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Urkunde, die vom 28. März datiert und an Nord der Hohenzollern " in Venedig gegeben ist. Nach drei Minuten hatte der Akt sein Ende erreicht. Der Landtag ist also nicht, wie vermutet wurde, aufgelöst, sondern nur geschlossen worden und zwar aus dem Grunde, weil eine Auflösung des Herrenhauses verfassungsrechtlich nicht möglich ist. Nun muß dieRegierung gleich nach denNeu wählen das jetzige Abgeordnetenhaus auflösen, da es ein unmöglicher Zustand ist, daß zwei Abgeordnetenhäuser nebeneinander bestehen. Sonst wäre die Regierung ja in der Lage, sich Abgeordnetenhäuser auf Vorrat wählen zu lassen! Ueber den Inhalt der letzten Abgeordnetensitzung ist nichts zu berichten. Das Herrenhaus erledigte noch den Nachtragsetat, der die für die Teuerungszulagen der Beamten erforderlichen Mittel verlangt. Im Abgeordnetenhause haben bekanntlich mit Rücksicht auf die Wahlen alle Parteien das, was die Regierung den Beamten gibt, für unzureichend erklärt und es fand ein widerlicher Wettlauf um die Gunst der Beamten statt. Eine solche Popularitätshascherei hat das Haus der ge- borenen Gesetzgeber nicht nötig. Im Gegenteil, es ließ durch den Sprecher seiner Kommission, den Oberbürgermeister Ehlers-Danzig seine höchste Mißbilligung über dieder- werflichen" Begleiterscheinungen, die die Beratung dieses Etats im Abgeordnetenhause gezeitigt haben, aussprechen. Ilnstelle von Gehaltserhöhungen, die die Beamten verlangen, gab ihnen Herr Ehlers den Rat, sich weiter ebenso ent- sagungsvoll wie vaterlandstreu zu Verhalten und ihre Pflicht ohne Rücksicht auf die Höhe des Gehaltes zu tun. Worüber die Beamten nicht gerade erbaut sein werden! Der Nachtragsetat wurde unverändert angenommen. Der geprügelte Hund muß apportiere«! Den Blockliberalen, die soeben in hundedemütiger Unterwerfung unter daS agrarisch-scharstnacherische Joch sich geduckt haben, um nicht aus der Blockhütte hinausgeworfen zu werden, gibt die Deutsche Tageszeitung", mit unverkennbarem Spott und Hohn, nun schon wieder Verhaltungsmaßregeln für die Zukunft. Knuten-Oertelchen kommandiert: In der Preffe ist in den letzten Tage» vielfach gesagt worden, daß der Block mit der Erledigung der eben besprochene» beiden Gesetze die erste schwere Belastungsprobe bestanden habe. Da« ist bis zu einem gewissen Grade richtig. Wir hätten, offen gestanden. nicht geglaubt, daß eS möglich sein werde, beide Gesetze so glatt, so schnell und ohne erhebliche Schwierigkeiten durchzubringen. Der Linksliberalismus möge nie vergessen, daß die Gesetze für ihn bestimmt waren und daß sie von den rechtsstehenden Parteien Opfer verlangten. Daraus wird er, lvenn er gerecht und politisch denkt, die Verpflichtung enwehmen, künftig seiner- seitS Zugeständnisse zu machen. Das wird in bc- sonderen, Maße notwendig sein bei der ReichSfinanzreform, die nicht durchgeführt werden kann. wenn der Links- liberalismuS auf seinen bisherigen Anschauungeu, auf seinem Scheine besteht. Die Rechte hat insbesondere beim VercinSgesetze ihre Nachgiebigkeit gezeigt. Sir ist bi« hart an die Grenze des Gestatteten gegangein Möge der Linksliberalismus sich das zum Vorbilde nehmen!" Der Wahrheit die Ehre: diesen faustdicken Hohn und diese un- verfrorenen Zumutungen hat sich der Freisinn redlich verdient!