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1. Beilage zum ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt.

Nr. 60.

Parlamentsberichte.

Deutscher Reichstag .

63. Sigung vom 10. März 1893. 1 Uhr. Am Tische des Bundesrathes: v. Kaltenborn, v. d. Planik, v. Haag, v. Spitz, v. Funt. Die Berathung des Militäretats wird fortgefeht beim Rapitel Militär- Justizverwaltung".

Sonnabend, den 11. März 1893.

Abg. Hahu( dk.): Wir sind unsererseits überzeugt, daß diese Fälle sehr beklagenswerth find; aber wir sehen sie als vereinzelte Fälle an, die nur verschwindende Ausnahmen bilden.

10. Jahrg.

Diese Todtenschau sollte ganz unabhängigen richterlichen Personen Material zugegangen. Ich scheide diejenigen Fälle aus, die unterstellt werden, wenn man eine unparteiische Untersuchung mehrere Jahre zurückliegen. Bei dem Potsdamer Gardedu garantirt haben will. Auch müssen die Angehörigen davon be- torps wurde 1891 der Rekrut Wilhelm Körner eingezogen und nachrichtigt werden, sonst verbreitet sich im Volke immer mehr wurde, als er eines Tages im Dienst zu spät tam, so auf den die Meinung, daß man dort durch Mißhandlungen zum Tode Kopf geschlagen, daß er einen Theil seines Gehörs verlor. 63 gebracht werden kann. Auch diese Dinge zeigen, wie nothwendig tommt gar nicht selten vor, daß infolge solcher Schläge das eine Reform ist. Jegt sollen 60 000 Mann mehr ins Heer ein- Trommelfell platzt. gestellt werden. Damit nicht genug, schlug ihn noch ein an­Sollen wir immer mehr Tausende von derer Vorgesetzter, bei dem er sich beschwerte, auf den Kopf und Menschen in Verhältnisse bringen, wo ihre persönlichsten Rechte sperrte ihn in einen Stall ein, worauf der Geschlagene das Abg. Richter erklärt zur Geschäftsordnung, daß er das- und ihre persönliche Sicherheit nicht so gewährleistet ist wie Gehör ganz verlor. Die beiden Gefreiten, um die es sich hier jenige, was er über Soldatenmißhandlungen vorzutragen habe, anderswo? beim Kapitel Geldverpflegung der Truppen" vorbringen werde. handelt, sind kurze Zeit darauf aus dem Dienst entlassen worden, Kriegsminister v. Kaltenborn: Auch in Osterode ist ge- ohne daß Abg. Hinze( dfr.): Es muß dem Reichstage darauf an- richtliche Untersuchung und Bestrafung erfolgt, desgleichen in Zu den skandalöfesten Mißhandlungen gehört es, daß Vorgesehẞte daß fie die geringste Strafe erhalten hätten. tommen, zu erfahren, ob und wie weit die Militär Justiz Schwerin. Den eben verlesenen Brief bitte ich uns zur Verfügung einen Soldaten durch ihre Nachbarn ins Gesicht oder in den verwaltung den Ursachen der Selbstmorde in der Armee nach zu stellen; wir sind vollständig bereit, Untersuchungen anzustellen Mund spucken lassen. Im vorigen Jahre paffirte ein solcher geht. Die Zahl der Selbstmorde geht zwar zurück, ist aber ab- und nachzuforschen. Daß das alte Mütterchen" den Brief selbst Fall in Karlsruhe in der Ersatzkompagnie des dortigen Grenadier­folut genommen immer noch sehr hoch. In 35 pCt. aller Fälle geschrieben haben sollte, ist ohne Beweis nicht hinzunehmen. Regiments. Auch hier ist nicht bekannt geworden, daß der bes ift die Ursache des Selbstmordes nicht festzustellen gewesen. Be- Bivilbeamte werden bei der Todtenschau nicht zugezogen; den treffende Unteroffizier durch die Militär- Justizbehörde zur Ver schränkt sich die Heeresverwaltung darauf, Bericht über die Angehörigen wird nach allgemeiner Praxis die Todesursache mit antwortung gezogen ist. In Magdeburg hat sich am 6. Februar Selbstmorde einzufordern oder veranlaßt sie die Organe der getheilt. Heeres- Rechtspflege zu genaueren Untersuchungen? Außer all­dieses