dem Könige unterbreitet wurden. Es verlautet, der König habe seiner Befürchtung über die Zukunft Rußlands offenen Ausdruck der- liehen. Der russischen Regierung liegt offenbar diel daran, den Schein aufrechtzuhaltcn, als werde sie von den gemäßigten Liberalen unterstützt und sei also nicht reaktionär. So sagt eine offiziöse Meldung über die Kabinettsbildung: Petersburg » 5. August. In Regierungskreisen wird berichtet, daß die Verhandlungen wegen Eintritts liberaler Nichtbureaukraten in das Kabinett nicht gescheitert seien, sondern wegen der mittler- weile eingetretenen Ereignisse in den Hintergrund getreten sind. Sobald Ruhe und Ordnung wieder hergestellt sein werden, würden die Verhandlungen wieder m Angriff genommen werden. Zur Vorbereitung der liberalen Aera Iverden die Re- Pressalien verdoppelt. Mit wahrhaft tierischer Wut tötet die Reaktion unter den Unterlegenen von Sveaborg und K r o n st a d t. 300 Todesopfer sind an einem Tage zu Kronstadt dem Zaren dargebracht worden, 300 Menschenleben sind zur Aufrechterhaltung des russischen Standregiments innerhalb 24 Stunden zerstört worden. Die furchtbare Depesche, die dem„Tag" zugegangen ist, lautet: Moskau , 5. August. stTag"-Mcldung.) JnKronstadt sind 300 Rädelsführer des letzten Aufstandes vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und bereits hingerichtet worden. Unter ihnen befinden sich viele Zivilpersonen, darunter auch das ehemalige Mitglied der Reichsduma Michailitschenko, bei dem ein Plan der Festungswerke gefunden wurde. Ein anderes früheres Mitglied der Duma, Onipko, wurde in Sveaborg verhaftet. Das Kronstädter Kriegsgericht wird noch eine Woche tagen und voraussichtlich weitere Todesstrafen verhängen. Trotz der Niederwerfung der Revolten in Sveaborg und Kronstadt herrscht im Generalstab der Marine noch gegenwärtig große Besorgnis, daß sich jene Er- eignisse in Sewastopol wiederholen, wo es unter der Besatzung gärt. Die Massenerschießungen zeigen, daß dem herrschenden Regiments das Wasser bis an die Gurgel gestiegen ist: Nach der Meuterei der Schwarzmecrflotte hat die Reaktion zwar auch Blut in Strömen vergossen, aber gegen das Kronstädter Verfahren waren die damaligen Erschießungen doch reines Kinderspiel. Um wieviel mehr die Herrschenden heute'um ihre Stellung zittern, um wie viel gefährlicher ihnen die Meutereien heute erscheinen, das zeigt dieses Wüten des Kronstädter Kriegsgerichts. Es soll ein Zeichen der Stärke sein und ist doch dem schärferen Blick ein Anzeichen steigender Angst... Ihre Verbündeten, die „Schwarze» Hundert " bereiten sich indes auf neue Morde vor. Aus Moskau wird vom 5. August gemeldet: Die Versammlung des allrussischen Verbandes beschloß, un- verzüglich einen Plan zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen die anarchistischen Gewalttaten anszuarbeiten. Leider muß man zu den Verbündeten des Zaren auch die finnischen Behörden und die finnische Bourgeoisie rechnen. Es wird dem„Tag" aus Helsingfors gemeldet: Der Landtag hat sein Bedauern über die Teilnahme finnischer Mitbürger an den russischen Militärunruhen und den Helsingforser Krawallen ausgesprochen und die Regierung zur Wicderherstcllimg der Ordnung durch Gewalt aufgefordert, wobei er zugleich die verfassungsgemäße Wiedererrichtung der finnländischen Armee in Anregung brachte. Erfreulicherweise aber bestätigt sich nicht die Meldung von der Verhaftung des Führers der Roten Garde Cock. Helsingfors , 0. August. Das Gerücht, der Führer der Roten Garde, Kapitän Cock sei verhaftet, bestätigt sich nicht. Richtig ist nur, daß seine Papiere beschlagnahmt wurden. Nur der Führer der An- archisten Luoto wurde verhaftet. Die Ivegen der Unruhen in Svea- borg eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß dieselben von den russischen Revolutionären vorbereitet und von der Roten Garde durch- geführt wurden. Die Tragödie von Sveaborg. Helsingfors , 2. August.