Berufes zu fügen. Organisierte Arveiter, die alljährlich regel- mähig unrmterbrocheu länger als drei Monate zu einem und dein» selben Berufe übertreten, müssen sich immer der Organisation des Berufes ansckliehen, in dem sie arbeiten. Arbeiter, die dauernd in zwei Berufen rätig find, haben sich der Organisation deS Haupt- berufes anzuschließen. Diese Arbeiter haben sich in ihrem Neben- beruf bei Lohnbewegungen und sonstigen Differenzen den Beschlüssen der in Frage kommenden Organisation zu fügen. 4. Wenn in einem Betriebe Angehörige verschiedener Berufe beschäftigt sind, dann dürfen die einzelnen Arbeiter nur in die- jenige Organisation aufgenommen werden, welche für ihren Beruf besteht. Abweichungen von dieser Regel sind nur statthaft auf Grund vorheriger bestimmt begrenzter Bereinbarungen zwischen den beteiligten Zentralinstanze». Letzteres gilt auch für die Aufnahme vereinzelt beschäftigter beruflicher Arbeiter in Gemeinde», Staats- und Genosienschafrsbetrieben sowie für Arbeiter, für die am Orte eine Orgaitisation ihres Berufes nicht besteht. 5. Sofern besondere Kartcllverträge über die gemeinsame Behandlung von Lohnbewegungen, Streiks und Aussperrungen nicht bestehen, haben bei Bewegungen, die mehrere Berufs- organisationen umfassen oder Weiterungen für solche erwarten lassen, die betroffenen Verbände sich vorher sowohl über die Inszenierung und Durchführung der Lohnbewegung, als auch über die Unterstützung der Nichtorganisierten zu einigen. Bei genieinsamen Streiks, wie auch bei Beteiligung einzelner Mit- glieder anderer Gewerkschaften an Ausständen unterstützt jede Organisation nur die eigenen Mitglieder. 6. Von etwa abgeschlossenen Kartellverträgen ist der General- kommission durch Uebermittelung einer Abschrift Kenntnis zu geben. Die Redaktionskommisflon: Brey, Fabrikarbeiter, Etzel, NahrungZ- und Genuhmittel, Himpe l. Transportgewerbe, Husemann, Bergarbeiter, R a i t h, Holziitdustrie, R e i in e r s, Textilindustrie, Röske, Baugewerbe, Scheffler, Metall- industrie, S i l l i e r, Graphische Gewerbe, S i m o n, Bekleidungs- industrie und E m m a I h r e r, die anderen Beruft.' Die NedaltionSkommission ergänzt nachträglich diese Resolution Noch durch folgenden Zusatz: „Wird ein Mitglied einer Organisation, welches im Auftrage einer anderen Organisationsleitung agitatorisch oder gcwerkschaft- lich tätig ivar, wegen dieser Tätigkeit gemahregelt oder in ein Slrafverfahren verwickelt, so hat die Organisation die Kosten zu tragen, in deren Auftrag er gewirkt hatte.' Zu dieser Resolution liegen eine Reihe von AbänderungSanträgen bor , die sich snnitlich auf den Absatz 4 beziehen. Die Vertreter der Gemeindearbeiter sMohs, S ch u l tz k i u. a.) beantragen, den Absatz 4 ganz zu streichen. Träger sBrauereiarbeiter) will die ersten beiden Sätze des Absatzes 4 streichen und sie durch folgenden Wortlaut ersetzen: „Wenn in einem Betriebe Angehörige verschiedener Berufe beschäftigt sind, dann dürfen die einzelnen Arbeiter nur in die- jenige Organisation aufgenommen werden, welche für ihren jetzigen Gewerbebetrieb besteht, sofern die Zahl der Arbeiter der einzelnen Berussgruppen eine verhältnisinäßig erhebliche für ihre Berufsorganisation ist und sofern dadurch eine einheitliche Aktion bei Lobnbewegungen und Kämpfen um Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht beeinträchtigt, die Interessen der Gesamtheit der Arbeiter des Betriebes nicht geschädigt werden.' Schließlich beantragen Knoll und 21 andere zu'Absatz 4 Agenden Zusatz, den die Redaktionskommission a kz ep- i e r t n n d in ihren Antrag mitaufnimmt: „Gemeinde- und Staatsbetriebe, in denen Arbeiter ver- schiedener Bernfsarten technisch unabhängig von einander be- schäftigt werden, gelten in ihrer Gesamtheit nicht als.Betrieb' im Sinne