Nr. 217.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
24. Jahrg.
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Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Dienstag, den 17. September 1907.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
Uns
au bescheiden. Daran, daß der Liberalismus so weit zurück- Wucherzölle verlangt! Aber auch die Freiheit, die sie sonst gedrängt worden sei, trüge nicht zum mindesten am höchsten schätzten, die wirtschaftliche Freiheit haben sie, um mit diese Bescheidenheit schuld. Traeger zu sprechen, glücklich parzelliert. Wo ihr Prinzip Herr Traeger fand stürmischen Beifall, aber ebenso der Demagogie im Wege steht, da opfern sie das Prinzip, Die Freisinnspresse verpufft ein wahres Freudenfeuer- stürmischen, zum Teil noch stärkeren Beifall erhielten die um ungestörter Demagogie treiben zu können. wert, daß es dem Berliner Freisinn, der zu seinen gewöhn- Herren Wiemer, Fischbeck und Müller- Meiningen, die nach ihm gellen noch die Ohren von dem freisinnigen Geschrei, daß lichen Versammlungen kaum ein paar hundert Männlein zu- die BI odpolitif berherrlichten, den Wahlrechts- der Befähigungsnachweis ein reaktionärer Schwindel sei, eine sammen zu trommeln vermag, gelungen ist, am Sonntag im berrat als freisinnige Tat priesen und nach Erfindung der Finsternis oder noch schlimmer, des Antium den kleinen Mann zu„ verhezzen". Auf Zirkus Busch deren 5000 zusammen zu bringen. Wie in den Herzenslust unter läppischer Ausnutzung entstellter Zitate und semitismus, Reden im Zirkus Busch immer wieder die gehobene Stimmung gefälschter Tatsachen auf der Sozialdemokratie dem Parteitage aber erklärte bereits Dr. Wiemer, man über diese Massendemonstration durchbrach- da sehe man, herumpautten! dürfe aus der Frage des Kleinen Befähigungsnachweises keinen daß der Freisinn tatsächlich etwas hinter sich habe! so Ein nettes Trifolium von Sozialistenfressern, diese Herren Prüfstein freisinniger Gesinnung machen". auch in der Presse. Als ob es nicht geradezu ein unmögliches Wie mer, Fischbeck und Müller Meiningen! Herr Bünstler können wirklich zufrieden sein! Wer den kleinen BeArmutszeugnis gewesen wäre, wenn der Freisinn, der Zehn- Wiemer der echte Demagoge, der ebensogut in eine anti- fähigungsnachweis ehrt, ist bald den großen wert. tausende von Zirkularen verfandte, nicht einmal eine solche semitische Versammlung passen würde, der mit dröhnendem Mit um so größerer Kraft aber verteidigen die Freisinnigen Versammlung zustande gebracht hätte. Bei den 87 000 frei- Baßbariton die soziale Klassenversöhnung predigte und den die letzten Fetzen, die sie von der einen, großen, unteilbaren finnigen Stimmen, die der Freifinn allein in Berlin auf- sozialistischen Klassenkampf niederdonnerte. Herr Fischbeck Freiheit, an die der alte Traeger glaubt, übrig gelassen haben: gebracht hat, konnte doch an dem Gelingen dieser Versammlung in Ton und Sprechweise der trockene Parlamentarier, der sich Die Freiheit der Börse, die Kaempf so begeistert pries, wie sonst gar nicht gezweifelt werden, zumal die Partei alle ihre Größen erst in überhigte Temperamentsausbrüche hineinredete, als er Herr v. Oldenburg das nationale Schwein und die Freiheit als Referenten hatte ankündigen lassen. die arglistige Verruchtheit der Sozialdemokratie geißelte, die der Ausbeutung.„ Die gesetzliche Festlegung des zehn
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Nicht der starke Besuch der Versammlung also kann als das dem Freifinn zumutet, für ein freisinniges Prinzip stündigen Arbeitstages für männliche Arbeiter ist geradezu ein Charakteristische gelten, sondern das Verhalten der Ver- zu tämpfen, statt die Volksrechte für Hindernis für die Arbeiter, mehr zu erreichen." Diese verschimmelte, fammlung. Dieses Verhalten aber legt den Vergleich mit der Börsen und andere fapitalistische Liebes- realtionäre Ansicht des Abg. Cuno- sie ist die einzige von allen Würzburger Katholikenparade ebenso nahe, wie das ganze gaben zu verschachern! Herr Müller- Meiningen der Anschaumgen, in denen sich die Freifinnige Vollspartei feit fünfzig Arrangement der