M« Netzriegel, Mi Mn vrettervelag rwgen. Nach dem Front« und Giebelmauerwerk hochgemauert waren, sollte daS gleiche mit den Treppenflurwänden geschehen sdas benöügte Material lagerte schon). Hierbei ereignete sich daS Unglück. Ob eme Steife von unberufener Hand weggenommen wurde, oder was sonst Schuld trägt, kann schwerlich festgestellt werden. Durch einen Sturz von der Wagenlriter den Tod gefunden. An den Folgen eines verhängnisvollen Unglückfalles hat der Wäscherei- besitzer Willjelm Gelbrecht seinen Tod gefunden. Vor wenigen Tagen war G. mit seinem Fuhrwerk von Köpenick nach Berlin gefahren, um hier Wäsche abzuliefern. Als er in der Oranienstraße die Leiter zum Wagendeck hinaufstieg, brach plötzlich eine Sprosse und G. stürzte ab. Er zog sich am Kops Verletzungen zu, achtete jedoch wenig darauf. Es stellte sich dann später Blutvergiftung ein, an deren Folgen er gestern starb. Bon einem unbekannten Täter angeschossen und schwer verletzt wurde gestern mittag der 16 Jahre alte KaufmannSlehrling Heinrich Wenk aus der Liesenstratze Ba. Der junge Mensch Pflegt mittags auf der Stadtbahn von seiner Arbeitsstätte nach Hause zum Mittag essen zu fahren. Als er gestern gemeinsam mit einem Freunde den Bahnhof Wedding verliest und den Weddingplatz betreten wollte, krachte plötzlich ein Schust und getroffen brach W. neben seinem Begleiter zusammen. Er wurde nach. der nahen Unfall� ftation in der Lindowerstraste gebracht, wo der Arzt feststellte, dast die Kugel in die Schädelhöhle eingedrungen war. Das Gehirn hatte sie gestreift und wäre sie nur einen Millimeter mehr nach oben eingedrungen, so würde sie den sofortigen Tod des bedauernswerten jungen Mannes herbeigeführt haben. Der Täter konnte vorläufig noch nicht ermittelt werden. Vom Stadtbahnzug erfaßt. Ein Opfer seiner Schwerhörigkeit ist gestern morgen der 41jährige Maler Franz Krause, Fransecki straste 29, geworden. K. hatte am Bahnhof Zoologischer Garten Malerarbeiten ausgeführt. Als die Einfahrt eines Südringzuges gemeldet wurde, beachtete er dies nicht infolge seiner starken Schwerhörigkeit und wurde von der Maschine erfaßt. Der Zug wurde sofort zum Stehen gebracht und K. schwerverletzt hervor gezogen. Der Bedauernswerte hatte Rippenbrüche und schwere Verletzungen am Kopf, an den Beinen, an den Armen und am Rücken davongetragen. Nachdem er auf der Unfallstation 20 die ersten Notverbände erhalten, wurde er ins Elisabeth-Krankenhaus eingeliefert. Durch einen nichtswürdigen Bubenstreich wurde gestern der Handelsmann Cords in ernstliche Lebensgefahr gebracht, als er mit seinem bcladenen Strohwagen, auf der Fahrt nach dem Berliner Heu- und Strohmarkt begriffen, sich auf der Weitzenseer Chauffee befand. Durch einen rohen Patron war die Strohladung an mehreren Stellen gleichzeitig angezündet worden, und das Feuer entwickelte sich mit so ungeheurer Geschwindigkeit, daß C. nur mit knapper Mühe sich von dem gefährdeten Wagen zu retten der- mochte und die Pferde ausspannen konnte. Das Feuer zu dämpfen war natürlich unmöglich, und obwohl die Wehren aus den benach- karten Ortschaften Weißensee , Hohenschönhausen und Wilhelmsberg schon nach kurzer Zeit zur Stelle waren, wurde doch die Ladung sowie der Wagen durch das verheerende Element eingeäschert. Fromme unter sich. Seit längerer Zeit ist in der Sophien gemeinde ein heftiger Streit entbrannt zwischen den Positiven und den Liberalen. Dieser Streit kam bereits bei der letzten Kirchen- Wahl