dieser Resolution.' Berichterstatter der Redaktionskommission ist Simon- Nürnberg: Die Frage der Grenz st reitigkeiten kst ungemein schwierig, und ich habe hier eine unangenehme Auf- gäbe. Eine endgültige Entscheidung der Grenzstreitigkeiten wird auch heute nicht möglich sein. Wir wollten uns nicht um eine schwierige Ensscheidung herumdrücken, sondern e» standen ihr un- überwtn bliche Schwierigkeiten entgegen. Die Ent- Wickelung von Industrie und Technik hat in sich abgeschlossene Berufe überhaupt nicht mehr bestehen gelassen. Die einzige radikale Lösung wäre die verlockende Idee des allgemeinen großen Rrbeiterdundes. Aber natürlich stehen dem noch die größten Bedenken entgegen, können wir doch beiweiten noch nicht die allgemeine Einführung der Jndustrieverbände vom grünen Tisch aus allgemein dekretieren. Aber das will die Konunisfion noch einmal ausdrücklich hervorheben, daß eS nicht im allgemeinen Interesse liegt, noch lleinere Verbände zu gründen oder kleinere Verbände festzuhalten, wo die Möglichkeit zur Gründung von Jndustricverbänden gegeben ist. Eine ganze Reihe kleinerer Verbände könnten ohne Schwierig- keit in großen Judustrieverbänden aufgehen. Aber wir wollen das der fortschreitenden EntWickelung überlassen, und stellen mit Freude fest, daß seit dem letzten Gewerkschaftskongreß eine ganze Reihe von Verbänden sich verschmolzen hat. Die öffentliche Diskussion der Verschmelzungsfrage in der Fach- und Parleipreffe muß jedenfalls sehr vorsichtig geführt werden, soll sie nicht mehr schaden als nützen. Vor allen Dingen dürfen nicht die leitenden Personen der Fachverbände und Berufsorganisationen egoistischrr Motive bezichtigt werden.(Beifall.) Gute Meinungen und ehrlicher Wille sollten immer anerkannt werden. Jedenfalls gewiimt man unorganisierte Arbeiter nicht, wenn man sich in den Versammlungen über die zuständige Organisation streitet.(Heiterkeit.) In dieser Beziehung ist viel gesündigt worden. Es kommt gar nicht darauf an, ob diese oder jene Organisation ein paar Mitglieder hat, fondern nur darauf, wie sich die Arbeiter am besten organisieren. (Lebhaste Zustimmung.) Im einzelnen hat die Redaktionskommission gestern ihre Beschlüsse nach Ib'/z stündiger Beratung einstimmig ge- faßt. Neu sind gegenüber den'früheren Beschlüssen der Vorstände- konferenz die dreimonatliche Uebergangszeit statt der früheren sechs- wöchentlichen, die Zulassung der Organisation im Haupt- beruf statt im Haupt« und Nebenberuf und die Vor- schriften über die Zuziehung anderer Organisationen bei Streiks und Lohnbewegungen. Nach diesen einstimmigen Beschlüssen halte ich eine ausführliche Erörterung der ganzen Grenzstreitigkeiten mit ihren häßlichen Auswüchsen nicht für erforder- lich. Sie kommen doch zu keinem anderen Resultat als die Organi- fationSverhältnisse und die Enrwickelung der Industrie eS uns vor- schreiben.(Lebhafter Beifall.) Von den AbänderungSanträgen findet der der Gemeindearbeiter auf Streichung des Absatzes 4 nicht die nötige Unterstützung. Die Debatte wird auf morgen vertagt. Heute nachmittag wird eine Hafenrundfahrt und ein AuSflug nach der Lühe gemacht. vie verdrossenen. Die„Sozialistischen Monatshefte" bilden seit Jahren eine ver- gnüglich ausgebeutete Fundgrube unserer Gegner. Nicht eine Nummer dieser Sammelstelle aller Mißvergnügten und Verkannten, aller politisch Brosthasten und an bürgerlichem Heimweh Krankenden er- scheint, in der nicht an der Haltung der Partei und ihrer offiziellen Organe herumgenörgelt und herumgekrittelt wird. Bald sind eS die prinzipiellen Lehrsätze deS Marxismus , die zum 099. Male geloogen und zu leicht befunden werden, bald ist es die Stellungnahme der Partei zu Tagesfragen der Politik, etwa zur Flotten- und Kolonialpolitik, die ihr hochnäsiges Naserümpfen und