FrSulein G. einen markerschütternden Schrei. Vereintretend sah die Frau, wie ihre Mieterin mit den Armen um sich schlagend zum Fenster taumelte, sich über die Brüstung beugte und, das Gleich- gewicht verlierend, in die Tiefe stürzte. Leider hatte dieser Todes- stürz noch einen zweiten bedauerlichen Unfall zur Folge. In dem Augenblick, als der schwere Körper auf die Stratze stürzte, ging der 19jährige, in einer Notenstecherei in der Charlottenstratze beschäftigte Karl Scholz vorüber. Dicht vor ihm fiel die Unglückliche zu Boden. Der junge Mann erschrak derartig, daß er sofort jn Schreikrämpfe verfiel und in bewußtlosem Zustande nach der Unfallstation in der Kommandantenstraße geschafft werden mutzte, wo er sich erst nach längerem ärztlichen Eingreisen erholte. Sch., der außerdem einen schweren Nervenchok erlitten hatte, wurde dann nach seiner Wohnung übergeführt. Fräulein Gierod war sofort tot, die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft. Gesperrt. Der vor dem Grundstück Grünthalerstratze 11 liegende Straßenteil(etwa 3V Meter Streckenlänge) wird behufs Ausführung von Kanalisationsarbeiten sofort bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Feuerwehrnachrichten. Jn der Liebenwalder Straße 33 der- Ursachte gestern ein Geisteskranker durch eine Brandstiftung unter den Hausbewohnern große Beunruhigung. Der Mann hatte Kleidungsstücke, Wäsche, Möbel u. a. mit Petroleum begossen und dann angezündet. Als die Polizei und Feuerwehr erschien, stand eine Küche schon in Flammen. Um weitere Gefahren abzuwenden, nahm die Polizei den kranken Mann in Haft. Jn der Charlotten- straße L9 brannten nachts Gardinen, Betten, Matratzen, Möbel und anderes in einer Wohnung. Weitere Alarmierungen erfolgten aus der Görlitzer Straße 74, Buchholzer Straße 1 und anderen Stellen. Vorort- JVacbnchten. Rixdorf.; Verbrüht. Einen entsetzlichen Tod fand das zweijährige Töchtcrchen des Arbeiters Gereing aus der Siegfriedstr. 39 in Nix- dorf. Frau G. hatte in der Küche gewaschen und während sie für einige Minuten das Nebenzimmer aufsuchte, machte sich das Kind an den auf dem Fußboden stehenden mit siedender Lauge angefüllten Waschkessel heran und stürzte hinein. Auf das Ge- schrei des bedauernswerten Geschöpfes eilte die Mutter sofort her- bei und holte es aus der brühenden Flüssigkeit heraus. Inzwischen hatte die Kleine aber bereits am ganzen Körper so schwere Brand- wunden erlitten, daß sie bald darauf unter qualvollen Schmerzen starb. Schöneberg . Die Besoldungsvorlage der Beamten und Bediensteten, Arbeiter nud Arbeiterinneu ist fertiggestellt und den städtischen Körperschaften zur Beschlußfasiung unterbreitet worden. Soweit es sich um die Lohnsätze der Arbeiter handelt, sind folgende Skalen vorgesehen: A. Ständige Arbeiter(Anfangslohn): Arbeiter 4 M. Gärtner und Meßgehilsen 4,25 M., Wächter 3,75 M., Arbeiterinnen 2,75 M. Die Zahl und Höhe der MerSzulagen beträgt bei der Kategorie der Arbeiter 4,25 M., bei den Gärtnern und Meßgehilfen 5,25 M. Der Lohn der Arbeiter steigt von zwei zu zwei Jahren um 25 Pf. bis zur Höhe von 5 M. nach acht Jahren. der der Gärtner und Meßgehilfen steigt um den gleichen Betrag bis 5.59 M. Höchstlohn. B. Nichtständige Arbeiter: Gärtner und Meßgehilfen 4 M., Arbeiter nnd Wächter 3,75 M, Arbeiterinnen 2,50 M., Arbeitsburschen 1,50, 2, 2,50, 3 M.