Jahres ein Musketier erhängt wegen unerhörter Miß­Abg. Richter( dfr.): Jch trete nur der Annahme entgegen, handlungen, der aus reiner patriotischer Begeisterung als achtzehn­gemeinen Ursachen sind eine Anzahl solcher vorhanden, die ledig als ob es sich hier um eine Mache, eine Beschwerde aus poli- jähriger Mensch eingetreten war. Er hatte seiner Mutter ge lich auf das Dienstverhältniß zurückzuführen sind, gekränktes tischen Motiven handelt. Der Brief macht diesen Eindruck nicht. schrieben, er könne es nicht mehr aushalten und werde sich das Chrgefühl, Furcht vor Strafe und Unluft zum Dienste. Sind Wir haben das gemeinsame Interesse, falsche Vorstellungen derart Leben nehmen. Obwohl ihn nun seine Mutter himmelhoch auch hierüber genaue Untersuchungen angestellt? Das Motiv nicht aufkommen zu lassen in der Bevölkerung. Darum muß bat, es nicht zu thun, so hat er doch seinen Vorsah des getränkten Chrgefühls findet sich besonders bei den Selbst auch eine richterliche Person bei der Todtenschan zugegen sein. ausgeführt. Auch in morden von Chargirten. Auffallend ist ferner die Thatsache, Wenn junge Leute plöglich so rasch dahinsterben, ist um so strafung des Vorgesetzten nicht bekannt geworden. diesem Falle ist mir eine Be daß die große Mehrzahl der Selbstmorde der Gemeinen im ersten mehr die Annahme gerechtfertigt, daß besondere Vorkommnisse 134. Regiment in Leipzig wurde ein Soldat von seinem Beiur Jahre des Dienstes erfolgt. Auch über die Ergebnisse der hierüber dazwischen liegen, und ist diese Annahme falsch, dann sollte die Sergeanten mit dem Rücken an den glühend heißen Ofen ge angestellten Ermittelungen erbitte ich Auskunft. Verwaltung erst recht den Angehörigen entsprechende Mittheilungen stellt, sodaß er sich den Rücken schwer verbrannte. Erst nach Generallieutenant v. Spitz: Die Zahl der Selbstmorde in machen. Den Brief werde ich demnächst dem Kriegsminister im drei Wochen wurde der Fall dem Hauptmann anonym gemeldet. der Armee korrespondirt im Verhältniß genau mit der Zahl der Original übersenden. Selbstmorde in den Provinzen, aus denen die Truppen fich refru­Der Geschädigte tam ins Lazareth, der Thäter sieht seiner wohl verdienten Strafe entgegen. Weitere Fälle zitirt Redner aus tiren. Daraus ist zu schließen, daß die Zahl der Selbstmorde Heilbronn und Ülm. Beim 12. Infanterie- Regiment in Frank von Ursachen abhängt, die nicht mit dem militärischen Dienst zufammenhängen. Die meisten Selbstmorde erfolgen aus Furcht furt a. D. hat ein Hauptmann seinen Burschen derart miß­Abg. Bebel( Soz.): Wir sind ganz anderer Meinung. Diese handelt, daß er an den Folgen dieser Mißhandlungen nach drei vor Strafe, erheblich mehr bei Chargirten als bei Gemeinen. Fälle unerhörter Mißhandlungen fommen in viel höherem Maße Wochen im Lazareth gestorben ist. Ein Sergeant, der zwei Sol­Auch hieraus ergiebt sich, daß die Selbstmorde der Gemeinen auf vor, als der Oeffentlichkeit überhaupt bekannt wird. fchlechte Behandlung nicht zurückzuführen sind. Bei jedem Selbst- richtig! lints.) Lebhaft bedauere ich, daß dies Jahr nicht er nur zu 1/2 Jahren Gefängniß verurtheilt worden. Der stans ( Sehr daten durch Mißhandlung zu Unzuchtsaften verleitet hatte, ist mordfall findet eine genaue gerichtliche Untersuchung ftatt mit laubt wurde, beim Stat der Militärjustiz diese Mißhandlungen dalösefte Fall hat sich in Schwerin ereignet. Hier ist zwar schon Hinzuziehung auch eines Arztes, der über die Ursache gehört wie im vorigen Jahre zu erörtern. Mit dem Abg. Richter glaube Untersuchung, wohl auch schon Berurtheilung erfolgt, dennoch ist wird. Ein bedeutender Prozentsatz