schulmeisterliche Schelte zuzieht, bald sind es innere Partei- fragen die, den verantwortlichen Organen polternde oder spöttische Zurechtweisungen eintragen. Nur selten haben wir von diesen HerzenSergießungen schöner Revisionistenseelen Notiz genommen. Aber eS hieße doch die Gutmütigkeit bis zur Verletzung von Parteipflichten treiben, wenn wir dieses saubere Treiben nicht wenigstens ab und zu einmal, bei einem besonders anmutigen Anlaste, kennzeichnen wollten. Die Partei hat ein Interesse daran, zu erfahren, wie eS in den Köpfen von Personen aussieht, die nicht nur in der Partei eine gewisse Rolle spielen, sondern die obendrein noch die Rolle einer obersten Partci-BormundschaftL- behörde für sich beanspruchen. In der soeben erschienenen Nummer der„Sozialistischen Monatshefte' sind eS die Genossen Eduard B e r n st e i n und Joseph Bloch , die um die Welte Partei und Parteiorgane haar- beuteln. Eduard Bernstein hat die Entdeckung gemacht, daß die Wahlerfolge in Berlin neben der Kleinarbeit der Genvsten eigentlich ausschließlich der blockgegnerischen Agitation des„Berliner Tage- blatt", der„Morgenpost� und der„Volks-Zeitung' zu danken sind— denn der.Vorwärts' habe seine Sache spottschlccht gemacht und sich seiner Aufgabe wieder einmal nicht gewachsen gezeigt. Man höre: „ES widerstrebt mir anS leicht begreiflichen Gründen, am Organ der Partei in Berlin , dem„Vorwärts", Kritik zu üben. Eine Feststellung kann ich indes nicht umgehen. Wenn sich die Aufgabe deS literarischen Führers im Kampf darin erschöpfte, in Sprache und Argunient tv ahlloS nach rechts nn d links drein zuschlagen, so wird wohl nie- mand dem„Vorwärts" das Zeugnis versagen, daß er dieser Aufgabe nach Menschcnmvglichkeit nachgekommen ist. An Kraft der Ausdrücke hat er es nicht fehlen lasten. Dagegen wird die Redaktion, wenn sie die Nummern ihres Blatte? aus der Wahlperiode nachträglich durchliest, wohl selbst zu der Erkenntnis kommen, daß der Artikel, die die erhebenden Momente des Kampfes hervorheben sollten, der Aufrufe, die geeignet sein konnten, Begeisterung zu er- wecken, verschwindend wenige waren. Und noch dürf- t i g e r war es um die Aufklärung über die umfassenderen Aufgaben des Kampfes, über die allgemein politische Situation und die aus ihr sich ergebenden Ziele bestellt. Hierin stand das in der Hauptstadt erscheinende Organ der Partei sehr hinter einer Reihe unserer Provinzblärter zurück, war eS provinzieller a l s sie. Der Umstand, daß in Berlin der Frei- sinn der Hauptgegner der Sozialdemokratie ist, macht eS erklärlich, daß der„Vorwärts" sich vorwiegend mit diesem beschäftigte. Er hätte Tadel verdient, wenn er es nicht getan. Aber darüber -durfte die Hervorhebung der Tatsache nicht vernachlässigt werden, daß unser Kampf mit dem Freisinn nur einem Nebenzweck eines viel größeren Unternehmens galt, der Haupt- zweck aber in der Zertrümmerung der halbfeudal- plutokratischen Mehrheit bestand, die das preußische Ab- geordnetenhauS beherrscht." Wir wollen uns jedes Wort des Protestes gegen diese liebens- würdige Zensur schenken. Haben wir ja auch nicht protestiert, als am ö. Juni die„Leipziger VolkSzeitung' meinte, daß sich— neben der aufopfernden rastlosen Tätigkeit der Parteiorgani- sationen— der„Vorwärts" ein gut Stück des Berliner Wahl- erfolgeS aufs Konto setzen dürfe. Und wenn daS Lob, das Bernstein der Provinzpresse spendet, eigentlich nur gewissen Korrespondenzen gilt, mit deren Herausgebern Bernstein innige Seelengemeinschaft verbindet, so merkt man die Absicht und wird nur um so heiterer gestimmt. Nachdem Bernstein das Zentralorgan der Partei dergestalt ab- getan, geht er kecklich aufs ganze: die ganze Politik der Partei während der letzten Jahre war kurzsichtig, dilettantisch, unkünstlerisch, ein einziger großer