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sich bald darauf ganz friedlich unter gegenseitigen» Gruße. Die Streikbrecher verließen zuerst das Lokal. Draußen stellten sie sich auf und erwarteten die Arbeiter, die sie mit R e V o l V e r s ch ü f s e n begrüßten, wobei einer der Streikbrecher kommandierte. Beim vierten Schuß brach einer der Arbeiter tot zusammen. Die Streikbrecher retteten sich nun schleunigst hinter die schützenden Tore der Fabrik, der sie ihre schätzenswerten Dienste leisten, der Mörder ist aber in- zwischen verhaftet worden. Die rohe Tat erweckt hier großes Auf« sehen und wird allenthalben verurteilt. Unstimmigkeiten im Nürnberger Landtagswahlblock. Erst kürzlich erklärten die Nürnberger Demokraten, daß sie alle Blockkandidaturen unterstützen würden, nur die des im ersten Wahlkreise aufgestellten Mittelständlers Probts nicht. Als Grund führten sie seine reaktionäre Gesinnung ins Feld, aber die wirk- liche Ursache wird wohl der Umstand gewesen sein, daß sie bei der Aufstellung der Kandidaturen vollständig übergangen wurden, während der kleineren nationalsozialen Gruppe eine solche zu- gebilligt wurde. Nun kracht es aber auch mit diesen. Ihnen wurde der sechste Kreis zugeteilt, der die Vorstadt Steinbühl umfaßt und der geschlossenste und räumlich kleinste von allen sechs Kreisen ist. Die Nationalsozialen vermaßen sich allen Ernstes, den Kreis gegen unseren Genossen Haller zu gewinnen, und richteten zum Zwecke einer systematischen Bearbeitung schon vor Wochen ein ständiges Wahlbureau im Kreise ein. Sie spekulierten dabei hauptsächlich auf die zahlreichen Verkehrsbeamtcn, die in der an den Bahnhof- rayon angrenzenden Vorstadt Steinbühl wohnen. Die Sieges- sicherheit der Nationalsozialen reizte aber den Appetit ihrer frei- sinnigen Bundesbrüder, die nun eine umfassende Wühlarbeit in Szene setzten, um zu bewirken, daß der nationalsoziale Kandidat den Wahlkreis mit dem im fünften Wahlkreis aufgestellten frei- sinnigen Postcxpeditor Bengcrt austausche. In zwei Tagen waren ILM Unterschriften von Verkehrsbeamten gesammelt, die die Auf- stellung Bengcrts verlangten, widrigenfalls sie eine Protest- Versammlung einberufen und am Wahltage Zettel für Bengcrt ab- geben würden. Im freisinnigen Lager suchte man es zwar so hin- zustellen, als ob es sich um eine spontan entstandene Bewegung unter den Berufsgenossen Bennerts handele, aber die Führer des Freisinns standen den Treibereien nicht fern, einer von ihnen trat offen für die Kandidatur Bengert ein, weil er katholisch sei und die Zentruinsstimmcn gewinnen könne! So empfahlen sie auch den Nationalsozialen, dem Verlangen der Verkehrsbcamten zu ent- sprechen, und jene befolgten auch diesen Wink mit dem Zaunpfahl, wobei sie jedoch, um sich alsMänner" zu zeigen, dem Helden- beispiel der Demokraten folgten und erklärten, sie würden alle Blockkandidaturen unterstützen, mit alleiniger Ausnahme der des Herrn Bengert. Die Sozialdemokraten werden dafür Sorge tragen, daß die Blockbrüder sich umsonst zcrkriegt haben. Der Petcrs-Prozeß der.Münchener Post" ist vertagt worden. Er sollte am 23.». M. vor dem Schöffengericht München zur Verhandlung kommen. Von dem Beklagten ist die Vernehmung zahlreicher Reichsbeamten aus dem Kolouialdieust und der Kolonialabteilung beantragt worden. Da für die Beainten erst die Genehmigung des Reichskanzlers zur Aussage eingeholt werden muß, hat der Vorsitzende Oberlandes- gerichlsrat Meyer