Abgeordnetenbaus.
7. Sigung. Sonnabend, den 31. Oktober 1908, vormittags 10 Uhr.
Abg. v. Pappenheim ( t.): Ich widerspreche; wir sind über den Juhalt der Hoffmannschen Rede genau informiert.( Zustimmung rechts.) Abg. Hoffmann( Soz.): Ich mache darauf aufmerksam, daß nach der gestrigen Sitzung vier Herren aus verschiedenen Parteien mich gefragt haben, was ich denn eigentlich gejagt habe. Sie können doch nicht über die Ordnungsrufe entscheiden, wenn der Bericht nicht vorliegt; sonst faffen Sie einen Entschluß, der auf Ihrer Macht beruht, aber nicht auf der Gerechtigkeit. ( Lachen rechts.) Abg. Dr. Krause- Königsberg( natl.): Die Geschäftsordnung ist das Gesetz des Hauses. Der Gesetzgeber hat sicherlich den Fall vorgesehen, daß die Berichte nicht schon am nächsten Tage gedruckt sein lönnen. Trotzdem hat er bestimmt, daß schon am folgenden Tage über die Sache entschieden werden foll; daran haben wir uns zu halten.
Abg. Hoffmann( Soz.): Auch wir wollen die Sache heute erledigen, aber am Schluß der Gigung. Wenn Sie noch einen Funken von Gerechtigkeitsgefühl haben, dann müssen Sie unserem Wunsche nachkommen.( Lachen rechts.)
Abg. Dr. Friedberg( natl.): Ich bin der Meinung, daß nicht der jenige, der die Beschwerde eingelegt hat, darüber zu entscheiden hat, ob wir genügend informiert sind. Das muß Herr Hoffmann schon dem Gewissen derer überlassen, die über den Einspruch zu entscheiden haben, ob sie sich für genügend informiert halten. Wer nicht genügend informiert ist, wird, wie ich annehme, an der Beschlußfassung nicht teilnehmen.( Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wenn Herr Hoffmann uns zurief: Wenn Sie auf meinen Vorschlag nicht eingehen, schlagen Sie der Gerechtigkeit ins Gesicht, so ist das eine Behauptung, die ich nach Form und Inthalt entschieden zurückweisen muß.( Bravo ! bei der Mehrheit.)
In der Abstimmung werden hierauf alle drei Einsprüche zurückgetvicsen. Gegen die Zurückweisung stimmen außer den Sozialdemokraten bei dem 1. und 3. Drdnungsruf alle Freisinnigen, bei dem 2. nur der freisinnige. Abgeordnete Flesch. Alsdann wird die Beratung der
fortgefekt.
Steuervorlagen
Abg. v. Arnim( k.): Die Frage des Wahlrechts steht mit dieser Frage in so loser Berbindung, daß ich feinen Anlaß habe, jetzt darauf einzugehen. Redner polemisiert im übrigen gegen finanztechnische Ausführungen der Vorredner.
1.
Abg. Graf Moltke( freit.) bleibt auf der Tribüne vollkommen unverständlich.
Abg. Dr. Gerschel( freis. Bp.) wendet sich gegen die Gesellschaftssteuer. Die Steuer belaste einseitig das mobile Kapital; sie bedeutet eine Doppelbesteuerung und entspricht nicht der steuerlichen Gerechtigteit. Für die Familie Krupp erhöht sich dadurch die Besteuerung einschließlich der kommunalen Steuern auf 37 Broz. ihres Einkommens. Das kommt zweifellos einer Konfiskation des Einkommens sehr nahe. Dazu kommt, daß die Steuer wie eine Prämie auf den ausländischen Attiengesellschaften uns zu erhalten, die vielfach wichtige wirtschaftBesiz wirkt. Wir haben aber ein großes Interesse daran, die liche Aufgaben erfüllen. Wir können daher in der gegebenen Form der Gesellschaftssteuer nicht zustimmen, eher sind wir für eine Er höhung der allgemeinen Einkommensteuer.( Bravo ! links.) Finanzminister v. Rheinbaben glaubt nicht, daß die schweren Birkungen eintreten werden, die man von der Geſellſchaftssteuer befürchte. Abg. Hirsch( So.):
