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bisher mit Recht unterlassen, zu antworten auf die Schmähungen gegen ihn. Das richtigste tväre ja auch ein Schweigen der Vcr» achtung. Nachdem aber die sjrage in den Flugblättern der Liberalen aufgerollt sei, halte Redner es für eine Pflicht des An- standes, zu erklären, dag Fischers Bestimmungen sich in demselben Rahmen bewegt hätten, wie er durch die Firmenträger und durch die beigeordnete Kommission vorgeschrieben sei. Eine grenzen- lose Gemeinheit stellten die Angaben dar, daß Fischer in seiner Person ein Ausbund von Ausbeutungspolitiker sei. Glaube man jenen Leuten ihre Worte nicht! Betrachte man sie als das, was sie sind, als gemeine nichtswürdige Wahl- manöver der Liberalen, die mit den Waffen der Verleumdung kämpften.(Stürmischer Beifall.) In Leipzig hätten gegenüber ähnlichen Vcrleudungen die Buchdrucker erklärt, nur in der Sozialdemokratie ihre Vertretung zu finden. Nach seiner festen Ueberzeugung würden ebenso die Buchdrucker Berlins sprechen, würden auch die desVorwärts" sprechen. Jene Sude- leien des Freisinns ständen noch unter denen, die bisher ein Monopol des Neichsvcrbandes zur Verleumdung der Sozialdemo- kratie gewesen seien.(Lebhafte Zustimmung.) Nachdem Redner noch die Gefahr beleuchtet hatte, in der sich das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht befindet, schilderte er Wirken und Ziele der Sozialdemokratie, um dann seinen mehr als LM-stündigen Vortrag mit einem flammenden Aufruf zu intensivster Wahl- agitation zu schließen. Tue ein jeder, auch die proletarische Frau. seine Schuldigkeit, damit Richard Fischer mit glänzender Majorität gewählt werde und auch über dem zweiten Kreise wieder die rote, die siegreiche Fahne der Sozialdemokratie wehe! Gewaltig durchbrauste minutenlang der. Beifall der versammelten Tausende den Saal. Nach kurzer Diskussion schloß die imposante Ver- sammlung mit dem alten Kampfruf. Dritter Wahlkreis. Die Wahlen und die bürgerlichen Parteien" war die Tagesordnung zweier Wählerversammlungen, die unsere Parteigenossen am Dienstag im dritten Wahlkreis veranstaltet hatten. Die große Kälte hatte dahin gewirkt, daß die Versamm- lungen nicht so außerordentlich stark besucht waren wie bisher, doch hatte sich sowohl imDeutschen Hof" wie in denArmin- hallen" eine zahlreiche Zuhörerschaft eingefunden. Im großen Saale desDeutschen HofeS" sprach der Kan­didat des Kreises, Genosse Heine. Seine wirkungsvolle Rede wurde oft von Beifall, aber einige Male auch von gegnerischen Zwischenrufen unterbrochen. Dies war der Fall, als der Redner von der unglücklichen Ehe oder Paarung zwischen Freisinnigen und Konservativen sprach und den Freisinn als die Frau bezeichnete. Da rief ein Freisinniger oder Demokrat:Die Frau behalt aber meistens Recht!"Das mag bei euch so sein", erwiderte Heine; aber eine solche Frau, die von vornherein so wenig Achtung ein- flößt wie die Tante Votz, wird nicht Recht behalten und nicht gut behandelt werden von ihrem Manne, dem preußischen Junkertum." In der Diskussion stellte sich der Zwischenrufcr als ein weit links stehenderDemokrat" vor, erklärte, daß er im Prinzip mit Heine nicht uneins sei, daß aber Rosenow nicht derschlimme Mann" sei. als der er hingestellt worden wäre. Ob die Freisin- nigen sich paaren würden mit den Konservativen, müsse man erst abwarten". Daß die Freisinnigen für die sogenannten lumpigen S Millionen stimmten, käme kaum in Betracht, zumal jetzt ein Mann an die Spitze der Kolonialverwaltung