(Alterszulage 3,50 M.), Reinmachefrauen, die im Monatslohn. 59 M. monatlich, Reinmachefrauen, die im Stundenlohn, 9,39 M die Stunde. C. LluShilfsarbeiter(Notstandsarbeiter) erhalten einen Tagelohn in Höhe von 3,50 M. und Handwerker erhalten die tarifniäßigen Lohnsätze ihres Berufs oder— falls ein Tarif nicht besteht— die für ihren Beruf üblichen Lohnsätze. Die Borarbeiter erhalten zu dem tarifmäßigen Tagelohn als Arbeiter einen Lohnaufschlag von 59 Pf., desgleichen die DeS« infektoren und Kraftwagenführer einen Lohnaufschlag von 1 M. Die Gehälter und Löhne haben rückwirkende Kraft bis 1. April 1998. Die Beträge werden aus dem Ueberschußfond« und im übrigen aus den Erträgen der Wertzuwachssteuer entnommen. Groß-Lichterfelde . Berkehrsrückständiges. Die Errichtung des neuen, an der Schönower Grenze gelegenen Gemeindefriedhofes, der in nächster Zeit seiner Bestimmung übergeben wird, hat die Frage der weiteren EntWickelung des Verkehrswesens aufs neue in den Vordergrund gerückt. Leider ist auf diesem Gebiete seit einer ganzen Reihe von Jahren schwer gesündigt worden; weder ein Fortschritt im allgemeinen noch eine wesentliche Besserung be- züglich der bestehenden lokalen Verkehrseinrichtungen ist zu ver- zeichnen. Der weit ausgedehnte Ort verfügt nur über einige Straßenbahnlinien, die kaum dem Verkehrsbedürfnis innerhalb der örtlichen Grenzen genügen, von der Kommunikation mit den Nachbarorten ganz zu. schweigen. Nur die Linie Ostbahnhof— Steglitz wagt sich etwa einen Kilometer auf das Gebiet dieser Nachbargemeinde. Für den südlichen Teil von Groß-Lichterfelde fehlt nach dem Westen, dem Zentrum und dem Norden jede direkte Verbindung. Der Grunewald ist von den Lichterfeldern nur per peäes zu er- reichen, und auch bezüglich der benachbarten westlichen Gemeinden stehen wir nicht ini Zeichen des Verkehrs. Die Gründe für diese rückständigen Verkehrsverhältnisse sind zu suchen einmal in der ralativ dünne» Besiedelung des Ortes, die wesentlich mit auf das Konto der Grundstücksspekulanten zu setzen ist, die das Bauland einfach liegen lassen, um später höhere Profite herauszuschlagen; dann darin, daß die Verkehrsinstitutionen Eigentum von Privat- gesellschaften waren, die erst in den letzten Jahren auf den KreiS übergingen, der allerdings finanziell an der Entwickelung der Gemeinde ein besonderes Jntersse haben und sie durch Schaffung besserer Verkehrsverhältnisse fördern müßte. Endlich aber bildet ein schweres Hemmnis für den weiteren Ausbau des Straßenbahnnetzes die bei den bestehenden Linien vorhandenen verschiedenen Spurweiten der Gleise. Während die Linien nach Teltow — Stahnsdorf und nach Lankwitz — Tempelhof — letztere der Berliner Großen gehörig— normalspurig sind, find die übrigen beiden Linien schmalspurig, so daß sich naturgemäß aus diesem Dualismus für eine weitere Entwickelung des Verkehrs besonders mit den Nachbargemeinden erhebliche Schwierigkeiten ergeben. Gegenwärtig beschäftigt sich der Gemeindeborstand mit dem Straßenbahnprozekt: Station Botanischer Garten nach dem neuen Gemeindefriedhof bezw. Lichterfelde -Süd, das dem eingangs er- wähnten