der Selbstmorde geht auf ge ich, daß die Beschwerden, die hier im Hause im letzten Jahre es unerläßlich, auf diesen Fall auch im Reichstage hinzuweisen. fränktes Chrgefühl zurück. Durch die Bestrajung, die sie erlitten vorgetragen worden sind, absolut feine Wirkung gehabt haben, Die Heldenthaten der Herren Unteroffiziere Heyden und Schnee­haben, ist ihre ganze Zukunft vernichtet, und sie ziehen es vor, während doch sonst auf jeden Wink von oben sofort im ganzen berg sind ja in der Presse, soweit sie sich andeuten lassen, in den Tod zu gehen. Gewiß tönnen weichere Naturen, die eben Gebiete des Militärwesens die gewünschte Aenderung eintritt. auch angedeutet worden. Ihre Ausschreitungen sind der zum Dienst eingestellt sind, durch den plöglichen Wechsel in Ge- So nachdrücklich und entschieden von den verschiedensten Seiten art, daß man glauben muß, sie seien ihrer Geistes­müthsleiden verfallen, sie bekommen Heimweh, können sich an den des Hauses, auch von der Militärverwaltung selbst, derartige fräfte Kommandoton nicht gewöhnen, und auch auf diese Weise wird Mißhandlungen hier verurtheilt worden sind, so ist doch bis auf Alle diese Mißhandlungen würden feineswegs in dem Umfange nicht mächtig gewesen.( Sehr wahr! rechts.) mancher Selbstmord erklärlich. Nur 1,5 aller Selbstmorde fallen den heutigen Tag eine Besserung nicht zu verspüren. Ohne Zweifel stattfinden, wenn die Leute nicht das Bewußtsein hätten, daß sie der schlechten Behandlung zur Laft. Die Abnahme der Zahl der ist man allseitig im Haufe der Meinung, daß ohne eine gründliche nicht allein von ihren höheren Vorgesetzten möglichst in ihrem Selbstmorde ist zwar mäßig, aber stetig. Umgestaltung der Militär- Strafprozeß- Ordnung fein erheblicher ungefeßlichen Verhalten geschützt werden, sondern auch in den Abg. v. Giltlingen( Rp.) wendet sich gegen die gestrigen Wandel auf diesem Gebiet zu erwarten ist. Generallieutenant Fällen, wo es zur militärgerichtlichen Verurtheilung kommt, die Ausführungen des Abg. Kunert. Glaube dieser etwa, daß von Spitz hat zwar gesagt, daß die neue Militär- Strafprozeß- Strafe eine solche ist, daß sie im Vergleich zur Schwere der Miß­die Deffentlichkeit und Mündlichkeit des Verfahrens das Vor- Ordnung sich möglichst eng an die Bivil- Strafprozeß- Ordnung an- bandlung ganz unverhältnismäßig milde genannt werden muß. tommen der von ihm erwähnten Schandthaten verhindern werde? Die schließen wird, diese allgemeine Bemerkung läßt aber feinen Abg. Runert hat nicht beweisen wollen, daß die Kriegsgerichte Richtigkeit der von Kunert angeführten Zahlen müsse bezweifelt Schluß auf die Beschaffenheit der neuen Strafprozeß- Ordnung gegen das Gefeß erkannt hätten, sondern behauptet und unwider­werden. Auch nach dem Militär- Strafgesetzbuch dürfte das zu. Die Militär- Strafprozeß- Ordnung in Bayern ist gegenüber leglich bewiesen, daß die Bestrafung der Gemeinen wegen kleiner höchfte Maß mehrerer gleichzeitiger Verurtheilungen 15 Jahre der preußischen geradezu ideal. Ich bezweifle aber sehr, daß Disziplinarvergehen eine außerordentlich harte, die der Chargirten nicht überschreiten. Mit einem Falle der Verurtheilung zu man sich an dieselbe anlehnen wiro. Wir hatten im vorigen dagegen eine ungemein milde ist. Dieses Messen mit zweierlei 17 Jahren dürfte es also nicht ganz richtig sein. Erfreulich sei Jahre auch wegen der Erleichterung des Beschwerdeweges eine Maß wird von den Kriegsgerichten ganz systematisch betrieben. die Erklärung des Generals v. Spiß, daß die Vorlage einer Resolution beschlossen: derselben hat der Bundesrath keine Folge( Große Unruhe rechts.) Der