Einzelbild herunterladen
 

Nr. 130. 25. Jahrgang.

2. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt.

Krankenversicherung im Jahre 1906.

Ueber die Krankenversicherung im Jahre 1906 werden die endgültigen Zahlen amtlich bekannt gemacht. Sie ergeben folgendes Bild:

Gemeindekrankenversicherung

Erkrankungsfälle mit Erwerbsunfähigkeit

Krankheitstage mit

Krankengeld oder Behandlung

Freitag, 5. Juni 1908.

sammengewürfelt, in den durchhizten Coupés figen, hat man sich schon angefreundet, noch ehe sich der Zug recht in Be­wegung gesezt hat.

Dann rollen die Räder an. Gleichsam mit einer tastenden Vorsicht schiebt sich die lange Wagenkette aus der verräucherten Bahnhofshalle, über die sich schon die ersten Schatten der nahenden Nacht gebreitet haben. In den engen Abteilen auf ein Vermögen jauchzt und freischt der Uebermut, ein Lied flattert durch die

Krankheitskosten

auf ein überhaupt

Mits

Bahl

Raffenartem

der

Kassen

Mitglieder im Durchschnitt des Jahres

auf ein

im Krankenhauſe

überhaupt

Mits

glied

überhaupt

Mit­

glied

M.

glied M.

M.

8.366

1 540 486

381 013

0,25

7 729 556

5,02

17 379 304

11,28

2 297 487

Detskrankenkassen.

4741

5.950 187

2276 050

0,38

47 298 109

7,95

122 388 950

20,57

105 993 724

Betriebskrankenkassen.

7823

2991 378

1 353 790

0,45

24 286 030

8,12

78 673 748

26,30

Baukrankenkassen

46

22 706

13 134

0,58

224 853

9,90

564 277

24,85

97 111 375 304 552

Innungskrankenkassen

744

264 122

96 592

0,37

1 957 177

7,41

5 325 936

Eingeschriebene Hilfstassen.

1 339

884 104

293 139

0,33

5 742 438

6,50

16 844 273

155

36 405

10 038

0,28

206 442

5,67

617 116

Zusammen 1906 1905

9

23 214 23 127

11 689 388 11 184 476

4423 756

0,38

87 444 605

4 451 448

0,40

88 082 296

7,48 7,88

241 793 604 232 243 886

20,16 19,05 16.95 20,68 20,76

Landesrechtliche Hilfskassen.

Im Jahre 1906 waren 23 214 Krankenkassen vorhanden, 87 mehr als im Vorjahre; während die Anzahl der Kassen bei den Betriebskrankenkassen um 49 und bei den Jnnungskrankenkassen um 34 gestiegen ist, ist sie bei den Eingeschriebenen Hilfskaffen um 26 zurüdgegangen. Gemeindekrankenversicherungen sind 33 mehr tätig gewesen als im Vorjahre.

Die Anzahl der Mitglieder im Durchschnitt des Jahres beträgt 11 689 388, der Zuwachs an Mitgliedern gegen das Vorjahr rund 505 000. Das Wachstum trifft hauptsächlich wieder die Drts­frankenkassen mit 313 000, auch die Betriebskrankenfassen nahmen

Die ordentlichen Ausgaben( Krankheitskosten, Ersatz­Leistungen, zurückgezahlte Beiträge und Eintrittsgelder, Bertvaltungs­

zufinden.

Partei- Angelegenheiten.

Steglit. Zu den heute abend stattfindenden Stichwahlen werden die Genossen ersucht, sich vollzählig in ihren Bezirkslokalen ein­Friedenau. Im 1. Urwahlbezirk findet Stichwahl zwischen den Nationalliberalen und Freifinnigen und je einem Wahlmann der Sozialdemokraten und Sozialliberalen statt. Im 4. Urwahlbezirk Stichwahl zwischen zwei Sozialdemokraten und dem Block. Im 5. Uriahlbezirt, ebenso. im 8., 9. und 10. ist Stichwahl zwischen zwei Sozialdemokraten und dem Block. Im 6. Wahlbezirk treten wir für die Sozialliberalen ein. Jm 11. Urwahlbezirk Stichwahl zwischen Sozialdemokratie und Nationalliberalen, im 12, awischen Sozialdemokraten und Block.

Berliner Nachrichten.

