Herr Possart wird nicht so ganz auf eigene Faust gehandelt Häven, und er verspottet wohl nur die Optimisten, wenn er„die Herren" auf daS Berwaltungsstreitverfahren und das Ober- verlvaltungSgericht verweist. Weist er doch in einem Atem darauf hin, daß er seine Pflicht getan und Autor und Theater vor Hoffnungen bc- wahrt habe,„die, wenn ich das Stück erlaubt hätte, durch den eventuellen Einspruch deS russischen Botschafters »er ff 8t t worden wäre n." Die russische Gesandt- schaft ist also denmach in Berlin die in letzter Instanz ent- scheidende Behörde I Mit diesem heiteren Ausblick könnten wir die für unsere politischen Zustände so überaus charakteristische Angelegenheit für den Augenblick verlassen. Wir wollen aber nicht verabsäumen, unseren Lesern von dem tatsächlichen Hintergrund des mißliebigen Stücke? einen kleinen Begriff zu geben. Das ist ja noch gestattet; denn wenn lvir auch die russische Theaterzensur haben, so doch vorläufig noch nicht die russische Preßzcnsur. Wir haben zwar nicht das englische Memoirenwcrk zur Hand, worauf Lehmann fußt, dafür aber ein russisches von unbestrittener und unbestreitbarer Glaubwürdigkeit, dessen Autor in jener Zeit bei Hofe war. Es sind die Memoiren des Fürsten Krapotkin. Krapotkin läßt sich über die Korruption zur Zeit Alexanders H. also vernehmen: „... 1872 wurde Schuwalow(BIS dahin Polizeiminister) zum Botschafter in England ernannt, aber sei» Freund, General Potnpow, setzte dieselbe Politik bis zum Ausbruche des türkischen Krieges im Jahre 1377 fort. Während dieser ganzen Zeit wurden der S t a a t s s ch a tz, die K r o n l ä n d e r e i e n. die nach dem Ausstande ln Litauen eingezogenen Güter> das Bäsch- kiren gebiet in Orenburg und anderes mehr in großartig st em Maßstabe und auf die fcham- loseste Weise ausgeplündert. Als Potapow, der in Wahnsinn verfiel, und Trepow sPetersburger Polizeipräfekt) ent- lassen waren und ihre Nebenbuhler am Hofe sie Alexander II. in ihrem wahren Lichte zeigen wollten, kamen einige jener Skandale an den' Tag und wurden vom Senat, als höchstem Gerichtshof, abgeurteilt. Bei einer solchen gerichtlichen Untersuchung stellte man fest, daß ein Freund von Potapow die Bauern eines litauischen Gutes auf» schändlich st e ihres Landes beraubte und sie dann, als sie Abhülfe suchten, mit Hülse seiner Freunde im Ministerium hatte einkerkern, zu Dutzenden auspeitschen und von den Truppen niederschießen lassen. Es war dies eines der empörendsten Vorkommnisse selbst in der russischen Geschichte, die dock, bis zur Gegenwart an ähnlichen Schurkereien nicht eben Mangel leidet. Erst nachdem Aera Sassulitsch, aus Rache sür die von Trepow befohlene Außpeitschung eines politischen Gefangenen, auf diesen geschossen hatte, wurde daS diabolische Verfahren seiner Partei in weiteren Kreisen bekannt und Trepow endlich entlassen. Als er dem Tode nahe zn sein glaubte, schrieb er sei» Testament, wo- bei sich herausstellte, daß dieser Mensch, � der den Zaren klüglich in dem Glauben erhalten hatte, er sei trotz der jähre- laugen Bekleidung des einträglichen Postens eines Chefs der Petersburger Polizei arm geblieben, in Wahrheit seinen Erben ein beträchtliches Vermögen hinterließ. Einige Herren vom Hofe hinterbrachten dies dem Kaiser, Trepow verlor all' seinen Kredit, und nun kamen auch ein paarDiebstähle der Schuwalow-Potapow-Trepowschen Partei vor den Senat. Die Betrügereien, die in allen Ministerien ausgeübt wurden, insbesondere bei Eisenbahnen und industriellen Unternehmungen aller Art waren