zu einem heftigen Ausbruch. In der Hauptsache richteten sich die Angriffe gegen die Mißwirtschaft, die unter dem Szepter des Herrn Pretzel, dem Führer der antisemitisch-reaktionären Bürgerpartei, wahre Orgien feierte. Pretzel ist seit fast zwanzig Jahren Vorsitzender des Vereins und zugleich Mitglied der kirch- lichcn Vertretung. Kürzlich sollte die Neuwahl des Vorstandes in einer Generalversammlung vorgenommen werden und dieser Um stand hatte diese Vorversammlung veranlaßt. In der Versammlung erörterte nun Prof. Obertimpfler die Frage:„Ist Pretzel noch fähig, länger Vorsitzender des Parochialvereins zu sein?" Er kam hierbei zu dem Schlüsse, daß der bisherige Vorsitzende die ideellen Gesichtspunkte, die seine Stellung erheischten, in einer Reihe von Fällen unberücksichtigt gelassen und dadurch große Unruhe in den Verein hineingetragen habe. Herr Pretzel habe gegen Geistliche prozessiert, in Flugblättern durch geheimnisvolle Andeutungen die Ehre anderer Vereinsmitglieder zu untergraben versucht, auch einer bedürftigen Witwe die ihr zustehende«terbeunterstützung für ihren verstorbenen Mann vorenthalten. An die Kirche seien aus seiner Fabrik Gegenstände verkauft worden, was absolut zu verwerfen sei. Pretzel sei wegen Verletzung des Gesetzes über den Schutz der Warenzeichen gerichtlich bestraft worden, habe aber hieraus nicht die nötigen Konsequenzen gezogen, seine Aemter im Verein und in der kirchlichen Vertretung niederzulegen. Er habe der Kirche sein Haus für 300 000 M. zum Kauf angeboten, obgleich er es einem Agenten einige Zeit vorher für 260 000 M. hätte lasten wollen. Ein krasser Fall fei aber folgender: Pretzel habe als Rendant der Spar- und Darlehnskasse„Vorwärts" die Verpflichtung über- nommen, durch seinen Buchhalter die schriftlichen Arbeiten der Kasse erledigen zu lassen. Der Buchhalter habe aber der Kasse gegen vierhundert Mark entnommen, für die Pretzel haftbar sei Um sich aber von der Zahlungspflicht zu drücken, habe er den Ein- wand erhoben, der Verein sei nicht rechtsfähig. Verschiedene Per- sonen, die nicht in allen Punkten seiner Herrschaft im Verein und in der Kirchenverwaltung sich beugen wollten, habe er in gehässiger Weise verfolgt'; auch die Pfarrer seien davor nicht sicher gewesen, wenn sie es wagten, anderer Meinung zu sein. Pretzel habe eine unumschränkte Herrschaft im Verein und in der Kirchenverwaltung ausgeübt, die mehr und mehr unerträglich geworden sei. Auch die Tatsache, daß Herr Pretzel wegen unlauteren Wettbewerbes bestraft worden sei, sei geeignet, seine Würdigkeit für das Amt des Vor- sitzenden in Zweifel zu ziehen. Herr Pretzel selbst war mit einigen seiner Getreuen erschienen und hielt eine lange Verteidigungsrede. Hinter jedem persönlichen Angriff auf seine Gegner, hinter jeder gehässigen Klatschgeschichte folgte die Berufung auf die gute Sache der Religion, der Kirche und der positiven Richtung. Pretzel und seine Freunde brachten natürlich auch die schmutzige Wäsche der Gegner in behaglicher Breite vor und enthüllten somit, welche Intrigenwirtschaft in der positiven Gemeindeverwaltung herrscht. Von Christlichkeit und Duldsamkeit ist hier nicht viel zu merken. In der Generalversammlung wurde Herr Pretzel trotzdem tviedergewählt._ Die Direktion beS ZirkuS Busch mußte Segen der jetzt statt- findenden Ringkämpfe für die Abendvorstellungen die Kinderbilletts aufheben. Um nun der Jugend einen Ersatz zu bieten, wird von heute ab in den