den Ternsin abgesetzt und einen neuen Termin auf den 20. Juni anberaumt._ Schweiz . Die AuSlicferimg des Polnische» Sozialisten Kilaezycki an Rasiland ist nun doch von den 11 Bundesrichtern in Lausanne einstimmig beschlossen worden I Dieser ungeheuerliche Ent- scheid bedeutet nicht mehr und nicht weniger als die Ver- hängung der Todesstrafe über Kilaczticki, denn wie der russische Zarismus mit den politischenVerbrechern" umspringt, das dürfte sogar den gewissenlosen Lausanner Vundesrichtern nicht unbekannt sein. Es versteht sich von selbst, daß unsere Schweizer Partei- presse diesen indirekten Justizmord und seinerepublikanischen" Urheber nach Gebühr geißelt. Der Genfer Peuple " z. B. nennt die Auslieferung eine vollendete Infamie und sagt weiter: Es braucht nur der kleinste, gemeinste und verkommenste remde Gelvalthaber von der Schweiz einen Schergendienst für ein bestialisches Treiben zu wünschen, und in kriecherischer Er- gebenheit rutscht die stolze, freie, republikanische Helvetia auf dem Bauche und küßt ihm die Füße. Das Asylrecht der fremden Freiheitskämpfer ist durch diesen Fall ein für allemal illusorisch gemacht. Die Auslieferung Kilaczyckls an die bestialischen Schergen des schurkischen Zarismus ragt als ewiges Dcukmal der Schmach und Schande aus den Gipfeln der Schweizer Alpen hervor. Jetzt ist es an der Zeit, daß die schweizerische Arbetterschaft und das ganze zivilisierte Europa spricht, um der schweizerischen Regierung, die sich jetzt ellatant als Henker des russischen nach Freiheit lechzenden Volkes entpuppt hat, Achtung einflößen vor dem Kampfe um Kultur und Freiheit." DerPeuple " fordert schließlich die Freilassung Mlaczyckis. um die politische Geschichte der Republik vor dem Schandfleck dieser Auslieferung zu bewahren. Volksabstimmung im Kanton Zürich . Zürich , 13. Mai. lEigener Bericht.) Die sozialdemokratische Parole:Ohne Kantonsratsproporz keine Wahlreform!" hat gesiegt, indem mit 37 593 gegen 25 916 Stimmen die bezügliche Verfassungsänderung und mit 38 733 gegen 26 094 Stimmen das Wahlgesetz abgelehnt wurden. Die Arbeiterschaft hat sich wieder sehr gut gehalten, jedoch hat auch das Land stark verworfen, natürlich aus anderen Gründen als die Sozialdemokraten. Von den 11 Bezirken des Kantons haben nur 2 Mehrheiten f ü r die beiden Vorlagen aufgebracht, wovon der eine der Bezirk Zürich ! ' Die ob ihres Mißerfolges ärgerlicheN. Zur. Atg." erwartet nun von den Proportionaljsten neue Arbeit, die diese auch zu ge- eigncter Zeit tun werden. Der große Stadtrat Zürichs wirb jetzt wiederum nach dem Mehrheitssystem gewählt. Noch erfreulicher als der Erfolg der Verwerfung der unzu- länglichen Wahlrcform ist der positive Erfolg, der in der grandiosen Annahme des Sonntagsrnhegesetzes mit 51 683 gegen 17 692 Stimmen liegt. D'e Ausdehnung und Verallgemeinerung der Sonntagsruhe ist damit von allen BevölkcrungSkreisen als ein dringendes Bedürfnis für alle anerkannt. Das Gesetz tritt bereits mit dem 1. Jult in Kraft. Italien . Giolittiö KlerikgliSmuS. Rom , 9, Mai.