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Nr. 55. 26. Jahrgang.

Reichstag .

1. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt. Sonnabend, 6. Mär 1909.

220. Sigung vom Freitag, den 5. März, nachmittags 2 Uhr.

Am Bundesratstische: Kraette.

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liberalen.)

Abg. Dr. Struve( frf. Bg., zur persönlichen Bemerkung) protestiert gegen die Behauptung des Staatssekretärs Straette, er habe etwas gegen seine Ueberzeugung gesagt. Staatssekretär Kraette bestreitet, eine solche Aeußerung getan zu haben; sollte sie ihm in der Hitze des Gefechts entfahren sein, so würde er das bedauern.( Bravo ) Nächste Sizung: Sonnabend 2 Uhr.( Fortsetzung der Beratung.) Schluß 7 Uhr.

Abgeordnetenbaus.

senden und den betreffenden Beamten auf sein Versehen aufmerksam würde es dienen, wenn in stärkerem Maße Postautomaten auch in zu machen, zeitigte dieses Versehen eiuen umfassenden Schriftwechsel, fleinen Orten aufgestellt würden. In bezug auf die neue Gebühren­der mit einer schriftlichen Rüge an den betreffenden Beamten für ordnung ist es nicht richtig, daß mein Parteigenosse Beck sein Bersehen endete. Das ist schon nicht mehr bureaukratisch, ihr zugestimmt wie Herr Schmidt- Altenburg gestern sondern meinte. Wir sind wohl bereit, eine stärkere Heranziehung zu bureaukrätkisch! den Kosten zu bewilligen, aber das vorgeschlagene Prinzip ist nicht Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Be( Schallende Heiterkeit). Weiter flagt der Redner darüber, daß die richtig. Wir hoffen, daß wir in der Kommission einen Weg finden ratung des Etats der Reichspostverwaltung in Ver- Postverwaltung in Kiel bei Unterstützungen gerade solche Beamte werden, um einen gerechten Ausgleich zu finden, ohne von der Bes bindung mit der ersten Beratung des Entwurfs einer Fernsprech nicht berücksichtigt, die es in erster Linie nötig haben; einem Unter- nugung des Telephons abzuschrecken.( Bravo ! bei den National­gebühren Ordnung. beamten, der um Ersatz der Kosten für ein künstliches Gebiẞ bat, Darauf bertagt sich das Haus. Abg. Dr. Böhme( wirtsch. Vg.) lobt die Postverwaltung, beson- wurde geantwortet: die Anschaffung eines künstlichen Gebisses gehe ders auch wegen ihrer sozialen Fürsorge, die aber bei den Unter- über seinen Stand hinaus!( Große Heiterkeit.) In die Stadt­beamten noch ausgedehnt werden müsse; auf vielen Bostämtern verordnetenwahlen in Stiel hat der Oberpostdirektor Lauenstein in liegen die sanitären Verhältnisse noch sehr im argen, z. B. auf dem ganz unzulässiger Weise eingegriffen. Unserem Kandidaten, dem Bostamt 21 in Berlin sind die Räume, in denen die Unterbeamten sich Posibeamten Schwarz, wurde eröffnet, die Reichspoftverwaltung aufhalten und arbeiten müssen, völlig unzureichend. Vor einer stärkeren würde seine Wahl nicht genehmigen. Er trat infolgedessen von der Heranziehung der weiblichen Personen zum Postdienst muß Kandidatur zurück, und die Folge war der Sieg von 5 Sozial­ebenfalls gewarnt werden. Die Portofreiheit der Fürsten zu be- demokraten.( Buruf bei den Sozialdemokraten: Sie wären auch so seitigen, davon fann gar keine Rede sein; der Reichstag ist dazu gewählt worden! Heiterfeit bei den Sozialdemokraten.) Herr Singer auch nicht imstande; aber Mißbräuche sollten vermieden werden. hat gestern schon zur Sprache gebracht, daß der Oberpostdirektor Daß bei den Telegraphenarbeitern Arbeiterausschüsse eingerichtet Lauenstein in Kiel nachgeforscht hat, wie die einzelnen Beamten ge­find, ist anzuerkennen; es sollte aber in dem Bezirk jeder Oberpost- wählt haben. Der Unterstaatssekretär hat darauf gestern gesagt, der Direktion ein solcher Ausschuß eingerichtet werden. Auch sollte man Oberpostdirektor habe nur nachgeforscht, ob die Beamten gewählt 46. Sizung, Freitag, den 5. März. die Befugnis der Arbeiterausschüsse erweitern. Ein berechtigter haben; nachforschen, wie