-» Die Hausagrarier machen für die Landtagswahl mobil. Der Vorband der Haus- und Grundbesitzer- vereine des rheinisch-westfält scheu Industrie- b c z i r k s nahm auf seinem in Herne abgehaltenen Verbands- tage zu den preußischen Landtagswahlen einen Beschlutz an, daß die Vorstände der den« Verbände angehörenden Vereine an ihren Orten sich mit den Vorständen der politischen Parteien inS Einvernehmen setzen und ihnen mehrere Fragen behufs Beantwortung durch den von ihnen aufzustellenden Kandidaten vorlegen sollen. Die Kandidaten sollen sich gegen die Bodenreform sowie gegen die Ein- führung einer staatlichen Wertzuwachs st euer und für eine Aenderung des Kommunalabgabengesetzes erklären. Auf die Kandidaten, die sich auf die gemeinschaftlichen Forderungen der Hausagrarier verpflichten, darf man gespannt sein. Die Arbeiter im Jndustriebezirke werden ihnen die Oniiinng nicht schuldig bleiben. Die Christlich-Sozialen und die Landtagswahl. Die christlich-soziale Ortsgruppe Effen wird der am S. Mai in Dortmund stattfindenden Ruhrkonferenz folgenden Antrag unter- breite»: Die Ruhr-Parteikonferenz der Christlich -Gozialen wolle be­schließen. bei der bevorstehenden Landtagswahl in allen Ruhrwahl­kreisen strengste Wahlenthaltung zu üben, weil die Oeffentlichkeit der Wahl dem TerroriSmuS Tor und Tür öffnet und den evangelischen Arbeitern keine entsprechende Anzahl Mandate eingeräumt worden ist. Die Parteikonferenz wolle einen entsprechenden WahlenthaltungS- Aufruf an die Christlich-Sozialen und evangelische Arbeiterschaft des RuhrgebieteS erlassen." Bischof Kornm auf dem 5kriegspfade gegen die christlichen Gewerkschaften. Nach dem zweiten Kongreß der christlichen Gewerkschaften(Frank- mrt 1900) erging von den preußischen Bischöfen daS sogenannte Fuldaer Pastorale. daS die christlichen Gewerkschaften, weil in ihnen die Religion nicht genügend zur Geltung kam, verurteilte und die katholischen Arberter anwies, ihre wirtschaftlichen Interessen in den katholischen Arbeitervereinen(Fachabteilungen) unter Leitung. deS Kleru» wahrzunehmen. Solche Fachabteilungen wurden dann auf Betreiben einiger Berliner Ultramontaner auch ins Leben gerufen und seit der Zeit tobt der Kampf zwischen den Berlinern und den München -Gladbachern, erstere als Vertreter der konfessionell katholischen Fachabteilungen, letztere als Vertreter der interkonfessionell' christlichen Gewerkschaften. Die Bischöfe fanden es nachher für gut, einzulenken und der Ent« Wickelung der Dinge ihren Laus zu lassen; nur in zwei Diözesen wurden die Berliner offeusichllich begünstigt, im Osten vom Erz- bischof von Breslau , im Westen vom Bischof von Trier . In beiden Gebieten haben deshalb die christlichen Gewerkschaften einen sehr schweren Stand, da die vom Bischof abhängige Geistlichkeit durchweg im Sinne der katholischen Fachabteilungen tätig ist und gegen den Widersland des KleruS eine Agitation unter den katholischen Arbeitern nicht möglich ist. Von den wenigen Arbeitervereinen der Diözese Trier , die nicht der Berliner Richtung folgen, war der stärkste der katholische Arbeiter- verein in Koblenz . Wegen dieser Haltung hatte, wie jetzt die ZentriimSpreffe berichtet, sein geistlicher Leiter, Pastor Tilmaiin, eine Fülle der gehässigsten Anfeindungen erfahren. Be- sonders auf dem letzten Verbandstage in Kreuznach fielen seitens einiger Vertreter der Berliner Richtung Worte. die nicht nur der Sache unwürdig, sondern sogar persönlich beleidigend waren. ES wurde ein Beschluß gefaßt, der darauf angelegt war, die nicht auf dem Boden der sogenannten Berliner Richtung stehenden Vereine aus demDiözesan verband zu verdrängen. Die Absicht, den Pastor Tilmann. den man als den stärksten Gegner fürchtete, niürbe