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Am Ministertische: Frhr. v. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Entscheidung Abg. Dr. Wiemer( frs. Wp.): Wir sind prinzipiell für die Einüber den Protest des Abg. Hoffmann( Soz.) gegen die ihm erteilten fommensteuer und ihre Erhöhung. Wir verlangen aber die EinOrdnungsrufe. kommensteuer für das Reich und sehen daher in der Vorlage eine Bur Geschäftsordnung beantragt Abg. Borgmann( Soz.), diese Erschwerung der Reichsfinanzreform. Aus der Gesellschaftssteuer müssen Entscheidung bis zum Schlusse der Sizung zurückzustellen, bis jedenfalls die Genossenschaften herausgenommen werden. Herr Herold der stenographische Bericht über die gestrige Sigung vorliegt. Er hat die Frage des Wahlrechts berührt. Herr v. Zedlig meinte, beruft sich auf einen ähnlichen Vorgang im Reichstage die Sache habe keine Gile. Das verstehe ich vom Standpunkt des im Jahre 1902. beatus possidens, deffen, der im glüdlichen Befize ist. Aber wir haben ein großes Interesse daran, daß die Reform möglichst bald durchgeführt wird schon im Hinblick auf eine ja immer mögliche Auflösung infolge eines Konfliktes. Ich freue mich, daß Herr Dr. Arendt jetzt für die geheime Wahl eintritt. Graf Moltke hat gefragt, was ein Sozialdemokrat att wendig, um dem Terrorismus zu begegnen, wie er bei den der Spize des Finanzministeriums für Steuern vorletzten Wahlen von der Sozialdemokratie geübt wurde.( Widerspruch schlagen würde. Es handelte sich wohl dabei nur um eine akademische bei den Sozialdemokraten.) Die Erklärung in der Thronrede ist Frage( Heiterkeit), jedenfalls für die Zeit der gegenwärtigen Legislatur gewiß ein Fortschritt. Freilich meinen wir, daß Borarbeiten in periode.( Erneute Seiterkeit.) Meine persönliche Meinung darüber ist die, Dieser Frage reichlich genug getan find. Man foute jegt aus den daß ein sozialdemokratischer Finanzminister zunächst für die Auflösung des Erwägungen zum Handeln übergehen.( Bravo ! links.) Ich hoffe, Parlaments und für Neuwahlen unter der Parole...( Abg. Dr. daß wir uns bald hier zusammenfinden in dem Entschluß, das Arendt: Also Staatsstreich!) Die Auflösung des Parlaments ift geltende Wahlrecht auszubauen und umzugestalten zu einem Hort niemals ein Staatsstreich, sonst wäre ja die Auflösung des Reichsder Gerechtigkeit.( Buruf bei den Sozialdemokraten: Auszugestalten?! tags auch ein Staatsstreich gewesen.( Buruf rechts.) Sie haben Abg. Dr. Wiemer: Umzugestalten. Bravo! links.) mich nicht ausreden lassen. Ein sozialdemokratischer Minister, sagte ich, würde also dafür sorgen, daß das Parlament aufgelöst wird, und daß unter der Parole: allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht Neuwahlen angeordnet werden. Dann würde ein Parlament zustande kommen, das voraussichtlich für die Zwecke, für die Sie heute Millionen bewilligen, nichts übrig haben würde. Wir würden Abg. Dr. Pachnicke( frf. Vg.): Die Drohung des Herrn Finanz- dann zu der Sparsamkeit gelangen, die von so vielen Seiten Abg. Dr. Porsch( 3.): Um die Aeußerungen des Abg. Hoffmann ministers: entweder dauernde Mehreinnahmen oder keine Besoldungs- dieses Hauses gewünscht wird. Graf Moltke hat dann über den vollständig würdigen zu fönnen, müßte man die ganze Rede im erhöhungen, kann uns nicht beeinflussen. Er fügt nur zu der finanziellen Nürnberger Parteitag und die Budgetbewilligungsdebatte ge Zusammenhang lesen. Die Geschäftsordnung schreibt uns aber Schwierigkeit noch eine konstitutionelle. Das Vorgehen der Regierurg sprochen. Ich will darüber nur folgendes fagen: So ver vor, daß wir ohne andere Rücksichten jezt entscheiden müssen. fieht so aus, als ob man rasch die Hand auf die Vermögenssteuer chi e den auch die Ansichten über die Budgetbewilligung unter den Abg. Stroffer( fons.): Wir haben nicht die allergeringste Ursache, legen will, um sie den Reiche zu entziehen.