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5«?on in bcr Parte!, auK nicht die unangenehmen NuSsmander« fetzungen der letzten Jahre haben unseren Rückgang an Mandaten veieschllldet, sondern die mechanischen Wahlmittel der Gegner. Diese haben ihre Organisationen in letzter Zeit vorzüglich ausgebaut. So kann der.Reichsverband'' als die protestantische Uebersetzung des katholischen BolksvereinS und der M.-Gladbacher Jesuitenschule angesehen werden. Aus alledem ergebe sich für uns die Lehre, unsere Organisationen in größtmöglichster Weise zn festigen und auszngestalten und die Aus- breitung' unserer Presse zu fördern. Hierbei wolle er nicht un- erwähnt lassen, daß derVorwärts" besonders während der Wahlzeit zweifellos in jeder Hinsicht seine volle Pflicht und Schnldigkeitgetan habe. Die neuesten Angriffe einiger Genosten gegen die Redaltionsführung desVorwärts"'lassen sich daher auch nicht rechtfertigen. ES möge an sich ja bedauerlich sei», daß eine journalistische Kraft wie Kurt E i s n e r demVorwärts" nicht erhalten werden konnte, doch nach den Vorkommnissen anläßlich des Ausscheidens der bekannten sechs Redakteure aus demVorwärts" sei eine Wicdereiureihung Eisners in den Redaktionsverband schlechterdings aus- geschlossen. UebrigenS seien die Berliner Genossen mit der jetzigen Redaktionsführung durchaus zufrieden. Zwar mögen sich in den verschiedenen Artikeln Wohl weniger journalistische Rosinen finden wie srüher, dafür sei die Schreibweise jetzt aber auch um so viel verständlicher. Er könne nur erklären, daß sowohl der Parteivorstand wie auch die Preßkommission im allgemeinen mit der Haltung desVorwärts" einverstanden sind. Um so weniger berechtigt seien die Angriffe des Genossen Heinr. Braun gegen den Vorwärts", der inseinerReuen Gesellschaft" in geradezu perfider Weise über die Redaktion hergefallen ist. Es sei geradezu un verfror e n, wenn Genosse Braun behaupte: der Parteivorstand habe sich überzeugt, daß die Redaktion desVorwärts" versage. Niemand hat Heinrich Braun Anlaß ge- geben, derartige wahrheitswidrige Behaust tungen aufzustellen. Heinrich Braun ist biö heute über Haupt noch nicht mit einer Beschwerde an den Parteivorstand herangetreten. Braun scheine au politischer Perversität zu leiden. Er möge wohl so etwas wie Wollust empfinden, wenn er eine Abfuhr bekommt, sonst müßte er an seinen bisherigen Abfuhren auf den Parteitagen doch wohl genug haben. Neben derAus- breitung unserer Parteipresse habe auch jeder Genosse dafür zu sorgen, daß vermehrte Mittel für die Partei flüssig gemacht werden. Be- dauerlich sei, daß im vierten Kreise sogar ein Referent befür- wortete, nicht so viel Ileberschüsse aus den Parteigeschäftcn zu ziehen. Solche demagogelnde Mittel zur Belehrung der Partei- genossen anzuwenden, solle man besser unterlassen. Große Aufgaben harren der Partei, er erinnere unter anderen« nur an die künftig intensiver zu betreibende Landagitation, da bedarf es auch der nötigen Gelder. Unser ganzer Etat sei vorderhand aber auf die Ueberschüsse aus den Parteiunternehmungen zugeschnitten, daher könne man auch nicht auf dieselben verzichten. Alles in allem bc« trachtet könne es für uns nur heißen: Weiterarbeiten mit An­spannung aller Kräfte, dann werde sich der Mißerfolg bei sden jetzigen Wahlen bald wieder ausgleichen lassen. lLebhafter Beifall.) Liepmann stimmte als erster Diskussionsredner dem Referenten in allen seinen Ausführungen vollinhaltlich zu. Tatsächlich sei der Wahlausfall in der Provinz zum guten Teil auf den Mangel an Organisation