zu machen, ist nunmehr insofern erreicht, als dieser jetzt sein Amt als Vereinspräses niederlegte. Wie er in seiner Be- zrundung gelegentlich einer großen Abschiedsversammlung am Sonn- tag ausführte, geschah dieser Rücktritt ohne Bruck von ooen, aber doch unter der Einwirkung der EntWickelung der Arbeiterfrage in der Diözese. Pastor Tilmann will also nicht einemDruck von oben", sondern der allgemeinen EntWickelung der Arbeiterbewegung in der Diözese geivichen sein. Nun, diese Entwickelung wird aber einzig und allein bestimmt durch den Bischof, der es in der Hand hat, seinen Klerus für die christlichen Gewerkschaften oder die katholischen Fachabteilungen anzuhalten. Bischof Korum, der in diesem Falle ehrlicher ist als manche seiner Kollegen, hat aus seiner Gegnerschaft gegenüber den christlichen Gewerkschaften nie ein Hehl gemacht, sondern sich im Gegenteil offen und eifrig als Anhänger der Berliner Richtung bekannt. In diesem Sinne hat er auch auf seinen Klerus eingewirkt und ivenn jetzt der Präses des Koblenzer Arbeitervereins die Segel streicht, so geschieht das, weil er einsieht, daß er machtlos ist gegen die von seinein Bischof be- günstigte und beeinflußte Bewegung. Sein Rücktritt ist ein Beitrag zur gewerkschaftSfeindlichen Gesinnung deS deutschen Episkopats. Ministerwechsel in Württemberg . DerStaatsanzeiger" gibt die Verabschiedung de? Finanz- Ministers Dr. v. Z e y e r bekannt. Gleichzeitig veröffentlicht er ein kgl. Handschreiben, in dem seine langjährigen ausgezeichneten Dienste anerkannt werden. Der König hat dem Minister seine Büste in Bronze zugehen lassen. Zum Nachfolger v. Zeyers wurde Hofdomänenlammer-Präsident v. Geßler ernannt. Im Dienst des Vaterlandes. AuS Halle a. S. berichtet man uns: Der Unteroffizier Thor- mann von der IL. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 93 in Deffau erteilte am IL März seinem Untergebenen, dem Musketier König den Befehl, zum Löhnungsappell zu gehen. König, der zur Zeit ohren leidend und deshalb vom Außendienst befreit war, versäumte den Appell, weshalb er von dem Unteroffizier Thormann zur Rede gestellt wurde. Als König sich damit ent- schuldigte, in der Zeit des Appells seinen sechsten Rock ausgebessert zu haben, genügte dem Unterofzier die Antwort nicht und er kom- mandieNe zweimal in der Stube: Mannschaften rauS auf den Korridor I Marsch, marsch; macht mal demKönig die ZähneauS- einander!" Unter schwerem Gepolter stürzten dreizehn Personen mit König zweimal auf den Korridor, wobei der Ohrenleidende Stöße und eine Ohrfeige von den Mannschaften erhielt. König zeigte nach dem Schlage unter Tränen einen im Ohr gehabten Wattenpfropfen, der mit Blut bedeckt war, und hatte zwei Tage nach dem Schlage Ohrenschmerzen. Der Unteroffizier war deshalb vor dem Kriegs- geeicht der 8. Division wegen Mißbrauch« der Dienstgewall, An- stiftung zur Mißhandlung eines Untergebenen und letzterer wegen Gehorsamsverweigerung angeklagt. Als der Geschlagene den Vorgang schilderte und der Unteroffizier entgegnete, er habe die Mannschaften nicht etwa mit König auf den Korridor gejagt, um den Untergebenen mißhandeln zu lassen, da erhob sich plötzlich ein als Beisitzer des Gerichts fungierender Offizier, der etwas besorgt nach den Ber- tretern der Presse hinschaute, und beantragte den Aus- schluß der Oeffentlichkeit, da er vermute, daß durch die öffentlich» Verhandlung die militärdienstlichen Jnter- essen gefährdet würden. DaS Gericht ging aber auf den wohlgemeinten" Ausschlußantrag nicht ein