sie gewählt haben, hätte er auch bormittags 11 Uhr. Wunsch der Telegraphenarbeiter ist ferner, daß ihnen, wenn sie gar nicht gedurft. Diese lettere Meinung sollte der Staats­Beamtenqualität erhalten, die Arbeiterjahre auf das Besoldungs- sekretär dem Beamten recht deutlich ชิน Gemüt führen. Am Ministertisch: Dr. Delbrück. Dienstalter angerechnet werden. Auch ihre Bezahlung bei( Sehr gut! links.) Aber Tatsache ist, daß schon am dritten Wahltag Auf der Tagesordnung steht zunächst der Bericht der Ge. Arbeiten außerhalb ihres Wohnsitzes ist zu gering. GIF Ueber in allen Bostämtern eine Verfügung eingegangen ist, daß die Vor- schäftsordnungskommission. betreffend die die Telephongebühren wird ein anderes Mitglied meiner steher ihre Beamten fragen sollten, wer an der Wahl teilgenommen mächtigung zur Strafgerichtlichen Verfolgung Fraktion sprechen, aber die aus Anlaß dieses Entwurfs gegen den habe und wer nicht. Das ist ein Eingriff in die staatsbürgerlichen des Gewerkschaftsbeamten Hermann Helbig qus Leipzig wegen Staatssekretär gerichteten Angriffe muß ich schon jetzt als un- Rechte und Freiheiten der Bürger.( Lebhafte Zustimmung links.) Beleidigung des Hauses der Abgeordneten. gerechtfertigt zurückweisen.( Bravo ! bei der Wirtschaftlichen Ver- Das einzig Erfreuliche an der Sache war, daß etwa ein Drittel der Abg. Dr. Zimmer( 3.): Es handelt sich um eine Aeußerung, einigung.) Beamten die Antwort abgelehnt haben. Das Vorgehen des Ober- die der Gewerkschaftsbeamte Helbig in einer sozialdemokratischen Abg. Kaempf( frf. Vp.): Die Erhöhung des Drtsportos hat zu postdirektors Lauenstein tommt lediglich der Sozialdemokratie zu Versammlung getan hat. Nach dent Zeugnis zweier Gendarmeries einer erheblichen Einschränkung des Verkehrs in Postkarten geführt. gute. Der Staatssekretär sollte gründlich für Wandel in Kiel sorgen. wachtmeister, Fabian und Schröder, hat Helbig bei der Bes Da der Postscheckverkehr eine Reihe von neuen Korrespondenzen mit( Bravo ! links.) sprechung des bestehenden Dreitlassenwahlrechts gesagt:" Die sich bringt, ist auch in seinem Interesse eine Verbilligung des Portos Staatssekretär Kraetke: Im Falle Schwarz hat der Ober- Herren in preußischen Abgeordnetenhause müssen vor sich selber zu verlangen. Wir wünschen, daß der Postscheckverkehr in jeder Weise postdirektor Lauenstein unrichtig gehandelt, weil eine Genehmi- ausspeien." Er hat ausdrücklich betont, daß er damit eine frühere gefördert wird. Dringend erwünscht wäre auch eine Ver- gung der Reichspostverwaltung gar nicht nötig war, wie Aeußerung der Erfurter Tribüne" wiederhole. In dem Artikel billigung des internationalen Briefportos; England hat hier Herr Lauenstein irrtümlich annahm. In dem anderen Falle der Erfurter Tribüne" war gesagt: Die Mehrheit des Abge­durch das Pennyporto mit seinen sämtlichen Kolonien und kann ich nur wiederholen, was ich schon gestern gejagt ordnetenhauses erkennt das bestehende Bahlrecht nicht mehr als mit den Bereinigten Staaten einen erheblichen Vorsprung vor habe: es ist nicht nachgeforscht worden, wie die Beamten ge- berechtigt und zweckmäßig an, das Abgeordnetenhaus hat vor sich Deutschland . Die Verbilligung der Tarife, ihre Anpassungen an die wählt haben, sondern ob sie gewählt haben( Burufe bei den Sozial- feine Achtung, es speit vor sich selber auß." Wegen dieser Beleidt­Verkehrsbedürfnisse ist dringend notwendig. Dem entspricht die neue demokraten.), und das ist jedenfalls etwas Harmloses.