Ar. 97. 26. Iahrgavg. eilW des Jaraitfe" Kerlim AlksdlM Dienstag. 27. April 19V9. Maifeier- Achtung! Die Referenten der Mai-Versammlungen, sowohl der Bormittags-Znsammenkünfte als der Abeudfeicr«, ersehen ans de» heutigen Annoncen, an welchen Stellen sie sprechen. Eine weitere Benachrichtigung erfolgt nicht, wir richten die Bitte an alle Redner, prompt zur Stelle zu sei«. Der Ausschuß der Berliner GewerkschaftSkommisfion. Alwin Körsten , SO. 16, Engelufer 15. Das Berbandsbureau sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Leopold Liepmann, s w. 68, Lindenstr. 69. parte!- Hngelegcnbelten* 2. Wahlkreis. Heute Di enstag. 27. April, abends 8'/, Uhr, findet bei Gotzmcnm. Kreuzbergstrafie 48, eine öffentliche Versammlung statt. Genofie Richard Fischer spricht über:.Die politischen Parteien im Reichstage". Männer und Frauen erscheint in Massen zu dieser Versammlung. Der Vorstand. Fünfter Wahlkreis. Auf die heutige Versammlung des Wahlvereins im Alten Schützenhause, Linien st rafieö, machen wir besonders aufmerksam. Neben einem Vortrage des Genossen Grunwald stehen Wahlen und Ausschlufianträge auf der Tagesordnung. Mitgliedsbuch legitimiert. Wir erwarten das Er- scheinen aller Mitglieder. DerVorstand. Charlotteniurg. Am heutigen Dienstag, abends S'/s Uhr, findet im»VolkShauS", Rosinenstrahe 3, eine Parteiversammlung statt, zu welcher alle Parteigenossen, die sich durch Mitgliedsbuch legitimieren, Zutritt habe». Tagesordnung: Diskussion über Eduard Bernsteins Programmrevision. Der Vorstand. Schöneverg. Heute Dienstag, abends 8'/z Uhr, findet die Wahl- bereinLversammlung in den.Neuen Ralhaussälen", Meininger Straße 3, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Reichs- tagsabgeordneten E. Eichhorn über:.Zwei Jahre Block« Politik". 2. Maifeier. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. WilmerZdorf-Halcnsce. Heute Dienstag, abends 8>/z Uhr, im „Luisenpark ". WilhclmSaue 112: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Bauer über „Die Reichsversicherungsreform". 2. Kassenbericht. 3. Vereins- angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Steglitz . Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet beute, Dienstag, abends S'/z Uhr, bei Schellhase, Ahornstr. IS», statt. Tagesordnung: 1.„Die neuen Steuerforderungen.' Referent: Genosse Kubig. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom ersten Luartal. 4. Sonstige Angelegenheiten. Der Vorstand. Zehlcndorf. Heute Dienstag, abends 6>/z Uhr: Versammlung deS Wahlvereins bei B. Mickley, Potsdamer Str. 25. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag über„Die Finanzreform" vom Stadt- verordneten Emil BvSke. Der Vorstand. Treptow -Baumschulcnweg. Heute Dienstag, abends 8Vz Uhr. finden zwei öffentliche Parteiversammlungen statt; für den OrtSteil Baumschulenweg in Speers Festsälen, für Treptow im Restaurant „Zur Rennbahn". Tagesordnung: Neue Volkslasten als Neichsfinanzreform. Referenten sind die Genossen Karl Gehrmann und Redakteur HanS Block.— Freie Aussprache. Der Vorstand. Nummelsburg. Heute Dienstag, abends 8 Uhr. findet bei Witwe Weigel, Türrschmidtstr. 41, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung; 1. Unier Gcmeindeprogramm und die Stellung der hiesigen sozialdemokratischen Gemeindevertreter zum Gemeindesleucrgesetz für IVOS. Referent: Hermann Müller . 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zur KreiSgeneralversammlung am 6, Mai. 4. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Köpenick . Heute abend SVa Uhr Versammlung des Wahlvereins im Lokale des Genoffen Otto(Stadttheater), kleiner Saal. Referent: Genosse Ulm . Der Vorstand. Eichwalde . Die Mitgliederversammlung des WahlvereinS fällt diesmal wegen der Maiversammlung auS. Biesdorf. Parteigenossen! Der Zahlabend findet nicht Dienstag. den 27.. sondern erst' Donnerstag, den 29. April bei Gust. Berlin . Marzahner Str. statt. Sonntag, den 2. Mai, morgens 8 Uhr: Flugblattverbreitung. Der Vorstand. KönigS-Wusterhausen und Umgegend. Die Parteigenossen werden auf die am Mittwoch, den 28. April, abend« 8 Uhr, im Lokal deS Herrn Wedhom stattfindende Wahlvereinsversammlung aufmerksam gemacht. Tagesordnung: Bericht der Funktionäre und Partei- angelegenheiten. Der Vorstand. Pankow . Die Maifeier der Pankower Genoffen wird wieder im Lokale von EberSbach„Zum Kurfürsten", Berliner Straße 102. abgehalten. Es werden zu dieser Feier Eintritts- karten ausgegeben, die bei deni Obmann des Vergnügungskomitees, Genossen R. D a nzi g er. Brehmestr. 25, noch zu haben sind. Weißensee. Morgen Mittwoch, den 28. April, abends S'/a Uhr. findet im Schloß-Etablifsement. Königchaussce 1/3, eine Bolls- Versammlung statt, in welcher Landtagsabgeordneter Genosse Adolf Hoffmann über:„Die Pfarrerbesoldrmg und daS preußische Abgeordnetenhaus" sprechen wird. HermSdorf . Morgen Mittwoch, 7 Uhr abends, findet vom Forsthaus aus eine Flugblattvcrbreitung statt. Der Abteilungsführer. berliner]Nbcbricbtcn* Micterfreuden. "' Wer nicht zu der kleinen Klasse privilegierter Haus- besitze r gehört, ist genötigt, als Mieter sich vielfach den Launen des Hausbesitzers oder seines Verwalters aus- zusetzen. Was da Mietern gegenüber oft verübt wird, ist kaum zu sagen und wollten wir alle die Klagen, die uns im Laufe deS Jahres über Hauswirte zugehen, veröffentlichen, so würde sicher eine ganz ansehnliche Liste nicht empfehlenswerter Vermieter herauskommen. Von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen, nehmen sich unsere Hausagrarier in Punkts Mieterbehandlung nicht allzu viel. Wie es aber Mietern ergehen kann, die nicht genau wissen, wer eigentlich„Herr im Hause" ist. das lehrt eine Schilderung der Leiden eines Mieters, der das„Glück" hatte, Mieter des Hauses Ebertystr. 5 zu sein. Dieses Haus gehörte einem Herrn Hermann Schönmann. An diesen Schönmann bezahlten die Mieter auch pflichtgemäß ihren Monatszins, bis es eines TageS hieß, daß das Haus in andere Hände übergegangen sei und zwar in den Besitz einer Frau Martha Schönborn. Da die nunmehrige Besitzerin sich den Mietern gegenüber entsprechend auswies, zahlten letztere nunmehr an Frau Schönborn die Monatsmiete. Das ging guch drei Monate ganz gut. Da- am 1. Februar dieses Jahres ! erhalten die Mieter des Hauses Ebertystr. 5 eine am 29. Januar j ausgefertigte gerichtliche einstweilige Verfügung, nach der der Frau " Schönborn untersagt wird, die am 1. Februar fälligen Mieten deS Hauses Ebertystr. 5 einzuziehen oder für sich einziehen zu lassen. Die Mieter wissen nun nicht, was sie machen sollen. Frau Sch. sagt ihnen, sie sollen nur weiter die Miete an sie zahlen, sie hafte für alles, während die Zustellung den Mietern das verbietet. Die meisten Mieter warteten die Sache ab. um zu sehen, was wird und um nicht etwa doppelt zahlen zu müssen. Am 26. Februar bekamen nunmehr sämtliche im Hause Ebertystr. 5 wohnenden Mieter wieder eine gerichtliche Zustellung, in der die gesamte Miete— die vom Februar noch rückständige wie die am 1. März fällig werdende— gepfändet wurde von einem Kaufmann LesinSki, Kaiferstr. 