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zu ttiHoffctt Man spricht Skr von einer L u x u S st e u e r. Die Arbeiter, welche ein Rad besitzen, wissen, was das für ein Luxus ist. Sie benutzen die Räder, um schnell nach ihrer Ar- Seitsstelle zu kommen. Grohe Zeitverluste eitstehen Tausenden von Arbeitern, wenn die Witterung die Benutzung des Rades Unmöglich macht. Weiter kommt hinzu, daß in den Groß- städten ieder kleine Geschäftsmann ein Rad zur Verfügung des Hausdieners haben muß, und wahrscheinlich wird er dem Haus- diener die Steuer aufbürden. Bei der Abholung der Karten, die ja im Januar ganz allgemein geschehen soll, werden die Arbeiter stundenlang zu warten haben und dadurch einen Ausfall an Ar- l'eitsverdienst erleiden, der in die Millionen geht. Aber auch SO Pf. bedeuten für den Arbeiter eine Stunde Mehr- arbeit, die er dem Staat umsonst zur Ver- fügung stellen soll. Im Herrenhause hat man darauf bi.rgewlesen, daß man die Arbeiter mit 1200 M. Einkommen höher besteuern will, um die Lehrer mit 1400 M. Mindestein- kommen besserzustellen! hier sollen die Arbeiter wieder die Steuer bezahlen, weil Sie bei den Jagdpachtverträgen eine Million Mark nicht bezahlen wollen. Der Stempel von Aktiengesellschaften und von Fideikommissen soll nur einmal bezahlt werden, obwohl er im Jahre hundertfach verdient wird. Der Arbeiter dagegen soll für sein Rad jedes Jahr neu bezahlen, obwohl eS sich beständig abnutzt. Haben Sie denn gar kein Gefühl dafür, wie erbitternd und verletzend eine solche Steuer wirken muß? Sind Sie sich nicht klar, daß das die größte Ungerechtigkeit ist, die je in einem Parlament verübt wurde?(Unruhe und Lachen rechts.) Ihr Lachen zeigt nur, daß Sie gar kein Verständnis dafür haben, was in der Familie eines Arbeiters 50 Pf. bedeuten. Warum haben Sie die Jagdpachtsteuer herabgesetzt?(Zuruf rechts: Sie wird neu geschaffen!) Aber nicht in der Höbe der Regierungsvorlage. Aber die Radfahr- kartensteuer hat die Regierung gar nicht verlangt, sondern sie ist von Ihnen geschaffen. Sie nehmen dem Arbeiter 50 Pf., für die er sich ein halbes Pfund Fleisch kaufen kann, und erlassen die Jagdpacht st euer den Leuten, die mit dem er- sparten Geld mehr Sekt trinken können.(Große Unruhe rechts.) Sie handeln nach dem Grundsatz: Nimm, was du kriegen kannst.(Zuruf rechts: Wir haben ein gutes Gewissen.) Das zeigt Ihre angeborene und eingefleischte Arbeiterfeinblichkeit. Sonst würde Ihnen das soziale Gewissen schlagen. Aber Sie wollen mit dieser Steuer den Ihnen unsympathischen Zustand beseitigen, daß die Landarbeiter leicht nach der Stadt, und die städtischen Arbeiter leicht auf das Land kommen können. Die Kulturentwickelung halten Sie aber doch nicht auf. Wohl aber fördern Sie damit unsere Interessen und die Agitation gegen Ihr Auftreten.(Unruhe rechts.) Wenn nur ein Funke von Gerechtigkeitsgefühl in Ihnen wäre. müßten Sie mit uns diese Steuer ablehnen. (Bravo ! links; Unruhe rechts.) Abg. Litdicke(freik.): Vom Rad des armen Mannes zu .sprechen, wie Abg. Leinert es getan, ist doch geradezu töricht Präsident v. Kröcher: Ter Auedrucktöricht" ist doch ein bißchen st a r k. Abg. Llldicke(fortfahrend): Wer sich ein Rad kaufen kann, hat auch das Geld für die geringe Steuer. Abg. Kreth(k.): Der arme Mann benutzt nicht ein Rad zur Fortbewegung, sondern seine Füße und empfindet den von den Rädern verursachten Staub sehr unangenehm.(Beifall rechts.) Damit schließt die Diskussion. Die Steuer von 50 Pf. aus Radfahrkarten wird angenommen. Die übrigen Bestimmungen des Tarifs werden nach unwesent- licher Debatte nach den Beschlüssen der Kommission ange- n o m in e n. Hierauf vertagt sich das Haus auf Dienstag, 11 Uhr.