( Lebhafter gung ist seinerzeit die Ermächtigung des Hauses auf Strafver­Fernsprechgebührenordnung in feiner Weise. Als man das Pauschal- Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Wenn dem Oberpostdirektor folgung der Redakteure erteilt worden, die auch jeder mit einer gebührensystem einführte, hob man hervor, daß das Einzel- vorgeworfen wird, daß seine Beamten ja gar nicht wählen, so ist es Gefängnisstrafe von sechs Monaten belegt worden sind. Haus ist damals von seiner feststehenden Pragis, eine Ermächti­gesprächsystem großen erfordere doch verständlich Verwaltungsapparat obwohl ich es vielleicht nicht täte daß er und deshalb unwirtschaftlicher sei, und dieses Argument diese Nachforschung anstellt. Wie die Beamten gewählt haben, gung zur Strafverfolgung wegen Beleidigung nicht zu erteilen, trifft auch heute noch zu. Unzweifelhaft wird das Einzel- danach hat er nicht geforscht, und das ist der Kernpuntt. abgegangen mit Rücksicht darauf, daß die Beleidigungen in der gebührensystem zu einer Verminderung des Verkehrs führen sozialdemokratischen Presse sich in der letzten Zeit gemehrt hätten, ( Widerspruch links, Zustimmung rechts.) hat doch die Postverwaltung im Jahre 1899 selbst gesagt, daß dieses Dann hat Herr Struve behauptet, die Denkschrift über die Lage immer heftiger geworden seien und man vermeiden müsse, daß im System für die größeren Anschlüsse einer Versagung des Anschlusses der mittleren Beamten enthalte unrichtiges Material, und hat eine Bolte die Meinung entstünde, als ob etwas Wahres daran wäre. war, ist heute doppelt richtig.( Sehr richtig! bei den Freifinnigen.) daß die Postverwaltung Ihnen hier unrichtiges Material unterbreiten aber übereinstimmend, daß er die Aeußerung der Erfurter Tri­gleich fäme.( hört! hört! bei den Freifinnigen.) Was damals richtig Reihe von einzelnen Klagen vorgebracht. Glauben Sie denn wirklich, Helbig bestritt, die Absicht gehabt zu haben, das Abgeordnetenhaus zu beleidigen. Allenfalls möchte es angängig sein, die Erhöhung der Pauschal- Ich kann dem Abgeordneten mir sagen, er solle sich von solchen büne" ausdrücklich selbst wiederholt habe. Die Geschäftsordnungs­gebühr natürlich innerhalb verständiger Grenzen zu erwägen. Dingen fern halten, denn er versteht sie nicht!( Bravo ! rechts; große fommission hat angenommen, daß die Aeußerung so gefallen ist; Wenn Sie noch die Belästigungen, Scherereien usw. hinzurechnen, Unruhe links.) und in ihrer überwiegenden Mehrheit beschlossen, die Ermächtigung die zur Verteuerung hinzutreten, so können Sie es der Industrie Abg. Werner( Antif.): Herr Struve sollte der Bostverwaltung nicht verdenken, wenn sie sich gegen diese neue Gebührenordnung dankbar sein, denn ohne ihr Vorgehen wäre an seiner Stelle ein zur Strafverfolgung auch in diesem Falle zu erteilen, besonders mit Rücksicht darauf, daß Helbig unter ausdrücklicher Hervorhebung nach Kräften zu wehren sucht.( Bustimmung links.) Die Industrie, Sozialdemokrat gewählt worden.( Lachen bei den Freifinnigen.) der früheren Bestrafung die damals abgeurteilte Aeußerung wieder­Handel und Verkehr haben um so mehr Anrecht auf schonende Den Entwurf über die Telephongebühren billigen wir; die Agrarier holt, also in herausfordernder Weise gehandelt hat. Behandlung, als die Neuordnung der Reichsfinanzen ihnen neue haben damit gar nichts zu tun.( Bravo ! rechts.) Abg. Rofenow( frf. Vp.) erklärt, daß seine Freunde wie feiner schwere Lasten in Aussicht stellt.( Lebhafter Beifall links.) Abg. Duffner( 3.) befürwortet Maßnahmen, die ein schnellereszeit auch heute gegen den Beschluß stimmen würden. Seine Freunde Avancement der höheren Postbeamten bezwecken, und tritt für die ständen auf dem Standpunkt, daß die Würde des Hauses durch Gewährung des Titels Bostassessoren" an die Oberpostpraktikanten solche niedrige Acußerung nicht verlegt werden könne.( Sehr ein. Ferner wünscht er, daß die Entwickelung des Postichedverkehrs richig! bei den Freifinnigen.) nicht unter dem Mangel an Personal leide. Die neue Fernsprech gebührenordnung hält er für gerecht, sie werde Handel und Industrie keineswegs zu sehr belasten; es sei nur billig, daß diejenigen, die das Telephon stärker benußen, auch zu den Kosten stärker heran­gezogen werden. Schließlich bittet Nedner um Besserstellung des weiblichen Hilfspersonals.

