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man 25 M. bezahlen. Selbst in kleinen Städten wie Gießen ist der Bodenwert eines Quadratmeters in den letzten 8 Jahren von 0,50 M. auf 22 M. gestiegen. Diese Preissteigerung hat zu einer lebhaften Bodenspekulation geführt. In allen größeren Städten bildeten sich Terraingesellschaften. An sich sei die Bodenspekulation ebenso berechtigt wie jede andere spekulative Geschäftstätigkeit. Bc- kämpfenswert seien nur ihre Auswücfise. Solche Auswüchse seien allerdings in ziemlich großer Ausdehnung hervorgetreten. Das lange Festhalten an unbebautem Boden sei allerdings erleichtert worden durch die überaus geringen Lasten, die damit verbunden waren. Die laufende Besteuerung des unbebauten Bodens erfolge in Deutschland meistens auf der Grundlage des Ertrages und zwar des niedrigen landwirtschaftlichen Ertrages. Zu begrüßen sei daher die Einführung der Steuer nach dem gemeinen Wert, die in vielen preußischen Kommunen bereits erfolgt sei. Noch besser sei die Wertzuwachsstcuer, die in den letzten Jahren in rascher Auf- einanderfolge in Frankfurt a. M., Köln , Essen, Berlin eingeführt worden sei. Im Großherzogtum Hessen werde ihre Einführung geplant. Die Steuer sei heftig bekämpft worden, aber grund- sätzliche Bedenken konnten gegen sie nicht vorgebracht werden. Das gedruckt vorliegende Referat Dr. Mewes', der erkrankt ist, vertrat Geheimrat Kehl -Düffeldorf. Hierauf wurden die weiteren Verhandlungen auf Dienstag vertagt, Eue der Partei. Internationaler Sozialisten-Kongreß Stuttgart 1907. Diejenigen Delegierten, die sich bislang in Stuttgart nicht angemeldet haben, sollten dies nunmehr ungesäumt(bei H. Dietz, Furthbachstraße 12) tun, gleichviel, ob sie Logis begehren oder nicht. Der Varteivorstand. Die Parteibeiträge im Königreich Sachsen. In unserer Notiz der Nummer 179 überdie EntWickelung der sächsischen Parteiorganisation" war angegeben, daß die monatlichen Mitgliedsbeiträge zwischen 15 und 30 Pf. variieren. Der Höchstbetrag ist indes infolge eines Druck- fehlerS zu niedrig angegeben. Er beträgt im 6. sächsischen Wahl- kreise pro Woche 10 Pf. Es haben den Wochenbeitrag von 10 Pf., meist schon seit einer ganzen Reihe von Jahren, der 4.(Dresden -Neustadtj, 5.(DreSden-Altstadt), S.(Drcsden-Land), 11.(Oschatz -Grimma ), 12.(Leipzig -Stadt) und der 13.<Leipzig-Land) sächsische Wahlkreis. _ Der sozialdemokratische Berlin für den Wahlkreis Kassel -Melsungcn hielt an, verflossenen Sonntag zu Kassel seine dritte General- Versammlung ab, die von 70 Delegierten besucht war. Dem vom Vorstand erstatteten Jahresbericht entnehmen wir die folgenden Angabeu: Die Mitgliederzahl erhöhte sich bis zum Schlüsse des Berichlsjahres auf 2357; in der Stadt Kassel wohnen 1650 Genossen, in 20 Landorten 707. Zu Beginn des vorigen Jahres waren 1623 Mitglieder vorhanden, so daß der Zuwachs 724 beträgt. Ein wie ungeheuer weites Agitationsfeld unserer Partei auch in diesem Kreise noch offen steht, beweist die Tatsache, daß 90 Orte noch der politischen Organisation entbehren. Anläßlich der Reichstagswahl wurden rund 100 Versammlungen abgehalten und vier Flugblätter in je 40 000 Exemplaren verbreitet. Zwei weitere Flugblätter betrafen