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Nr. 251.

Erscheint täglich außer Montags. Prets pränumerando: Biertel­jährlich 3,30 Mart, monatlich

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SeenTpred- Anschink Amt I, Nr. 4186.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Mittwoch, den 26. Oktober 1892.

Der Militarismus.

Augen. Die Nation hat anderes zu thun. Die Säfte des Staats werden zu vier Fünfteln dem ungeheueren Schwamm zugeführt, der sich an den lebendigen Baum angeseht hat, immer mehr saugend, immer mehr anschwellend und der färgliche Rest ist für den Baum selbst, und seine Aeste und Blätter und Früchte.

- wir wiederholen

Das neueste italienische Budget ist insofern von besonderem Interesse, als es den Militarismus ohne Feigen­blatt zeigt, in seiner abstoßenden Nacktheit und in voller, Volk und Land verwüstender Thätigkeit. Ackerbau, Industrie, Erziehung, Wissenschaft, Kunst alles in die Ecke gedrückt, Der Militarismus frißt zu neun Zehnteln weg, was blos von den färglichen Abfällen zehrend, die der mörderische, dem Baum zukommt. Wie kann da der Baum gedeihen? unheimlich wachsende Nimmersatt übrig läßt. Das alte Und wie schnell und wie riesenhaft der Schwamm wächst, Italien ging, nach dem bekannten Worte des Tacitus, an und was er verschlingt! dem antifen Kapitalismus, der Ansanımlung des Landbesitzes In den letzten zwanzig Jahren in wenigen Händen, zu Grunde Latifundia Italiam hier nur schon Gesagtes und zum theil wiederholt Gesagtes, perdidere die großen Landgüter haben Italien zu Grunde allein, wie der englische Agitationsvirtuos Cobden einst be­gerichtet. Auch das neue Italien , wie es von den zwei merkte: die Wiederholung ist ein nothwendiges Agitations­großen Soldatenstaaten: Frankreich und Deutschland gemittel in den letzten zwanzig Jahren hat das Deutsche schaffen ward, geht mittelbar durch den Kapitalismus Reich , 1872 begintend mit 250 Millionen Mark jährlich zu Grunde durch dessen verderblichsten Auswuchs, für das Heer und 12 Millionen Mark für die Marine, den Militarismus. Er hat in wenig Jahrzehnten stets crescendo bis zum gegenwärtigen Etatsjahr( 1892/98) bewirkt, wozu die alte Latifundien- Wirthschaft Jahr mit 427 Millionen für das Heer und 45 für die Marine hunderte brauchte. Und der Tacitus des neuen Königs also beinahe Verdoppelung in 20 Jahren! und Soldaten Italien , kann ihm die Grabschrift setzen: Summa für den Militarismus ausgegeben 11 597 Millionen, Militaria Italiam perdidere. Der Militarismus und dazu noch Schulden gemacht für den gleichen Zweck im hat Italien zu Grunde gerichtet. Den Kommentar und das Betrag von 1684 Millionen, so daß die Gesammtausgabe nöthige Biffermaterial liefert Giolitti's Budgetplan, der für den Militarismus in diesen 20 Jahren, Jahren des nur ein Plan ist zur Fütterung der riesigen Friedens- Friedens, fich belaufen auf dreizehn Milliarden und zweihundert ein und achtzig Mil­

armee.

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in

In Deutschland sind wir noch nicht ganz so weit, lionen jede Milliarde tausend Mil­aber wir sind auf dem besten Weg. So vollständig wie in lionen! Und in diese betäubende Biffer, die unsere Italien ist der eigentliche und einzig berechtigte Zweck des Phantasie kaum zu faffen vermag, find die franzöfifchen Etaats: das geistige, fittliche und wirthschaftliche Wohl der Milliarden" der Kriegsentschädigung nicht eingeschlossen! Menschen zu fördern, noch nicht bei Seite geschoben worden. Was hätte mit diesen 134 Milliarden für das Wohl Das Armeebudget nimmt in dem Gesammtbudget noch nicht die des Voltes geschehen können! so ausschließlich vorherrschende, alles andere so vollständig über- Und jetzt verlangt der Militarismus noch mehr, viel, ragende und überschattende Stellung ein, wie in Italien . viel mehr 60 bis 100 Millionen das Jahr mehr, und Für Wege, Schulen, Universitäten, die bürgerliche Verwer weiß, wie nach Jahresfrist sein Heißhunger weiter ge­waltung und andere Nebensächlichkeiten spart der Mili- wachsen sein wird!--