zurückzuführen. In Berlin habe es auf diesem Gebiete ungleich besser geklappt. Die Berliner Genossen seien auch bereit, noch größere materielle Opfer für die Partei zu bringen, so daß sie mit noch größerem Rechte wie bisher schon als die Bankhalter der Partei bezeichnet werden können. Wenn sich Bernstein und Calwer wieder einmal als Wunderdoktoren betätigt haben, so wisse man ja, waS davon zu halten ist. Bernhard scheine eS in der Tat darauf angelegt zu haben, aus der Partei hinaus- geworfen zu werden. Möge er getrost seinen Laufpaß bekommen; jedergewöhnliche" Genosse wäre schon längst hinausgeflogen, wenn er sich in ähnlicher Weise benommen hätte. Unsere Aufgabe sei Förderung der Agitation und Organisation und Vermeidung aller unnötigen Schärfen in den Parteidiskussionen. Robinson bedauert, daß man aus der Kritik, die einzelne Genossen, wie jetzt Braun, Eisner oder Südekum üben, nur immer das Schlechte, nicht aber auch das Gute herausfindet. Dadurch werde stets der Anschein erweckt, als sollten diese Genossen von vornherein in ein schlechtes Licht gesetzt werden. ES gehe immer gegen eine gewisse Richtung. So solle auch der Genosse WengelS als Mitglied des Parteivorstandes gesagt haben, es sei besser, wir verlören den Wahlkreis Sorau -Forst, als daß Manrenbrecher dort gewählt wurde. Hinsichtlich derNeuen Gesellschaft" solle jedoch im Parteivorstand die Aeußerung gefallen sein, diese Braunsche Wochenschrift würde besser redigiert wie dieNeue Zeit". Also möge man Toleranz üben und nicht gleich voir vornherein jede Kritik verdammen, die von vielleicht mißliebigen Genossen komint. Huhn vermag dem Referenten in seinen Ausführungen betreffs der Stichwahltaktik nicht beizupflichten. Vielmehr stehe er. soweit das Zentrum in Frage kommt, auf dem Standpunkt des Genoffen Erd mann-Köln. Doch auch die generelle Stichwahlunterstützung der Freisinnigen sei falsch, nur in vereinzelten Ausnahmefällen könne sich eine Stimmabgabe für einen Freisinnigen rechtfertigen. Redner meint sodann, daß es mit der Schlepparbeit der Genossen des 5. Kreises selbst auch gerade nicht vom besten bestellt gewesen ist; sonst hätte man wohl nicht so viel Unterstützung aus anderen Kreisen nötig ge- habt. Er bemängelte ferner den Inhalt des jüngst verbreiteten Flugblattes zur Gewinnung neuerVorwärts"-Abonnentei7. Solche Flugblätter müßten in der Form von KopfauSgaben desVorwärts" herausgegeben werden und auch ebensowohl populärer wie zug- kräftiger geschrieben sein. Die Abonnentcngewinnung erschwere sich schon ohnehin sehr, Iveil die Schreibweise desVorwärts" besonders im lokalen Teil dein LesebediirfniS der großen Maffe zu wenig angepaßt sei. Tatsache sei. daß dieMorgenpost" diesem Bedürfnis, besonders soweit es die Frauen betrifft, ungleich inehr Rechnung trägt. Daher auch die Vorliebe der Arbeiterfrauen für dieMorgen- Post" und die Abneigung gegen denVorwärts". Daß ein Teil des Blattes gut ist, der andere aber minder gut, lasse sicü nicht ab- leugnen, doch:Wir haben ja nicht lauter la- Schriftsteller im .Vorwärts"." Robert Schmidt unterscheidet bei den Erörterungen über den Wahlausfall zwei große Gruppen von Genossen, eine, welche die politische Situation für das Resultat verantwortlich macht, und die andere, die auch unserer Partei einen Teil der Schuld beimißt. Der Referent lehne die Auffassung der zweiten Gruppe zwar ab, doch sei ein teilweise eigenes Verschulden nicht in Abrede zu stellen. Es sei Tatsache, daß wir von den sogenannten NichtWählern so gut wie gar keine bekommen hätten, obwohl