die Steuerpolitik und die allgemeine Teuerung. Der Kassenbericht verzeichnet nie erreichte Zahlen. Einge- nominell wurden 17 700,29 M., ausgegeben 17 339,61 M., es verbleibt ein Kassenbestand von 460,68 M. In der Abrechnung ist diejenige für die ReichstagSwahl enthalten; insgesamt verursachte die Wahl 11803,15 M. Kosten. Ein Antrag, kn Zukunft möglichst in jedem Vierteljahr ein Flug- blatt zu verbreiten, in dem die politischen Tagesfragen behandelt werden, fand Annahme. Zum Delegierten für den Parteitag in Esien wurde Genosse H a u s ch i l d t bestimmt. Beschlossen wurde folgender Antrag an den Parteitag: Der Parteitag hat die Ausgabe einheitlicher Mitgliedsbücher und die Einführung einer EinheitSmarke für ganz Deutsch- land vorzubereiten und dem nächsten Parteitage Vorlage zu machen. Für den Wahlkreis Arnswalde- Frirdebcrg fand am 3. August die Kreiskonferenz im Rittergutsgarten zu D r i e s e n unter guter Beteiligung statt. Anwesend waren außer dem Kandidaten Ge- nassen Eugen Brückner die Genossen Leo Zucht und H a n i s ch von der Agitationskommission, Delegierte von Friedeberg, Molden- berg, Alt-Karbe, Anspach , Erbach usw. und ein Vertreter vom Agitationsverein Arnsivalde-Friedeberg in Berlin . Der Vorsitzende, der den Bericht des Zentralvorstandes er- stattete, konnte u. a. die erfteuliche Tatsache melden, daß der Wahlkreis in noch nicht einem Jahre um 100 Mitglieder zu- genommen hat. Zum ersten Vorsitzenden der Kreisorganisation wurde Genosse Fritz W a l d h e i m- Driesen. Alter Markt'4 l, gewählt, ebenso als Vorstandsmitglied des Verbandes der Wahlvereine der Provinz Brandenburg . Sodann hielt Genosse Brückner einen prächtigen, von den Delegierten mit spontanen Beifallskundgebungen begleiteten Vortrag über unsere und der Gegner Taktik mit besonderer Berück- fichtigung der Tagesordnung des EssenerParteitages. Zum Delegierten wurde Genosse Brückner gewählt. Ueber denPreußentagunddieProvinzialkonferenz sprach Genosse Zucht. Als Delegierte zum Preuhentag werden die Genossen P e r s i ck e- Driesen und Boß- Friedeberg gewählt, zur Pro- vtnzialkonferenz die Genossen W a l d h e i m- Driesen, Wendland- Friedcberg, Hoffmann- ArnSwalde . Nach einem Referat des Genossen Schmidt über die Presse wurde ein Antrag des Genossen Rockmann(vom Agitationsverein in Berlin ) in folgender Fassung angenommen: Die Generalversammlung beschließt, den Antrag des Agitationsvereins dem ZentralvSrstand zu überweisen mit der Maßgabe, bei bevorstehenden Aktionen in der Landagitation, falls Kräfte gebraucht iverden, sich rechtzeitig mit dem Agitationsverein in Berlin zwecks Mitarbeit in Verbindung zu setzen." Nach einem begeisternden Schlußwort des Kandidaten und einem dreimaligen Hoch auf die internationale völkerbefreiende Sozial- demokratie schloß die Konferenz. Unsere Toten. Ein alter Parteiveteran, der Genosse Arm- bruster, Schuhmachermeister in Augsburg , ist am Sonntag dort von den Augsburger Parteigenossen zu Grabe getragen worden. Armbruster hat fast ein Menschenalter der Partei gedient. Als überzeugter Sozialdemokrat hat er auch, ohne Rücksicht auf Polizeu- Verfolgungen, während des Schandgesetzes gegen die Sozialdemokratie wacker und unerschrocken seinen