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Ter Proiest Sei- Türkei . " lAonstantinopel, 10. Oktober. In einem an die ottomanischen Botschafter gerichteten Prote st zirkulär, von dem der hiesigen österreichisch-ungarischen Botschaft Abschrift überreicht werden soll, erklärt die Pforte, sie betrachte nach ernstem Studium der in der Rote der österreichisch-ungarischen Botschaft dargelegten Er- wägungen es als Pflicht, zu erklären, dasi sie sich der A n s ch a u« ungsweise der ö st erreichisch-ungarischen Negie­rung keineswegs anschließe.. Das bisher in Bosnien geltende Regime gründe sich auf die Verträge von 1879, welche in klarer Weise die Art der Okkupation und Verwaltung durch Oester- reich-Ungarn und die SouveränitätZrechte der Türkei festsetzen. Es sei unmöglich, die Bestimmung der erwähnten Verträge ohne die Zustimmung der Türkei als Eigentümerin-und der Signatarmächte zu verletzen. Infolgedessen halte die Türkei an. allen diesen durch Verträge gewährleisteten Rechten fest und lege gegen das Vorgehen Oesterreich -Ungarns, das die erwähnten Ver- träge nach Belieben verletzen wolle. Protest-in. Unruhen in Smyrna . Konstantinopel , 10. Oktober. Die griechische Gesandt- s ch a f t lenkt« gestern die Aufmerksamkeit der Pforte auf die Lag« in Smyrna , wo wegen griechischer Wahlsiege unter den Mohammedanern eine besorgniserregende christenfeindliche Bewegung herrschen soll. Die Pforte versprach, entsprechende Maßregeln zu treffen. Auch andere Konsulardepeschen aus Smyrna melden, daß dort Unruhen befürchtet werden, da die Türken sich bewaffnen. DaS englische, französische und das italienische Konsulat haben die Bereitstellung von Kriegsschiffen im Archipel erbeten. Aus Kreta . Kanea» 10. Oktober. Die Regierung erhielt amtliche Mit- keilung. daß die kretische Miliz für das Königreich Griechenland den Treueid abgelegt habe. Kompensationen für die Türkei . Paris , 10. Oktober. Der österreichische Botschafter äußerte sich gegenüber einem Mitarbeiter desSiecle" über die Kompensationen, welche der Pforte eventuell gegeben werden könnten. Er erwähnte die Abänderung der internationalen I n- stttutionen in Mazedonien sowie Regelung gewisser juristischer Fragen. Der Botschafter bemerkte, daß seine Regierung die erste sein würde, diese gerechten Kompensationen vorzuschlagen, Serbische Provokationeu. Belgrad , 10. Oktober. Unter Vorantragung von Fahnen zog heute die Studentenschaft vor die Skupschtina und über. reichte im Sitzungssaal eine Petition, gegen die Annexion Bosniens alles aufzubieten. Als der Zug am Palais vorbeikam, erschien der Kronprinz, der für die Ovationen dankte und er- klärte, der König und die Regierung hätten das Wohl des Vater- landes stets vor Augen. Vor dem Denkmal Michaels wurde eine schwarzgelbe Fahne verbrannt. Bulgaren gegen Serben. cflfia, 10. Oktober. Infolge der Verhaftung der Serben, die gegen das Pulverdepot bei Sofia einen Anschlag verübten, sind gigen ZgO.serbische Arbeiter aus- gewiesen worden. Der hiesige serbische diplomatische Agent erschien deshalb gestern im Ministerium des Äeußeru, um gegen diese Ausweisung sowie gegen die Behauptung mehrerer Blätter zu protestieren, nach der die hiesige serbische Vertretung in die Anschlagsangelegenbeit verwickelt sein solle. Die englische Flotte. Malta , 10. Oktober. Vizeadmiral Prinz Battenberg ist gestern abend mit zwei Schlachtschiffen und zwei Tor- pedobootszerstörer in See gegangen. Malta , in Oktober. DaS SchlachtschiffC a n o p u S" ist in See geg'i'gen, um zu dem Geschwader des Prinzen Batten- berg in den türkischen Gewässern zu stoßen. Hier ist das Gerücht verbreitet, naß das Flaggschiff der Mittelmeerflotte,Queen", instand gesetzt wird, um am nächsten Montag mit dem Ober- kommandierenden, Admiral Drury. den Hafen zu verlassen. Einberufen. Bochum , 10. Oktober. Zahlreiche im Ruhrgebiet tStlge S st e r- teichische Arbeiter, ehemalige Unteroffiziere, erhielte» eilige Einberufungsorder. Ilm Pranger. New Nork, 25. Sept.