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Die Konsumenten sollen nicht mehr nachrechnen können, was die Brauereien pro Hektoliter abwerfen. Die Warenhausbank macht Schule. Wie verlautet, will mun auch das Warenhaus Tieß, dem Beispiele Wertheims folgend, eine Bankabteilung einrichten.

Charlottenburger Wasserwerke. Der Aufsichtsrat beschloß, für 1905/06 die Verteilung einer Dividende von 17 Proz.( im Vorjahre 15% Broz.) aus den Betriebsergebnissen und eine Extradividende von 30 Proz. aus den Verkäufen an die Stadt Charlottenburg in Vorschlag zu bringen. Der restliche Ueberschuß wird gemäß dem Beschluß der außerordentlichen Generalversammlung vom 15. No­vember cr. derart Verwendung finden, daß auf je 3000 M. Aktien eine neue Aktie über 1000 m. gratis ausgehändigt wird.

Gewerkschaftliches.

Der§ 153 und die Aussperrung.

Ein für alle Gewerkschaftsorganisationen wichtiger Strafprozeß, der bereits das Oberlandesgericht in Hamm be­

nichtigen Ursachen inszeniert hat. Mithin dürfte der weitere Kampf und Boitsberger Rohlenrebiers ist, wie aus Graz ein ziemlich hartnäckiger werden. Von der Firma ist mittlerweile in Steiermart gemeldet wird, eine Lohnbewegung im Gange. Die bersucht worden, Formerarbeiten nach anderen Betrieben, be- Bergarbeiter beschlossen, in den Streit zu treten, falls die Unter­sonders des Rheinlands, zu vergeben, weil dort die Hernehmer die ihnen übermittelten Bedingungen der Arbeiter nicht stellungskosten angeblich billiger würden wie hier. Die Berliner bis zum 20. d. m. bewilligt hätten. Ortsverwaltung des Metallarbeiterverbandes hat jedoch sofort die nötigen Maßnahmen ergriffen, damit die Anfertigung bon Streitarbeit für die Nileswerte auswärts so weit wie möglich verhindert wird.

Hoffen und Harren!

Ein Unfug in der Arbeiterbewegung.

Man schreibt uns aus Rom unter dem 16. Dezember:

Heute vormittag wurde im hiesigen Volkshause der Gewerk schaft der Marmorarbeiter von den Vertretern der Arbeitskammer Roms eine goldene Medaille übergeben, um die Gewerk Wir lesen in der bürgerlichen Presse: schaft dafür auszuzeichnen, daß fie als erste Arbeiterorganisation Eine Versammlung der Angestellten der Allgemeinen der Hauptstadt den Achtstundentag in ihrem Gewerbe durchgefekt Elektrizitätsgesellschaft am 14. d. M. hat eine Resolution gefaßt, hat. Die Uebergabe der Medaille fand in feierlicher Weise in in der erneut dem Unmute der Angestellten darüber Ausdrud ge- Gegenwar. der Arbeiterorganisationen und der Vertreter der geben wird, daß die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft dem sozialistischen Partei und der Parlamentsfraktion statt. Die biefigen Wunsche ihrer Angestellten nach einer Teuerungszulage nicht Marmorarbeiter berdienen bei achtstündiger Arbeitszeit fünf Lire nachkommt. Die Resolution ist dem Generaldirektor unterbreitet täglich, einen für römische Verhältnisse hohen Lohn.

worden.

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Die Ausstandsbewegung in Odessa . Die Befrachtung der aus­ländischen Dampfer mit Getreide wird durch den Ausstand der fertigung. Die aus der Verzögerung entstehenden Verluste sind er. Hafenarbeiter sehr verzögert. 14 Dampfer warten auf ihre Ab­heblich. Der Export des Getreides aus den Depots ist ganz ein gestellt. Die Exporteure beschlossen, die Forderung der Ausständigen auf beschränkte Benutzung des Elevators abzulehnen.

Aus der Frauenbewegung.