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tarismus fich vergleichsweise noch ziemlich erkleckliche Summen Ein ähnliches Bild zeigt uns Frankreich , der Staat, ab. Spart sich ab, denn Herr im Lande ist er auch bei welcher den Sporn und Vorwand der deutschen Kolossal­uns, und von rechtswegen gehört ihm alles, jeder Pfennig Rüftungen bildet. Der Bericht der französischen Budget­und jede Nervenfaser im ganzen Lande und es ist Gnade, tommission, verfaßt von Herrn Cochery, giebt noch gewal­wenn er nicht alles für sich nimmt. Aber trotz dieser tigere Ziffern als das deutsche Militärbudget. Sie sind von Guade und Großmuth kommt alles, was dem Militarismus unserem Lyoneser Bruderorgan, dem Peuple ", in einem nicht dient, ihn nicht füttert und nährt, erst in zweiter trefflichen, das Kriegsbudget" betitelten Artikel des Ge Linie: die Schule, die Wissenschaft, die Kunst, die nossen Etienne Marcel besprochen, einem Artikel, der die Literatur. Das deutsche Schulwesen, vor einem halben Jahr Anschauungen der französischen Sozialisten flar wiedergiebt, hundert ein Muster für alle übrigen Länder, ist heute ver- und den wir deshalb in seinen Hauptstellen hier folgen fümmert, und von den Amerikanern und Franzosen längst lassen: überholt; und welche wenig ruhmvolle Rolle Deutschland

von einigen Zweigen abgesehen auf dem Gebiete der Wissenschaft, und in der Kunst und Literatur spielt, das ift jedem bekannt, der da weiß, was geistiges Leben einer Nation ist. Ein Blick in unsere Museen, Theater, Buch handlungen und Leihbibliotheken und die Dete unseres Geisteslebens, die Gedankenarmuth, der Mangel an schöpferischer Kraft tritt uns erschreckend vor

Feuilleton.

Nagbrua verboten.)

Die Waffen nieder!

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Eine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner .

Nach den amtlichen Ziffern Cochery's hat Frankreich inner­halb der letzten 20 Jahre achtzehn Milliarden für das Kriegsbudget ausgegeben. Dazu tommen noch das Budget für die Ehrenlegion, welches in diesen 20 Jahren gleichfalls eine ganz anständige Zahl von Millionen verschlungen hat, die nuw Militärs zu gute kamen; dann die Ausgaben, welche den Ge­meinden und Departements aufliegen, wie z. B. der Bau von Kasernen und Kriegsschulen. Weiter gehören hierher die Quartiergelder, welche die Gemeinden für durchziehende

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Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Truppen zu zahlen haben, die Kosten für den Bau strategischer, für den Verkehr unnöthiger Wege und Bahnen, die man fast regelmäßig auf die Gemeinden und Departements abwälzt u. f. w. u. f. w. Auch die Unterstügungen, welche die Ge= meinden den Reservisten und Territorialen*) bewilligen, tann mau hier anführen. Wollte man nun gar noch auf die Unfummen kommen, welche dem Heer indirekt zugeführt wer den, so würde unsere Liste unendlich werden.

Man kann also jenen zugestandenen 18 Milliarden noch eine ganz anständige Zahl weiterer Milliarden hinzufügen. Dem reihen sich noch die Ausgaben auch wieder Milliarden- für die Marine an, welche ein selbständiges Budget hat, so daß Frankreich in diesen 20 Jahren mindestens fünf und dreißig Milliarden Kriegstosten gezahlt hat.

