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.268. 23. Jahrgang. 3. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt. itag, 16. November 1906.

Pro und contra.

Die lekte Nummer der Neuen Zeit" bringt zwei Artikel, die fachlich zum neuen Tarif der Buchdrucker Stellung nehmen, einen aus der Feder des Genossen Badhaus, der für ihn ein­tritt, und eine Erwiderung des Genossen Kautsky , der an seinem alten Standpunkt festhält.

Da die Diskussion über die Tariffrage in der letzten Zeit leider bon ihrer eigentlichen Aufgabe, Klarheit über die Nüßlichkeit oder Schädlichkeit des Tarifes zu bringen, abgelenkt ist, scheint uns ein Abdruck dieser Artikel geradezu geboten, um die Debatte wieder in andere Bahnen zu lenken.

Die Artikel lauten:

I.

Ist der neue Buchdruckertarif ein Fortschritt oder nicht? Bon H. Badhaus.

In Nr. 4 der Neuen Zeit" schreibt Genosse K. Kautsky unter der Ueberschrift Der neue Tarif der Buchdrucker" unter anderem: Es genügt festzustellen, daß der neue Tarif in feiner Weise die Verhältnisse der Buchdrucker erheblich verbessert, in vielen Be­ziehungen aber verschlechtert." Weiter wird in dem betreffenden Artikel unter einem großen Aufwand von Zitaten aus dem Korre­spondent für Deutschlands Buchdruder usw." und dem Cor­respondenzblatt der Generalkommission" nachzuweisen versucht, daß die gewerkschaftliche Tattik des Buchdruckerverbandes Bankrott ge­macht hat. Dieser Auffassung gegenüber erscheint es notwendig, die Frage auch vom Standpunkt der Buchdrucker und der Gewert­schaftsbewegung überhaupt einer Betrachtung zu unterziehen. Genosse Kautsky zitiert zunächst ein Urteil aus dem Kor­respondent", das dahin lautet, die zehnprozentige Lohnerhöhung bilde nicht den vollen Ausgleich für die allgemeine Teuerung. Diese Ansicht wird auch wohl von der übergroßen Mehrheit der Buchdrucker geteilt werden. Wenn sie dennoch sich damit bescheiden, so geschieht dies aus der Erkenntnis heraus, daß die Gewerkschaften nicht leicht in der Lage sind, die Schäden des Wuchertarifs durch entsprechende Lohnerhöhungen wieder auszugleichen. Wäre dies so leicht, dann hätte nicht so ein erbitterter Kampf gegen den Zoll­tarif geführt zu werden brauchen. Es ist deshalb nach wie vor nötig, darauf hinzuweisen, daß die Arbeiter zum Teil die heutigen teuren Verhältnisse mitverschuldet haben, weil sie Leute in den Reichstag gewählt haben, die ihre Interessen mit Füßen traten. Hier kann nur durch Aufklärung der Arbeiter geholfen werden. Will man prüfen, ob die seitens der Buchdrucker erzielten Lohn­erhöhungen befriedigend sind oder nicht, dann muß man die ge­famten gewerblichen Verhältnisse bei der Beurteilung berücksichtigen. Es ist nun eine Tatsache, daß die Buchdrucker noch bei keiner Tarif­revision eine größere Aufbesserung des Lohnes erzielt haben. Um dies zu beweisen, genügt es, die Resultate der einzelnen Revisionen zu vergleichen; man findet dann, daß die Lohnerhöhung höchstens etwas über 7 Broz. betrug. Diesmal betragen aber die Erhöhungen durchschnittlich 10 Proz. Bedenkt man weiter, daß der Tarif den Gehülfen selbst in fleinen Orten eine Aufbefferung von wöchentlich 1,50 M. bis 2,50 M. bringt, diese Erhöhung aber in den Orten mit Lokalzuschlägen bis auf 3,12 M. steigt, so muß man bei ob­jettiver Betrachtung sagen, daß bei einem Stampfe es schwer möglich fein würde, mehr herauszuschlagen. Dies wäre höchstens in einigen Großstädten möglich; in den meisten Orten würde die Gehülfen­schaft aber froh sein, wenn sie das, was sie jetzt ohne Kampf er­reicht hat, bei einem eventuellen Streit nicht fallen lassen müßte. Einen Kampf zu führen, bei dem nichts zu gewinnen, viel aber zu berliezen ist, ist im höchsten Grade töricht, wenn nicht die Ehre der Beteiligten auf dem Spiele steht. In diesem Sinne sind auch die vom Genossen Kautsky angeführten Zitate zu bewerten. Das ist feine Bankrotterklärung der bisherigen Tattit des Buchdruckerverbandes, sondern ein richtiges Ab­wägen der gegenseitigen Kräfte.