Man hofft, daß die Gesellschaft an- Soweit unser Korrespondent. Wir stehen nicht an, diese gesichts des sehr günstigen Geschäftsabschlusses Nachahmung bourgeoiser Prämiierungssucht für einen Unfug su doch noch den Betenten entgegenkommen wird. erklären, der hoffentlich in der Arbeiterbewegung, auch der Die Belenten" vergessen, daß ein günstiger Geschäftsabschluß Lomanischen Länder, teine Nachahmung findet. Um den Acht­schäftigte, fand am Sonnabend vor der Straffammer in der Endawed aller kapitalistisch betriebenen Unternehmungen stundentag lämpft die Arbeiterschaft als eine große sozial und Essen seinen Abschluß. Durch Urteil des Schöffengerichts ist. Dieser günstige Geschäftsabschluß wird aber gefährdet, ethisch bedeutsame Errungenschaft, nicht um eine Art von Schieß­in Gelsenkirchen vom 9. Januar dieses Jahres wurden wegen helfen derartigen Gesellschaften gegenüber teine untertänig an wenn man den Angestellten gegenüber zu" generös" ift. Deswegen auszeichnung zu erringen! Vergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung verurteilt: gebrachten Wünsche, sondern freimütig vorgetragene Forde= Ein Kongreß der italienischen Reisarbeiter tagte am ver 1. der Sekretär der Maurer Joseph Lübbering in Essen zu rungen, denen eine träftige Organisation Nachdruck verleiht! gangenen Sonntag in Pavia . Vertreten waren 108 Land­4 Wochen, 2. der Maurer Bernhard Czerwinski in Rotthausen arbeiterorganisationen mit zirka 100 000 Mitgliedern; auch das zu einer Woche und 3. der Maurer Artur Propp in Rott- Der Streit der Holzarbeiter bei der Cash- Register- Compagnie ist Arbeitsamt ließ sich vertreten. Den hauptsächlichsten Berhand­hausen zu fünf Tagen Gefängnis. Die Angeklagten waren als aussichtslos aufgegeben worden, nachdem vor einiger Zeit auch die lungspunkt bildeten die Wanderungen der Landarbeiter im beschuldigt, am 14. Juni zu Rotthausen versucht zu haben, Buchdrucker der Firma auf Grund einer Vereinbarung die Arbeit Innern Italiens . Wie bei uns die Sachsengänger zur Erntezeit den Maurer Horn durch Drohungen, Ehrverlegungen bezw. aufgenommen hatten. oder während der Zuckerrüben- Kampagne alljährlich vom Often Verrufserklärungen zu bestimmen, Verabredungen behufs Die Leitergerüstbauer haben beschlossen, ihren Tarif zum nach den westlichen Gebieten strömen, so wandern auch in Erlangung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen Folge zu 1. April 1907 zu fündigen, da die Löhne, wie sie in demselben fest- Italien die überschüssigen Arbeitskräfte nach den Reisgegenden und leisten. Die drei Angeklagten gehören zum Maurerverband, gelegt sind, mit Rücksicht auf die andauernden Teuerungsverhältnisse brüden dort die Löhne. Nach den Beschlüssen, welche der Kongres dessen Mitglieder von dem Arbeitgeberverbande um die an- als ungenügend bezeichnet werden müßten und auch andere faßte, sollen die Kontrakte mit den Grundbesitzern sofort erneuert Positionen des Tarifes der Abänderung bedürfen. werden. Die zuwandernden Arbeiter sollen verpflichtet werden, gegebene Zeit ausgesperrt waren. Die Ausgesperrten Arbeit nur zu den von den lokalen Organisationen aufgestellten stellten Streitposten aus und unterzogen die Bauten, an denen wie fie fich zu einem neuen Tarifvertrag stellen. Sedmann mission von fünf Mitgliedern, bestehend aus Landarbeiterorgani Die Kleber versammelten sich am Montagabend, um zu beraten. Lohntarifen und Arbeitsbedingungen anzunehmen. Eine Kom­gearbeitet wurde, einer ständigen Ueberwachung. Am 14. Juni referierte über die gegenwärtige Lage. Der Vertrag läuft am fationen und der Konfederation der Arbeiter, erhält den Auftrag, kamen die Angeklagten in Rotthausen an einen Bau, an 15. februar 1907 ab. Die Innungsvorstände sind mit einigen die innere Wanderung der Arbeiter möglichst zu organisieren. welchem der Maurer Horn arbeitete. Lübbering redete ihn Vorschlägen an die Gehülfenschaft herangetreten, die eine VerDer Kongreß nahm eine Sympathiekundgebung für das antiklerikale an, fragend, weshalb er sich aus dem Verbande habe streichen schlechterung der bestehenden Verhältnisse bedeuten. Man will Frankreich an. Tassen und suchte ihn zu bewegen, die Arbeit niederzulegen. die 25 Proz. Aufschlag bei Aushülfsarbeiten streichen; die Vor­Schließlich, sagte er, wenn Horn noch weiter arbeite, werde arbeiten sollen künftig in Afford vergeben werden, und die Tapeten er( Lübbering) dafür sorgen, daß Horn in ganz Rheinland und sollen nach den Bezeichnungen der Lieferanten in Rechnung gestellt Westfalen keine Arbeit mehr bekomme. Propp äußerte gegen- zirksführer des Verbandes machen zu dem neuen Tarif Vorschläge, werden. Damit sind die Gehülfen nicht einverstanden. Die Be. über Horn, er