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NncgeZ aufmerksam mächte. Tanil schrieb Genosse BlatchforN, der Redakteur derClarion", über dasselbe Thema und forderte die Arbeiterpartei auf. sich mit dieser Angelegenheit ernst zu beschäf- tigen. Hyndman und Blatchford gingen von der Voraussetzung aus, daß es die deutsche Regierung sei, die den Krieg vorbereite, um im günstigen Augenblick England zu überfallen. Beide Artikel erregten viel Anstoß, da sie Nach Ansicht zahl- reicher Genossen die deutschfeindliche Hetze förderten und wenig von Unparteilichkeit, Friedensliebe und Vertrauen in die internationale Arbeiterbewegung zeigten. Diese Empfindungen und Gedanken finden ihren Ausdruck in einem Artikel des Genossen K c i r Hardie imLabour Leader" von heute, sowie in einem Artikel der sozialistischenNew Age ", dcS Organs des linken Flügels der Fabian Society ". Keir Hardie zeigt vorerst, daß die Kriegsartikel, die gegenwärtig von der englischen Presse gegen Deutschland ver­öffentlicht: werden, sehr ähnlich seien den Kriegsartikeln, die vor zehn Jahren gegen die Burenrepubliken veröffentlicht wurden. Hardie wirft Hyndman und Blatchford vor, daß sie ihre Argumente gegen Deutschland den gelben Zeitungen entnommen haben. Sie unterschätzen auch die Macht des internationalen Sozialismus und sehen die einzige Rettung in der Schaffung einer großen englischen Armee. Er fährt dann fort:Angenommen, daß die Gefahr einer deutschen , Invasion wirklich drohe. Was ist unsere Pflicht als Sozialisten und Arbeiter? Ist die deutsche Sozialdemokratie nur eine Scheinbewegung? Ist unsere Arbeiterpartei bedeutungslos? Sicherlich nicht! Als die Marokkoaffäre eine gefährliche Lage zwischen Teutschland und Frankreich geschaffen hatte, was taten Jaures und Bebel? Hyndman weiß es; er wohnte der Sitzung des Internationalen Bureaus bei, in der diese Frage zur Sprache kam. Die deutschen und französischen Sozialisten haben nicht nur im Interesse des Friedens gearbeitet, sondern sie haben auch die Herr- schenden Klassen der beiden Länder daran erinnert, daß ihnen ein Krieg gefährlich werden könnte. Sie ließen Nicht das Gefühl auf- kommen, daß ein Kriegunvermeidlich" sei. Solange man dieses Gefühl nicht aufkonunen läßt, ist die Kriegsgefahr nicht groß. Aber was tun Blatchford und Hyndman? Sie scheinen sich zum Ziele gesetzt zu haben, dieses Gefühl der Unvcrmeidlichkeit eines 5triegeI zu erzeugen und somit die Kriegsparteien beider Länder zu stärken. Entspricht eine solche Arbeit den Ueberlicferungen des Sozialis- mus?... Ich kann den deutschen Sozialisten und Gewerkschaften die Versicherung geben, daß Hyndman und Blatchford nur perfön- liche Ansichten vertreten. Die Arbeiterpartei ist für den Frieden. Wir sind bereit, mit den deutschen Genossen zusammenzuarbeiten. um die bösartigen Pläne der Kriegshetzer zunichte zu machen. In wenigen Wochen senden wir eine Deputation von Arbeiterabgeord- neten nach Deutschland . Sie gehen als Boten des Friedens und Wohlwollens. Wir können den Kriegsgeist töten, ehe er geboren wird.... Bebel mit allen deutschen Genossen unsere Hand der Freundschaft. Hoch die internationale Solidarität der Arbeiter! Nieder mit dem Kriegsgeist I" Einen nicht minder scharfen Protest gegen die Artikel Hhnd- Mans und Blatchfords enthält dieNew Age ". Sie rechnet vorerst mit Blatchford ab, der auch während des Burenkrieges ins patrio- tische Horn stieß, und sagt dann, Deutschland rüste geradeso wie England. Noch mehr: die englischen Rüstungen seien umfangreicher, so daß die deutschen Kriegshetzer ein größeres Recht hätten, auf die deutschfeindliche Politik Englands hinzuweisen. Das ganze sei Höllenwerk, das von Sozialisten zunichte gemacht, aber nicht ge- fördert werden sollte. Wenn schon Männer wie Hyndman und Blatchford, die die Arbeiter gegen selbstmörderische Kriege warnen sollten, sich der Kriegsmeute anschließen, so haben wir ein Recht, auszurufen:Wir sind verraten!" Der Artikel setzt dann weiter fort:Hyndman hat die Friedenspolitik des Internationalen Bureaus verlassen und sich den politischen Brandstiftern der Jingoes angeschlossen...