringen werde.( Lebhafte Zustimmung drohen, daß irgend eine von uns beschlossene Aenderung das rechts.) Fortwährend wirft man dem Herrenhause Faulheit, Un­fähigkeit usw. vor.( Heiterkeit.) Man vergißt dabei, in welcher schwierigen Lage das Herrenhaus infolge seiner seltenen Einberufung sich befindet.( Zustimmung.) An diesem Zustande können freilich weder Herrenhaus, noch Abgeordnetenhaus, noch die Staatsregierung Drängen zu unterlassen und uns nicht immer die Pistole auf die etwas ändern. Wohl aber steht es bei der Regierung, das Brust zu setzen.

Das Abgeordnetenhans, mit dem man uns immer droht, ist gar nicht so schlimm.

Kultusminister Dr. Studt: Das Abgeordnetenhaus hat den vor­liegenden Gesezentwurf in einer Fassung angenommen, der die Staatsregierung im allgemeinen zustimmen kann, und es ist nun Auf­gabe dieses hohen Hauses zu prüfen, wie weit die Vorlage geeignet ist, als Grundlage für eine weitere gedeihliche Ent­wickelung des Voltsschulwesens zu dienen. Seit Begründung des Kultusministeriums im Jahre 1817 hat dieses sich umunter( Heiterkeit.) Es ist gar nicht so ein Popanz( Heiterkeit) und wird brochen bemüht, eine einheitliche Regelung des Unterrichtswesens nicht wegen dieses oder jenes Paragraphen die ganze Vorlage herbeizuführen. Bisher waren diese Bemühungen erfolglos, und die scheitern laffen. Ich bitte den Herrn Präsidenten, wenn wir Stegierung hat sich nun entschlossen, in Uebereinstimmung mit dem morgen auseinandergehen, den Tag der nächstfolgenden Sizung erst vom Abgeordnetenhause angenommenen sogenannten Kompromiß nachdem der Kommissionsbericht vorliegt, festzusehen.( Beifall.) antrage diese Vorlage zu machen, die wenigstens das Gebiet der Präsident Fürst Inn- und Knyphausen erklärt, daß er die letzte Volksschulunterhaltung regeln soll, auf dem bisher Ungleichheiten Anregung des Vorredners sich zu eigen machen werde. licher Maschinen und Geräte, die Fischerei und Geflügelabteilung sowie die große Halle mit Acer - und Gartenprodukten.

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und Beharrlichkeit selbst die ödeste Heidestrecke kultiviert zu werden bermag und sich in wogende Getreidefelder verwandelt. Nicht weit davon liegt die Halle für Produkte des Acker- und Gartenbaues. Ihre Durchwanderung ist höchſt intereſſant. Sie enthält eine reiche Sammlung von Samen-, Getreide- und Kartoffelarten. Ueber 200 verschiedene Kartoffelsorten sind dort zur Ausstellung gelangt.