Reichstag hat ja auch durch seine neuen Militär- Strafprozeßordnung im nächsten Jahre bevorstehe. gegeben. Es soll also bei den gegenwärtigen Verhältnissen Gestaltung des Militär- Strafgesetzbuchs, namentlich der Maximal Es sei zu wünschen, daß, was in Bayern sich bewährt habe, bleiben, zu deren Grundübeln auch die falsche Konstruktion des strafen, einen großen Theil der Schuld auch für das Deutsche Reich ersprießlich wirken werde. Schwierig Beschwerder echts gehört. an diesen Zu Das Meldewesen bei Beschwerden ist ständen. sei die Sache allerdings; die militärische Disziplin in ihrer der Krebsschaden der ganzen Einrichtung. Wo ein Soldat sich zwungen hatte, glühendheiße Kartoffeln zu essen, Ein Vorgesetzter, der einen Gemeinen ge­Besonderheit müsse berücksichtigt werden. Aber der Reichstag wirklich beschwert, schlägt ihm das zum größten Nachtheil aus. Der Mann starb, wurde zu 9 Monaten Gefängniß ver­werde dieser Besonderheit auch Rechnung tragen. Redner be- Dabei ist ihm die Pflicht der Beschwerde vorgeschrieben, aber urtheilt. dauert dann die nicht ganz würdige Stellung, welche die Juristen lieber nimmt er die Strafe für Unterlassung auf sich, als daß er hört! links.) In Weißenburg i. E. wurden 2 Soldaten, 9 Monate Gefängniß für einen Mord!( Hört! als Auditeure in der Armee einnehmen und empfiehlt eine ander- fich den Folgen einer Beschwerde aussetzt, denn auch für die nicht die sich in ihrer Trunkenheit außer Dienst an einem Unter­weitige Organisation. genaue Beachtung des Weges und der Form der Beschwerde, offizier thätlich vergriffen hatten, zu 5 und 10 Jahren Gefängniß Abg. Hinze: Aus der fast vollkommenen Uebereinstimmung sowie wegen unberechtigter Erhebung derselben, wird er bestraft. verurtheilt. Beim Zivil- Strafgerichtsverfahren wird Trunkenheit Der relativen Selbstmordzahlen zwischen den Truppentheilen und Wird der angeschuldigte Vorgesetzte wirklich bestraft, so kann der immer als strafmildernd angesehen, hier als ein erschwerender den Provinzen, aus denen fie fich rekrutiren, läßt sich auf die Beschwerdeführer sicher sein, daß alle übrigen Vorgesetzten wie Umstand. Für den ganz gemeinen Meuchelmord, den der Offizier Natur der Selbstmorde beim Militär doch nichts schließen. Die ein Mann gegen ihn zusammenstehen, und ihm das Leben so v. Salisch in Coblenz an einem Kommis beging, wird er zu Zahl der Selbstmorde in der Armee ist mehr als doppelt so groß, fauer machen, wie es irgend möglich ist. In der Presse kommen ja nur einem Jahre Gefängniß verurtheilt( Sört! hört! und Pfui! lints). wie in der Zivilbevölkerung. Hoffentlich wird es der Armee die allergröblichsten Mißhandlungen zur Sprache; die ungeheure An- Dieser Offizier, der in so ehrlofer Weise vorgegangen ist, wird verwaltung gelingen, dies Verhältniß günftiger zu gestalten. zahl der anderen Mißhandlungen gelangt nicht an die Deffentlichkeit. nicht etwa, wie man nach dem sonst so strengen Ehrenkoder der Es ist ferner auch Aufgabe der Heeresverwaltung, den Rekruten Nur diejenigen, welche nach kurzer Zeit den Dienst verlassen, wie Offiziere annehmen sollte, infam faffirt, sondern nach einigen das fremde Wesen des Dienstes, in welches sie sich hineinarbeiten die Lehrer, beschweren sich in der Presse. Von den übrigen, die Monaten Festung begnadigt( Hört! hört! links). Als ihm die sollen, möglichst freundlich zu geftalten, damit fie sich in dessen froh sind, daß sie endlich die Kaserne verlassen tönnen, erfahren Mutter des so scheußlich Ermordeten in leicht begreiflicher Ent­Härte und Strenge leichter eingewöhnen. Ich erkenne an, daß wir nichts. Was alltäglich auf unseren