(Eig. 59er.) Ter Wahlkampf ist-n seine letzte Phase getreten, in die 5erEnthiillungm". Die Sündm der kapitalistischen Parteien und ihrer Kandidaten und Führer, über die man zu gewöhn- lichen Zeiten nur allzu gern den Mantel der christlichen Nächstenliebe deckt, weil nänilich Rabbi wie Mönch gleicher- uwßen stinken, werden jetzt bloßgestellt. Viel Neues kommt dabei nicht'zeräus. Denn daß die demokratische und die republikanische Partei in gleicher Weise unter dem korrum- pierenden Linfluß des Großkapitals und der Trusts stehen, ist eine solch allbekannte Tatsache, daß es dazu kaum nochEnt- hüllungen" dedarf. Wesentlich sind dabei lediglich die genauen Einzelheite», die zeigen, wie sich die kapitalistischen Parteien und ihre Führer den Trusts verschreiben. Und das Spaßhafte bei der Sache ist, wie die Deniokraten, Republikaner und Hearstianer den Schulbuben gleich sich gegenseitig vorwerfen: Ihr seid ja noch weit schlimmere Gauner als wir" und wie gerade jene, die am tiefsten im Moraste sitzen, die lautesten Schreier sind. Den Anfang mit den Enthüllungen hat der berüchtigte Zeitungsherausgeber William Randolph H e a r st gemacht, welcher der Aushältcr der von ihm gegründteten Jndependenee League(Unabhängigkeitsliga) ist und zweifelsohne mit den Republikanern einen Pakt für die bevorstehende Wahl abge- schlössen hat. Durch unerschütterliche Belveise lieferte er den Nachweis, daß der demokratische Präsident- fchaftskandidat William I. Bryan, der gegen­wärtig von Freundschaft für die Arbeiter überfließt und für dessen Wahl bekanntlich ja auch bornierte Gewerkschaftsführer wie Samuel GomperS eintreten, während seiner Tätigkeit im Bundeskongreß einer Deputation deS Verbandes der Fenster- glasarbeiter die Worte entgegenschleuderte:DieArbeiter sind öffentliche Bettler!" Noch weit unangenehmer ist dem Trustbekämpfer die fernere Konstatierung der Tatsache, daß et sich zu seinem Ver- trauten und zum Schadmcistcr des nationalen demokratischen Wahlausschusses eine» Mann(den Gouverneur Haskcll von Oklahomas erkoren hat, der den Generalanwalt Monnett des Staates Ohio mit 4l)<1<100 Dollar zu bestechen suchte, ejn Verfahren gegen die Standard OH Co., das ist Rockefellers Petroleumtrust, einzustellen. Und 'von derselben Standard Oil Co. hat Zaskell einen Wahlbeitrag in Höhe von 300 000 Dollar empfangen und an die demo- kratische Parteikasse abgeführt, obwohl Bryan feierlich ver- sichert hatte, daß von Trusts und deren Angestellten überhaupt kerne Beisteuern angenommen werden. Zur Vervollständigung des Bildes diesesVolksfreundcs" Haskell sei beigefügt, daß er an der Gründung von Bürgervereinigungen, deren ausschließlicher Zweck die Vernichtung der Ge- w e r k s ch a f t e n ist, in hervorragendem Maße beteiligt war, und daß er als Gründer eines recht zweifelhaften Bahnunter- nehmens, das nachträglich verkrachte, mit den Gerichten in Konflikt geraten ist, Nicht besser als Haskell kommt bei den Hearstschen Ent- hüllungen der republikanische Bundessenator F o r a k e r aus Ohio weg. An der Hand von Briefen, deren Echtheit von den Beteiligten zugegeben wird, ward der Beweis geliefert, daß Senator Foraker, einer der geistig bedeutendsten Männer der republikanischen Partei, seit Jahren Stipendiat des Standard Oil Trust ist, daß er den Beamten des Oeltrusts Gesetzentwürfe zur vorherigen Begutachtung vorlegte und nach deren Wünschen abänderte. Handelte es sich um die Besetzung von Richtcrstellen oder um die Aufstellung von Kandidaten für andere Aemter, so pflegte der Trust seinen Kommis Foraker. der innerhalb seiner Partei bis vor kurzem einen dominierenden Einfluß ausübte, anzuweisen, sich für die dem Trust genehme Persönlichkeit zu verwenden. Nun behauptet der mit Foraker persönlich verfeindete Präsident Noosebelt und der aiif Roosevelts Kommando von den Republikanern erhobene Präsidentschaftskandidat Exkriegs- sekretär William H. Taft, Foraker