3b wohnhaft. Dieser LesinSki hatte an den Eigentümer Schönmann eine Forderung von 2599 M. Weil aber die Mieter nicht wissen konnten, ob überhaupt Lesinski ein rechtskräftiges Urteil besitze, so verlangten sie die Vorlegung desselben, bevor sie zahlten. Und als verschiedene Mieter infolge dieser verworrenen Bcsitzverhältnisje nicht sofort an Lesinski zahlten, klagte letzterer. Der Erfolg war, daß die Verklagten verurteilt wurden, gleich- zeitig auch wurde in einigen Fällen die Exmission ausgesprochen Und nun ging das Elend los. L. setzte zur Einziehung seiner Forderungen, die sofort vollstreckbar waren, den Gerichtsvollzieher in Bewegung. Ein Mieter, namens Z., kam besonders in große Bedrängnis und große Not. Zunächst wurde er zur Mietszahlung und soforttger Räumung der Wohnung verurteilt. Letzteres tat Z. auch, er zog aus. An Lesinski zahlte Z.. der im vorigen Jahre lange arbeitslos war und auch jetzt nur tageweise Arbeit hatte, einen Teil der Miete. Trotzdem erschien bald darauf der Gerichts- Vollzieher, um Gerichtskosten in Höhe von etwa 69 M. zu pfänden, wodurch die Not Z.'s noch größer wurde. Damit war aber der Leidenskelch des Mieters noch nicht geleert. Weil der Kontrakt bis Oktober läuft, soll er auch bis dahin die laufende Miete zahlen. LesinSki klagt und beruft sich aus den Mietskontrakt, der zwar mit Schönmann geschlossen ist. Dieser vielgewandte Lesinski hat sich erst am 19. Februar 1999 das Nießbrauchrecht des Grund. stückes in das Grundbuch eintragen lassen. Damit aber der Mieter nicht zu üppig werde, ist von Schönmann gegen Z. und Frau eine Anzeige ergangen wegen strafbaren Eigennutzes, weil Z. ge- maß dem Gerichtsbeschluß ausgezogen ist. Es ist das ein vollgerüttelt und geschüttelt Maß von bitteren Erlebnissen eines Mieters. Wir möchten Personen, die in eine ähnliche Lage kommen sollten, wie die Miter des HauseS Eberty- stratze 5, in Zweifelsfällen empfehlen, die fällige Miete an gericht- lichen Hinterlegungsstellen— in Berlijr Jnvalidenstr. 52— zu deponieren. Dann entgehen sie wenigstens allen Schwierigkeiten und Anfechtungen._ An den Hauptmann von Köpenick erinnert eine gestern im Restaurant Mirbachstr. 16 am hellen lichten Tage vorgenommene Entwendung' und das spätere Zuziehen polizeilicher Hilfe seitens des— EntwenderS. Kommt gestern vormittag der Bureauschreiber M i s ch k e. früher Lettestr. 1 bei Heimann, jetzt Mirbachstr. 72, 4 Treppen wohnhaft, in daS Lokal von Beck, richtet an einen Gast einige Worte, stürmt plötzlich in das Nebenzimmer, nimmt einen dem Wirt zur Aufbewahrung übergebenen photographischen Apparat fort und läuft spornstreichs damit von bannen. Soweit hat ja der Vorfall bei den infolge der Uebermenge von Polizei herrschenden Unsicherheitsverhältnissen Berlins nichts besonderes Auffallendes. Das Eigenartige liegt in der von dem Entwcnder fremden Eigentums bald darauf erfolgreich versuchten Requisition einer polizeilichen Hilfstruppe. Etwa 19 Minuten nach der Fortnahme deS photographischen Apparates erschien nämlich der Bureauschreiber Mischke abermals in dem Lokal, diesmal von zwei uniformierten Schutzleuten begleitet. Von diesen verlangte er, sie sollten einen dort anwesenden Gast, den Zigarrenarbeiter Adolf Buhl, feststellen. Buhl konnte vom Wirt und dem zufällig als Gast dort verkehrenden Gastwirt" Paul Dobrohlaw rekognosziert werden. Der Schreiber Mischke bestand aber auf der Sistierung Buhls, weil dieser kein Legitimationspapier bei sich hatte. Die Schutzleute verhafteten hierauf Buhl und erklärten diesem als Grund der Sistierung, er habe versucht den Mischke zu Photo graphieren. Diese Beschuldigung entsprach nicht der Wahrheit, hätte auch nach dem Gesetz