Nr. 82. 24. Jahrgang. 3. Seilap des Jotnitte" Kerlim$olMlntt Dienstag, 9. April 1907. Hm fflittwocl) findet für Berlin und Vororte der Zafylabend statt. Die Stadtverordnetenersatzwahl im 39. Kommunalwahlbezirk fwdet morgen— Mittwoch. 10. April. /— statt. Kandidat der Sozialdemokratie ist Arbeitersekretär Adolf Ritter . Der 39. Wahlbezirk gehört zum sechsten Reichstags- Wahlkreis, ist ein Teil der Oranienburger Vor- statt und umfaßt vom Stettiner Bahnhofsviertel die Stadtbezirke 268. 269. 270. 271. 272. 274�. 274B. Für die Ab- stinmung ist er wegen der Größe seiner Wählerzahl in drei Teile zeregt worden, die jeder ihr besonderes Wahllokal haben. Ge- wählt wird: von den Wählern der Stadtbezirke 271 und 272. d. h. der Grundstücke Bergstr. 66, Borsigstr. 1— 27, Elsasserstr. 16— 30, Gartmstr. 1— 32 und 85—115, Jnvalidenstr. 6— 23 und 129—147, Schlezelstr. 16—17, Schröderstraße ganz, Tieckstr. 14—27: im Wahllokal Gartenstr. 6, Schmidts Festsäle; von den Wählern der Stadtbezirke 271 und 272, d. h. der Grundstücke Borsigstr. 23— 34, Chausseestr. 1— 27 und 94— 123, Eichndorffstraße ganz, Elsasserstr. 31— 40, Gartenstr. 84, Hamoverschestr. 1—8, Jnvalidenstr. 24— 37 und 111—128, NovaliS - straze ganz, Schlegelstr. 1—15 und 13— 33, Tieckstr. 1—13 und 18-41: im Wahllokal Chausseestr. 103a, Gcrmania-Prachtsäle, von den Wählern der Stadtbezirke 274� und 274B, d. h. der Grundstücke Chausseestr. 28— 56 und 82—93, Kesselstraße ganz, Pflugstraße ganz, Schwartzkopffstraße ganz, Wöhlertstraße ganz: im Wahllokal Pflugstr. 9, Wöhlert-Garten. Wahlberechtigt ist jeder, der in der Wählerliste steht. In Jen Listen der Kommunalwähler Berlins muß jeder stehen, der »ur Zeit der Listenaufstellung in Berlin einen eigenen Wohnsitz hatte oder wenigstens über ein eigenes Zimmer verfügte(also als Chambregarnist galt), auch zu dieser Zeit mindestens 24 Jahre alt oar, die Staatsangehörigkeit zu Preußen hatte, mindestens ein Zahr in Berlin wohnte und seit mindestens einem Jahre nicht aus iffentlichen Mitteln unterstützt worden war. Wer nur zu einem Jahreseinkommen von 660—900 M. eingeschätzt und demnach zu t M. Steuern veranlagt war, ist gleichfalls wahlberechtigt, obwohl diese Steuer nicht erhoben wird. Die Listen der Kommunalwähler werden nur einmal in jedem Jahre in der Zeit vom 1.— 15. Juli aufgestellt, die morgige Ersatz- wchl im 39. Wahlbezirk muß daher noch auf Grund der alten Listen vorgenommen werden. Mithin haben an dieser Ersatzwahl auch noch diejenigen Wähler teilzunehmen, die im Juli 1906 im 39. Wahlbezirk wohnten, aber dann aus ihm weggezogen <nd. Auch diese Wähler müssen es als ihre Pflicht ansehen, ihr Wahlrecht noch auszuüben. Der Magistrat hat den Wählern LegitimatronSkarten tbersandt. Es ist möglich, daß diese Karten nicht allen Wählern zugegangen sind; namentlich werden diejenigen sie nicht erhalten haben, die inzwischen auS dem Bezirk weggezogen sind. Wähler. die keine Legitimationskarte vorweisen können, werden gut tun, sich mit anderen Papieren zu versehen, die gleichfalls als Legiti. mation gelten, z. B. mit Steuerquittung, Mietskontrakt, Militär» papieren usw. Die Wahlzeit ist festgesetzt auf die Stunden von 10 Uhr morgens bis 3 Uhr abends. Punkt 8 Uhr wird das Wahllokal geschlossen; wählen darf dann nur noch, wer bereits im Lokal ist. Jeder sollte möglich st zeitig