habe im Gegensatz zu ihrer eigenen Haltung stets eine andere Richtung innerhalb der Partei vertreten und sei allezeit ein Freund der Trusts gewesen, und deshalb treffe sie die Bloßstellung ihres Gegners nicht im geringsten. Untersuchen wir aber, inwieweit Noosevelt und Taft im Rechte und von dem körrümpitzrendm Einsluß der Korpora- tionen und ibrer Werkzeuge frei sind. Auf die pharisäischen Erklärungen Roosevelts antwortete Foraker, daß Taft, als er noch Krtegssekretär war, dem Präsident Noosevelt dringend ans Herz gelegt hat. doch ja den Anwalt John H. Doyle, den juristischen Ratgeber der Standard Oil Co., zum Bundesrichter zu ernennen. Und die Demokraten, gegen welche Noosevelt die Ent- hüllungen über die Beziehungen zwischen dem erwähnten Haskell und dem Oeltrust in offenen Briefen auszuschlachten suchte, wiesen nach, daß der nationale republika- nische Wahlausschuß nur ein Haufen Trust- Häuptlinge ist, daß der republikanische Söckelmeister Sheldon im Direktorium von mindestens zwanzig Trusts und Korporationen sitzt, daß ein anderes Mitglied des Wahlausschusses namens D u P o n t an der Spitze des Pulvertrusts steht, desselben Pulvertrusts, gegen den zurzeit ein auf Roosevelts Betreiben eingeleitetes Verfahren wegen Verletzung der Antitrustgesetze schwebt, und daß verschiedene andere Herren des Ausschusses in der gleichen engen Verbindung mit Trusts stehen. Nun zu Noosevelt selbst. Wenn.irgend jemand Ursache hätte, den Mund nicht allzu voll zu nehmen, so dieserGentlc- man". Im Herbst 1004, als er zum ziveitcnmal für die Präsi- dentschaft kandidierte, sprach Schatzmeister Bliß des nationalen republikanischen Wahlausschusses sicherlich nicht ohne Wissen Noosevelts bei der Standard Oil Co. vor und machte IM 000 Dollar zum Betreiben einer lebhaften Agitation für die Kandidatur Noosevelts locker. Ende Oktober desselben Jahres schrieb Noose- velt an den Eisen bahnkönig Edward Harri- man, den er später bekanntlich einen»nicht wünschenswerten Bürger" nannte, einen Brief, worin er um dessen Besuch im Weißen Haus bat. Harriman kam der Einladung nach. In Washington setzte alsdann Noosevelt dem Eisenbahnkönig aus- einander, daß die Republikaner bei der etliche Tage später stattfindenden Wahl den Staat New Jork verlieren werden, wenn Harriman nicht sofort große Geldmittel(zum stimmen- kauf natürlich) beschafft. Hapriman kehrte nach Washington zurück. Hier legte ihm Schatzmeister Bliß des republikani - scheu Wahlausschusses nochmals denErnst der Situation" dar und forderte sein sofortiges Einspringen. Innerhalb weniger Stunden brachte Harriman unter der Hochfinanz und den Trustmagnaten, gegen die Noosevelt seine Theaterdonner zu richten pflegt, die Summe von 263 000 Dollar(über eine Million Mark) auf, wodurch es. w!x Harriman selbst schreibt. der republikanischen Partei möglich wurde, am Wahltag in der Stadt New Bork allein mindestens 50 000 Stimmenau f die andere Seite zu bringen" oder, richtiger ausgedrückt, sie zu kaufen und dadurch den Staat New Dork für Noosevelt zu retten. Soviel zur Kenn- zeichnung des«ollen ehrlichen Noosevelt" und der Aufrichtig- lest seines Kampfes gegen die Trusts. Mit diesen Namen ist indessen die Liste feiler Politiker noch lange nicht erschöpft, aber sie dürfte als Beweis, daß die Demokraten und Republikaner sich gegenseitig nichts vorzu- werfen haben, wohl genügen. Und Hearst , der den Schleier zu lüften begonnen, ist, soweit seine Ehrlichkeit als Politiker in Betracht kommt, um kein Iota besser. So beherrschen die Trusts in dem Musterlande der bürger- lichon Demokratie die politische Maschinerie. Im Zeitalter des entwickelten Kapitalismus bleibt die politische Gleichheit eine Illusion, solange sich ihrer nicht das Proletariat vermittels selbständiger klassenbewußter politischer und gewerkschaftlicher Organisationen zu bedienen gelernt hat. politiscke(leberlidrt. Berlin , den 10. Oktober 1008. Der bescheidene Moloch. Die