Kasernenhöfen, den rüstung einen heftigen Brief schreibt, geht diefer Offizier zum auch in diesen Zahlen eine fleine Besserung seit 1883 zu be Exerzierplätzen, auf den Stuben an Schimpfworten der gemeinsten Staatsanwalt und verklagt die arme Wittwe wegen Beleidigung. merten ist. Wenn auf schlechte Behandlung nur 11/2 pet. zurück Art geleistet wird, entzieht sich aller Beschreibung. Unter den Sie wurde zu 30 Mart Geldstrafe verurtheilt( Hört! hört! links). geführt werden, so bleibt dabei unbeachtet, daß eben bei 35 pet. Offizieren befinden sich nach einem Zeugniß in der Neuen Zeit" Ich frage, ob in der Militärverwaltung in solchen Fällen ähnliche aller Selbstmorde die Gründe nicht festgestellt worden find. in Stuttgart höchstens 20 pCt., die menschlich mit ihren Unter- Einrichtungen bestehen, wie in der Zivil- Justizverwaltung, indem ein Wie viel von diesen 35 pet. mag wohl zu den 12 pet. hinzugebenen umzugehen verstehen, ein geradezu grauenhaftes Verhält Gesuch auf Begnadigung an Allerhöchfter Stelle erst nach Untersuchung gerechnet sein? niß. Wenn in solchem Maße von seiten derjenigen Personen, und auf Befürwortung des betr. Justizdepartements eingereicht Damit schließt die Diskussion. Das Kapitel wird be welche in ganz besonderem Maße als Vorbilder für die Soldaten werden kann. Eins steht fest: Wenn die Offiziere glauben dürfen, willigt. gelten sollen, solche Beispiele gegeben werden, dann ist doch die daß fie des Allerhöchsten Schutzes sicher sind, was sie sich auch Beim Kapitel höhere Truppenbefehlshaber" allgemeine Berrohung auch beim Zivil kein Wunder mehr. In gegen die Untergebenen oder gegen das Zivil erlauben, so darf der Armee ist Grundfah, daß der Soldat gehorchen muß, einerlei, man sich überhaupt über nichts mehr wundern!( Vizepräsident Abg. Richter( deutschfr.): Bei Gelegenheit von Raisers Ges was ihm befohlen wird. Dieser Radavergehorsam, der die un- Baumbach: Ich halte es nicht für parlamentarisch, das Aller­burtstag haben verschiedene kommandirende Generäle, so Graf natürlichsten Verrichtungen erzwingen kann und erzwungen hat, höchste Begnadigungsrecht in die Debatte zu ziehen.) Gegen Walderfee in Altona , General von Lewinsti in Breslau , und steht in unmittelbarster Verbindung mit dem Selbstmorde. Daß Offiziere wird nur auf Festungshaft erkannt, eine Haft, die ihnen Generalmajor von Schtopp in Köln beim Festessen der Militär nur 11/2 pet. der Selbstmorde auf Mißhandlung zurückzuführen alle möglichen Vortheile bietet, mag das Vergehen noch so gemein vorlage gedacht. Die Trintsprüche in ihrer schwungvollen Inhalt find, ist einfach zum Lachen. Von den 35 pet., wo die Ursache sein. Die Erlasse gegen Mißhandlungen, wie sie nicht blos 1891 Tofigkeit( Heiterkeit) interessiren hier nicht; unangemessen erscheint nicht ermittelt worden ist, entfällt der allergrößte Theil auf die vom Herzog Georg von Sachsen, sondern auch vom Generalfeld­mir nur, daß folche Politit überhaupt bei solchen Gelegenheiten Mißhandlungen. Unzweifelhaft sind die Selbstmorde der Char- marschall v. Blumenthal 1885 und vom bayerischen Kriegs getrieben wird, weil bei diesen Festessen auch Mitglieder girten auch zum Theil Folgen der Strafe für ausgeübte Miß- ministerium 1890 ausgegangen find, auch vom Allerhöchsten Der Zivilbevölkerung zugegen find und dabei das handlungen. Aber obgleich die höheren Vorgesetzten alles thun, Kriegsherrn 1890, geben gleichmäßig eine Reihe von Verhaltungs­einigende, nicht das den Gegenstand des parlamen- um das Uebel zu beseitigen, nimmt dieses doch nicht ab, und es maßregeln, namentlich für die Offiziere, um die Mißhandlungen

