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Nr. 253. 25. Jahrgang.

1. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt. littwoch, 28. Oktober 1908.

Abgeordnetenbaus.

3. Sizung: Dienstag den 27. Ottober, bormittags

11 Uhr.

Am Ministertisch: niemand. Zunächst erfolgt die Vereidigung der bisher noch nicht ber­eidigten Mitglieder des Hauses, darunter der sozialdemokratischen Abgeordneten.

Ga folgt die

Beratung des Antrages Borgmann( Soz.) auf Haftentlassung des Abg. Liebknecht( Soz.) für die Dauer der Gession.

fönnen.

Abg. Hirsch( Soz.): Die Vorgänge, die zu unserem Antrag geführt haben, werden Ihnen bekannt sein. Unser Kollege Liebknecht hat im vorigen Jahre eine Broschüre über den Militarismus ge­schrieben, auf Grund deren der Staatsanwalt Anklage gegen ihn crhoben hat. Er wurde dann zu einer Festungshaft von Jahren verurteilt. Das Gericht erkannte an, daß eine ehrlofe Ge­sinnung bei ihm nicht vorliege. Am 24. Oktober v. J. hat Liebknecht seine Strafe angetreten. Er würde also, falls er sie ununterbrochen zu verbüßen hat, an den Verhandlungen des Abgeord­netenhauses in dieser Session voraussichtlich gar nicht teilnehmen Es entsteht nun die Frage, was wichtiger ist: ob ein Abgeordneter die Möglichkeit hat, sein Mandat auszuüben, oder ob die Staatsgewalt ihren Strafanspruch geltend machen kann. Hält man das erstere für wichtiger, so muß man unbedingt dazu fommen, unserem Antrage zuzustimmen. Die Justizbehörde ſteht freilich auf einem anderen Standpunkt. Zum Beginn der vorigen Seffion hat Liebknecht an den Oberreichsanwalt den Antrag gestellt, ihm Urlaub für die Dauer der Session zu gewähren. Dies Gesuch wurde abgelehnt. In dem Ablehnungsschreiben hieß es: Das Gesuch wird abgelehnt, da ausreichende Gründe für eine Unterbrechung der Strafhaft nicht vorliegen. Ich bitte, dies

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bem" Liebknecht

nur

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hatte.