und der Unteroffizier erzählte dann weiter, er habe von den Mannschaften aus dem Korridor nur erwartet, sie würden dem König eine passende Antwort znrecht legen. Beide Angeklagten wurden zu je drei Tagen Arrest verurteilt._ Die Sprnchenfrage in Elsaß-Lothringen . Unter Bezugnahme aus die Verabschiedung des Reichsvereins- gesetzcS hat. wie die liberale Parteikorrespondenz mitteilt, die liberal- demokratische Fraktion de« LandeSansschusseS einen Antrag eingebracht. der LandeSanSschuß wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, einen Gesetzentiourf einzubringen, durch den aus Grund veS§ 7 deS ReichövereinsgesetzeS die Sprachenfrage in einer den Interessen der elsaß -lothringische» Bevölkerung entsprechenden Weise geregelt mrd der Gebrauch der französischen Sprache in öffentlichen Versammlungen ohne weiteres gestattet wird, wie das nach dem geltenden Landes- recht bisher der Fall war. Der Präsident de« LandeSauSschusseS ist ersuckit worden, diesen Antrag womöglich aus die Tagesordnung der nächsten LandeSausschußsitzung zu setzen. Oeftcrmch. Gegen das Eisenkartell. Wien , 9. April. Die deutschen Agrarier werden heute im Abgeordnetenhause Gesetzesanträge einbringen, wonach Aktien- gesellschaften, die sich mit der Gewinnung und Verarbeitung von Eisen beschäftigen, deren Reingewinn 10 Proz. des Aktien­kapitals übersteigt, einer besonderen Gewinnsteuer, ferner die Tantiemen de» VerwaltungSrateZ einer besonderen Tan ti emensteuer, die progressiv von 5 auf 25 Proz. steigt, unterliegen sollen Ungarn . Die nene Geschäftsordnung. Budapest , 9. April. Das Abgeordnetenhaus hat nach einer mehrwöchigen Debatte die Verschärfung der Ge- schäftSordnung angenommen. Die mit Oesterreich gemeinsamen Angelegenheiten und die Rckrutenvorlagen sollen von der verschärften Behandlung ausgenommen werden. Die neue Geschäftsordnung sucht die Obstruktion unmöglich zu machen. Sie richtet sich besonder? gegen die immer schärfer werdende Opposition der unterdrückten Nationalitäten. Es ist bezeichnend, daß dieselben Parteien, die in der Opposition selbst aus den kleinsten Anlässen Obstruktion trieben, jetzt ihre Macht mißbrauchen, um die Rechte der Minderheit einzuschränken. Die neue Geschäftsordnung soll auch die Durchpeitschung der Wahlreform erleichtern. Die Ausnahme zugunsten der ge- meinsamcn Angelegenheiten sichert dagegen der Regierung das alt- bewährte Mittel, im heimlichen Einverständnis mit der Opposition, die Erledigung der gemeinsamen Angelegenheiten zu verschleppen und auf diese Weise die österreichische Regierung zu neuen Zu- geständnissen zu bewegen. fVanhrdcb. Der Lieferungsskandal. Paris , g. April. In St. Diü wurde ein Metzger, der überführt worden war, im Januar verdorbene« Fleisch an Truppen geliefert zu haben, zu drei Monaten Gefängnis und 8000 Franks Geldbuße verurteilt. Die gleiche Strafe traf de» Viehhändler, welcher daS Fleisch dem Metzger geliefert hatte. Ebenso wurde der Eigentümer des geschlachteten TiereS zu 2 Monate» Gefängnis und 1000 Franks Geldbuße verurteilt. Der Viehtreiber, der da« Tier zum Schlachthause gebracht hatte, erhielt einen Monat Gefängnis und 500 Franks Geldstrafe. Belgien. Die Durchpeitschung der Kongovorlage. Brüssel , 8. April. Der von dem liberalen Senator Hamez eingebrachte Gesetzentwurf, der darauf abzielt, die Kongofrage einer Volksabstimmung zu unterwerfen, wurde in der heutigen Sitzug des Senats mit 47 gegen 20 Stimmen a b g e. lehnt. In der De p u t i c r t e n l a m m e r wurde beschlossen, zur