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Ii. 134. 2S. Iahrglwg. 1. KeilM Ks Joraätb" Dklimr WllsM iranrtsfng, II. Zmi 1908. 19. Internationaler ßergarbelterltongreß. II. KaxiS. 9. J�ini. Den Borfitz führt Lamendin-Frankreich . Der Salzburger Kongreß hatte fast einmütig beschlossen, dem Internationalen Komitee aufzugeben, für eine einheitliche Rege- lung der Frage der Vertretung auf den internationalen Kongressen zu sorgen. Das Internationale Komitee schlägt folgende, von Hue begründete Resolution vor: Der Kongreß erkennt für jedes Land nur eine Vertretung an. Wo in einem Lande mehrere selbständige Bergarbeiter- Organisationen bestehen, da haben sich diese über eine gemein- same Kongreßdelegation zu verständigen. Sondervertretungen sind von der Teilnahme am Kongreß ausgeschlossen. Jede Landesvertretung prüft zunächst provisorisch die Mandate ihrer Delegierten. Die endgültige Beschlutzfassung über die Gültig- keit der Mandate ist das Recht des Kongresses."- Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Dann wird in die eigentliche Tagesordnung eingetreten und zunächst über die Frage der Berlürzuag der Arbeitszeit verhandelt. Die Bergarbeiterföderation Englands legt folgende Resolution vor: Da der Widerstand gegen die Vorlage zur Einführung des Achtstundentages in der Bergwerksindustrie zunimmt, richten wir an die Mitglieder aller Nationen, die der Internationalen Föderation angehören, den Appell, noch größere Anstrengungen zu machen, um die Regierungen ihrer Länder unter Benutzung aller Mittel, die in ihrer Macht stehen, zu zwingen, den Acht- stundentag für Bergleute einzuführen und nicht eher zu ruhen, bis der Achtstundentag krom banlc to dank(von der Oberflache zur Oberfläche) in jedem Lande gesetzlich festgelegt ist." Begründet wird die Resolution von dem einflußreichen Führer der Bergarbeiter von Südwales W i l l i a m B r a c e. der Mit- glied des Unterhauses ist. Für England ist, so sagt er, die Frage des Achtstundentages für die Bergarbeiter aus dem Stadium der akademischen Diskussion hinausgekommen. Die englischen Berg- arbeiter stehen heute am Vorabend eines großen Sieges. Die Re- gierung hat dem Parlament ein Gesetz vorgelegt, das den Acht- stundentag für die Bergarbeiter bringt und hoffentlich kann dem nächsten internationalen Kongreß die Annahme des Gesetzes be- richtet werden. Aber noch sind große Widerstände zu überwinden. Eine lügenhafte Agitation gegen den Achtstundentag hat, genährt vom Gelde der Grubenlords, gegen die Vorlage eingesetzt. Schon bei den Wahlen sind ungeheure Summen von dieser Seite ver- wendet worden. Jetzt werden überall Resolutionen fabriziert und Gemeindevertretungen gegen den Achtstundentag mobil gemacht. Man behauptet, die Industrie werde ruiniert werden.(Rufe bei den Deutschen und Oesterreichern: Ganz wie bei uns!), der Kohlen- preis werde steigen usw. Aber das größte Aktivum eines Volkes ist das Leben seiner Mitglieder, nicht das Interesse der Kapitalisten. Ter Widerstand der Grubenbesitzer ist um so unberechtigter, als sie ein Jahr größter Prosperität hinter sich haben und die Berg- werke 40 bis 60 Proz. Dividende verteilt haben.