Nr. 58.
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Redaktion: Beuth- Straße 2.
Dienstag, den 10. März 1891.
Dom schwarzen Land. ben Minimallohn, den die Arbeiter der fiskalischen Werke
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Expedition: Beuth- Straße 3.
Gewiß wäre dies auch der geringste Schaden, der verlangt haben, fann der Fiskus nicht bewilligen, weil er überhaupt eintreten könnte. Eine allgemeine ArbeitseinWir gestehen es gerne zu, nicht allein der Arbeiter, eine Prämie auf Trägheit und Unzuverstellung in den Kohlenbaurevieren kann aber Folgen nach auch der Rentier ist zuweilen ein geplagter Mensch. Lässigkeit" wäre. Von nationalökonomischen Dingen sich ziehen, deren Wirkungen sich heute nach keiner In diesen Tagen, da die Fesseln des Winters brechen und scheinen die Herren von der fiskalischen Verwaltung nicht Richtung überschauen lassen und für die die Veranteinzelne Vorboten des nahenden Frühlings sichtbar werden, viel zu verstehen, sonst müßten sie wissen, daß es die wortung heute schon jenem übermüthigen Prozenthum zuda wandelt so mancher Aktionär mit sorgenvollem Antlig Schwankungen des heutigen Arbeits- und Waarenmarktes geschoben werden muß, welches selbst so harmloſe seinen Weg. Wenn er Bergwerksaktien hat, so ist seine sind, die einen Minimallohn undurchführbar machen, nicht Forderungen wie die der Einführung von Arbeiter- Ausunaufhörliche Frage: Werden die Bergleute aber die Trägheit" und" Unzuverlässigkeit". schüssen, als unvereinbar mit der ,, nothwendigen Disziplin" einen Streit machen?- Solch ein armer Mensch muß immer für seine Dividenden fürchten jaja, es ist Arbeitszeit sperrt, trotzdem man die Wohlthaten einer Wo die Regierung sich so sehr gegen eine Abkürzung der zurück weiſt. Was die Verwaltungen der königlichen Bergwerke nichts vollkommen auf dieser Erde. solchen ganz gut einsieht, da sind natürlich die Privat- bereits zugestanden und was Sozialreformer von so zweiBis jetzt haben zwar die Bergwerksaktionäre sich nicht Grubenverwaltungen noch viel weniger geneigt, auf die deutiger Arbeiterfreundlichkeit wie der Abgeordnete Dechelzu beklagen gehabt. Die Direktoren der großen Kohlen- Forderungen der Arbeiter einzugehen. Alle die alten, so häuser verlangen, das ist in den Augen der westfälischen gruben und Hüttenwerke haben es verstanden, die oft gerügten Mißstände bestehen noch in voller Kraft und Kohlenlords eine unerfüllbare Forderung". Die Herren Dividenden hoch zu halten. Es war, als hätten sie das auch das berüchtigte Wagen nullen behauptet sich. wollen eben die Arbeiter zum Aeußersten treiben, um dann Mittel gefunden, die Kohlen in Gold zu verwandeln. Sie wie die großen Unternehmer denken, bewies jüngst eine im Trüben fischen zu können. Gerade diese letztere Abbrachen einfach die Versprechungen, die sie den Arbeitern westfälische Grubenverwaltung, der man vorgeworfen sicht aber, die besonders durch die brüske Form der Abbeim großen Ausstand gemacht, nuzten die Arbeits- hatte, sie zahle niedrige Löhne, und die nun selbst eine lehnung der bescheidensten Arbeiterforderungen zum unnerfraft nach wie vor schrankenlos aus und ließen Bohnstatistik veröffentlichte. Danach verdienten von den hohlenen Ausdruck kommt, sie muß den Arbeitern Anlaß sich den Ausfall, den sie durch den Streit erlitten, Arbeitern dieser Verwaltung 31 pct. per Schicht 4-5 M., zu doppelter Vorsicht bieten. Die Arbeiter können ihre vom Publikum in Form hoher Kohlenpreise doppelt 25 pCt. 3-4 m., 34 pCt. 2-3 M. und 4 pCt. unter berechtigten Forderungen nur durchsehen, wenn sie danernd und dreifach bezahlen, wobei sie wie die Schienen- Kartell- 2 M. Und damit wollte sich die Firma gegen den Vor- der moralischen Unterstützung der öffentlichen Meinung brüder dem Ausland gegenüber dem Inland Vortheile wurf niedriger Löhne rechtfertigen! Was mögen nun die sicher sind. Diese Unterstützung den Arbeitern abfpenftig zu gewährten, während sie gegenüber der„ internationalen Bergleute da verdienen, wo die Verwaltungen selbst ein- machen, sie in den Augen der Allgemeinheit ins Unrecht zu Sozialdemokratie" nicht genug ihre patriotischen" Gefühle gestehen, daß sie niedrige Löhne zahlen! setzen, das ist seit