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Hus dir Partei. SM der fnmzSfischen Partei. Die F ottschritte der geeinigten sozialistschen Partei in den dedien Monaten haben die Hoffnungen der französischen Genossen deökchau? erfüllt. Der Bericht, den der Generalsekretär Genosse Dubreuilhw der Versammlung des Nationalrats am letzten Sonntag erstattete. sowie die Mitteilungen der Delegierten zeigen fast überall ein Gedeihen der Organisatton und ein« überaus rege Propaganda. Bon den Beschlüssen der Versamm- lung sind folgende hervorzuheben: Eine Resolution, diedasJnternationalesozialistische Bureau auffordert, angesichts der.internationalen Fried enslonferenz* der Diplomatie ein Manifest herauszugeben, daS dem Willen des Proletariats zum Frieden Ans- druck verleiht. Das internationale Bureau wird aufgefordert, diesen von den französischen Delegierten eingebrachten Vorschlag allen anderen Settionen der Internationale zur Kenntnis zu bringen. Eine Erklärung zugunsten des Proport, onalwahl- rechts. Der Nationalrat wird gemeinsam mit allen Anhängern dieser Reform eine kräftige Kampagne zu ihrer Durchsetzung er- öffnen. Eine Resolutton zugunsten derHumanitö*. Die Föderattonen werden aufgefordert, ihr möglichstes zur Verbreitung des täglichen Parteiorgans zu tun, insbesondere auch zur Zeichnung von Attien beizutragen. Sie werden überdies eingeladen, der Administratton der.Humanitö" die Listen ihrer Mitgliedschaften und der Abonnenten ihrer Wochenblätter zur Verfügung zu stellen. Aus dem Berichte R e v e l i n s ist der Hinweis auf die st e i g e n d e Auflage des Blattes und auf die E r s p a r n i s s e zu erwähnen, die 50 000 Fr. jährlich betragen. Der Nationalrat beschloß ferner, den sozialistischen Ab geordneten zur russischen Duma seine brüderlichen Grüße zu übermitteln, als den Vertretern der russischen Arbeiterklasse, die die furchtbar st e Gegnerin der Autokratie ist. Die Föderation von Gouadeloup, die bisher»unab hängig" war, hat sich mit ihrem Deputierten Legitimus zum Eintritt in die Partei gemeldet. Das Ansuchen wurde der Berwalwngskommission der Partei überwiesen. Bezüglich der 1200 Fr., die von der Partei st euer der Deputierten der Zentralkasse überwiesen werden sollen, wurde beschloffen, daß sie der Nationalrat in einem besonderen Pro« pagandafonds anlegen soll. Die Administtativkommission soll ein Budget zu diesem Zweck ausarbeiten, worin sie die Bedürfnisse der verschiedenen Föderationen berücksichtigt. DaS Vordringen der sozialistischen Idee, das fich aus den Berichten im Nationalrat ergibt, wird auch durch einige Wahl- ergebnisse bestätigt. So hat in dem industriellen Ort R i c a m a r i e bei S t. E t i e n n e in den Gemeindewahlen am Sonntag die K a ndidatenliste der geeinigten Partei mit 037 Stimmen gegen S37 einer Koalition der Reaktionären, Radikalen und.unabhängigen Soziali st en" ge- siegt. Der Sieg ist um so bedeutungsvoller, als das Loire - Departemnt� als ein Bollwerk der.Unabhängigen" angesehen wurde. Die Parteiföderatton ist dort erst seit Briauds Eintritt ins Ministerium geschaffen worden und bei den Kammerwahlen war sie noch zu schwach, um sich am Kampfe zu beteiligen. Nicht ein Sieg der Partei, aber ein nicht minder deutliches Zeichen der Ausbreitung der s o z i a l i st i s ch e n I d e e n ist das Ergebnis der Nachwahl für den Wahlkreis Chäteau-Thierry. Bei den allgemeinen Wahlen war der jüngst verstorbene Radikale M o r I o t gegen einen Reaktionären mit 0300 gegen 4800 Stimmen gewählt worden. Diesmal versuchten einige im Wahlkreise zerstreute 'Genossen zunächst eine Parteikandidatur aufzustellen, mußten aber angesichts der unzureichenden Organisation und der fehlenden Geld- mittel davon abstehen. Daraus stellte