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er auch ein ketrachtlicher Teil des Proletariats noch dazu gehört - Part beeinflußt, daß den bürgerlichen Parlamentariern der Mut esunlen ist, der demagogischen Welle standzuhalten. Die i o m ni i s s i o n hat schleunigst umgesattelt und beantragt nun die Aufrechterhaltung der Todesstrafe. Nur die Oeffentlichleit der Hinrichtungen, soll künstig entfalle» und die Exekution im GefangniShofe vor sich gehen. Der Nachfolger des unterdes ins Handelsministerium übergesiedelten Herrn Cruppi wollte den Umfall nicht mitmachen und demisfionicrte. Die Regierung hätte die Angelegen- heit gern vertagt, aber nun, da es gilt, reaktionäre Massen- bedürfnisse zu erfüllen, hatten es die Herren Parlamentarier eilig und am Freitag soll der aus der Mode gekommenen Humanität feierlich der Laufpaß gegeben werden. Di« Frage bleibt aber, was die Parlamentarier tun wollen, werrn Herr Fallidres den schönen Mut seiner Meinung auch weiter besitzt und die Menschentötung von Justiz wegen ebenso hemmt wie bisher. Daß sie das Vorrecht des Chefs der exekutiven Gewalt gerade in einem Augenblick beschneiden sollten, wo es einer höheren, von den meisten noch unbegriffenen Idee dient, ist doch nicht an- zunehmen. Der Scharfrichter wird also wenigstens formell in Amt und Würden wieder eintreten und die Zeit erwarten, wo ihm keine Präsidentengnade mehr in den Arm fällt. DaS ernst« soziale Problem aber, das durch die Wiederherstellung der blutigen Rache- und Abschreckungsmaschine so täppisch gelöst werden soll, bleibt in seiner furchtbaren UnlöSbarkeit bestehen. Wie das Eigentums- verbrechen ein Produkt der wirtschaftlichen Zustände, des materiellen und moralischen Massenelends, so ist die Zunahme der gewalttätigen Delikte, der steigende Blutrausch eine allgemeine Versallserscheinung. die unsere Epoche mit früheren untergehenden Gesellschaften teilt. Der Lustmord liegt am Ende der Linie, die mit der von jung und alt gierig verschlungenen Kriminalliteratur und mit den scheußlichen Boxkämpfen beginnt. Und diesem aus tauseud Quellen fließenden Strom des Verbrechens will man den Richtblock als Damm in den Weg stellen I Niemand wird leugnen, daß die Gesellschaft, ehe die notwendigen großen Umwälzungen ihren ganzen Boden sanieren, Schutzmaßregeln gegen das anschwellende Verbrechertum ergreisen mutz. Aber der Verfall der herrschenden Klassen zeigt sich darin, daß sie, vor diese Aufgabe gestellt, alle Besinnung und Gesinnung verlieren und in der Justizbarbarei enden, deren Bekämpfung einst zu ihren stolzesten Ruhmestiteln gezählt hat. Wiedereinführung der Todesstrafe hier, Wiedereinführung der Prügelstrafe dort und gleichgültiges Achselzucken, wenn der politischeVerbrecher' in Rußland , in Spanien , »n Rumänien , in Persien geschlagen, gepeitscht, gefoltert, ermordet wird. Um den Besitz, die Besitzenden und die Herrschaft der Be- fitzenden zu erhalten, ist keine Greueltat zu greulich. Und die Weis- Heft eines Zeitalters, das wie kein anderes zuvor die uinschaffende Kraft wissenschaftlicher Erkenntnis wirken gesehen hat, flüchtet sich unter den Bliftmantel, der um das schrecklichste Gespenst des Mittel- alters flattert._ poUtifebe(leberkicbt. Berlin , den 1. Juli 1öO8. , Wie wir vorausgesagt haben, sucht sich dieFreisinnige Zeitung" damit herauszureden, daß sie mit den ,Lt a da u p o l i t i k er n in unverantwortlicher Stellung, die das Wort demokratisch unnützlich im Munde führen, ohne