wirklich ungeheuer- l i ch. Fabelhafte Vermögen„erwarb" man sich auf diese Weise. Die Flotte steckte, wie Alexander II. selbst einmal zu einem seiner Söhne sagte, in den Taschen bestimmter Herren. Was die vom Staate garantierten Eisenbahnen kosteten, war einfach unglaublich. Daß ein industrielles Unter- nehmen gar nicht MS Lebrn treten konnte, wenn man nicht de» Beamten in diesem und jenem Ministerurm eine bestimmte Tantieme zusicherte, war allgemein bekannt. Einem Freunde von mir, der eine derartige Gründung in Petersburg beabsichtigte, erklärte man ungeschminkt im Ministerium des Innern, er würde 25 Pro z. vom Reingewinn an eine bestimmte Persönlichkeit zu zahlenhaben, 15 Proz. an einenBeamten im Fi n a n zm in i st e r i u m, 10 Prozent an einen anderen im selben Ministe- rium und 5 Prozent an einen vierten„Teil- haber". Unverhüllt wurde dieser Handel betrieben, und A l e x a n d e r II. w u ß t e d a v o n, wie sich aus seinen eigenen auf den Bericht des Staaiskontrolleurs geschriebenen Anmerkungen ergibt. Ader er sah i» den Dieben seine Beschützer gegenüber der Rcooluti»» und hielt fie, biS ihre Spitzbübereien zu einem offenen Skandal wurde»... Ja, da liegt der Hund begraben: Alexander II. sah in den Dieben seine Beschützer gegenüber der Revolution I So sieht auch Nikolaus II. in den ehrlichen Leuten vom Verbände der wahrhaft Russischen seine Nothelfer, und deshalb darf im— B o r u f f i« scheu ein Stück nicht aufgeführt werden, das die Spitzbuben offen„Spitzbuben" nennt. vle sozialdemokratische Föderation und der kaiserliche ßefuch. London , 15. September. Nach der„Justice" von gestern nahm der Vorstand der Sozial- demokratischen Föderation(S. D. F.) folgende Resolution an:„Der Vorstand der S. D. F. protestiert nachdrücklichst gegen die Ein- ladung. die König Eduard VIl. im Namen der britischen Nation dem deutschen Kaiser gemacht hat, und gibt seine Absicht kund, diesen Protest— wenn erforderlich— öffentlich wirkungsvoll zu gestalten..." Genosse Hyndman hatte in der„Justice" vom 7. dieses Monats einen in diesem Sinne gehaltenen Artikel veröffentlicht. Gegen diesen Artikel protestieren in der„Justice" vom 14. dieses Monats die Genoffen Stenning und Roth st ein. Letzterer schreibt: ..AIS icy letzte Woche den Artikel des Genossen Hhndman las, fragte ich mich, was fei aus der Stuttgarter Resolution geworden, die allen sozialistischen Parteien die Pflicht auferlegte, alles zu tun, um den Ausbruch eines Krieges zu verhindern.... Hyndman scheint der Ansicht zu sein, daß eS nur Deutschland sei, das sich auf einen Krieg vorbereite und ihn im geeigneten Augenblick pro- dozieren möchte. Mit dieser Ansicht kann ich nicht übereinstimmen. WaS ihm als die„friedfertige" Diplomatie König Eduards erscheint, ist in Wirklichkeit eine höchst kriegerische Diplomatie, deren Ziel es ist, Deutschland zu isolieren, so daß es beim Ausbruch der Krisis leicht erbrückt werden könnte. Hyndman wird antworten, diese Einkreisung sei notwendig. Aber sieht er denn nicht, daß diese Politik der Einzäunung gegenüber einer Großmacht eines schönen Tages dazu führen könne— und höchstwahrscheinlich dazu führen werde Deutschland zur Verzweiflung zu bringen und den Versuch zu machen, den magischen Ring durchzubrechen?... Und wer kann dafür garantieren, daß diejenigen Mächte, die den Ring bilden,— besonders aber die Franzosen ,— nicht eines schönen Tagrs das Deutsche Reich angreifen werden?... Ich sage des- halb, e» fei unrecht von Hyndman , fortgesetzt auf die deutsche Gc- fahr