( Sehr richtig! links.) Delegierten in Nürnberg gewesen sind, so hat doch darüber volle diesen Verschleppungsantrag anzunehmen. Herrn Hoffmanns Rede Gegen die Gesellschaftssteuer sind wichtige Bedenken erhoben Einigkeit unter den Mitgliedern des Parteitages geherrscht, daß steht ja heute in allen Zeitungen. worden, die vom Herrn Finanzminister nicht entkräftet worden sind. man diesem preußischen Staate niemals auch nur einen Pfennig beAbg. Hoffmann( Soz.): Wir verwahren uns ganz enschieden da- Aktiengesellschaften in Preußen würden dadurch schlechter gestellt als willigen dürfe.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) gegen, die Sache verschleppen zu wollen; wir verlangen heute eine die Attiengesellschaften in jedem anderen deutschen Staate; 3. B. die preußische Eisenbahnminister meinte neulich, es fomme uns nur Beschlußfassung.( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie Aktiengesellschaften in Altona würden schlechter stehen als die in Ham- darauf an, alles herunterzureißen. Dieser Vorwurf, daß wir keine unseren Antrag nicht annehmen, dann geben Sie zu, daß Sie burg. Das jezige Wahlrecht kann unmöglich bleiben wie es ist; es wirkt positive Arbeit leisten, ist durch die Tatsachen längst widerlegt. im Unreat find.( Lachen rechts und im Zentrum.) geradezu lächerlich. Nicht nach Besitz, nach Straßennummern richtet sich im preußischen Parlament ist es uns freilich bisher noch nicht Abg. Fischbed( frs. Bp.): Vom Standpunkt der Minderheit heute das Wahlrecht.( Sehr richtig! links.) Und die Oeffentlichkeit möglich gewesen, Proben unserer praktischen Arbeit abzulegen, müffen wir verlangen, daß streng nach der Geschäftsordnung ge- der Wahl bedeutet einen Bwang zur Heuchelei.( Richtig! links.) da wir bisher gewaltsam von ihm ferngehalten wurden. handelt wird; auf der anderen Seite darf man nicht verkennen, daß Das hat der Terrorismus der Sozialdemokratie Auch kann es niemals aufgabe einer Partei, die durch der Abg. Hoffmann ein Interesse daran hat, daß seine Worte bei den legten Wahlen bewiesen. Werden doch die Freunde von ein plutokratisches Wahlrecht in die Minorität gedrängt wird, authentis festgestellt werden. Wir halten es für gleich dieser aufgefordert, gegen die Gegner den Kampf bis zur wirtschaft- fein, positiv zu arbeiten; ihre Aufgabe ist vielmehr gültig, ob jezt oder später über die Sache entschieden wird.( Bei- lichen Vernichtung zu führen. Die Sozialdemokratie hat dadurch die, Kritik zu üben.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) fall links.) das Recht verwirft, über Vergewaltigung zu flagen, denn sie verPräsident v. Kröcher: Ich glaube, ich habe Ihnen schon ziemlich Abg. Hoffmann( Soz.): Daß Sie nicht unterrichtet sein tönnen, gewaltigt selbst.( Große Unruhe b. d. Soziald.) Aber die Rechte biel Zeit zu der Einleitung gelaffen. weswegen ich den Ordnungsruf bekommen habe, geht auch aus den macht sich zum Mitschuldigen.( Oho! rechts.) Wenn ich jemand ein Abg. Hirsch( Soz.): In den Motiven der Vorlage wird äußerste Zeitungsberichten hervor, in welchen steht, daß ein Teil des Zentrums Gewehr in die Hand gebe, darf ich mich nicht wundern, daß damit Sparsamkeit empfohlen. Wir sind auch für Sparsamkeit, nur fürchten und der Konservativen während meiner Rede demonstrativ den Saal geschossen wird.( Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Die Reform wir, daß unsere Ansicht über Sparsamkeit von der Ihren ganz verlassen hat. Wie wollen die Herren dann wissen, warum ich zur des Wahlrechts ist dringende Notwendigkeit. Wir werden einen verschieden sein wird. Ueber die Reichsfinanzreform darf ich Ordnung gerufen wurde? Beschluß herbeizuführen suchen bei der ersten sich bietenden Ge- ja hier mur nebenbei sprechen. Jedenfalls steht heute schon fest, daß legenheit, der einen Stützpunkt bieten soll für die Reform- es sich dabei vor allem um eine erneute Vermehrung der indirekten bedürftigkeit des Wahlrechts. Ich erinnere an das Wort des Steuern handeln soll. Die Ausdehnung der Erbschaftssteuer wird österreichischen Ministerpräsidenten: Das Geheimnis der Staats- von den Konservativen bekanntlich abgelehnt. Professor Adolf kunst liegt in der rechtzeitigen Schaffung von llebergängen.