Mangel einer Nord-Süd-Linie abzuhelfen geeignet ist. Der Zuschuß der Gemeinde zu den Betriebskosten wird vorerst ein ziemlich hoher sein; die Terraingesellschaft, deren Bauland die gedachte Linie durchschneidet, hat trotz vielfacher Verhandlungen mit dem Gemeindevorstand sich nur zur Leistung eines recht ge- ringfügigen Beitrages bereit finden lassen. Von ihrem Stand- Punkt aus allerdings mit Recht. S i e braucht gar nichts zu leisten und wird doch den Profit nach Errichtung dieser neuen Straßen. bahn einheimsen. Will nämlich die Gemeinde nicht auf jede Verbindung mit dem neuen Friedhof verzichten, so m u ß eben die Trace der Bahn das Gelände der Gesellschaft schneiden. Es führt lein anderer Weg nach Küßnacht. Der bekannte Weitblick der führenden Männer auf dem Rat- Hause ist doch von außerordentlichem Wert und Vorteil für die— Bodenspekulanten. Als man der Terraingesellschaft das Land für den Friedhof abkaufte, mußte man doch ungefähr eine Ahnung hoben, daß— bei der Größe des Ortes— eine Verbindung dahin notwendig werden würde. Damals hätte man der Terraingesell- ■ schüft die Bedingungen diktieren können, heute ist öS« wie Figura zeigt, aus damit. Unsere Gcmeinderäte haben mit dem Neinsall bei der „Terraingesellschaft am Neuen botanischen Garten" noch nicht genug; wenn sie auch nichts vergessen haben, so haben sie sicher auch nichts gelernt. Jn der Frage der Verbindung mit dem Grunewald spielt der Fiskus als Besitzer der Domäne Dahlem ebenfalls eine Rolle. Will man die so notwendige Straßenbahn nach dem Grunewald erreichen, so muß man über Dahlemer Gebiet. Groß-Lichterfelde hat dem Fiskus den Anschluß an die Kanalisation ohne weiteres gestattet und auch die Abführung der Regenwässer in die Lichterfelder Leitung soll demnächst vertraglich genehmigt werden. Wir haben bis jetzt nichts davon gehört, daß die berufenen Hüter der Gemeindeinteresson diese Gelegenheit benützt hätten, üm von dem Fiskus bezüglich der Grunewald-Bahnfrage Kam- pensationen zu erlangen. All diese Verkehrsfragen sind von einer fundamentalen Bedeutung für einen aufstrebenden Ort und müssen mit Geschick und Nachdruck behandelt werden. Vor allem sind alle künftigen Bahnen normalspurig zu gestalten, um einen direkten, ungehinderten Verkehr zu ermöglichen. Die erwähnte projektierte Linie könnte eventuell im Westen mit der Steglitz — Grunewald - und im Osten mit der Teltow — Stahns- dorfer Linie verbunden werden. Es ist aber auch möglich, daß die Gemeindevertretung schlauer ist, diese Bahn ebenfalls schmalspurig bauen und an den jeweiligen Gemeindegrenzen Prellböcke errichten läßt, damit's„Zügle" nicht über den engen Lichterfelder Horizont hinausfahren kann. Friedenau . Aus dem Wahlverein. Da der Arbeiterschaft am hiesigen Orte kein Lokal zur Verfügung steht, so mußte die letzte Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins in Steglitz bei Schellhase, Ahorn- straße, abgehalten werden. Die Versammelten hörten zunächst einen Vortrag des Genossen Ulm über:„Die Reichsfinanzreform". Hierauf erstattete Genosse Okonski Bericht von der Kreisaeneral- Versammlung Groß-Berlins . Nach dem Kassenbericht des Genossen Klemann betrugen die Einnahmen im 1. Quartal 125 M., die Ausgaben 140 M. Die