die Wahlparole nach allgemeiner Annahme doch recht günstig für uns war. Jeder erkläre sich den Wablausfall eben auf seine Art, dazu seien wir ja auch da. Gezeigt hat sich, daß die patriotische Phrase auch heute noch nicht zu unterschätzen ist, ein Beweis für die politische Unreife weiter Volkskreise, und hier haben wir künftig viel Versäumtes nachzuholen. Ein Fehler sei es, mit der eigenen Kritik gleich immer in die Oeffentlichkeit zu gehen, und es könne nur dringend der Wunsch geäußert werden, daß sich der Parteivorstand nicht nur als Verwaltungskörperschaft fühle, sondern auch persönlich einwirkt, um einen sachlichen Austausch der Meinungen herbeizuführen. Nichts wäre bedauerlicher, als wenn sich aus der Angelegenheit Braun Bernhard oder Calwer Bernstein, deren Standpunkt er nicht teile, wieder ein innerer Zwist entwickeln würde. An unserer Taktik im Parlanient brauchen wir nichts zu ändern, denn wenn irgend ein Gesetz den Arbeitern auch mal einige geringfügige Vor- teile bietet, so emhälteSauch andrerseits wieder Schaden und Mängel genug, die sehr wohlseineAblehnungrechtfertigen können. Hinsichtlich des Vorwärts" wisse er, daß schon immer über dessen Redaktionsführung geschimpft worden ist, so lange er besteht. Ein Wunder wär's, wenn's jetzt mit einem Male anders würde. Im Wahlkampfe war amVorwärts" tatsächlich nichts zu monieren. Doch diese unleidlichen Parteidiskussionen könnten sachlicher geführt werden; anr besten wäre es, sie würden ganz aus dem Blatte verschlvinden. Bedauerlich sei eS allerdings, daß EiSner demVorwärts" nicht erhallen worden ist. Diese Meinung ist jetzt wohl mehr in Parteikreisen verbreitet, wie ytvor. Notwendig sei auch eine verbesserte Land i gebracht. agiiation; leider würden dazu nach immer solche-ntbunde.p verwandt, die zu wenig mit ländlichen Verhälfinffen �errraut sind. Vom Referenten sei es wohl falsch verstanden worden, daß semand die Zahl der Intellektuellen überschätzt habe. Das sei nirgends geschehen; immerhin haben wir ein Interesse daran, sie für uns zu gewinnen, ohne ibnen jedoch Prinzipien- widrige Konzessionen zu machen. In dem Mißerfolg bei den Wahlen sehe er nur einen kleinen Ruhepunkt in der Entwickclung der Partei. Es unterliege aber keinem Zweifel, daß wir bei emsiger Weiterarbcit die Scharte bald wieder auswetzen werden.(Beifall.) Z i p p e l mißt demVorwärts" die größere Schuld an der Iln- sachlichkeit der journalistischen Auseinandersetzungen bei. Die Redaktion habe auch keinen Anlaß, es immer so darzustellen, als würde ihre Haltimg stets einhellig von den Parteigenossen Berlins gebilligt. Dem Parteivorstand mache er den Vorwurf einer gewissen geistigen Unselbständigkeit. So sehe der letzte Aufruf tatsächlich aus, als sei -r größtenteils aus Kautslys WahlbetrachiungSartikel abgeschrieben. ES werde bei jeder Gelcgenbeit von Parteidisziplin gesprochen. In der Tat werde aber eine. Parteidisziplin großgezogen, die schon stark an militärischen Kadavergehorsam erinnert.' Nur die Freiheit der Kritik verbürge Fortschritt. Müller weist in seinem Schlußwort den Vorwurf der Un- sachlichkeit gegen die ,.VorwärtS"-Redaktl0ll zurück. Freilich bei einem iolchcn Artikel wie dem Braum'chen habe sie einHauen müssen. Was Maurenbrecher anbetrifft, so wolle er ausdrücklich konstatieren, daß der Parteivorstand Manrenbrecher nichts in den Weg gelegt hat in Sachen der Kandidatur für Sorau -Forst, konnte man dadurch doch am ersten eine Beilegung der dortigen Streitigkeiten erwarten. Dies zur Steuer der Wahrheit, um wieder einer Legendenbildung