( Bravo ! Wagner hat dies Verhalten der Konservativen treffend kritisiert. bei den Freifinnigen.) Präsident v. Kröcher: Die Reichsfinanzreform steht nicht zur Freiherr v. Rheinbaben: Ich will es mir versagen, auf die Debatte, ich bitte sich wirklich auf die Sache zu beschränken. Frage der Wahlreform einzugehen.( Buruf links: warum?) Sie Abg. Hirsch( Soz.): Ich komme dann auf die Steuer steht mit den Steuervorlagen doch nur in sehr losem Zusammen vorschläge der Regierung. Vielfach besteht die Meinung, hange.( Unruhe links.) Im übrigen muß ich dabei bleiben, daß so als ob es sich dabei um eine Vorlage handelt, die der Sozialhohe dauernde Ausgaben, wie sie hier beschlossen werden sollen, auch demokratie auf den Leib geschnitten ist. Mir sagte neulich ihre Deckung in dauernden Einnahmen finden müssen. Wenn die ein bekannter Nationalökonom: Sie sind eigentlich in einer Vermögenssteuer den Einzelstaaten genommen würde, wie sollten schlimmen Situation: Sie sind gezwungen, für die erste sie dann ihre großen dauernden Ausgaben überhaupt decken. Die Vorlage, die die Regierung nach Ihrem Eintritt in den LandStulturaufgaben der Einzelstaaten müßten darunter notwendigerweise tag macht, energisch einzutreten. So liegt die Sache ja nu nicht, wenn wir auch zum Teil mit den Vorschlägen Abg. v. Sacs Jaworski( Bole) betont, daß die Ostmarkenpolitit der Stegierung einverstanden sind, weil sie mit unserm Programm schuld daran sei, wenn das Volk neu belastet werden müßte. Die übereinstimmen. Im einzelnen haben wir aber noch viel an Millionen, die im Osten zum Fenster hinausgeworfen würden, Tönnen den Vorlagen auszuseßen. llebrigens bedeuten die Vor beffer für Kulturzwede verwandt werden. schläge eine so minimale Belastung der Steuerzahler, daß ich den Abg. Dr. Röchling( natl.) wendet sich gegen die nachträgliche scharfen Widerstand der bürgerlichen Parteien nicht verstehe. Was Erhebung des Steuerzuschlages für das Jahr 1908. Wir bestreiten will es besagen, wenn Leute mit 7000 m. Einkommen einen Zuschlag nicht, daß dauernde' Ausgaben dauernde Einnahmen fordern. Hier von 10 m. im Jahre zahlen sollen. Der Meinung, daß den Gemeinden. handelt es sich darum, ob neue Einnahmen nötig sind. Die Schluß mehr Steuerrechte eingeräumt werden sollen, sind wir auch. Vor folgerungen des Finanzministers fönnen wir ohne Unterlagen nicht allem sollten sie zur Wertzuwachs steuer übergehen. Das nachprüfen. Es schwebt alles in der Luft. Redner spricht sich des wird aber folange nicht möglich sein, als das Hausbesitzerprivilegium weiteren gegen die Gesellschaftssteuer aus. in den Gemeinden aufrechterhalten wird. Wenn es also der Re-ist ziemlich das gerade Gegenteil von dem intim diskreten Stil, den mangelnder Brügel als Junge leider kein Französisch gelernt zu die Kammerspiele nach ihrem Namen und Programm pflegen haben und diese Bildungslücke durch eine um so repräsentativere wollen. Von einem künstlerischen Werte der Komödie kann auch Gattin auszufüllen strebt( Herr Gottowt); vor allem aber „ Seelenzöpfe" und Allerseelengebäcke. Am Allerseelentage und sprochen werden. Aber darum war diese Ausgrabung bei solcher offizier, der in der Wiedergabe Viktor Arnolds überwältigend bei weitester und liberaliter Dehnung des Kunstbegriffes nicht ge- einen einfältig fanftmütigen, die Vollmond leuchtenden Marinca in der unmittelbar darauffolgenden Zeit, in manchen Gegenden Dürre der dramatischen Produktion wie heutzutage noch gar kein fo tomisch wirfte. Herr Arnold war, bei aller durch den Stilcharakter auch um die Weihnachts- und