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müssen. Ob diese durch ein besseres Resultat von den Gehülfen wieder ausgeglichen werden konnten. war fraglich. Sicher ist aber auch. daß die Gehülfen durch die Tarifgemeinschaft die Gewähr der weitesten Durchführung des Tarifes haben. Bei einem Kampfe auf der ganzen Linie war dies ausgeschlossen.

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Worin die Verschlechterungen für die Maschinen­feber bestehen, fagt Genosse Kautsky nicht. Es kann ja auch nicht bestritten werden, daß für die Maschinenseger Bestimmungen beispielsweise die Geftattung des Berechnens in Zeitungsbetrieben in Kauf genommn werden mußten, die als Verschlechterungen anzusehen sind. Will mar diefe aber richtig beurteilen. dann muß man hierbei auch die besonderen Verhältnisse berücksichtigen. Wir sehen fast überall im Wirtschaftsleben die Maschine als Lohn­drückerin auftreten. Wo befiere, leistungsfähigere Maschinen in einem Gewerbe eingeführt werden, treten meistenteils Arbeiter­entlaſſungen und Erſeßung der teuren Arbeitskräfte durch billigere, hauptsächlich durch Frauen, ein. Der Buchdruckerverband ist wohl die einzige Gewerkschaft in Deutschland , die es verstanden hat, die Einführung von Maschinen für die betroffenen Arbeiter weniger fühlbar zu machen, den Arbeitern an den Maschinen einen höheren Lohn( 25 bis 30 Proz. erhält der Maschinenseher mehr Lohn als der Handseter) zu sichern und zum Teil für sie eine fürzere Ar­beitszeit durchzusehen; im Zeitungsberieb beträgt die Arbeitszeit der Maschinenseger nur 8 Stunden. Dadurch, daß der Verband die Bestimmung durchgesetzt hat, daß an den Maschinen nur ordnungs­mäßig ausgelernte Sezer oder Drucker beschäftigt werden dürfen, war es ihm möglich, derartige Bestimmungen aufrecht zu erhalten. Bedentt man, daß die Arbeit an den Sehmaschinen in verhältnis­mäßig furzer Zeit erlernt werden kann, so ergibt sich daraus von selbst die Schwierigkeit der Situation. Darüber kommt man mit allgemeinen Redensarten nicht hinweg. Treffend hat das Cor­respondenzblatt" der Generalfommission in Nr. 43, 16. Jahrgang, hierüber ausgeführt: Immerhin beweist auch dieser Vorgang, wie ernst die Situation der Gehülfenschaft gerade auf dem Gebiete der Seb­maschinenfrage ist. Hier werden die entscheidenden Schachzüge zwischen beiden Parteien getan, und ein gewisses Nachgeben der Ge­hülfenvertreter unter dem Zwange der Verhältnisse ist gar nicht zu verkennen. Das zeigt sich auch in der Garantie einer gesteigerten Leistungsfähigkeit der Maschinensezer durch Einführung einer ge­wissen Mindestleistung für ihre Ausbildung. Ein solches Nachgeben ist nur verständlich unter dem Drucke der Gefahr, daß die Sehmaschine das Band der Tarifgemeinschaft sprengen fönnte, falls man diesen überlegenen Konkurrenten allzusehr in seiner Wettbewerbstraft beschränkt. Es ist das gleiche Bild, das sich in den Kämpfen innerhalb der Kartelle hinsichtlich der Beteiligungs­ziffern der Werke zeigt. In der Tat sah sich die Gehülfenschaft wohl oder übel gezwungen, den Sehmaschinen Konzessionen zu machen, um diesen Faktor nicht aus den Händen entschlüpfen zu lassen. Das letztere wäre sicher ein schwerer Schlag für die Ge­hülfenschaft gewesen, und es verdient Anerkennung, daß sie den Tarif an dieser Klippe nicht scheitern ließen."