« Die deutsche Sozialdemokratie führt einen schweren Kampf gegen den Militarismus und den Imperialismus der BiSmarckschen Ucberlieferung. Und die englische Sozialdemo- kratie fällt ihr in den Rücken.... Wir flehen Hyndman und Blatchford an, ihre Hände aus dem Spiel mit Schießpulvcr zu lassen, mit dem sie dem Fortschritt der Menschheit unberechenbaren Schaden zufügen. Blatchford forderte die Arbeiterpartei und die Friedensfreude auf, Licht zu schaffen. Wir antworten: das Licht des Sozialismus und der Demokratie wird hell brennen, wenn die Arbeiter Englands und Deutschlands zusammenhalten. Wer für den Krieg hetzt, ist ein Verräter der Arbeiter." Sie lZeitie im Mnichen. In der Stadt Springfield im nordamerikanischen Bundesstaat Illinois hat der Ncgerhaß des Meißen Herren­volkes wieder einmal wilde Orgien gefeiert. Die entfesselte Bestialität begnügte sich nicht mehr mit dem landesüblichen Mir find nicht fo! Neue Parlamentarierhymne im badisch« bayerischen Kammerton. Wir sind nicht so, wie die Prinzip-Zeloten, Die ewig halten an dem starrenNein". Wir sind nicht so, wie die Programm-Heloten; Die Disziplin bleibt drüben überm Main . Wenn jene trotzig Dornenpfade gehen, Den schönen Tanzplatz blöde übersehen W i r sind nicht so I Wir sind nicht so! Warum denn stets berneinen? ' DasJa l" ist doch ein lieblich, freundlich Wort. Warum in KampfeSrüstung nur erscheinen? Ein leicht Gewand ist paßlicher zum Sport. Wenn die Zeloten stumm vorüberziehen, Den Reigen mit Erlkönigs Töchtern fliehen-- Wir sind nicht so! Wir sind nicht so! Wozu denn immer grollen? Die eine Liebe ist der andern wert, Und wenn wir geben, was die Herren wollen, Wird uns am Ende auch noch was beschert. Wenn die Zeloten auch bei ihrem starren Und ewig unfruchtbarenNein" verharren W i r sind nicht so! Wir find nicht so! Denn wer die Zeit begriffen, Die Aera Bülow, wo in Schlamm und Schleim Die scharfen Kanten werden abgeschliffen, Der läßt die graue Theorie daheim. Wenn die Zeloten d'rob sich auch entrüsten, Mit ihrem dummen Starrsinn sich noch brüsten W i r sind nicht so I Wir sind nicht so I Wir könnenJa" auch sagen, Denn Gott sei Dank! wir alle sind modern! Wir können unS mit aller Welt vertragen. Und selbst Minister haben unS d'rum gern. Wenn die Zeloten keine Lust sich gönnen, Weil sie nicht noch der Pfeife tanzen können> W i r sind nicht so! So wäre die alte Mainlinie also wieder hergestellt. Nicht ganz korrekt zwar, denn die Hessen bleiben beim Nein. Aber die Badenser I Zubodeitwerfen eines einzelnen Opfers, sie heischte eine Neger- metzelet großen Stils. Für die Verbrechen eines einzelnen mußten alle seine Rassengenossen büßen, die den tobenden Weißen Rächern in die Hände fielen. Eine regelrechte Jagd auf Schwarze ward eröffnet, ihr Eigentum wurde geraubt und zerstört, ihre Wohnstätten demoliert und verbrannt das ganze Negerviertel dem Boden gleich gemacht. Drei Tage lang hat die Metzelei gewütet. In einer Meldung desVerl . Tagebl." vom 16. August heißt es: Hunderte von Negern haben sich in die Nachbarorte begeben, um eine Armee der Schwarzen zu