vom Wesen der Demokratie mehr als den Namen zu kennen", nur die Herren Barth und Genossen gemeint habe. Sie versichert, daß sie dabei an Herrn Professor v. L i s z tüberhaupt nicht gedacht habe". Selbst wenn man dieser Versicherung Glauben schenken wollte, so käme es darauf gar nicht an; entscheidend ist vielmehr die Tatsache, daß dieFreisinnige Zeitung" die von Herrn v. Liszt herrührende Idee, als einen vonRadaupolitikern" usw. gegebenen Ratschlag hinstellt. Bei der bekannten Verlogenheit derFrei- sinnigen Zeitung" liegt aber gar kein Grund vor, ihr zu glauben, daß sie nicht auf Professor v. Liszt gezielt habe. Bekommt sie es doch fertig, schlankweg zu behaupten, Professor v. Liszt sei gar nicht der Urheber des Gedankens, die Zustimmung zur Reichsfinanz- reform abhängig zu machen von einer Reform des Wahlrechts in Preußen. Sie muß aber wissen, daß diese ihre Behauptung das Gegenteil der Wahrheit ist. Somit ist es viel wahrscheinlicher, daß sie mit ihrer Schimpferei gerade den Profeflor v. Liszt gemeint und nur die Barth und Genossen vorgeschoben hat, um dem eigent- lichen Angegriffenen die Abwehr zu erschweren. Bei einem a n° ständigen Blatt würde man ja dergleichen nicht vermuten, «der bei derFreisinnigen Zeitung" ist alles möglich. Der Mantel der christlichen Liebe. Am verflossenen Montag, dem katholischen Feiertage Peter und Paul, hat das ganze ultramontane Deutschland das fünfzigjährige Priesterjubiläum des Papstes Pius X. ge- feiert. Daß das im heiligen Köln , dem deutschen Rom. mit besonderem Pomp geschehen ist. versteht sich von selber. Man hatte ein besonderes großesKölner Katholiken- komitee" eingesetzt, das von langer Hand her Vor- bereitnngen treffen mußte, und dieses Komitee hat dann außerdem auf Anregung des Kardinals Dr. Fischer einen Aufruf zum Bau einer Papstkirche in Köln erlassen, die zu Ehren Pius X . dessen Namen tragen soll. Unter den siebzehn Borstands Mitgliedern des Komitees, die den Ausruf unterzeichnen, finden wir folgende Namen: Justizrat Dr. Julius Bachem. Reichstags- und Landtagsabgeordneter R o e r e n, Reichstags- und Landtagsabgeordneter T r i m b o r n, Reichs- tags- und Landtagsabgeordneter de Witt, Gutsbesitzer Franz Silkens. Herr Franz Zilkens im Vor stände des Kölner Katholikenkomiteesl Man traut seinen Sinnen kaum; denn Franz Zilkens ist der nämliche Herr, der sich durch seine großen Skandalprozesse einen Namen bis über die Grenzen des Reiches hinaus gemacht hat. ist der nämliche Herr, dem durch eine große Reihe Zeugen. insbesondere hohe städtische Beamte, die unglaublichsten Klüngeleien und Schiebungen, der krasseste Mißbrauch seines Stadtverordnetenmandats, die gewissenloseste Grundstück- spekulation nachgewiesen worden ist; Herr Zilkens ist der näm- liche Herr, von dem der Kölner Beigeordnete(Bürgermeister) Sieberger bekundete, daß er ihm durch sein schamloses Treiben geradezu sein Amt verekelt habe, und dem gegen- über der Vorsitzende der Zentrumsfraktion des Kölner Rat- hanszentrums, Justizrat Kausen, erklärte: Nur über meine Leiche kommt Zilkens in die Tiefbau- und die StadterweiterungSkonimission. Es ist der näniliche Franz Zilkens. der seine Laufbahn damit begann, daß er als Bürger- meistereischreiber sich von einer Prostituierten schmieren ließ und von dem ebenfalls vor Gericht festgestellt wurde, daß er damals die Erben einer in Köln-Ehrenfeld ge- 'torbenen anderen Prostituierten um mehrere tausend aler hat bemogeln wollen. Dieser Mensch