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griff des Strafverfahrens nicht; man kann daher sehr wohl unter langen tein Privileg für den Genossen Liebknecht , sondern nur ein diesem Ausdruck beide Arten des Verfahrens verstehen. Ein Recht. Ich verrate Ihnen kein Geheimnis, wenn ich sage, daß Jurist ist in einem Artikel des Berl. Tageblatis" zu dem dieses hohe Haus in den weitesten Kreisen des preußischen Volkes felben Schluß gekommen. Er ist der Ansicht, daß, wenn auch keine sich keiner besonderen Beliebtheit erfreut.( Lebhafter Widerspruch positiven Bestimmungen darüber vorliegen, doch zweifellos eine rechts.) Wir geben Ihnen mit unserem Antrag die Gelegenheit, Rechtspflicht des Abgeordneten zur Teilnahme an den Verhand- Ihre Popularität zu verbessern und hoffen, daß Sie sie benutzen lungen der Kammer bestehe. Die Kammer hat ein Recht auf werden.( Heiterkeit und Beifall bei den Sozialdemokraten.) Anwesenheit jedes Mitgliedes, aber auch jedes Mitglied hat ein Abg. Kreth( f.): Die Behauptung, das preußische Volt habe den Abg. Liebknecht mit Ehren überhäuft, ist eine mcrfwürdige Ver­Recht auf Anwesenheit in der Kammer, kennung der Tasachen, die man nur mit Bedauern anhören kann. gleichbiel, ob die Kammer seine Anwesenheit begehrt oder nicht. Mir ist es nicht bekannt, daß das preußische Volk über Karl Lieb­Bei der Schaffung der Reichsverfassung wurde ein Antrag gestellt, fnecht ein Plebiszit veranstaltet hätte, und wenn cinzelne Kreise der ausdrücklich verlangte, daß der Reichstag das Recht erhalte, den Abg. Liebknecht wählen, so ist das keine Ehre für ihn, sondern auch die Aufhebung der Strafhaft zu fordern. Dieser Antrag überaus bezeichnend für solche Wähler.( Abg. wurde abgelehnt, aber nur, weil die Reichsverfassung ohnedies so Adolf Hoffmann ( Soz.) ruft: Das ist viel bezeichnender für auszulegen sei. Die Reichsverfassung ist in diesem Punkte der Ihre Wähler!) Herr Hoffmann erfreut also jetzt uns mit den preußischen Verfassung nachgebildet, also wird man auch in drastischen Bemerkungen, die er früher in den Reidstag eingeführt Preußen dem Parlamente das Recht zusprechen müssen, die Auf­Die Kernfrage der Sache selbst ist einfach die, ob die Ver­hebung der Strafhaft zu verlangen. Als im Jahre 1879 fassung auch auf Sozialdemokraten anwendbar sein soll oder ob Wilhelm Liebknecht rechtskräftig verurteilt war, ließ ihn die Sozialdemokratie legibus soluta ist, ob sie über dem Gefeße die Staatsanwaltschaft gleichwohl während der ganzen Dauer der steht. Artikel 84 der Verfassung besagt ganz klar, daß nur Zivil­Session unbehelligt in Berlin . Die Behörden haben also und Untersuchungshaft, aber nicht Strafhaft unterbrochen werden früher hierin auch einen toleranteren Standpunkt eingenommen. soll. Von diesem verfassungsmäßigen Standpunkt, den auch der Der Reichstag hat sich allerdings stets auf den reaktionären Stand- Reichstag einnimmt, werden wir uns aus keinerlei gemütlichen punkt gestellt, daß eine Strafhaft nicht unterbrochen werden könne. Gründen entfernen. Der Abg. Liebknecht sen. hat am 21. No­Aber einflußreiche Parteien, auch das Zentrum unter Windthorsts vember 1874 im Reichstage gesagt, daß er die Ueberzeugung der Führung, haben stets den Standpunkt geteilt, auf dem wir heute Majorität teile, daß nur das Strafverfahren und die Unter­stehen. Im Abgeordnetenhause liegt ein Präzedenzfall bisher suchungshaft, aber nicht die Strafhaft unterbrochen werden müßten. meines Wissens nicht vor; es ist also frei in seiner Entscheidung. Diese juristisch ganz einwandfreie und schlüssige Deduktion des Wenn es nach den Buchstaben der Verfassung verfährt, kann es Abg. Liebknecht sen. wird der Abg. Liebknecht jun. gegen sich gelten unseren Antrag ablehnen; es muß ihn aber annehmen, wenn es lassen müssen.( Heiterkeit und Beifall rechts.) sich vom Geiste der Verfassung leiten läßt verzeihen Sie, daß ich vom Geiste der preußischen Verfassung fpreche.( Seiterkeit.) Gegenüber der Phrase: Preußen in Deutschland voran und Deutschland in der Welt voran! müssen wir auch hier feststellen, daß in bezug auf die Rechte der Ab­geordneten

Unser Votum zu der Sache steht also fest. Wenn nicht noch wichtige Gründe von einer anderen Partei für eine Kommissions­beratung vorgebracht werden, fönnen wir auch für cine solche nicht eintreten; andernfalls werden wir dafür stimmen.( Bravo ! rechts.)