vorzubeugen, denn eine Aeußerung wie die von Robinson erwähnte, sei im Parteivorstand niemals ge- fallen. Der Parteivorstand habe auch schon seit Jabreü zur Sachlichkeit ermahnt, also die von Robert Schmidt gewünschte per- sönliche Initiative auf diesem Gebiet längst ergriffen. Was würde eS aber nützen, Ivenn man z. B. Braun aufs Parteibureau zitierte? Diesem sei doch offenbar an allen Mahnungen der Partciinstanzen gar nichts ge legen. Daß der Partcivorstand von Kautsky abgeschrieben hätte, sei eine Naivität Zippeis. Im übrigen babe er seinen ersten Ausführungen nichts hinzuzufügen. Noch einmal ermabne er, die Wahllehren zu beherzigen, dann werde es mit der Parteibewegung vorwärts gehen trotz alledem. Beifall.) Damit war die Debatte beendet. Die bereits stark gelichtete Versammlung wurde hierauf um IL'/z Uhr geschlossen. Positive Leistungen der Sozialdemokratie", so lautete das Thema, über welches Genosse Molkenbuhr am Dienstagabend im Wahlverein des sechsten Kreises einen Vortrag hielt. Er erimrerte an die Vorwürfe, die den Sozialdemokraten im letzten Wahlkampse gemacht wurden. Immer wieder.hörten die Sozialdemokraten den Satz, daß sie nichts Positives ge- leistet hätten.Lügen haben kurze Beine", so sagt man gewöhnlich mit Recht, aber es gibt Lügen, die so oft wiederholt werden, daß sie doch schließlich hier und da haften bleiben. Sogar einige Parteigenossen sind darüber nervös geworden und haben vor geschlagen, daß unsere Taktik ein wenig geändert werden sollte, damit nicht immer derselbe Vorwurf zurückgewiesen werden müsse. In den Reden der Minister, in der Thronrede, überall das gleiche Lied: Keine positiven Leistungen! Schon lSOS sagte B ü l o w im Reichstage:Was haben Sie denn geleistet? Agitation la, positive Leistung bb." Damals schon habe der Redner dem Reichs- kanzler ein ganzes Register von Leistungen der Partei in der Ge> setzgebungsarbeit aufgezogen. Wenn die Partei gar nichts Positives erreicht hätte, braucht man sich nicht zu wundern, denn alle anderen Parteien verhindern sie ja stets daran. Wollte man nur daran denken, was durch die Sozialdemokraten in unserer Gesetzgebung Schlechtes verhindert oder gemildert wurde, so hätte man allein in der scheinbaren Negation genügend positive Leistung. Der Referent zeigte in längeren Ausführungen, welche Kulturtat die Sozialdemokratie verrichtet habe durch die Erziehung der Arbetter zur Anteilnahme und zum Verständnis der Politik. Man sollte hundert Mann aus jeder Partei herausgreifen und sie einer Prüfung über Aufgaben in der Politik unterziehen, und man würde finden, daß die Sozialdemo- kraten den Preis davontragen. Eine andere große Leistung der Sozialdemokratie liege in der Förderung des internationale i« Prinzips, der Verbrüderung der Völker. Dieser Gedanke ist nur dann zu verwirklichen, wenn alle Völker den gleichen Zielen zustreben, wie sie die Sozialdemo- kratie lehrt. Wer sich die Mühe machen wollte, die gesetzgeberischen positiven Leistungen der Partei zusammenzustellen, der würde bald über- wältigt werden von der Fülle des Materials, denn überall zeigt die Sozialdemokratie deutlich ihre Spüren. Redner blicke selbst ans eine 16jährige parlamentarische Tätigkeit zurück und wisse darüber zu urteilen. Er geht zum Beweise die Arbeiterversichcrungs- Gesetze durch und zeigt die Leistungen der Sozialdemokraten. Zum Beispiel sind in den ersten 26 Paragraphen des Unfallversicherungs- Gesetzes 11 verschiedene Aenderungen den Sozialdemokraten zu verdanken. Er erinnert noch an die Leistungen in den Kommunen und fragt zum Schluß nach den positiven Leistungen B ü l o w s in der Sozialpolitik. In den sieben Jahren seiner Amtsführung als Reichskanzler hätte er zwei Novellen vorgelegt, die eine zur Seemannsordnung, die andere zur Krankenversicherung. Die erste habe er bereits fertig vorgefunden und zur zweiten lag eine bestimmte Resolution bor . Das sei sehr wenig an positiven Leistungen, aber dafür habe er dann den Wucher- t a r i f geschaffen.