(Eig. Ber.) Nachdem die Festungsinannschaften von Sveaborg den 1. August von morgens 3 Uhr bis abends 8 Uhr ununter- krochen gekämpft und nachdem sie gerade von Schiffen, die ihnen Hülfe bringen sollten, sich beschossen sahen, ließen sie ihren Mut sinken und ergaben sich heute morgen— auf Gnade und Ungnade. Die Festungsmannschaft verweigerte den 30. Juli den Gehorsam, tötete einige Offiziere, setzte andere gefangen, er- oberte den größten Teil der Festung, die auf mehreren Inseln vor der Einfahrt in den Helsingforser Hafen gebaut ist. Ein Teil der Infanterie schloß sich den Revolutionären an, der größere Teil blieb der Regierung jedoch treu. Aus der Umgebung wurden frische Truppen hinzugezogen und so der Mut der Revolutionäre in etwa 60 Stunden gebrochen. Die Flotteninannschaft war bis auf etwa 200 Mann ent- waffnet und wurde in ihren Räumen festgehalten. Die 200 Mann meuterten und verließen die Kaserne, indem sie sich verkleideten. Der Generalstreik, den die Arbeiterschaft den 31. Juli verkündete, erstreckte sich nur auf die größten Betriebe, während die kleinen arbeiteten. Die Straßenbahn wurde erst heute außer Betrieb gesetzt, was einen blutigen Zusammen- stoß der Roten Garde mit der B ü r g e r w e h r, hier Fleischhauergarde genannt, zur Folge hatte. Es gibt Tote und Verwundete.— Der Streik sollte heute strenger durchgeführt werden, aber man wußte gar nicht, daß die Kämpfenden sich bereits ergeben hatten! Das traurige Ende der Revolution von Sveaborg wirkt sehr niederschlagend, und um so mehr, weil gerade in demselben Augenblick Nachrichten aus Reval , St. Peters- bürg, Kronstadt usw. eintreffen, welche, wenn sie paar Tage früher erfolgt wären, von ganz anderer Wirkung gewesen wären. Nun ist es hier zu Ende und die Naben, soll heißen, das Kriegsgericht ist vorsorglich bereits ernannt und hier angelangt! So werden auch hier wieder Helden ihr Blut verspritzen müssen, ohne die Sonne der Freiheit erblickt zu haben« '„ Vor einigen Tagen entleibte sich in einem nahen Kurort ein gewisser N a f i m o w, Offizier, der einer der traurigen Helden der estländischen Mordexpeditionen war. Wir wollen hoffen, daß ihm noch andere folgen. Denn es ist besser, wenn sie sich selbst entleiben. Hoffentlich wird das böse Ge- wissen auch dem Ober Henker Besobrasow das Leben gekürzt haben. Er ist kürzlich in St. Petersburg per- Lorben.— Genosse Michailitschenko f Moskau , 5. August.<„Tng"-Mcldunz.j In Kronstadt sind 300 Rädelsführer des letzten Aufstandes vom Kriegsgericht zum Tode ver- urteilt und bereits hingerichtet worden. Unter ihnen befinden sich viele Zivilpersonen, darunter auch das ehemalige Mitglied der Reichsduma M i ch a i- l i t s ch c n k o, bei dem ein Plan der Festungswerke gefunden wurde. Wie seinerzeit der Arbeiter Peter Alexejew— der erste russische Arbeiter, der vor einem politischen Gericht stand— seinen Richtern zurief:„Die kräftige Hand des russischen Arbeiters wird sich erheben und das Joch der Tyrannei in Stücke zertrümmern", so war Michailitschenko der erste, der in der Duma kraftvoll die Interessen der Arbeiter vertrat.