Abrechnung der Gemeindevertreterwahl ergab eine Einnahme von 48,99 M. und eine Ausgabe von 131,79 Mark. An Stelle des Genossen Richard Hagen wurde Genosse Oskar Hagen in den Vorstand gewählt. Nachklänge von der Gemeinbewahl. Vor mehreren Wochen machten wir von einem Vorgang Mit- teilung, der sich unmittelbar nach der letzten Gemeindevertreter- wähl abgespielt hat. Bekanntlich wurde in der Stichwahl der Kandidat der Lehrer und Beamten, Herr Oberlehrer Weber, gegen unseren Genossen gewählt. Nach einigen Tagen erschien plötzlich ein bürgerlicher Gemeindevertreter bei einem Mitglieds des sozial- demokratischen Wahlkomitees und ersuchte unseren Genossen, dafür Sorge zu tragen, daß die Wahl Webers beanstandet werde, da am Ort zwei Oberlehrer gleichen Namens wohnen, aber bei der Wahl sowohl wie auch bei der amtlichen Bekanntmachung des Resultats kein Vorname angegeben worden sei. Zugleich stellte der Herr in Aussicht, daß die Gemeindevertretung aller Voraussicht nach dem Protest zustimmen würde. Unsere Genossen lehnten natürlich ein solches Ansinnen rund ab. Der„Friedenauer Lokalanzeiger" druckte die Notiz ab und verlangte von uns, daß wir den Namen des betreffenden bürger- lichen Gemeindevertretcrs bekanntgeben sollten, wenn anders unsere Mitteilung nicht als erfunden betrachtet werden solle und nur den Zweck habe, die Gemeindevertreter in ein trübes Licht zu stellen. Wir kamen dem Ersuchen dieses Blättchens nicht nach, sondern warteten erst ab, was die Gemeindevertreter für eine Haltung gegenüber dem nach Meinung eines ihrer Kollegen nicht ganz einwandsfrei gewählten Oberlehrers Weber einnehmen würden. Man hätte erwarten sollen, daß einer der Herren gegen den Neu- gewählten Protest einlegen würde. Doch das ist nicht geschehen; Herr Weber ist bereits in sein Amt eingeführt. Der„Friedenauer Lokalanzeiger" hat auch nicht lange gezögert, unsere Notiz für Schwindel zu erklären, eine Behauptung, die uns natürlich ganz kalt läßt. Es liegt für uns indessen jetzt kein Grund mehr vor, den Namen des betreffenden Gemeindevertreters zu verschweigen, der— ob im Auftrage seiner Kollegen oder nicht— im Trüben zu fischen glaubte. ES ist Herr Ruhemann, von dem unsere Genossen behaupten, daß er dem genannten Blättchen sehr nahe steht. Damit glauben wir wohl die Neugierde des Blättchens zu- friedengestellt zu haben. Wir überlassen es ihm, sich nunmehr mit den angeblich von uns„in ein trübes Licht" gestellten Ge- meindevertretern selbst abzufinden. Adlershof . Ein gewaltiges Schadenfeuer entstand in der Donnerstag Nacht in Adlershof , durch welches ein großer Teil der Lager- bestände des Lutzeschen Dampfsägewerks und Leistenfabrik ein- geäschert wurde. Der Brand wurde gegen%1 Uhr nachts entdeckt. um welche Zeit bereits mehrere Stapel Bretter von dem Element ergriffen waren. Das Feuer griff mit so großer Geschwindigkeit um sich, daß die aus den gesamten Nachbarorten nach und nach eintreffenden Feuerwehren ihr Hauptaugenmerk darauf richten muhten, die Maschinengebäude zu schützen. Gegen 2 Uhr nachts bildete fast der ganze ausgedehnte Bretterstapelplatz ein einziges, ungeheueres Flammenmeer, dessen gewaltiger Lichtschein selbst in Berlin wahrgenommen wurde. Obwohl mit mehr als