Die gewählten Wahlmänner

4 271 912 18 452 316 1 779 932

230 211 298

202 957 455 ausgaben abzüglich derer für die Invalidenversicherung, sonstige Aus­gaben) 264 236 035 M., welche sich verteilen auf:

ärztliche Behandlung

Arznei und sonstige Heilmittel Krankengelder

Schwangere und Wöchnerinnen Sterbegelder . Krantenanstalten Rekonvaleszenten.

57 293 080. 36 021 712

104 050 833

5 061 736

6 521 058

32 670 074 175 111

Das Gesamtvermögen betrug 230,2 Millionen Mark ( im Vorjahr 203,0), wovon auf die Ortskrankenkassen 106,0, die Betriebsfrankenkaffen 97,1 und die Eingeschriebenen Hilfstassen 18,5 Millionen Mark entfielen.

-

no

geöffneten Fenster in die Dämmerung hinaus, eine Mund­harmonika dudelte dazwischen und rosafarbene oder blaẞgrüne Confettischlangen wickelten ihre endlosen Papierstreifen um die Telegraphenstangen, an denen der Zug vorüberzuckelt.

Zwischen Bernau und Biesenthal wird das Abendbrot vertilgt. In Eberswalde gibt es noch ein Spritkuchendessert. Das stereotype" Bier gefällig?" ist überflüssig geworden. Förmliche Schlachten werden um das fühle Naß geschlagen. Dann aber macht die Müdigkeit ihre Rechte geltend. Ver ftohlen holt erst einer ein Luftkissen aus der Tiefe seines Ruck sacks. Dann folgen ein zweiter und ein dritter. Und bald schraubt ein halbes Dußend der Fahrtgenossen an den Ventilen. Mit vollen Backen blasen sie die Luft in die Gummifissen hinein, seßen mit komischer Haft die Messingschrauben aufs Ventil und drehen sie fest. Dann tritt der Ersatz für die zweite Wagenklasse" in Funktion. Die einen machen aus den Kissen weiche Siggelegenheiten, die anderen Stopfpolster. Aber weder Gesäß noch Kopf halten die Dinger aus. Pff... macht erst das eine, und pff... pff... pff... machen es ihm die anderen nach. Die Frauen und Mädchen werden rot, die Männer lachen. Wieder zieht man die Kissen vor, dreht die Ventil­schraube ab und bläst mit vollen Backen, wie weiland der