„Ich will hier nicht von unserem Programm reden," sagte er während der Adreßdebatte,„das ganze Land kennt es: ich will nur zwei Worte nennen, auf die das Volk ungeduldig harrt." Er kam vom Süden als Deputierter der Bergarbeiter, und trug in die theoretisiereuden Reden der Duma den Pulsschlag des rauhen, bewegten Arbeiterlebens hinein. Er ging in die Duma, obgleich die Parteileitung sich für den Boykott der Wahlen ausgesprochen hatte, denn hinter ihm standen Tausende unaufgeklärter Arbeiter, die an die Duma noch glaubten, und er wollte hingehen und arbeiten und seinen Wählern zeigen, wie wenig Hoffnung man auf diese Duma setzen könne. Er. war eine der kernigsten Gestalten dieser an Volkstypen so reichen Duma, und wenn er sprach, wußten alle, daß Taufende und Abertausende Arbeiter seinen Worten lauschten, dir nur einen kleinen Teil ihrer Forderungen ausdrückten. Er war kein Anhänger eines Putsches. Einige Tage noch vor der Auflösung der Duma reiste er nach Bachmut, um die streikenden Bergarbeiter zur Besonnenheit zu mahnen und sie zu bitten, ihre Kräfte für den entscheidenden Kampf auf- zusparen. Doch als er sah, daß die Regierung die Duma aus- einanderjagte, als er sah, daß die Kadetten, statt in den Kampf zu gehen oder wenigstens ehrenvoll auf ihrem Posten zu sterben, sich mit einem papiernen Erlaß begnügten und für die Mandätchen zu zittern anfingen, als er sah, wie es aufflammte in Sveaborg und Kronstadt , in Polen und im Kaukasus , da hielt es ihn nicht länger in der ruhigen Stadt und er ging in den Kampf, obgleich derselbe von Beginn an fast aussichtslos war. Er starb auf seinem Posten. Als erster hat er sein Mandat voll und ganz zu Ende geführt. DaS Volk sandte ihn hin, Land und Freiheit zu erkämpfen, und es war ihm nicht möglich, jetzt ruhig zu seinen Genossen zurückzukehren. Die Henkersknechte der Regierung haben ihn und noch drei- hundert tapferer„Aufrührer" niedergeknallt, doch diese Salve wird tausendfachen Widerhall finden im ganzen Lande und MichailitschenkoS Kampfgenossen nur noch mehr anseuem, mit dem Regime deS Schreckens ein Ende zu machen. Sonst wird noch berichtet: Die Ermordung Herzensteins. Petersburg, 6. August. l„Frkf. Ztg.) Moskauer Berichten zu- folge ergab eine Haussuchung im Lokale des Verbandes„Zum aktiven Kanipfe mit der Revolution" eine Menge kompromittierenden Materials, aus dem hervorgeht, daß der Mord Herzeusteins von Petersburger Patrioten ausgeführt worden ist, und daß die Moskauer „Schwarze Bande" von dem Plaue informiert war. Petersburg, S. August. Seitens der Regierung wird die Version verbreitet, daß die Ermordung HcrzcnsteinS das Werl des jüdischen revolutionären Bundes sei. Herzenstein sei deshalb verhaftet ge- wesen, weil er zu den Liberalen neigte und zum orthodoxen Glauben übergetreten sei. Tie Militäragitation in Finnland . Ein finnischer Parteigenosse gibt in Stockholms „Social-Demo- kraten" einige interessante Mitteilungen über die revolutionäre Agitation, die unter den in Finnland stationierten russischen Truppen betrieben worden ist. Der Artikel ist vor den Ereigniffen von Sveaborg und Helsingfors erschienen. Es heißt darin: „Die russischen Truppen, die während des Maffenstreiks wieder- holt erklärten, daß sie nicht auf das Volk schießen wollten, zeigten eine freiheitliche