Betreffs der einhalbstündigen Verkürzung der Arbeitszeit am Sonnabend oder Zahltage ist zuzugeben, daß das keine besondere Errungenschaft genannt werden kann. Eine derartige Behauptung ist auch vom Korrespondent" nicht aufgestellt worden. Man darf aber nicht vergessen, daß noch wenige Berufe es dahin gebracht haben, die neunstündige Arbeitszeit allgemein durchzuführen; weniger wie 9 Stunden wird nur in ganz wenigen kleinen Berufen gearbeitet. Sicher wäre hier auch von den Buchdruckern ein befieres Resultat zu erzielen gewesen, wenn nicht das Haupt­gewicht auf die Erhöhung des Lohnes hätte gelegt werden müssen. Gine gleichzeitige wesentliche Erhöhung des Lohnes und erhebliche Verfürzung der Arbeitszeit mußte als aussichtslos nach Lage der Sache erscheinen.

ein nicht zu verachtendes Mittel hierzu in die Hand. Ohne starte Organisationen fann eine Tarifgemeinschaft nicht bestehen. Man braucht nicht mit allem, was im Korrespondent" ge schrieben wurde. einverstanden zu sein, man darf aber nicht die Schwierigkeit der Situation für die Redaktion verkennen, die sich daraus ergibt, die Abmachungen gegen die Angriffe von links und rechts und aus dem eigenen Lager zu verteidigen. Ein alle Be­teiligten voll befriedigendes Resultat läßt sich nie erreichen. Mit Bitaten fann man viel beweisen; das hat ja auch Genosse Kautsky fürzlich erfahren. Eine gerechte objektive Kritik ist niemals vom Uebel; einzelne Parteiblätter sind aber bei der Kritik weit über diesen Rahmen hinausgegangen; mußte doch selbst der Vorwärts" seine anfängliche Stellungnahme reftifizieren.*).

Einzelne Unrichtigkeiten in dem Artikel des Genossen Kautsky müssen noch richtiggestellt werden. So sind nicht 87 Proz. der Buch­drucker gewerkschaftlich organisiert; die Zahl dürfte 80 Proz. kaum überschreiten. Weiter hat der Korrespondent" den rein gewerk­schaftlichen Kampf nicht als hoffnungslos hingestellt, sondern nur einen Kampf, der nach einem annehmbaren Angebot, wie es der be­schlossene Tarif ist, geführt würde. Der Korrespondent" hat auch nicht die Notwendigkeit des gewerkschaftlichen Kampfes geleugnet, sondern mehrfach betont, daß nur eine starke Organisation imstande ist, den Unternehmern Zugeständnisse abzuzwingen. Was über die gleichen Interessen von Tausenden der Unternehmer mit denen der Gehülfen auf dem Tarifgebiet" geschrieben wurde, ist meines Er­achtens nur so zu verstehen, daß die Unternehmer ein Interesse daran haben, daß der allgemein gültige Tarif auch überall durch­geführt wird, weil dadurch die unlautere Konkurrenz, die auf der Grundlage niedriger Löhne und langer Arbeitszeit usw. basiert, ausgeschaltet wird.