organisieren, die dann gegen Springfield marschieren soll. Auf die Nachricht von diesen Bemühungen ließ der Gouverneur mitteilen, daß gegebenenfalls 10 000 Soldaten in die Stadt verlegt werden würden. Leider muß konstatiert werden, daß die Soldaten häufig selbst mit dem Mob, den nach Opfern für die Lynchjustiz gelüstet, fraternisieren, so daß einige Soldaten ent- wafsnet werden mußten. Bald darauf mutzte auch der K r i e g s- zustand erklärt werden. Das schüchterte den Pöbel aber keineswegs ein, auch nicht, als Kanonen an den wichtigsten Punkten aufgestellt wurden. Es machten sich einige Weiße aus dem Pöbel direkt auf die Suche nach einigen verkommenen Negern, um sie zu lynchen. Die Neger flohen in ein Wirtshaus und von dort unter der Beihilfe des Gastwirtes nach dem Nachbarorte Floria. Zur Strafe für seine Beihilfe wurde der Wirt von den betrunkenen Weißen niedergeschossen.... Dies alles trug sich 000 Schritte von dem Hause zu, in dem Lincoln den Negern die Bürgerrechte gab. In den ersten Morgenstunden des heutigen Tages kam das 4. Infanterieregiment an. Inzwischen hatten aber die Exzesse angedauert und die Zahl der Opfer sich vermehrt. 7 Neger und 7 Weiße sind tot, man zählt über 100 Schwer- verwundete. Allmählich konnten im Laufe des heutigen Tages die Neger, die den Schutz des Militärs suchten, mit einem Kordon umgeben werden. Heber die Vorgänge des Sonntag sagt ein Telegramm desTag":, Der Aufruhr ist in Springfield von neuem ausgebrochen. Ein achtzigjähriger unschuldiger Neger wurde von dem Mob gehängt. Die Menge versuchte, das Zeughaus zu stürmen, in dem die Schwarzen von den Truppen bewacht wurden. Sie wich erst, als Kavallerie anrückte und scharfe Salven abgegeben wurden. Alle Neger sind entflohen oder unter Bedeckung nach anderen Städten transportiert worden. Ueber Springfield ist der Belagerungszustand verhängt worden. DiI Stadt wird von drei- tausend Soldaten bewacht. Es sind gräßliche Bilder, die diese Telegramme entrollen, Die Bestie im Menschen hat sich in wildem Rasen ausgetobt. Der unselige Rassenhaß hat Menschen in reißende Tiere der- wandelt. Die angebliche Vergewaltigung einer weißen Frau durch einen Neger ist, wie gewöhnlich, der Vorwand der Metzelei gewesen. Die angebliche, denn oft genug hat sich in solchen Fällen hinterher herausgestellt, daß die Beschuldigung zu Un- recht erhoben wurde. Aber selbst wenn die Anklage in diesem Falle zutrifft, welch eine ungeheuerliche Verwilderung der Rechtsbegriffe gehört dazu, daß eine ganze Bevölkerung für das Verbrechen eines einzelnen verantwortlich gemacht wird! Zunial die weiße Bevölkerung der Union allen Grund hat, an ihre eigene Brust zu schlagen und zu bekennen, daß ihre Unterlassungssündenden größtenTeil der Schuld daran tragen. wenn Intellekt und Moralität der Schwarzen nach mehr als 46 Jahren seit der Sklavenbefreiung auf niedriger Stufe stehen geblieben sind. Aber diese Niederhaltung der Neger in Unwissenheit und Unkultur entspricht den Interessen der südstaatlichen Kapitalisten, die billige, bedürfnislose Arbeiter brauchen. Ganz besonders traurig, wenn auch erklärlich, ist es, daß das weiße Proletariat zu einem großen Teile noch nicht zu erkennen vermag, daß seine Interessen eine Hebung der Kultur des Negers erheischen, daß es Selbstmord begeht, wenn es wider die schwarzen Klassengenossen wütet. Solange die Negerhetzen dauern, solange haben die Kapitalisten des Südens alle Veranlassung, sich die Hände zu reihen. politische(lebersicht. Verlin. den 17. August 1368. Gerlach für die sozialdemokratische Einigkeit. ES ist noch nicht allzu lange her. daß