(©ig. Ber) Die heutige ministerielle Mehrheit ist bekanntlich von den Klerikalen aus der Taufe gehoben worden. Es ist also begreiflich. daß Giolitti sich den Klerikalen dankbar erweist. So sehen wir denn ohne Erstaunen wenn auch nicht ohne Ekel--- die wachsende Verpfaffung des offiziellen Italiens mir an. Jene tiefe Bcrachtimg seiner eigenen Partei, die für Giolitti charakteristisch ist, hat ihn längst über die ideellen Hindernisse hinwegsehen lassen. die einer klerikalen Regieruiigspolitik in Italien entgegenstehen sollten. Daß die italienische Bonrgeoisie den Kampf für die Einheit ihres Vaterlandes in erster Linie als den Kampf gegen den Vatikan gekämpft hat. daß die ruhmvollen Tradsiionen des Risorxiwöuw (AZiederaustrstehenS) ganz und gar autillerikal sind, das ficht Giolitti nicht an. Er kennt seine Leute und weiß, daß er die ideellen Motive der heutigen Bourgeoisie gar nicht tief genug anschlagen kann. Und so zahlt er in«gelinSßigen. pünktlichen Raten dem Pfaffentum den wohlverdienten Lohn, und seineliberale" Mehrheit schweigt dazu in dankbarer Erinnerung an die klerikalen Stimmen, denen so viele ihrer Abgeordneten ihren Sitz im Parlament verdanken. Das heutige Aergeruis ist nur ein Glied in der Kette. Man hat den Kardinal Lorenzelli, Erzbischof von Lucca , mit militärischen Ehren empfangen, ist ihm beim Klange der Nationalhymne und mit wehender Trikolore entgegengezogen! Was ist weiter dabei? Hat nicht neulich derliberale" Abgeordnete Cimati in der Kammer den Borschlag vertreten, man solle in den armen Landgemeinden, wo das Geld für den Lehrer fehlt, den Elementarschulunterricht dem P r i e st e r anvertrauen? I Hat man nicht in jüngster Zeit Soldaten beordert zu Prozessionen, Transporten von Heiligenknochen und der- gleichen zeitgenössischen Unternehmungen mehr? Und hat nicht ein Schiff der italienischen Kriegsmarine die Feier des Festes von San Francesco da Paola erhöhen helfen? Ist aber nicht ein lebendiger Kardinal so viel wert wie ein toter Heiliger? Freilich, allerlei ungemütliche Einzelheiten laufen mit unter. So weiß man z. B., daß der Klerus der italienischen Trikolore die Pforten der Kirchen versperrt, wenn sie bei einem Leichenbegängnis mitgetragen wird. Auch hat der Vatikan sich gleich aufs hohe Pferd gesetzt und in einer offiziellen Note bekannt gegeben, daß der Kardinal Lorenzelli keineswegs um die militärischen Ehrenbeze»guiigen nachgesucht hat! Er ist eben kein koulanter Bundesgenosse, der liehe Vatikan , aber jedenfalls sehr nützlich und verwertbar gegen denUmsturz". Zweimal hat man gestern und heute-- Giolitti wegen der Ehrung von Lucca interpelliert und zur Antwort erhalten, daß es sich um einen puren Höflichkeitsakt handle, dem keinerlei politische Bedeutung zukomme. Sehr angenehm schien dem Minister- Präsidenten die Sache aber nicht geworden zu sein: denn eine klerikale Regierungspolitik so offen und brutal klerikal wie die der letzten Tage ist beim Gros der Wählermasse denn doch nicht populär. Giolitti würde daher gut tun, statt die Verfolgung von Osfizieren zu begünstigen, die dem Freimaurerorden angehören, die Aufklärung zu ihrem Rechte kommen zu lassen. Sonst kann das dritte Italien bald mit der Trikolore und unter dem Klange der Nationalhymne nach dem Vatikan ziehen und den Pantoffel küssen. Sckmcleii. Wahlrecht. Stockholm , 14. Mai. Der vom Wahlrechtsausschuß vor- geschlagene Kompromißantrag betreffend die Herabsetzung des Zensus für die Wählbarkeit zur ersten Kammer auf ein Ein- kommen von 3000 Kronen wurde von der ersten Kammer mit 110 gegen 29 Stimmen und von der zweiten Kammer mit 128 gegen 98 Stimmen angenommen. Die jetzt angenommenen Reformen des politischen und des kommunalen Wahlrechts sind tief ein- greifender Natur; sie beruhen auf der Grundlage der Proportional- Wahlmethode und des allgemeinen Wahlrechts zur zweiten Kammer, einer starken Demokratisierung der ersten Kammer sowie einer be- deutenden Herabsetzung der kommunalen Wahlskala. Die An- nähme der Reformen ist indessen nicht definitiv. Die Reform- Vorschläge bleiben vorläufig bis zum Jahre 1909 unerledigt, um dann vom Reichstage beraten zu werden, wenn die neuen Wahlen zur zweitem Kammer stattgesunden haben. Inäien. Tic Agitation in Indien . London , 12. Mai.