sitzt trotz seiner wralischen Hinrichtung in öffentlicher Gerichtsverhandlung t, nach so kurzer Zeit, schon wieder mit an der \ der Kölner Zentrumskatholiken, deren Führer bei den > Wahlkämpfen er vordem so lange gewesen ist. Der Mann sitzt nach kaum Jahresfrist wieder zusammen an einem Tisch mit dem Kardinal-Erzbischof von Köln , mit den Spitzen der deutschen Zentrumspartei und dem Gründer und Vorsitzenden des Männervcreins zur Bekämpfung der öffent- lichen Unsittlichkeit, Geheimen Justizrat R o e r e n! Und da wagt es die Zentrumspresse, von den Pankower Vorkommnissen als einemneuen sozialdemokratischen Skandal" zu sprechen!_ Kinderschutz im württembergischen Landtag. Die Bauordnung ist von den schwäbischen LanbeZboten glücklich erledigt worden, bis auf die Schlußabstimmung. Es muß erst eine Zusammenstellung aller Beschlüsse und Abänderungen des Entwurfs gefertigt werden, damit die Abgeordneten studieren können, was sie eigentlich beschlossen haben. Denn die Zahl der Aenberungen ist Legion. Das Ziehkinderwesen beschäftigte sodann den Landtag. Schon vor einem Jahre hatte Genosse Dietrich auf die Not- wendigkeit eines durchgreifenden gesetzlichen Schutzes der armen Kinder hingewiesen, die der sorgenden Liebe der Eltern entbehren müssen. Er hatte insbesondere auf den Handel mit Tiroler Kindern verwiesen, die an oberschwäbische Bauern und Guts- besitzer vermietet werden. Es sind' in der Regel katholische G e i st l i ch e, die diesen Kinderhandel denn als etwas anderes läßt sich dieses Unwesen nicht qualifizieren in Händen haben. Sicherlich aus edlen Motiven. Die Kirche läßt sich ja nur und ausschließlich von edlen Motiven leiten. Leider gewähren die guten Absichten, die mit dem Kinderhandel verfolgt werden sollen, durch- aus keinen Schutz vor starker, die Kräfte des kindlichen Organis- mus weit übersteigenden Ausbeutung. Daß die armen Kleinen, die zum Viehhüten und anderen landwirtschaftlichen Verrichtungen der- wendet werden, nicht selten auch noch brutalen Mißhand- l u n g e n ausgesetzt sind, ist durch eine ganze Anzahl GerichtSver- Handlungen erwiesen. Dieser Kinderhandel spielte auch in die Verhandlungen des Landtags hinein, wenn auch der Gesetzentwurf der Regierung, das Ziehkinderwesen betreffend, diese armen Kleinen ausschließt. Denn die Tiroler..Hütekinder" stehen in einem Arbeitsverhältnis. Das Gesetz will aber nur die Pflege linder einem verstärkten Schutz unterstellen. Genosse Dietrich war es wiederum, der auf das Schicksal der Tiroler Hütekinder hinwies; der sehr fromme Zentrumsmann v. Kiene, seines Zeichens OberlandeLgerichtsrat, brachte es dann über sein christliches Gewisien, den schmachvollen Kinderhandel zu entschuldigen und zu beschönigen, so mit dem Einwand, daß die Kinder in dieser Zeit in der Heimat dem stockkatholischen Tirol! keine Schule hätten, ein Ein- wand, den Genosse Hildenbrand mit dem treffenden Zwischenrus beantwortete:Das ist traurig!" Der Gesetzentwurf macht die Annahme von Pflegekindern konzessionspflichtig. Die Regierung wollte die Kon. zessionspflicht nur für Kinder bis zum S. Jahre festsetzen. Die Erst« Kammer hatte das Schutzalter bereits auf 7 Jahre erhöht. Die Justizgesetzgebungskommission ist auch darüber hinausgegangen, sie beantragte, alle volksschulpflichtigen Kinder, auch wenn sie das 13. Lebensjahr bereits überschritten haben, dem Schutze des Ge- setzes zu unterstellen. Bis zum 13. Lebensjahre sollen die Kinder ohne weiteres dem Gesetze unterstehen. Dem