sonntäglichen Nachmittagsvorstellungen, zu denen Kinder bei halben Preisen Zutritt haben, die große Pantomime �Rom " aufgeführt. Arbeiter-BildungSschule Berlin . Heute abend 7 Uhr im„König- stadt-Kasino", Holzmarktstraße 72, Vortrag deS Genosten Karl Mermuth:„Ein Kapitel aus der Geschichte und Theorie der Arbeiterbewegung." Zahlreicher Besuch wird erwartet. Das Prater-Theater leistete sich am Freitagabend eme Ur- aufführung eines von einem Herrn Paul Hankel verfaßten modernen . Dramas in fünf Akten:„Die sechste Bitte". Was wollte der Autor mit diesem Titel? Etwa darlegen, daß der Mensch bei allen seinem Tun mit fronimem Augenaufschlag hülsesuchend nach oben wenden und murmeln soll: Führe unS nicht in Versuchung oder was sonst? Wollte er das erstere, so ist ihm das schlecht gelungen. Denn der wesentliche_ Inhalt des Dramas war auf einen ganz anderen Ton gestimmt. Was uns an dem Stück gefiel, war die teilweise ganz gute Charakterisierung der heutigen Geldehe. Es wird gezeigt, wie die heutige Ehe in manchen Kreisen ein Geschäft ist, zu dem die Kirche noch ihren Kigeu spendet. Ein Grobarundbefitzer hat einem reichen Baron seine Tochter versprochen and als dies« sich gegen die Heirat strZubt. weil ihr Jugend geliebter aus der Fremde zurückkehrt, enthüllt der Vater ihr, daß er am Rande des Bankerotts sei und Schande und Elend ihm und der Mutter in Aussicht stehen. Nur die Verbindung mit dem reichen, aber ungeliebten Manne könne helfen. Die Tochter opfert sich, kann aber den Gedanken an ihren Geliebten nicht los werden, mit dem sie kurz vor der Hochzeit einen wilden Abschied feierte und den neuen Gatten um die erste Nacht brachte. Die Ehe mit dem Baron war eine unglückliche. Der Jugendfreund verfällt in Wahnsinn und der Baron wird bei einem Zusammentreffen mit demselben zum Mörder. Als er erfährt, daß das vorhandene Kind nicht sein eigenes ist, will er seiner Frau zu Leibe, wird aber in diesem Augenblick als des Mordes verdächtig verhaftet. Die Schuld an dem ganzen Unheil wird schließlich dem Groß- industriellen zugeschrieben, der seine Tochter um des Geldes willen verkuppelte. Unter dem pastoralischen Trost:„Und erlöse unS von dem Uebel" fällt der Vorhang. Die Darsteller gaben ihr Bestes. Gertrud Mangelsdorf spielte mit großem Geschick die verkuppelte Tochter des Groß- industriellen, während Herr M a r ch a n d als Geliebter Dr. Lentz seine Rolle gleichfalls gut zu Ende führte. ArSeiter-Samariter-Kolonne. Erste Abteilui z Montag abend Dresdenerstr. 45: Schlußvortrag des Winterkursus über:„Die Grundzüge der Krankenpflege". Vortragende: Frl. Dr. Profö. Daran anschließend Transportübungen. Donnerstag in Lichtenberg bei Piekenhagen, Scharnweberstr. 60, spricht der Spezialarzt Herr Dr. Hirschfeld über:„Die Hygiene der Frau." Der Vortrag ist nur für Frauen und find Gäste dazu an- genehm._ Vorort- JVacbricbtem Charlottenburg. Die neue„BerwaltuugSordnuug", in welcher die Zuständigkeiten zwischen der st ä d t i s ch e n Polizeiverwaltung und dem König- l i ch e n Polizeipräsidium in Charlottenburg gegen einander abgegrenzt werden, ist amtlich publiziert worden. Danach wird die Stratzenbaupolizei künftig vom Oberbürgermeister unter der Amts bezeichnung„Slädtische Polizeiverwaltung zu Charlottenburg . Der Oberbürgermeister", wahrgenommen; Landesaufsichtsinstanz über die städtische Polizeiverwaltung ist der Polizeipräsident von Berlin . Zur ungeteilten Zuständigkeit der städtischen Polizei