Neujahrszeit, werden in vielen Teilen übles Experiment. Wenn die Petersburger Kleinbürgerkarikaturen, des Schvantes vorgeschriebenen liebertreibung, dennoch im Grunde Deutschlands eigentümlich geformte Gebäde angefertigt, die aus mit denen der berühmte russische Autor sich hier amüsiert, recht an- so menschlich wahr in dieser Rolle, daß ein paar simple Worte des zopfartig ineinander verschlungenen Teigsträngen bestehen und in spruchslos erscheinen, so sind sie immerhin derart, daß sie Schau- Schmerzes, die er bei Empfang des fiebzehnten Korbes zu murmeln Bahern und Oesterreich den wunderlich anmutenden Namen spielern, die Sinn für die groteske Komik des Idiotisch- dummen hat, eine merkwürdig starke Gefühlsresonanz auslöften, die sich auch Seelenzöpfe" führen. Die wenigsten Leute, die dieses Gebäck ge- haben, dankbarste Gelegenheit zu der Entfaltung von derlei spezi äußerlich durch den Applaus bei offener Szene tundtat. Unter nießen, ahnen wohl, daß sie dabei einem in die graue Borzeit fischen Humoren geben. Das Unbehagen über die Dürftigkeit, ja den Blinden ist der Einäugige König, der Beamte schlägt die anzurückreichenden, in uralt- heidnischen Vorstellungen wurzelnden Trivialität der Erfindung trat hinter dem Bergnügen, das dies deren aus dem Felde. Bei der zweiten Bisite muß er, den großBrauche folgen, dessen Ursprung in der genannten Bezeichnung noch Spiel verschaffte, weit zurüd. Ein wahres Raritätenkabinett brol- mächtigen Feiertagszylinder besorgt auf den Knien schaukelnd, in deutlich zum Ausdrud gelangt. Diese Zopf- und Flechtgebäde sind liger Dußlichkeiten tat sich in der Galerie der Freier auf und ver- Tête- à- Tête mit dem Fräulein sich den Strapazen einer Konvernämlich nichts anderes als die letzte schwache Spur uralter Toten- breitete eine Stimmung heiter selbstzufriedener Lachluft, die zu- sation unterziehen, nach der er gern den Rüdweg angetreten hätte. opfer, die in der ganzen indogermanischen Welt, wie auch in an- weilen in stürmischen Erschütterungen und Tränen explodierte. Indes der Freund läßt ihn nicht locker, verlegt ihm den Abzug, deren Kulturkreisen verbreitet waren und zum Teil noch heute hier und da wurde man sogar an die Virtuosität monumentaler und ehe der Eingetreiste sich noch recht überlegen kann, bekommt sind. Um die Totengeister zu versöhnen, wurden den Abgefchie- Dummheitssteigerung in Mark Twains gelungensten Humoresten er von dem Mädchen den Verlobungskuß. Sofort der Freund denen ursprünglich Teile ihrer Habe, Waffen, insbesondere aber man denke an Indien hat alles vorgesehen ihre Frauen zum Opfer gebracht; später soll auch die Einsegnung durch den Popen Der Held der Heiratsgeschichte, brillant von Wassmann folgen. Da schwillt im allerletzten Augenblicke Podkoliessiens stille trat an die Stelle der Frau selbst ein Teil ihres Körpers, und zwar dargestellt, ist ein fauler aufgeblafener Schwadroneur, der seine Angst unwiderstehlich an. Hinter der einen Tür steht die Braut, begreiflicherweise der am leichtesten abtrennbare Teil, das Haar, Tage rauchend auf dem Sofa zubringt, nebenher Beamter, an hinter der anderen der Freund, der ihm zur Sicherheit noch seinen wie denn noch in den homerischen Gedichten berichtet wird, daß die hohler Eitelkeit dem Gogolschen Revisor verwandt, nur daß ihm die But geraubt hat; erfinderisch im Drange der Not, entschlüpft er Träger der Totenbahre ihre abgeschnittenen Haare auf die Leich- fede Zuversicht den Frauen gegenüber fehlt. Inmitten der un- durch das Fenster. Außer den schon Hervorgehobenen sind noch, name legten. Gebräuche, die nur als Nachtlänge jener alten Toten- erfreulich kahlen Junggesellenbude malt sich seine Phantasie ge- und zwar mit in erster Reihe Hedwig Wangels höchst rasseopfer zu verstehen sind, sind