werde mit ihm schon" chriftlich" abrechnen. Am bie der Versammlung unterbreitet wurden. Die einzelnen Boften Nachmittage desselben Tages kam der Angeklagte Czer- für die vielen Arten der Stüdarbeit wurden durchberaten und die winsfi wieder zu dem Bau und beleidigte Horn. Das Forderungen festgesetzt. Auf Antrag von Straßer fallen die Schöffengericht hielt im vorliegenden Falle ein Ver- Staffelpreise fort und ein Einheitspreis tritt an ihre Stelle. Bei gehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung für gegeben und er. Lohnarbeit wird 80 Pf. Stundenlohn gefordert( früher 65 bis kannte auf die eingangs erwähnten Strafen. Gegen dieses 70 f.); für Ueberstunden werden 33% Proz, für Nachtarbeit Urteil legten die Angeklagten beim Landgericht Be- 100 Broz. und für Sonntagsarbeit 50 Broz. Aufschlag berlangt. rufung ein, jedoch ohne Erfolg. Nunmehr wandten sich die stundentag wird verlangt, der im Winter um 5 Uhr, im Sommer Die Lohnzahlung findet auf der Arbeitsstätte statt. Der Acht. Berurteilten an das Oberlandesgericht in Hamm . um 4 Uhr schließen soll. Sed mann sowie der Vorsitzende machten Ihr Verteidiger rechtfertigte die Berufungsschrift, indem er wiederholt darauf aufmerksam, daß jeder die aufgestellten Forde die Verlegung der§§ 152 und 153 der Gewerbeordnung rungen auch mit Energie zu vertreten bereit sein muß. rügte. Er führte aus, daß zur Zeit der hier in Frage stehen­den Tat die Maurer überall a usgesperrt waren, feines­wegs aber hätten sie die Arbeit niedergelegt. Günstigere bis auf weiteres gesperrt.- Die Arbeiterpresse wird um Ab Infolge Differenzen bei der Firma Gustedt ist der Betrieb Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erreichen war damals brud gebeten. feineswegs ihr Streben, wenigstens betätigten sie sich nicht Zentral- Arbeitsnachweis der Posamentiere Deutschlands . nach dieser Richtung. Das Oberlandesgericht beschäftigte sich am 10. Juli mit der Angelegenheit und hob das Urteil auf. Achtung! Friseurgehülfen! Beigelegt sind die Differenzen In dem Urteil des Oberlandesgerichts wurde unter bei Boppe, Rottbuser Ufer 56. anderem ausgeführt: Zur Erfüllung des Tatbestandes des Verband der Friseurgehülfen, Zweigverein Berlin . § 153 der Gewerbeordnung genügt es nicht, daß jemand einen Deutfches Reich. anderen durch die in§ 153 bezeichneten Mittel zu bestimmen Die Bronzewarenfabrikanten in Budenwalde, die kurz versucht, an irgendwelchen Verabredungen teilzunehmen, die vor dem Fest der Liebe über 500 Arbeiter und Arbeiterinnen aufs von einer Vereinigung ausgehen, deren Zweck an sich auf die Straßenpflaster geworfen haben, suchen jetzt Streitbrecher aus allen Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen ge- Fächern der Metallindustrie. So sind unter anderem auch in Berlin richtet ist, sondern es muß fich um solche Verabredungen und Umgegend Agenten tätig, um gegen das Bersprechen eines handeln, die gerade diesem Zweck, der Erlangung günstiger Wochenlohnes von 36 M. Arbeitswillige nach Budenwalde zu Lohn- und Arbeitsbedingungen, dienen sollen. Das an- suchen. Auch der städtische Arbeitsnachweis in Schöneberg ist gefochtene Urteil läßt aber eine Darlegung des Sachverhalts nach dieser Richtung hin tätig. Gestern war es den Agenten ge lungen, be. vermissen, aus der sich ergibt, daß die Angeklagten den Hornungen, 40 Mann aus Berlin zur Abreise nach Luckenwalde zu be wegen. Die Metallarbeiter seien deswegen gewarnt. zu bestimmen versucht haben, an derartigen Verabredungen teilzunehmen. Nachdem so gewissermaßen die Direktive des Gewerbegerichtswahl in Straßburg . Am Sonntag fanden in Oberlandesgerichts gegeben war, hatte die Straffammer Straßburg die Ersatzwahlen für drei vor Ablauf der Amtsperiode ausgeschiedene Arbeitnehmerbeifißer und einen Arbeitgeberbeisiger lediglich zu prüfen, ob durch die Aussperrung der Unter- statt. Die Chriftlichen machten alle Anstrengungen, auf ihre Liste nehmer die Arbeiter günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen viele Stimmen zu erhalten, erlitten aber eine flägliche Niederlage. erzielen wollten. Dieses konnte natürlich nicht festgestellt Gewählt wurde auf Grund der Listen der vorjährigen Gewerbe. werden. Lübbering und Propp wurden daher freigesprochen, gerichtswahl. Bon 7022 Wahlberechtigten gaben 2554 ihre Stimme während Czerwinski wegen Beleidigung des Horn mit einer ab, im Vorjahre nur 2334. Die Lifte der freien Gewerkschaften Woche Gefängnis bestraft wurde. erhielt 2039 bis 2043 Stimmen( im Vorjahre 1796 bis 1804), bie Liste der Chriftlichen nur 508 bis 511( im Vorjahre 525 bis 530). Stimmen, bei den Chriftlichen eine Abnahme um 20 Stimmen. Bei den freien Gewerkschaften also eine Steigerung um 240