bemerkt

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tarifchen Rampfes bildende, betont werden sollte. Das bleibt nur übrig, das ganze System dafür verantwortlich zu machen. zu vermindern, aber höchst charakteristisch ist, daß trotz dieser Kapitel wird bewilligt, ebenso die Kapitel Gouverneure, Die Ansprüche, die heut zu Tage an den einzelnen Soldaten ge- fchärfften Verurtheilung durch die höchste Militärbehörde Kommandanten und Plazmajore, Adjutanturoffiziere und Offiziere stellt werden und zugleich an die ausbildenden Unteroffiziere und in der Behandlung der Soldaten durch Die niederen in besonderen Stellungen, Generalstab und Landesvermessungs- Offiziere sind so groß, daß es begreiflich ist, daß die letzteren oft Vorgesetzten feine Spur einer Aenderung eingetreten ist. wesen, Ingenieur- und Pioniertorps". Das Kapitel Geld die Geduld verlieren und sie sich zu Handlungen hinreißen laffen, Es trägt eben die ganze heutige Art der Ausbildung unserer verpflegung der Truppen" wirft im preußischen Kontingent welche wider die militärischen Vorschriften sind. Ein neuer Be- Rekruten dazu bei, daß diese Mißhandlungen fortgesetzt werden; weis, wie außerordentlich nothwendig es ist, daß auf eine zweck die Mannschaften müßten schon vorher, che sie in den Dienst

104 846 759 M. aus.