(HörtI hört!) Die Bergarbeiter Englands sind aber entschlossen, die Vorlage durchzudrücken. Der Achtstundentag ist für sie gewiß auch auf gewerkschaftlichem Wege zu erreichen. Aber sie glauben, daß für den Achtstundentag in Bergwerken so sehr die Interessen des ganzen Volkes sprechen, daß das Parlament ihn gesetzlich festlegen muß. Sollten freilich die Großkapitalisten die Verschleppung oder Verwerfung der Vorlage erreichen, dann würden die englischen Bergarbeiter auf direktem Wege den Achtstundentag erkämpfen. (Lebhafter Beifall.) Außer der englischen Resolution liegen nachfolgende An- träge vor: Frankreich :»Wir sind der Ueberzeugung, daß es an der Zeit ist, Maßregeln zu treffen, um die Verwirklichung eines acht- stündigen Arbeitstageskrom dank to dank"(von der Oberfläche bis zur Oberfläche) für alle Ober- und Untertagsarbeiter zu be- schleunigen." Belgien : Die Dauer des Arbeistages darf in Gruben mit normaler Temperatur acht Stundentrom dank to dank" nicht überschreiten. Die Arbeitszeit darf höchstens sechs Stunden in Gruben betragen, in denen schlagende Wetter in großem Um- fange vorkommen, oder die eine hohe Temperatur aufzuweisen haben. Diese Arbeitszeit sollte auch in den Gruben herrschen, in denen die Feuchtigkeit die Gesundheit der Arbeiter schädigt. kleines Feuilleton. Eine Petition der russischen Mohammedanerinnen. ES scheint fast, als ob alles Verbesserungsbedürftige noch schlechter wird, sobald es Rußlands Boden betritt. Für die Frau ist der MohammedaniSmus gewiß nicht die Religionsform, in welcher sich ihre Fähigkeiten ftei entwickeln könnte; aber die russischen Mohammedannerinnen be- neiden ihre Schwestern in der Türkei , Arabien und Aegypten um ihre glückliche Stellung. Eine große Anzahl von Frauen aus der russischen Provinz Orenburg , die lauter Mohammedanerinnen sind, haben an die mohammedanischen Dumaabgeordneten eine Petttion gerichtet, die nichts ist als ein einziger langer Hilferuf. In der Petition heißt es unter anderem: obgleich unsere Religion und der Koran unS befreit haben aus unwürdiger Knechtschaft, halten uns unsere Männer doch in Bedrückung und zwingen uns zur Erfüllung ihrer Launen. Unser Gesetz erlaubt den Frauen, die Moschee zu besuchen, nach Mekka zu pilgern, Geschäfte abzuschließen, Wechsel zu unterschreiben und bann- herzige Schwestern zu werden. In Arabien haben Mohamniedane- rinnen Gesellschaften gegründet, Spitäler gebaut und Bücher geschrieben. Wir aber dürfen nicht einmal den Koran lesen. Wir sind in unseren vier Mauern eingesperrt und unsere Männer können sich so viel Lieblingsfrauen nebenher halten als sie wollen. Wir sterben meistens infolge der vielen Arbeit jung und unsere Männer sitzen in den Kneipen� mit Frauen, die alle Frauenwürde längst vergessen Habel?. Es ist eure Pflicht, Abgeordnete, für uns einzutreten. Wir sind die Mütter der Rasse und die Freunde der Männer. Wenn aber die Männer ihr Verhalten nicht ändern, dann werden auch sie zu Sklaven werden und unsere Rasse wird zugrunde gehen. Man sieht, es wetterleuchtet überall, in allen Konttnenten tn der Bewegung der Frauen. Theater. Deutsches Theater. Sommergafispiel. Die Brett'l» g r ä f i n. Vaudcville, Musik und Text von Georg Verö. Die Bühne Reinhardts wird sich für die Sommermonate in eine Art Metropolthcater verwandeln. Das ungarische Singspiel ist, ähnlich wie dort die Revuen, nur ein Vorwand, der Gelegenheit zu möglichst bunten glänzenden Kostümparadcn und zum Auftreten eines Varietestcrncs bietet. Die Firmen, die sich durch Lieferung von Kutschen, Sportsklcidern und Fahrrädern um dies Werk der Kunst verdient gemacht, figurierten gleich Hauptakteuren auf dem Theaterzettel. Und je größere Zumutungen der Dichter an die Phantasie der Garderobenkünstler stellt, um so bescheidener sind seine Ansprüche an die eigene Erfindungskraft. Was er an Geist be» seinen Monte-Carlo -Hclden abspart, legt er ihnen dafür an Barem zu. Der Herr Graf, dem seine Tante, die ehemalige Brett ldiva, drei Akte lang in allen möglichen Toiletten zusetzt, bis