Er- lcdigung ber außer der Kongovorlage auf der Tagesordnung stehenden Vorlagen vom nächsten Mittwoch ab vormittags die Sitzttngen abzuhalten. Ein Antrag des Liberalen Janson, am Mittwoch, dem 15.. die Kammer zu vertagen, wurde abgelehnt. Die Kammer wird also leine Osterferien abhalten und auch während der Karwoche tagen. porrugal. Die Unruhen in Lissabon . Lissabou, 8. April. Als heute nacht um 3 Uhr zwei al? Zivilisten gekleidete Soldaten vor der Tür zur Wohnung deS Kommandanten einer Eskadron der Stadtgarde ui der nahe der Straße NecessidadeS gelegenen Kaserne die Nunde machten, fielen plötzlich zahlreiche Revölverschüsse. Herbei eilende Polizei- agenten fanden die beiden Soldaten in ihrem Blute schwimmend, und den einen tot, den anderen sterbend. Zugleich sahen sie mehrere Personen in einiger Entfernung fliehen. Abgesehen von diesem Vor- fall war die Nacht in Lissabon ruhig. Von den am 5. April in der Kirche von Sao Domingo» Verwundeten sind zwei ihren Verletzungen erlegen. Lissabon , 9. April. Der gestrige Tag verlief ruhig, Der An- griff aus die beiden Soldaten ist ein persönlicher Racheakt eines früheren Munizipalgardisten. Die Polizei verhaftete den Führer der Manifestanten, welche angeschuldigt sind, mit Gewalt in die geschlossenen Wachträume der Munizipalgarde eingedrungen zu sein. Lissabon . 9. April. General Gouveia ist beauftragt worden, über das Vorgehen der Munizipalgarde bei den Ruhestörungen vom letzten Sonntag eine Untersuchung einzuleiten. DänetnarK. Der verstorbene Fiuanzminister. Kopenhagen , 7. April. (Eig. Ber.) Der Finanzminister Wilhelm Lassen ist Montag, 47 Jahre alt, gestorben. Er hat sich in den letzten Jahren in der Agitation für die Regierung und ihre Partei aufgerieben. Noch im letzten Sommer, ber politischen Ver- sammlungen aus dem Lande, stand er oft in strömendem Regen unter freiem Himmel und debattierte stundenlang mit seinen Gegnern. In früheren Jahren war er ein sehr radikaler, stark anti- militaristischer und zum Sozialismus neigender Agitator:E L wird nicht eher gut in Dänemark werden, bis nicht die letzte Kanone zu Pflugeisen umge- schmiedet ist," sagte er damals, und dieser Ausspruch wurde zu einem geflügelten Wort. Mitte der neuuziger Jahre machte er für eine sozialistische Lösung der Landfrage Propaganda. Als Minister fehlte ihm aber die Energie, der Korruption, die sich an den Namen des JustizniinisterS Alberto knüpft, entgegenzutreten. Seine Ehr« lichkeit und sein guter Willen sichern ihm aber auch bei seinen Gegnern ein gutes Andenken. China . Der Boykott japanischer Waren. Hongkong , 9. April. Der Verband chinesischer Kaufleut« hat auf telegraphischcin Wege die chinesischen Handelsagenten in Nagasaki aufgefordert, bei japanischen Fabrikanten keine Bestellungen mehr entgegenzunehnien und die bereits eingeschifften Waren wieder auszuscbifsen. Ebenso hat eine in Kanton abgehaltene stark be- suchte Versammlung von Frauen aus den Kwantung-Provinzen be- schlössen, den Boykott japanischer Waren weiter auszudehnen. Zum Ausdruck der Trauer über den als eine nationale Demütigung empfundenen Ausgang der Tatsu-Maru-Angelegenheit wurde die Versammlung unter den äußeren Zeichen der Trauer abgehalten. JMarohho. Die Franzosen in Settat « Nachdem erst vor einigen Tagen Truppen Muleh HafidS Settat besetzt haben, sind die Franzosen wieder in den Besitz der Stadt gelangt. Die Leute Haftds hatten sich vorher zurückgezogen. General d' A m a d e telegraphiert: Die Mehrzahl der Bevölkerung von Settat kam den Truppen entgegen und empfing sie wie ihre Befreier Der Kaid wurde wieder in seine Stellung eingesetzt, ein Detachement wird vorläufig für seinen Schutz sorgen. Die benachbarten Stämme versicherten General dÄmade von neuem ihre Unterwerfung. Die Bemühungen HafidS, die Bevölkerung zum Kampfe gegen die Franzosen aufzureizen, dauern jedoch fort, besonders die Ber - suche, die Bewegung im Schauja-Gebiete zu schüren.