den Gang nach den Wahllokal erledigen, damit nicht unsere im Wahl- bezirk tätigen Genossen noch in der letzten Stunde Hunderte säumiger Wähler an ihre Pflicht zu mahnen brauchen. Die Mehrheit der Wählerschaft des 39. Wahlbezirks will, wie bisher, wieder durch einen Sozialdemokraten im Rathause ver- treten sein, weil die werktätige Bevölkerung eine Besserung unserer kommunalen Zustände nur von der Sozialdemokratie zu erwarten hat. Möge aber keiner, der der Sozialdemokratie diesen Bezirk erhalten zu sehen wünscht, sich der irrigen Meinung hingeben, daß es auf seine einzelne Stimme nicht ankomme. Möge keiner unserer Ge- nassen und Freunde glauben, daß der 39. Wahlbezirk bereits ein absolut sicherer Besitz der Sozialdemokratie sei. Wir haben ihn bor vier Jahren mit rund 1000 Stimmen erobert, aber damit waren wir dem Freisinn immer erst um rund 250 Stimmen voraus. Bei den Anstrengungen des Freisinns, den Bezirk zurück- Zugewinnen, kommt es für uns auf jede Stimme an. Nicht einer der Wähler, die den Einfluß des Freisinns im Rathause einzudämmen wünschen, darf zurückbleiben. Jeder von ihnen muß am morgigen Mittwoch seine Pflicht tun und seine Stimme abgeben für den Kandidaten der Sozialdemo» kratie, den Arbritersekretär Adolf Ritter . • Wer von den Parteigenossen Zeit hat. am Tage der Wahl zu helfen, kann sich Mittwoch morgen 8 Uhr imRestaurant von Wilhelm Dams, Schlegelstr. 9. melden. Dieses Ersuchen ist besonders an die zurzeit ausgesperrten Schneider und Holzarbeiter gerichtet, deren Arbeitgeber ja auch vielfach augesehene Stützen unseres Gegners, des Liberalismus, stndl Vom Restaurant Dams aus erfolgt die Verteilung der Hülfs- kräfte nach den einzelnen Wahlbezirken und-Lokalen. Auch die Mitarbeit derjenigen Genossen, die Rad- fahrerdienste verrichten können, ist sehr er» wünscht I Die Parteigenossen, denen in ihrer Eigenschaft als Vertrauens- mann eines Betriebes oder einer Werkstatt bekannt sein sollte, daß ihre Kollegen zwar nicht mehr im 39. Kommunal-Wahlbezirk wohnen, aber dort noch wahlberechtigt sind, werden ersucht, diese Wähler auf die Wichtigkeit dieser Wahl hinzuweisen,, um sie zur Stimmabgabe für unseren Kandidaten zu veranlassen. Die Freisinnigen machen verzweifelte Anstrengungen, uns den Sieg diesmal wieder strittig zu machen. Wenn jeder von den Parteigenossen am Mittwoch den 10. April, auf dem Posten ist. muß der Bezirk wieder unser werden. Das Resultat wird auf den Zahlabenden bekannt gegeben und e�hglten die Pezirlsführer Nachricht bei W. DamS, Schlegelstx, V; P. Agthen, Pflugstr. 5(Amt III 2271); Karl Fahrow, Ravens- straße 6(Amt III 2137). Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Partei- Angelegenheiten. SchmBbgendorf. Die nächste Mitgliederversammlung des Wahlvcreins findet am Mittwoch, den 10. April, abends 8� Uhr, im Restaurant„Zum Lindenbaum", Kösenerstr. 6, statt. Zahl- reiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Adlershof . Heute, Dienstagabend 816 Uhr, im Lokal von Kaul, Bismarckstr. 10: Generalversammlung des Wahlvereins. Bortrag des Genossen Heinrich Schulz über„Jugendorganisation". Die Genossen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Stralau. Die Zahlabende finden von jetzt ab wie folgt statt: 1. Bezirk jeden dritten Mittwoch im Monat im Lokal von Schöps, Alt-Stralau 17. 