Militär-Offiztösen fühlen immer wieder das Be- dürfniS, der Welt zu versichern, daß der nächste Heeresetat für daS Finanzjahr 1009/10) nur geringe, dringende Mehr- forberungen cuthalten wird, da sich das KriegSministerinm. sparsam wie es bekanntlich ist, tn seiner Bescheidenheit darauf beschränkt hat, nur das Allernotwendigste zu fordern. So meldet z. B. jetzt wieder dieMil. Pol. Korr.", daß der Militäretat für 1000/l0außer einer Reihe dringender militärischer Fordetungen" und der Erhöhung der Mannschaftblöhnung um 3 Pfennige pro Tag keine besondere, außerordentliche Steigerung über daS Vorjahr bringe. Die Verhandlungen zwischen den Offizieren beS KrstgS- ministeriums und den Räten des ReichSschatzamIeS", schreibt die genannte Korrespondenz,haben zu ganz erheblichen Ab- strichen dein ersten Voranschlage gegenüber geführt. So mußten nicht mir die meisten ersten Raten von einmaligen Reuforderungen fallen, sondern eS hat sich auch das Eiuemsche Ressort zur äußerst möglichen Eiuschräukung für die wichtigen Etatsposten verstanden die Bewaffnung, Bekleidung, Feldküchen und ähnliches betreffen. Schon jetzt kann andererseits sicher damit gerechnet werdet?. daß über den Lorschlag des KriegSmimsteriumS hinaus der Reichstag auf einer Aufbesserung der Maunsckafts- löhnung um 19 Pfennige bestehen wird, was einer Mehr­ausgabe von etwa 3�/z Millionen Mark entsprechen dürfte. Auch wird, nach borläufigen Mitteilungen an das Reichsschatzamt von feiten führender Parlamentarier bereits ein Amendement zum neuen Offizierbesoldungsgesetz vorbereitet, wo- nach den drei im Regierungsentwurf vorgesehenen Leutnants- gehaltsstufen(von lö09, 1899 und 2199 Mark) noch eine vierte von 25 99 Mark in besonderer Berücksichtigung der meist verheirateten älteren Oberleutnants angeschlossen werden soll. Die Novelle beantragt rückwirkende Kraft auf den 1. April 1998, also Nachzahlung erheblicher Ge- Haltsposten. Ferner ist Aussicht vorhanden, daß im kommenden Reichshaushalt der wiederholten Forderung des Parlaments ent- sprachen werden, die Verwaltung deS ostasiatischen DetachementS vom Kriegsminifterium losgelöst und dem Reichsmarineamt über­tragen wird." Alles ist relativ besonders in einem deutschen Heeres- etat. Was heißt:eine Reihe dringender mili- tärischer Forderungen?" Nach alter Erfahrung hält das Kriegsministerium stets alles, was es haben möchte, für äußerst dringend und notwendig. Und wie hoch sind diese dringenden militärischen Forderungen? Rechnet man dazu die Erhöhung der Mannichaftslöhne und die von den Konservativen gewünschte Erhöhung der Oberleutnantsgebälter, dürfte ein ganz nettes Sümmchen an militärischen Mehr- forderungen herauskommen. Zudem aber ist sicher, daß das Kriegsminifterium das, was es sich in Anbetracht der traurigen Finanzlage für 4909/10 verkneifen mutz, in dem Etat für 1910/11 nachfordern wird. Die Neufordcrnngen, auf die das Ressort des Herrn von Einem, dem Zwange folgend, nicht dem eigenen Triebe, diesmal hat verzichten müssen, sind doch nicht aufgegeben, sondern nur um ein Jahr zurückgeschoben. Sprachwidrige Klassenjustiz. In Itzehoe fand eine Volksversammlung statt, die sich unter anderem mit der unqualisizierbaren Beschimpfung der Sozialdemo- kratie durch einen Richter befaßte. ES handelte sich um folgenden Vorgang: In Krempe in Holstein hatte sich vor dem dortigen Schöffen- gericht ein Stellmacher wegen Beleidigung eines Gendarmeric- Wachtmeisters zu verantworten. Als besonders inkriminierend wurde die Arußerung des Arbeiters angesehen:Sie sind ja auch ein Sozialdemokrat". Der Arbeiter wurde deshalb zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt. In der schriftlichen Begründung dieses Urteils findet sich folgender Abschnitt: Bedeutend ist schon im täglichen Leben für den auf Wohl- anstäudigkeit haltenden Privatmann die Verunglimpfung, als Sozialdemokrat bezeichnet zu werden, da die Ziele dieser Partei unvereinbar sind mit den Geboten der Religion, der