ein ehemaliger Landwirt seine Kandidatur alsSozialist" auf. Sie bedeutete nicht ein klares, wirklich sozialistisches Programm, sondern nur einen Protest des Kleinbauerntums gegen den ausbeuterischen Kapitalismus . Der unabhängige sozialistische" Kandidat erhielt aber auf einen Schlag 2475 Stimmen, die teils dem Radikalsozialisten, einem Industriellen, teils dem Reaktionär verloren gingen- Die Kleinbauern haben, wie man sieht, die Scheu vor dem Wort Sozialismus verloren, und sie werden sich des Klassengegensatzes gegen daS Kapital bewußt._ Der sozialdemokratische Berein für den Reichstagswahlkreis Frankfurt a. M. beschäftigte sich in drei Versammlungen, deren letzte vergangene Woche stattfand, mit dem Thema: DieLehren der ReichStagSwahl. Der Referent Hüttmann fand, daß die Wahlen erfreulicherweise eine scharfe Klassenschcidung herbeigeführt haben. Es hat sich gezeigt, daß alle bürgerlichen Parteien und Klassen eine reaktionäre Masse bilden. Zu dieser Einigung aller bürgerlichen Klassen hat die Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewcgung wesentlich beigetragen. Das Spieß- bürgertum ist durch die stete Erstarkung der Arbeiterbewegung, die Partei der NichtWähler durch die skrupellose Hetze des Rcichslügen- Verbandes, durch die nationale Phrase und durch dasrote Ge- spenst" aufgepeitscht worden. Die früheren NichtWähler sind zum größten Teile Gegner jeglichen Fortschritts, darum haben sie sich den Parteien angeschlossen, die unsere Gegner sind. Es ist nicht zutreffend, daß die Dresdener und andere Auseinandersetzungen zum Teil an unserem Mißerfolg schuld sind. Auf daS Verlangen, unsere Taktik zu ändern, mehr positiver zu arbeiten, können wir nicht eingehen, wenn wir uns nicht selbst aufgeben wollen. Unsere Organisation, die Verbreitung der Parteipresse müssen größer werden, wir müssen tiefer in die Massen dringen. Die Indifferenten müssen für unsere Ziele, für unsere Organisationen gewonnen werden. Der wissenschaftliche Sozialismus soll mehr in die breiten Massen getragen werden: wir müssen Bildungs- und grundsätzliche Aufklärungsarbeit verrichten. Die Ausführungen der hauptsächlichsten Diskussionsredner be- Wegtcn sich in demselben Rahmen. Genosse Dr. O u a r ck betonte im besonderen, daß jetzt wohl jene Genossen, die in der Demokratie den Verfechter liberaler Anschauungen erblickten, gründlich kuriert sein werden. Daß es trotzdem noch Leute, wie Bernstein , Calwer und Jauräs, gebe, die dem Zusammengehen mit dem Liberalismus da« Wort predigen, beweise, daß diese entweder, wie JauröS, die Verhältnisse nicht kennen, oder den Klassencharakter unseres politischen Lebens verkennen. Von einem Liberalismus, der sich mit den Konservativen paart, habe das deutsche Volk nichts zu erwarten. Genosse Dittmann hob hervor, daß wir unsere prinzipiellen Forderungen in den Vordergrund stellen müssen, unfere Werbekrast wäre dann um so größer. Die tätigen Genossen könnten oft nicht leisten, waS sie möchten, weil ihnen die Arbeit über den Kopf wachse. Wir müßten aber genügend Kräfte zur grundsätzlichen Aufklärung haben. In der Presse müsse mehr an den Tagesereignissen die Richtigkeit unserer Grund- sätze dargelegt werden. In Gegensatz zu sämtlichen Rednern stellt sich Genosse Arbeitersekretär Heiden. Er ist der Ansicht, daß die ablehnende Haltung der Fraktion bei Abstimmungen über sozialpolitische Gesetze unS bei der Wahl geschadet habe. Man könne sehr wohl, ohne Abbruch der prinzipiellen Stellung, dem Erreichbaren zustimmen. Nationale Fragen seien ein Moment, auf die in Zukunft wehr Gewicht gelegt werden müsse, und unsere Stellung dazu müsse mehr präzisiert weikden. Glatte Ablehnungen verstehe das Volk nicht. DaS in Dresden hervor- gerufene