Was weiter in dem Kautskyschen Artikel über den engeren Zu­sammenschluß der Arbeiterklasse gesagt wurde, kann man größten. teils unterschreiben. Soll aber die Sozialdemokratie auch in dem rein gewerkschaftlichen Kampfe immer mehr Einfluß gewinnen, dann ist es notwendig, daß beide Teile der Arbeiterbewegung be­müht sind, sich gegenseitig Gerechtigkeit und objektive Beurteilung widerfahren zu lassen. In bezug hierauf haben die Buchdrucker manchmal zu flagen gehabt, wie sich auch wieder bei dem jezigen Tarifabschluß gezeigt hat. Wenn beispielsweise in der Leipziger Volkszeitung" geschrieben wurde, daß für zehn Jahre auf eine Arbeitszeitverkürzung verzichtet wurde der Tarif gilt jedoch fünf Jahre. und weiter es heißt:" Wenn die Buchdruckergehülsen die Errungenschaften der Tarifrevision gutheißen, dann tun sie besser, sich mit der Unternehmerorganisation zu einer großen Reichsinnung zu verschmelzen", von anderen Sottisen abgesehen, so dient dies nicht dazu, für die Sozialdemokratie mehr Anhänger unter den Buchdruckern zu gewinnen. In der Partei sollen sich doch alle Arbeiter zusammenfinden, und wenn bedauerlicherweise der größte Teil der organisierten Buchdrucker der Partei nicht angehört, so kann man ihn nur gewinnen, wenn man diese Arbeiter auftlärt, nicht durch Beschimpfungen.