keineswegs als Grund zur Sistierung ausgereicht. Der bewaffneten Gewalt mußte Buhl aber weichen. Ihn begleitete der Zeuge Dobrohlaw. Wie notwendig daS war, zeigte sich auf dem Polizeibureau in der Zellestraße. Hier nämlich ver- langte der eigenartige Entwender des photographischen Apparats nach Feststellung der Personalien. Buhl und Dobrohlaw sollten alles, was sie bei sich hätten, herausgeben. Diesem Verlangen widersetzten sich natürlich beide, verlangten ihre soforttge Freilassung und, als diese abgelehnt wurde, den Revierleutnant zu sprechen. Erwidert wurde, der sei nicht anwesend. Als dann auf Antrag Mischke? Miene gemacht wurde, die beiden zu visitieren und ihr Eigentum fortzunehmen, widersetzten sich die so bedrohten und verlangten zum Präsidium geführt zu werden. Dem Verlangen wurde stattgegeben: beide sollten mittels Droschke nach dem Präsidium gefahren werden. Mittlerweile erschien der Revierpolizei- leutnant. Diesem trugen Buhl und Dobrohlaw ihr Verlangen auf Freilassung vor. Der Leutnant erwiderte, er sei dazu jetzt nicht mehr inistande, da vom Alcxanderplatz die Weisung zur Festnahme erfolgt sei. Auf dem Bureau des AlexanderplatzeS wurden die beiden ge- trennt vernommen. Mischke erklärte, Buhl habe einen Zettel, der als Beweismaterial(wofür denn eigentlich? für daS angebliche Photographieren?) dienen könne, auf der Wache in der Zellestraße in den— Hosenschlitz versteckt. Er verlange die Durchsuchung. Buhl legte gegen daS durchaus gesetzwidrige Ansinnen lebhaften Protest ein. Es half ihm nichts: er tourde bis auf dieFuß läppen entkleidet; hierbei ihm auch das Hemd zer- rissen und Knöpfe abgerissen. Gefunden wurde natür lich nichts. Als Grund der Verhaftung und Durchsuchung wurde dem Buhl angegeben— er habe den Schreiber Mischke photographiert. Buhl legte vergebens dar, daß er noch nie photographiert hat. Er wurde dann ohne eine Entschuldigung oder Aufklärung entlassen. Dobrohlaw wurde dann gleichfalls vernommen. Auch ihm wurde zur Last gelegt, den Bureauschreiber Mischke photographiert zu haben. Er konnte gleichfalls erklären, noch nie photographiert zu haben, der entwendete Apparat gehöre feines Wissens dem Restaurateur; er kenne Iben Bureauschreiber Mischke persönlich, da dieser Mitglied eines Sparvereins ivar, der bei ihn»(Dobrohlaw) tagte. Eine Durchsuchung DobrohlawS fand nicht statt. Mischke wurde im Polizeipräsidium zurück- gehalten. Selbstverständlich haben die Beteiligten gegen da? geschilderte Verfahren Beschwerde eingelegt und Strafantrag gestellt. Eigen- artig ist es, daß die Polizei dem offensichtlich ungesetzlichen Ansinnen entsprach. Denn abgesehen von der falschen Beschuldigung ist es nach dem Photographiegesetz vom 9. Januar 1997 bekanntlich niemand verwehrt, Photographien anzufertigen. Nur zur Ver- breitung ist die Einwilligung des Photographierten erforderlich. Was hätte ferner wohl Mischke getan, wenn sein Verlangen erfüllt worden wäre, alles, insbesondere also auch die Wertsachen, den widerrechtlich Sistierten abzunehmen? Die Tat MischkeS übertrifft die des Hauptmanns von Köpenick . Ist das Polizeipräsidium bereit. öffentlich die Gründe anzugeben, die dem Bureauschreiber Mischke die Gewalt über seine Beamten gab? Ist das Polizeipräsidium in der Lage mitzuteilen, ob und welche Vorkehrungen von ihm getroffen sind, um ein ähnliches Eingreifen in das Eigentum und in die persönliche Freiheit für die Zukunft unmöglich zu machen? »' Sommerliche Wanderungen durch die Mark. Bald naht wieder der herrliche Mai und mit ihm die Zeit des Auferstehens der Natur. Nach� der langen