2. Bezirk jeden zweiten Mittwoch im Monat im Lokal von Rittwach, Alt-Stralau 5. Regelmäßiges und pünktliches Erscheinen ist erforderlich. Der Vorstand. Lichtenberg . Dienstag, den 9. April. Flugblatt- Verbreitung. Zum Zahlabend am Mittwoch sind sämtliche noch ausstehende Reichstags- und Gemeindewahllisten sowie die Billets vom Stiftungsfest abzurechnen.— Am Donnerstag, den 11. April, abends 8)� Uhr, findet im Lokal von Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 5, eine öffentliche Versammlung für Frauen und Männer statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Rühle: Die Entstehung der Frauenbewegung und ihre Erfolge. 2. Diskussion. 3. Wahl der örtlichen Vertrauensperson. Zahlreichen Besuch, besonders der Frauen, erwartet Der Vorstand. Karlshorst . Achtung, Parteigenosse nk Der Zahl- abend findet am Mittwoch, den 10. April, abends 8� Uhr, im Lokale Sabrowski, Treskow-Allee, Ecke Krausenstratze. statt. Das Erscheinen aller Mitglieder ist dringend erwünscht. Der Vorstand des Wahlvereins. Köpenick . Am Mittwochabend findet in den bekannten Lokalen der Zahlabend statt. Da wichtige Fragen behandelt werden sollen, ersuchen wir um vollzähliges Erscheinen der Mitglieder. Die Zahl- abende finden bei Schüler für die Dammvorstadt, Müller(Altstadt), Zeidler(Kietzvorstadt), Seidel(Köllntsche Vorstadt) statt. Der Vorstand. Reinickendorf -West. Die Zahlabende finden nunmehr ständig in folgenden Lokalen statt: 1. Bezirk Bettwell. Wittestraße. 2. Bezirk I. Franke. Eichbornstraße. 3. Bezirk Fröhlich. Antonienstraße. 4. Bezirk M o m b r a i. Scharnweberstraße. 5. und 6. Bezirk Otto. Berlinerstraße. Die ordentliche Mitglieder- Versammlung findet bei Engel. Eichbornstr. 73, statt. Vortrag über: Das Parteiprogramm. Der Vorstand. Pankow . Zu dem am Mittwoch, den 10. April, stattfindenden Zahlabend kommen die Billets für die Maifeier zur Veraus- gabung. Zahlreiches Erscheinen der Genossen und die weitgehendste Verbreitung der Billets erwartet Der Vorstand. Potsdam . Die Versammlung des Wahlvereins findet am Mitt- woch, den 10. April, abends 816 Uhr. bei Ladenthin statt. Tages- ordnung: Vortrag. Maifeier. Wahl eines Kassierers und Revisors. Zu dieser wichtigen Versamw� �-artet zahlreichen Besuch_ Der Vorstand. Berliner jVacbrichtem lieber den Bau der Untergrundbahn bringt die Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen einen interessanten Aufsatz, dem wir, da unsere Leser über die Berliner Baustrecke fort- laufend unterrichtet sind, einiges über die Fortschritte der Arbeiten auf Westend er Gebiet entnehmen. Wir haben seinerzeit ge- schildert, wie die Bahn hinter der Haltestelle Bismarckstraße die Döberitzer Chaussee bis zum Sophie Charlotte-Platz und weiter bis zur Ringbahn und der vorläufigen Endstation am Platze B verfolgt, und welche Schwierigkeiten die Durchquerung des alten vertorften Sprecarmes und die Kreuzung des Ringbahncinschnittes ver- ursachten. Kurz vor dem Königswcg tritt der Tunnel aus dem Grundwasser heraus, um dann zur Ringbahnbrücke emporzusteigen. Um die Gefahr einer nachträglichen Senkung auszu- schließen, ist aber auch nach dem Austritt aus dem Grundwasser die alte Bauweise mit geschlossener Betonsohle bei- behalten worden; erst später, wo der Tunnel ganz in trockenem und gewachsenem Boden liegt, hat man getrennte Fundamente für beide Seitenwände