dem letzten großen Ausstand das unablässige betheuern können. Bestreben der Organe der Kohlenlords. Immer und So hat sich nach all den Kämpfen in der Bergarbeiter- nationalliberalen Partei und den Kohlenbaronen eine baß die von den Arbeitern durch ihre fortgesetzten Streif Es schien einen Augenblick, als sollte zwischen der immer wieder begegnet man in denselben der Behauptung, Welt vorläufig noch nichts geändert; eine umfassende einheitliche Organisation ist durch die politische Bersplitterung stand gegen alle und jede Einmischung der Gesetzgebung die Ursache an den allgemein schmerzlich empfandenen Trennung stattfinden, weil die letzteren auf ihrem Wider- drohungen erzwungenen unverhältnißmäßig hohen Löhne nicht zu Stande gekommen, und die Bergleute müssen den Kampf um ihr väterliches Erbtheil, die a cht stündige beharrten. Allein nun hat die nationalliberale Partei - verbreitete Lüge ist nicht ganz ohne den gewünschten Erin das Verhältniß zwischen Unternehmer und Arbeiter hohen Kohlenpreisen sind. Diese seit Monaten systematisch Schicht, die vor bald 350 Jahren von Reichs wegen leitung reumüthig die Kohlenbarone wieder unter ihre folg geblieben, daß derselbe kein allgemeiner werde, das dekretirt und vom profithungrigen modernen Kapitalis- Fittige genommen, so daß den Herren ihr parlamentarimus wieder abgeschafft wurde, von Neuem aufnehmen. Die Regierung will die achtstündige Schicht- scher Einfluß voll und ganz gewahrt bleibt. Wenn die zu verhindern liegt an den Bergarbeitern selbst. Deren erfahrenste Führer sind sich über das Zweischneidige ablehnende Haltung der Regierung gegenüber den fiskali- eines Streits unter den jetzigen Verhältnissen vollständig und Ausfahrt inbegriffen auf ihren fistalischen Werken schen Bergleuten eine Nachgiebigkeit gegen die frondirenden im Klaren und es ist bezeichnend für die Situation, daß, nicht gewähren. Sie erklärt im Reichs- Anzeiger", dies Rohlenbarone bedeutet und anders können wir sie kaum während die Leiter der Bergarbeiter keine Gelegenheit bedeute in der Förderung einen Ausfall von 12 pet., auffaffen so ist bei den privaten Grubenverwaltungen vorüber gehen lassen, ohne den Streit als unerwünschtes und sie müsse dann einige Tausend Mann mehr beschäftigen. und nur letztes Mittel zu bezeichnen, Preffe und TeleDamit gesteht die Regierung die um so weniger an ein Nachgeben zu denken.
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eine segensreiche Wirkung der Verkürzung der Arbeits- Wenn man bedenkt, wie alle diese Umstände auf die graph soweit dieselben den Kohlenlords bienstbar sind zeit zu; sie schafft Arbeit für die feiernden Hände. Bergleute wirken müssen, so kann Niemand mehr zweifel- den Streit als sicher in Aussicht stehendes Ereigniß außer er müßte sich mit Gewalt einer besseren behandeln. Aber der Fiskus ist so gierig auf seinen Profit haft sein wie der Privatunternehmer, und so wird die Forderung Erkenntniß verschließen, daß man mit dem Zurückweisen Nun, hoffen wir, daß die eigensüchtigen Pläne geauch der mäßigsten der achtstündigen Schicht abgewiesen mit dem Bemerken, allerForderungen die Arbeiter wisser Kreise elend zu Schanden werden. Die Forde man müffe dann ungeübte Leute heranziehen und das dazu treibt, bei der ersten günstigen Gelegenheit zu einem rungen der Bergarbeiter aber, wie sie bei der Bochumer würde die Grubenunglücke vermehren. Es geht der Re- neuen Ausstand zu schreiten. Ob dann die Aktionäre Stichwahl im Mittelpunkt des Wahlkampfes standen, sie gierung wie den ostpreußischen und oberschlesischen Mag- mit ihrer Rente und Dividende ungeschoren davon kommen werden nicht mehr verschwinden, bis zu ihrer Erfülung. Auf welchem Wege diese Erfüllung vor sich geht, das naten, sie kann keine geeigneten" Arbeiter kriegen. Auch werden, dürfte mehr als zweifelhaft sein.
Feuilleton.
Nachdruck verboten.]
Die Falkner von St. Vigil.
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Roman aus der Zeit der bayerischen Herrschaft in Tirol
von Robert Sa, weichel.
setzt die Hände zusammen, der sitzt jetzt auf dem heiligen Stuhl zu Rom ?" ,, Das just nicht," berichtete der Gaft, ich hab' nur gemeint, daß der jetzt auch in allen Glaubenssachen befiehlt."