hinzuweisen und gleichzeitig die herausfordernde Politik Eng- landö und Frankreichs zu billigen.... Und sogar daS Ucber- emkommen mit Rußland ist. abgesehen von allen Erwägungen. gegen Deutschland gerichtet, insofern als Rußland jetzt freie Hand in der Türkei erhält, wo es mit den deutschen Interessen in Konflikt geraten wird. Soviel kann man bereits aus den Acußerungen der offiziösen Presse Rußlands , sowie aus dem ominösen Stillschweigen der deutschen Regierung ersehen. Sollen wir nach alledem unsere Hauptangriffe gegen Deutschland richten und den König von Eng- land als den„Gesandten des Friedens" preisen? Ich fürchte, Hyndman hat in diesem Punkte den deutschen Standpunkt nicht genügend berücksichtigt.... Ebensowenig liegt ein Grund �vor, unsere übliche Haltung der Gleichgültigkeit gegenüber monarchischen Besuchen aufzugeben und gegen den Kaiser zu demonstrieren, wenn er nach England kommt. Eine solche Demonstration könnte den beruhigenden Resultaten, die aus dem Besuche folgen mögen, ent- gegenarbeiten und noch mehr Kohlen aufs Feuer häufen, das von den Jingos sür den Tag des Völkermordes angesteckt wurde/ Marokko , Aus Paris wird vom 17. September gemeldet: Dem„Petit Parisien" zufolge wird mau spätestens am Frei- tag erfahren, ob die Bemühungen der S ch a u i a s, die sich General Drude gegenüber verpflichtet haben, den Stämmen im Innern die Notwendigkeit der Unterwerfung klar zu machen, von Erfolg begleitet sind. General Drude verlangt außer Nieder- lcgung der Waffen auch eine entsprechende Kontribution.— Demselben Blatt zufolge erscheint der französischen Regierung die G e- samtlage so befriedigend, daß mau von Truppen- sendungen nach den Hafenstädten, wie sie noch vor acht Tagen ge- plant wurden, werde Abstand nehmen können.— Im Gegensatz hierzu bemerkt„Echo de Paris" auf Grund ihm zugegangener Nachrichten aus Rabat , daß die Lage der Franzosen dort sehr bedrohlich sei, und daß die französische Kolonie alle Vor- bercitungen getroffen habe, um sich auf das erste Alarmzcichen hin an Bord der Kriegsschiffe zu begeben.— General Drude telegraphiert heute: Eine nach der Küste östlich von Easablanca entsandte Rckognoszierungsabteilung ging bis auf ungefähr acht Kilometer von der Stadt vor. Sic traf auf eine 25 Mann zählende Abteilung Marokkaner, welche die zu der Rekognoszierungsabteilung gehörigen Goumiers angriffen, von diesen aber zurückgeschlagen wurden.— Die Abgeordneten der Stämme haben keine Schwierigkeit gemacht, folgende Be- dingungcn anzunehmen: Verbot des Waffentvagens in einem Umkreise von zwölf Kilometern von Easablanca. Jeder, der diesem Verbote zuwiderhandelt, wird, unter Verantwortlichmachung der Stämme, mit einer Geldbuße von 12 Duros belegt und im Falle des Ausbruches neuer, gegen die Europäer gerichteter Unruhen vom Machsen bestraft. Entwaffnung der Stämme. Auslieferung der Mörder vom 30. Juli. Auslieferung des Kaid Ulad Hart Uled cl Hadghamon, des Haupt- fächlickfften Anstifters der Unruhen von Easablanca. Jede Person, die Kricgskonterbande treibt, soll als Kriegsgefangener behandelt werden. Jeder Stamm soll als Geisel eine Person stellen, die aus den einflußreichsten Leuten des Stammes �u wählen ist. lieber eine Kriegsentschädigung soll zwischen Frankreich und Marokko vor- handelt werden. Die Abgeordneten der Stämme haben eine Frist bis Donnerstagvormittag erbeten, um den Stämmen diese Bc« dingungen unterbreiten zu können. Bei diesen Fricdcnsunterhandlungcn handelt es sich nur um einige in der Nähe von Easablanca domizilierende Stämme. Die Gcsamtsiwation im Marokko , wo durch das französische Vor- gehen M u l e y H a f i d auf den Schild erhoben ist, wird durch solche Einzelabkommen wenig beeinflußt.