Versammlung. Statt von zwei, spizige forenfische Schönredner, der seine alten fultur Jahren treu geblieben ist, aus dem einfachen Grunde, weil sie in höchstens drei offiziellen Rednern die politische Situation fampfpauferischen, sozialistentöterischen Bonmots frisch auf diesem Punkte nicht mehr reaktionärer werden fonnte. gründlich erörtern zu lassen und dann der Versamm- poliert und auf die Schnur endloser juristendeutscher Perioden Aber das alles wird noch übertroffen durch die Jämmerlichkeit, fung selbst die Möglichkeit zu einer Aussprache zu aufgereiht hatte. Der wackere Kulturstreiter des Freisinns die dieser Parteitag in der Behandlung des wichtigsten und gewähren, sette man nicht weniger als neun Referate auf die schleuderte vernichtende Geistesblige gegen das Zentrum und ernst est en Problems der politischen Entwickelung Tagesordnung. Es war wie im Variété oder auf einer die bayerische Sozialdemokratie, wie überhaupt das schwarz- des deutschen Volkes bewiesen hat. Schon daß man Herrn Zentrumsparade: eine Spezialität nach der anderen wurde rote Kartell", das doch ebenso sehr eine Ausgeburt freisinniger isch bed, diesen Bezirkspolitiker legten Ranges, zum Referenten vorgeführt- nur daß diese festrednerische Massen- Phantasie ist, wie das schwarz- blaue Kartell der agrarisch bestimmt hat, ließ das schlimmste befürchten. Und man muß es produktion viel früher ermüdete, nicht nur als ein wirt börseanischen Paarung eine schmachvolle Tatsache! Herrn Fischbeck lassen, er hat die Erwartungen noch übertroffen. liches Spezialitätentheater, sondern auch als eine ganz Nach diesen Rednern fielen die Herren Cassel, Weill und Er hat die Lebensfrage des deutschen Volkes benutzt zu einem schlichte Volksversammlung. Viele Besucher, Kopsch bedeutend ab. Herr Stops ch speziell, der, die fleisch- Gezänke mit Raumann und zu einem Gefeife gegen die den ersten Rednern weidlich applaudiert hatten, zogen es gewordene Trivialität, die reine Siegesallce redete, sicherte die Sozialdemokratie. Kein Wort gegen die Junker, keins vor, bereits nach Anhören des fünften und sechsten Redners sich nur dadurch einen guten Abgang, daß er seinen gegen die Regierung! Aber Verdächtigung über Verdächtigung das Weite zu suchen. Kein Wunder, denn ein Speech in eine Ovation für den alten Langerhans aus- gegen die Partei, die entschlossen ist, mit aller Energie für 21stündiges Ragout von inhaltslosen Phrasen und Schlag- münden ließ. Herr Dr. Weill aus Karlsruhe lobte jene Forderung zu kämpfen, die die Volkspartei ja als worten zu erfragen, bedarf es wirklich eines gewissen die Freisinnskommune Berlin über den Schellendaus und ihre eigene anzuerkennen immer wieder versichert! Heroismus. holte sich einmal sogar Beifall durch einen Vergleich, den er Aber wir sind wahrhaftig geduldige Leute, wir würden dem Das Arrangement war freilich mit allem Vorbedacht so aber falsch anwandte. Er verglich nämlich die Sozialdemo- Freifinn auch seine Schimpfereien verzeihen, wenn er nur der Sache getroffen worden. Nach den Zuschriften freisinniger Hand- fratie mit einer großen Fabrik mit zahllosen tüchtigen Arbeitern des gleichen Rechts nicht zugleich den schlimmsten Schaden werker und Arbeiter an die„ Volts- Zeitung" fonnte es scheinen, und vorzüglichen Werkmeistern, die nichts als Wind pro- angetan hätte. als ob er es gar nicht mehr erwarten könnte, als könne cs bei einer" Debatte zu Auseinandersegungen duziere. Der Vergleich stammt von Prof. Mar Weber, ist Herr Müller Sagan, Fischbecks würdiger Kumpan, kommen, die den blockbegeisterten und fuhhandelslüsternen der ihn auf die teleologische Richtung in der Sozialwissenschaft den Wahlrechtskämpfern gleichsam anticipando in den Rücken Führern nicht gerade lieblich in den Ohren geflungen hätten. Das anwandte. Herr Weill wandte ihn gegen die Sozialdemo- gefallen.