Herr v. G e r l a ch anfS emsigste beflisse» war, die Sozialdemokratie all Sein ander zu loben. Herr v. Gerlach rechnete damals noch damit, daß es möglich sei, Liberalismus und sozialistisches Proletariat an einen Strang zu spannen. Seitdem hat Herr v. Gerlach eS erleben müssen, daß der Liberalismus sich nicht nur immer mehr der Reaktion und die Bayern haben sich zum Ja entschlossen. Es ist ihnen lang- weilig geworden, immer neu, zu sagen, und sie sehen auch keinen Grund dazu, denn die Minister sind so liebe, nette Leute, mit denen sich angenehm plaudern läßt, und die mag man doch nicht durch ein Nein betrüben. Und für den dummen Plebs der gewöhn- lichen Parteigenossen hat man seineGründe". Die badischen Sozialparlamentarier erklären:Obwohl die Re­gierung die Arbeiter nicht als gleichberechtigt anerkeuut, sagen wir Ja!" Und ihre bayerischen Kollegen verkünden:Weit die Regierung die Arbeiter als gleichberechtigt anerkennt, sagen wir Ja I" Wie umn sieht: Gründe zum Jasagen gibt es hinreichend, wenn nur der Wille vorhanden ist. Nun kommen natürlich die Kritiker und stören die schöne Harmonie im Süden, von der sie nichts verstehen. Aber es wird ihnen entgegengerufen:Bleibt drüben überm Main und laßt uns unsere Politik allein machen. Was geht es Euch an, wenn unsere Minister schöne Augen haben, und wir dieser schönen Augen wegen fröhlich mit dem Kopf nicken? Ihr versteht eben ganz und gar nichts von unseren Verhältnissen. Und im Subordinationsverhältnis zu Euch stehen wir erst recht nicht." Natürlich leimen wir die süddeutschen Verhältnisse nicht und sollen unS deshalb nicht einmischen. Ein Programm, eine Organisation, eine Partei genügeil keineswegs; jedes Land muß seine eigene Sozialdemokratie haben. Unser Jgnaz sprach einmal in seiner kaustischen Art von derinternationalen revolutionären königlich bayerischen Sozialdemokratie". Heute werden wir sehen müssen, wie aus dem bittern Scherz fröhlicher Ernst wird. Wir werden neben der bayerischen und der badischen Sozialdemokratie zwei reußische(ältere und jüngere Linie nach den geographischen Grenzen getrennt!), zwei schwarzburgische(sonderShausische und rudolstädtiiche), zwei lippesche, eine waldecksche, eine auhaltische, eine braunschweigische, eine koburgische, eine gothaische, eine sachsen -weimarische, eine--- aber wozu sie alle aufzählen. Wir haben, glaube ich, ungefähr fünfundzwanzig Vaterländer, und es ist selbstverständlich, daß jedes seine eigene sozialdemokratische Partei mit eigenen, Programm und eigener Taklik haben muß, denn die anderen verstehen ja von den besonderen Verhältnissen nichts. Jede Partei hat natürlich ihren eigenen Parteivorstand, der aber darauf verpflichtet Ivird, sich um nichts zu bekümmern, und der auch nichts erfährt, weil ein strenges Schweigegebot allen irgendwie parlamentarischen Genossen, vom Dorfgemeinderat bis zum Landtags- deputaws, ihm gegenüber den Mund verschließt. Der Partei­vorstand hat lediglich die Aufgabe, irgendwo, am liebsten außerhalb des Landes, Geld aufzutreiben und für die Agitation zur Verfügung zu stellen. Mit der Zeit wird dann das.föderale" Prinzip weitere Fortschritte machen. l näherte, sondern sogar die Handboll ehrlicher bürgerlicher Demo« kraten zur Tür hinaus komplimentierte. Vom Zusammengehen zwischen Liberalismus und dem sozialistischen Revisionismus kann also keine Rede mehr sein. Im Gegenteil. Herr v. Gerlach warnt dringend vor einer Spaltung der Sozialdemokratie. Er schätzt offenbar die bürger- liche Demokratie und den Revisionismus als politische Faktoren so niedrig ein, daß er selbst von einer Addition