- Großer Beifall lohnte den Redner. In der Diskussion sprachen noch zwei Genossen im Sinne des Referenten, und mit einem Hoch auf die Arbeiterbewegung wurde die Versammlung geschlossen. Genosse Eduard Bernstein hat seine angekündigteAbrechnung" mit uns und mit den« Wahlvercin des vierten Kreises überraschender- weise in einer Versammlung des Berliner Konsum­vereins vorgenommen! In der Einleitung seines Referates be- klagte er sich darüber, daß wir seine an uns gesandte Erklärung voii der AbstSt einerAntwort und Gegenrcchnung" verstümmelt hätten. Wir können dazu nur sagen, daß wir die uns zugegangene Erklärung allerdings unter AnSmerzung der bekannten Bernstein- schen Weitschweifigkeit durchaus sinngemäß wiedergegeben haben. Daß Bernstein seine Abrechnung in einer Konsumvereins- Bcrsammlung vornehmen würde. stand in der Erklärung nicht! Nachträglich überrascht uns dies allerdings nicht mehr: sucht doch Bernstein für die Diskussion anscheinend grundsätzlich Orte auf, wo er der Parteikontrolle nicht untersteht. Wie er in den Soz. Monatsheften" und in derNeuen Gesellschaft" über die Partei schreibt, dürfen wir uns nicht wundern, ihn nächstens im RauchklubBlaue Wolke" als Redner Partcidiskussion pflegen zu sehen. Daß wir ihm gegenüber dasSystem des Totschweigens" üben, ist eine Empfindung Bernsteins, keine Erfahrung: denn in den Tat- fachen findet diese Behauptung keine Stütze. Wir haben ihn in VersammlungSberichten genau so wie jeden anderen Redner be- handelt allerdings auch nicht besser. Wir haben seinen Ein- sendungen unsere Spalten geöffnet allerdings nicht, ohne u n s e r e Meinung dazu zu sagen.(Hoffentlich gesteht uns aber Bernstein dasselbe Recht auf Meinungsfteihcit zu. das er für sich in Anspruch nimmt.) Wir haben schließlich sogar freiwillig Aeußerungen Bernsteins übernommen und zustimmend kommentiert; nämlich als wir einmal die Freude hatten, etwas Vernünftiges von ihm zu lesen allerdings(wie könnte e» anders sein!) in der bürgerlichenBerliner Volkszcitnng". s Vorort- NachHcbtetts Em Epigone beS Hauptmanns von Köpenick . In Hannover erschien gestern morgen auf der Hauptpost ein Mann, stellte sich als Postinspektor aus Stettin vor und verlangte die Oeffnung der Packkammer, bei der sich auch das Gelaß für Wert« und Geldsendungen befindet, zur Vornahme einerRevision". Die Beamten gingen aber hierauf nicht ein, sondern verlangten von ihm eine Legitimation, die er verweigerte. Es entstand nun ein Wort» Wechsel, in dessen Verlaufe der falsche Inspektor gewaltsam aus dem Packsaale entfernt werden mußte. Dabei zog er einen Revolber und feuerte zwei Schüsse ab, ohne jemand zu treffen. Nun Ivurde er von mehreren Beamten überwältigt und der Bahnhofswache zu« geführt, die ihn der Kriminalpolizei überlieferte. Der Verhaftete gibt, wie dasHannoversche Tageblatt" meldet, an, Offizier a. D. zu sein und Kreß zu heißen. Man glaubt eS mit einem GeisteS« kranken zu tun zu haben._ Wieder ein Eiscndahnunglsick. Der um 3 Uhr 58 Minuten nachmittags von Hamm kommend« Schnellzug 63 stieß gestern im Personenbahnhof Münster i. W. bei der Einfahrt