Winterszeit schmückt sich Feld und Flur und Wald mit frischem Grün und ladet auch die wochentags fronenden Arbeiter ein, hinauSzuwandern und die in dumpfer Fabrikluft und dem Fabrikstaub geschwächten Lungen aufs neue zu stärken. Ja, ein weiteres fordert von uns die Natur: Wir sollen begehrlich werden, wir sollen bei dem An- blick all der neu erstandenen Pracht auch für unS ein Stück von dem Reichtum an Schönheit, Lebensfreude und Gesundheit verlangen, das einem kleinen Kreis von Besitzenden so mühelos u> den Schoß fällt. Die herrschenden Klassen haben eS nur verstanden, für sich alle Kulturgüter zu reservieren, während allein die Besichtigung der Naturschönheiten für uns Arbeiter mit großen finanziellen Schwierigketten verknüpft ist. Der Arbeiter kann nicht bei einein Reisebureau große Summen anlegen, um dann unter fachmännischer Führung die meist abseits von den Verkehrs- wegen versteckten Naturschönheiten zu bewundern. Besonders für die G r o ß st a d t j u g e n d ist aber die Erholung in Licht. Luft und Sonne notwendig. So schwierig es scheint, diese Aufgabe zu lösen, so wäre doch ein Weg gegeben, lvenn die Arbeiterschaft diese selbst in die Hand nimmt. Versuche in dieser Beziehung sind schon vielfach unter- nommen worden, besonders von dem Berliner Arbeitern wohl- bekannten Turnverein„Ficht e", der in diesem Jahre wiederum durch sämtliche 34 Abteilungen fast an jedem Sonntag billige Touren unternehmen läßt. Auch Gäste sind hier gern gesehen. Außerdem finden für bessersituierte Arbeiter zu Pfingsten Partien nach dem Harz. Riesengebirge , Thüringer Wald , Insel Rügen usw. statt. Wer die von den Berliner Arbeitern selbst veranstalteten AuS- flüge und die sonstigen turnerischen und sportlichen Veranstaltungen unterstützen will, der kann sich in einer der im I n s e r a t e n t e i l der Sonntagsnummer veröffentlichten Abteilungen oder in der Gc- schästSstelle des Turnvereins„Fichte", Koppenstr. 24, nähere Aus- kunft holen. Auch die heute noch in der Deutschen Turnerschaft oder in sogenannten wilden Vereinen befindlichen organisierten Ar- heiter könnten an diesem gemeinnützigen Werke mithelfen. Be- sonders ist aber die arbeitende Jugend herzlich willkommen. Gerade zur jetzigen Zeit versuchen die preußischen Behörden wieder mit erneuter Kraft, die eigenen Bestrebungen der Ar- beiterschaft mit Gewalt zu unterdrücken und nur der Zähigkeit der beteiligten Kreise ist es zu danken, wenn der Erfolg bisher aus- geblieben ist. Der Turnverein„Fichte" wird aber auch in Zukunft seine Devise hochhalten:„Dem Volke giltS, wenn wir zu spielen scheinenl"_ Katholische Kirchcnbauwut. Die katholische Geistlichkeit in Berlin und Umgegend jammert jahraus jahrein über angeblichen Mangel an katholischen Kirchen in der Provinz Brandenburg . Um diesen Mangel zu beheben, wird bekanntlich seit Jahren und namentlich in neuerer Zeit eine Bettelei betrieben, die den jesuitischen Grundsatz. daß der Zweck auch die schlechtesten Mittel heiligt, zur schönsten Gel- tung kommen läßt. Dabei ist es ein beliebter Trick, gegen gewisse politische Parteien, die daS Scheinwesen der Kirche längst erkannt haben, maßlos zu hetzen und glauben zu machen, daß Kirchen nötiger seien als Brot zum Leben. Wer arbeitet, betet, fastet und der Kirche von seinem Vermögen so viel wie irgend möglich in den unersättlichen Schlund wirft, der verdient den Himmel schon aus Erden. Tatsächlich haben die ou gros und organisatorisch betriebenen Kirchbaubetteleien der brande:, burgischen katho- tischen Geistlichkeit wieder Erfolg gehabt. Man ersieht näheres aus einer kleinen