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Um dies zu ermöglichen, müssen unsere Steuerpflichtigen für das Jahr 1892 vier Milliarden Staats- und Gemeinde Abgaben in jeder Form bezahlen.

Das bedeutet den Ruin binnen türzester Frist. Hätte man 1871 den Militarismus abgeschafft, so würden die Summen, die der Minotaur**) verschlungen hat, überreichlich ge nügen, um unsere ganzen öffentliche Schulden tilgen, und wenn ich nicht durch eine langweilige Berechnung die Geduld unferer Leser zu ermüden fürchtete, würde ich nachweisen, daß die französischen Steuerzahler für das Finanzjahr 1893 brei Milliarden weniger Abgaben zu zahlen hätten, also eine an Stelle von vier.

Das läßt sich übrigens leicht tarmachen.

Man braucht nur einerseits die Zahlung der Zinsen für die öffentliche Schuld einzustellen, andererseits die Ausgaben für den Militarismus zu streichen, und die drei Milliarden find gefunden.

Ich weiß wohl, daß man uns entgegnen wird, die Fran­zosen müßten rüsten, so lange man in Deutschland nicht ab rüste, und umgekehrt. Aber das ist eine Bemerkung, die unfere Prinzipien und Lehren nur zu stüßen vermag. Denn Alle, die fo reden, proklamiren unbewußt die Nothwendigkeit der Internationalität, die Beseitigung der Grenzen und Vaterländer.

Auf ganz Europa lastet der Militarismus mit der gleichen erdrückenden Wucht, weil die verschiedenen Baterländer ein­ander eifersüchtigen Auges betrachten. In den verschiedenen Baterländern allerdings nur die Regierungen, nicht die Völker. So habe ich persönlich keinen Feind in Deutschland und bin auch feines Deutschen Feind. Und so wie mir geht es sicher 37 999 000 von den 38 Millionen Franzosen. Und das Gleiche wird für Deutschland gelten.

Was bedeutet überhaupt diese Scheidung in verschiedene Baterländer? Nichts als das Mittel, um einer größeren oder geringeren Zahl von Regierungen eine scheinbare Existenz­berechtigung zu verschaffen. Die unabweislichen Schluß­folgerungen ergeben sich daraus ganz von selbst.

Ich sehe also feinen Grund ein, warum ich drei Milliarden jährlich ausgeben foll, um mich gegen Leute zu vertheidigen, die weder von mir gehaßt werden, noch mich hassen.

Mir scheint, daß die Beseitigung der Grenzen und damit

*) Die Heerabtheilungen, die blos für den inneren Dienst be­stimmt sind. *) Ein menschenfressendes Ungethüm der griechischen Mythologie halb Mensch, halb Ochfe.

daß ich ganz apathisch geworden und jeden Fluchtversuch für unnüß hielt; aber schließlich mußte Bresser dennoch fiegen, als er mir vorhielt, daß es meine Mutterpflicht sei, den kleinen Rudolf so gut wie möglich der Gefahr zu ent reißen.