>»> Amerika . Der Konflikt mit Venezuela . Dem Präsidenten C a st r o von Venezuela ist e» wieder einmal gelungen, eine auswärtige Intervention gegen sein Land zu veranlassen. Zwischen Venezuela und den Vereinigten Staaten hat sich der Konflikt, der hanpffächlich wegen Nicht- befriedigung amerikanischer Gläubiger ausgebrochen ist, neuerdings verschärft. Jetzt soll Präsident Roosevelt die Absicht haben, eine ExpedittonStruppe nach Venezuela zu entsenden und eine Flottendemonstration zu veranstalten. Allerdings bereitet dabei den Bereinigten Staaten die Abwesenheit ihrer Flotte»einige Schwierig- leiten". Soztaled* Wer hat den Träger zu bezahlen? Eine für Putzer und Putzerträger interessante Entscheidung fällte die Kammer III des Berliner GcwervcgerichtS. B. als Führer einer Putzerkolonne klagte gegen den Arbeitgeber Zander auf Zahlung von Restlohn aus einem P u tz a k k o r d. Die Parteien waren sich schließlich einig, daß noch 186 M. aus dem Akkord zu zahlen seien. Strittig blieb aber eins. Die Arbeit war den Putzern ausschließlich Träger übertragen worden, d. h. der Arbeitgeber hatte den Tröger der Kolonne besonders zu bezahlen. Des Trägers Lohn war nicht in dem Akkordpreis enthalten. Zu dem Akkord gehört nun das Rüsten. Bei dem Rüsten half der von der Kolonne mitgebrachte Träger. Der Be- klagte Zander verlangte nun von der Putzkolonne 16 M. zurück- erstattet, die er dem Träger für zwei Ruft tage gezahlt hatte. Er stellte sich auf den Rechtsstandpunkt, daß er den Träger, wenn er dessen Entlohnung vertraglich übernehme, wie hier, erst vom Beginn des PutzenS an zu bezahlen habe. DaS Auf» stellen der Rüstung sei Sache der Putzer. Wenn dabei ihnen der Träger helfe, dann müßten die Putzer ihn dafür bezahlen. Da» Gericht unter dem Vorsitz des Magistratsassessors Dr. Prerauer sprach nach der Beratung seine Meinung dahin aus: In konsequenter Auffassung vom Wesen der Putzerkolonne habe sich der Gerichtshof auf den Standpunkt gestellt, daß der Träger zur Putzerkolonne gehöre und daß der Träger zur Stelle fein müsse, wenn von den Putzern die Arbeit begonnen werde. Hätten die Putzer die Arbeit einschließlich Träger übernommen, sei seine Bezahlung ja ohne weiteres ihre Sache. Habe es der Arbeitgeber übernommen, den Träger zu stellen, dann müsse er ihn stellen, wenn die Kolonne anfange. Der Beklagte hätte also den Träger von da ab bezahlen müssen, und sei somit verpflichtet gewesen, ihm auch für die Rüsttage Lohn zu geben. Der vom Beklagten beabsichtigte Abzug sei unstatthaft. Demnach inühte auf Zahlung von 166 M. erkannt werden, wenn cS die Parteien nicht vorzögen, sich zu vergleichen. Die Parteien ver- glichen sich auf Zahlung der 166 M. Semrklckaftlickes. Lettin und Umgegend. An die Mitglieder der früheren Bereinig«»» der Bau», Erd» und gewerblichen HnlfSarbeiter Deutschlands i In Nr) 70 desVorwärts" vom 2-2. März d. I. gaben wir bekannt, daß die Einiglingsbedingungen bis zum 15. April cr. Geltung haben. Alle Kollegen, die bis zu diesem Tage übertreten, erhalten ihre in der alten Organi- sation erworbene Mitgliedschaft voll angerechnet.