„ Sollen wir etwa der Zodung folgen, auf die Straße mußte verhütet werden. Man mußte die 2%/ stündige fratie, wodurch das geistreiche Gleichnis abgeschmackt wurde. gehen und Demonstrationspolitik treiben! Wir haben uns in Tagung- denn die um 12 Uhr beginnende Versammlung Herr Weill möge sich aber merken, daß die Aneignung fremder allen Stämpfen( wirklich Kämpfen", die Freisinnigen und Kämpfe!) mußte nach dem von den Mietern des Lofals getroffenen Ab- Arbeit zwar auf ökonomischem Gebiet Quelle des Reichtums, auf dem Wege der Ordnung und der gesetzlichen Bestrebungen getommen um 3/3 ihr Ende erreichen!- vollständig aber auf geistigem Gebiet Beweis eigener Armut ist! halten, um uns unserem Ziele zu nähern, und wir werden gut tun, mit Referaten ausfüllen, deren Aufgabe es war, die Hörer Und die Versammlung rechtfertigte durch ihr Ver- auf diesen Wegen weiter zu wandeln." derart zu ermüden, daß sie den Schluß als Erlösung halten die Devise der Arrangeure, daß die Masse geJawohl, und nach 50 Jahren wird das Dreiklassenwahlrecht empfanden. Und in dieser Beziehung hat sich denn auch das blufft werden muß! Sie jubelte trotz der Würzburger wieder ein Jubiläum feiern! Arrangement glänzend bewährt. Die schon eine Stunde vor 3entrumsstatisten jedem banalen Schlagwort, jedem Wizchen Weiß denn dieser Müller wirklich nichts davon, wie das WahlSchluß eintretende Flucht zahlreicher Besucher und das Uff zu, wenn auch bei dem proletarischen Teil der Ver- recht draußen in der Welt erobert worden ist? Wo hat denn der Erlösung, mit dem allseitig der endliche Schluß begrüßt sammlung die Ausfälle gegen die Sozialdemokratie bemerkens irgendwo ein Privilegienparlament auf seine Privilegien anders verwurde, bewiesen das. Die Uebersättigung der Hörer zeigte werter 3 urückhaltung begegneten, was auch das Berzichtet als unter dem Drucke einer unwiderstehlichen, immer sich auch in dem vielhundertstimmigen Bravo, mit dem die liner Tageblatt" konstatiert. Aber die Masse fiel bei jeder mächtiger anschwellenden Volksbewegung? Sollen wir von Wendung des siebenten der neun Redner, des Stadt- unterstrichenen Phrase ein, wie eine wohlgeschulte Claque. den mächtigen Boltsbewegungen erzählen, die in England die Parlamentsverordneten Cassel begrüßt wurde, er wolle nun zum Schluß Selbst der hurra patriotische Schlager erregte Beifalls reform, von den Revolutionen, die in Frankreich das suffrage universal stürme: so das Wort des badischen Redners von dem, ge eroberten? Brach in Belgien nicht erst der Massenstreik den Die Zusammensetzung der Versammlung entsprach einiger liebten Landesfürsten". verbrecherischen Widerstand der Privilegierten? Und die Des maßen der sozialen Schichtung der Berliner Freisinnswähler. Und dann, nachdem noch die obligaten Hochs ausgebracht monstrationsstreits in Schweden , der DemonstrationsNeben den Repräsentanten der Börse und des Handels waren waren, ging die Versammlung friedlich nach Hause! Nicht streit und die grandiosen Straßendemonstrationen auch Elemente des Mittelstandes und Hirsch- Dunckersche Arbeiter eine Stimme des Protestes erhob sich gegen den im Namen in ganz Desterreich am Tage der Parlamentseröffnung, waren sie starf vertreten. Für die Delegierten und ihre Angehörigen war des ganzen Freisinns proklamierten Wahlrechtsverrat, nicht die mächtigsten und wirksamsten Mittel, das gleiche Wahlrecht die Manege reserviert, für die Freisinnswähler im Smoking nicht eine Stimme gegen das skandalöse Beiseite zu erreichen?! und in Glacés, die auch in größerer Zahl Damen mitgebracht ichi eben des Brot und Fleisch wuchers auf dem hatten, die sonst nur spärlich vertreten waren, die bevorzugten soeben beendeten Parteitage! Weit einem Wort: die Zirkus Ränge und Logen. Die große Masse der Mittelständler und Busch- Vorstellung war das freisinnige Würzburg !. Broletarier hielt die billigen Ränge und den Olymp besetzt. Aber wenn der Freifinn wähnt, jetzt alle Hindernisse zum Verschiedene Male unternahm diese Masse einen tumultuarischen Wahlrechtsschacher und Volksverrat hinweggeräumt zu haben, Sturm auf die für Berlin W. reservierten feudalen Pläge. so irrt er! Die Sozialdemokratie wird im Namen des verDie ersten Male gelang es den Drdnern, den Ansturm ab- ratenen Volkes Rechenschaft heisajen! zuschlagen, zuletzt siegte das Volf, das man schließlich auch gewähren ließ, da der erwartete Zuzug aus Bourgeois
fommen!
freisen ohnehin ausblieb.