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Was endlich über die Methode der ruckweisen Erringung ben Fortschritten gesagt wurde, so ist dies doch wohl gleichbedeutend mit dem vielfach so gepriesenen alten Schlagwort des Ausmußens der Konjunktur". Es ist doch eine alte Tatsache, daß bei schlechter Konjunktur diese ruckweisen Errungenschaften wieder verloren gehen. Wenn Genosse Kautsky und ebenso Genoffin Luxemburg hierin auf Rußland verweisen und betonen, daß die russischen Buchdrucker zurzeit durch diese Taktik bessere Erfolge erzielt haben, so darf nicht vergessen werden, daß in Rußland ganz außerordent liche Verhältnisse bestehen, und daß diese Fortschritte auch nur einem kleinen Teile der Arbeiter zugute kommen. Andererseits gibt Ge nofsin Luxemburg selbst zu, daß großenteils in Rußland auch von den Buchdruckern noch des Sonntags gearbeitet werden muß. In Zeiten revolutionärer Bewegung hat die Arbeiterschaft auch früher Bedeutet nun der abgeschlossene Tarif wirklich eine Bankrott- schon bedeutende Erfolge erzielt, die aber nicht von Bestand waren. erklärung der bisherigen Tattit des Buchdruckerverbandes? Um Gewiß find die durch Genoffin Luxemburg veröffentlichten Aus­diese Frage zu beantworten, ist es notwendig, einen kurzen Rückblick züge aus der Tarifvereinbarung der Moskauer Buchdrucker mit den Um zu verstehen, wie schwer es ist, durch Streit mehr zu er- auf die Geschichte der Tarifgemeinschaft der Buchdrucker zu werfen. Unternehmern nicht zu unterschäßen. Wenn in dieser Beziehung reichen. braucht man nur die seitens der Generalfommiffion im Wir sehen, daß im Jahre 1873. nach einem allgemeinen Buchdrucker- der Deutsche Buchdruckerverband nicht so weitgehende Zugeſtänd Correspondenzblatt" veröffentlichte Statistik über die Lohn- streit in Leipzig und infolgedessen in siebzig Orten erfolgter Aus- niffe aufweisen tann, so darf aber doch wohl darauf hingewiejen bewegungen, Streits und Aussperrungen im Jahre 1905( Nr. 41, sperrung der Verbandsmitglieder die erste Tarifgemeinschaft ab- werden, daß auch der deutsche Buchdruckertarif nunmehr einen be­16. Jahrgang) zu studieren. Es geht daraus hervor, daß von den geschlossen wurde, die ganz annehmbare Bestimmungen für die Ge- fonderen Schuß der Vertrauensmänner der Gehülfenschaft vorsicht. 2604 Streits und Aussperrungen, die insgesamt stattgefunden hülfenschaft enthielt. Infolge der niedergehenden Geschäfts- Alles in allem fann ich die aufgeworfene Frage dahin beant­haben, 1296 oder zirka 50 Proz. für die Arbeiter mit vollem und fonjunttur mußten sich die Gehülfen dann zweimal, 1876 und worten, daß der neue Tarif der Buchdrucker einen Fortschritt für 654, gleich 25 Broz., mit teilweisem Erfolg beendet wurden. Das 1878, eine Reduzierung gefallen laffen. Erst der Tarif von 1886 die Gehülfenschaft bedeutet. Um später mehr zu erreichen, bedarf sind," schreibt das Correspondenzblatt", 73 Broz.( richtiger brachte den Gehülfen dann eine Erhöhung des Lohnes um 5 bis es auch im Buchdruckerverband einer regen Aufklärungs- und Er­75 Broz.( wie eine Nachrechnung ergibt) aller Streits siegreich durch 6% Proz. Trotzdem die Gehülfen fast allein die Kosten der Tarif zichungsarbeit. Hierbei kann auch die Partei mitwirken. Nötig geführt, ein Erfolg, wie ihn die deutsche Arbeiterbewegung bisher gemeinschaft zu tragen hatten und für die Einhaltung des Tarifes ist jedoch, daß sich jeder über die Verhältnisse ein objektives Urteil noch nicht aufzuweisen hatte!" Mit den Bewegungen, die ohne Arbeits- vielfach gekämpft werden mußte, scheiterte die Tarifgemeinschaft verschafft; denn nur durch Wahrheit kommt man zur Klarheit. einstellung verliefen, zusammengezogen, ergibt sich, daß 84 Pro3. erst 1891 an der Frage der Arbeitszeitverkürzung. Die Unter­erfolgreich verliefen. Troß dieses günstigen Ergebnisses sehen wir nehmer wollten damals zwar eine Lohnerhöhung von 7% Proz. be­*) Hier irrt der Genosse Badhaus. Der Borwärts" hat also, daß nur die Hälfte der Streifs bollen Erfolg erzielte. willigen, lehnten aber jede Arbeitszeitverkürzung strikte ab. Der fich an feiner Stelle rettifiziert und feine sachliche Verurteilung des Betrachten wir nun die erzielten Lohnerhöhungen, so sehen wir, dann ausbrechende Streit endete bekanntlich dann mit einer Nieder- Tarifes und des Organisationsvertrages in jedem Betracht auf­daß eine solche pro Woche bis zum Betrag von 1,50 m. von 140 282 Tage der Gehülfen und Wiederaufnahme der Arbeit zu den alten recht erhalten. Arbeitern und Arbeiterinnen erzielt wurde; das ist mehr wie ein Bedingungen. Vier Jahre brauchte der Verband, um sich von den Drittel der Gesamtzahl. 