Mann gestellt. Die italienischen Delegierten zum Stuttgarter Kongreß. Rom , 5. August. (Eig. Ber.) Der Parteivorstand hat die folgenden fünf Genossen zum Stutt- garter Kongreß delegiert: Enrico F e r r i, Luigi M o n gi n i, Oddino Morgari, Gabriele Galantara und E. Ron- ch e t t a. Enrico F e r r i ist den Lesern desVorwärts" längst be- kannt. Seine für Italien so segensreiche Kampagne gegen die Mißbräuche in der Marineverwaltung, die ihm eine Ver- urteilung zu 14 Monaten Gefängnis eintrug, ist auch im Auslände mit Interesse verfolgt worden. Seit vier Jahren ist Fern Cheftedakteur des A v a n t i", den er aus einer sehr kritischen tinanzlage rettete und finanziell bedeutend hob, ohne allerdings das latt dauernd dahin bringen zu können, pekuniär auf eigenen Füßen »zu stehen. Seiner innerparteilichen Halftmg nach gehörte Ferri auf dem Parteitag von Florenz (1896), dem Parteiiebcn noch ziemlich fremd, noch zu den Unentschlossenen, wurde dann aber bald der be- kannteste und beliebteste Führer des revolutionären Flügels, bis er im vorigen Oktober auf dem Parteitage von Rom zum imegralistischen Reformismus übertrat. M o n g i n i ist seit vielen Jahren Reformist. Langjähriger administrativer Sekretär der Partei, hat er sich große Verdienste er- warben. Morgari, politischer Sekretär, ist Abgeordneter eines Turiner Wahlkreises. Er hat sich besonders wegen seiner tapferen Stellungnahme gegen die von der Regierung protegierte Korruption in Süditalien im Parlament allgemeine Achtung und Prestige verschafft. Trotz seines eminent revoluttonären Temperaments ist Morgari der sogenannteVater des Jntegralismus". G a l a n t a r a ist der auch den Lesern desWahren Jacob" bekannte geistreiche Karika- turenzeichner desAvanti" und desAsino". Genosse R o n ch e l t a ist Gewerkschaftler und ist gleichzeitig von der Konföderation der Arbeit delegiert. Sämtliche Delegierte gehören zu der in Rom siegreichen Fraktion. Die Konföderation der Arbeit hat außer dem Genossen Ronchetta die Genossen Cabrini, Premoli und Qua- g l i n o delegiert. Die Syndikalisten haben bis jetzt ihre Verfteter noch nicht ernannt. pollreilicbes, Gertdmkchee ufw. Der polnisch-sozialdemokratische Parteitag für die Provinz Posen , der am Sonntag zu Hohensalza tagte, ist p o l i z e i l i ch auf- gelöst worden._ Huö Industrie und ftandel* lleberweisungs- und Scheckverkehr. Der Deutsche Handelstag tritt in Eingaben an die Reichs- und Staatsbehörden, in einem Rundschreiben an seine Mit- gliedcr und in einem für die weitesten Kreise bestimmten Flug- blatt für die Förderung des Ueberweisungs» und Scheck- Verkehrs ein. In dem Flugblatt wird unter anderem gesagt: Es ist eine Verschwendung am Nationalvermögen, wenn zur Ver- Mittelung der Umsätze mehr Geld verwendet wird, als dazu er- forderlich ist. Eine Ersparnis läßt sich dadurch erzielen, daß mehr und mehr das Geld in den Banken angesammelt und die Zahlung statt durch Uebergebung von Geld durch Ueberweisung zwischen Bankkonten bewirkt wird. Auf solche Weise werden auch für de» einzelnen die Mühe, die Kosten und die Gefahr vermieden, die mit dem Halten größerer Barbestände, dem Abzählen und der Be- förderung des auszuzahlenden und dem Empfangen