Verwaltung gehören: die Wahrnehmung der Wegepolizei, die Durchführung der Kanalisation, der Hausanschlüsse usw. Bei der dem Polizeipräsidium verbleibenden Baupolizei wirkt die städtische Verwaltung nur mit. wenn eS sich um Neubauten an neuen oder unbebauten Straßen, um erheblichere Bauten, Umbauten usw., um Veränderung der Straßen fluchten usw. handelt. Die Ausübung der Sicherheitspolizei auf Privatwegen, die Anlegung der Vorgärten. Aufstellung von Bau- zäunen, die Verkehrspolizei usw. verbleibt dem Kömglichen Polizei- Präsidium. Freie Bolksbühne Charlottenburg . Die Märzvorstellung des Vereins findet für die erste Abteilung am Sonnabend, den 23., für die zweite Abteilung am Freitag, den 22. statt. Die Mitglieder der zweiten Abteilung, darunter alle Neu aufgenommenen, müssen also am Donnerstag in den Zahlstellen geklebt haben; die Mitglieder der ersten müssen am Freitag geklebt haben. Anmeldungen werden noch bis Dienstag in den Zahlstellen entgegengenommen. Gespielt wird die Landstreicherkomödie„Der Kaiserjäger". Anfang pünktlich 8 Uhr im Schiller-Theater Charlottenburg . Rummelsburg . Mit der Borberatung des Gemeindcvoranschlags für 1907 bc- schäftigte sich die letzte Gemeindevertretersitzung. Der Voranschlag selbst schließt in Ausgabe und Einnahme mit 2 329 371 M. ab. Ein- leitend bemerkte der Gemeindevorsteher, daß der Zuschlag zur Staatseinkommensteuer zwar von 130 Proz. im letzten Jahre auf 125 Proz. herabgesetzt ist, es sei dies aber nur möglich gewesen, in- dem man alle Ausgaben auf das knappste bemessen habe. Als er- freulich bezeichnete er es, daß die Einkommensteuer, pro Kopf der Bevölkerung berechnet, im steten Aufstiege begriffen sei. So betrug dieselbe im Jahre 1890 1,25 M. und stieg im Jahre 1905 bereits auf 3,30 M. pro Kopf der Bevölkerung. Als Zuschuß der Stadt Berlin zu den Schullastcn für diejenigen Schüler, deren Väter in Berlin in. Beschäftigung stehen, sind bereits 18 000 M. in Einnahme ge- stellt. Unser Genosse John kritisierte an dem Voranschlag in erster Linie die vollständige Außerachtlassung der Einstellung von Mitteln für die verschiedenen so äußerst notwendigen fozialpolittschen Ge- meindeeinrichtungen, er wies nach, daß im Voranschlag ausschließ- lich nur den Wünschen der Grundbesitzerpartei Rechnung getragen sei. So muß die Herabsetzung des Zuschlags zur Staatseinkommen- steuer bei der zurzeit nicht guten finanziellen Lage der Gemeinde als ein Gefälligkeitsakt für die Grundbesitzerpartei betrachtet werden. Weiter trägt die Gemeinde allein bei der Kanalisation zu den Unkosten 53 700 M. bei. Der Gemeindezuschuß zu den höheren Schulen beträgt bereits über 40 000 M. Verschiedene Be- schwerden gegen hie Armenverwaltung gaben unserem Redner Ver- anlassung, die Rückständigkeit derselben und ihre rigorose Geschäfts- führung zu kennzeichnen. Wie die Armenverwaltung verfährt, er- hellt am besten daraus, daß sämtliche Ausgaben dieser Verwaltung pro Kopf der Bevölkerung berechnet noch nicht 92 Pf. pro Jahr be- tragen, gegen Berlin mit über 2,50 M. Andererseits ist hie Armen- Verwaltung äußerst rührig; den Vorwurf, daß sie es übersieht, Empfängern von Armenunterstützung das Wahlrecht zu nehmen. kann ihr so leicht niemand machen, im Gegenteil, sie leistet, was folgender Vorgang beweist, in dieser Beziehung ganz hervorragen- des. Die Frau eines hiesigen Arbeiters erkrankte im vorigen Früh- jähr, die Behandlung übernahm ein hiesiger Arzt auf Kosten des