Bei einer Aussperrung fämpfen die Arbeiter also nicht um die Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeits­bedingungen, gegen sie kann deswegen der§ 153 der Gewerbe­ordnung nicht angewandt werden. Dagegen kämpfen in einem solchen Falle die Unternehmer um für sie gün­stigere Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Im Falle der Material­Sperre und anders gearteter Verrufserklärungen müßte der § 153 der Gewerbeordnung also finngemäß auf sie An­wendung finden.

Er wird aber nie angewandt!

Berlin und Umgegend.

Achtung! Posamentiere!

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Ein Arbeitgeberschusverband für das gesamte deutsche Holz­gewerbe ist am Montag in Jena gegründet worden. Suchen die Berliner Rahardt- Jünger auswärts Hülfe?

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Ethik der Ehe.

leber Ethit der Ehe" sprach Frau Gabriele Reuter im Bund für Mutterschutz". Sie führte etwa folgendes aus: Die Ehe gehört zu den schwierigsten Problemen der Gegenwart. Als Gipfel­punkt der Zivilisation gilt die Monogamie. Früher wählte der immer in auffteigender Linie sich bewegt. Die heutige Chegemein. Jüngling die Dame seines Herzens. Die Entwidelung hat aber nicht schaft ist nicht sehr festgefügt, sie scheint einer Umwandelung ent gegenzugehen. Die Unlösbarkeit der Ehe ist ein Uebel, die Ghe­fcheidung muß erleichtert werden. Allgemeine Unzufriedenheit über die heutigen Eheverhältnisse, tiefe Sehnsucht nach Besserung ist in der denkenden Masse vorhanden. Künstler aller Schattierungen Sie haben sich stets den hergebrachten Formen entgegengestellt. find es auch, welche sich in unseren Tagen am eindrucksvollsten äußern und den Reformen auf diesem Gebiete austimmen. Beang stigend ist die Sache durchaus nicht, im Gegenteil, Reformen werden dem Eheglück förderlich sein. Religiöse und wirtschaftliche Um­wälzungen waren auch stets von Ehereformen begleitet. Geistiger Hochmut enwickelte sich unter den Besibenden. Der Unterschied in der Denfungsweise einer Gesellschaftsklasse ist flaftertief, ja, das ganze Glaubens- und Liebesleben ist in einer und derselben Klasse grundverschieden. Die mannigfachen Anforderungen in gesellschaft­licher und geschäftlicher Beziehung lassen häufig teine praktische Lebensführung zu, auch die Stindererziehung muß gewöhnlich unter ben Anforderungen des Berufslebens leiden. Daß die Frau etwa diesen Kampf ums Dasein auch in den höherstehenden Kreisen durch Erwerbsarbeit unterstüßen könnte, gilt hier als unmöglich, das läßt Auch die Eitelkeit, Puß- und Ver. die gute Sitte" nicht zu. gnügungssucht spielt eine große Rolle. Unter solden Verhält nissen heiratet der Mann spät oder gar nicht. Wozu braucht er auch eine Gattin, er tann alles nötige auch außerhalb der Ehe finden.- Durch die Frauenbewegung ist ein neuer Frauentypus entstanden. Die nach Vertiefung ringende Frau hält es für unmöglich, neben dem Berufsleben noch Mann und Kindern gerecht zu werden. Ihr bangt vor der Herrschaft des Mannes. Doch das sind nur Einzel. fälle. Aber wo immer Ghen geschlossen werden, wird ftets von neuem experimentiert, um die Ehe in neue Bahnen zu bringen. Auch die besten Männer finden teine Befriedigung in der Ehe, fie suchen fie außerhalb derselben. Schwärmer tauchen auf und schaffen Kolonien zur Begründung der Liebespotenz. Andere, so Tolstot, empfehlen völlige geschlechtliche Enthaltsamkeit. Gine Revolution der Eheformen ist undenkbar ohne Umwälzung des Staates. Solche Umwälzung wäre nur in einem sozialistischen Staate möglich und der liegt noch in weiter Ferne. Und doch gewinnt die Ehe unserer Tage allmählich anderen Inhalt, unser Denken wird neue Wege finden, neue Freiheiten, neue Gejebe. Sind auch die Menschen noch nicht reif, alle alten Vorurteile zu überwinden, so wird doch von innen heraus allmählich eine andere Lebensweisheit für die Ghe erwachsen. Am Ende von Jahrtausenden wird die freie Liebe zu ihrem schönsten Aufschtoung fommen.