und Abzählen des einzunehmenden Geldes verbunden sind, und es erwächst ihm außerdem aus den Zinsen für das Guthaben auf dem Bankkonto ein Gewinn. Weiter bringt die Ansammlung des Geldes in den Banken, namentlich der Reichsbank, es mit sich, daß größere Geld- betrüge zum Ausleihen verfügbar sind und hierdurch, besonders zugunsten der wirtschaftlichen Tätigkeit und daher zur Förderung des allgemeinen Wohles, der Zinsfuß, dessen Höhe im laufenden Jahre zu lebhaften Klagen Anlaß gegeben hat. sich ermäßigt... Welche Einfachheit, Bequemlichkeit und Sicherheit bietet der lleberweisungs- und Scheckverkehr! Niemand braucht einen größeren Vorrat baren Geldes im Hause zu haben. Wenn S «Schuldner) und G(Gläubiger) beide bei der Bank A ein Konto haben und 8 an G 100 Mark zu zahlen hat, so schreibt er nur der Bank, daß diese den Betrag in seinem Konto ab- und dem Konto des G zuschreiben möge(Ueberweisungsverkehr, Giroverkehr). Ueber die erfolgte Zuschrcibung erhält G eine Nachricht von der Bank. Ein Empfangsbckenntnis(Quittung) von G an L ist nicht erforder- lich, da die Bücher der Bank den Nachweis üher die Zahlung ent- halten. Hat nur 8 bei der Bank A , hingegen G bei der Bank L ein Konto, so tritt dem geschilderten Vorgang ein Schreiben der Bank A an die Bank B und eine Verrechnung zwischen den beiden Banken hinzu. Dieser Verrechnungsverkehr(AuSgleichungsverkehr, Clearing) kann, wie die Hamburger Einrichtungen zeigen, derart entwickelt werden, daß auch zwischen den Banken ein Hin- und Hersenden von barem Gelbe nur in geringem Maße eintritt. Für die Ueberweisnngen von Ort zu Ort bildet der schon jetzt vorzüglich ausgebildete Giroverkehr der Reichsbank, an dem nicht nur die Inhaber von Konten bei der Reichsbank wohl alle Banken und Bankiers, sondern mittelbar auch deren Kunden teilnehmen können, eine vortreffliche Grundlage. Statt des Ucberweisungsvcrkehrs, bei dem der Schuldner un- mittelbar seiner Bank Auftrag erteilt, und neben diesem Verkehr kann der Scheckverkehr gepflegt werden, bei dem 8 dem G eine Anweisung, Scheck, auf sein Guthaben bei der Bank A gibt. G legt den Scheck der Bank A vor und läßt sich entweder das Geld auszahlen oder den Betrag seinem Konto zuschreiben, sei cS, daß dies Konto bei der Bank A oder der Bank B sich befindet. Im letzteren Falle wird G von vornherein den Scheck der Bank B über­geben, damit diese das weitere veranlasse. Hat G überhaupt kein Bankkonto, so kann sich 8 ihm gegenüber nur des Scheckverkehrs. nicht des Ucberweisungsverkehrs bedienen. Mit dem Scheckverkehr ist eine gewisse Gefahr insofern verbunden, als ein Unbefugter den Scheck in die Hände hekommen und sich das Geld darauf auszahlen lassen kann. Diese Gefahr läßt sich vermeiden, indem man durch den Zusatz auf dem Schecknur zur Verrechnung" verbietet, daß der Scheck bar bezahlt werde. Einen solchen Scheck kann man un- bedenklich einem Boten ühergeben oder als Brief ohne Versicherung übersenden. Allerdings ist der Schecknur zur Verrechnung" nur dann verwendbar, wenn G ein Bankkonto hat oder den Scheck an jemanden überträgt, für den dies zutrifft. Im allgemeinen und im eigenen Interesse sollte nun jeder, der nach den Verhältnissen seiner Einnahmen und Ausgaben