Daß Dich!" schmetterte der Klosterbauer zornig mit der Hand auf den Tisch. Es wird ihm wohl nicht vergessen werden," meinte der Glaser." Ja, ja, sie wissen sich halt nicht zu lassen vor Hochmuth und Uebermuth, und Vefa athmete erleichtert auf und ihr Bruder spottete: guade Gott dem, der sich ein uneben Wort über das fremde Regiment verlauten läßt! Für den giebt's Ja, Du bist klug." Wir haben alleweile zwei Päpste," fuhr der Glaser- nicht Recht noch Urtel."
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meister fort, aber der heilige Vater in Rom soll bei Wo aber soll das hinaus?" fragte der Klosterbauer
uns nichts mehr zu sagen haben. Die hochwürdigsten mit finsteren Brauen.
Er machte ein eigenthümliches Gesicht, als es bejaht Bischöfe von Trient und von Chur oder Meran hat die Der Topf geht so lange zum Brunnen, bis er bricht," murde; es schien anzubeuten, das er sich jetzt es erklären Regierung aus dem Lande gewiesen, weil sie die Gebote des verseßte Hartwanger mit gedämpfter Stimme.„ Aber an fönnte, wenn es Streit auf der Frohuviese gegeben hätte. heiligen Baters höher achteten, als die des Königs, und wer alledem ist nur der Napolium schuld. Seitdem der Meister Bon Vefa gedrängt, weitere Mittheilungen über den Her- von den geistlichen Herren fest zum Bapst steht, der fährt in der Welt ist, geht alles darunter und darüber. Wie es gang zu machen, antwortete er aber, daß er der Sache nicht übel. Maucher Pfarrer hat darum schon vom Amte und ihm gefällt und paßt, so müssen die Völker ihre Herren wechseln, weiter nachgefragt hätte. Reibungen zwischen den Bayern ins Gefängniß wandern müssen, wenn er nicht hat flüchten als ob sie schwarze Sklaven wie in dem Amerika wären. Und und Tirolern wären ja etwas Alltägliches. können. Sänftiglich wird mit ihnen dabei nicht umge- die Herren sind auch nicht besser daran. Sie müssen tanzen, wie der Franzosenkaiser pfeift. Reiner kennt sich mehr in seinem eigenen Land aus. Heut ist der Schlagbaum roth, und weiß angestrichen, morgen blau und weiß. Es weiß Keiner mehr, wenn er sich zu Bett legt, als was er morgen aufstehen wird. An den grünen Tischen da schneidern sie und schneidern sie."
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Da könnt' Einer ja des Teufels werden," murrte der
Vefa warf ihrem Bruder einen Blick zu, der ihn an sprungen." den Schmied Wolfgang Lechner erinnern follte. Deffen Wenn so' was meinem geistlichen Herren geschähe, bei Mienen blieben jedoch undurchdringlich. Er verstand es, seinen Jahren hätte er den Tod davon," rief Vefa beunhinter falten, starren Augen zu verbergen, was er nicht ruhigt. sehen lassen wollte. " Ja, der Bayer ist gar herb und gewalthätig," nichte " Ich habe blos noch gehört, daß der Kreishauptmann Hartwanger. die heiligen Gefäße aus der Kapelle hat wegnehmen laffen, zu Nichts gut war, bei uns einen Posten erwiſcht und spielt der Glaser noch seinen Mittheilungen hinzu. damit ja teine Messe mehr dort gelesen werden kann," fügte sich jeßt auf, je gröber, je besser. Sie schmeißen mit den Klosterbauer und schenkte sich ein Schnäpschen ein. Dem Schimpfwörtern nur so um sich. Nichts wie dumme Bauern- Gafte bot er nicht an. Vefa machte jedoch seine Unhöflichkeit lümmel sind wir in ihren Angen. Sie meinen, es gehe uns gut und übernahm mit süßlichem Mundspitzen die Rolle Bu verwundern iff's nicht," sagte Hartwanger.„ Denn noch viel zu gut, gleich sind sie mit dem Stock bei der Hand der Hebe. Ihr Bruder fuhr unterdessen fort:„ Die Steuern messen, es müßte noch dahin mit uns kommen, daß wir werden immer größer und die Bankozettel" und Kupfermünzen immer minder im Werth. Dazu stecken sie unsere
,, Das ist ja aber ganz schrecklich," stöhnte Vefa.
der Bapst gilt ja jetzt nichts mehr. Der König in Bayer- und ein Rentmeister im Mühlthal, der hat sich gar ver
land hat sich an seine Stelle gefeßt.
" D, Du blutiger Heiland," schlug die Pfarrwirthin ent- Gras fräßen."