stimmte die Kammer zu. Di« Aufnahme von Pflegekindern soll weiter nur solchen Per- sonen gestattet werden, die nach ihren persönlichen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Verhältnisien, insbesondere auch nach ihren sittlichen Eigenschaften und nach der Beschaffenheit ihrer Wohnung zur Uebernahme der Pflege ohne Gefährdung des Kindes geeignet sind. Wiederum war es das Z e n t r u m, das sich mit aller Kraft gegen einen wirksamen Schutz der Kinder wehrte und Anträge über Anträge stellte, die auf weiter nichts hinausliefen, als das ganze Gesetz wirkungslos zu machen! Hier war eS Genosse H e y m a n n. der das Treiben deS Zentrums mit überlegener Ironie kennzeichnete als den Versuch des Klerus, die Macht über das Ziehkinderwesen in der Hand zu behalten und dann weiter betonte, daß der vorliegende Gesetzentwurf nur ein Schritt auf dem Wege zu einem wirksamen Kinderschutz sein könne. Der heißeste Kamps entspann sich um die Bestimmung, daß auch jene Personen und Anstalten, die Kinder unentgeltlich ausnehmen, der Kontrolle unterstellt werden sollen. Mit Händen und Füßen wehrte sich das Zentrum gegen diese Bestimmung, die der unter dem Deckmantel christlicher Nächstenliebe betriebenen Kinderausbeutung an den Kragen will. Mit dem Erfolg, daß ein volksparteilicher Abgeordneter einen skandalösen Fall zur Sprache brachte, der die Geschästspraxis dieserNächstenliebe" ins hellste Licht rückte. Es handelt sich um ein geistesschwaches Mädchen, das, im Kloster untergebracht, sofort nach Erreichung der Volljährigkeit eben diesem Kloster sein ganze« Vermögen im Betrage von 35 000 Frank vermachte, gegen den Widerspruch der Eltern. DaS Testa- ment wurde denn auch schließlich zurückgezogen, Wieder einer." Zu dem in Nr. IIS unter obiger Stichmarke mitgeteilten Fall des angeblich wegen homosexueller Vergehen geflohenen Rittmeisters des Arts versendet das Poseuer Generalkommando an die Posener Lokalpresse folgende Berichtigung, welche allerdings die Tat­sachen in keiner Weise bestreitet: Die in Nr. 144 und 147 Ihres Blattes gebrachten Nach- richten sind nicht zutreffend. Eine Fahnenflucht deS Ritt- meisterS des ArtS vom Regiment Körngsjäger zu Pferde Nr. 1 in Polen liegt nicht vor. Die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen haben zu einer Untersuchung geführt, die bis jetzt ihn Belastendes nicht ergeben hat. Der kommandierende General: Gras Kirchbach. Die Vergehen, welche der Grund zur Fahnenflucht sein sollten (8 176 und vorschriftswidrige Behandlung dienstlich Untergebeners sind also zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht worden, die »bis jetzt" nichts Belastendes ergeben hat. Abwarten. OePteireich. Das Attentat aus Potacfc Lemberg, 30. Juni. Das Geschworenenaericht verurteilte den Mörder des Statthalters Potocki, den Studenten Siczynski, zum TodedurchdenStrang. Belgien . Die Kongodebatte. Brüssel , I. Juli. Die Kammer nahm heute die General- d i S k u s s i o n über die Angliederung des Kongostaotes wieder auf. Ministerpräsident Schal lae r t erklärte: Der Kongostaat sei ein souveräner Staat wie jeder andere und nicht aus der Ber - liner Kongokonferenz hervorgegangen. Alle Mächte hätten dieselben wirtschaftlichen Rechte im Kongobassin und namentlich das Recht, Privatdomänen zu errichten und herrenlose Gebiete für sich zu beanspruchen. Die Rechte des Souveräns jedes Staates seien garantiert und der Berliner Vertrag unterscheide niemals zwischen Schwachen und Starken, sondern sehe eventuell schiedsgerichtliche Entscheidung vor. Die belgische Regierung sei entschlossen, allen ihres Vervstichtungen tu vossfinmmenMr NüabhängigMt gerecht zu I werden. Keine Macht habe jedoch die Absicht zu erkennen gegeben, Belgien irgend eine Verpflichtung aufzuerlegen; England und dift Vereinigten Staaten hätten ausschließlich Wünsche geäußert. Italien . Giolittis Mehrheit. Rom , L9. Juni.