Abg. Richter: Auch in dem letzten Jahre sind wieder eine entsprechende Vorbildung der Soldaten frühzeitig Bedacht ge- treten, so vorbereitet sein, daß ein Theil der Ausbildung bereits ganze Reihe von Soldatenmißhandlungen vorgekommen, übernommen wird. Wie kann man verlangen, daß junge Leute, die von ihnen in das Heer mitgebracht wird. Ebenso wirft einer welche hier im Reichstage öffentlich Klage geführt werden muß. vom 14. bis 20. Jahre förperlich ungelenk und steif geworden Besserung der unglaubliche Zustand entgegen, daß bei der Gegen die wehrlosen Rekruten aus dem Lehrerstande hat sich sind, mit ihrem Eintritt in die Armee die Ererzitien prompt aus Militärgerichtsbarkeit der Vorgesetzte Kläger , Vertheidiger und namentlich ein Offizier in Düsseldorf die gröbsten und gemeinsten führen? Die Mißhandlungen werden deshalb nicht alle bekannt, Richter in einer Person ist. Außerdem ist es auch nothwendig, Beschimpfungen zu Schulden kommen lassen. Dieser foll aber weil die Offiziere bei Mißhandlungen der Gemeinen durch ihre daß das Beschwerderecht der Soldaten von Grund aus um­bestraft sein. Ob dieselben Vorgänge in Osterode in Ostpreußen Untergebenen gern ein Auge zudrücken. Im Dezember des gestaltet wird." Jin Dezember des gestaltet wird. Es muß dahin kommen, daß kein Soldat ver­zu einer Bestrafung geführt haben, es handelt sich da um vorigen Jahres hat die Armee 127 Mann durch den Tod verpflichtet werden kann, eine Handlung auf Befehl seines Vor­

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einen Premierlieutenant, weiß ich nicht. Das Auffallendste verloren, darunter 24 durch Selbstmord, also beinahe 19 pet. gefeßten zu begehen, die nicht im direkten Zusammenhang mit dabei sind die Beschimpfungen der Leute direkt mit bezug auf Ich kann Ihnen eine ganze Reihe solcher Fälle vorführen, welche feinen Dienstvorschriften steht. Wenn die Pflicht zu gehorchen in ihren Beruf, diese Herabsetzung des Lehrerstandes, die von einer zeigen, welcher Art die Untersuchungen sind, welche die dieser Weise eingeschränkt würde, dann würde ein großer Theil Berrohung zeugen, daß man nicht mehr begreift, wie solche Militärbehörde über die Ursache der Selbstmorde angestellt der Mißhandlungen beseitigt werden. Anderseits muß dem Elemente überhaupt in den Offizierstand haben eindringen können. hat. Ein Soldat schrieb wenige Augenblicke vor seiner Soldaten die Möglichkeit gegeben werden, Beschwerden über er­Redner verliest dann einen Brief der Mutter eines Soldaten in Selbstentleibung an seine Mutter, daß die erlittenen Miß- littene Mißhandlungen direkt bei dem Hauptmann oder Major Rendsburg, der vor einiger Zeit verstorben ist, wie die Mutter handlungen ihn in den Tod getrieben hätten. Es ist ganz aus- anzubringen. Nur wenn nach allen diesen Richtungen hin von nach brieflichen Mittheilungen des Sohnes überzeugt ist, an geschlossen, daß er in einem solchen Augenblick gelogen hat. Die Grund aus Aenderungen getroffen werden, dann ist es möglich, den Folgen der ihm zugefügten Mißhandlungen. Es Militärverwaltung fam nach einigen Wochen zu dem Ergebniß, daß diesen scheußlichen Mißbräuchen, die hier zur Sprache ge foute doch eine ftrenge Untersuchung und vor allem daß unglückliche Liebe die Todesursache gewesen sei. Infolge der kommen find, einigermaßen ein Damm entgegengesett

fine strenge Todtenschau in solchen Fällen stattfinden. Ivorjährigen Debatte ist mir ein außerordentlich zahlreiches wird. Wir haben leider die traurige Ueberzeugung, daß