<Eig. Ber.) Am 10. d. M. waren es 50 Jahre seit dem Ausbruche der indischen Rebellion im Jahre 1857, die bekanntlich zur Uebernahme Indiens durch England führte. In den letzten zwei Jahren machte sich unter der indischen Intelligenz eine freiheitliche Bewegung geltend, die in ihrer extremen Richtung auf Erlangung der Selbstregierung abzielte. Unglücklicherweise fehlt es ihr an Einigkeit, da die Muhammedaner gegem die Hindus sind und von einer Agitation gegen die britische Regierung nichts wissen wollen. Die Agitation nahm deshalb einen bitteren Rassencharaktcr an und führte schließlich zu aufgeregten Szenen in einigen Städten Ostbengalens und Pandschabs. Die britische Regierung befürchtete nun, daß dort am b0. Jahrestage der indischen Rebellion Unruhen ausbrechen werden und verstärkte daher die Garnison, ließ drei der Führer verhaften und depor- tieren. Ferner wurde in den unruhigen Distrikten das Versamm­lungsrecht beschränkt. Die Beschränkung besteht darin, daß jetzt jede Versammlung angemeldet werden muß und daß die Re- gierung einen oder mehrere Polizeibeamte in die Versammlung schicken darf, um über deren Verlauf zu berichten. Ebenso darf eine Versammlung verboten werden,wenn der Distriktsmagistrat b e f ü r ch t e t. daß die Versammlung zu Unruhen führen könne." Die britische Regierung sät Wind in Indien . Sie wird über kurz oder lang Sturm ernten. Hus der Partei. «in neuer Kampfgenosse. Die Breslauer Genossen lassen am Freitag-die erste Nummer des L a n d b o t e n" erscheinen, ein Propagandablatt für jene Bcvölkerungskreisc, die bisher noch kein sozialdemokratisches Blatt lesen. Es wird mit derPolkswacht" an ihre Leser auf dem Lande, in Klein- und Mittelstädten ver- sandt, damit sie es umsonst weiter geben. Die vier Sozialdemokraten im Züricher Stadtrat erhielten folgende Departements zugewiesen: Vogelfaugsr das Polizeiwesen. das er schon in den Sver Jahren einmal verwaltete. Erisinann das Gesundheitswesen wie bisher, Wyß eine Abteilung des Bauwesens wie bisher und Klöti das Steuerwesen. Tie deutschsprachigen Sozialdemokraten Ungarns halten am 29. und 30. Juli d. I. in B u d a p e st eine Landeskonferenz ab. Auf der vorlaufigen Tagesordnung steht unter anderem: Die Wahlresorm und die Nationalitäten; Organisation und Presse. pgULeiliches»(Jcrichtlidies ulw. .. S-nntagSschänder". DaS Schöffengericht in Genthin (Pro- v.nz Sachsen) sprach am 25. Februar und 4 März d. I. 9 Genossen, die am 26. Dezember 1906 und am 20. Januar d. I. sozialdemo- kratische Wahlflugblätter verteilt hatten, von der Anklage der Sonntagscntheiligung frei, weil nicht angenommen wurde, daß sie eine öffentlich bemerkbare Arbeit verrichtet hatten. Die Berufungskammer zu Magdeburg hob am Montag zwei Urteile auf und belegte die sieben Angeklagten mit je 1 M. Geldstrafe. In dem dritten Falle wurde die Berufung der Staatsanwaltschaft verworfen, weil die beiden Angeklagten die Flugblätter nicht sichtbar getragen hätten. Das Schöffen- gericht zu Neustadt sprach am 7. März d. I. einen Genossen, der Sonntags