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einen

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Abg. Dr. Struve( frs. Bg.) steht im Gegensatz zu Kaempf und im Einklang mit dem Abg. Doormann der Telephongebührenordnung nicht ablehnend gegenüber. Redner verbreitet sich über die Porto­freiheit der Reichsfürsten und erinnert daran, daß der verstorbene Großherzog Peter von Oldenburg freiwillig auf dies Privilegium verzichtet hat. Möchten die anderen Fürsten diesem Beispiel folgen. ( Lebhafte Zustimmung.) Redner zergliedert in ausführlicher Dar legung die finanziellen Beweisführungen der Denkschrift, durch die der Staatssekretär die vom Reichstag gewünschte Personalreform als nahezu undurchführbar hinzustellen sucht. Die Denkschrift operiert vielfach mit fünstlich erhöhten Ziffern.( hört! hört!) Zum Beweis der bei der Post herrschenden Bureaukratie erzählt der Redner unter wachsender Heiterkeit des Hauses das Schicksal einer Postpaketadresse, die versehentlich nach Altona statt nach Altena gegangen war; anstatt sie sofort nach Bemerken des Versehens an ihren Bestimmungsort zu

Kleines feuilleton.

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Abg. Graf v. Westarp( f.) begrüßt die neue Fernsprechgebühren ordnung, die gerechter sei als die gegenwärtige. Uebrigens bleibe selbst in der vorgeschlagenen Neuordnung eine Benachteiligung des flachen Landes bestehen, die sich vielleicht noch in der Kommission wenigstens zum Teil befeitigen laffe. Abg. Dr. Stresemann( natl.): Der Bequemlichkeit des Publikums

an.

Das

Die beiden Gendarmeriewachtmeister bekunden

Abg. Borgmann( Soz.):

Auch ich bin der Meinung, daß das Abgeordnetenhaus sich durch diese Aeußerung nicht beleidigt fühlen kann und darf. Dazu kommt, daß der Beklagte die Aeußerung in der Form be streitet. Es ist ja auch bekannt, daß solche Versammlungsberichte von Polizeibeamten durchaus nicht immer einwandfrei sind, wie gerichtlich festgestellt ist.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es entspricht nicht der Würde des Hauses, auf Grund eines solchen Berichtes Klageantrag zu stellen. Einem Redner, der in einer Versammlung stundenlang spricht, kann es leicht passieren, daß er in der Erregung nicht jedes Wort auf die Goldwage legt. Das ist

Notizen.

und nehmen beim Vertrocknen eine braune oder schwarze Farbe Neuheiten findet. Erst kam eine romantische Ouverture für Man hat früher angenommen, daß der Zellinhalt sich beim großes Orchester von Ludwig Thuille , sodann ein Konzert Gefrieren ausdehnt und dadurch die Zellwände zerreißt. Es zeigt für Klavier und Orchester von dem Dirigenten selbst, endlich eine Alexander Charpentier, einer der Vorkämpfer der modernen sich jedoch, daß beim Gefrieren nur höchst selten eine wirkliche nicht mehr gänzlich neue Ouverture zu" Käthchen von Heilbronn" bildenden Kunst in Frankreich , ist im Alter von 53 Jahren in der Verletzung des Pflanzengewebes eintritt. Die Ursache liegt in für großes Orchester von Hans Pfigner. Das erste der drei Bariser Borstadt Nenilly gestorben. Ein Kind des Pariser dem anatomischen Bau des Blattes. Das Blatt ist auf beiden Stücke zeigte den Vertoner Bierbaumscher Opernterte und Schöpfer Broletariats, hatte er lange zu kämpfen, bis er Aufnahme in Seiten mit einer Oberhaut aus langgestreckten Zellen überzogen, wertvoller Kammermusik auf den Pfaden eines abenteuernden der Kunstakademie fand und weiter noch lange, bis er öffentliche deren Wände aus Kortsubstanz aufgebaut sind. Die Zellen sind Ritters mit der blauen Blume, im Anschluß an ein Gedicht von Anerkennung fand. Als Medaillenschneider fesselte er zuerst das mit Luft erfüllt, während sich zwischen ihnen im Innern des Friz Neff. Ohne solche Unterlage würde auf den beabsichtigten Interesse der Kenner. Später dehnte er seine Tätigkeit auf das Blattes die Nerven und ein grünliches, gleichmäßiges Gewebe be- programmatischen Charakter der Musik noch schwerer zu schließen funstgewerbliche Gebiet aus. Besonders seine mit figuralen Reliefs finden. Die Nerven sind röhrenförmige Gebilde, durch die der sein, als dies bei der anderen Ouverture der Fall ist. Ihr Kom­geschmückten Zinngeräte brachten ihm Ruhm und Aufträge ein. Blattjaft kreist und die Ernährung des Blattes vermittelt wird. ponist, mit dessen Ignorierung sich die leitenden Musikkreise Sein persönliches Empfinden, das feinen Schöpfungen den Die Holzigen Teile der Pflanze dagegen dienen im Sommer der Berlins geradezu kompromittiert haben, zeigt uns in seiner Ton­Charakter gab, seine reiche und vornehme Erfindung, wie feine Saftleitung, während sie im Winter gleichsam als Stärkereservoir dichtung jedenfalls eine so ausgesprochene Darstellung von etwas Die Blätter sind in erster Linie durch den Eigensinnigem, Querköpfigem, Paradorem, daß man an das dabei Kunst der Materialbehandlung haben in hervorragendem Maße da- Verwendung finden. zu beigetragen, dem modernen Stil in der angewandten Kunst zum Angriff der Kälte bedroht. Erst nach ihnen kommen die besser berücksichtigte Drama weniger schwer denkt. Zwischen den beiden Siege zu verhelfen. Wie als Künstler blieb Charpentier auch als geschütten Sprossen, und erst an dritter Stelle die im Innern der Ouverturen mit ihrer künstlerisch hochgehenden Charakteristik Mensch den neuen Ideen zugewandt. Als Antoine feine freie holzigen Teile verwahrten Reservestoffe in Betracht. Beim Er- diente das Klavierkonzert vor allem dazu, aus dem modernen Bühne gründete, trat Charpentier in den Kreis der Erneuerer des frieren verhält sich die Sache nun folgendermaßen. Zunächst tritt Klaviere die mannigfachsten und interessantesten Teufeleien heraus­Theaters. Eine Büste Antoines und viele Medaillons moderner Lite- das Wasser aus den mit Zellsaft gefüllten Zellen in die Zwischen- zuholen; und die Spielerin Frau C. Lorey- Mikorey, wurde raten sind dauernde Zeugen dieser Gemeinschaft. Aber Charpentiers zellräume, wo sich Gisnädelchen zeigen, indem der wässrige Teil des dem auch als die richtige Klavierlöwin gerecht. Kunst beschränkte sich nicht auf das Interessengebiet der Aestheten- Protoplasma, der nicht chemisch daran gebunden ist, gefriert. Wenn Elite. Vielmehr gab fie in großen Bildwerken einen starken sozialen dies Wasser beim Auftauen seine frühere Stelle einnimmt, bleibt Einschlag tund. 1889 stellte er im Salon ein Modell des Basreliefs die Pflanze unverändert. Wird jedoch die Kälte stärker, dann Das Brot" aus, das Bäcker beim Einschießen darstellt und später gibt das Protoplasma auch sein chemisch gebundenes Wasser ab, - Ordnung muß sein. Jm Lessing Theater ist vom Keramiker Louis Emile Müller in emaillierten Ziegeln aus- fchrumpft zusammen und lagert sich in die Mitte der Zelle. Das geführt wurde. In den lezten Jahren war er mit dem Denkmal ausgeschiedene Wasser gefriert in dieser selbst, und beim Auftauen der Hervorruf für die Darsteller längst abgeschafft. Jezt werden Bolas beschäftigt, das kann es daher nicht mehr die frühere Verbindung im Proto- auch die Autoren in Bucht und Sitte genommen. Kund und zu er gemeinsam mit Konstantin Meunier schaffen sollte. Die Zusammenarbeit zweier so ver- plasma eingehen. Und dies wird dadurch endgültig zerstört. Dieser wiffen wird getan, daß von jetzt ab im Interesse einer einheitlichen schiedener Naturen ging nicht ohne Reibungen vor sich und der Tod Berfeßungsprozeß tritt auch bei den wenig wasserhaltigen Reserve- Wirkung die Autoren nicht mehr nach den einzelnen Aften, sondern Meuniers türmte neue Schwierigkeiten auf. Charpentier , felbst seit stoffen im Innern der Pflanze ein. Sogar die Stärke wird in nur am Schluß der Aufführung einem Hervorruf folgen werden. solcher Weise zersetzt, wie dies z. B. durch den füßen Geschmack Die Reform tritt bei der Hauptmannpremiere zuerst in Kraft. längerer Zeti frant, ist nicht mehr dazu gekommen, sie zu lösen, erfrorener Kartoffeln belegt wird, deren Stärke in Zucker ver- Wird das nicht als schlechtes Vorzeichen gedeutet werden? Und was Das Erfrieren der Pflanzen. Dieser Winter hat in ganz wandelt wird. Was nun die Mittel anlangt, die Pflanzen gegen fagen die Premierenhhänen dazu, die troß erhöhter Preise nicht ihre Deutschland sehr tiefe Temperaturen gebracht. In solchen Zeiten Frostgefahr zu schützen, so ist zunächst der natürliche Schuß