-

Der Nud

mit 157 000 an dem Wachstum teil, ferner die Eingeschriebenen Auf ein Mitglied kamen durchschnittlich 20,68 M. Krankheitstoften, Trompeter von Säckingen. Man probiert zum zweitenmal. Hilfstassen mit 26.000 und die Gemeindekrankenversicherung mit Der Erfolg ist der gleiche: pfipifpff... Aller 13 000. Die Landesrechtlichen Hilfskassen und die Bautrantentassen gegen 20,76 M. im Vorjahre. weisen einen Rückgang auf, erstere von 600, letztere von 2000 Mit- Die Verwaltungsausgaben abzüglich derer für die guten Dinge sind drei. Noch ein dritter Versuch wird gewagt. gliedern. Invalidenversicherung betrugen 15 327 950 M., auf ein Mitglied und wieder zischen die Dinger ihr höhnisches pff..., Die Zahl der Erkrankungsfälle mit Erwerbsunfähigkeit durchschnittlich: bei den Ortskrankenkassen 2,01, bei den Innungs- ein Waschechter" mit frächzender Stimme das schöne Lied Luft..." stellt sich auf 4 423 756 mit 87 444 605 Krankheitstagen; auf frankenkassen 2,40 und bei den Eingeschrschriebenen Hilfstassen intoniert: ,, Das ist die Berliner Luft, Luft, ein Mitglied tamen durchschnittlich 0,38 Erkrankungsfälle und 2,35 M.; bei den Betriebs- und Baukrankenkassen werden fie faft Sträftig fingen alle mit. Hinter Angermünde aber beginnen 7,48 Krankheitstage, für die Strankengeld oder Krankenanstaltspflege ganz von dem Betriebsunternehmer, in der Gemeindekranten die Schnarchchöre, die auf Minuten mitunter das Rattern der gewährt wurde. bersicherung ganz von der Gemeinde getragen; bei allen Kassen Räder und das Stampfen der Lokomotive übertönen. Die ordentlichen Einnahmen( Zinsen, Eintrittsgelder, Beiträge, überhaupt stellen sich die Verwaltungskosten auf ein Mitglied daher Als die pommerschen Drte auf" ow" tommen- Passow, Zuschüsse, Ersatzleistungen, sonstige Einnahmen abzüglich derer für nur auf 1,31 Mart durchschnittlich. Casetow, Tantow, Rosow, Colbitow hat sich die Sonne die Invalidenversicherung) betrugen 293 305 160 M., darunter Beis träge 276 664 612 m. hinter den gründunkelnden Wäldern im Dsten erhoben. Eine dumpfe, stickige Luft schwelt in den Abteilen. Ein leichtes Frösteln schüttelt die Schläfer wach. Recken, Strecken, Gähnen und Augenreiben. Der mit der Mundharmonika behauptet, Rede gegen die Sozialdemokratie halten, die von der Ar- stärkste Staffee. Er findet nur wenig Freunde. Auch das daß ein Kognat auf den nüchternen Magen besser sei als der beiterbevölkerung im Stich gelassen worden sei? Ach, die spignäfige Fräulein mit den Delsardinen muß ihren Sozis hatten ihm das Konzept gründlich ber- Morgenimbis allein nehmen. Ein dorben! Er mußte sich noch über Nacht auf die Hosen findet bereits aber seine Verehrer. Doch schon schieben Glas Essiggurfen feßen, um eine neue Rede auszuarbeiten, die den veränderten sich die ersten Mietstasernen der Stettiner Vorstadt in das Verhältnissen Rechnung trug aber sie wollte ihm nicht ge- Gesichtsfeld des Schienenweges. Man bringt die Kleider in lingen . Gestern deklamierte er die paar Säße, die er sich Ordnung. Die Männer knöpfen die Kragen um. abgequält hatte. Die große" Rede dieses sonst so leistungs- fack wird zugebunden. Alles irgendwie Entbehrliche und fähigen Bielschwägers war so klein geraten, daß manche seiner Ueberflüssige ist zuvor durch das wieder heruntergelassene eigenen Parteifreunde, als er jäh abbrechend auf seinen Sitz Coupéfenster geflogen. Nun hat die Erwartung das letzte zurückplumpfte, verwundert zu ihm hinüberblickten. ad Duentchen Müdigkeit aus den Augen geblasen. Die Erregung Gegen die Sozialdemokratie hatte er kein Wort zu sagen wächst größer und größer. Die meisten sind von den Sitzen gewagt. Erst unser Genosse Pfannkuch gab ihm die Ge- emporgesprungen und trippeln, neugierig ausschauend, von legenheit, sein bekümmertes Herz doch noch durch etliches Ge- einem Fuß auf den anderen. Ueber zahllose Weichen rollt schimpfe über die Sozis erleichtern zu können. Pfannkuch er- jetzt stuckernd der Zug. Schwarz öffnet sich die Stettiner flärte furz und bündig, daß die sozialdemokratische Fraktion Bahnhofshalle. Der warme Glanz des gerade erwachten dem Magistratsantrag auf Einführung des Verhältniswahl- Pfingstsonntagmorgens schmiegt sich um die Eisenpfeiler und systems für die Gewerbegerichtswahlen zustimmt. Auf ein Backsteinmauern des Bahnhofsgebäudes. Die Strapazen der Hört! hört!" der Freisinnigen antwortete er