KönigStreue und Vaterlandsliebe, so i st dies in erhöhtem Maße für Beamte und Militärversonen der Fall. Beamte und Militärpersonen, die sich in Preußen zur sozialdemokratischen Partei bekennen, müssen als Schurken bezeichnet werden; . denn sie würden sich durch ihr Bekenntnis zu dieser Partei in schärfsten Widerspruch setzen mit ihrem Dienst- respektive Fahnen- eid." Der Amtsrichter, der dieses Urteil fällte, heißt Schumacher. Die Versammlung, für die der ReichStagSkandidat Paul Müller aus Hamburg referierte, erhob den schärfsten Widerspruch gegen diese Angriffe. ES wurde eine Resolution angenommen, die die Aeußerunc deS Richters als groben Verstoß gegen die richterliche Objektivität bezeichnet. Es wurde ausgesprochen, daß von diesem Richter ein unparteiisches Urteil gegen Angebörige der organisierten Proletarier nicht erwartet werden könne. Die Versammlung empfiehlt daher allen politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeitern von Itzehoe und Umgegend, künftighin den Amtsrichter Schumacher in allen Prozessen wegen Besorgnis der Befangenheit abzulehnen. Von dieser Resolution dem LandgerichtSpräsidenten in Altona dem Oberlandesgerichtspräsideliten in Kiel , dem Jiistizminister und den Staatssekretären des SteichSjustizamteS sowie der sozialdemo­kratischen RcichstagSfrakllon Kenntnis zu geben. Vielleicht empfiehlt der Justizminister dem Herrn Schumachei auch nebenbei, sich bei der Abfassung von Urteilsbegründungen nicht mir auf die Hervorkehrung seines patriotischen deutscheu Gefühls zv beschränken, sondern auch Mißhandlungen der deutschen Sprache zu unterlassen. Vielleicht versteht sich der Herr Schumacher dazu, sich die bekannten Bückier von Wustniann und SauderS anzuschaffen und durch eifriges Studium seine Kenntnisse der deutschen Sprache zu ergänzen._ Die bayerischen Zcntrumszwillinge. Herr Dr. Heim und Herr Dr. P i ch l e r, die feindlichen Antipoden des bayerischen Zentrums, die sich so oft in den letzten Jahren gekauft haben, wollen die Streitaxt begraben und Frieden schließen. DerBayerische Bauer", das Organ deS Nieder- bayertschcn VauernvereiNS(Ptchlersche Richtung) bkivgi nämlich eine von den Intimen Dt. Pichlers, Tr. Matzinger und Fkeiherrn v. Aretin unterzeichnete Erilarung folgenden Wortlauts: Äm 1. September hat tn Plattktng eine erweiterte Äu?- schußberatung stattgefunden. Dort wurde die Geneigtheit zn einem Ausgleich mit Dr. Heim konstatiert und der Vorstandschaft die einstimmigen Beschlüsse der 92 auS allen Gauen Anwesenden alz die Grundlinien für die weiteren Verhandlungen borge- zeichnet. Herr Dr. Heim wurde hiervon in geeigneter Weise in Kenntnis gesetzt. Riederbayern ist zur Erlangung eines ehr- llchcn und dauernden Friedens im Interesse der gesamten christ- liehe Bauernvereinstzewcgung zu möglichstem Entgegenkommen und zu jedem Opfer bereit, das mit den Interessen der Mit- glieder und mit Ver Ehre unseres teuren Vereins vereinbar." Pichler streckt also trotz seiner Gemütsrobustlgkeit vor Heim die Waffen. Verwandte Seelen finden sich zu Wasser und zu Land,_ Volksschullehrer verschiedener Güte. Die Lande Mecklenburg haben bekanntlich� vielfach recht eigsm artige Zustände, im besonderen auch eigenartige Schulverhältnisse. Daß die Lehrer in der Ritterschaft eine ändere, geringere Ausbildung erhalten, als die übrigen Volksschullehrer des Lonbes, bedeutet zwar nur eine Zweiteilung.' Eine Bierteilung ergibt sich aber in geholt- licher Beziehung. Die Lehrer in den fünfGroß-städten müssen mindestens 1299 bis 2499 M. für ihren Lebensunterhalt haben. tvithrend die Letzter in den Städten mit weniger als 19 999 Ein- Ivohyern mit 19992999 M. auszukommen haben. Die vom Staate angestellten und beioldeten Lehrer im Domaninm haben nur 899 bis 1$99 M. nötig, während die staatlich konzessionierien, alS Privat­angestellte behandelten ritterschaftlichen Lehrer mit 9991599 M (19901990 M. stehen auf dem Papier ) auskömmlich besoldet sind.