aus eine im selben Gleise stehende Lokomotive. Ein Reisender ist schwer, aber nicht lebensgefährlich, 11 Reisende und 3 Fahrbeamie sind leicht verletzt. Ein Binmnfall ereignete sich gestern in A I t e n b u r g. Dort gab bei den Anbauarbeiten an einer Schule in der Theresienstraße das Gerüst bei dem Transport von Baumaterial nach und traf vier Arbeiter. Von diesen erlitten zwei dem Anschein nach schwere innere Bsrletznngen und mußten nach dem Krankenhause gebracht werden, während die beiden anderen mit leichten Verletzungen davon« kamen. Ucbcr den Brand des vom Norddeutschen Lloyd gecharterten norwegischen Dampfers R h g i a" wird noch ans Bremen gemeldet, daß der Brand durch einen Arbeiter verursacht wurde, der mit einer brennenden Lampe im Laderaum zu Boden stürzte. Die aus Kopra , Gummi und Nattan bestehende Ladung geriet sofort in Brand, und obwohl zwei Dampsspritzen der Bremerhavener Feuerwehr, die Automobilspritze des Norddeutschen Lloyd und drei Spritzendampfer in ununterbrochener Tätigkeit waren, gelang es doch erst Mittwoch nachmittag gegen 3 Uhr, das Feuer zu ersticken, indem man das Schiff unter �Wasser setzte. Die ganze Ladung, die für Bremer Firmen bestimmt war, ist vernichtet. Der entstandene Schaden ist ehr erheblich. v Im Unterseeboot. Wie aus Toulvn berichtet wird, stieß da? UnterseebootGymnote" bei einer Uebungssahrt unter Wasser auf einen Felsen auf. Das Boot erlitt erhebliche Beschädigungen. Sämtliche elektrische Lampen erloschen. Gleichwohl entstand keinerlei Panik. Der Befehlshaber ließ den Bleiballast auswerfen, worauf daS Boot wohlbehalten an die Oberfläche gelangte und von einem Tor« pedoboot an Land geschleppt wurde. Lawinenstürze. Große Lawinenstürze sind nach einer Meldung aus Bern im Kanton Wallis niedergegangen. Die Verbindungen sind unterbroSen und werden wahrscheinlich vor Ablauf Von acht Tagen nicht wieder hergestellt werden lönnen. Im Automobil abgestürzt. Aus Lugano wird gemeldet: Ein Automobil, welches von den Direktoren Gasvard und Landry. dem Arzt Varelli, zwei Damen und dem Chauffeur besetzt war, stürzte infolge eines AxenbruchS von einem Abhang des Mont Cenere ab. We sechs Personen wurden schwer verletzt. Bei der Explosion unter dem Houtsonflusse unweit New Dork sind nach den letzten amtlichen Feststellungen insgesamt 25 Arbeiter schwer verletzt worden._ Nerliner Marktpreise. Aus dem amMchen Bericht der städtllche» SPiartthallen-Direktioii.(Großhandel.) Rindfleisch la 6873 pr. 100 Pfd., Aa 62-67, Ma 56-61, IVa 48-54, dän. Bullen 60-65, Holl. 0,00. Kalbfleisch. Doppclländcr 110-125, la 82-90, IIa 72-80, Illa 52-68, Holland. 00,00, dän. 5565. Hammelfleisch la 6675, Ila 4864. Schweiiiefieilch 48 56. Rothirsch la der Pfund 0.500.55. Rot­wild plombiert 00,00. Damhirsch 0.45 0,65. Wildschweine 00,00, Frischlinge 0,00. Kaninchen per Stück 0,600.90. Wildenten per Stück 1,501,75. Hübner. alte p. Stück 1,503.05. do. IIa 0,801,30 do. junge p. Stück 0,801,25. Tauben per Stück 0,50 0,75, junge kleine 0,00, italienische 1,00. Enten per Stück 2,002,60. dito Hamburger junge per Stuck 3,75. Gänse, Hamburger per Pfund 11,20. Eis» 0,480,58. Hechte per 100 Pfund 7683. groß 69, mittel 0,00. Zander 0,00, dito mittel 0,00, do. matt 0,00. Schleie, unsortiert 0,00, do. groß 0,00, da. mittel 0,00. Aale, groß 138, mittel 103111, klein und mittel 0.00. Plötzen, klein 0,00, do. groß 0,00, do. 4046. Karpfen 5482, do. Galiz. 50 80er 60-61, do. stanz. 