betreffenden Arbeiters. Eine frühere Hauswirtin der erkrankten Frau drang nun wiederholt auf diese ein, zu Herrn Dr. Vanselow zu gehen, da derselbe sie schneller gesund machen würde. Die Er- krankte ging, versehen mit einem Empfehlungsbrief der Frau Wirtin, zu Herrn Dc. Vanselow. Nach Durchlesung desselben war der Arzt ganz entrüstet über die Art der Zuweisung von Patienten. Die Erkrankte verzichtete hierauf auf jede Hülfe und verließ den unfreundlichen Arzt eiligst. Zufällig war nun aber dieser Herr gleichzeitig auch Armenarzt, was zur Folge hatte, daß der Ehe- mann der Erkrankten für das Lesen des Empfehlungsbriefes um ein Wahlrecht gekommen ist— da die Armenverwaltung hierin eine Armenunterstützung erblickte!!! Hierauf begründete unser Redner unsere Forderung der unentgeltlichen Abgabe von Lehr- und Lernmitteln an alle Schulpflichtigen. Weiter beantragte er, eine größere Summe einzustellen, damit für diejenigen Kinder, bei denen die Schulärzte es für notwendig halten, daß die Betreffenden zur Erholung in eine Ferienkolonie geschickt werden, auch die ge- nügenden Mittel vorhanden sind. Die Errichtung von Schulbrause- bädern wurde ebenfall» von unserem Vertreter dringend gefordert. Beim Kapitel Fortbildungsschule nahm unser Genosse noch Veranlassung, auf eine Verfügung des Assessors Köhler hinzuweisen, die in Lehrerkreisen sowie bei allen Freunden der FortbildungS- thule die schärfste Mißbilligung erfahren hat. In einer der letzten Sitzungen der Gemeindevertretung war vom Gemeindcvorstand unter Führung des Herrn Assessor Köhler eine Abänderung des jetzigen Ortsstatuts der Fortbildungsschule dahin beantragt worden, daß die„Schulpflicht" für alle am Orte wohnenden, aber nicht am Orte beschäftigten jugendlichen Per- onen aufgehoben werden sollte. Eine solche Ab- änderung des Ortsstatuts hätte zur Folge gehabt, daß die jetzige Schülerzahl bis auf% zurückgegangen wäre, was gleichbedeutend war mit der Vernichtung der ganzen Schule. Fast einmütig wurde diese geplante Verstümmelung der Fortbildungsschule, welche zur- zeit einen sehr guten Ruf genießt, von der Gemeindevertretung abgelehnt. Um nun seinen Zweck doch zu erreichen, erließ der Herr Assessor im Einverständnis mit dem Amtsvorsteher eine Verfügung an die Lehrerschaft. In dieser befiehlt er in kurzen Worten, ihm keine miiim Siwtaiikteaejt M ZchuldÄgWUvste m IMcn Schülern eTftzüfticheft, Kelche nlchk SM Ctfe veschSfftgt f»«6— la er solche Schüler in Zukunft nicht mehr bestrafen wird. Die Ver. antwortung für diese Verfügung übernahm der Amtsvorsteher. Er entschuldigt seine Handlungsweise— welche im direkten Wider- spruch mit dem einmütigen Beschluß der Gemeindevertretung sowie mit dem genehmigten Ortsstatut steht— damit, daß in einem an- deren Orte ein Fortbildungsschüler, welcher nicht an dem be- treffenden Orte beschäftigt war, vom Gericht von der Schulpflicht freigesprochen worden sei; er könne deshalb eine Bestrafung vor seinem Gewissen nicht verantworten. Ob der Herr Amtsvorsteher auch bei jeder anderen Strafansetzung sein Verantwortungsgefühl und Gewissen prüft? Es ist dies kaum anzunehmen, da sonst nicht ein so großer Prozentsatz von Strafmandatsempfängern bei den Berufungen freigesprochen werden müßten! Beim Kapitel Steuern beantragte Genosse John die Absetzung der Bier- und LustbarkeitS- steuer und dafür die Einführung der Wertzuwachssteuer, welche er eingehender begründete. Zum Schluß forderte Redner noch die Errichtung eines Kindergartens in größerem Stile und in Ver- waltung der Gemeinde.