gestellt wäre, der gewillt sei, den Stall auszumisten. Warum aber gingen Sozialdemokratie und Zentrum zusammen, wie im heutigenVorwärts" stehe? Gegen Junkertum und Dunkelmänner müsse gekämpft werden. Man solle dahin streben, daß der Liberalismus sich mehr nach links, die Sozialdemokratie mehr nach rechts entwickele. Natürlich war es Heine ein leichtes, nachzuwesicn, wie irrig und töricht jene Behauptungen sind. Gerade amVorwärts" vom Dienstag zeigte er, daß die Sozialdemokratie den Kampf gegen das Zentrum mit unverminderter Kraft führt und gegen die Dunkelmänner vorgeht in einer Weise, die jede Bundesgenossenschaft ausschließt, daß aber, wie der Wahlkampf und die freisinnige Presse beweist, das Wahl- bündnis zwischen Freisinnigen und Konservativen eine offenkundige Tatsache ist. Ebenso wies der Redner nach, wie eitel die Hoffnung ist, oatz Dernburg der starke Mann sein werde, der der kolonialen Mißwirtschaft ein Ende bereitet; daß es sich bei dem Bewilligungs- cifer der Freisinnigen nicht um 9 Millionen, sondern um viel höhere Summen und tatsächlich um das Budgetrecht des Reichs- tagS handelt, und daß der Vorwurf, daß die Freisinnigen die demo- kratischen Ideale verraten haben, nur zu berechtigt ist. Die Aus­führungen Heines wurden ebenso wie die einiger anderer Partei- genossen mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In denA r m i n h a l l e n" sprach Genosse Fülle zu einer zahlreichen Versammlung, die mit größter Aufmerksamkeit seinen Ausführungen folgte und lebhaft ihren Beifall kundgab. Der Redner schilderte die reaktionäre Mißwirtschaft im Reich und in den Kolonien, räumte mit verschiedenen Wahllügen der Gegner auf und bemerkte unter anderem, er habe bei seiner Agitation in der Provinz die Erfahrung gemacht, daß auch dort selbst un» fern- stehende Wähler den Schwindel, dienationale Ehre" stehe auf dem Spiele und es handle sich um das Wohlunserer braven Jungen", sofort durchschauten und erklärten:Ach was. das ist ja alles Unsinn, was in den nationalen Blättern steht." Der Mah. nung deZ Redners, alle Kraft einzusetzen, um dem sozialdemokrati- schen Kandidaten einen glänzenden Sieg zu sichern, stimmte die Versammlung begeistert zu. Sechster Wahlkreis. Die am Dienstag abgehaltene Wählerversammlung bei Daase, Brunnenstr. 154, gestaltete sich für die Anwesenden zu einem in mehrfacher Beziehung recht interessanten Abend. Als Referent war Genosse D ü w e l l erschienen. Redner streifte kurz die bekannten Ursachen der ReichStagsauflösung und ging dann in großzügiger Weise auf eine Reihe derjenigen Fragen ein, die unS grundsätzlich von unseren Gegnern trennen. Seine treffliche Kennzeichnung des heutigen Staates nicht als Kultur-, sondern als Polizeistaat, sowie das anschauliche Bild, das er von der Struktur unserer heutigen kapitalistischen Gesellschaftsordnung und den daraus erwachsenden natürlichen Klassengegensätzen entwarf, sicherten ihm den lebhaftesten Beifall der Versammlung. Als erster Diskussionsredner meldete sich ein junger Genosse, der den Feldzug gegen die Hereros als Afrikakrieger mitgemacht hatte und sich jetzt invalide fühlt. Es sei alles so ganz anders ge- kommen, als wie es ihm hier bei der Truppe so schön vorgemalt worden war. Und nun schilderte er Südwest-Afrika gerade nicht als Dernburgschen Dattelhain. Im Gegenteil: Enttäuschung auf Schritt und Tritt. Trauriges Oedland, Dornbüsche, spärliche» Hartgras, Wüstensand, Steinboden, meilenlange Durststrecken, kre- pierte Zug- und Reittiere, hin und wieder