gespannte Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft und die Art, wie Meinungsverschiedenheiten ausgetragen werden, habe eine Menge uns nahestehenoer Leute abgestoßen. In einer Delegiertenversammlung der Landesorganisation Hamburgs, die' am Dienstagabend im Gewerkschastshause tagte, wurde der Antrag auf Erhöhung der Mitglieds- b«iträgevon30 auf40Pf. proMonat lebhaft erörtert. Im Namen der Vorstände der drei Parteivereine begründete Ge» !vosse Arbeitersekretär G r o s s e den Antrag, wobei er unter anderem betnerkke, daß die auS dem Ausgange der verflossenen Reichstags- Wahlen resultierenden größeren Aufgaben der Partei hinsichtlich der mündlichen und schriftlichen Agitation wie der Organisation ganz andere Mittel erheischten, zumal ja auch der Reichskanzler erklärt habe, das nächste Mal wecbe die Regierung noch mehr ihre Pflicht tun. Nach der alten Schablone dürfe nicht mehr gearbeitet werden, deshalb müsse auch im Rahmen des Hamburger Staats- gebietes reformiert werden. In vielen Parteiorten Schleswig- Holsteins bestehe seit Jahren der 40 Pf.-Beitrag, so daß man eigentlich die Frage ventilieren müßte, ob nicht ein Beitrag von 50 Pf. eingeführt werden solle. Der Beitrag für weibliche Mit- glieder(10 Pf.) solle nicht erhöht werden, ebenso solle der Beitrag für die in den Landgemeinden vorhandenen Mitglieder(30 Pf.) bestehen bleiben. Mit großer Mehrheit wurde der Antrag an- genommen. Es hat noch eine Urabstimmung unter den Mitgliedern stattzufinden. Falls diese dasselbe Resultat ergeben sollte, tritt der erhöhte Beitraa am 1. Juli d. J. in Kraft. Die diesjährige Maifeier soll, wie bisher, durch größtmöglichste Arbeltsruhe und durch einen Festzug usw. begangen werden. Wieder eine Reichsverbandslüge. Unter der Sttchmarke:Ein Abkommen mit der Sozialdemokratie" brachte dieser Tage die Ordnungspresse einen Artikel angeblich auS dem Fürstentum Reuß j. L., in welchem behauptet wird, die Geraer Vereinsbrauerei habe mit der Partei- leitung der Geraer Sozialdemokratie ein Abkommen getroffen, wo- nach die erster« verpflichtet sei, von jedem Hektoliter Bier, der die Konsumtionsziffer von 14 000 Hektoliter übersteigt, je 2 M. in die sozialdemokratische Parteikasse abzuführen. Die sozialdemokratische Führerschaft ihrerseits habe sich anheischig gemacht, es durchzusetzen, daß tunlichst m allen Fabrikkantinen nur VereinSbier verzapft werde. Dann heißt es weiter: Die Nachricht ist zuverlässig verbürgt und findet auch schon praktisch ihre Betätigung durch die Tatsache, daß bereits in einer großen Anzahl von Etablissements die sozialdemokratische Ar- beiterschaft an die Fabrikleitungcn mit der Forderung heran- getreten ist, an Stelle des bisherigen Kantinenbieres, das auf einmal ihren Wünschen nicht mehr entspricht, Vereinsbier ein­zuführen." Die ganze Meldung ist, wie dieReußische Tribüne", unser Geraer Parteiorgan, mitteilt, erfunden. Tatsächlich hat die Parteileitung der Sozialdemokratie mit der Vereinsbrauerei kein Abkommen getroffen, überhaupt nicht das geringste zu tun. Zum Konflikt in Nordhauscn teilen uns die Preßkommission und die Vertreter der sozialdemokratischen Orts- vereine des Wahlkreises mit, daß die Beschlüsse betreffs des Romanabdrucks nicht von der Preßkommission, sondern von der Ver- sammlung der Delegierten der Ortsvereine gefaßt wurden, an die sich die Preßkommission beschwerdeführend gewandt hatte.Die Preßkommission hatte vorher nur beschlossen, daß der laufende Roman täglich in 6 halbseitigen Spalten und mit möglichster Kürzung zum Abdruck kommen solle. Erst als die Redaktion diese Beschlüsse vollständig ignorierte, wurde von der Delegierten- Versammlung der weitergehende Beschluß gefaßt, das Verfügirngsrecht über den lausenden Roman der