Gesinnung, die einer Anzahl energischer junger finnischer Revolutionäre Hoffnung gab, sie für des Volkes Sache zu gewinnen. Unterhandlungen wurden mit den russischen Revolu- tionären angeknüpft und man begann mit einer Agitationsarbeit in kleinem Umfang. Binnen kurzer Zeit zeigte sich ein so staunens- wert gutes Ergebnis, daß auf einem Kongreß, der Anfang dieses Jahres in Finnland stattfand, die Leiter der Militäragitation in Rußland auf Finnland aufmerksam wurden, das man bis dahin mehr als ein Land angesehen hatte, um das man sich nicht zu lümmern brauchte. Nun wurde es lebhaft in den Kasernen. Die Soldaten, die bisher kaum für etwas anderes zu haben waren, als stumpfsinnig hinter den düsteren Mauern dieser Gefängnisse zu sitzen und in ihrer Urlaubszeit sich voll zu saufen, begannen nun, dank der intensiven Agitation, nach und nach an anderes zu denken. Die Kosaken und die Infanteristen, die die dümmsten und gleichgültigsten unter den Soldaten sind, wurden von jungen hübschen Mädchen bearbeitet; sie gingen abends mit ihnen in Eafes, weckten in ihnen den Wider- willen gegen die strenge Disziplin und brachten sie dazu, ihren Miß- mut mit den bestehenden Verhältnissen kundzutun. Was die Agitatoren und Propagandisten nicht vermochten, ge- lang diesen jungen Mädchen, von denen viele der russischen Aristo- kratie angehörten. Durch ihre freundlichen Worte gelang es, viele von diesen wilden Tieren zu zähmen, die in Rußland selbst ohne Erbarmen vielleicht sogar Vater, Mutter und Geschwister nieder- geschossen hatten.— Man hatte den Soldaten eingercdöl, daß, wenn es keine Revo» lutionäre gäbe, sie es viel besser haben würden und sich nicht so zu plagen brauchten. Als sie aber nun der guten Behandlung teil- haftig wurden und wenn sie einer dieser heldenmütigen jungen Mädchen zuhörten, die in flammenden Worten und doch in einer für ihre einfache Natur leicht verständlichen Sprache zu ihnen redete, da geschah es oft, daß sie in Tränen ausbrachen, indem sie der Schandtaten gedachten, an denen sie mit beteiligt gewesen. Viele von denen, die früher ohne Zaudern Befreier des Volkes niedergeschossen hatten, wurden die eifrigsten Anhänger. Abend für Abend kamen sie heimlich zusammen— bald bei irgend einem Revolutionär, bald in einem Cafe, bald in einem vergessenen Winkel der Kaserne. Die Mannschaft der Flotte und die Artilleristen, die im all- gemeinen dem städtischen Proletariat angehören und die Intelligenz in der Armee bilden, waren am leichtesten zugänglich. Schon nach ein paar Zusammenkünften brannten sie von Eifer und wollten teil- nehmen an der Aufklärungsarbeit. Sie gründeten geheime Zirkel, re halfen bei der Druckärbeit. sie lieferten tüchtige Agitatoren. Binnen weniger Wochen hatte die Agitationsarbeit unter ihnen der- maßen gewirkt, daß man sich genötigt sah. ihren Uebereifer zu dämpfen,"______ politische(leb ersieht. Berlin , den 6. August. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich! Die Stichwahl in Rinteln -Hofgeismar hat, wie selbstverständlich war, mit dem Siege des Deutsch- Sozialen(d. h. des Antisemiten Liebermaunscher Couleur) ge- endet. Der Kandidat dieser Richtung hat 9100 Stimmen er- halten, also 3052 Stimmen mehr, als bei der Hauptwahl, während der sozialdemokratische Kandidat 4300 Stimmen er- hielt, also 393 Stimmen mehr als bei der Hauptwahl. Im ganzen sind bei der Stichwahl 590 Stimmen weniger abgegeben worden als bei der Hauptwahl. Damals