er sie heiratet, zahlt hunderttausend Frank, seinen ganzen Tagesverdienst an der Spielbank, für einen gestohlenen Familien- 1 Deutschland und Oe st erreich: Durch die Landes- gesetze ist die Schichtzeit für alle Arbeiter in der Bergwerksindusttie auf höchstens acht Stunden zu beschränken. In den unterirdischen Betrieben ist bei hoher Temperatur nur eine höchstens sechsstündige Schicht zu gestatten. Q u i n t i n(Norddepartement) begründet den französischen Antrag, der sich etwas von dem englischen unterscheide; denn in Frankreich wurde 1S0S ein Gesetz, die lex Bcmdenoot, angenommen, die die Arbeitszeit in den Gruben oerkürzt. Dies Gesetz mit seinen vielen Ausnahmebestimmungen ermöglicht den Unternehmern, den Arbeitern soviel Ueberstunden aufzudrängen, daß oiese die Regel bilden. Dank der gewerkschaftlichen Agitation Hätz die Kammer jetzt dem Senat eine neue Vorlage unterbreitet, die als Abschlags- zahlung gelten kann und für bestimmte Kategorien von Arbeitern die Arbeitszeit verkürzt. Deshalb wird sie nicht nur von den Handelskammern, dem Kapital und der kapitalistischen Presse be- kämpft, sondern auch von dengelben" Gewerkschaften, die eine besondere Protestdelegation an den Senat gesendet haben. Trotz- alledem werden die französischen Bergarbeiter solange kämpfen, bis sie den Achtstundentag einschließlich Ein- und Ausfahrt errungen haben.(Bravo !) I a r o l i m- Oesterreich begründet den Antrag Deutschlands und Oesterreichs , dem er den Vorzug vor den übrigen Anträgen. gibt. Der englische Antrag schließt die Obertagsarbeiten von der Forderung des gesetzlichen Achtstundentags aus, ebenso der belgische. Der Ausdruckvon Bank zu Bank" sei mißverständlich und es sei klarer, zu sagen, daß die Ein- und Ausfahrt in die acht Stunden mit einbegriffen sein sollen. Hier müsse Klarheit vom Kongreß geschaffen werden.(Bravo !) Maroille- Belgien : Die belgische Regierung veranstaltet seit einiger Zeit Enqueten im In- und Auslande über die Ver- kürzung der Arbeitszeit. Natürlich erklären sich die Unternehmer dagegen, aber die ungeheure Mehrzahl der Arbeiter(nur bM stimmten dagegen) ist dafür. Die belgischen Arbeiter sind ent- schlössen, den Achtstundentag zu erkämpfen; sie hoffen auch, ihn im nächsten Jahre zu erringen, gegebenenfalls durch energischere Mittel als die rein parlamentarischen.(Bravo !) Die Delegationen Englands, Frankreichs und Belgien ? er- klären sich damit einverstanden, daß die Forderung des gesetzlichen Achtstundentages auf die Uebertagarbeiten ausgedehnt werde. (Bravo ! bei den Deutschen .) Die Engländer erklären weiter, daß der Ausdruck krom dank to dank einschließlich Ein- und Ausfahrt bedeute. Sachse: Das muß protokolliert werden. ISVö beim großen Bergarbeiterstreik hat uns der Vertreter des Ministers, Unter- staatssekretär von Velsen, bei den Verhandlungen mit der Siebenerkommission gesagt, krom dank to dank heiße einschließlich der Einfahrt, aber ohne die Ausfahrt! Abraham, Mitglied des Parlaments: Der Ausdruck krom dank to dank ist nie anders verstanden worden als: Ein- und Ausfahrt einbegriffen. Die Vorlage der englischen Regierung will freilich in den Achtstundentag nur die Einfahrt und nicht die Ausfahrt einschließen, aber das hat mit dem Ausdruck unserer Resolution nichts zu tun. Schmidt(Gewerkverein Hirsch-Duncker) fragt an, was unter dem Ausdrucknormale Temperatur" im belgischen Antrag zu verstehen sei. In der Regierungsvorlage von 1905 habe sich die (vom Abgeordnetenhause gestrichene) Bestimmung befunden, daß in Gruben mit einer Temperatur von über 22 Grad Celsius der sanitäre Arbeitstag von 8 