eine

Abg. Roeren( 3.): Wir haben gewiß alle den Wunsch, daß zu etöffnen. Oberreichsantvalt Zweigert." Der Liebknecht Breußen weit hinter den Kulturländern feiner von uns verhindert ist, an den Verhandlungen dieses Hauses wandte sich hierauf an den Reichskanzler und erhielt vom Staats- zurüdsteht. Das österreichische Abgeordnetenhaus hat wiederholt teilzunehmen. Aber nach dem gegenwärtigen Stande der Gefeß­sekretär Nieberding ein Echreiben, daß zu einer Aenderung des die Unterbrechung der Strafhaft während der Session verfügt, gebung können wir nicht anders, als den uns vorliegenden Antrag vom Oberreichsanwalt erteilten Bescheides kein Anlaß vorliege. ebenso die belgische Kammer. Und selbst, wenn die Regierung sich abweisen. Nach der Begründung des Antrages halten auch wir Eine solche Unterbrechung fönne nur aus Billigkeitsgründen bei geweigert hat, dem nachzukommen, wie in Dänemark , haben die eine Sommissionsberatung für überflüssig. Herr Hirsch hat selbst schweren, außerhalb des Strafzwecks liegenden Nachteilen für den Barlamente an ihrer Forderung festgehalten. Vom preußischen die Haftentlassung des Abg. Liebknecht nicht als einen Rechts­Verurteilten oder seine Familie gestattet werden, und diefer Grund Abgeordnetenhaus muß ich allerdings eine Ablehnung unseres An- anspruch auf Grund des Artikels 84 hingestellt, sondern er hat als liege hier nicht vor. Der Herr Staatssetretär schätzt also trages befürchten. Hat es sich doch in der vorigen furzen Session Absicht des Antrages bezeichnet, daß das Abgeordnetenhaus über offenbar das Interesse, das die Wähler des Abgeordneten geweigert, ihn überhaupt auf die Tagesordnung zu sehen. Ja, im den§ 84 der Verfassung hinaus eine Bitte auf Haftentlassung des daran haben, ihre Interessen durch ihn vertreten zu Vorjahre, als wir zu unserem Bedauern hier noch nicht vertreten Abg. Liebknecht an die Staatsbehörde zu richten hätte. sehen, sehr gering ein. Diese Antwort der Justizbehörde ist um waren, erwähnte ein Abgeordneter der Rechten den Namen Karl Danach fönnen wir auch ohne Kommissionsberatung zur so bedauerlicher, als Präzedenzfälle vorliegen, in denen aus Liebknechts und fügte hinzu: Leider auf Festung". Er be- sofortigen Ablehnung des Antrages kommen, falls nicht dauerte aber nicht etwa, daß jemand wegen feiner politischen Ge- etwa andere größere ganz nichtigen Gründen Festungsgefangenen Urlaub erteilt Partei cine Kommissions­fvorden ist. So hat z. B. ein Hofschauspieler Urlaub er- sinnung bestraft worden war, sondern erläuterte diese Bemerkung beratung für notwendig hält. Was den Fall Majunte an­halten für eine Vorstellung( Hört hört! bei den Sozialdemokraten), dahin: Ja, er könnte doch auch wo anders sein." Jemanden ins langt, so hat die Mehrheit des Reichstags sich damals ausdrücklichy cin anderer Festungsgefangener zur Teilnahme an einem Fest- Buchthaus zu wünschen, weil er seinen politischen Anschauungen dahin ausgesprochen, daß der Schutz des§ 31 der Verfassung effen( hört! hört!), Graf Pudler wurde beurlaubt, um in Ausdruck gegeben hat, das ist eine Verrohung, für die ich einfach hier der§ 84- sich auf eine Verhaftung zum Zwecke der Straf­Berlin Boltsberjammlungen abhalten zu können. Danach Karl Liebknecht wird leicht darüber hinwegkommen, denn das Ur- Abgeordnete Liebknecht tam übrigens gerade auf Grund der Ent­tein Verständnis habe.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) vollstreckung nicht erstrecke.( Hört! hört! rechts.) Der verstorbene würde zweifellos Liebknecht auch Urlaub erhalten haben, wenn er teil des Reichsgerichts und die Urteile der Ehrengerichtshöfe sind stehungsgeschichte des§ 31 der Verfassung zu der Ansicht, daß unter nicht gerade sozialdemokratischer Abgeordneter wäre.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Wahrnehmung der Geschäfte als für ihn eine glänzende Anerkennung. Die Berliner Anwalts- dem Ausdrud Strafverfahren" in diesem Paragraphen die Straf­Boltsvertreter dürfte doch ameifellos wichtiger sein, als die Teil- fammer hat unter dem Vorsiz des verehrten Bizepräsidenten Strauſe vollstreďung nicht zu verstehen sei.( Sört! hört! rechts.) Ein nahme an einem Feſteffen.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) ausdrücklich festgestellt, daß Karl Liebknecht seine Schrift lediglich Rechtsanspruch auf die Haftentlassung des Abg. Liebknecht was die rechtliche Seite der grage betrifft, so hatten meine aus politischen Motiven verfaßt und nichts anderes bezweckt hat, besteht also nicht. Wenn wir trotzdem diesem Antrage gu­Freunde ursprünglich die Absicht, unseren Antrag mit dem in- als nach seiner besten Ueberzeugung dem Boltewohl zu dienen. Sie stimmen würden, so würden wir damit eine Bitte an die weis auf§ 84 der Verfassung zu begründen. 3 war uns hat hinzugefügt, daß seine berufliche Tätigkeit und sein persönliches Regierung richten, dem Abg. Liebknecht eine besondere Ver­nich möglich, einen so formulierten Antrag einzureichen, Leben durchaus malelfrei seien. Die Anklagebehörde hat sich dabei günstigung zu gewähren. Das halte ich im Hinblick auf die Kloste weil wir hierfür nicht die nötige Anzahl von Unter- nicht beruhigt, sondern ist an die zweite Instanz gegangen, weil sie fequenzen für äußerst bedenklich. Wir könnten einer solchen Bitte ftübungen betamen. Wir mußten deshalb diesen Hinweis durchaus gar keinen Nachdruck verleihen, und es wäre so stets dem dis­aus dem Wortlaut des Antrages herauslassen, erklären aber aus fretionären Ermessen der Regierung überlassen, ob sie einen Ab­drücklich, daß wir nach wie vor auf dem Standpunkt stehen, daß geordneten aus der Haft entlassen will oder nicht. Ein solches der Strafaufschub durch Artikel 84 der Verfassung begründet ist. Vorgehen entspricht nicht dem Ansehen des Hauses.( Bravo ! im Dieser Artitel sagt in seinem entscheidenden Absah, daß jedes Zentrum und rechts.) Strafverfahren gegen ein Mitglied der Kammer, daß jede Unter­suchung der Zivilhaft für die Dauer der Sizungsperiode auf­gehoben wird, wenn die betreffende Kammer das verlangt. Es fragt sich dabei nur, was ist unter Strafverfahren" zu verstehen. Man behauptet, daß nicht das Strafvollstreckungsverfahren, sondern lediglich das Strafverfolgungsverfahren unter den Begriff des Strafverfahrens falle. Unser Strafrecht kennt aber den Be­