Fehler. Denn die Reaktion stehe ungebrochen. Das sei ja zum guten Teil Schuld des Freisinns, namentlich der Freisinnigen Bolkspartei. Trotzdem fei aber auch in Deutschland eine bürgerliche Demokratie möglich. Die Elemente dazu seien da, die Zwischenschichten zwischen Kapital und Arbeit. Dafür aber, daß jene bürgerliche Demokratie, von deren politischem Einfluß sich Bernstein offenbar Wunderdinge verspricht, noch nicht da ist, macht Bernstein die Politik der Sozialdemokratie verantwortlich. Er klagt: „Hat unsere Partei in Wirklichkeit eine Politik? Wir haben eine in ihren Fundamentalgedanken stichhaltige gesell- schaftliche Entwickelungstheorie. Wir haben ein vorzügliches Programm politischer Grundsätze und Forderungen. Wir haben eine Organisation, die wohl als mustergültig bezeichnet werden kann, und Hunderttausende trefflich geschulter, jederzeit tat- bereiter Kämpfer. Alles das ist gewiß schön und gut. Aber liaben wir eine Politik? Haben wir eine Praxis, die, über das bloße Handeln nach den Zeitumständen hinaus, darauf ge- richtet ist die Umstände selbst so zu g e st a l t e n. wie sie für unser Handeln am günstigsten sind? Nur erst das letztere würde es rechtfertigen von einer Politik der Partei im vollen Sinne dieses Wortes, wo es den Begriff der Staats- kunst einschließt, zu sprechen. Wir sind groß und stark genug geworden eine Politik zu haben, aber was man in weiten Kreisen der Partei dafür hält, ist meist nicht viel mehr als jene wenig geistige Anstrengung erfordernde Bewegung, die der Engländer 6 r i k t i n g nennt, und für die man im Deutschen das Wort wursteln gebildet hat: das selbstbeschauliche Dahin- plätsch-ern im Fahrwasser der Ereignisse." Den Schlüssel zu diesen Verzweiflungsausbrüchen eines durch die unsäglichen Torheiten der Sozialdemokratie gequälten Herzens liefern dann folgende Sätze: „Wir wußten doch lange vorher, daß das Jahr 1908 ein« Landtagswahl bringen würde. Und wir wußten auch, daß, wenn die plutokratische und die klerikale Landtags- Mehrheit gesprengt werden sollten, es beim Drciklasten- Wahlsystem nur durch eine Verständigung mit dem Freisinn möglich war. Eine weitblickende Politik hätte danach ihre Sprache und Methoden einrichten müssen. Es fehlt im Lager des Freisinns nicht an Leuten, mit denen unsere Genossen in den gesetzgebenden Körpern und Kommunal. Vertretungen noch auf dem Diskutierfuße stehen, es fehlt in ihm nicht an Leuten, die die Blockpolitik nur mit halbem Herzen mit- machen. Diesen Elementen galt es Mut einzuflößen, ihnen den Rücken zu steifen, eS ihnen möglich zu machen in der eigenen Partei die Verständi. gung mit der Sozialdemokratie überzeugend zu verfechten." Also das ist des Pudels Kern: Die Sozialdemokratie ist zu wenig glimpflich mit dem Freisinn verfahren. Sie hat seinen politischen Verfall zu schonungslos aufge. deckt, feine Verrätereien zu unhöflich gebrand. markt! Hätte die Sozialdemokratie sich statt der plumpen beut- fchen Sprak verbindlicherer Formen bedient, so— hätte eS keinen Block gegeben, sondern der Freisinn hätte Schulter an Schulter mit der Sozialdemokratie den preußischen Wahlrechtskampf gegen „Plutokratie und KlerikaliSmuS" geschlagen! ES ist, als ob' ein Blindgeborener einem Maler einen Vor- trag über sein Handwerk halten wollte, es ist— einfach Mitleid» erregend! Daß Josef Bloch , der Herausgeber der„Sozialistischen Mo- uatshefte", gleichwohl zu den Bewunderern der Bcrnsteinffchen „StaatSkunst" gehört, versteht sich von selbst. Er sekundiert seinem Mitstreiter folgendermaßen: „Die Liberalen sind wirklich so unpolitisch wie nur möglich; ihre Praxis zeichnet sich weder durch Klugheit noch durch Noblesse aus. Alle Vorwürfe und Anklagen, die wir auf ihr Haupt häufen, sind mehr als berechtigt— am wenigsten vielleicht noch die wegen