sechzehn Schlauchleitungen gewaltige Wassermassen in die Gluten hinein- geschleudert wurden, konnte von den brennenden Lagerbeständen nichts gerettet werden. Dagegen gelang es den angestrengten Be- mühungen der freiwilligen Löschmannschaften, ein Uebergreifen des Brandes auf das Schneidewerk und die Tischlereiwerrstätten zu verhindern. Nachdem die Gefahr für die umliegenden Ge- oäude beseitigt war, konnte das Gros der Löschzüge gestern morgen gegen 8 Uhr wieder nach den Heimatsorten abrücken. Dagegen dürfte die Adlershofer Wehr noch mehrere Tage mit den Auf- räumungsarbeiten zu tun haben. Wie uns mitgeteilt wird, liegt zweifellos Brandstiftung vor. Als das Feuer entdeckt wurde, waren vier selbständige, räumlich voneinander getrennt liegende Brand- Herde vorhanden. Der angerichtete Schaden dürste sich auf 49 bis 59 999 M. beziffern. Erfreulicherweise ist weder der Betrieb der Schneidemühle, noch der Nebenabteilungen gestört. Nieder-Schöneweide. Ein großer Dachstuhlvrand kam gestern abend gegen 6 Uhr im Eckhouse Fenn- und Hasielwerdcr Straße zum Ausbruch. Die Orts- feuerwebr hatte im Verein mir mehreren Nachbarwehren stundenlang Wasser zu geben, um den Brand zu lokalisieren und auf den Dach- stuhl zu beichränken. Die EntstehungSursache des Brandes ist im- bekannt. Nikolassee . Rohrbruch. Gestern vormittag platzte hier in der Nähe der Rehwiese am Uebergang der Wannseebahn das Hauptdruckrohr der Wasserleitung, das einen Durchmesser von zirka 35 Zentimeter hat. Die Wannseeftraße wurde durch die plötzlich gcysirariig hervor- brechende Wassermasse zum teil, die Straße an der Rehwiese auf zirka 59 Meter vollständig bis in eine Tiefe von 4—5 Meter fort- gerissen; auch der Damm der Wannseebahn war gefährdet, zumal es erst nach längerer Zeit gelang, das Wasser abzustellen. Die Reh- wiese ist in ihrer ganzen Länge überschwemmt und mit Sand und Schutt bedeckt. Ein Schlächterfuhrwerk, dem Schlächtermeister Höft gehörig, das im Augenblick der Katastrophe die Stelle passierte, wurde von dem Schlammstronr mit fortgerissen. Der Kutscher konnte sich noch rechtzeitig durch Abspringen retten, der Wagen ging in Trümmer, das Pferd konnte, wenn auch nicht unerheblich verletzt, geborgen werden. Die Wiederherstellungsarbeiten werden wohl längere Zeit in Anspruch nehmen. Weiftensee. Der Achtuhrlabenschluß tritt nunmehr mit dem 19. Mai i« Kraft. Die erste wohl nicht einheitlich organisierte Abstimmung wurde beanstandet, weil einige Geschäftsleute doppelt gestimmt hatten, so daß eine zweite Abstimmung vorgenommen werden mußte. Bei der letzteren wurde die Zweidrittel-Majorität bedeutend überschritten. Die Geschäftsleute machen bereits durch Plakate dem Publikum bekannt, daß vom Montag ab die verkürzte Ge- schäftszeit eintritt. Köpenick . Eine öffentliche Jugendversammlung findet am Sonntag, den 9. Mai, nachmittags 3 Uhr, im„Kaiserhof", Grünftraße, statt. Ge- nosse Schütz spricht über:„Das Recht der Jugend". Die Ge- nosfinnen und Genossen werden ersucht, für den Besuch dieser Ver- sammlung rege zu agitieren. Der Jugendausschuß. Potsdam . Schlimmer als der Reichsverband gebärdet sich das hiesige „Tageblatt" mit der schönen Bezeichnung:„Liberale Volkszeitung"» wenn es glaubt, der