(Eig. Ber.) Die letzte Woche hat unsere Vor» aussichten über das Schicksal des Knebclgesetzes für die Beamtenschaft nur allzu vollständig bestängt. Genau wie es aus den Händen deS Senats hervorgegangen war, hat die Kammer das Gesetz angenommen, das der Regierung die Befugnis gibt, jeden Staatsbeamten zu entlassen, sobald er eine den bestehenden StaatSeinrichiungen feindliche Gesinnung öffentlich betätigt. Die Majorität betrug 249 gegen nur 29 Stimmen. Noch nie ist em Gesetz von dieser Tragweite von den Ordnungsparteien der italienischen Kammer so unverändert angenommen worden wie dieses hier. Ebenso wurde das Gesetz über neue Militärausgaben, daß eine Ausgabe von 200 Millionen für Artillerie und Grenz- befestigungen bedeutet, mit größter Eile durchgepeitscht. Die Ver- tagungsanträge unserer Genossen erhielten nur 21 Stimmen, da die Radikalen mit der Regierung gingen. Mit solcher Kammer kann wirklichjeder Esel regieren". Giolittis Kunst bestand nur darin, eine solche Kammer zustande gebracht zu haben._ Die zweijährige Dienstzeit. « Rom , 1. Juli. In der Kammer wurde gestern die Gesetzes« vorlag« erörtert betreffend Einführung der zweijährigen Dienstzeit. Giolitti beantragte die Vertagung der De- batte unter Hinweis auf die Notwendigkeit, daß die Kommission, welche eigens dazu ernannt worden ist. Re- formvorschläge für die Armee umzuarbeiten, zuerst diesen Punkt erörtern soll. Die Regierung wäre grundsätzlich für die Einführung der zweijährigen Dienstzeit, aber es läge lein Grund vor, die Frage vor den Ferien anzuschneiden. Der Ver- lagungsantrag wurde von den Sozialisten und einigen Abgeordneten, die in der Armee hohe Stellungen einnehmen, bekärnpst. aber trotz- dem mit 160 gegen 67 Stimmen angenommen. Darauf würde noch das Rekruteickontingent bewilligt, worauf die Kammer in die Ferien ging. Bngland. Die Lage in Indien . London , 30. Juni. Der frühere Vizekönig von Indien , Lord Curzon erklärte im Oberhaus«, das Beunruhigende bei dem jüngsten Aufstande der Mohmands sei das Auftreten eurer zum großen Teile aus Afghanen zusammengesetzten Macht gewesen. Es sei wichtig, daß zwischen England und dem Emir ein durchaus klares Einverständnis herrsche. Bezüglich des englisch -rus- fischen Vertrages sei vom Emir noch keine Antwort einge- gangen. Er hoffe bestimmt, daß eine befriedigende Antwort er- folgen werde. Redner besprach sodann die innere Lage Indiens , welche Gegenstand größter Besorgnis ge- wesen sei. Die jüngsten Ereignisse seien nicht zurückzuführen auf vereinzelte Ursachen, sondern auf einen überlegten F e l d z u g s- plan gegen die britische Herrschaft. Er hatte gehofft. daß die gefährlichen Symptome nachlassen würden, aber man müsse rechnen mit einer immer mehr wiederkehrenden Erneuerung der Unruhen in Indien , weil die Ursachen nicht vorübergehend, sondern in gewisser Beziehung fast dauernde seien. Er wolle Morley nicht zu einer Politik des Schreckens oder der Unterdrückung drängen. aber er wünsche dringend, daß das Gesetz und die Ordnung aus» rechterhalten werde. Der