Redaktton zu entziehen. Die ver- antwortliche Zeichnung des Romans wurde einem Preßkommissions« Mitglied übertragen, um dasliterarische Gewissen" der Redaktton zu schonen." GenosseSchildbach, derentlassene Redakteur, behauptet dagegen in einer Erklärung, deren Aufnahme in die NordhauserBolkszeitung" ihm verweigert wurde, ein Beschluß, daß der Roman in sechs halbseittgen Spalten zum Abdruck kommen sollte, sei nicht gefaßt worden; lediglich ein Wunsch sei in dieser Hinsicht und zwar vom Genossen Dr. Schuttes(dem Vorsitzenden der Preßkommission) geäußert worden. Die Redaktion habe aber in der Preßkommission die Er- klärung abgegeben, daß der Abdruck des laufenden Romans möglichst beschleunigt werde, sobald die Parlamentsferien beginnen. Mit dieser Zulage habe sich die Preßkommission zunächst zufrieden ge- geben. Das Versprechen sei von der Redaktion erfüllt worden. Ge- nosse Schildbach bestreitet auch, daß angebliche Mißgriffe bei der Auswahl der Romane Schaden angerichtet hätten. Der sortgesetzte Abonnentenzuwachs beweise jedenfalls das Gegenteil. Zum Schluß meint Genosse Schildbach, dav er den Instanzenweg nicht hätte ein- halten können, da der Beschluß, der den Eingriff in die Redakttons- befugnisse bedeutet, sofort ausgeführt worden sei. Wir können diesen Grund nicht anerkennen, können vielmehr unsere in unserer ersten Notiz ausgesprochene Meinung und unser Bedauern über die Zu- spitzung des Konflikts lediglich wiederholen. Soweit die Parteipreffe sich bis jetzt äußerte, vertrat sie denselben Standpunkt wie der»Vor- wärtS". Unsere Toten. In Nürnberg starb der Metallarbeiter Christian Grüncwald, wieder einer von der alten Garde, der die ganze EntWickelung der Partei mitgemacht hat. Er gehörte zu dem kleinen Häuflein derer, die Mitte der övcr Jahre, als die Nürnberger Arbeiterschaft noch der Fahne der Fortschrittspartei folgte, in dem fortschrittlichen Arbeiterverein unter dem selbst- gewählten Namen derPioniere" die radikale Richtung rcpräsen- tierten und sich 1367 absplitterten, um den� Arbeitcrbildungs- verein zu begründen, auf dem sich nach dem Nürnberger Arbeiter- tage 1868 die sozialdemokratische Partei aufbaute. Unter dem Sozialistengesetz leistete er wertvolle Dienste und erfreute sich dafür der liebevollen Aufmerksamkeit der Polizei, die ihn beständig mit erfolglosen Haussuchungen beglückte. Soziales. Ein solcher Mann hat für mich keinen Wert mehr." Für ländliche Arbeitsverhältnisse, die soziale Liebes- tätigkeit mancher Pfarrer und die Ausübung der Gerechtig- keit gleich kennzeichnend ist eine in ihrer Art typische Per- Handlung vor dem Danziger Schöffengericht, über die uns folgender Bericht zugeht: Bei dem Pfarrer Michalek in Junkeracker in West- preußen war der Arbeiter Borowski alsdritter Mann" im Dienst. Nach der Reichstagswahl entließ der Pfarrer den Borowski., weil dieser sich am Wahl- tage im Wahllokale aufgehalten hatte, umSchummeleien" zu verhindern. Borowski mußte alsdritter Mann" auch das Füttern des Viehes besorgen. Diese Arbeit verlangte der Pfarrer nun von dem Arbeiter Degen, der als Kutscher undzweiter Mann" ebenfalls beim Pfarrer im Dienst stand. Degen fühlte sich der Arbeit aber nicht gewachsen; sie fiel ihm besonders schwer, weil er Krampfadern in den Beinen hat, die ihm Schmerzen verursachen. Außerdem war Degen der Ansicht, daß ihm das Viehfüttern gar nicht zukäme. Trotz- dem fütterte er das Vieh eine Zeit hindurch. Als dann aber immer noch kein Ersatz zur Stelle war, verließ Degen den Dienst. Gegen einen Strafbefehl von 10 M.wegen unberechtigten Verlassen des Dienstes" legte Degen Berufung ein. Vor dem Danziger Schöffengericht trug Degen den von uns geschilderten Sachverhalt vor. Hervor- gehoben zu werden verdient, daß