irgend in Betracht kommen kann, an dem lleberweisungs- und Scheck- verkehr sich beteiligen. Voraussetzung hierfür ist, daß er ein Bank- konto hält und dafür sorgt, daß es bekannt wird: durch Aufdruck auf den Briefbogen und Rechnungen, Aufnahme in das Adreßbuch und so weiter. Auf das Konto sollte man alles nicht unmittelbar notwendige Geld einzahlen, und eS sollte nach Möglichkeit die Aus- führung der zu leistenden Zahlungen durch llcberweisung oder Scheck bewirkt und dafür Sorge getragen werden, daß auch die zu cm- pfangenden Zahlungen dem Konto zugehen. Die Mahnung richtet sich nicht allein an die Kaufleute und sonstigen Gewerbetreibenden, sondern auch an die Angehörigen aller übrigen Berufe, an Landwirte, Beamte, Offiziere, Lehrer, Geistliche, Aerzte, Künstler usw., ferner an die Rentner. Hypo- thekengläubiger und-schuldner, an die Vereine und Körperschaften und an die Behörden..... Schließlich ist noch ein besonderes Wort über die den Banken und Bankiers zufallende Aufgabe zu sagen. Wenn das Ziel der weitesten Verbreitung von Bankkonten erreicht wird, kommt dies ihnen zweifellos zu statten. Dafür wird es ihre Sache sein, aufs beste für die Durchführung des lleberweisungs- und Scheckverkehrs zu wirken. Insbesondere wird von ihnen für die äußeren Vor- kehrungen, z. B. die Beschaffung von Ueberwc.ijungsformularen, die Einrichtung der Scheckbücher und die Herstellung besonderer Formulare für Schecksnur zur Verrechnung", zu sorgen und die weitere Ausbildung des zwischen einander stattfindenden Ver- rechnungsverkehrs herbeizuführen sein; vor allem aber werden sie den lleberweisungs- und Scheckverkehr dadurch fördern können, daß sie ihren Kunden für deren Guthaben eine angemessene Ver- zinsung gewähren und Gebühren(Provisionen), soweit solche für jenen Verkehr in Betracht kommen, in mäßigen Grenzen halten. Preisrückgänge. Der Kupferrohrverband hat. wie die ,K. VolkSztg." meldet, den Grundpreis von 258 auf 250 M. ermäßigt. Der Preis des englischen Roheisens ging um 1 M. auf 77 M. pro Tonne frei Hafen Ruhrort zurück. AuSfuhrvcrgütuiig. Nach der«K. VolkSztg." sandten die reinen Drahtziehereien' ein Rundschreiben an alle Rohstoffverbände. Sie fordern eine Erhöhung der Ausfuhrvergütuna von 7.50 M. auf 20 M. pro Tonne. KohlenauSfuhr. Nach dem Ausweis deS statistischen Amtes stellt sich die Ausfuhr in Kohlen im Juli 1907 auf i6a/g Millionen Doppel­zentner, gegen 133/4 Millionen Doppelzentner im Juli 1906. Die Ausfuhr ist demnach bedeutend gestiegen und überwiegt auch um 2'/g Millionen Doppelzentner die Einfuhr. Angesichts der Klagen über drohenden Kohlenmangel sind diese Ziffern sehr interessant, als Beleg für die Marktregulierung durch das Kohlensyndikat. Fusionen. AuS Hamm wird über die Absicht einer Fusion der Westfälischen Drahtindustrie mit dem Phönix berichtet. Die Firma Sckeins u. Eichler in Magdeburg hat das böhmische Braun- kohlenwerk Josefi-Schacht käuflich erworben. Angeblich sollen beide Werke durch eine Aktiengesellschaft mit Hülfe einer französischen Finanzgruppe übernommen werden. Ein unruhiger Bärsentag. Von der New Dorker Börse am Dienstag wird berichtet: Die Besorgnisse der Spekulation, daß seitens des Bundesgerichtes und der Gerichte