Kleines feuilleton.

auch Liebknechts wirtschaftliche Existenz vernichten wollte. Auch der Ehrengerichtshof in Leipzig hat erklärt, daß Liebknecht nicht ehrlos gehandelt hat. Der höchste Richter aber, das preußische Volt, hat Karl Liebknecht geradezu mit Ehren überhäuft. ( Lachen rechts.) Es hat den Hochberräter", den der Oberreichs- Abg. Friedberg( natl.): Auch wir halten eine Erledigung des anwalt ins Zuchthaus schicken wollte, dem er beantragte, die bürger- Antrags im Plenum für durchaus möglich, da unser Strafrecht lichen Ehrenrechte auf fünf Jahre abzuerkennen, wenige Wochen keine Handhabe bietet, um eine Haftentlassung des Abgeordneten danach mit überwältigender Mehrheit in die Stadtverordnetenver- Liebknecht zu verlangen. Darüber hinaus eine Bitte an die sammlung und in das Abgeordnetenhaus gewählt. Die Wähler Regierung zu richten, dazu haben auch wir keine Veranlassung. Die von Berlin 11 erheben jetzt den Anspruch, daß ihr abgeordneter die Fälle, die Herr Hirsch angeführt hat, können für uns nicht maß­Möglichkeit erhält, sie hier auch wirklich zu vertreten. Wir ver- gebend sein; die Verantwortung für diese Fälle trifft lediglich die von dem Amhurst- Kollege im Staat Massachusetts ausgeschickt worden Kunstchronit. Die Berliner Sezession wird im und ist, wie die" Nature" erfährt, jezt eben von einer erfolgreichen Dezember eine Winterausstellung in ihren eigenen Räumen am Durchforschung der Ebenen von Whoming und Nebraska zurüd. Kurfürstendamm veranstalten. Sie ist in erster Hinsicht den gelehrt. Die Sammlungen scheinen höchst ansehnlich ausgefallen zu zeichnenden Künsten vorbehalten, wird aber auch eine besondere fein. Sie bestehen aus nicht weniger als 3-4000 Indianer- Reliquien, Abteilung für Jaustrationen und Buchschmuck enthalten. und fast noch wichtiger erscheinen die paläontologischen Funde. Unter diesen werden genannt: ein vollständiges Stelett einer aus gestorbenen Sameelart, Teile eines Steletts eines riesigen Rhinozeros, Schiller- Theaters im Berlinischen Rathause werden ant die Kiefer eines Hundes aus vorgeschichtlicher Zeit und andere Sonntag, den 1. Nov., abds. 8 Uhr, mit einem Karl Loewe- Abend er­Knochen von ausgestorbenen Vorfahren des Pferdes, Hundes, öffnet. Die Einrichtung dieser Abende ist die alte geblieben: auf Samels, Renntiers, Bibers, der Katze uſtv. einen einleitenden Vortrag folgen Gesangsvorträge. Eintrittskartent zu 40 Pf.( einschließlich Garderobe) sind schon jetzt zu haben in ( dem Rathause gegenüber).