der Vorsitzende des Gerichts den Angeklagten anfänglich mit Du" anredete und erst im Verlaufe der Verhandlung sich dazu verstand, dem 20 Jahre alten Manne das eigentlich selbstverständlicheSie" zu bewilligen. Der Pfarrer, der als Zeuge vernommen wurde, gab zu, daß er den Borowski nach der Reichstagswahl entlassen habe, weil diesersich im Interesse der Sozialdemokratie be- w e g t h ä t t e".Ein solcher Mann," sp sprach des Herrn Jünger,hat für mich keinen Wert mehr." Mögen ihm die Sozialdemokraken Arbeit geben, liebet Degen könne er des Dienstes wegen nicht klagen. Jedoch habe derselbe am Tage vor feinem Weggänge seinen Lohn um 15 M. überhoben. Wenn Degen darüber klage, daß er zum Füttern des Viehes zu schwach sei, so möchte er, der Pfarrer, bemerken, daß Degen schrecklich eine Braut habe, die er des Nachts häufig aufsuche. Degen erklärte hierzu, daß er abends nicht immer zu seiner Braut gegangen sei, sondern oft im Krug eingekehrt sei, um sich satt zu essen, weil der Pfarrerseinen Leuten" wenig und schlechtes Essen gäbe. Dieser Behauptung trat der Pfarrer entgegen; niemals hätte sich jemand bei ihm des Essens wegen beschwert. E i n weiterer Zeuge, der Arbeiter Klage, meinte, das Essen beim Pfarrer seigerade nicht schlecht". Der entlassene«dritte Mann", Borowski, war auch als Zeuge erschienen. Vor der Vernehmung dieses Zeugen meinte der Vorsitzende des Gerichts:Sollen wir denW a h I- inspektor" Borowski auch noch vernehmen?" Als der Angeklagte auf den Zeugen nicht verzichtete, fragte der Vor- sitzende den Borowski spöttisch:Na, Sie müssen Wahlen inspizieren?" Zur Sache b e st ä t i g t e Borowski, daß es beim Pfarrer wenig und schlechtes Essen gegeben habe. Um saft zu werden, mußte er, Borowski. sich oft Fleisch kaufen. Weisheitsvoll meinte der Vor- sitzende hier wieder zu Borowski:Sie müssen doch guten Verdienst gehabt haben, wenn Sie sich noch Fleisch kaufen konnte n." Recht scharf legte sich der A m t s a n w a I t ins Zeug, der natürlich Bestrafung des Degen forderte. Häufig brächten Arbeiter bei Streitigkeiten mit ihren Dienstherren als Argument hervor, daß sie schlechtes Essen bekommen hätten. Fast immer aber seien derartige Behauptungen erlogen und e r- f u n d e n. Mit der V e r u r t e i l u n g des Degen zu 10 M. oder 3 Tagen Haft endete die mehr als merkwürdige Ver- Handlung._ Industrie und Landwirtschaft. Eine Dividende von 15 Proz. wirb laut GeneralversammlungS- beschlutz an die Aktionäre der Firma Heye, A. G. , Glasfabrik Gerresheim , verteilt. Es ist dieses die bekannte Firma, welche mit Hülfe der Polizei russische Zustände in ihrem Betrieb eingeführt und in Gerresheim das Versammlungsrecht der Arbeiter illusorisch gemacht hat. In der Generalversammlung wurde erklärt, daß der Gewinn noch um V* Million Mark größer gewesen wäre, wenn man nicht die Arbeitslöhne um 10 Proz. hätte erhöhen müssen. Ein Gutsbesitzer von Hymen, der Aktionär des Werkes ist, forderte, daß in Zukunft keine Lohnerhöhung mehr vorzunehmen sei, weil dadurch die Landwirtschaft, welche die hohen(!) Löhne nicht zahlen könne, zu leiden hätte und nicht mehr existenzfähig bleibe. Auch solle die Verwaltung fremde Arbeiter einstellen, weil diese billiger arbeiten; eine Betriebserweiterung wünschte der Agrarier nicht. Die Anträge wurden zurückgewiesen. Denn, so ging aus den Aeußerungen der Direktoren hervor, nur der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe, habe man die Lohnerhöhung vorgenommen. Man habe keine geschickten Glasarbeiter mehr erhalten können und habe eS im Interesse der Gesellschaft gelegen, mehr zu zahlen. Es würden keine 15 Proz. Dividende verteilt werde», wenn die Verwaltung anders gehandelt hätte. Die Landwirtschaft sei zu bedauern, doch sei die