Stunden gelten solle. Dafür sei die Be- stimmung getroffen worden, daß in Gruben mit einer Temperatur von über 28 Grad Celsius nur 6 Stunden gearbeitet werden dürfe. Leider werde diese Bestimmung vielfach umgangen. Die Thermo- meter, die die Arbeiter selbst mit in die Gruben brächten, taugten nach Ansicht der Grubenherren nichts. Komme ein Revierbeamter zur Kontrolle, so werde eine sonst nicht vorhandene Ventilation durch Oeffnung der einen und Schließung der anderen Wettertür hergestellt, so daß die Temperatur viel niedriger als sonst sei. (Sehr richtig!) Maroille- Belgien erklärt, unter normaler Temperatur verständen sie eine Temperatur, die man unter gewöhnlichen Um- ständen aushalten könne.(Heiterkeit bei den Deutschen . Rufe: Was kann man nicht alles aushalten! Selbst 37 Grad.) H u e: Das beste ist, der Ausdrucknormale Temperatur" wird gestrichen. Vor der Abstimmung wird der Bericht der MandatsprüfungS- kommifsion entgegengenommen. Alle Mandate sind für gültig er- klärt worden. England ist durch 75, Deutschland durch 17, Frank­ reich durch 27, Oesterreich durch 2, Belgien durch 10 Delegierte vertreten. Die amerikanischen Delegierten sind noch nicht ein- getroffen. Die englischen Delegierten vertreten 096 1S4 Organi­schmuck und sein Rivale, ein Amerikaner, hat von dem Milliardärs- papa gar den Auftrag erhalten, zum Beweise seiner Tüchtigkeit eine runde Million in Nizza zu verlumpen. Wenn trotzdem der Abend nicht unter dem Zeichen der Langeweile stand, ja, wenn nach jedem Fallen des Vorhanges stürmischer Applaus einsetzte. so war das Sari Fedak , dem Stern, den sich die Direktion als Brett'lgräfin aus Budapest verschrieben, zu danken. Der Stimme fehlte es an Wohllaut, aber Erscheinung, Spiel und die Art des Tanzes patzten wunderbar zu jener Sorte von Eva- Triumphen, die das Vaudeville verherrlichen. Sie wurde Typus. Man konnte die Albernheiten der Intrige vergessen und an Wede- kinds Lulu denken. Von den übrigen wäre nur noch Herr Waßmann zu nennen, dessen unverzagter Humor der Dummen- Jungenrolle des Amerikaners ein paar drolliae Posseneffekte ab- gewann. dt. Hpmor vnd Satire. Der Pfingstochse. Sie machen wahrlich ein Theater. Als zög' durchs Dorf der Landesvater; Und'? ist doch nur ein großes Vieh, Gefräßig, fromm und dumm wie sie. Den Leib bebändert und bewimpett, Glotzt er so selbstbewußt-versimpelt, Auf dickem Kopf den Lorbeerkranz, Und wackelt dankbar mit dem Schwanz. Mit schlecht verhaltener Ekstase Trägt er den Ring in seiner Nase Und folgt, das Kummet im Genick, Als freier Souverän dem Strick. Stolz sin Belvußtsein seiner Würde, Trägt er der Bänder schwere Bürde. Voll Neid betrachtet ihn die Kuh, Er aber lächelt gnädigMuhl" O Rindvieh, deine Milch zu geben, Damit die andern davon leben! Schon Solomon sagt ohne Scheu: Das ganze Leben ist nur Heu. Drum wer des Lebens sich will freuen, Soll ftessen nur und wiederkäuen; Dann schmückt ihn bald mit buntem Band Das ttefgerührte Vaterland." Edgar Steiger . Einem Prediger, dessen Liebe zu guten Honoraren stadt - bekannt ist, passierte an der Bahre eines Armen folgende Ent- gleisung. Zu den Angehörigen:Dunkle Schatten der Not jagten über euch hinweg, grau war stets euer Himmel, und ich sehe keinen blauen Scheiu."