erhielten der Deutsch soziale Herzog 6048, der nationalliberale Kandidat 1367, der freisinnige Kandidat 1043, der Reformer 1835 und der Sozial- demokrat 3907 Stimmen. Von den bürgerlichen Parteien scheint also keine einzige für den Sozialdemokraten und gegen den Antisemiten gestimmt zu haben. Selbst die Wähler des„Reformers" Helmerich, der sich im Eisenbahnkoupee mit einem Ver- Weier der Liebermannschen Richtung ohrfeigte, und selbst die Freisinnigen, die ebenfalls im Wahlkampfe antisemitische Ohrfeigen einheimsten, müssen also für den Lieber- m a n n s ch e n Kandidaten gestimmt haben, da die zirka 600 sozialdemokratischen Stimmen wahrscheinlich nur sozial- demokratische Reserven darstellen. Die Ohrfeigen haben dem- nach keine Wirkung gehabt: Pack schlägt sich. Pack verträgt sich! Triumphierend erklärt denn auch die nationalliberale „National-Zt g.": „Der Zuwachs von rund 3000 Stimmen gegenüber der Hauptwahl setzt sich aus sämtlichen nationalliberalen und einem großen Teile der freisinnigen wie der Stimmen des reformerischen Gegenkandidaten zusammen. Zwar haben einige Mitglieder des Weib- I i ch e n Freisinns außerhalb des Wahlkreises den Beruf gefühlt, ihrer Sympathie für den Sozialdemokraten durch einen Aufruf zu dessen Gunsten Ausdruck zu geben; aber die freisinnige Parteileitung des Wahlkreises selb st hat mit aller Entschiedenheit festgestellt, daß sie mit diesen Querköpfen nicht da« mindeste zu tun haben will. Sie hat vielmehr ihren Wählern volle Freiheit gelassen, ihre Entschließung nach eigenem Ermessen zu treffen. Dieser Standpunkt ist korrekt, wenn man der Freisinnigen Volkspartei nicht zumuten will f ü r einen Antisemiten direkte Wahlparole auszugeben. Verkehrt wäre jedenfalls— abgesehen von grundsätzlichen Bedenken schon aus Partei- taktischen Rücksichten— die Parteinahme z u g u n st e n des Sozialdemokraten gewesen. In diesem rein ländlichen Wahlkreise ist eine solche Parole ohnehin vergebliche Mühe und sie würde außerdem die Freisinnige Volkspartei bei den übrigen Parteien in Mißkredit gebracht haben." So fanden sich denn trotz aller ausgeteilten und empfangenen Ohrfeigen alle bürgerlichen Parteien einmütig zusammen, um dem Antisemiten in den Reichstag zu ver- helfen!—_ Eine schweizerische Zuchthausvorlage. Aus Zürich wird uns geschrieben: Das verbündete Ausbeutertum im Kanton Zürich schreckt vor keiner Schandtat mehr zurück. Nun haben die städtischen Bourgeois und Schlotjunker mit den Dorfmatadoren in allen 11 Bezirken des Kantons zusammen durch ein Initiativkomitee ein Initiativ- begehren zur Abänderung des Züricher Straf» g e s e tz e s ausarbeiten lassen, das nichts anderes als eins Zuchthausvorlage zur Erwürgung des Koalitions- bezw. Streik« rechts der Arbeiterschaft ist. Die nötigen 5000 Unterschriften werden natürlich schnell beisammen sein: vielleicht werden auch 20 000 und 30 000 aufgebracht, denn alles, was direkt oder indirekt von der Aus- beutung der Arbeiter lebt und schwelgt, ist einfach wütend darüber, daß sie sich organisieren, kürzere Arbeitszeit und höhere Löhne fordern und auch als Menschen leben wollen. Dieses„steche Unter« fangen" wollen die Biedermänner fiir die Zukunft unmöglich machen und darum schlagen sie folgende Ergänzung deS Strafgesetzes vor: § 79 a. Wer öffentlich vor einer Versammlung oder in einem Verein, oder wer durch Verbreitung, öffentlichen Anschlag oder öffentliche Ausstellung von Schriften oder anderen