hergestellt. Die 70 Meter lange Brücke über den Ringbahneinschnitt ist fertiggestellt; die Gleise liegen zwischen den hohen Fachwerkträgern, in ihrer Mitte ist eine Laukbrücke für das Betriebspersonal angeordnet. Wenn zum Schluß die beiden äußeren Träger zum Schutze gegen den Rauch und Dampf des sich darunter abspielenden Bahn- b e t r i e b e s verschalt werden, so sind es eigentlich zwei Röhren, mit denen die Untergrundbahn den Ringbahneinschnitt überspannt. Auf dieser durch Konsolen nach beiden Seiten verbreiterten Brücke liegt die Fahrbahn der Straßenbrücke, auf welcher zwei Straßenbahngleise die Ringbahn überschreiten und deren Aus- führung die Stadt Charlottenburg mit Rücksicht auf die künftige Prachtstraße hat bewirken lassen. Die größeren Arbeiten sind hier beendet, man ist allenthalben noch mit dem inneren Ausbau beschäftigt, besonders in den Stationen, wo neben dem Notwendigen auch der kun st lerischen Ausschmückung ein bescheidener Platz gegönnt ist, um die in dieser Hinsicht freilich spröde Beton-Eisen-Bauweise dem gesteioerten Geschmack der Gegenwart annehmbarer zu machen. Aus dem Sommerfahrplan der Eisenbahndirektion Berlin haben wir die wichtigsten Neuerungen unmittelbar nach seiner Ge- nehmigung mitgeteilt. Der endgültige Fahrplan bringt jetzt eine Zusammenstellung der wichtigsten Aenderungen. Es sind noch folgende Einzelheiten zu entnehmen: Auf der Stadtbahn gehen neue Züge nach Grunewald ab Schlesischer Bahnhof 8,53 und ab Char- lottenburg 8,54 abends, von Grunewald 9,26 nachm. nach Schlesischer Bahnhof und 9.01 nachm. nach Bahnhof Lichtenberg. Auf dem Nordring gibt es einen Zug ab Gesundbrunnen 12,25 nachm. nach Westend, von dort 11,45 vorm. Auf dem Südring gehen Züge ab Westend 11,06 und 11,36 vorm. nach Potsdamer Bahnhof, von dort zurück 11,25 und 11,55. Auf der Strecke Potsdam — Stadtbahn— Erkner — Fürstcnwalde gehen Züge von Potsdam ab 10,41, 12,41, 3,41, 4,41, 8,41, 9,41 nach Grunewald , von dort 9,46,-0,46, 11,46, 2,46, 3.46. 8.46. 9,46 usw.. außer verschiedenen Zügen nach Erkner und Friedrichshagen . Nach Niederschöneweide -Johannisthal gehen Züge ab Warschauerstraße 8,12. ab Charlottenburg 8,08 nachm., von Niederschöneweide 8,23 nach Grunewald und 8,53 nach Char- lottenburg. Auf der Strecke Görlitzer Bahnhof— Königswuster- Hausen gehen neue Züge ab Grünau 12,39 und 1,45 nach KönigZ- wusterhausen, 2,03 nach Bkllin. ab Königswusterhausen 1,33 nach Berlin un!> 2,23 nach Grünau , von Berlin 7,10 nach Grünau , von dort 8,55 nachm. nach Berlin . Spandau — Berlin — Straußberg erhält Züge Charlottenburg ab 11,38 nach Spandau , Spandau ab 12,13 nach Charlottenburg , Rüdersdorf ab 7,55 nach Fredersdorf » Fredersdorf ab 8,40 nach Rüdersdorf . Vom Lehrter Bahnhof geht ein neuer Zug 3,44 nach Spandau , von dort 4,48 nach Berlin . Vom Stettiner Vorortbahnhof verkehrt ein Zug 9,45 nach Tegel , von dort 10,38 nachm. Nach Oranienburg geht ein Zug 7,10, von dort 8,25. Von Berlinnach Groß-Lichtcrfcldc-Ost gehen Züge 4,25, 5,25, 5,45 früh, von dort 4,45, 5,45, 6,05 früh. Von der Wannseebahn gehen in den Stunden von 6 bis 9 Uhr vorm. 4 Zugpaare zwischen Berlin , Steg» litz, Zehlendorf , außerdem verschiedene Züge auf dem äußeren Teil der Bahn. Neue Züge gibt es außerdem von Berlin nach Werder und nach Dallgow— Döberitz . Verschiedene Züge werden verschoben. 