(.SimplicissimuS.') sierte von 940 613 in England arbeitenden Bergarbeitern, die Deutschen 146 400 Organisierte von 732 084 Bergarbeitern. Im Ganzen vertreten die 131 Delegierten 809 204 organisierte Berg- arbeiter unter 1 893 039 arbeitenden Bergarbeitern. Nach der Mittagspause wird die Abstimmung über die Reso- lutionen zum Achtstundentag vorgenommen. In der belgischen Resolution werden die Wortenormale Temperatur" gestrichen. Nunmehr werden alle vier Resolutionen einstimmig angenommen. Die nächste Frage, die den Kongreß beschäftigt, ist die des M i n i m a II o h n s. Frankreich beantragt: Allen Bergarbeitern soll ein Minimallohn garantiert werden. Deutschland und Oesterreich fordern: Auf dem Wege des Abschlusses von Tarifverträgen müssen die Bergarbeiter- organisationen einen Minimallohn festzulegen suchen. E v r a r d(Pas des Calais ) begründet den französischen An- trag mit dem Hinweise, daß der gesetzliche Achtstundentag die Festsetzung eines' Minimallohnes notwendig mache, weil sonst die Löhne mancher Arbeiterkategorie von den Unternehmern gekürzt werden würden. Ein durch Vertrag festgelegter Minimallohn be- steht in Frankreich nicht, wohl aber das ungeschriebene Abkom- wen, daß der Lohn eines Bergarbeiters nicht unter 6 Frcs.8 Zent. täglich betragen dürfe. Löffl er- Deutschland: Die Franzosen sind dann weiter als wir, und es wird ihnen leicht fallen, diese indirekte Anerkennung eines Minimallohnes durch Verttag festzulegen. Wenn auch noch nicht die Bergarbeiter, so haben doch zahlreiche andere Berufe den Minimallohn durch Tarifvertrag erreicht und sie sind ohne Aus- nähme gut dabei gefahren. Die deutschen Bergarbeiterlöhne zeigen die größten Verschiedenheiten, obwohl die Unterhaltungs-' kosten in allen Revieren ziemlich gleich sind. Selbst in den ein- zelnen Gruben und bei den einzelnen Arbeitsstellen derselben Grube ist der Lohn verschieden, namentlich dort, wo das getrennte Gedingesystem eingeführt ist. An diesem System halten die Unternehmer mit größter Zähigkeit fest, weil es zur Uneinigkeit unter den Arbeitern führt, wobei ihr Weizen blüht. Diese Zer­fahrenheit könnte und müßte durch den Abschluß von Tarifverträgen von Organisation zu Organisation beseitigt werden. Die Möglich- keit solcher Tarifverträge für die Bergwerksindustrie ist von Autoritäten, wie dem Bergrat Gothein, anerkannt worden. In den letzten Jahren sind die Bergarbeiterlöhne in Deutschland schein- bar gestiegen. So betrug der Durchschnittslohn für den Stein- kohlenarbeiter im Ruhrrevier 1900 4 Mk. 18 Pfg. täglich, 1907 4 Mk. 87 Pfg. täglich. Der preußische Staat zahlt im Saar - revier 1900 3 Mk. 06 Pfg., 1907 4 Mk. 2 Pfg. Im Halleschen Braunkohlenrevier bettug der Lohn 1900 3 Mk. 77 Pfg., 1907 3 Mk. 90 Pfg. Diese Lohnerhöhungen sind aber nicht durch Er-- höhung der Akkordpreise, sondern durch Mehrleistung erzielt worden. Für Oberschlesien ergeben die Nachweisungen, daß ein? Arbeiter 1904 für 3040 Mk. Kohlen im Jahre gefördert hat, 1907 aber für 4333 Mk. Der Wert der Produkte ist in 3 Jahren» also um 793 Mk. gestiegen, der Durchschnittslohn stieg in der- selben Zeit aber nur von 910 Mk. auf 1032 Mk. Der Produktions- anteil in Lohnform betrug 1904 für den Arbeiter 20.80 Mk. auf. je 100 Mk. Produktionswert, 1907 aber nur 23.80 Mk. Nimmt man hinzu, daß der Wuckjertarif von 1902 die Preise aller Lebens- mittel in die Höhe getrieben hat, so ergibt sich, daß sich die Loga- der deutschen Bergarbeiter tatsächlich verschlechtert hast Das! müssen jetzt selbst die Christlichen zugeben, die 1902 mit solchem Eifer für den Zolltarif eingetreten sind. Auch sie sagen, daß die Bergarbeiter von der flotten Geschäftskonjunktur keinen Vorteil gehabt haben. Um so notwendiger ist der Abschluß von Tarif- Verträgen, die einen Minimallohn festlegen.(Lebh. Beifall.) i Corpus , Vertreter der polnischen Bergarbeiter, erklärt in polnischer Sprache seine Rede wird von Cingr ins Deutsche übersetzt, daß die Organisationen den Abschluß von Tarifver- trägen, die den Minimallohn brächten, erzwingen müßten.