mal ein elendes stin- kendeS Wasserloch mit totem und lebendem Viehzeug drin, Stra- pazen, Tag- und Nachtmärsche, Kampf am Waterberg , Durst und nochmals Durst und endlich Typhus . Nur einen Wunsch kannte er nach seiner Genesung: RauS aus Aftika. Mit demHelden- tum", mit den erträumten Abenteuern warS nichts. Und wofür hatte er gelitten? Jetzt weiß er'».Die Sozialdemokratie hat durchaus recht", so schloß er,wenn sie sagt, daß jeder, der von Südwest-Aftika wieder heimkehrt, als Sozialdemokrat zurück- kommt. Nicht durch neue Truppensendungen wird den armen Sol- daten dort unten geholfen, sondern dadurch, daß man sie sämt- lich wieder zurückholt, so wie es die Sozialdemokratie will." Mit dieser einfachen, ungekünstelten Erzählung seiner eigenen Erlebnisse hatte der kurierte Llfrikakrieger im wesentlichen nur bestätigt, was die Sozialdemokratie schon längst über das DernburgscheWunderland" gesagt hat. Nach diesem Redner wandte sich Fräulein Hoppe mit eindringlick>er Mahnung an die anwesenden Frauen, auch ihrerseits nach Kräften für den Wahl- sieg der sozialdemokratischen Partei zu wirken, wenn auch nicht al« Wahlerinnen, so doch als W ü h l e r i n n e n. Hierauf meldete sich ein junger Mann als Gegner zum Wort. Er wußte offenbar noch selbst nicht, zu welcher Partemchiung er sich eigentlich be- ianea sollte. Halb gab er sich al» Bodenreformer und halb als Antisemit. Genosse D ü w e l I belehrte in seinem Schlußwort den judcnfeindlichen Rcformschwärmer ebenso wohlwollend wie schlag- fertig über das Unhaltbare seiner verworrenen Anschauungen. Mit einem Hoch auf die Partei wurde die Versammlung sodann um Mitternacht geschlossen. In Ballschmieders Saal hatten sich die Wähler vom Gesundbrunnen ebenfalls wieder zahlreich eingefunden, um ein Referat des Genossen Pagels über die bevorstehenden Reichs- tngswahlcn entgegenzunehmen. Redner behandelte alle einschlä- gigen Fragen der deutschen Tages- und Wcltpolitik gcmeinver- ständlich und mit großer Sachkenntnis, sodatz die Versammlung seinen Ausführungen lebhaften Beifall spendete. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Vom Vorsitzenden wurde alsdann nochmals auf die Notwendigkeit einer möglichst rührigen Haus- und Werk- stattagitation hingewiesen, damit der Genosse Ledebour als Vertreter des größten deutschen Wahlkreises auch mit einer cnt- sprechend hohen Stimmenzahl gewählt werde. Die Versammlung imSwinemünder Gesellschafts- haus" war um 8 Uhr abgesperrt. Eine dichtgedrängte Menge lauschte den Ausführungen des Genossen S t r ö b e l über die be- vorstehende Rcichstagswahl. Der Referent fand lebhafte Zustim- mung, als er erklärte, daß die Regierung überrascht sein werde von der Antwort, die das Volk auf die ihm zur Entscheidung über- gebenen Fragen am 25. Januar erteilen wird. Mit gespanntem Interesse folgte die Versammlung dem Bilde, das Ströbel von der Kolonialpolitik entrollte und helle Entrüstung brach aus, als er einige der Kolonialgreuel schilderte. Er ging dann auf die Ge- schichte der Auflösung des Reichstages ein und zeigte, wie die Re- gicrung den Reichstag täuschte und wie das Wort von dernatio- nalen Ehre", die auf dem Spiele stehen soll, nur eine hohle Phrase ist. Die sozialdemokratische Partei gibt die Parole aus, daß mit dem ganzen System gebrochen werden muß und fordert die Massen zur Gefolgschaft auf. Der Sieg, den uns der 25. Januar bringen wird, soll wieder eine Etappe auf dem Vormarsch zur sozialistischen Gesellschaftsordnung sein. Stürmischer Beifall