der Einzelstaaten weitere Verfolgungen wegen Verletzungen des Antitrustgesetzes in die Wege geleitet werden dürften, ermutigten die Baissiers zu er- ncuten scharfen Angriffen. Da diese auf keinen Widerstand stießen und zudem umfangreiche Liquidationen vorgenommen wurden, die teils aus Lösungen von Haussepositioncn, teils aus Exekutionen bestanden, war die Börse während der ersten Stunde bei sehr erregter Stimmung flau. Besonders stark war das An- gebot in Jndustrieaktien, die nahezu durchweg über 1 Proz. ver- loren. Nachmittags wurde die Tendenz ruhiger, eS erfolgten ab- wechselnd Baisscangriffe und Deckungen. Schluß erregt und un- regelmäßig. Für Rechnung Londons wurden per Saldo 10 000 Stück Aktien gekauft. An Aktien wurden 900 000 Stück umgesetzt. 8o2iales. Wie muß das Zeugnis sein? Die Buchhalterin Frida H. war ein halbe? Jahr in dem Strumpfwarcngeschäft von Max Kühl tätig. Bei ihrem Abgang erhielt sie ein Zeugnis, in welchem es hieß:Sie war fleißig, strebsam und war stets bemüht, den Anforderungen des Chefs ge- recht zu werden, was ihr jedoch nicht durchweg gelang." Fräulein H. behauptete nun, mehrere Chefs hätten an dem letzten Satz? Anstoß genommen, so daß sie mit diesem Zeugnis keine Stellung finden konnte. Erst jetzt, wo sie einem Prinzipal das Zeugnis verschwiegen, habe sie Engagement finden können. Die Buchhalterin bat ihren früheren Chef, den letzten Satz im Zeugnis dahin zu ändern:Was ihr auch im allgemeinen gelang", und da ihr Wunsch abgelehnt wurde, klagte sie auf Abänderung. Der Beklagte führte in der gestrigen Verhandlung aus, daß er zwar bestimmte Tatsachen, die das mangelhafte Gelingen der Arbeit der Klägerin illustrieren, nicht erbringen könne, ihre Tätigkeit habe aber öfter moniert werden müssen, so daß der Zusatz:was ihr nicht durchweg gelang" berechtigt sei. DaS Kaufmannsgericht verurteilte die beklagte Firma. das Zeugnis dem Antrage der Klägerin gemäß dahin zu ändern, daß es am Schlüsse heißt:was ihr auch im allgemeinen gelang". Der§ 73 des Handelsgesetzbuchs ist sinngemäß dahin auszulegen, daß der Ch?f das Zeugnis über die Leistungen in positiver Form auszustellen gehalten ist. Gebraucht er Aus- drücke, die sich negativ aussprechen, so ist er verpflichtet, den Beweis dafür zu erbringen, wenn der Angestellte die Ausdrücke beanstandet. Der Beklagten wurde im Falle der Weigerung, das Zeugnis in der gewünschten Form auszustellen, die Verhängung hoher Geldstrafen angedroht. Welt, wie bist du so schön! In Hof in Bayern kam dieser Tage zu Fuß eine Familie an, bestehend aus Mann, Frau und 4 kleinen Kindern. In einem elenden Karren, den die müde Frau keuchend dahinschob, saß auf den wenigen Armseligkeiten das kleinste Kind, während die anderen drei hungernd nebenher trotteten. Der Mann wurde vor einiger Zeit aus seiner Heimat Schlesien nach dem westfälischen Industriegebiet angeworben. Dort angekommen, mußte er Streikbrech erdien st e verrichten. Als die Arbeitsplätze wieder mit jungen kräftigen Leuten besetzt waren, konnte man den älteren ausgemergelten Arbeiter nicht mehr brauchen, er wurde entlassen. Nun wandert die Familie seit Wochen in Deutschland umher. Der Mann findet nirgends Arbeit, man kann ihn nicht brauchen, man