131 362 Arbeiter und Arbeiterinnen er- Wunden des Kampfes so weit zu erholen, daß er wieder einen reichten eine Lohnerhöhung von 1,50 bis 2,50 M. Eine Lohn- Vorstoß wagen fonnte. Wiederum war die Hauptforderung der erhöhung von 2,50 bis 3,50 m. wurde von 89 819 Arbeitern und Gehülfen der Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde täglich. Arbeiterinnen errungen; mehr als 3,50 M. pro Woche vermochten Die Unternehmer willigten dann in eine Verkürzung der Arbeits­nur 22 247 Arbeiter und Arbeiterinnen durchzusehen. Hierbei darf zeit um eine halbe Stunde täglich und 2% Proz. Lohnerhöhung ein. nicht vergessen werden, daß der größte Teil dieser Verbesserungen Von da ab datiert die jeßige Tarifgemeinschaft, die gegen die erst mit erheblichen Opfern erkämpft werden mußte. Bergleicht frühere wesentliche Verbesserungen aufweist. Innerhalb derselben man damit das durch die Buchdrucker ohne große Opfer Erreichte, war es der Gehülfenschaft 1901 möglich, trop der schlechten Ge­dann kann das Resultat wohl als ein befriedigendes bezeichnet schäftstonjunktur eine Erhöhung des Lohnes um durchschnittlich über werden. Mehr als zwei Drittel der an den Lohnbewegungen be- 6 Proz. zu erzielen. Wenn diesmal die Erhöhung des Lohnes die teiligten Arbeiter waren nicht imstande, mehr, größtenteils Hauptforderung bilden mußte, so wird nach Ablauf des neuen weniger, zu erzielen, als die Buchdrucker durch friedliche Verein- Zarifes voraussichtlich wieder die Verkürzung der Arbeitszeit eine barungen zugestanden erhielten. Wenn auch die Buchdrucker noch der Hauptforderungen sein. Wird hierüber keine Verständigung an einzelnen Orten für die Durchführung des Tarifes kämpfen dann oder später erzielt, so wird es wieder zum Kampfe tommen, müssen, so fällt das doch nicht wesentlich ins Gewicht. Wenn man und von der Stärke und Macht beider Parteien wird es abhängen, ferner bedenkt, daß die Mehrheit der Buchdruder infolge der Lokal- wer Sieger bleibt. Der Kampf würde aber voraussichtlich derartige zuschläge, die für jeden größeren Ort in Höhe von bis 25 Proz Kosten und persönliche Opfer verursachen, daß gerade so, wie der festgesezt sind und die für einzelne Orte durch die Kreisämter auch Niederlage von 1891/92 ein späteres Nachgeben und Entgegen- Swinembe. 768 5528 noch Erhöhungen erfahren dürften, noch mehr als 2,50 M. Lohn- fommen der Prinzipale folgte, auch bei einem Siege der Prinzipale amburg 767 3bedeckt erhöhung erzielte, so fann mit vollem Rechte gesagt werden, daß die Furcht auf ihrer Seite vor einem zweiten derartigen Kampfe Berlin feine Berufsorganisation in solchem Umfang eine größere Beffer- sie zu Konzessionen wiederum zwingen würde. Dies dürfte der Franti.a.M. 769 SD München 1771 SD stellung ihrer Angehörigen ohne Kampf zu erzielen in der Lage war. normale Verlauf der Verhältnisse sein, wenn nicht politische Stämpfe Wien Aus dem Angeführten geht hervor, daß nach Lage der Sache eine Aenderung herbeiführen. Will der Buchdruckerverband bei schwer höhere Zugeständnisse der Unternehmer in der Lohnfrage zu dieser Taktik bestehen, dann gilt es auch für ihn nach wie vor, die erzielen waren. Wäre es dieserhalb zum Kampfe gekommen, dann Organisation immer mehr auszubauen und zu kräftigen. Der hätten beide Teile, Gehülfen und Brinzipale, schwere Opfer bringen gleichzeitig abgeschlossene Organisationsvertrag gibt den Gehülfen

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Montag, 19. November, 8 Uhr, im Neuen Klubhause, Kommandantenstr. 72: Rezitationsabend. Frau Helma Stein­ bach ( Hamburg ).

Pankow . Donnerstag, 22. November, 8 Uhr, bei Großkurt, Ber­linerstraße 27: Vortrag. Genoffin Ihrer:" Die Zukunft der jungen. Proletarier".

Witterungsübersicht vom 15. November 1906, morgens 8 1hr.

Stationen

Barometer.

inb

richtung

Bindstärke

Better

3bededt

769 GD

1 heiter

2 balb bd. 2 Nebel

Temp. n. T.

5° C. R.

Stationen

Barometer.

ind

Gunjoya

Bindstärke

Better

Temp. n. G.

Nebel

1 bebedt

5 bedeckt

9

4 Haparanda 759 Still 6 Betersburg 764 SD 1 Scilly 765 2 Oberdeen 756 SW 1 mollig -2 Baris 770 SSB 3 bedeckt

7729 1 wolkenl Wetter- Prognose für Freitag, den 16. November 1906. Etwas wärmer bei ziemlich lebhaften südwestlichen Minden und langfam zunehmender Bewölkung; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau.

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