Schrift„Die katholische Kirche in Berlin ". Nach dieser Zusammen« stellung sind bloß innerhalb der sieben Jahre von 1897 bis 1994 in Berlin und Umgegend vier Pfarreien und neun Kuratien neu er- richtet, ferner acht Kirchen, zwölf Kapellen erbaut und neun Grund- stücke für provisorischen Gottesdienst erworben worden. Räch dem Jahre 1994 wurden ebenfalls in Berlin und den Vororten elf katholische Kirchen und Kapellen errichtet. DaS sind also insgesamt in nur zwölf Jahren nicht weniger als 49 Kirchen und Kapellen, zu deren Bau mehrere Millionen durch Großbettelei aufgebracht wurden. Wenn die katholischen Schäflein und manchmal auch Nichtkatholische sich so weiter schröpfen lassen, wird der katholische Himmel über Berlin und Umgegend bald so voll sein, daß Freund Petrus mit all den„Frommen", die sich auf ihr Eintrittsgeld berufen, feine liebe Not haben muß. Geräuschvolle Arbeiten und Schutz der Anwohner. Auf einem tose in der Liebenivalderstraße ließ der Schmiedemeifter Sch. chmiedearbetten verrichten. Der Polizeipräsident machte ihm im Sommer 1996 durch eine Verfügung bestimmte Auflagen, ine zun: Zweck hatten. Anwohner vor einer gesundheitsschädlichen Einwirkung von Schmiedegeräuschen zu schützen. Nachdem der Bezirksausschuß seine Klage abgewiesen hatte, hob das Ober-VerwaltuiigSgericht dies Urteil auf und setzte die polizeiliche Verfügung außer Kraft. In dem Urteil wird u. a. ausgeführt: Entscheidend wäre, ob das durch den Betrieb verursachte Geräusch zu der Zeit, als die Verfügung er- lassen wurde, die Gesundheit der Anwohner zu stören geeignet ge- Wesen sei. Nur dann wäre die Verfügung rechtlich begründet im§ 19 II 17 Allgemeinen Landrechts. Eine Gesundheitsgefahr sei jedoch nicht als festgestellt anzunehmen. Nach den, vorliegenden Gut- achten deS Kreisarztes solle der von den Schmiedearbeiten her- rührende Lärm deshalb gesundheitsschädlich sein, weil besonders nervöse Personen aus der Nachbarschaft im Schlaf(in der Nacht- ruhe) gestört werden könnten. ZeugeuauSgaben ergäben jedoch, daß in der Regel erst um 7 Uhr früh oder kurz zuvor»nit de» Schmiede- arbeiten angefangen worden sei. DaS sei eine Tageszeit, für die der Schutz, auf den die Nachtruhe Anspruch habe, nicht mehr in Be- tracht komme. Zu dieser Zeit könne bei Vornahme geräuschvoller Arbeiten nicht mehr von einer Störung der Nachtruhe gesprochen werden. Die tatsächlichen Voraussetzungen für die polizeiliche Ver» fügung seien somit nicht gegeben. Der Zentralverein für Arbeitsnachweis, weibliche Abteilung, teilt den verehrlichen Hausfrauen und den Herren Arbeitgebern mit. daß seine Bureaus für Aushilfe-Hauspersonal sowie für gewerbliche Arbeiterinnen jeder Branche in den Sommermonaten bereits um 7 Uhr geöffnet werden. Bestellungen werden von 7—1 Uhr entgegen genommen. Amt HI, 3791—3797, oder durch Postkarte: 6. 54, Rückerstr. 0. Wege» SittlichkeitSvergehen verhaftet worden ist eine 28jShrige KutscherSfrau Berta H, die von ihren, Manne getrennt lebt und in der Pappelallee wohnte. Zu ihren Bekannten zählt auch eine Familie, in der im März ein Sohn eingesegnet wurde. Der Knabe besuchte nach der Einsegnung auch Frau H., um sich ihr vorzustellen. Diese Gelegenheit benutzte sie. ihn zu verführen. Und nicht da« allein, der Knabe wurde auch noch angesteckt und erkrankte. Diese Dinge kamen zur Kenntnis der Kriminalpolizei und zwei Beamte nahmen Frau H. am Sonnabendabend in ihrer Wohnung, die sie erst in der vergangenen Woche in der Schliemannstr. v bezogen hatte, fest. Die Verhaftete ist geständig.
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