— Genosse Ritter begründete dann ein- gehend den Antrag betreffend die Nichtbeteiligung von Gemeinde- Vertretern bei Vergebung von Gemeindearbeiten. Die wenigen Aus» führungen der bürgerlichen Vertreter gipfelten darin, daß man gegen unsere Forderung nicht viel einwenden könne, da aber zur- zeit kein Geld dafür übrig sei, könnten dieselben auch noch nicht zur Einführung kommen. Die Hausbesitzerpartei sieht ihr Heil nur allein in der Herabsetzung des Zuschlags zur Staatseinkommen- steuer, sie erwartet von einer noch weiteren Herabsetzung Wunder» dinge. Der Voranschlag wurde hierauf zur weiteren Durch. beratung an die Finanzkommission gewiesen. Weihensee. Eine außerordentliche Generalversammlung der Vertreter der Ortskrankenkasse beschloß eine Herabsetzung der Leistungen und zwar insofern, daß dem Bezüge von Krankengeld eine Karenzzeit von drei Tagen voraufgeht. Dauert die Krankheit länger als zwei Wochen, so werden die ersten drei Tage nachgezahlt. Veranlaßt wurde dieser Beschluß durch eine Verfügung der Regierung, den Reservefonds auf die gesetzmäßige Höhe zu bringen, der 180 000 M. betragen soll, jedoch nur 42 000 M. beträgt. Durch diesen Beschluß sollen pro Jahr 15 000 M. erspart werden, so daß dadurch ermöglicht wird, den gesetzmäßigen Betrag von jährlich 26 000 M., 10 Proz. der Jahresausgabe, dem Reservefonds zuzuführen. Ans der Gemeindevertretung. Eine rege Debatte zeitigte die der Vertretung vorgelegte Gebührenordnung für den Gemeinde- ftiedhof, der vom 1. April in eigene Verwaltung genommen wird. Bei dieser Gelegenheit beantragten unsere Genossen Frentz, Taub- mann und Schmutz die unentgeltliche Bestattung für jedermann. Wolle man aber von der Unentgeltlichkeit absehen und Sonderrechte auch im Tode einführen, so mögen dann auch entsprechende Leistungen verlangt werden. Die Mehrheit der Vertretung war aber nicht geneigt, auf das Verlangen unserer Genossen einzugehen. Gegen 7 Stimmen wurde die Vorlage angenommen. Die gesamten Bestattungsgebühren eines gewöhnlichen Sterblichen verursachen jetzt eine Mehrbelastung von zirka 5— 6 M. Die Königs- Chaussee von der Grenze bis zum Antonplatz soll elektrische Be- leuchtung bekommen, ebenso die Gustav Adolfftraße von der Grenze bis zur Langhansstraße. Ferner sollen die Gäblerstraße, Char- lottenburgerstratze(Wochenmarkt) und die Königs-Chaussee von der Parkstratze bis zum Antonplatz mit Krenzinlicht erleuchtet werden, nachdem das Probelicht auf der Königs-Chaussee den Beifall der Vertretung gefunden hat. Die von der Gemeinde erhobene Steuer hat den Rennklub veranlaßt, das Angebot zu machen, sich durch Zahlung einer Pauschale von 10 000 M. abzufinden, widrigenfalls die Rennen nach Westend verlegt werden. Trotz Widerspruchs unserer Genossen stand die Mehrheit auf dem Standpunkte der Einigung und schlug eine Pauschale von 15 000 M. vor. Ebenso soll der Ockonom des Schloßrcstaurants mit einer Pauschale von 1500 M. abgefunden werden. Daß auch Ländereigesellschaften hartnäckige Steuerzahler sind, beweist die Einleitung eines Zwangsversteigerungsverfahrens gegen die Realgesellschaft(Direktor Rechtsanwalt Haase) wegen rück- ständiger Steuern im Betrage von 800 M., wozu die Gemeindevertretung die Zustimmung geben mußte. Steglitz . Unter sehr schwacher Beteiligung gingen am Freitag die G e- werbegerichtswahlen vor sich. Gewählt wurden die vom Gewerkschaftslartell