mit Festnage- fast ganz durchwachten Nacht sind vergessen. lung der Tatsache, daß der Berliner Freisinn nur Der Zug hält. Die Türen werden aufgerissen. Und wie müssen, wenn sie bei Abschluß der Wahl im Wahllokal aus parteipolitischen Motiven das Verhältnis- fich der Menschenstrom bei der Abfahrt in die Coupés hinein. anwesend find, sofort, sonst binnen drei Tagen, nachdem wahlsystem für die Wahlen zum Gewerbegericht einführen gezwängt, so drängt und quillt er jetzt aus ihnen heraus. ihnen die Wahl angezeigt ist, erklären, ob sie dieselbe will. Er stellte auch fest, daß eine früher vom Genossen Zwei Tage Freiheit von der Hast und dem Heßen der annehmen. Annahme unter Vorbehalt sowie das Aus- Singer abgegebene Erklärung sich gerichtet hat lediglich gegen Großstadt liegen vor den Extrazüglern, den kleinen Leuten, bleiben der Erklärung binnen drei Tagen gilt als Ab- diese Art und Weise, das Verhältniswahlsystem nur da einzu- die sich den Lurus einer mehrwöchigen Sommerreise nicht er­lehnung. führen, wo für den Freisinn in seinem ohnmächtigen Kampfe lauben tönnen und daher mit dem billigen Vergnügen einer Soweit uns bekannt, haben im großen und ganzen die gegen die Sozialdemokratie ein armselig Wahlpro- zweitägigen Pfingstfahrt, die ihnen wohl Abwechselung, aber gewählten Wahlmänner sofort nach Abschluß der Wahl die fitchen herausgeschlagen werden kann. Eine Anspielung feine Erholung bietet, fürlieb nehmen müssen. diesbezügliche Erklärung dem Wahlvorstande zu Protokoll ge- Pfannkuchs auf das Ergebnis der Landtagswahlen geben und daraufhin ihre Wahllegitimation zum Zwecke der fuhr natürlich dem durchgefallenen Goldschmidt in die Die juristische Sprechstunde des Vorwärts" fällt Ausübung der Abgeordnetenwahl ausgehändigt erhalten. Krone. Er schimpfte, die Sozialdemokratie verdanke ja ihre am Pfingstsonnabend und am dritten Feiertage aus. Wo aber aus bestimmten Gründen es dem Wahlmann Erfolge nur ihrem Terrorismus, und er suchte sich über Wir bitten unsere Leser, davon Notiz nehmen zu wollen. nicht möglich war, im Wahllokale anwesend zu sein, um seine seinen Schmerz hinwegzuschwindeln mit der Prahlerei, bei Wahlreklame. Am Wahltage haben es sich die Nationallibe­Erklärung abzugeben, da wird derfelbe gut tun, das fofort einer geheimen Wahl wäre das Ergebnis anders" gewesen. ralen in Moabit etwas foften lassen. Zwei Droschtenautomobile nachzuholen und seine Legitimation für die Wahl am 16. Juni Er schwagte auch allerlei von einem Rückzug", den jetzt in fuhren in Moabit herum mit drei riesigen Plakaten, auf denen zu in Empfang zu nehmen. Diese Erklärung fann nachträglich Sachen der Verhältniswahl die sozialdemokratische Fraktion lesen war: Wählt nationalliberal!" Wir haben an sich nichts da beim Wahlvorsteher des Bezirks, und wenn dieser die Wahl- antrete. Pfannkuch kennzeichnete das als Unsinn, für uns gegen, möchten aber glauben, daß, wenn Sozialdemokraten in dieser protokolle bereits aus den Händen gegeben hat, auf dem Sozialdemokraten bilde gerade das Verhältniswahlsystem eine Weise Blafate mit der Aufschrift: Wählt Sozialdemokraten!" um­Wahlbureau, Poststraße 16, abgegeben werden. Es muß unter grundsätzliche Forderung, während es dem Frci- herfahren lassen würden, die Polizei sich sofort auf den§ 39 der allen Umständen darauf geachtet werden, daß uns keine sinn höchstens als Trick zur Korrigierung des Wahlglückes Droschtenordnung berufen würde. Dieser Paragraph besagt näm­Wahlmannsstimme bei der Abgeordnetenwahl verloren geht. diene. So endete dieses interessante Wortgefecht. Herrn lich, daß Droschten nicht zu Reklamezwecken verwendet werden Goldschmidts Aufschrei aus gepreßtem Freisinnsherz war ein dürfen. Aber wir wissen ja: Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. gar nicht übler Epilog zu den Landtagswahlen. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Um Selbstentzündungen aufgestapelter Breßkohlen zu ber­Auf der Tagesordnung stand gestern unter anderem der meiden, müssen die Preßkohlenstapel, worauf das beteiligte Publis Magistratsantrag, der für die Gewerbegerichts­tum besonders hingewiesen wird, auf je 2 Meter Länge Ventia wahlen die Einführung des Verhältnis. Schon lange vor dem fahrplanmäßigen Abgang des lationsfanäle in ihrer ganzen Tiefe und Höhe erhalten. Diese Kanäle lassen sich leicht dadurch herstellen, daß zwei Preßkohlen mit wahlsystems fordert. Er entspricht einem Bedürfnis, Buges füllen fie in dichtgedrängten Scharen den Vorraum zu 6 Bentimeter Zwischenraum als Läufer und über dieselben gleich­das vom Berliner Freifinn als ein dringendes nur deshalb den Bahnsteigen. Leute sind es, die sich eine andere Er- falls zwei Breßfohlen mit demselben Zwischenraum als Binder und empfunden worden ist, weil in Berlin bei den Wahlen zum holungsreise als diese Pfingsttour nicht Leisten können! in der gleichen Weise durch den ganzen Stapel flach hingelegt Gewerbegericht der Freisinn nur noch ein win- Handlungsgehilfen, fleine Gewerbetreibende, Arbeiter der werden, und zwar dergestalt, daß dadurch nicht nur ein senkrechter ziges äuflein der Arbeitnehmer hinter besser bezahlten Berufe und Unterbeamte, die einen Teil der Luftkanal, sondern auch zwei sich kreuzende horizontale Kanäle ge­sich hat und von der Uebermacht der Sozialdemokratie er- anfangs Juni erhaltenen Teuerungszulage für diese Extra- bildet werden. drückt wird. fahrt angelegt haben. In den absonderlichsten Kostümen sind Zu dem Antrag, den der Magistrat jetzt den Stadtver- fie gekommen, als ginge es zu einem Maskenball und nicht ordneten vorgelegt hatte, mußte als Wortführer des Freisinns zu einer Pfingstsprißtour an die See. In den Farben der selbstverständlich Herr Goldschmidt sprechen. Wer sonst Kleidung dominiert das Grün der Lodenjoppen und das hätte sich besser hierzu geeignet als er, der berühmte" A r- Weiß der Frauenblusen. Allen blitt die helle Freude aus beiterfreund! Nun hatte des Zufalls Tücke es ge- den sonst so müden Großstadtaugen. Und ein Lachen zuckt fügt, daß der Gegenstand just am Tage nach den Land- von Zeit zu Zeit um die Mundwinfel, wenn ein echter tagswahlen zur Verhandlung fam. Vor den Wahlen Berliner Stalauer über die Langeweile des Wartens ein wenig mag Herr Goldschmidt diesen Zufall als einen freundlichen hinweghilft. gepriesen haben. Die Rede, die er für die gestrige Stadtver- Als dann die Sperrtetten an der Fahrkartenkontrolle schweigischen Landschullehrers, der Journalistik zugewandt, nachdem ordnetensizung präpariert hatte, dürfte ganz auf den Ton fallen und sich der lachende, schwazende Menschenstrom dem er einige Zeit bei dem Reichstagsabgeordneten Ridert als Sekretär Er kam als politischer Redakteur an das des Sieges" von vorgestern gestimmt gewesen sein. Doch Extrazuge zuwälzte, was trotz der Haft jedes Einzelnen doch gearbeitet hatte. es fam anders. Herr Goldschmidt, der im Wahlkampf den nur langsam und allmählich geschieht, da fällt wohl manches Bl. Tgbl.", dem er mehrere Jahre angehörte, bis er sich mit dem Arbeitern zugerufen hatte, nicht darauf komme es an, was Fluchwort, wenn ein Regenschirm oder ein Spazierstod dem Verlage veruneinigte; später war er als Redakteur in Rostoc tätig, man fordere, sondern darauf, was man erreiche, hatte von Vordermann zwischen die Rippen gerät, oder wenn ein extra nach Berlust dieser Stellung fand er teine andere mehr. Der Gram darüber sowie ein schweres Nerven- und Herzleiden trübten ihm den Wählern des fünften Landtagswahlkreises gefordert", genagelter" Touristenstiefel sich auf die zarten Pedale eines die letzten Lebensjahre. Wie so viele seiner Leidensgenossen suchte Daß sie in ihm den wahren Arbeiterfreund" sähen und pfingstfidelen Jungferleins verirrt. Aber der Berliner ist er seine Schmerzen durch Alkohol zu betäuben und kam so in den erreichte", daß sie ihn zu den Toten warfen. Und nach gemütlich. Er schimpft wohl, doch sein Zorn ist rasch Ruf eines Trinters. Der einst so lebensluftige heitere Mensch ist folchem Erfolge" follte der Arme feine wohlvorbereitete verraucht. Als sie dann endlich, vom Bufall aunun einsam und verbittert gestorben.

-

Jm Extrazug.

Die durch letztere stattfindende Lufterneuerung erscheint ge­eignet, Selbstentzündungen der Breßkohlen zu hindern.

Von Stufe zu Stufe. In seiner Wohnung, Ahornstr. 3 au Steglig, tot aufgefunden wurde am Dienstag der Redakteur und Schriftsteller Nicolai. Da das Ableben des N. unter eigen­artigen Begleitumständen erfolgt war und Selbstmord vermutet urbe, rief man die Polizei und den pratt. Arzt Dr. Wegner her­bei, der als Todesursache Herzschlag feststellte. N.3 Frau, die einst mit ihm bessere Tage gesehen, hatte ihn bereits vor kurzem ver­Heinrich Nicolai hatte sich, als Sohn eines braun­

laffen.

"

-