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Von der Lohnbewegung im bayerischen Bergbau. Der bayerische Bergbau ist im Verhältnis zur Gesamtproduktion an Kohlen, Erzen und Mineralien unbedeutend. Im ganzen sind auf 330 Werken 10 775 Mann im Jahre 1905 beschäftigt gewesen. Wie es aber im großen ganzen mit den Löhnen und den wirtschaft­lichen Verhältnissen der bayerischen Bergproletarier bestellt ist, zeigt der Umstand, daß allein 321 Arbeiterinnen von 16-21 Jahren und Der Metallarbeiterstreit bei der Firma Gradenwis, Elektro- barüber, 285 jugendliche Arbeiter von 14-16 Jahren, worunter Was können nun aber gebildete Kulturmenschen tun, um sich motorenfabrik in der Kurfürstenstraße, hat den dortigen Betrieb 46 Mädchen, in Bayerns Bergbau beschäftigt wurden. Im die Ehe erträglich zu gestalten? Da sollte vor allem einmal jeder böllig brach gelegt. Von den Arbeitern war die Einführung des einzelnen verteilten sich die 10 775 Mann auf 14 Steinfohlengruben, ernste Bund zwischen Mann und Weib, auch ohne kirchliche oder Neunstundentages nebst entsprechender Lohnerhöhung gefordert 7 Braunfohlengruben, 29 Erzgruben, 1 Salzbergwerk und 279 staatliche Bestätigung als Ehebündnis angesehen werden, Sind worden. Nun wollte die Firma zwar die Arbeitszeitverkürzung be- unterirdische Steinbrüche und Gräbereien. Die solche Gemeinschaften nicht beffer, d. h. wenn tiefe, innige Liebe bor willigen, jedoch nicht die Lohnerhöhung für alle Arbeiter. Vielmehr Organisation hat 1900 besonders in Oberbayern ( Miesbach - Haus handen ist, als anerkannte Ghen, die keine Liebesverhältnisse dar. erklärte sie, eine Zulage nur nach eigenem Ermessen an die ham- Benzberg) festen Fuß gefaßt. Die dortigen Steinkohlengräber ftellen? Da haben wir manche Tiere als gute Beispiele vor Augen, Würdigsten" der Arbeiter gewähren zu fönnen. Da Verhandlungen schloffen sich der Forderung der Siebenerfommiffion nach Aufbeffe. Wie soll aber bei den heutigen Geldheiraten Geistes- und Seelen resultatlos verliefen, so erfolgte die Arbeitsniederlegung. Arbeits- rung der Löhne um 15 Proz. an. Sie hatten um so mehr Ursache gemeinschaft vorhanden sein! Jeder Mann, sonst noch so feins willige sind nicht vorhanden. Besonders werden Dreher, dazu, weil Oberbayern mit seinem starten Fremdenverkehr ein fühlend, berlangt ohne Bedenken mit der Frau einen Geldjad als Schlosser und Mechaniker ersucht, den Betrieb zu meiden. ziemlich teures Pflaster ist. Bedingung der Verbindung Tiefe Herzensneigungen werden ber Die Verwaltungen der oberbayerischen Werke lehnten aber Staufehe geopfert. Die Schuld an diesen Verhältnissen trägt nicht Die Aussperrung in den Nileswerken zu Oberschöneweide hat eine Veränderung bislang nicht erfahren. Wie bereits berichtet, probig die Siebenerfommission ab. Ja, man antwortete der bes ber einzelne, sondern die Gesellschaft. rufenen Vertretung der Bergarbeiterorganisationen nicht einmal. Ellen Keys Behauptung: Die Frauen rechnen nicht genug hatte eine Versammlung der Ausgesperrten den