folgte diesen Schlußworten des Redners. Es wurde noch bekannt gemacht, daß der 4. und ö. Kreis viel Kräfte für die Agitation in der Provinz brauchen, denn diesen Kreisen ist vornehmlich die Aufgabe zuge- fallen, in der Provinz zu wirken. Kreis Teltow. Zur Bekämpfung der Sozialdemokratie stellt sich jetzt dasRixdorfer Tageblatt" dem Wahlausschuß der geeinigten nationalen Parteien und Vereinigungen" zur Verfügung. Bereits in der vorgestrigen und gestrigen Nummer des Blattes be- findet sich der Wahlaufruf gegen die Sozialdemokratie. Die hunderte und tausende Arbeiterwähler, die innerlich schon längst zur Sozial- demokratie gehören, aber noch Abonnenten diesesunparteiischen" Blattes find, haben jetzt da? Vergnügen, sich in diesem Blatte besudeln und beschimpfen zu lassen. In geradezu demagogischen Wendungen sucht der Aufruf gegen die Sozialdemokratie Stimmung zu machen. Den Abonnenten wird die Gefährlichkeit und feindliche Haltung der Sozialdemokratie gegen den kleinen Geschäftsmann und Mittelstand zum Erbrechen vor Augen geführt Die Sozialdemokratie ist indem Aufruf die Ausbeuterin der Arbeiterklasse und lockt denselben den siebenfachen Bettag aller Staats- und Gemeindesteuern zu Partei- zwecken aus der Tasche. Selbst daS Lied vom Terronsmus der Sozialdemokratie fehlt nicht. Dieser blödsinnige Schwindel dürfte wohl der Rixdorfer Arbeiterschaft zur Genüge beweisen, daß mit ihr eitel Bauernfang getrieben werden soll. Es kann nur eine Losung für sie geben, den sozialdemokratischen Kandidaten Fritz Zubeil gegen den Kandidaten der reaktionären Parteien Boddin zum Siege zu verhelfen. » Bürgerliche Wahlkampfspendrn. In einer Quittung teilte der .Friedenauer Lokal-Anzeiger" mit, daß Ende der vergangenen Woche zum Kamps gegen die Sozialdemokratie schon 8,50 M. eingegangen wären. Nun ist dem Blatt ein Eingesandt zu- gegangeu, in welchem eine gerechte Verteilung obiger Summe vor- geschlagen wird. Das Eingesandt hat folgenden Wortlaut: DaS ist ja ein großartiges Resultat! Als BertcilungSmodus schlagen wir dem geschätztenLokal-Anzeiger" vor, von diesen für den Wahl- auSschuß aller bürgerlichen Parteien eingegangenen 8,50 Mark zu senden, 1. an den konservativen-liberalen Kandidaten Boddin in Rixdorf 4,15 M., 2. an den liberalen- konservativen Kandidaten Reufert in Eharlottenburg 4,15 M., 2 Postanweisungen a 10 Pf. Porto ---- 20 Pf., zusammen 8,50 M. Bei dieser Opferwilligkeit deS riedenauer Bürgertums werden wir wohl darauf verzichten müssen, lugblätter zur Empfehlung dieser beiden Kandidaten zu erhalten, die za doch nur Unwahrheiten enthalten würden. Es hat auch alles keinen Zweck, gewählt wird Fritz Zubeil , und zwar deswegen, weil er mit Entschiedenheit die liberalen Forderungen vertritt und weil er über unsere schamlosen Zustände so denkt, wie die Mehrzahl der ge- bildeten Wähler. Mehrere wirklich Liberale von Friedenau . Ein hierauf folgende« Eingesandt erklärt die erste Zuschrift als einMachwerk verkappter Anhänger deS zukünftigen Zuchthaus- staate»". DeS weiteren wirft ihnen der Einsender Mangel an Bildung vor. ES sei. heißt eS weiter, eine Unverschämtheit, ihren mongechaften Ceisttszustand der Mehrzahl der gebildeten Wähler zu imputieren. Diese werden ihnen im übrigen am 25. Januar die richtige Antivort zuteil werden lassen. ES ist sicher keine angenehme Sache, sich für herzliche Spenden noch verulken lassen zu müssen. Indes 8,50 M. zur Bekämpfung der Sozialdemotratte ist gerade nicht zu viel, wenn man bedenlt, daß das Sammelergebnis der