heute noch mit Schaudern von der Cholerawoche in Stockern. Es war damals eine solche Trauer- und Sterbe­resignation über mich gekommen, daß ich stündlich erwartete, der Tod in dessen Zeichen das Land seit zwei Monaten stand werde nun mich selber und meine anderen Lieben Daß wir als Zufluchtsort die Schweiz gewählt, geschah dahiuraffen. Mein Friedrich mein Rudolf: ich be- auf Friedrichs Wunsch. Er wollte sich mit den Männern weinte sie schon im Voraus. Doch, bei alleden, mitten bekannt machen, welche das" Rothe Kreuz" ins Leben ge­Das war die Cholerawoche von Grumig! In einem in meinem Harme, hatte ich ich doch füße Augen- rufen und an Ort und Stelle über den Verlauf der statt­Beitraum von sieben Tagen zehn Bewohner des Schlosses blicke. Das war, wenn ich alt meines Gatten gehabten Konferenzen, sowie über die weiteren Ziele der bahingerafft: Mein Vater, Lilli, Rosa, Otto, meine Jungfer Brust gelehnt, von ihm liebend umschlungen, mein Konvention sich unterrichten. Netti, die Köchin, der Kutscher und zwei Stalljungen. Im Leid seinem treuen Herzen ausweinen durfte. Seinen Abschied vom Militärdienst hatte Friedrich ein­Dorfe starben in derselben Zeit über achtzig Personen. Wie sanft er da nicht Trost, aber Worte des Mit- gereicht, und vorläufig, bis zur Erledigung des Gesuches, Wenn man das so trocken hersagt, klingt es wie eine schmerzes und der Liebe zu mir sprach, es wurde mir einen halbjährigen Urlaub erhalten. Ich war mun reich beachtenswerthe statistische Notiz; wenn es in einem er- dabei so warm und weit ums eigene Herz... Nein, die geworden, sehr reich. Der Tod meines Vaters und meiner zählenden Buche steht wie ein übertreibendes Phantasie- Welt ist nicht so schlecht mußte ich unwillkürlich denken drei Geschwister hatte mich in den Besitz von Grumiz und Ipiel des Autors. Aber es ist weder so trocken die Welt ist nicht ganz Jammer und Grausamkeit: es des sämmtlichen Familienvermögens gefeßt. wie das Eine ,, noch so schauerromantisch, wie das Andere, lebt in ihr das Mitleid und die Liebe. ... freilich erst in" Sieh her," sagte ich zu Friedrich, als mir vom Notar es ist falte, greifbare, tranerreiche Wirklichkeit, einzelnen Seelen, nicht als allgiltiges Gesetz und als ob die Besitzdokumente übermittelt wurden. Was würdest Du Nicht Grumiz allein war in unserer Gegend so hart waltender Normalzustand aber doch vorhanden; dazu sagen, wenn ich den stattgehabten Krieg nun preifen mitgenommen worden. Wer in den Annalen der nachbar- und so wie diese Segungen uns zwei durchglühen, mit wollte, wegen dieses durch seine Folgen mir zugefallenen lichen Ortschaften, und Schlösser, nachblättern will, könnte ihrer milden Rührung selbst diese Schmerzenszeit Vortheils?" daselbst viele ähnliche Fälle von Massenunglück finden. verfüßend so wie sie noch in vielen anderen, ja in den Dann wärst Du meine Martha nicht! Doch Da ist zum Beispiele- in in der Nähe des Städt- meisten Seelen wohnen, so werden sie einst zum Durch- ich verstehe, was Du sagen willst. Der herzlose Egois­chens Horn Das Schloß Stockern . Von der bruch gelangen und das allgemeine Verhalten der Menschen- mus, der sich über materiellen Gewinn zu freuen ver­Familie, die es bewohnte, sind in der Zeit vom familie beherrschen: die Zukunft gehört der Güte. mag, welcher aus dem Verderben anderer sproßt diese 9. bis 13. August 1866, gleichfalls nach Abmarsch der Regung, die der Einzelne, wenn er wirklich niedrig genug preußischen Einquartirung, vier Mitglieder der zwanzig- Wir verbrachten den Rest des Sommers in der Nähe ist, sie zu fühlen, doch sorgfältig zu verbergen trachtet jährige Rudolf, dessen Schwestern Emilie imb Bertha, Dntel von Genf . Es war Doktor Bressers Ueberredungskunst zu der bekennen sich stolz und offen Nationen und Dynastien: Candid und außerdem fünf Personen Dienerschaft- doch gelungen, uns zur Flucht aus der verseuchten Tausende sind unter unsäglichem Leid zu Grunde gegangen der Seuche erlegen. Die jüngste Tochter, Pauline von Gegend zu bewegen. Anfangs sträubte ich mich dagegen, aber wir haben dadurch au Territorium, an Macht ge­Engelshofen, blieb verschout. Dieselbe hat sich in der Folge die Gräber der Meinen so rasch zu verlassen und war wonnen: den Himmel fei Preis und Dank für den glück­mit einem Baron. Suttner vermählt auch fie erzählt überhaupt, wie gesagt, von solcher Todesergebung erfüllt, lichen Krieg."

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