Staatssekretär für Indien . John Morley , erklärte: Die Regierung huldige durchaus keiner Politik einer dauernden Besetzung des Stammesgebietes, und dies sei das wahre Geheimnis des Erfolges der Expedition gewesen. Der Emir hätte sein Bestes getan, hauptsächlich in der letzten Periode der Mohmandexpedition, um in freundschaftlichem Geiste vorzugehen. Morley fuhr fort, er mißbillig« die Bemerkungen Curzons bezüglich der Zusttm- mung des Emirs zum englisch -russischen Bertrag«. Curzon habe keine Ueberlegung bezüglich der heiklen Verhandlungen gezeigt, die nicht nur die Verhältnisse im Osten, sondern auch eine Reihe von europäischen Dingen beträfen, die mft den indischen Unruhen im Zusammenhang ständen. Die Regierung habe keine Wahl, sie müsse auf dem Weg« der Reform beharren. Niemand könne eine K r i s i s, durch die die Regierung jetzt gezwungen wäre, die Reformen hintanzustellen, ernster nehmen als er. Der Redner erklärte, die Regierung wolle die Resultate der Untersuchung ab- warten und dann aus sie die administrativen Reformen gründen, die allen Klassen der indischen Bevölkerung die Gelegenheft geben sollten, ihre eigenen Angelegenheiten bis zu einem gewissen Grade selbst wahrzunehmen. Die Haltung Morlehs wurde von den fol, genden Rednern gebilligt. Rußland. Bewilligungseifer. Petersburg, 30. Juni. In ihrer heutigen nichtöffentlichen Abendsitzung verhandelte die Reichsduma über zwei Vorlagen des K r i e g s m i n i st e r s betreffend die Bewilligung von Mitteln zur Vervollständigung der Vorräte und Materialien und zum Bau der für diesen Zweck nötigen Gebäude und dann zur Erforschung strategischer Wege im westlichen Grenzgebiete. DaS HauS bewilligte für die erste Vorlage S2 Millionen Rubel und für die zweite Vor- lag« 43 000 Rubel._ Die Landtagswahlen in Finnlano. Helfingsors, 28. Juni. (Eig. Ber.) Am 1. und 2. Juli finden in Finnland die Wahlen der Volksvertretung statt. Die Agi- tation wird sehr energisch geführt und die Sozialdemokratie ver- spricht sich die schönsten Erfolge. Die bürgerlichen Parteien haben ihr unschätzbares Agitationsinaterial gegeben, welches sehr geschickt und ausgiebig gebraucht wird. Auf Verlangen der Arbeiterorgani» sation soll am Wahltag in ganz Finnland die Arbeit tztnge- stellt werden. perften. Folterungen. Während offiziöse Meldungen von fortgesetzter Beruhigung zu erzählen wissen, werden Einzelheiten über scheußliche Grau- samkeiten bekannt, die die Kosaken des Schahs an den wehr- losen Gefangenen verübt haben. So wurden vier hervor- ragende Geistliche mit Blut beschmiert und mit z e r- schlagenen Köpfen und Gliedern und zerzaustem Bart von einer johlenden Abteilung Soldaten ins Lager geschleppt. Malik, der große nationale Prediger, wurde vor den Augen aller Gefangenen erdrosselt. Als er erst halbtot war, wurde der Strick gelockert, und die Henker schnitten ihm darauf das Fleisch mit stumpfen Messern vom Leibe. Als er tot war, wurde sein Leib den Hunden vor- geworfen._ Die Kämpfe in Täbris . London , 1. Juli. Wie das Reutersche Bureau erfährt. ist in London heute früh aus Täbris ein privates Tele- gramm eingegangen, aus dem hervorgeht, daß diese Stadt von Rachim Khan und seinen Reitern umzingelt ist. Die Bevölkerung von Täbris errichtet auf den Straßen B a r r i- laden. Tag und Nacht wird ununterbrochen geschossen. franzöfird)-Indien . Eine Massenvergistung. Saigon , t. Juli. In den Kasernen in Hanoi find zwei« hundert europäische Soldateu der Aolonial-Jnsauterir