Wahlflugblätter verteilt hatte, von der Anklage der Sonntagsentheiligung frei. Die Berufungskammer zu Raade- bürg hob auch das Urteil auf und erkannte auf 1 M. Geldstrafe. Dir Presse vor der Re«isioi,sinsta«z. Vom Landgericht F r a n k- furt a. M. war am 19. Dezember der Genosse Wilh. Zander von derVolks st imme" zu drei Monaten Gefängnis vet- »rteist worden. In einem Berichte über eine Stadtverordneten- sttznna in Oberursel war die Rede des Stadiverordneteil W siege» den Bürgermeister F. wiedergegeben, ü» der dieser der Vegüustigung der Katholiken beschuldigt wurde. In dieser Wiedergabe wurde ein« Beleidigung des Bürgermeisters erblickt. Auf die Revision des Angeklagten hob das Reichsgericht daS Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. GewerfcrebaftUebe*)* Krieg oder Frieden. DieKöniglich privilegierte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen", gemeinhinTante Boß" benamset, brachte schon während der Holzarbciter-Aussperrung Nach- richten über die Bewegung, die nnt der Wahrheit auf recht gespanntem Fuße standen. Jetzt fühlt sie sich berufen, eine Mahnung an die Bauarbeiter zu richten, was an sich ihr gutes Recht ist und an sich recht löblich sein möchte, wenn sie dieselbe nicht mit einer Verdächtigung der Holz- arbeitet einleiten würde. Anscheinend dasselbe eisenstirnige Subjekt, daß auch während des Kampfs das weiße Papier der an sich nach jeder Richtung hin unschuldigenVossin" dazu mißbrauchte, die Holzarbeiter der Zurückweisung von Einigungs- Vorschlägen zu verdächtigen, leitet einenKrieg und Frteden" überschriebcnen Artikel so ein: Der langwierige Krieg in der deutschen Holzindustrie ist zum Abschluß gelangt. Wenn die Arbeiter sich fragen, was sie erreicht haben, so können sie mit Recht ausrnfen: Und darum monatelang gefeiert und gedarbt? Darum Millionen ans Verbandsmitteln verbraucht und viele Millionen Lohn verloren? Das Ergebnis ist kläglich." Welches Ergebnis denn? Das der Aussperrung doch I Während der königlich privilegierte Spießer seinem Leiborgan aus der Breitcnstraße notgedrungen entnehmen muß, die Arbeiter hätten einenlangwierigen Krieg" be» gönnen, also gestreikt. Wie stand es in der Holzindustrie? Wochenlang hatten im Vorjahre die Vertreter der Pat» teien in der Schlichtungskommission über die Erneuerung des Vertrages verhandelt. Die Unternehmer lehnten alle Anträge der Arbeiter, welche eine Verbesserung des be- stehenden Vertrages wünschten, entschieden ab. Nicht das geringste Zugeständnis wollten sie machen. Während die Verhandlungen noch schwebten, erließ die Leitung der A r b e i t g e b e r- V e r b a n d e(!) am 16. Dezember Verhaltungsmaßregeln, worin die Tischlermeister angewiesen wurden, den Mitgliedern des Holzarbeiter-Verhanves am 29. Dezember zu kündigen und alle Vorbereitungen zu treffen, um am 12. Januar die Arbeiter auszusperren. Der Holzarbeiter-Verband war es, der deswegen das Einigungsamt anrief! Die Vertreter des Holzarbeiter- Verbandes haben auch während der Verhandlungen oft genug gesagt, daß sie zu einer Verständigung bereit seien und in dieser Hinsicht Vorschläge der Unternehmer erwarten. Die Unter» nehmer erklärten aber in allen Stadion der Verhandlung. daß sie keine Vorschläge zu machen haben, sondern daß es nur ihre Aufgabe sei, den Arbeitern klar zu machen, daß sie keine Verbesserung zu erwarten haben und ausgesperrt werden, wenn sie den Vertrag nicht ohne jede Verbesserung verlängern! Als schließlich