27 neue Fahrkartenschalter werden auf den Berliner Fernbahn» Höfen am 1. Mai d. I. eröffnet werden, 24 davon sind nach dem System Weiß eingerichtet, welches eine schnellere Abfertigung und größere Ucbersichtlichkeit gewährt. Der Fembahnhof Friedrichstratze erhält 4 neue Schalter, von denen je zwei für den Verkehr nach Osten und Westen bestimmt sind. Auf dem Anhalter Bahnhof werden die Schalter ebenfalls nach den Verkehrsrichtungen ge- trennt werden, sodaß auf der einen Seite die Fahrkarten nach Leipzig , Hof usw. aus der anderen nach Halle, Frankfurt am Main usw. zum Verkauf gelangen; für die dritte Verkehrsrichtung, Dresden , Chemnitz , Wien usw. wird ein neuer Schalter ein- gerichtet werden. Auf dem Stettiner, Görlitzer usw. Bahnhof werden, abgesehen von den Neueinrichtungen, auch Schalter, an denen jetzt nur Fahrkarten 4. Klasse zum Verkauf standen, zu Voll-Schaltern umgebaut, so daß man hier künftig, außer den Fahrkarten der letzten, auch solche aller übrigen Wagenkarten erhalten kann. Derartige Umbauten sind für den Stettincr Fembahnhof z. B. drei vorgesehen. Bezüglich des Umfanges der Berliner Bahnhofsschalter sei bemerkt, daß jeder derselben 5—6000 Fahrkarten-Sorten, die meisten der- selben in ganz beträchtlichen Auflagen beherbergt. DaS NeberschwemmungSgebiet der Havel hat eine ganz un- gewöhnlich große Ausdehnung erlangt. Von Werder bis Potsdam und besonders in der Nähe von Brandenburg sind die Wiesen meilenweit überschwemmt. Vom Marienberge bei Brandenburg kann nmn ein Ueberschwemmungsgebiet überblicken, das unabsehbar ist und an die Ostsee erinnert. Das Wasser sinkt nur langsam und macht den Landwirten bei der Bestellung große Schwierig- leiten. Mit Rücksicht auf die Zunahme der Automobilunfälle im Grunewald hat der Amtsvorsteher der Kolonie Grunewald folgende Bekanntmachung erlassen:„Die wachsende Belästigung und Ge- fährdung des Publikums durch übermäßig schnell fahrend« Auto- mobile veranlaßt mich, auf�die Bestimmungen der Oberpräsidial- Verfügung vom 26. September 1906 und die Ortspolizeiverordnung vom 21. November 1899 hinzuweisen, nach welchen in den Straßen des Amts- und Gemeindebezirkes Grunewald eine größere Fahr- geschwindigkeit als 15 Kilometer in der Stunde, d. h. 250 Meter in der Minute(der sogenannte„schnelle Trab"), nicht gestattet ist. Die Polizeiorgane sind von mir angewiesen worden, jede Ueber- tretung dieser Bestimmungen unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. und ich werde im Interesse der Sicherheit des Publikums in Zu- kunft solche Uebertretung mit der höchsten zulässigen Strafe ahnden. Grunewald . 4. April 1907.'Der Amtsvorsteher B. Wieck." Die städtische Waisendeputatian beabsichtigt zwei neue Säuglingsfürsorgestellen, und zwar im Südwesten(Jork - oder Groß- becrenstraße) und im Nordosten(Prenzlauer Allee oder Raumer- straße) zu errichten. Bisher bestanden fünf solcher Stellen, die sich außerordentlich bewährt haben. Bei dem hiesigen Kaufmannsgericht, Zimmerstr. 90—91, ist am I. April eine neue Kammer errichtet worden, so daß jetzt 5 Kammern bestehen. Es ist deshalb eine anderweitige Zuweisung der Beisitzer an die 5 Kaminern nötig geworden. Zuzüglich der seit der letzten Wahl ausgeschiedenen 6 Kauflcute und 13 Handlungsgehülfen ent- fallen auf jede Gruppe jeder Kammer nach der neuen Verteilung 20 Beisitzer.