70-100-r 59 62. Bleie 4147. Aland 0.00. Bunte Fische 68. Barle, matt 51 54, do. groß 0,00. Karmüche» 0,00. Blei« fische 0,00. WelS 5360. Quappen 0.00. Amerikanischer Lachs la neuer per 100 Pfd. 110 130, do. IIa neuer 90 100, do, Ihla neuer 75. Seelachs 3035. Sprotten, Kieler, Wall 0,801,50, Danziger, Kiste 0,00. Flundern, Kieler , Stiege la 34, du. mittel vcr Kiste 28. Hamb. Stiege 46, halbe Kiste 1,502. Bücklings, per Wall Kiele c 3,506,00, Stralsunder 55,50. Aale, groß per Pfd. 1,101.40, mittelgroß 0.801,00, klein 0,60 0,80. Heringe per Schock 59. Schellfische Kiste 67, do. 'I, Kiste 3-4. Kabllan, p. 100 Pfd. 30-35. Heilbutt 0,00. Sardellen. 1902« per Anker 95, 1904er 93, 1905er 90. 1906er 7580. Schottische Vollberinoe 1905 0,00, largo 4415, füll. 38 40, med. 3542, deutsche 37 44. Heringe, neue MatjeS, per*1, To. 60120. Sardinen, russ.. Faß 1,501,60. Bratheringe. Büchse(4 Liter) 1,501,75. Neunaugen, Schocksag 11, kleine 5 6. Riesen« 14. Eier, Land-, v«Schock4,50. Butter per 100 Pjd. la 114116. IIa 110114. Ula 107. abfallende 95100. Saure Gurken«schock 4,10 4,50, Pseffergurken 4,004,50. Kartoffel» per 100 Psd. 0,00, magnum bomun 2,502,75, Dabersche 2,25 2,50, Rose» 0,00. weiße 2,25 2,50, Salalkartoffcln 6,007,00. Spinat per 100 Pfunb 2530. Karotten per 100 Psmid 1518. Sellerie, hiesige, per Schock 4,008,00, do. pommersche 9,0012,00. Zwiebeln große, per 100 Psd. 4,004,50, do. kleine 8,003,50. do. hiesige(Perl-) 0,00. Charlotten 0.00. Petersilie, grün, Schockbund 1,502,00. Kohlrabi per Schock 0,00. Rettig, bavr., per Schock 2.40 4,80. Mohrrüben per 100 Pfund 3,50 4,50. Teltower Rüben per 100 Psd. 810. Weiße Rüben, große 0,00, kleine 0,00, Rote Rüben 3,004,00. Blumenkohl itah per Korb 2,252,75. Kohlrüben per Schock 2,002,50. Wirsingkohl per 100 Pfd. 3,00-4.25. Rotkohl per 100 Psd. 3,00-5,00. Weißkohl 100 Pfd. 2,003,50, Rosenkohl per 100 Psd. 14-16. Grünkohl per 100 Pjd. 5,007,00. Rhabarber 100 Bd. 7,0010,00. Birnen, per 100 Psd. hiesige 0,00, Böhm. 1020, ital. 3035. Aepsel, per 100 Psd., hiesige 525, Gravensteiner 0,00. Tiroler in Fässern 0,00. Kiste 30 60, älmcrif. 2638. Zitronen. Mcssina, 300 Stück 8,50 9,00, 360 Stück 8,509,00, 200 Stück 913. Apfelsinen, Jaffa , per Kiste 0,00, Murcia 200« 51iste 710, do. 300« 811, Valencia 420« Kiste 13 24,00, do. 714 er 1723,50, Messina . 160«. 913.00, do. 200« 8,5012,00, do.300« 9-14, Blut» 100« 79. do. 150 er 7,50-9,50. do. 80« 710. Ital. in Körben per 100 Psd. 0,00. Mandarinen, Kiste 0,752,00, do. in Körben per 100 Psd. 32-35. Wittcrniigvabcr ficht vom 6. März lt>t»7, morgens« Uh». Slotionen sS Z-a c 5«i §= £ 3 E 5 Ii Vetter Swinemde. 764SSO Hamburg !76?SSW Berlin 765 SSO Frankf.luM. 7S5SW München!769SW Wie»! 771 Still gwolkenl 2 wolkig 2 wölken! 2 bedeckt 2 heiter wolkenl3 a»£ Ü« Z? H S» 0 1 1 3 1 Stationen st s= rt o N = 5 SS Haparanda 1 746 SS PeierSbnrgl765W Scilly 766 NNO Werdern 762 SW Paris 763SSW Vetter | C 3 Leiter 1, wolkenl 4wolkig 2 wolkenl 1 bedeckt ei » P fivi -2 4 7 2 4 SBetter-Prognofe für Donnerstag, de» 7. März 1S07. Zunächst etwas wärmer, ziemlich trübe mit geringen Niederschlägen und mäßigen westlichen Winden; später wieder ausllarend und etwas kühl«. Berliner Aelterdureau. Wasierstaud am 6. März. Elbe Bei Aussig Met«, be! Dresden 59 dp. Elbe Bei Magdeburg 2,49 Meter, Elb » Bei Straußsurt Meter. Oder bei Rattbor 1,25 Met«. Oder bei Breslau Oberpegel 0,56 Met«. Neißemündung 1,46 Met«. O b e x bei vrieg 2.4o Mier.-.. J Verantwortlicher Nedatteur: HanS Weber. Berlin , Ur»M Inseratenteil vermitw.: Th. Glocke, Berlin . Druck«. Verlag: Dorivärt» Luchdruckerer a. VerlagScwftalt Paul Singer'& Co., Berlin SW,