Herr Kaempf eröffnete um 12 Uhr den Reigen der Redner
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Aber freilich, es waren Mittel, das Ziel zu erringen, und Herr Müller- Sagan liebt nur die Mittel, die dazu führen, sich dem Ziele zu nähern. Ja, dem Ziele sich nähern, das Ziel anstreben, das Ziel hochhalten aber um alles in der Welt nicht das Ziel erreichen, das ist Freisinns Politit, das ist Freisimms Taktik!
Fürwahr, die Konservativen können zufrieden sein und sie sind es auch. Wir wüßten kein vernichtenderes Berdikt über diesen angeblich freisinnigen Parteitag als es das Lob der„ Konserv. Korresp." ist:
mit einigen allgemeinen Wendungen. Als zweiten Redner hatte Parteitag der Freifinnigen Volkspartei. jibon ben Drängern nicht beeinfluſſen laffen.
man das greise enfant terrible der Partei, den Abgeordneten Albert Träger vorgeschickt. Vermutlich lag dieser Anord
In der preußischen Wahlrechtsfrage jedoch will der Freisinn sich Nach der vom Parteitage gefaßten Resolution wird die freisinnige Fraktion des Abgeordnetenhauses wie bisher mit allem Nachdruck" ( man merkt den Hohn!) für die Beseitigung des Dreiklassensystems eintreten.
Wirklich, die nenen Landsknechte der preußischen Junker sind
Wenn nicht das Interesse für das gleiche Recht in Preußen alles nung weise Absicht zugrunde. Lag doch die Gefahr nahe, daß andere in den Hintergrund drängte, lohnte sich wirklich eine eindieser Redner, der noch bis zulegt in der Presse den Wahl- gehendere Analyse des Parteitages der Freisinnigen Volkspartei. rechtsschacher energisch bekämpft hatte, den anderen Rednern Sie würde zeigen, in welch schnellem Maße diese Partei verfällt, in die Parade gefahren wäre, wenn er nach ihnen gesprochen wie rasch sie die abschüssige Bahn hinabtaumelt, auf der vor billig. Um das Handgeld der Erlaubnis des Börsenterminhandels, hätte. So konnte er unter starkem Beifall- allerdings in ihnen die Nationalliberalen hinabgeglitten sind. Stück für Stück um das Linsengericht einer Vereinsreform stellen sie sich als Wächter sehr abstrakter und darum sehr abgeblaßter Form gibt die Partei auf, was sie einst als Prinzip verkündet hat. vor das Bollwerk der Rechten!
feine bekannten Ansichten entwickeln; die folgenden Redner, Militär- und marinefromm, tolonialbegeistert Aber die Herren des Blocks mögen sich nicht täuschen. Die die sich in diametralsten Gegensatz zu Träger stellten, sorgten find die Herren ja innerlich längst gewesen und der Tod Eugen Frage des gleichen Rechts ist keine Frage der Sozialdemokratie schon für die Verwischung seiner Ausführungen, die darin Richters hat sie von der lezten Rücksicht befreit, die sie ihren allein, es ist die Frage aller Entrechteten, die Frage von gipfelten, daß gerade in dieser Zeit, wo schon einige Lerchen Gefühlen noch auferlegten. Aber dieser Parteitag hat gezeigt, daß 85 Proz. des preußischen Voltes. Der Parteitag der friller den neuen Frühling des Liberalismus anfündigten, fie auch in den Fragen der Wirtschaftspolitit immer mehr freisimmigen Bourgeois muß den freisinnigen Arbeitern doppelte Vorsicht, doppelte Energie geboten zurückweichen. Es ist fein Wunder, daß sie jetzt, an den die Augen öffnen, muß ihnen zeigen, daß mindestens in dieser Frage sei. Man möge sich ja hüten, einige freundliche Zugeständnisse Block gefesselt, nicht den Mut fanden, den Berliner Antrag ihr Platz einzig und allein sein kann an der Seite ihrer Klassengenossen, für dauerhafte Verpflichtungen, etwaige halbe Erfolge für anzunehmen, der anläßlich der drohenden Lebens und daß sie in dieselben Kampfreihen gehören, in die ebenso die entrechteten ganze Erfolge zu halten. Das freisinnige Bürgertum sei viel Futtermittelteuerung die Suspendierung der Arbeiter des Zentrums gehören. Daß das ganze Proletariat bis