dieser politischen Kräfte nichts erwartet. Er rechnet nicht mehr mit einer Spaltung der Sozialdemokratie, sondern beschwört den Revisionismus, geduldig innerhalb der Partei auszuharren, selbst auf die Gefahr hin, daß er in Nürnberg unterliege. Denn schließlich sei ja doch der Endsieg des Revisionismus unzweifelhaft: Die Hauptsache aber bleibt: die Einigkeit und Geschlossenheit der Sozialdemokratie. Jede Spaltung der Partei in einen vorgeschrittenen süddeutschen und einen rückständigen norddeutschen Teil wäre ein Verhängnis für die innere Entwickelung Deutschlands . Wilde Hoffnungen regen sich bereits bei allen reaktionären Blockelementen. Von einein unüberbrückbaren Riß" träumt dieFreisinnige Zeitung". Das könnte ihr so passen. Die Reaktion hätte gewonnenes Spiel, wenn die Sozialdemokratie in zwei einander bekämpfende Hälften zer- fiele. Die bürgerliche Demokratie steht natürlich mit all ihren Sympathien auf feiten der Süddeutschen. Aber wichtiger noch als der Erfolg der süddeutschen Taktik muß ihr der Wunsch sein, die gewaltige Stoßkraft der Sozial- demokratie unvermindert erhalten zu sehen. Ohne sie kam, die Reaktion nicht niedergerungen werden. Siegt der Radikalismus in Nürnberg , so müssen die Süddeutschen sich fügen. Es ist ja doch nur ein Pyrrhussieg. In dem ewigen Kampf zwischen RadikaliZinuS und Revisionismlis ist der Endsieg des Revisionismus unzweifelhaft. Darum kann er Geduld haben." Herr v. Gerlach hätte sich diesen Rat wirklich sparen können. So leicht geht die Einheit derPartei denn doch nicht aus dem Leim; gründet sie sich doch nicht auf die persönlichen Wünsche einer Handvoll Führer, sondern auf die eherne Notwendigkeit der politischen und sozialen Wirklichkeit!-»» Das alte agrarische Lied. Die Agrarier haben mit ihrer rücksichtslosen Jnteressenpolitil und mit der Befolgung des Rates des Herrn v. Ruprecht- Ransern: Schreien wir. schreien wir!" zweifellos große Erfolge erzielt und sie handeln auch jetzt, nachdem ihnen durch den Zolltarif eine große Beute in den Schoß gefallen ist, unentwegt nach diesem Rezept. In diesem Sinne ist auch der Jahresbericht über die Land- Wirtschaft im Königreich Sachsen, herausgegeben vom Landes- Kulturrat", gehalten. Die sächsischen Agrarier, die in diesem sogenannten.Kultur"rat natürlich die erste Geige spielen, stehen ihren ostelbischen Vettern an Unverfrorenheit und rücksichtsloser Interessenvertretung zum mindesten nicht nach. Davon legt der schon erwähnte Bericht sehr lebhast Zeugnis ab. Man muß zwar zugeben, daß sich die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft im allgemeinenetwas" gebeffert habe; erfreulicher- weise hätten, was die Verwertung der m ei st en Erzeug- nisse anlangt, sich die Verhältnisse befriedigend gestaltet; dann aber nach diesen mit allen Einschränkungen gemachten Zugeständnissen wird das alte Lied abgeleiert: die Schlachtviehpreise seien durchschnittlich niedriger gewesen wie im Vorjahre, besonders in den Schweine- preisen. Und wenn auch in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres die Preise etwas angezogen hätten, so hatten doch die alten Durch- schnittö-(TeuerungS- D. Red.) Preise nicht wieder erreicht werden können. Die Preise für Kraftfuttermittel seien er- heblich gestiegen; die Rentabil ist a t der Viehhaltung hätte eine Einbuße erlitten. Dagegen müsse man anerkennen, daß das Gesamtergebnis der Ernte und die Preise dafür erheblich gestiegen seien; jedoch stehe dir Reingewinn nicht im Einklänge zu den erhöhten Einnahmen. Bor allem wird in dem Bericht gewaltig über dieArbeiternot" geklagt. Natürlich verstehen die