Sozialdemokratie eins auswischen zu können. Vor einigen Tagen wurde hier der frühere Ortskassierer der Zahl- stelle des Deutschen Metallarbeiterverbandes wegen Unterschlagung verurteilt. Diese Angelegenheit benutzt die„liberale Volkszeitung" nun dazu, ihren Lesern unter der Stichmarke„Unterschlagene Parteigelder" folgendes zu berichten: „Die sozialdemokratische Parteikasse ist durch den Arbeiter(Schlosser) Otto Mathies aus Potsdam , der sich als Verbandskassierer jahrelange Unterschlagungen zuschulden kommen lieh, schwer geschädigt worden. M. bekleidete als Mitglied des hiesigen Metallarbeiterverbandes die Kassiererstelle für oen Ver- band und die örtliche Parteiorganisation." Es ist unwahr, daß M. Parteigelder verwaltet hat. Aber was tuts. Wenn es gilt, die sozialdemokratische Partei zu verdächtigen, sind alle Mitel gut genug.— Der entstellte Bericht macht jetzt natürlich die Runde durch alle Organe des Reichsverbandes. Die WahlverrinSverfammlung beschäftigte sich vor allem mit lokalen Angelegenheiten. Anknüpfend an die letzten Vorkommnisse im Stadtverordnetenparlament, in welchem der Stadtverordnete Pauli rücksichtslos ausschließlich die Interessen der Unternehmer vertreten hat, schilderte Genosse Staad die Bestrebungen der Stadt, bessersituierte Personen nach Potsdam zu ziehen, die dann allerdings ihren Verpflichtungen gegenüber der Stadt nicht nachkommen, wie letzthin beim Tode einer Millionärin festgestellt wurde, die noch nicht den dritten Teil ihres Vermögens versteuerte. Durch die städtische Spekulation wird dann die Arbeiterschaft immer mehr in die Nachbarorte gedrängt, was allerdings dem konservativen„In- telligenzblatt" zu wahren Lobeshymnen Veranlassung gegeben hat. Die Arbeiterschaft selbst ist im Stadtparlament nicht vertreten, sie existiert überhaupt nicht für die Stadtväter. Trotzdem Milchküchen für Säuglinge, Erholungsheime, Tuberkulosenfürsorgestellen usw. geschassen werden, baut die Stadt eine Badeanstalt und verpachtet sie dann für 499 M. an einen Unternehmer, statt sie kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Eine rege Aussprache ließ erkennen, daß nicht früher eine Besserung hierin eintreten wird, bis es erst der Arbeiterschaft einmal gelingt, in das Potsdamer Stadtparlament einzudringen. Spandau . Stadtverordnetenversammlung. Von der ziemlich reichhaltigen Tagesordnung wurden nur 4 Punkte erledigt und diese erforderten einen Zeitaufwand von vier Stunden. Vor Eintritt in die Tages- ordnung gelangte ein Schreiben des Magistrats zur Kenntnis der Versammlung, welches auch für unsere Parteigenossen am Orte, ja für die ganze Arbeiterschaft Spanoaus ein großes Interesse hat. Bekanntlich beschloß die Versammlung in einer der letzten Sitzun- gen, und zwar auf einen Antrag der Hirsch-Dunckerschen Gewerk» vereine, für die Wahlen zum Gcwerbcgericht das System der Ver- hältniswahlen einzuführen. Gleichzeitig gelangte ein Antrag der sozialdemokratischen Stadtverordneten zur Annahme, daß diese Wahlen an einem Sonntage vorgenommen werden. In dem vor- benannten Schreiben erklärt nun der Magistrat, daß er mit Ein. führung der Verhältniswahlen einverstanden sei, daß eresaber abgelehnt habe, die Wahlen an einem Sonntage stattfinden zu