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Die Dichter und Tondichter- bende des

- Der Verein für Frauen und Mädchen der rbeitertlaffe veranstaltet am Montag, den 2. November, int großen Saal des Gewerkschaftshauses einen Kunstabend, an dem Dr. Leopold Hirschberg über Das deutsche Volkslied" sprechen und dazu musikalische Erläuterungen geben wird. Die Art Dr. Hirschbergs, einer sogenannten unmusikalischen". Zuhörerschaft musikalische Probleme zu veranschaulichen, hat sich schon wiederholt bewährt. Die Musit, die die unmittelbarste aller Künste ist und doch trop aller Popularität für viele ein unentdecktes Land bleibt, wird bei solcher Art der Popularisierung bertieftes Verständnis und ge­steigerte Genußbereitschaft finden. Freunde des Vereins, besonders Jugendliche und deren Eltern, sind zu dieser Veranstaltung ein­geladen. Eintritt frei.

Ueber die lehten Fortschritte der Erdbebenforschung veröffent licht Professor Dr. J. B. Messerschmitt im neuesten Heft der Umschau"( Frankfurt a. M.) einen Auffaz, der angesichts der Nachrichten über die Erdstöße im Vogtlande ein besonderes Inter­cife erhält. Die Erdbebenforschung steht zwar erst in ihren An­fängen, aber durch die Konstruktion geeigneter Erdbebenmesser ( Seismometer) ist sie in ein neues Stadium getreten und hat bereits wichtige Resultate gezeitigt; die Erdbebenwellen selbst fönnen nun studiert werden, und ihr Weg und ihre Erscheinungs- Wie soll man gurgeln? Das Gurgeln, eine so weitverbreitete beiden Schiller- Theatern und in der J. M. Späthschen Buchhandlung form liefern Aufschlüsse über das Erdinnere selbst. Dabei wird Heilmethode es auch ist, wird doch meistens verkehrt vorgenommen die Erforschung der Grdbeben, wie es nicht anders möglich ist, und erreicht deswegen seinen Zweck, die gesamten Rachenorgane zu von den Gelehrten der verschiedenen Kulturvölker gemeinsam be- bespülen, nur höchst unvollkommen. Wie es gemacht werden muß, trieben, deren seit 1901 bestehende loje Bereinigung feit 1905 gu lehrt Dr. G. Richter. Der Patient figt mit rüdwärts gebeugtem einer festen internationalen seismologischen Afsoziation" geworden Körper auf einem Stuhl, nimmt einen Schlud Wasser in den Mund ist, die bereits für die Jahre 1903 und 1904 Erdbebentataloge her- und neigt den Stopf so weit als möglich nach hinten. Dadurch gestellt hat. Dabei ergab sich, daß jährlich 4000-5000 Erdbeben wird der Kehlkopf auf die Wirbelsäule gebrüdt und die direkt gefühlt werden, und eine nähere Untersuchung der Be- Speiseröhre verschlossen. Mit einem Taschentuch wird nun obachtungen von 1903 erwies, daß in diesem Jahre fast alle be- mehr die Zunge nach vorn gezogen und der Patient aufgefordert, fannten Erdbebenherde tätig gewesen sind. Für das Erdbeben von Wasser zu schlucken. Sieht man dabei in den Mund, so hat man Valparaiso vom 16. August 1906 ergab sich das merkwürdige Re- den Eindruck, als ob das Wasser völlig verschwinde, und der Patient fultat, daß ihm etwa eine halbe Stunde früher ein ebenso glaubt es geschluckt zu haben. Jetzt beginnt das Gurgeln, d. H. starkes Beben voranging, dessen Herd im nördlichen Stillen ein langsames Ausaimen. Nach einer Beile schließt der Patient Ozean lag, von dem aber keine direkte Nachricht zu erhalten den Mund und beugt Körper und Stopf rasch nach vorn. So fließt war. Das Beben von Valparaiso begann gerade zu der die Flüssigkeit durch die Nase aus und diese sowie der Nafenrachen­Beit, als die ersten Wellen jenes pazifischen Bebens in Chile an- raum werden ebenfalls gespült. Sogar fleine Kinder können diese langten, so daß also diese erst die vorhandenen Spannungen in Methode leicht erlernen. der Erdeinde auslösten und zur Katastrophe führten. Gerade solche auslösenden Wirkungen fann man öfter wahrnehmen, und die Erdbebenwellen können so für ein Schüttergebiet eine ganze Reihe von Beben verursachen. In siebzehn Minuten durchlaufen die Es ist Materie für ein Kolleg, Wellen den Erddurchmesser; tehren sie dann nach 34 Minuten zu Gin Anlaß zu Professuren, dem Ausgangspunkt zurück, so fönnen sie hier ein neues Beben Es ist ein Ballast der Bibliothek, hervorrufen. Die Reflere kehren aber nicht nur vom Gegenpunkt, Ein Füllsel der Registraturen; sondern auch von anderen Teilen der Grde zurück, und sie sind es ist ein Schatten am grünen gerade nach Ansicht Professor Messerschmitts für das sächsisch­