— politifche Oeberficbt* Berlin , den 17. September 1907, Dernbnrgs Wiistcnbmnmel. Einer der Preßtrabanten Dernburgs, der während der Seefahrt Dernburgs joviale Herablassung und Zugänglichkeit nicht genug zu preisen wußte, läßt nunmehr in einem Berliner Blatte folgende Entrifftungsepistel loS: „Ueber die Interessen der Ansiedler im ganzen Schutz- gebiet, die auf Dernburgs Anwesenheit gerechnet hatten, um die nötigen Maßregeln zum Ausbau ihrer Unternehmungen zu be- sprechen, ist der Staatssekretär glattweg zur Tagesordnung über- gegangen. Er hat hier in Dar es Solam Paraden abgenommen, sich Askaris vorführen lassen, viele Di, rerS und Festlichkeiten mitgemacht, kaum mit einen, einzigen Kaufmann oder Pflanzer hat er über die Bedürfnisse deS Landes gesprochen, sich von dessen Fortschritten überzeugt. Kaum in ein einziges Kontor hat er seinen Fuß gesetzt! Den Leute» in Kilwa , Usambara , Tanga, am Kilimandscharo ist er einfach aus dem Wege gegangen— indieSteppe. Denn dieser koloniale Theatcrcoup bedeutet nichts mehr als einen Maultierdistanzritt durch eine 1000 Kilometer lange öde, glühende, wasserlose Steppe, die nur im Uhehelande einigeOasen unterbrechen... Was versteht Den, bürg unter kommerzieller Eutwickelung? Er will den Neger veranlassen, mehr Baumwolle zu bauen und dafür niehr europäische Handels- artikel einzutauschen. DaS bedeutet nichts anderes als eine weitere Stärkung der Position der In der, die den Zwischenhandel zwischen den Handelsgesellschaften und den Negern beherrschen, und eine weitere Herabdrückung der Ansiedler, von denen noch viele im Anfang ihrer Kulturarbeit schwer„m ihre Existenz ringen. Das bedeutet die Abschreckung von der Zuwanderung neuer Ansiedler. Für den wohlbeleibte» Staatssekretär und den noch korpulentere» Oberst Ouade mag dieser 50 t ä g i g e Wüsten- bummel eine Marienbader Kur ersetzen. Aber dazu opfert zuletzt der deutsche Steuerzahler nicht die Hundert- tausende, die diese seltsam sie aller Min ist erreife u kosten dürfte, welche da« in der Kolonie so reichlich vor- handeiie böse Blut tonnenweise vermehren wird." ES zeigt sich also sogar in Ostafrika , daß Klassen- interessen existieren I Die Plantagenbesitzer möchten Förderung ihrer Interessen finden und eine Art Pro- duktions Monopol für sich geschaffen sehen. Desgleichen die weißen Händler, die die indischen Händler an die Wand gedrückt sehen möchten, einerlei, waS dabei aus dem ostafrikanischen Handel überhaupt werden würde. Dernburg dagegen fühlt sich als Vertreter der Banko- r a t i e. Er will durch den Vau riesiger Eisenbahnlinien dem !apital deutscher Banken profitable Anlagemöglichkeit vor- chaffen, wobei freilich der S t a a t die Z i n s g a r a n t i e n übernehmen soll! Ihn kümmern die Plantagenbcsitzer nicht, ihm kommt es auf die Nutzbarmachung deS in den Banken vereinigten Großkapitals, auf die Wahrnehmung der örfenintereffen an! Die kleinen Ausbeuter in Ostaftika revolttcrcn nun gegen die großen Ausbeuter! Wir selbst stehen dem ganzen Krieg sehr kühl gegenüber. Die Ailöbeuterivirtschaft der Plantagenbesitzer stützt sich auf die skandalöse Ausnütz ung der Arbeitskraft ler Eingeborenen, denen ein Lohn von 1 Pfennig. ja Vi Pfennig pro Tag gezahlt wird. Auch können wir ihr Usurpatorenrecht gegenüber ben indischeu Händkern nicht an- erkennen. Aber auch Dernburgs