der Teilnahme am Block, die ihnen doch ein Zipfelchen der Macht öder wenigstens deren Illusion gibt und ihnen daher nicht so zu verübeln ist—, wir wissen, daß der deutsche Liberalismus überall ein sehr wenig charakierfester und sehr wenig intelligenter Bundes- 1 genösse war, utid üm seinetwillen berdietik er wirklich nicht die geringste Unterstützung. Aber als politische Partei hat die Sozial- demokratie nicht die Aufgabe oes Schulmeisters. der nach der Zensur im Betragen lobt oder straft, sondern sie hat ihr eigenes Interesse wahrzunehmen und sich der Hilfsmittel zu bedienen, die sich bieten. Eine von langer Hand vorbereitete Kooperation aller Wahl- reformfreunde hätte die einzige Möglichkeit des Erfolges geboten." Die Freisinnigen sind also zwar nach Josef Bloch die denkbar unzuverlässigsten Gesellen, die einem Zipfelchen von Macht, ja dem Schatten dieses Zipfelchens, einer Illusion zuliebe, alle frei- sinnigen Prinzipien preisgeben und sich dafür der Reaktion in die Arme werfen—; allein trotzdem empfiehlt dieser Stratege dcS Revisionismus eine„von langer Hand vorbereitete Kooperation" mit diesem Freisinn, um sich seiner als„Hilfsmittels" zu bedienen. Nun, auch wir sind ja gerade keine Bewunderer der politischen Klugheit des Freisinns. Aber daß sich selbst der Dümmste von ihnen von einem Bloch oder Bernstein als Werkzeug zu einem von ihm selbst nicht gewollten Zweck gebrauchen ließe, das trauen wir ihm denn doch nicht zu! Aber dcS ganzen revisionistischen Jammers A und O wäre doch so leicht auS einem Grunde zu kurieren I Die Sozialdemokratie brauchte sich nur die„Aufgabe des Schulmeisters" den bürgerlichen Parteien gegenüber abzugewöhnen, auf die Kritik vom- Standpunkte des Klassenkampfes aus zu verzichten, sie brauchte bloß ihren prinzipiellen Charakter preiszugeben, um sich mit dem bürgerlichen Liberalismus, der dann ja bequem die Fahne der Demokratie heraushängen könnte, im Spülicht der charakterlosesten Opportunitätspolitik zusammenzufinden! Das Proletariat würde dabei zwar noch weniger ein Zipfelchen politischer Macht erwischen, als der Freisinn, der doch bei aller Preisgabe der Volksrechte und Volksinteressen wenigstens die Interessen der Börse wahrte; aber die braven Revisionisten würden dann nicht mehr als verkannte Größen das Scitenbänkchen der Nörgler zieren, sondern den Ruhm ihrer „Staatskunst" von der„Morgenpost " bis zur„Tante Voß" ver- kündet sehen! Jammerschade nur, daß einstweilen die Partei von der Strategie dcS revisionistischen GcneralstabS so gar nichts wissen will. Da bleibt diesen Strategen eben nichts anderes übrig, als den Wahlsieg in ihrer Weise durch ohnmächtige Nörgelei zu feiern. Genörgelt wird nicht nur an der Taktik der Partei, sondern auch an ihren einzelnen Instanzen und Organen. So nennt z. B. Josef Bloch die Gesamtvertretung Groh-BerlinS, die die Landtags- kandidatcn für Berlin aufstellte, höhnisch einen. Wohlfahrte- auSschuß der Partei". Wie schade in der Tat, daß Berlin seine Kandidaten nicht von dem Klüngel der„Sozialistischen Monatshefte" küren läßt, der ebenso unfehlbar wie über die der Partei dienliche Taktik auch über die Qualitäten der einzelnen Personen abzuurteilen versteht! Aber die Klagelitaneien der„Sozialistischen Monatshefte" haben ihre tiefe innere Begründung: Für den Re- vifionismus war der im Geiste des Klassenkampfes geführte Wahlkampf, waren die Wahlerfolge wieder einmal eine ver« lorene Schlacht� � Das Forfterdrama vom Müggelsee. Zu Beginn der Sitzung teilt StaatSanwaltschaftSrat Schmidt folgendes mit: ES sei heute Morgen von zwei in der Halleschen Straße wohnhaften Damen ein Brief eingegangen, in dem diese da- von Mitteilung machen, daß sie eines Tage» zufällig am Müggelsee Zeugen eines sehr auffälligen Gespräches zwischen dem erschossenen E erster Schwarzenstein und seinem Sohne geworden wären. Der ertreter der Anklage hält es für angebracht, die beiden Zeuginnen sofort telephonisch zu laden.