Humor und Satire. Das Bölkerrecht.

Tisch,

Es ist eine Blase in einem Gehirn, Ein Trug für menschliche Sinne, Es ist eine Barriere von Zwirn, Ein Panzer, gewebtvon der Spinne; Es ist ein Gebilde des Seifen Schaums, Refler von Luftparagraphen, Es ist der Text eines lieblichen Traums, Geträumt von juristischen Schafen; Es ist eine Flostel im Nedegeflecht, Motiv zu großen Geberden, Es ist ein fodifiziertes Recht, Das gar nicht vorhanden auf Erden!

fündet,

vogtländische Bebengebiet von Bedeutung. Damit ist Der Krieg oder Frieden vers auch ein Weg für die Vorhersage der sogenannten Nachbeben ge­geben. Da die Erdbebenwellen auch das Erdinnere durcheilen und hierbei von einer gewissen Tiefe an eine plöbliche Aenderung in Es ist ein paragraphierter Wisch, der Wellenfortpflanzung eintritt, so ergeben sich aus diesen Be- An den sich keiner bindet; obachtungen auch wichtige Aufschlüsse über die Beschaffenheit des Erdinnern. E. Wichert wurde durch das nähere Studium der Erdbebenaufzeichnungen zu der Anschauung geführt, daß die Erde aus einem festen eisernen Kern bestehe, der von einem Gesteins­mantel bedeckt sei. Diese Annahme wird zwar durch andere Unter­suchungen, besonders astronomische, geftüßt, ist aber eine Hypothese unter anderen Hypothesen.

D

Notizen.

( Lustige Blätter".)

Eine große Indianer Expedition hat unter der Leitung von- Theaterchronit. Das Berliner Theater führt Professor Loomis ihre Aufgabe vollendet; sie war als die vierte am Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, Grillparzers Märchendrama: ihrer Art unter dem merkwürdigen Namen einer Foffiljagd- Expedition, Der Traum ein Leben auf.

Tschudi geht endgültig. Den für ein Kulturland und ein Land mit halbwegs entwickelten politischen Freiheiten un glaublichen, aber für Preußen mehr als wahrscheinlichen Meldungen von Werners bevorstehender Berufung wagt die Nordd. Allgem. Zeitung" nur ein sehr lahmes Dementi entgegenzustellen. Anstatt wirklich zu dementieren, gibt das offiziöse Blatt sogar zu, daß das neue Amt des Herrn von Tschudi noch nicht bestimmt sei". Er foll also feine Schöpfung für immer verlassen, und irgend ein kom­mandierter Byzantiner wird sein Werk verhunzen!

-Naturwissenschaft und Wunder. Ein Geldpreis wird von London für die Behandlung des Themas ausgeschrieben: Die Stellung der Naturwissenschaft zu den Wundern". Der Preis, der sogenannte Gunning- Preis, beträgt allerdings nur 800 M. Die Abhandlungen, die sich um den Preis bewerben wollen, müssen bis zum 21. März 1909 an den Sekretär des Vittoria- Instituts in London , von deni auch weitere Einzelheiten zu erfahren sind, gerichtet werden.

Eine vollständige Faksimileausgabe der Briefe Baruch Spinozas, des von unserem Genossen J. Stern verdeutschten Philosophen, wird zurzeit im Haag geplant. Neuerdings haben sich nämlich mehrere Verehrer der spinozistischen Lehre zusammengetan, um fämtliche Briefe seiner Hand, soweit fie fich noch erhalten haben, durch Lichtdruck zu vervielfältigen. Die neue Vereinigung von Spinoza - Freunden hofft durch ihre Unter­nehmung auch noch unbekannte Briefe aus den Wappen der Sammler oder der Archive und Bibliotheken hervorzuleden