Börsenschwärmerei stehen >vir ebenso ablehnend gegenüber. Wenn er sich und seinen Freund N a t h e n a u durch seinen Wüstenbunimel davon überzeugt, daß der Bau einer oder etlicher Wüstenbahnen die Verzinsung für ein Anlagekapital von diversen Hundert Millionen abtverfen wird, so mögen die interessierten Borsenkreise diesen Bahnbau getrost unternehmen. Entschieden jedoch verwahren wir uns dagegen, das Reich für diese Wüstenbahnen zu engagieren I Möglicherweise kommt es im Reichstag noch zu netten Zusammenstößen zwischen den Kolonialausbeutern des Klein- und Großkapitals. Vielleicht aber kommt doch schließlich ein Kompromiß auf der„mittleren Linie" zustande. Hat doch das„Verl . Tagebl." kürzlich ausgeführt, daß durch die von Dernburg geförderten Eisenbahnbauten 50000 eingeborene Karawanen träger um ihre Existenz gebracht werden würden und daß diese„Freigesetzten" dann von den Plantagenbesitzern umso wohlfeiler als Arbeits- sklaven ausgebeutet tverdcn könnten! Der unverwundbare Freisinn. Die„Voss. Ztg." triumphiert, daß es am Sonntag den neun F e st r e d n e r„ gelungen ist, alle etwaigen Oppositions- gelüste gegen die Kuhhandelspolitik der freisinnigci, Führerschaft hypnotisch einzuschläfern. Der„Vorwärts" ärgere sich offenbar baß darüber, daß es nicht zu dem von ihm gChofften.solennen Skandal" gekommen sei. Die gute Tante Voß irrt sich gründlich! Durch die Busch- Tagung-t In Würzburg ist die Position der Sozialdemokratie gegen den Freisinn außerordentlich verbessert worden. Dem, die wahrhaft deinokralischcn Elemente des Freisinns— deren es unter den nichtbesitzenden Schichten des Freisinns zweifellos gibt— werden nach dieser traurigen Demonstra, ionskoniödie des Freisinns und den schönen sozinlistcufresjerischei, Reden der Herren Wicmer, Fischbeck und Müller-Meiningen umso eher begreifen, wie wenig sie vom Freisinn zu erwarten haben! Die„Voss. Ztg." mag bramarbasieren:„Die Sozialdemokratie kann Rechenschaft fordern, so viel sie will"; die prolelarische WahlrechlS- t a m p a g n e wird ihren Hochmut früh genug zu Fall bringen! Bemerkenswert für die an Masochismus grenzende Bloavertiebt- heit der„Boss . Ztg." ist es. daß sie zivar gegen die angeblichen Beschimpfungen des„Vorwärts" und der„Germania " protestiert — wobei sie ebenso ehrlich wie Herr F i s ch b e ck das Wort vom„klapp er bei,, igen" Freisinn als sozialdemo- kra tische Prägung ausgibt, während eS doch von dem den, Frei- sinn nahestehenden Herrn v. G e r l a ch gemünzt worden ist I—, aber kein Wort des Tadels findet sür die mehr als boShafte Glossierung ihrer Versammlung, die sich das A g r a r i e r o r g a n, die„Deutsche Tageszeitung" geleistet hatte! WaS sich so tnbrüustig liebt, nimmt solch kleine Neckereien nicht üvell—_ Kadavergehorsam. Der römische Korrespondent der„Germania " hat in der Jndexangelcgenheit mehrfach seinem Blatt in einer Weise bc- richtet, die der hohen römischen Kurie nicht gefiel. Er tvird des- halb, wie liberale Zeitungen zu berichten wissen, nicht nur tu, Vatikan nicht mehr zugelassen, sondern die„Corrisp. Romana" klagt auch offen die„Germania " an, sie intrigiere gegen den KardinalstaatSsckrctär. Darüber fühlt sich die„Germania " tief gekränkt und mit der ihr eigenen Demut vor den Wünschen RomS beteuert sie, daß.sie sich bessern wolle: „Die„Eörrisp. Romana"» schreibt sie,„stützt ihre Vorwürfe lediglich auf Briefe unseres— auch katholische Blatter Oester- reichS bedienende»— römischen Mitarbeiter», worin die so- genannte antiklerikale Bewegung, ihre