— Ein Geschworener stellt die Frage. ob sich Pater und Sohn am Abend de» 22. Januar nicht unterwegs getroffen haben. Der Angeklagte sei gegen �7 Uhr zu Hause ge- Wesen, während der Vater kurz vorher weggegangen sei. Der An- geklagte erklärt hierauf, daß er seinem Vater deshalb nicht begegnet sei. weil er selbst, um nach dem Forsthause zu gelangen, einen Schleichweg benutzt habe. Amtsrichter Matz kommt nochmals auf die gestrige Aussag: der Frau Schwarzenstein zurück. Zweifellos habe die Frau, die bei ihrer ersten Vernehmung in begreiflicher Erregung sich befand, ihm in der Boruntersuchung nicht? davon gesagt, daß sie den Schlüssel zur Haustür vom Fensterbrett genommen, die Tür noch einmal aufgeschlossen und den Schlüssel stecken ge- lassen haben. Alsdann finden nochmals längere Erläuterungen über das Auffinden der Flinte' des Angeklagten statt.— Zeuge Wachtmeister Trojan: Ihm habe de: Angeklagte auf dke Frage nach seiner Flinte zunächst gesagt, sie befinde sich bei seinem Bruder in Thüringen . AIS dann später die zuerst vermißte Flinte zum Vorschein gekommen war. sagte er: aus de: Flinte sei schon lange nicht mehr geschossen worden, der Vater habe die Benutzung dieser Flinte auch verboten, weil sie zu klapperig war. Der Zeuge meint, daß in der Ecke kein« Pelerine gehangen hat, die die Flinte verdeckt haben könnte. Wenn eine Flinte da gestanden hätte, wäre sie bei der Durchsuchung der Kleider Zweifel- loS gefunden worden.— Der Angeklagte verbleibt dabei, daß er am 24. Januar Vaters Sachen, die alle durcheinander lagen, auf- geräumt habe, und daß dabei in der Eck« die Flinte zum Vorschein gekommen sei. Sic habe hinter der langen Pelerine in der Ecke fiestanden und der Kolben soll durch Schaftstiefel und einen Ruck- ack verdeckt gewesen sein.— Ein Zeuge, der Vorarbeiter ist, hat die Empfindung gehabt, daß der Angeklagte die Farbe wechselte, als der Kriminalkommissar den Flintenlauf betrachtete und durch- sah.— Wachtmeister Schaffrath: Die Flinte hätte gesehen werden müssen, wenn sie bei der Durchsuchung dagestanden hänr.— Forstmeister Kottmeyer erklärt auf Befragen des Staatsanwalts, daß eine Reinigung der Flinte des Angeklagten längere Zeit in An- spruch genommen haben und nicht unauffällig hätte vorgenommen werden können.— Rechtsanwalt Dr. Schwindt stellt fest, daß zwischen dem Auffinden der Leiche und den ersten amtlichen Fest- stellungen im Försterhause drei Stunden lagen Zeuge Fabrikbesitzer KowalewsN bekundet: Ich bin zwei Jahre lang in Rahnsdorf in Sommer. Wohnung gewesen, habe den Förster täglich besucht und war mit diesem auf freundschaftlichem Fuß. DaS Berhältnis der beiden Eheleute war nicht sehr innig, sie waren zwei harte Steine. AIS die Leiche gefunden worden war, war ich auf tclephonifche Benach- richtigung nach der Försterei geeilt. Ich beschäftigte mich emsig mit der Frage, wer wohl der Täter sein könnte? Ich giivz auch nach der Mordstelle und nahm sie in Augenschein; es war schon alles zertreten und von einer Spür war nichts mehr zu entdecken. Es war zu spät abgesperrt worden. Ich ging auch an den See, der gefroren war. Es ist mir bekannt, daß jenseits des Sees viel ge- wildert wird. Dann ging ich in daS FörstcrhauS zurück und wollte in das Vernehmungszimmer hinein. Ich sah den Willy auf dm Sofa liegen mit umwickeltem Fuß. Mir schoß dann auch der Gedanke durch den Kopf, ob wohl der Fürster mit einem seiner eigenen Gewehre erschösset» sein könnte, und fragte: Sind alle Büchsen da? Kriminalkommissar Leonhard erwiderte, es sei schon alles untersucht worden. Die Herren gingen
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