die Aussperrung gegen den Willen des Holzarbeiter- Verbandes perfekt wurde, erklärte die Orts- Verwaltung desselben öffentlich:Die Kollegen, die nicht ausdrücklich entlassen werden, arbeiten weiter. Forde» rungen werden in den Werkstätten nicht gestellt!" Der Meister hatte recht, der in der vorgestrigen Arbeit- gcbcrversammlung erklärte:Mit dem, was jetzt bewilligt worden ist, würden die Arbeiter schon zu Weihnachten zu- frieden gewesen sein und die Arbeitgeber hätten die Betriebe keine Stunde schließen brauchen." Ganz recht hat aber dieser Herr auch noch nicht. Ohne die Aussperrung brauchten die Unternehmer nämlich dem Holzarbeiterverband nicht die Arbeitszeitverkürzungen und Lohnerhöhungen an Orten zu? zugestehen, wo dieser an eine Bewegung überhaupt gar nicht gedacht hatte I Der Holzarbeitcrverband hätte einen Erfolg zu ver- zeichnen gehabt, wenn er nur die Aussperrung der Unter- nehmer abschlug. daß er darüber hinaus diesen Zu- geständnisse abrang, kennzeichnet das Ende der Aussperrung als eine eklatante Niederlage der Scharfmacher. DieVossische Zeitung" verlegt sich dann auf das recht mißliche Prophezeien und sagt: Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Streit im Baugewerbe ein für die Arbeitnehmer noch viel unerfreulicheres Ende nehmen wird als in der Holzindustrie. Die Arbeiter werden unterliegen, vollkommen unterliegen." Die Bauarbeiter sind bekanntlich bereit, den Vertrag genau unter denselben Bedingungen abzu- schließen wie jetzt die Holzarbeiter, nämlich mit einer halb so großen Verkürzung der Arbeitszeit, als sie dieselbe erst forderten, und ebenfalls erst nach Ablauf von zwei Vertragsjahren. Nun liegt es an den Unternehmern, sich zu diesem VermitteluugLvors chlag zu äußern. Kommt es aber zum Kampf, dann wagen wir ziuar nicht zu prophezeien, wer den Sieg davontragen wird, aber das wissen wir. daß die Dauer des Kampfes nicht geringer sein wird, als der der Holzarbeiter war! Machen die Unternehmer keine Konzessionen, so dürfen sie vor Ende September auf kein Zurück, veichen der Arbeiter rechnen I Daß es ihnen nur nicht so geht, wie Herrn R a h a r d t. der bekennen mußte:Die Mistel des Holzarbeiterverbandes hätten weiter gereicht, als man in den Reihen der Meister glaubte I" Wenn nur einer der beteiligten Verbände, der Maurerverband. so lange durchhält, können auch die übrigen beim besten Willen die Arbeit nicht aufnehmen. Und der Maurerverband kqnn das, wenn er will! Herr Rahardt schätzt den Verlust der Berliner Holz- industriellen auf 11 bis 15 Millionen. Können die Berliner Bauunternehmer 60 bis 190 Millionen zum Fenster hinaus» werfen? Nur dann mögen sie den Kampf beginnen. Was sie bewilligten, die Lohnerhöhung, werden sie auf andere abzu- wälzen wissen, wie jetzt die Tischlermeister. In Prinzip ieller Beziehung, in bezug auf die Arbeitszeit, haben sie alles verweigert. Hier sind gerade die A r b e i t e r die Entgegen- kommenden gewesen. Sie reduzierten ihre Forderung auf die Hälfte und rückten ihre Erfüllung in weite Ferne. Die Arbeiter haben die Hand zum Frteden hingehalten, mögen die Unternehmer einschlagest! Berlin und Qmgegend. Lohnbewegung der Bäcker. der Sitzung des E i n i g u n g S a m t e s am Dienstag verkündete der Vorsitzende v. Schulz folgenden Schiedsspruch: I. Die Parteien haben sich am 10. Mai 1907 vor dem Einigungsamt über ihre Lorschläge für einen neuen Tarifvertrag oeeintat mit NusnahiW der Forderuas der Geseto. eine«