vorgeschlagenen Kandidaten. Ein in der Gruppe „Verschiedene Gewerbe" aufgestellter Gegenkandidat erhielt nur 12 Stimmen. Es wurden abgegeben:„Metallgewerbe" 87 Stimmen (eingeschriebene Wähler 456),„Graphisches Gewerbe" 113(639), „Nahrungsmittelgewerbe" 11(60),„Verschiedene Gewerbe" 52(467). Von den Arbeitgebern beteiligten sich an der Wahl:„Metall- gewerbe" 7 von 52 Wahlberechtigten,„Nahrungsmittelgewerbe" 16 von 180 und vom„Baugewerbe" 3 von 36. Eichwalde . Bei der am Freitag ftattgefundene» Gcmeindevertteterwahl in der dritten Klasse siegte der Kandidat des„Liberalen Bllrgervereins" mit 71 Stimmen, worunter sich 36 Papierstimmen befanden, von denen allein der Gemeindevorsteher 26 abgab. Unser' Kandidat Gen. Witte erhielt 36, der Kandidat de?„GrundbefitzervereinS" 27 Stimmen. Wenn wir auch gegen 1905 eine Zunahme von 19 Stimmen zu ver- zeichnen haben, so muß doch entschieden gegen das laue Verhalten einer Anzahl Arbeiter, sogar Wahlvereinsmitglieder, protestiert werden, deren Teilnahme genügt hätte, um unseren Kandidaten in eine aussichtsvolle Stichwahl zu bringen.— Wie verlautet, wird diese Wahl noch verschiedene Nachspiele vor Gericht haben, da die bürgerlichen Gegner sirq in den letzten Tagen gegenseitig mit den „liebenswürdigsten" Bezeichnungen belegten. Im übrigen beabsichtigt auch der.Grundbesitzerverein" verschiedener Vorkommnisse wegen Protest einzulegen. Groß-Besten. In Zeesen -Korbiskrug wurde bei der letzten Gemeindevertreter. wähl der Genosse Siekmann gewählt. Bisher war daS Mandat tu den Händen der Gegner. Ol»er-Schöneweide. Geweindevertretersitzung. Bei der Etatsberatung wurden die direkten Gemeindesteuern wie folgt festgesetzt: Zuschlag zur Staatseinkommensteuer 125 Proz.(bisher 130 Proz.), Gewerbesteuer: Klasse 1—3 187,5 Proz.(195 Proz.), Klasse 4 156,25 Proz.(162,5 Proz.). G r un d st e u er 2,50 M. pro 1000 M. deS gemeinen Wertes. Ferner an indirekten Steuern: Umsatz- steuer 1 Proz. bei bebauten und 2 Proz. bei unbebauten Grund- stücken. Der Antrag unserer Genossen, die mit 25 000 M. eingesetzte Biersteuer aufzuheben, wurde mit geringer Majorität abgelehnt, desgleichen ein Antrag auf Ermäßigung des Satzes von 65 Pf. pro Hektoliter. Der Gemeindezuschlag zur SchankbetriebS- kreis st euer bleibt auf Antrag unserer Genossen außer Ansatz.— Die Anregung unserer Genossen, in Anbetracht des steng steigenden Gemeindebedarfs für die Folge der Einführung einer autonomen Gewerbesteuer sowie einer Wertzuwachssteuer näher zu tteten. fand starke Oppositton bei den Grundbesitzern. Auf Antrag der Etatskommission machte die Vertretung ganz wesentliche Absttiche an den Ausgaben für die Verwaltung. Die Gehälter der Beamten wurden durchweg um 200 M. erhöht, die Löhne der Gemeindearbciter um 5 Pf. pro Stunde. Der alljährlich abgelehnte Anttag unserer Genossen auf Abänderung �er Amtsbezirks» grenzen wurde diesmal mit 8 gegen 7 Stimmen angenommen. Wenn die oberen Instanzen dem zustimmen, hat nicht mehr ein Amtsausschuß, sondern die Gemeindevertretung über Polizeiangelegenheiten zu bestimmen. Der Anregung unserer Genossen folgend wurde eine Beleuchtung für die Nacht- und Morgerstundcn beschlossen. Die Umgestaltung der Wilhclminenhofftraße, welche 800 000 M. erfordert, foll in Angriff genominen werden, sobald die im neuen Ortsteil herzustellende Parallelstraße fertiggestellt ist. Bei dieser Gelegenheit brachte Genosse
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