> Desjardins- Belgien weist darauf hin, daß zur Durch- führung des Minimallohnes nicht bloß ein Gesetz, sondern auch die Aktion der Arbeiter gehöre, die die Beobachtung des Gesetzes erzwinge.» OnionS-WaleS hält persönlich die deutsche Resolution für besser, als die französische. Die deutsche Resolution fordert die Gewerkschaften auf, durch den Abschluß von Tarifverträgen den Minimallohn zu erreichen, die französische scheine vom Staate den Minimallohn zu erwarten. In Wirklichkeit sind es aber immer nur die Organisationen, die durch ihre Kraft den Minimallohn durchsetzen.(Beifall.) In England hat sich der Minimallohn durch die Tätigkeit der Organisation eingebürgert. Gegenwärtig ist ein neuer Abschnitt eingetreten: in Gruben mit besonders schlechten Arbeitsverhältnissen wurde der Minimallohn von den Häuern nicht Notizen. Unentgeltliche Volksmusikschulen wurden aus dem vierten Musikpädagogischen Kongreß, der eben in Berlin tagt, in Vorschlag gebracht. Sie sollen vom Staate oder von den Städten geschaffen werden und jedermann Gelegenheit bieten, unentgeltlich gute Musik zu erlernen. Es wurde dabei auf London und Paris hingewiesen, wo ähnliches bereits durchgeführt ist. Ein Vertreter der Stadt Charlottenburg stellte die Errichtung einer solchen Anstalt für später in Aussicht. Die Bildwerke von Olympia , die bei den deutschen Ausgrabungen gefunden wurden, sind in Gipsabgüssen im N e u e n Museum aufgestellt worden. Sie waren bisher so gut wie un- zugänglich, jetzt stehen sie an gehöriger Stelle zusammen mit den übrigen Gipsabgüssen und ermöglichen eine genaue Betrachtung. die durch verkleinerte Modelle ihrer ursprünglichen Anordnung unter- stützt wird. Die öffentliche Lesehalle der Deuffchen Gesell« schaft für ethische Kultur, Münzstraße 11. wird zum 1. Juli dieses Jahres nach der Rungestraße 2 5 2 7(Spreepalast). nahe der Jannowitzbrücke, verlegt werden. Dem soeben er« schienenen Jahresbericht der Lesehalle entnehmen wir, daß der Besuch im Jahre 1907 eine erhebliche Steigerung gegen das Vorjahr aufweist. Es wurden 92 210 Personen(gegen 84 139) gezählt. Im Winter erreichten die Sonntage, an denen die Lesehalle 3 Stunden lang geöffnet ist, einen Besuch von durchschnittlich 400 Personen. In der Lesehalle wurden 16 362 Bücher gelesen, nach Hause verliehen 13001, zusammen 34 363, von denen 9370, also 27 Prozent, wissenschaftlichen Inhalts waren. Gegen zweckloses Sammeln von Tieren und Pflanzen wendet sich die naturkundliche ZeitschriftKosmos" in den folgenden, beherzigenswerten Worten:Wir möchten bei dieser Gelegenheit(es handelt sich um die Anlage einer Schmetterlings- sammlung) wiederholt betonen, daß ein Sammeln nur dann Wert hat, wenn es systematisch nach wissenschaftlichen Grundsätzen erfolgt. Gegen die sinnlose Sammelwut, die leider besonders einen großen Teil der Schuljugend erfaßt hat, müssen wir energisch Front machen und erachten es als Ehrcnpflichh jedes einsichtigen Naturfreundes, namentlich der dazu in erster Linie berufenen Lehrer, hiergegen an- zukämpfen. Durch die Jagd nach seltenen Arten sind manche der Gefahr vollständiger Ausrottung nahegebracht. Es gilt dies ebenso vom Käfer- und Pflanzensammeln. Nur Iver durch Einsicht in das Naturleben den schuldigen Respekt vor seinen Lebensäußermigen ge» Wonnen hat, sollte zur Anlage einer Samnilung berechtigt sein, das bloße Wegfangen und Aufspießen bezw. Abreißen und Pressen der Naturobjekte fördert die Bildung so wenig Wie mechanisches Aneignen von totem Gedächtniskram!"