Die 20. Wanderausstellung der Zur Linken von der durch Rasenanlagen mit Rosenbeeten und Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. toniferengruppen eingefaßten Hauptstraße befinden sich die Obst­bauanlagen, die trefflich die einzelnen Arten des intensiven und Die landwirtschaftliche Ausstellung ist seit gestern eröffnet; aber ertensiven Obstbaues veranschaulichen, darunter eine intensive Obst­der Gröffnungstrubel des ersten Tages mit seinen Parade bauanlage mit Zwischenkulturen von Beerenobst und eine extensive Besonders sehenswert ist die Tierausstellung. Sie zeugt von veranstaltungen und patriotischen Demonstrationen hinderte gestern Anlage mit Himbeer- Zwischenfulturen, Bohnen- Anpflanzungen und einer glänzenden Entwickelung der deutschen Viehzucht und verans ben lleberblick und die nähere Prüfung der großen technisch- land- Spargelbeeten. Weiterhin reihen sich mehrere Anlagen intensiven fagaulicht zugleich, welches hohe Niveau dieser Zweig der deutschen wirtschaftlichen Heerschau, welche die Deutsche Landwirtschafts- Obstbaues an mit adfrüchten- und Erdbeer- Zwischenkulturen. Landwirtschaft erreicht hat. Mag auch im ganzen die englische gesellschaft auf dem Schöneberger Ortsteil Friedenau hinter dem Zur rechten Seite der Hauptstraße erstreckt sich die außer Viehzucht noch immer die deutsche überragen, so läßt sich doch nicht Wannseebahnhof arrangiert hat. Die Wanderausstellungen der gewöhnlich reichhaltige Ausstellung von Maschinen und landwirt verkennen, daß die deutsche in den letzten Jahren enorme Fort­Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft haben sich in den letzten Jahren, schaftlichen Geräten aller Art: von Lokomobilen, Dampfpflügen, schritte gemacht hat. Die Anlehnung an die ausländische Vich­wie anerkannt werden muß, mehr und mehr entwickelt. Die Be- Eggen, Dresch- und Mähmaschinen, Umschauflern, Häckfelschneide züchtung ist überwunden; die deutsche hat sich von den ausländischen fürchtung, daß das öffentliche Interesse bald für diese jährlichen maschinen, Bentrifugalpumpen, Getreidereinigern, Schrotmühlen, Buchtversuchen unabhängig gemacht und schlägt selbstbewußt ihre Ausstellungen erlahmen werde, hat sich nicht bestätigt. Sie haben Pressen usw. Fast ausschließlich sind an dieser Ausstellung deutsche eigenen Wege ein. Speziell ist die Pferdeausstellung reich beschickt. vielmehr beträchtlich an Ausdehnung gewonnen; und zugleich mit Firmen beteiligt. Ihre Fabritate veranschaulichen, welchen ge- Der Katalog führt im ganzen 673 Pferde auf, darunter herrscht der Ausdehnung ist der Wert und die Mannigfaltigkeit der aus- waltigen Aufschwung seit etwa einem Jahrzehnt die deutsche das Warmblut vor und zwar vorwiegend die Pferde des leichteren gestellten Gegenstände sowie die Kunst der Anordnung, die über- Industrie landwirtschaftlicher Maschinen gemacht hat. Besonders und schwereren Reitschlages und des leichten Wagenschlages. Es fichtliche, wirkungsvolle Gruppierung der einzelnen Ausstellungs- fallen einige große 24pferdekräftige Dampfpflug- Lokomotiven auf. find 416 Warmblüter und 182 Kaltblüter( schwere Arbeitspferde) materialien nach fachmännischen Gesichtspunkten gewachsen. Auch die Sonderausstellung von Spiritusapparaten verdient besondere ausgestellt. Die Warmblüter haben vornehmlich Brandenburg , Die diesjährige Wanderausstellung übertrifft an Reichhaltig Beachtung. Die Zentrale für Spiritusverwertung zu Berlin hat Bommern , Hannover und Mecklenburg gestellt, während Sachsen feit bei weitem alle früheren. Es ist eine gewaltige Riesenbuden- dafür gleich zur rechten Hand vom Gingang ein großes Riesenzelt und die Rheinprovinz hauptsächlich Arbeitspferde geschickt haben. und Beltstadt, die hinter dem Friedenauer Wannseebahnhof ent- errichtet. Ihre Sammelausstellung umfaßt eine große Zahl von Doch lieferten auch Ostpreußen , Brandenburg , Hessen und Pommern standen ist. Ueberblickt man sie von der Bahn, so erscheint sie mit Spiritusheizöfen, Glühlichtbrennern, Glühlichtampeln, Spiritus- Kaltblut- Arbeitspferde; es wenden sich also auch diese Provinzen, ihren im Winde flatternden Wimpeln und Fahnen und den sich bratöfen, Spirituslampen usw. Ferner enthält die Mittelhalle eine die man bisher für ausschließliche Domänen der Edelzüchtung bea hoch über die Beltreihen erhebenden Windmotoren als ein Jahr interessante Vorführung des Instituts für Gärungsgewerbe und trachtete, neuerdings der Kaltblutzucht zu. Außerordentlich reich markts- oder Schüßenfest. Doch schwindet dieser Eindruck sofort, Stärkefabrikation. ist auch die Rinder, die Schweine und ganz besonders die Schafs wenn man durch den von schlanken Türmen flantierten Eingang Zwischen den Maschinen liegt ein Jdyll inmitten der ausstellung beschickt. das Ausstellungsgelände betritt. So manches sich auch an dem hastenden Großindustrie das vom Staßfurter Kalisyndikat er- Zum Schluß verdient noch die Fischereiausstellung der Ers öffentlichen Auftreten der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft aus- richtete niedersächsische Bauernhaus, gekrönt von einem mächtigen wähnung. Ausgestellt sind besonders Karpfen, Salme und Schleie. sehen läßt, so muß doch anerkannt werden, daß sie alles leere Schau- Strohdach. Der das Haus umgebende Garten enthält verschiedene Mit Karpfen sind nicht weniger als 96 Bassins besetzt, während gepränge von ihren Wanderausstellungen fernzuhalten versteht. Den Anpflanzungen von Blumen und Gemüsen, an denen die Wirkung 89 Bassins Salme der verschiedenen Arten enthalten. Auch eine Wurstelprater der Welt- und Landesausstellungen findet man auf des künstlichen Düngers veranschaulicht wird. Das Innere des Anzahl Wildfische finden wir dort, darunter besonders die Modü den landwirtschaftlichen Ausstellungen nicht. Bauernhauses birgt neben Kaliprodukten verschiedene Gemüse und Marenen aus dem pommerschen Modüsee. Ferner Aale, Zander, Früchte, die auf mit Kali gedüngtem Boden gezogen sind. An der Bachforellen usw. inneren Nordseite des Hauses liegt eine altmodische Feuerstätte, von der aus sich ein Blick auf ein von der Künstlerhand des Malers Hans am Ende ausgeführtes Diorama bietet, das eine Moorland­schaft darstellt. Das Bild zeigt, wie durch Aufwendung von Fleiß

Betritt man von der Rubensstraße das Terrain, so gelangt man auf die das ganze Ausstellungsgelände durchschneidende Haupt­straße. Auf der linken Seite derselben befindet sich die Pferde-, Rinder, Schafe und Schweineabteilung nebst der Ausstellung von Molkereigerätschaften; rechts liegt die Ausstellung landwirtschaft

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Als Ganzes beweist die Ausstellung, daß nicht nur die deutsche Industrie, sondern auch die deutsche Landwirtschaft emsig vorwärts schreitet trop der ewigen Klagen der Junker über den der Land­wirtschaft drohenden sicheren Ruin.