Friedenauer Sozialdemokratie bereits 650 M. beträgt. Die Friedenauer Genossen müssen aber dafür sorgen, daß selbst die paar lumpigen Groschen, die einige Bürgerliche zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hergeben, umsonst geopfert sind. Die heutige Versammlung bietet noch, einmal Gelegenheit zu demonstrieren und sich zum morgigen Wahlkampf zu rüsten. Alle Wähler müssen heute abend in der Versammlung erscheinen. Wie stellt sich dir ländliche Bevölkerung und die Schiffer zu der bevorstehenden ReichStagSwahl" lautete das Thema zweier Wähler- Versammlungen in Lebbin bei Storkow und Vernsdorf. in denen die Genoffen H o r l i tz und S t ö r m e r referierten. Die treffenden Darlegungen der Referenten riefen den stürmischen Beifall der Ver- sammelten hervor. Riederlehme. Eine aus deutschen und polnischen Wählern be- stehende Versammlung nahm am Sonntag im Ballschcn Lokal Stellung zur Reichstagswahl. Der Referent Chrzanowski- Berlin hielt sein Referat in polnischer und deutscher Sprache und führte somit den zahlreichen Anwesenden in klarer verständlicher Forin die politische Lage vor Augen. Er zeigte den Polen , daß die polnische Fraktion die Regierung bei allen kulturfeindlichen Plänen unterstützt hat und nur die Sozialdemokratie die Wählerin der Interessen der Nichtbesiyenden ist. Es müsse deshalb Pflicht der polnischen Wähler sein, ihre Stimme nur dem sozialdemokratischen Kandidaten Fritz Zubeil zu geben. Ein Herr Goseniski-Berlin vom polnischen Nationalkomitee konme zwar den Ausführungen des Referenten nicht entgegentreten, er meinte jedoch, durch den Zusammenhalt der Polen werde der Regierung begreiflich gemacht, daß ihre Unterdrückungspolitii gegen die Polen nichts nütze. Die Ausführungen des Redners wurden von den folgenden DtS- kussionsredncrn widerlegt. Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammelten in Riederlehme erklären heute, 20. Januar, sich mit den Ausführungen des Genossen Chrzanowski einverstanden und verpflichten sich, am 25. Januar wie ein Mann für den sozial- demokratischen Kandidaten Fritz Zubeil zu stimmen. In Hankel« Ablage hörten am Dienstag imSeglerschloß" die Zeuthencr Wähler, denen durch Saalverwelgcrung ein Lokal am Orte selbst nicht zur Verfügung steht, ein Referat des Genossen Kurt H ei n i g- Berlin. Die VersaNunlung war trotz derHunde- kälte" und der weiteren Entfernung des Lokals von dem weitaus- gedehnten Zeuthen gut besucht und ihr Verlaus läßt darauf schließen, t> die Stimmeuzahl für Zubeil eine bettächttiche Erhöhung er- fahren wird. Im zweiten Punkt der Tagesordnung rechnete die Versammlung mit den Zeuthcner Saalverweigerern Trill, Linde­mann und Rastaedt gründlich ab und gelobte, alles daran zu setzen. den von den Groschen der Arbeiter lebenden, sie aber höhnenden und durch Saalverweigerung bekämpfenden Herren die gebührende Quitttmg zu erteilen. Nicder-Barnim. In Wcißensee beschäftigte sich eine Wählerversammlung pol- nischer Sozialdemokraten mit der ReichStagSwahl. -Zu derselben hatte sich eine Anzahl Nationalpolen eingefunden, sKe den AuS- führungen des Referenten Abrainowicz mit gespannter Auf- merksamkeit folgten. Derselbe plädierte für einmütiges Eintreten tür den sozialdemokratischen Kandidaten Artur Stadthagen, da eine polnische Sondcrkandidatur nur Stimmenzersplitterung her- beiführen würde. Eine in diesem Sinne verfaßte Resolution fand gegen einige Stimmen Annahme. Dir zum Dienstag nach Enders Lokal in Weißensee einberufene Wählerversammlung war bis auf den