jüngst von der Ver- Um des Friedens willen wurden die Arbeiterausschüsse, die in mit der Sinnlichkeit der Männer findet oft genug, Bestätigung. mittelungskommission des Metallindustriellenverbandes gemachten Bayern schon vor Inkrafttreten der preußischen Berggefehnovelle Daher ist es Pflicht der Mütter, ihre Kinder frühzeitig vorsichtig Bergleichsvorschlag als unannehmbar abgelehnt, weil sie nicht zu tätig waren, borstellig. Nachdem man fie eine Beitlang hingehalten aufzuklären. Viele Frauen haben Verständnis für die Psyche der geben konnten, daß die Großformer mit den dazu gehörigen Hülfs- batte, wurde ihnen bedeutet, daß die Löhne schon fortwährend ge- Männer; fie üben verständnisvoll Nachsicht. Manche Männer fühlen arbeitern nicht sofort wieder mit eingestellt werden sollten. Der stiegen seien. Man handelte also nach dem berühmten Muster" im trot Ehebruch Liebe zu der Gattin. Viele Frauen gibt es, die mit Arbeiterausschuß hat darauf nochmals mit der Direktion eine Ver­Ruhrrevier. Daraufhin fanden mehrere Bersammlungen statt, in Eigenfinn den Mann zu fesseln versuchen, sie bedienen sich einer Art handlung angebahnt, jedoch ohne Erfolg. Die Direktion lehnte die denen ein Festhalten an der Lohnforderung betont wurde und für Boleizeisystems, um zu forschen und zu spionieren. Dies sollte keine sofortige Wiedereinstellung der Großformer einfach ab, sie wollte den Ausbau der Organisation Sorge getragen werden sollte. Dies Frau tun; es ist unwürdig, einen Mann ohne Liebe an sich tetten fich auch ebensowenig dazu verstehen, diefelben anderweitig event. ist nun mittlerweile geschehen. Auch die Sammlung der Lohn- zu wollen. Hier sollte ohne Rücksicht auf die etwa vorhandenen bei berfürzter Arbeitszeit zu beschäftigen, bis wieder Großarbeit nachweise geht rüftig borwärts; so daß zu erwarten steht, daß, wenn Sinder die Scheidung vollzogen werden. Die Kinder gehören bis vorhanden sei; vielmehr beharrte sie auf ihrem Standpunkt, die die Bergleute gegenüber der ablehnenden Haltung der Kohlen zum 14. Jahre der Mutter. Ausnahmen hiervon sollten nur statt. Großformer nur nach Bedarf einzustellen. Da die Direktion mit- magnater. zum Handeln gezwungen werden, auch die bayerischen finden, wenn die Wautter zur Kindererziehung sich absolut unfähig hin so gut wie gar kein Entgegenkommen zeigte, so gingen auch die Bergleute nicht zurückbleiben! erweist. Ausgesperrten von ihrer Forderung nicht ab, sondern verwarfen Nur wenige Frauen verstehen es, dem Manne eine Freundin mit überwältigender Mehrheit den Bescheid der Direktion. Die zu sein. Daher kommt es auch, daß bedeutende Männer einsam Erregung der Arbeiter über das Verhalten der Direktion ist um so Unter den Bergleuten der Montangefellschaft in 2anto to i baftehen, oder sich zu bescheidenen, unbedeutenden Frauen hingezogen größer, als diese die Aussperrung im Grunde genommen aus ganz sowie der übrigen bergbaulichen Unternehmungen des Köflacher fühlen.

Husland.

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