will gesunde, kräftige Arbeiter. Schließlich hätte er doch wo in Arbeit treten können, aber eS gibt ihm niemand Kredit, seine Verhältnisse sind zu wenig vertrauen- erweckend. Er wandert mit seiner Familie weiter, bis die Aermsten vor Hunger umfallen und liegen bleiben oder wegen Bettelei eingesperrt werden._ Stillprämien für Mütter der minderbemittelten Klasse hatte die Stadtverwaltung in Fürth vor einiger Zeit eingeführt. Weil nun diese kommunale Einrichtung außerordentlich stark in Anspruch genommen wurde, hat die Stadtverwaltung in geheimer Sitzung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten den Satz von 3 M. auf 1,50 M. herabgesetzt._ Agrarier und Landarbeiter. Wenn irgendwo die Agrarier mit ihren Wünschen nach der Knechtung der Landarbeiter den weitgehendsten Erfolg gehabt haben, so in dem kleinen Duodezstaate Braunschweig , wo sie sich als Mehrheit im Landtage ein vom 10. Dezember 1900 datiertes Kontraktbruchsgesetz für die Landarbeiter geschaffen baben, mit welchem jeder Arbeiter, der ohne Aufkündigung den Agrarier verläßt, mit Geldstrafe bis zu 30 M.. oder mit Haft bis zu 10 Tagen, jeder Vcrlcitcr zum Kontraktbruch mit Geld- strafe bis 150 M., oder mit Haft bis zu 6 Wochen und jeder kon- traktbrüchige Arbeitgeber mit Geldstrafe bis zu 60 M., oder mit Haft bis zu 14 Tagen bedroht wird. Jetzt will die braunschweigische Landwirtschafts- k a m m c r zu einem neuen System der Arbeirer» k n c ch t u n g greifen. Sie will ein S Y st e m der schwarzen Liste auf folgende Weise einführen. Es soll in derBraunschw. landw. Ztg." eine besondere Rubrik eingeführt werden, in welcher die Namen, Heimatsort, Kreis bezw. Bezirkshauptmannschaft oder Gouvernement derjenigen Landarbeiter aufgeführt werden sollen, die aus irgendeinem Grunde die Gefilde ihrerArbeitgeber" ohne Kündigung des Arbeitsverhältnisses verlassen. Die Namen der Arbeitgeber, welche kontraktbrüchige Arbeiter melden, sollen nicht mit bekanntgegeben werden, dafür aber solche Arbeitgeber, welche kontraktbrüchige Arbeiter in Arbeit nehmen. Die Agrarier sollen dadurch veranlaßt werden, die Kontraktbrüchigen ausfindig zu machen, worauf die früheren Arbeitgeber der Kontraktbrüchigen tclegraphisch über den Aufenthalt ihrer entlaufenen Sklaven be- nachrichtigt werden sollen. Auch die landwirtschaftlichen Korporationen der angrenzenden Bunde?» st a a t e n sollen gebeten werden, ähnliche Einrichtungen zu treffen._ Hu9 der frauenbewegung. Die neue Direktrice! Ein schrilles Klingelzeichen und das Surren und Rattern der Maschine verstummt. Der Motor ist abgestellt und nach dem ohrenbetäubenden Lärm tritt eine wohltuende Ruhe ein. Frauen und Mädchen reinigen sich die Hände und setzen sich in Gruppen zusammen, ihr Frühstück auspackend. Obgleich eS erst lh10 Uhr morgens ist. herrscht doch in dem weiten Raum eine stickige Hitze. Die Fenster sind geschlossen und die Gardinen vorgezogen, der Sonne wegen. Auch riecht es nach Leder und saurem Kleister. So sitzen die Arbeiterinnen beisammen» verzehren ihre Stullen und tauschen ihre täglichen Erlebnisse aus. Soeben öffnet sich die Tür und die Jüngste erscheint mit einer Markttasche. Sie bat Eßwaren kür die anderen eingeholt. Mit wichtiger Miene,