sowohl im deutschen Mittelalter, wie mächlich alle Freuden des Eheparadieses aus. Aber selbst die echte und drollig originelle Heiratsvermittlerin, wie Lucie bei den Persern, den Aegyptern und den slawischen Völkern, ja lockendsten Offerten einer betriebsamen jüdischen Heiratsvermitt- Höflichs dummlich- resolutes Kaufmannstöchterchen zu nennen. selbst in China nachweisbar. Das Christentum hat diese uralten lerin vermögen nicht die eingeborene Tatenunlust und die geheime Vorstellungen, wie so viele andere bei seinem Eintritt in die abend- Scheu vor der Gefährlichkeit des letzten Schrittes zu überwinden. ländischen Völker übernommen und nach Möglichkeit mit dem neuen Glauben in Einklang gebracht; daher treten heute diese Zopf- den Entschluß hinaus, bis ein Freund Er spielt wie Wallenstein mit dem Gedanken und zögert immer Prompter Erfolg. Der Arzt sagte mir, daß; er mich gebäcke nur noch in der Zeit der alten Totenfeste ein Neidling , der, weil fcelentage und in der Weihnachtszeit auf, während Fastnacht gönnt ihn so gewaltig ausschimpft, daß er nicht länger widerer selbst ins Joch ging, auch keinem anderen mehr die Freiheit in zwei Wochen wieder auf die Beine bringen würde." Nun, und hat er nicht Wort gehalten?" und die anderen Feste der Freude anders geformte Gebäcke hervor- stehen kann und seufzend sich aufmacht, die ihm so feurig anja, nur zu sehr! Ich mußte mein Rad verkaufen, bringen. In den Städten tritt diese Gebundenheit bestimmter gepriesene Ghekandidatin, die Kaufmannstochter Tichonowna zu um feine Rechnung zu bezahlen." Gebädformen an die bedeutungsvollen Zeiten des Jahres heute besuchen. Dort trifft er mit der Falstaffgarde der anderen, gleichDie Lösung. Roeren:„ Wenn die Unfittlichkeit in der freilich weniger hervor, auf dem Lande und überhaupt in den falls von der Vermittlerin ins Feld geführten Freier zusammen. Kunst nicht aufhört, werde ich demnächst die Menschen wenden breiteren Volksschichten aber hält man noch an diesen überlieferten Da gibt es einen ungeheuer dicken, asthmatisch schnaufenden Gre- lassen. Dann kommt das Nackte nach innen!" Gebräuchen fest. futor, der im Zustand gesteigerter Leidenschaft Geräusche wie ein Theater. -Trainiert. Mildtätige junge Sausfrau: Hat Dampfer ausstößt( Herr Richard Großmann), cinen un- es gefchmeckt? Das habe ich selbst gefocht." endlich langen Infanterieleutnant a. D. mit Beinen, schlank wie Bettler: Ach, mir schadet das nichts, Madamchen! Ich Weidenruten und taschenmesserartig zusammenschnappenden Ver- war früher einmal Glasschluder in einem Zirfus." Beugungen, ein Elegant und Weltmann, der sich beilagt, infolge
Der Antrag Borgmann( Soz.), den Punkt 1 der Tages. ordnung hinter Punkt 2 zurückzustellen, wird hierauf gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Freifinigen abgelehnt. Abg. Hoffmann( Soz.): Ich ziehe nun meinen Antrag für heute zurüd und behalte mir vor, ihn wieder einzubringen.( Große Heiterkeit.) Bräsident v. Kröcher: Jch bin der Meinung, daß es nach der Geschäftsordnung nicht zulässig ist, einen Einspruch zurückzuziehen, der schriftlich eingereicht ist.
Abg. Dr. Porsch( 8.): Jebenfalls hat Herr Hoffmann dann nicht das Recht, noch einmal diese Beschwerde einzureichen. Abg. Hoffmann( Soz.): Nach diesen Ausführungen des Herrn Abgeordneten Borsch halte ich es für besser, wenn Sie heute Farbe bekennen und halte meinen Einspruch aufrecht.( Gr. Heiterkeit.)
Kleines Feuilleton.
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am Aller=
fammerspiele. Eine Heiratsgeschichte." Gine ganz ungewöhnliche Begebenheit in drei Aufzügen von Nicolei Gogol. Die derb- schwanthafte Holzschnittmanier dieser Szenen
leiden.
erinnert.
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Humor und Sative.
(„ Jugend".)
dt.