Ursachen Und ihre Be- dcutung anders beurteilt worden sind als in einem Teil der römischen Presse. Irgend einen Angriff auf den Kardinal- staatssekretär haben wir unsererseits darin nicht gefunden, und wenn wir einen solchen darin gefunden hätten/hätten wir ihn selbstverständlich nicht durchgehen lassen, denn wir gehören nicht, wie die„Corrisp. Rom ." liebenswürdig andeutet, zum„fteimauerisch-sozialistischen Block". Was die Persönlichkeit unseres römischen Mitarbeiters angeht, über den die„Corrisp. Rom ." sich noch ausläßt, so haben wir sofort Schritte getan, um darüber Klarheit zu schaffen." Man kann schon heute voraussagen, daß, wenn die römiscki- Kurie es verlangt, die„Germania " schon sehr bald durch die von ihr angekündigten Schritte zu der„Klarheit" kommen wird, daß ihr römischer Korrespondent gefehlt hat und deshalb für fie nicht weiter korrespondieren kann.— Eine ungeschickte Ansrede. Unsere Notiz„Vidsanti consulcs" beantwortet die Frankfurter.Volksstimme" i» einer qt. gezeichneten Entgegnung damit, daß wir uns ohne Veraitlassung die rote Robe des Anklägers umgehängt hätten, da der betreffende Artikel der Frankfurter „Volks stimme" nicht ans der Redaktion, sondern von einem Pariser Mitarbeiter stainme, was uns wohl entgangen sei. Selbstverständlich ist uns daS nicht entgangen. Nur waren wir bis- her der Ansicht, daß eine Redaktion genau so für die— ohne redaktionelle Verwahrung— veröffentlichten.Artikel ihrer Korrespondenten verantwortlich ist, wie für ihre eigenen Arbeiten I Und der Arttkel war ohne jegliche Ver- Wahrung deS Frankfurter ParteiblatteS abgedruckt worden. Eine ebenso ungeschickte AuSrcde ist es, wenn qt. darauf hin- weist, daß die Frankfurter„Volksstimme" ja am 9. September einen entgegengesetzten Standpunkt vertreten habe, wie der von dem Korrespondenten entwickelte. Denn der Artikel des Korrespondenten erschien zwei Tage später, am 11. September! Obendrein wendet sich dies angebliche Stellungnahme der Frankfurter „Volks- stimme" gar nicht einmal gegen die von dem Korrespondenten vertretenen mehr als eigentümlichen Auffassungen! Den Gipfel des Ungeschicks erklimmt aber qt., wenn er schreibt: „Oder will der„Vorwärts" etlva behaupten, eS sei Partei- schädigend, einmal eine andere Meinung als die seine anzuhören? Meint er, unsere Leser interessiere eS nicht, zu hören. wie ein Deutscher in Paris über die Marokkowirren denkt? Fehler sind doch schließlich dazu da. daß siege- macht werden, und selbst eine Diskusston über die Quadratur des Zirkels kann unter Umständen für die Beteiligten von viel größerem Nutzen sein, als die selbstgefällige, alles bester wissende Abschlietzung von DiSknssionSgegenständen, deren„janze Richtung einem nun einmal nicht paßt". Also erst verwahrt sich die Frankfurter„Volksstimme" gegen den Verdacht, die Ansichten deS Korrespondenten zn teilen, und dami nimmt sie diese Ansichten gegen die deS.Vorwärts' in Schutz! Als ob es sich um den Standpunkt de». Vorwärt»" handle und nicht vielmehr um den der Sozialdemokratie über- hauptl Schließlich sind lvir allerdings so„selbstgefällige" Befferwiffer, daß wir eS für eine geradezu unglaubliche Ansicht halten, lediglich der„Diskussion" wegen von einem.Deutschen' in Paris Meinungen unwidersprochen vertreten zu lassen, über die es für die deutsche Sozialdemokratie ihren ganzen Grundsätzen und ihrer ganzen Vergangenheit nach platterdings keine Di»- kussion geben kann I Wir huldigen-- und mit uns sicherlich die
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