letzten Platz gefüllt. Wohl 1200 Personen waren anwesend. Die Ausführungen deS Kandidaten Ge­nossen Stadthagen fanden brausenden Beifall. Der Vorsitzende Genosse Taubmann forderte in erster Reihe die Gegner wiederholt eindringlich auf, das Wort zu ergreifen. Endlich nahm Professor Kemsis, der Leiter des hiesigen Ordnungsbreies, das Wort. Seinen Ausführungen gegenüber bewahrten die Versammelten die größte Ruhe, wiederholt löste aber die gar zu sonderbare Logik des Herrn Professors wahre Heiterkeitsstürme aus. Man solle, meinte der Professor, doch in nationalen Dingen einander nicht bekämpfen, dazu gehörten die Kolonien, die seien notwendig. Denn wo sollen wir mit unserem Reichtum hin? Habe doch der National- Wohlstand seit 1870 um 30 Milliarden zugenommen. Wenn nicht sofort, so würden doch auch die Arbeiter in 20, 30, 40 oder 50 Jahren Vorteile haben. Das Zentrum sei zn bekämpfen. Denn 1872 bis 1873 stand es in Opposition, nie tue es etwas umsonst, immer treibe es Kuhhandel, wen die Schwarzen gepackt, den lassen sie nicht aus den Fingern, er erinnere an den Kanossagang im Büßerhemde usw. Als die Versammlung die kulturkämpferischen und die herrschende Klasse unbewußt verspottenden Ergüsse des Jugendbildners mit heiterer Ruhe anhörte, polterte er erstaunt loS: Sie sind ja selbst Gegner des Zentrums, warum klatschen Sie mir nicht Beifall?" Lustiger ironischer Beifallssturm erfreute darauf den geistigen Führer desnationalen" Breie«. Dann bat er die Anwesenden himmelhoch, doch für die Reaktionäre zu stimmen.Sie brauchen Ihrer sozial- demokratrschen Gesinnung nichts zu vergeben, Sie können Sozialdemokraten bleiben, wenn Sie für uns stimmen", apostrophierte er unter schallendem Gelächter die Zuhörer. So hatte der Professor den Bülowschen Sammelruf noch übertrumpft. Weitere Gegner meldeten sich trotz wiederholten Aufrufs nicht. Dem Professor wurde von dem Genossen Seger, von Frau Teuber und Sommerfeld arg heimgeleuchtet und betont, wie dringend notwendig gegenüber der Agitation der Gegner durch wirtschaftlichen Druck, heimliche Versammlungen und unheimliche Verleumdungen eS sei, daß der letzte Mann zum Protest gegen das herrschende Verleumdungs- und Ausbeutungssystem aufgeboten werde, um so durch eine imposant? Mehrheit der Reaktion da« Wiederkommen zu verleiden. Nach einem die professoralcn Glossen zerpflückenden und zur intensiven Arbeit anfeuernden Schlußwort des Genossen Stadthagen schloß der Vorsitzende mit einem dreifachen Hoch aus die Sozialdemokratie und ihren Sieg die imposante Versammlung. HeinerSdorf bei Wvißcnsce. In den letzten Tagen hatte der bekannte Lehrer Berg im Orte eineWählerversammlung aller nationalen Parteien" einberufen und in der Einladung volle Rede- freiheit zugesichert. Unsere Parteigenossen von Weißensee besuchten in der Starke von etwa 100 Personen zusammen mit den Heiners- dorfer Parteigenossen diese Versammlung. Herr Berg betrat um 9ll, Uhr den Saal. Wer aber glaubte, die Ursachen d?r ReichStagsauflösung, oder so etwas wie einnationales" Programm, oder auch nur die Empfehlung irgend eines Kandidaten zu erfahren, wurde schwer enttäuscht. Dafür mußtender Reichtum der soziak- demokratischen Führer",Bebels Billa",Stadthagens Getreide- spekulationen" usw. herhalten. Die Versammelten, unter denen die 15 bis 20Nationalen" wie eine Schar verschüchterter Kirch- lein saßen, bewahrte angesichts der Anpöbelungen eine musterhafte Haltung. Der Referent betonte beständig seine Arbeiterfteundlichkeit und brachte es richtig