Darstellungen zum Ungehorsam gegen Gesetze auffordert, wird mit Buße bis zu 500 Franken oder Gefängnis bis zu e i n e m I a h r b e st r a f t. Ist ein Erfolg eingetreten, so muß Gefängnis verhängt werden. § 70 d. Wer' auf die vorbezeichnete Weise zur Begehung einer strafbaren Handlung auffordert, ist gleich dem Anstifter zu bestrafen, wenn die Aufforderung die strafbare Handlung oder einen strafbaren Versuch derselben zur Folge gehabt hat. § 86 a. Arbeiter und Angestellte von Unternehmungen und Be- trieben des Staates oder der Gemeinden, welche den Arbeits- vertrag vorsätzlich brechen und dadurch Gefahr für Leib und Leben von Personen oder für wertvolles öffentliches oder privates Eigentum herbeiführen, werden, auch wenn dadurch kein schwererech Vergehen begangen wurde, wegen Verletzung der Vertragstreue mit Gefängnis, in gelinden Fällen in it Buße bestraft, womit für Ausländer Verweisung bis zu fünf Jahren verbunden wird. Z 87(Abänderung). Wer in die Wohnung, den G e« schäftsraum, Werkplatz eines anderen oder in die dazu gehörende eingeftiedete Umgebung widerrechtlich eindringt oder einschleicht, oder trotz der Aufforderung, sich zu entfernen, darin verweilt, oder wer an solchen Orten Gewalt an Personen oder Eigentum, ohne dazu berechtigt zu sein, ausübt, wird wegen Störung des Hausfriedens mit Gefängnis oder Buße b e st r a f t. § 87 a. Wenn sich eine Mehrzahl von Menschen zusammen- rottet, mit der Absicht, Gewalttätigkeiten gegen Personen oder Sachen mit vereinten Kräften zu begehen, oder in Geschäftsräume, Werk- Plätze, Wohnungen oder das befriedete Besitztum anderer oder in abgeschlossene öffentliche Räume oder Gebäude einzudringen, so wird jeder Teilnehmer, wenn es bei der bloßen Absicht ge- blieben ist, mit Buße oder Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. Sind dabei gegen Personen oder Sachen Gewalttätigkeiten verübt worden, so ist jeder Teilnehmer mit Gefängnis nicht unter einem Monat zu bestrafen; die Rädelsführer und diejenigen, welche nachweisbar eine Eigen- tumsschädigung, Körperverletzung oder ein anderes Vergehen verübt haben, sind in Konkurrenz mit diesem speziellen Vergehen zu bestrafen und zwar mit Gefängnis nicht unter drei Monaten. 8 87 d. Wer in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung öffentlich oder in Ver- samnilungen oder durch Publikation(Druckschriften, Anschläge, In- schriften und dergleichen) zu Gewalttätigkeiten gegen einander anreizt, wird mit Buße bis zu 500 Fr. oder mit Gefängnis bis zu einem Jahre best rast. § 154». Wer rechtswidrig jemanden durch Anwendung von Zwang, Drohung oder Beleidigung zur Einstellung der Arbeit, zum Vertragsbruch oder zum Eintritt in Vereine oder Organisationen bestimmt oder zu bestimmen versucht, oder jemanden auf die vor- genannte Weise von der Arbeit oder vom Rücktritt von solchen Vereinigungen abhält oder abzuhalten versucht, wird mit Ge- fängnis bestraft. 8 154b. Wer versucht, Arbeiter oder Arbeitgeber durch Zwang, Drohung oder Beleidigung von der Arbeit abzuhalten, abzu- mahnen oder zu stören, ihnen abpaßt, sie gegen ihren Willen begleitet oder sonst belästigt, wird wegen Verletzung der persönlichen Freiheit mit Buße oder Gefängnis best rast. Desselben Vergehens macht sich schuldig, wer zu diesem Zwecke Gefchüsts- und Arbeitslokalitäten, Vau- o d e r W er kp l ä tz e o de r W o h n u n g e« u m st e l l t.
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