Lohnerhöhung eine Notwendigkeit gewesen. Die Löhne der Glasarbeiter sind trotz der zchnprozcntigcn Er- höhung noch sehr miserabel: Einträger erhalten zirka 2 M. pro achtstündige Schicht, und müssen die Arbeiter, tvenn sie existieren wollen, Ueberschichten machen. Dem Herrn Agrarier sind die Löhne aber zu hoch, weil er dadurch gezwungen wird, einige Pfennige Lohn auf seinem Gute mehr zu zahlen. Die 15 Proz. Dividende von dem industriellen Unternehmen für die mühevolle Arbeit, Aktien zu besitzen, steckt er gern ein, doch grollt er über die Löhne, die ihn zu höheren Ausgaben zwingen. Einenationale" Schmach ist die agrarische und industrielle Mißhandlung der national wertvollsten Ware, der Arbeitskraft._ Ein ärztlicherBrauch". Der Arzt Dr. Forschclen aus Huckingen bei Düsseldorf hatte auf Kosten einer Krankenkasse Medikamente aus einer Apotheke bezogen und diese Sachen nicht für Mitglieder der Kasse ver- wendet. Die Leute, auf deren Namen die Rezepte lauteten, bc- fanden sich gar nicht in ärztlicher Behandlung. Der Arzt, welcher sich wegen der Handlungen vor Gericht zu verantworten hatte, be- stritt nichts, sondern erklärte einfach, dies sei vielfach Brauch bei den Aerztcn auf dem Lande. Wohl bestritt der Angeklagte, daß er die Medikamente(Tokayer. Sanatogen usw.) für feine Angehörigen verwandt habe, die Arzneien hätten Versuchszwecken dienen sollen. DaS Urteil fiel gelinde aus: 80 M. Geldstrafe. Der auf dem Lande üblicheBrauch" wurde vom Gericht also doch nicht an- erkannt. Den Vorständen der Krankenkassen rann unter den obwaltenden Umständen cme sorgfältige Nachprüfung der Apothckerrcchnungen nur empfohlen werden. )Ziis Industrie und Kandel 52 Prozent Gewinnstrigerung. Eine Jamrneriade über das Emporschnellen der Bergarbeiter- löhne stimmt auch die Verwaltung derKonkordia" Bergbau-Aktien« gesellschaft in Oberhauscn an. Die stattgefundenen Lohnsteigerungen beanspruchten eine Mehrausgabe von über 000 000 M. tm Jahre. Wer es so hört, könnte beinahe Mitleid empfinden. Aber woher stammen die Lohnerhöhungen? Daß man mit größerem Recht von einer Mehrbelastung der Arbeit zugunsten des Kapitals reden kann, illustrieren folgende Angaben: Die Zahl der Arbeiter stellte sich im letzten Jahre auf 5175 gegen 4832 im Jahre 1005. In derselben Zeit nahm die Förderung zu von 1 139 495 Tonnen auf 1 420 803 Tonnen, die KokserzeugnugKvon 1801828 auf 266 667 Tonnen, die Teergewinnung von 1 212 840 Kilogramm auf 4 425 530 Kilogramm und die Ammoniakherstellung von 860 000 Kilogramm auf 2 020 000 Kilo- gramm. Die Fabrikation von Ziegelsteinen ging relativ etwas zurück, absolut ist die Erzeugung von 4 470 300 Stück aus 4 662 700 Stück gesttegen. Aber nicht nur der Menge nach, sondern auch dem verkanfswerte nach zeigen die Ergebnisse eine Hinaufcntwickelung. ES schwoll z.B. an der BetricbSgewinn von 2647 821 M. auf 4 025 416 Dt. und anstatt 12 Proz. Dividende wie für 1905 er- halten die schwergeprüften Papierinhaber stir daS letzte Jahr 22 Proz. Dividende. WaS im letzten Jahre im Vergleich zu 1905 aus der ein- zelnen Arbeitskrast herausgeholt wurde, zeigt folgende Zusammen« stellung. ES entfallen auf den Kopf der Belegschaft: Leistung 1905 1006 Gewinne 1005 1006 M. M. Schichten.... 258.1 200,7 Bruttogewinn.. 660,9 904,1 Kohlen.. Tonnen 235,8 274,6 Betriebsgewinn.. 548,0 777,0 Koks.., 37,4 61,5 Reingewmn... 332,1 407.0 Teer.. Kilogr. 251.0 855.2 Dividende... 223.5 382,6 Ammoniak 178,0 390.» Tantieme.... 11.3 23,6 Leistungen pro Kopf der Beschäftigten, sowie die pro Paar Hände erzielten Ueberschüsse sind mithin ganz erklecklich gestiegen. Aber das PlnS ist nicht lediglich der erhöhten Schichtenzahl zu danken. Pro Mann und Arbeitsschicht ergeben fich nämlich folgende Resultate: