Hjn), noch einmal wiederholt. Und daß die Vorlage der Regierung von ähnlichen Gedanken diktiert worden ist, das wurde noch mehr- malS auf der Geheimkonferenz behauptet: So sagte der Oberbcrgrat Dr. W a ch l e r: .Meine Herren, diese Einführung der Kontrolleure wird ja eigentlich nicht als notwendig von der Negierung hingestellt, sonder» es heißt immer nur: Gott, es schadet ja gar nichts, es soll ja gewissermaßen für Euch Vergwerksbesitzer nur ein Nutzen sein, und die Einführung solcher Kontrolle ist ja gewissermaßen eine Kulisse respektive eine Entlastung für Eure Verantwortung." Und Herr Hilger sagte: .Ferner wird man sich wohl morgen auf den Zweckmäßigkeits- standpunkt stellen und wird sagen, es ist in vielen Fällen außer- ordentlich bequem gewesen, daß wir die Sicherheitsmänner hatten, um uns bei großen Unglücksfällen— ich denke an Reden— auf sie berufen können. Man wird Ihnen auch gerade Reden vor- halten und sagen, wir wären vielleicht in des Teufels Küche ge- koinmen, wenn wir uns nicht auf die Sicherheitsmänner hätten berufen können. Das ist gewiß richtig, aber das sollte uns doch nicht bestimmen, nachzugeben." Kurz, die Regierung wird beschuldigt, daß sie die machtlosen Sicherhcitsmänner, die in Wirklichkeit so gut wie nichts für die Sicherheit der Bergarbeiter tun können, lediglich deshalb bestellt, um im Falle eines Massenunglücks Sündenböcke zu haben I Wie die Deputierten der Bergbauunternehmer hernach in der Sonderkonferenz mit dem Minister umgesprungen sind— sie erzwangen sich eine Sonderkonferenz, weil sie in Gegen- wart der Arbeitervertreter„nicht offen reden" könnten(!)— davon können einige Stellen aus den Ratschlägen einen Begriff geben, die ihnen auf der Geheimkonferenz erteilt wurden. Da sagte der Geheimrat Uthcmann: „Die Arbeiterkontrolleure werden lediglich auS politischen Gründen eingeführt, auf Grund des Drängens der Sozialdemo- kraten und der sozialistische» WohlfahrtSfritzen. Diese Einrichtung von Arbeiterkontrolleure» ist der erste gefährlichste Schritt in den sozialen Staat hinein. Wenn wir überhaupt noch wert sein wollen, unsere Gruben zu vertreten, dann müssen wir uns dagegen wehren, dann müssen wir hier ein schroffes Rein sagen. Sagen Sie morgen ganz offen: Wir sind Herren im Hause— brauchen Sie das Wort I— und wollen im Interesse der Erhaltung unserer Gruben und des preußischen Staates Herren bleiben..." Und der Landtagsabgeordnete V o l tz, Geschäftsführer deS Ober- fchlesischen Berg- und Hüttenvereins, rief: „Bei diesem prinzipiellen Widerspruch hinwiederum möchte ich bitten, morgen in er st er Linie absolut nicht das Bergbauliche, Technische und dergleichen in den Bordergrund zu stellen— zumal man hieran immer nicht so ganz glauben, sondern dabei annehmen wird, daß wir„pro domo" sprächen—, sondern als das wichtigste hierbei— und das hat ja Herr Bergrat Kleine ganz auS- gezeichnet dargelegt— den politischen Standpunkt anzusehen.... Also ich wiederhole: Ich bin der Ansicht, daß man in erster Linie den eminent politischen Gesichtspunkt hervor- heben sollte, daß man unmöglich die Sozialdemo- kratie so sehr fördern und stärken darf, wie das unbedingt bei der Durchführung der zur Debatte stehenden Bor - schlüge der Fall sein wurde..." Aber die Herren beschlossen nicht nur die Minister zu bearbeiten, sondern auch während der Beratung im Landtage werden die Interessen der Herren Unternehmer durch ein Herrn von Löwenstein, der die den Zechenherren ergebenen Abgeordneten zu informieren hat, vertreten.„Und dann ist ja auch Herr Boltz da I" Und wenn Minister und Abgeordnetenhaus trotz alledem noch zu viel Berg- arbeiterschutz machen sollten, dann soll das Herrenhaus auf- gefordert werden, den Zechenherrcn zu helfen! Das ist zunächst das wesentlichste, waS in dem intereflanten Protokoll enthalten ist. Der reiche Inhalt läßt sich in einem Zuge nicht ausschöpfen. Noch manches ist nachzutragen, was Helles Licht auf die innige Versippung der Unternehmerschaft mit der staatlichen Bureaukratie wirft. Die heutigen Proben aber genügen, um die Verschwörung der Bergbau- Unternehmer gegen den Bergarbeiterschutz und gegen alle Regierungsvertreter, die sich auch nur ein Gran Selbständigkeit vor den Forderungen der Unternehmerschaft be- wahren, zu enthüllen. Und die Arbeiterschaft daran zu mahnen, sich zu rüsten zu entschlossenster Wehr gegen die Versklavungsgelüste der Herren!_ Lilie ernste Debatte. Im englischen Unterhause verteidigte der Minister des Aeußern gestern in einer langen Rede die liberale Regierung gegeft das Tadelsvokum der Konservativen. Die Rede ist am selben Tage wie die B ü l o w s gehalten und beide beschäs- tigen sich mit demselben Thema. G r e y s Rede zeigt einen düsteren Ernst, die Bülows seinen gewöhnlichen Optimismus. Grey sagt mit größter Schärfe eine Periode erbittersten Wettrüstens voraus, das die Zivilisation unter- graben werde, wenn nicht doch noch ein Ucbereinkommen zustande kommt, zu dem küe englische Negierung auf Grund- läge der bestehenden Machtverhältnisse bereit ist. Greys Rede ist die erste, in der ein englischer Minister von der Möglichkeit eines Krieges mit Deutschland sprach. Unsere bürgerlichen Parteien und ihre Presse scheinen nicht übel Lust zu haben, über den diplomatischen Eintagserfolg der Herren Aehrenthal und Bülolv über Jswolski, in dem"so viel Verschärfung künftiger Konflikte sich verbirgt, Triumphgesänge anzustimmen. In diesem Jubel werden die Worte Greys sehr störend empfunden werden. Zeigen sie doch an, daß die Ablehnung des Uebereinkommens uns zu England in einen Gegensatz gebracht hat, der in immer verstärkter Wechselwirkung das Verhältnis beider Länder schließlich zu einem unerträglichen machen muß. Schrittmacher des Krieges nannten wir vor einigen Tagen die Gegner des Flottenübereinkommens in beiden Ländern. Wir fürchten, daß der„patrio- tische" Enthusiasmus, den Fürst Bülow in seiner Reichstagsmajorität wieder einmal zu entfachen gewußt hat, zum mindesten einen Schritt auf der verhängnisvollen Bahn bedeutet. Es ist aber eine unerlaubte Irreführung der deutschen öffentlichen Meinung, wenn in einem offiziösen Artikel der„Köln . Zeitung" von einem Erfolg der deutschen Regierungspolitik in der Rüstungsfrage zu reden ge- wagt wird, weil Grey in seiner Rede die Formen diplomatischer Höflichkeit natürlich streng innegehalten hat. Und wir empfinden es als Frivolität, wenn ein offiziöses Blatt auf eine Rede, deren Inhalt für die friedliche EntWickelung Europas verhängnisvoll werden kann, höhnend mit den schalen Spaßen antwortet, die Eng- länder können sich ja ihr Landheer so ausgestalten, wie sie wollen, wenn sie schon die Invasion fürchten, wir wollen es ihnen ebenso wenig verwehren, wie sie uns den Ausbau der Flotte verwehren dürfen. Das ist wirklich nicht die Sprache, die ein pflichtbewußter Staatsmann seine Preßorgane führen läßt, sondern das erregte Gerede eines Charlatans, dem ein lang entbehrter Erfolg das Urteil trübt. Die wichtigsten Stellen der Rede Greys sind folgende: Die Situation ist e r n st. Eine neue Lage ist geschaffen. Nach Ausführung seine» Flottenprogramms wird Deutschland 33 Dreaö. noughts baben, und diese Flotte wird die mächtigste sein, die die Welt je gesehen hat. Das nötigt uns. unsere ganze Flotte von neuem aufzubauen, ausgenommen, soweit wir bereits DreadnoughtS haben. Grey gibt dann eine Darstellung der diplomatischen Be- Ziehungen: Die diplomatische Spannung vor und nach der Kon- ferenz von A l g e c i r a s ist durch das deutsch -französische Ab- kommen beseitigt worden. Für die künftigen Beziehungen gäbe es einen weiten Raum, in welchem die beiden Nationen in Frieden und. Freundschaft wandeln können. Dieses Ver- hältniS könnte durch zwei Umstände vereitelt werden. Der eine wäre ein Versuch Englands, Deutschland zu isolieren, der andere wäre der Versuch irgendeiner kontinentalen Großmacht, zu herrschen und die Politik des Kontinents zu diktieren. Dann bespricht Grey die Verhandlungen über die Flotte: Die Ansicht der Deutschen über ihr Flolteiiprogramm ist, daß es zu dem unseligen keine Beziehung habe und daß, wenn wir fünfzig oder hundert DreadnoughtS bauen, sie weiterbauen würden, und daß, falls wir den ganzen Bau einstellen würden, sie darum nicht einen weniger bauen würden. Unser Standpunkt ist, daß unsere Aufwendungen abhängig sein müssen von den deutschen FlottentinSgabcn. Es ist wesentlich für uns, daß wir unsere Flotte in ihrer überlegenen Position erhalten. Anderer- scits aber würde eine Abnahme der FlottenauLgabcn sofort ein Gefühl erhöhter FricdenSsicherheit hervorrufen.(Beifall.) Wenn ich ein Ding nennen sollte, das die Welt bezüglich der Friedens- aussichten am meisten beruhigen könnte, so glaube ich, es wäre das, wenn Deutschlands Flottenausgabcn vermindert würden und wenn unsere Ausgaben dem Beispiel folgen und auch vermindert würden. (Beifall.) Würde eine Verminderung der Flottenausgaben ein- treten, so würde die öffentliche Meinung überall dies als eine Garantie der guten Absicht der beiden Nationen, sich gegenseitig Vertrauen entgegenzubringen, ansehen, und die Wirkung würde unberechenbar sein.(Beifall.) Grey zählt dann— hier in offenbarem Gegensatz zu Bülow— Abermals aus dem Berliner Polizeifumpl. Von dem argolischen Sumpfe im alten Griechenland geht die Sage, daß darin eine Schlange hauste, der jedesmal zwei Köpfe nachwuchsen, so oft ihr einer abgehauen wurde. Die Berliner politische Polizei gleicht an Gemeingcfährlichkeit und Lebenskraft dieser lernäischen Schlange. So oft man einen ihrer Beamten entlarvt, die sie in die sozialdemokratischen Wahlvcreine entsendet, immer wächst an Stelle des einen russisch oder österreichisch deko- rierten„Gentleman" ein Doppelpärchen dieser— Ordensvögel nach. Und Herr Minister Moltke mag noch so pathetisch für die „Reinheit" seiner Beamten eintreten, der Spitzel entwickelt sich zum— Lockspitzel. Der Ka s s u b e kommt als Horcher, dann demonstriert und schreit er und wird von seinen eigenen Polizei- kollegen blutig gehauen, weil sie in ihm nicht Ihresgleichen, sondern einen Sozialdemokraten vermuten. Und der Kriminalbeamte Schlaf übertreibt sogar den Eifer des guten Genoffen soweit, daß er die Demonstranten auffordert, den Postwagen umzustiirzen und ins Waffer zu werfen. Und kommt die Sache bor den Richter, so verbietet der Polizeipräsident seinen Beamten, vor Gericht zu erscheinen, um ihre— Unschuld zu beweisen. Vor 8 Tagen sollte in Moabit in dem LandfriedenSbruchprozcß W Sozialdemokratie gerichtet und verurteilt werden. Die Berliner Polizei sandte ihre besten Kräfte als Schwurzeugen! Umsonst— die aktenmäßigen und zcugcneidlichen Spitzelnachweise der Ver- teidigung und die Photographien der ertappten Spitzel in den Händen des Gerichtshofes und der Geschworenen vereitelten das unzulängliche Bemühen der Staatsanwaltschaft. Heute können wir unseren Lesern ein neues Exemplar dieser - Ordensritter borstellen, den Kriminalschntzmann Rudolf Rchberg, Gaudystr. 11, v. II* Unter dem Namen eines HauAdieners Otto Wunicke hatte er sich, im 153. Bezirk des 2. Wahlkreises zur Aufnahme ge- meldet; angeblich wohnte er in Rixdorf, Weserstr. 206, bei seinem Schwager Knuth. Natürlich gab sich Nehberg-Wunicke geradeso wie Kaffube, Waduck und Konsorten als sehr eifrigen Genossen. Wurden Sammellisten ausgegeben, er war einer der ersten, der solche nahm, und gewiffenliast lieferte er die rasch gesammelten Gelder ab. Mußte ein Flugblatt verbreitet werden, der ehrliche Kriminal- jchutzmann und falsche Hausdiener lief treppauf und-ab, um die bzialdemokratische Literatur zu verbreiten. Für schriftliche Parte!» arbeiten stellte der fcdergcwandte Polizist sich gerne zur Ver- fügung; es kam ihm auch auf ein paar Glas Bier nicht an. den Eifer der Genossen zu verdoppeln. Er wußte ja auS eigener Er- fahrung. wo den Arbeitern der Schuh drücke. Durch des Lebens Bitternis— konnte er so rührend erzählen— war auch er zur Sozialdemokratie gekommen. Als königstreuer Mann war er bei den Rathenower Husaren eingetreten; dort erlebte er einen Unfall; vergebens suchte er Unterstützung zu erhalten, überall wurde er abgewiesen, bis ihm Genosse Gradnauer zur Seite stand und ihm eine monatliche Unterstützung durchsetzte; da wurde er Sozial- demokrat. Bei den Wahlrechtsdemonstrationen war der Kriminalschutzmann Rudolf Rchber� Gaudystr. ll. v. III einer der Eifrigsten; er rühmte sich sogar, im Tiergarten von der Polizei mißhandelt worden zu sein, so daß er mit seiner kleinen Nichte in ein Gebüsch flüchten mußte. Dieser Eifer erregte aber Verdacht. An einem Zahlabend wurde in seiner Gegenwart davon geredet, daß man gegen die Polizei Revolver und Gummi- schlauche mitnehmen müsse; der Kriminalschutzmann fand das nicht unklug oder gefährlich, aber siehe da: die bürgerliche Presse wußte davon zu berichten, und der P s e u d o» H au s d f en e r Otto Wuntcka saß in der Falle. Inzwischen war er verzogen: nach der- Zossen er Straße 42, O u e r g eb. I, bei Wittve M i l I i ck. Diese Frau Millick war früher Reinemachefrau im Polizeipräsidium gewesen und als solche daher ein Stück Vertrauensperson für d?e Gcntlemcn vom Alezanderplatz. Sie besorgte die pol:zeil!che An- Meldung des Kriminalbeamte» alS Hausdiener Otto Wnnicks, ebenso die für einen zweiten Kriminalschutzman». angeblich namens Krause, der in einem Vororte tätig sein soll, obgleich keiner der beide» bei ihr wohnte. Aber nach ihrer weiteren Angabe erhielt sie monatlich für diese Falschmeldung 10 M. Die interessante Tatsache, daß ein Polizeibeamter einer Frau regel. mäßig Geld zahlt zu dem ausgesprochenen Zwecke, das Gesetz zu übertreten, nimmt im Reiche nicht wun- der, wo der Kanzler und der Kriegsminister offen im Parlament Gesctzcsverletzungen rcchifertigcn und Beamte, wie Kriminal. kommissar Schöne, die falsche Pässe vermitteln, dekoriert werden. Scheint es nicht danach, aj.s vb die Gesetze nur für die dumme breite Masse da eiffe Reihe San Methoden ällf, die ein NebcreinkoMkllen ermöglichen würden und erklärt, den Argwohn, daß England Deutschland au- greifen wolle für eine w i l d e und absurde Idee, die durch das Anwachsen der Flottenausgaben großgezogen werde. Die Flotte hat für England dieselbe Bedeutung wie für Deutschland daZ Heer. Keine Ilebcrlegenhcit der englischen Flotte über die deutsche Flotte könnte uns jemals in die Lage versetzen, die U n a b- hängt gleit und Integrität Deutschlands an- zugreifen. Wenn aber die deutsche Flotte der unseren überlegen wäre und wenn Deutschland , wie es das tut, sein Heer aufrechterhielte, würde ohne Frage unsere Unabhängigkeit und Existenz auf dem Spiele st eben. Darauf bespricht Grey des näheren die Erklärungen zwischen den beiden Regierungen: Wir sind mündlich, aber ganz de- f i n i t i v benachrichtigt worden, daß Deutschland die Ausführung seines Flottenbauprngramms nicht beschleunigen und nicht dreizehn DreadnoughtS bis Ende 1912 haben wird. Das ist unS nicht in der Form einer Verpflichtung, sondern als Erklärung einer Absicht von autoritativer Seite gesagt worden. Ich verstehe das so, daß Ende 1912 dreizehn Schiffe zur Jndicnst- stellung bereit sein werden oder können, abgesehen von den Prü- fungsfahrten. Jetzt haben wir die deutsche Regierung n i ch t u>n Informationen ersucht. Aber Anfang Januar, einige Zeit nachdem wir erfahren haben, daß die Ausführung des deutschen Programms beschleunigt wurde, nahm ich Gelegenheit, bekannt zu geben, daß, obgleich uns von deutscher Seite stets gesagt worden sei, daß Deutschland sein gegenwärtiges Flottenprogramm nicht über- schreiten werde, uns Nachricht über eine Beschleuni- gung der Programmaussührung zugegangen sei und daß Deutschland deshalb nicht überrascht sein dürfe, wenn unsere Ma rincvoranschläge eine beträchtliche Zunahme zeigten. Die Informationen wurden mir zu verschiedenen Zeiten gegeben. Diese Angaben binden die deutsche Regierung nicht, sondern lassen ihr die Freiheit, ihre Absichten zu ändern, aber sie beseitigen die Idee, daß die Deutschen sich(darauf diu- richten, im �ahre 1910 breizehn Schiffe zu besitzen. Keine Rc- gierung, die im Jahre 1910 dreizehn Schiffe zu besitzen beabsichtigt, würde freiwillig eine Erklärung über ihre Absichten gegeben haben. Ich nehme die Erklärungen der deutschen Regierung über ihr» Absichten an. Grey weist dann darauf hin, daß die Erklärungen über be- stimmte Punkte nichts besagen, so namentlich nichts über den'Typ der Schiffe. Nichts wird uns auch gesagt über den Stand von 1913 und 1914. Wenn die dreizehn deutschen Schisse am Ende des Jahres 1912 vollendet und in Dienst gestellt sein werden, werden nach ihrem Flottengesetz, wie ich es verstehe, zehn weitere Schisse im Bau sein. Nehmen wir an, der politische Hori- zont wird in ein oder zwei Jahren geändert sein, dann toürdcn natürlich die dentschen Absichten über die Beschleunigung sich eben- falls ändern. Obwohl die dreizehn Schiffe vor Ende des Jahres 19l2 nicht erscheinen können, vermöchten die zehn im Bau befindlichen Schlachtschiffe in sehr raschen Zwischenräumen in den Jahren 1913 und 1914 erscheinen. Wenn wir, sagte der Staatssekretär, vier eventuelle DreadnoughtS in der zweiten Hälfte dieses Jahres in Auftrag geben würden, und wenn wir uns genötigt sehen würden, von unserer Fähigkeit im folgenden Jahr Gebrauch zu machen, würden wir bis April 1913 10 w e i tc rc Schiffe, das macht alles in allem 20 Schiffe besitzen. Wenn wir diese vier Schiffe nicht als eine Einschränkung des nächstjährigen Programms auffassen und rasch bauen ließen, und dadurch einen Vorsprung bekämen und die Situation völlig beherrschen würden. dann könnten wir ohne Zweifel die Schisse des nächsten Jahre» ersparen. Wir sollten unsere Kräfte voll ausnütze». Die Admirqli- tat hat das Erfordernis nicht unterschätzt. Grey beklagte dann noch das Anwachsen der Rüstungen und erklärte, wenn die Ausgaben in dem Verhältnis weiter gingen, in dem sie in der jüngsten Zeit zugenommen hätten, so würden sie früher oder später die Zivilisation untergraben. Kein Land allein könnte Europa retten. Wenn wir als dir einzigen unter den Großmächten den Wettbewerb aufgäben und zu einer inferioren Stellung herabsinken würden, würoen wir aufhören. unter den europäischen Nationen etwas zu gelten. Wir müssen bereit sein, unsere nationale Existenz unter denjenigen Bedingungen zu verteidigen, die uns auferlegt wurden. Das Tadelsvotum wurde schließlich mit 353 gegen 135 Stimmen abgelehnt. Die Nationalisten und die Arbeiterpartei stimmten für die Regierung. Am Schluß der Debatte hielt Balfour in einer lcidcnschaft- lichen Rede die Behauptungen der Opposition aufrecht. Die Wirkung auf die Kolonien. Ottawa , 30. März. Das Unterhaus verhandelte in feiner gestrigen Sitzung über den Antrag der Opposition unverzüglich Schritte zu einer Verteidigung des Landes zur See zu ergreifen. Der Führer der Opposition, F o st e r, führte aus. in diesen Tagen, wo die Gefahr vor der Türe stehe, sei es wichtig, die Lehre des südafrikanischen Krieges von der Reichseinheit zu erneuern. Premier- Allmählich wurde der Kriminalschutzmann Rudolf Rehberg," Gaudystraße 11, v. III. etwas unsicher; und als eines Abends, kurz vor dem Oktober- Zahlabend, Genosse Werner im Zahlabendlokal erschien, da wurde er ängstlich und suchte hintenherum herauszukriegen, was Werner eigentlich gewollt habe. Als vorsichtiger Mann fehlte er am Oktober-Zahlabend; im November erfüllte er seine Parteipslicht, aber im Dezember und Januar wählte er wieder der Tapscrlcit besseren Teil. Inzwischen hatte er sich an den Bezirksführer herangemacht und besuchte ihn wiederholt in seiner Wohnung. Bon seiner Schwester und seiner Braut hatte er je einen Topf Gänseschmalz erhalten; aber als lediger Mensch hatte er für so viel Schmalz keine Verwendung: ob nicht er(der Bezirksführer) einen Topf haben wolle. Nun. vergiftet wird es nicht sein, dachte dieser; und in der Tai: wäre der Charakter des„Hausdieners Otto Wunicke" so rein gewesen wie das Gänseschmalz, der Kriminalschutzmann Rudolf Rehberg könnte heute noch die Rolle de? Spihelgenossen spielen. Mittlerweile wurde ihm der Boden unter den Füßen heiß. Da indes der Bezirks. führcr nach wie vor freundlich mit ihm war, besuchte er ihn am 20. Januar, und als feiner Menschenkenner mit krimi- nalistischem Blick, der seinem Nebenmenschen die gleichen Charakter- eigcnschaften beimaß, die er selbst besaß, offenbarte er sich ihm als— K r! m i n a l b e a m t e r. der ihn zum Achtgroschenjungen engagieren wolle. Die alte Schelmen-Ar!e, einen ehrlichen Mann zu verderben. begann: Große Familie, schlechter Erwerb, leichter Nebenverdienst; nichts Unrechtes wird verlangt; andere, sogar solche in Amt uns Würden, tun's auch; also keine Gewissensbisse. Nur ein paar Tage früher will die brave Polizei alles erfahren. Schon vor Weihnachten wollte er ihm das Angebot machen, ober damals bot sein Kommissar, em kleiner Filz, nur 30— 40 M.. jetzt kriegt er 60 M. pro Monat. Und fürs ganze Leben ist gesorgt, die ehrliche, hochanständige Polizei läßt niemanden fallen, wenn er in Not, Arbeitslosigkeit. Krankheit sich an sie wende. Und wenn er erst Abteilungsführer werde, dann erhalte er monatlich 150 M.l So zog er ihm den Honigfaden durch's Maul! Zwanzig Mark ließ er gleich dal Die sollen nicht gerechnet werden; auch wenn er ablehne, könne er die behalten. Wann er Antwort holen dürfe? Morgen? Oder doch am Freitag!— Aber unser Genosse hielt auf eine AnstandSpause.—„Vor Montag nicht I" Bis dahin konnte er mit ein paar vertrauten Genossen einen KriegSplan machen. Pünktlich stellte Rebbera sich ein. Die Zusage wurde gleich
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