Agrarier unter diesem Ausdruck nicht die Not der Arbeiter, sondern den Mangel an Arbeitern. Natürlich wird auch wieder das alte Lied von den. ge» steigerten Löhnen" gesungen und vomKontrakt- bruch der Arbeiter", besonders auch der ausländischen. Es heißt darüber: Ohne sichtbaren Anlaß(!) Verlasien die mit großen' Kosten beschafften Leute ihre Arbeitsstätte oft gerade in der arbeitS- reichsten Zeit, in der die Beschaffung von Leuten außerordentlich schwierig, und, wenn überhaupt, nur noch mit großen Kosten möglich ist. Die Beseitigung oder doch Verminderung der an- gedeuteten Mißstände wird dringend gefordert, wenn die LeistungS- fähigkeit der Landwirtschaft in bezug auf die Erzeugung der not- wendigen Lebensmittel erhalten werden soll. Hieran hat aber nicht nur die Landwirtschaft allein, sondern die Gesamtheit(!!!) das allergrößte Interesse." und eS wird zu Oberamts-, Amtsbezirks- und AmtShauptmannschaftS- Parteien kommen. Preußen wird selbstverständlich auch hier wieder zurückbleiben, da seine Kreise immerhin ziemlich groß sind und die Kreispartei, die tausend und mehr Mitglieder zählen kann, nol- wendigerweise den Konfliktsstoff in sich tragen muß, indem z.B. ein in Pinneberg residierender Parteivorstand niemals dieganz anders gelagerten" Verhältnisse in Blankenese wird überschauen und be- urteilen können. Ein Blick in die Zukunft, lieber Leserl Derföderale" Gedanke liegt in der Luft und eS war darum höchst unvorsichtig, durch Fragen und durch Kritik an einzelstaat- lichen Fraktionen einenNährboden" für diesen Gedanken zu schaffe». Aber das kommt nur davon, daß nicht überall der nötige Respekt vor Abgeordneten vorhanden ist. Du bist sehr im Irrtum, lieber Freund; wenn Du glaubst, ein Abgeordneter sei von etwaigen persönlichen Vorzügen oder Nach- teilen abgesehen ein Mensch genau wie Du.Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand", sagt ei» uraltes deutsches Sprich­wort, und ganz unzweifelhaft liegt ein wahrer Kern darin. Es mag ja vorkommen, daß die Ernennung zum Nachtwächter nicht sofort eine merlbare Steigerung der Intelligenz des Betreffenden zur Folge hat. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Wenn ich im Schatz meiner reichen Erfahrungen wühle. so stoße ich immer wieder ans die Tatsache, daß ein Mandat dem Menschen ein anderes, besseres Sehvermögen gibt, was man dann in vulgärem Zeitungsdeutschhöhere Gesichlspunkte" nennt. Diese Tatsache enthält aber gar nichts Wunderbares, sie ist vielmehr psycho- logisch leicht zu erklären, nämlich durch dasMilieu". Jeder Mensch ist anpassmigs- und entwickelungssähig, der eine mehr, der andere minder. Kommt er nun in den Besitz eines Mandats, so wird er Mitglied einer Fraktion. Nur mit ehrfurchtsvollen Schauern spreche ich dieses Wort aus! Fraktion Sammelbecken aller jtaatS- mänmschen Weisheit, Jungbrunnen aller Taktik, Zauberquell der Erwägung" I Stegmüller, der Vergessene, rief einst quer über den badischeu Landtagssaal hinüber:Dreesbach, wie wölle mer jetzt schlimme?" Stegmüller in seiner schlichten Einfachheit hat nicht das FraktionS- geheimnis, aber das Geheimnis der Fraktion enthüllt. Er wollte erfahren, wie die Fraktion über seine Stimme verfüge, die Fraktion, dieerwogen" haben mußte. Die Fraktion! Ein geheimnisvoller Nimbus umleuchtet sie und ihre Angehörigen. Alan kann Leute zu den wichtigsten Funktionen wählen sie ändern sich nicht, sie bleiben dieselben, sie debattieren mit jedermann das Warum und Wieso; sie wissen, sie haben lediglich einen Austrag. Aber der Abgeordnete hat ein Mandat, und dieses erschließt ihm die Pforte» der Fraktion