fertig, bis nach V,41 Uhr zu reden, so daß den eingezeichneten Rednern nur je 10 Minuten Zeit blieb. Genosse Frahm bezeichnete sehr treffend die Ausführungen als einRede- ragout", welches mehr Zeit zur Widerlegung brauche und wies energisch die Benmglimpfungen rmserer verdienten Parteiführer zurück. Der nächste Redner, ebenfalls ein Parteigenosse, ging mit Herrn Berg scharf inS Gericht, wies, soweit es in 10 Minuten möglich war die Geineingefährlichkeit der jetzigen Politik nach und erreichte denn auch, daß Herr Berg bei dem Hinweis auf die alten Mätzchen über unsere leitenden Führer nervös wurde. Der Vorsitzende unterbrach und wies auf die Poltzeistimde hin; da aber keine Polizei anwesend war, erklärte Herr Berg selbst das Hausrecht vom Wirt übernommen zu haben und ein Weitcrredcn nicht gestatten zu löuneu; dies hielt ihn aber nicht ab. selbst noch '/« Stunde beim Schlußwort zu verweilen. Mit einem brausenden Hoch aus die Sozialdemokratie verließen die Genossen den Saal. Die Versammlung hat in diesem urreaktionären Ort in der Nähe Berlins , in dem kein Saal für uns zu haben ist, großen Eindruck gemacht, so daß sogar der Vorsitzende erklärte: er sei nicht mit allen Ausführungen des Referenten einverstanden und wolle noch eine zweite Versammlung einberufen. Reinickendorf . Das Wahllokal im 199. Wahlbezirk ist nicht Prodinzstr. 86, sondern 76 bei Großmann. Auch in Mahlsdorf ist die Stimmung eine glänzende, was die am Dienstag gut besuchte Wählerversammluug, in welcher Genosse Kloth referierte, bewies. Die anwesenden Gegner meldeten sich trotz mehrmaliger Aufforderung nicht zum Wort. Das war um so aus- fallender, als aus einer vor einigen Tagen stattgefunden«« nationalen" Wählerversammluug, in der Bürgermeister Ziethen referierte, unsere Parteigenossen vor Beginn der eigentlichen Ver- sammlung mit dem Hinweis auf das HauSrecht ausgewiesen wurden, weil angeblich in einer vorher in KaulSdorf stattgesmrdciien sozialdemokratischen Versammlung keine Redefreiheit gewährt worden sei. In Schöneichr referierte vor gut besuchter Versammlung Genosse R ü h l, dessen Ausführungen die bereits vorhandene Wählkamps- sttmmung noch günstiger gestalteten. Genosse Danzmann forderte die Anwesenden noch zum Schlüsse auf, sich am Wahltage voll und ganz zur Verfügung zu stellen. Franzöfisch-Buchholz. Am Montag referierte Genosse Stadt - h a() e n in überfüllter Versammlung im Kähneschen Saal. Der Beginn der Versammlung mußte leider hinausgeschoben worden, da der Referent nicht den Bahnanschluß erreichte. Der Vorsitzende füllte durch Mitteilungen über die Agitation und Wahlhandlung die Pause aus. In eindringlicher Rede setzte Genosse Stadthagcn unsere Stellungnahme zu der durch die Reichstags- auflösung geschaffenen politischen Lage in Deutschland auseinander und erläuterte kurz die hauptsächlichsten Programniforderungen. Die Zeit ivar kurz bemessen, da um 10 Uhr Polizeistunde ist. Lebhafter Beifall wurde dem Vortragenden bekundet und nach einem kurzen anfeuernden Schlußwort des Vorsitzenden gingen die Versammelten mit Hochrufen auf die Partei und den Genossen Stadthagen aus- ewander. Die am Sonntag vom Wahlverem für WaidmannSlust und Um- gcgcnd nach Stolpe bei Bergemann einberufene Volksversammlung ivar gut besucht. Der Referent Genosse Deutz er entledigte sich seines Auftrages in 1>/stiiiidiger, oftmals von lebhaftem Beifall unterbrocheneu Rede. Unbarmherzig ging er mit den Gegnern und deren Flugblätter» ins Gericht. An der Debatte beteiligten sich in