— Vorsitzender der 5. Kammer ist Magistratsassessor Korn. Die Opfer deS Bootsunglückes auf dem Wolziger See, bei welchem bekanntlich am zweiten Osterfeiertage drei Berliner Ruderer ertranken, haben bisher ihrem nassen Grabe nicht entrissen werden können. Trotzdem täglich die größten Anstrengungen gemacht worden sind, ist es bisher nicht gelungen, die Leichen der Ver- unglückten zu landen. Aus der stadtischen Anstalt in Buch entwichen ist wieder ein ge- meingefährlicher Geisteskranker und zwar der Ingenieur Gotthold Fischer aus der Schlüterstraße. Die Große Berliner Straßenbahn schreibt uns:„Zu Ihrer Notiz:„Wenn Straßenpassanten unter die Elektrische kommen" vom 5. April er. bemerken wir, daß schon seit Jahren jeder Straßenbahnioagen eine Wagen windle mit sich führt, deren von den Aufsichtsbehörden vorgeschriebene Konstruktion sich bisher durchaus bewährt hat. Tatsächlich ist auch sowohl die Befreiung des verunglückten Knaben in der Brunnenstraße, als auch des Rad- fahrerS in der Leipzigerstraße durch unsere aus dem Straßenbahn- wagen mitgeführten Winden erfolgt. Daß solche Rettungen längere Zeit erfordern, ist durch besondere Umstände zu erklären. Z. B. war der Radfahrer in der Leipzigerstraße vollkommen unverletzt; er lag jedoch zwischen zwei Motorwagen und feinem Dreirad eingeklemmt, so unglücklich, daß größte Vorsicht bei der Befreiung angewendet werden mußte, um ihn nicht zu verletzen. Daher die lange Dauer. — Auch die Befreiung deS Knaben in der Brunnenstraße wäre schneller erfolgt, ivenn nicht seine Lage unter dem Wagen eine so gefährliche gewesen wäre, daß zu seiner Schonung besondere Be- hutsamkeit notwendig war." Diese Zuschrift entkräftet die von uns aufgestellte Behauptung über die Unzulänglichkeit der zurBefreiung von unter die Straßenbahn geratenen Verunglückten vorhandenen Rettungsmittel in keiner Weise. Tatsache bleibt, daß die Verunglückten ,n den von uns er- wähnten Fällen% Stunden in ihrer qualvollen Lage unter den Motorwagen liegen mußten, ehe sie hervorgeholt werden konnten und diese Fälle ließen sich vormchren. Da ist es in der Tat nur ein sehr billiges Verlangen, eine Besserung auf diesem Gebiete anzu- streben. Gibt es Mittel, die eine schnellere und leichtere Befreiung Verunglückter herbeiführen können— und wie wir dargelegt haben, gibt es solche— so ist es Pflicht der Unternehmer des öffentlichen Verkehrs, solche in Anwendung zu bringen, auch auf die Gefahr hin, daß für ihre Einführung etwa mehr oder minder erhebliche Kosten aufgewendet werden müssen. Einbrecher, die seit langem das Bötzowviertel zum Schauplatz ihrer Tätigkeit gewählt hatten, sind jetzt festgenommen worden. Bon einem Omnibus überfahren wurde gestern morgen gegen 7 Uhr ein Radfahrer. Der Radler wollte vor dem Omnibus in der Blücherstraße an der Kreuzkirche die Passage kreuzen, um nach der anderen Seite hinüberzukommen, rutschte aber bei dem schlüpfrigen Wetter mit seinem Rade aus und kam zu Fall. Der Omnibus fuhr über den Unglücklichen hinweg und zwar mit dem rechten Hinterrad über den Rücken. Mit einer Droschke wurde der schwer Verletzte nach einem Krankenhaus gebracht. Arbeiter-Bildungsschule, Berlin . Der nächste Unterricht in Nationalökonomie findet heute, Dienstag- abend statt.
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