lassen. Stadtv. Genosse Pieck sprach mit Recht seine Verwunderung darüber aus, daß der Magistrat, der die Wahlen zum KaufmannSgericht an einem Sonntag anberaumt hatte, jetzt bei den Gewerbegerichtswahlen einen ablehnenden Standpunkt einnehme. Der Oberbürgermeister K o e l tz e gab auf die Ausführungen des Genossen Pieck folgende nichtssagende Er- klärung ab: Die Wahlen zum KaufmannSgericht seien von dem Dezernenten versehentlich(?) auf einen Sonntag anberaumt worden. Das werde künftig nicht mehr geschehen. Der Magistrat stelle sich auf den Standpunkt, daß man jetzt überall bestrebt sei, die Sonntagsruhe einzuführen, und da sei es nicht angängig, wenn in Spandau die Wahlen auf einen Sonntag verlegt würden. Schließ- lich verlange man noch, daß auch die Stadtverordneten» und andere Wahlen an einem Sonntag stattfinden. Stadtverordneter Genosse Schmidt I erwiderte auf diese Magistratsweisheit, daß eine ganze Reihe von Gemeinden die Gewerbegcrichtswahlen auf den Sonntag verlegt haben, um sowohl die Arbeiter wie auch die Unternehmer pekuniär nicht zu schädigen. Manchem Arbeiter werde es unmöglich gemacht, an der Wahl teilzunehmen, wenn diesexan einem Wochen- tage stattfindet. Zumal in Spandau , wo viele Arbeiter, die für die Gewerbegcrichtswahlen hauptsächlich in Frage kommen, in Berlin arbeiten. Die Arbeiter der Staatswerkstätten haben ja mit den Wahlen zum Gewerbegericht leider nichts zu tun. Nicht ein einziger bürgerlicher Stadtverordneter wendete sich gegen das ganz unverständliche Verhalten des Magistrats. Es wird nunmehr Sache der Arbeiter, und zwar aller Arbeiter Spandaus sein, dem Magi- strat klarzumachen, daß er sich durch sein ablehnendes Verhalten mit den Interessen der Arbeiter in Widerspruch gesetzt hat. Man hegt wohl im stillen die Hoffnung, durch diese Maßnahme die Listen der freien Gewerkschaften zurückzudrängen. Die Mitglieder der freien Gewerkschaften werden schon dafür Sorge tragen, daß diese stille Hoffnung zuschanden wird. Die Versammlung stimmte sodann nach einer sehr langen Debatte grundsätzlich einem Vertrage mit der Eisenbahnverwaltung zu, betreffend den Vorplatz zum Bahnhof nnd Unterführung der Grenadierstraße. Die hierfür aufzuwenden- den Mittel betragen vorläufig nur 151 559 M. Das andere kommt noch.— ES wurde dann noch einer Regulierung der Potsdamer Straße vor dem neu zu erbauenden Rathause, zu welcher 97 399 Mk. gebraucht werden, zugestimmt und die Fluchtlinie für einen Teil der Breitenstraße festgesetzt. All gemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter r Filiale 6). Am Sonnabend, den 8. Mal, abends 8'/, Uhr Versammlung bei Erlelt, Glcini- und Graunstratzen-Scke. Berein der Buchdrucker und Schriftgtefier von Mixdorf-BriN. Versammlung am Sonnabend, den 8. Mai, abends>/»g Uhr bei Hoppe, Herrnaniistrabe 4g. Tagesordnung: 1. Vorwag des Kollegen Ebert:„Die wirtschaftlich« Krifi« und Ihre Wirkung aus die Arbeiterklasl«'. 2. Verein?- Mitteilungen, ö. Verschiedenes. Witter, ingsüderstcht vom 7. Mai 1909. morgens 8 Uhr. Wctterprognvie für Sonnabend, den 8. Mai 1999. Trocken und vorwiegend heiter bei ziemlich frischen nordöstlichen Winden; außer in den Mittagsstunden kühl.
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