ins Begönnerung treiben tönnen? Ueber die Verordnung des Leffing­drängt sich dem Gärtner und Pflanzenliebhaber unwillkürlich Auge zu fassen, der durch den Laubfall gebildet wird. Die Laub- Theaters hinaus gehen erfreulicherweise verschiedene Dramatifer, die die Sorge auf, daß seine Pflegebefohlenen schweren Schaden leiden bäume, die Eichen, Buchen usw. würden im Winter nicht genug es grundsäßlich ablehnen, sich zur Marionette zahlungsfähiger und fönnten. Im vorigen Jahre, das sich auch durch einen strengen Wasser erhalten, um die Blätter zu ernähren, und diese würden sensationslüsterner Premierenbesucher herzugeben. Winter auszeichnete, hat sich diese Befürchtung als gegenstandslos um so leichter dem Erfrieren unterliegen. Deshalb werfen die erwiesen. Es waren nur einzelne Pflanzen, die in Mitleidenschaft Bäume die Blätter ab, nachdem sie die nußbaren Stoffe als Re­gezogen wurden, und auch der Efeu erfror meist nur dort, wo serbestoffe im Mart aufgespeichert haben. er gerade dem Nordwind ausgesetzt war, während er sonst ganz leidlich überwinterte. Das Erfrieren der Pflanzen ist ein Vor­gang, der nicht nur wegen seiner allgemeinen Bedeutung, sondern Das Blüthner- Orchester macht seinem Publikum auch wegen seiner schwierigen Beurteilung ein sorgfältiges Stu weiterhin viel Freude. Ist auch seine Klangschönheit noch nicht dium verlangt, wie es in der Zeitschrift Natur und Offenbarung" auf der Höhe seiner sonstigen Vorzüge, so danken wir ihm doch besprochen wird. Die äußeren Symptome machen sich in erster vor allem eine bequeme Gelegenheit, gute neue Leistungen fennen nicht charakterisiert worden. Linie an den Blättern bemerkbar. Sie werden steif, hart, brüchig zu lernen. Sein XIX. Symphonie- Konzert, das wir- Der Zarvenu". Ferdinand von Bulgarien hat neben und hängen am Stiele schlaff herab. Wenn die gefrorenen Blätter am Donnerstag hörten, führte als gastierenden Dirigenten Frans feiner großen Gurke, die ihm die Wigblätter verliehen haben, auch nun wieder auftauen, so kann dies in der Weise geschehen, daß sie Mikorey vor, den Hofkapellmeister des Residenzstädtchens einen Spignamen weg. Das Londoner Wigblatt Punch" hat ihn die frühere Beschaffenheit wieder annehmen. Sind fie jedoch tat- Dessau , das in seinem Theater seit einiger Zeit eine der eifrigsten in einer Starifatur" Barbenu" genannt und die Tageszeitungen haben sächlich erfroren, oder, wie der landläufige Ausdruck lautet, vom Stätten für Pflege neuer Musik besist. Miforeh scheint gerade für die Bezeichnung aufgegriffen. An einem Monarchen großen Stiles Froft verbrannt", so zeigen sie eine feuchte, welke Beschaffenheit das Fortreißende geeignet zu sein, das sich in den dargebotenen fehlt dem Glüdlichen also nichts mehr.

Mufit.

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Wer war Jbsen? In der 19. Auflage von Dr. Wilhelm Neuters Literaturlunde für höhere Lehranstalten"( Heroersche Ver­lagshandlung, Freiburg i. B.) findet sich unter Nr. 19 der aus­ländischen Dichter über Jbien folgende biographische Notiz: Jbsen ( 1828 bis 1906), ehemals Theaterdirektor in Bergen und Kristiania , brachte in seinen Dramen Die düstere Gesellschaft"," Nora"," Ge­ spenster ". Wildente" den Darwinismus auf die Bühne." Kürzer und bündiger ist sicher auch in der düstersten Gesellschaft" Ibsen noch

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