(Fort- setzung der zweiten Beratung der Stempelsteuernovelle, dritte Be- ratung der Berggesetznovelle. Zweite Beratung der Sekundär- bahnvorlage, Antrag v. Zedlitz auf Anschluß der Lehrpersonen an Privatschulen an die Penswnskasse der Volksschullehrer.) Schluß 4% Uhr.' Soziales* Tuberkulosekongreß. Auf dem Tuberkulosekongreß, über dessen Sitzung wir bereits am Sonntag berichteten, referierte Kreisarzt Dr. Kirstein-Stettin über die Durchführung der Desinfektion bei Tuberkulose mit be- sonderer Berücksichtigung der Wohnungsdesinfektion. Dieses ist eines der wichtigsten Mittel zur Bekämpfung der übertragbaren Krankheiten. Die Vorbedingung sei eine gesetzlich festgelegte An- zeigepflicht. In den meisten Bundesstaaten bestehe sie aber noch nicht, oder sei, wie in Preußen, auf eine Anzeige der Todesfälle beschränkt. Es müsse mindestens der Wohnungswechsel bei vor- geschrittener Lungentuberkulose und bei den Kranken, die in die Heilstätten kommen, zur Anzeige gelangen. Noch wichtiger sei die Anzeigepflicht der Fälle von offener Tuberkulose. Alle diese Fälle sollten der polizeilichen Anzeigepflicht unterliegen. Daß eine er- wetterte Anzcigepflicht nicht nur notwendig, sondern auch leicht durchführbar ist, zeigen Norwegen , Dänemark , Schweiz , Oesterreich und einige amerikanische Großstädte. Auch in Deutschland sei man nicht ganz zurückgeblieben; so haben Sachsen und Baden schon die Anzeigepflicht. So lange aber die Anzeigepflicht nicht durchgeführt ist, müsse man auf gütlichem Wege sehen, die Wöhnungsdesinfek- tion durchzuführen. Auf dem Lande seien dazu besonders die Für- sorgestellen berufen. Am ehesten werde die freiwillige Desinfektion beim Wohnungswechsel durchgeführt werden können. Aber dem tvcrden Schwierigkeiten von feiten der Haus- und Quartierwirte bereitet. Es sei jedoch dem neuen Mieter auf Grund des§ 544 B. G.-B. möglich, den Hauswirt zur Desinfektion zu-aoingen. Es sollten sich daher auch die Vermieter nicht gegen die Desinfektion sträuben, im Gegenteil, sie selbst herbeizuführen suchen. Da es sich um eine im öffentlichen Interesse liegende sanitäre Maßnähme handelt, wäre darauf hinzuwirken, daß die Desinfektion m allen Fällen unentgeltlich geschieht. Sehr wichtig sei die fortgesetzte Desinfektion am Krankenbett zur Unschädlichmachung des Auswurfs. Leider fehle es hier noch an geeigneten wirksamen Mitteln. Vortragender behandelte dann die einzelnen Desinfek- tionsmittel und Maßnahmen._ Dritte Konferenz der Zentralstelle für Volkswirtschaft. Gestern tagt- in Darmstadt die dritte Konferenz der Jen- tralstelle für Volkswohlfahrt. Universitätsdirektor Bauer (Herrenhut) führte zu dem Thema Fürsorge für die schulentlassene männliche Jugend äuS: Die Aufgabe, für die schulentlassene Jugend zu sorgen, werde vielfach unter den Gesichtspunkt des Kampfes gegen tue Sozial­demokratie gestellt. Aber so gewiß uns grundsätzliche Verschieden- heiten der Welt, und Geschichtsanschauung von der Sozialdemo- Iratie trennen, so hat doch das Politische und der Klassenkampf, de,- auch einsichtige Sozialisten nicht in die Reihen der Jugendlichen trageil wollen, aus unserer Jugendfürsorge auszuscheiden... Gewiß erzeugen die Verbältnisse der Großstadt und der Industriezentren eine Fülle abnormer, ja verbrecherischer Erscheinungen. Aber einm-l sieht man leicht die früheren Zustände in zu rosigem Licht. Di- Meisterstube war oft auch eine wenig ideale Erziehungsstätte. Ferner urteilen gerade die Männer, die sich am ernstlichsten um dw Jugend bemühen, günstiger und entdecken, ohne sich über die Schäden zu täuschen, an der gewerblichen Jugend auch mancherlei Vorzüge. Und endlich hilft ein Vergleich mit früher wenig. Die Uebelstände sind einmal da. Aber es ist auch viel Gutes da, das es zu retten und zu stärken gilt, wobei wohl zu beachten ist, daß Roheit nicht ohne weiteres Gemeinheit und daß das Unsittliche in anderen Gesell- schaftskreisen um der feineren Form willen noch nicht besser ist. Wesentlich ist die vorliegende Aufgabe aus dem Umschwung der Verhältnisse abzuleiten. Auf dem Nürnberger Parteitag hat na- Nkätlich Klgra Zefki», MN vo.y hiß AMMW des Klassen. hasseS ähsieht. die Erziehungshedürftigkeit des jungen ArSeiterZ in seiner eigentümlichen Lage gut entwickelt. Sie hat besonders auf die Verminderung der Familienautorität und die verfrühte Selbständigkeit hingewiesen und die Verbindung von Zucht und Freiheit, sowie den Schutz vor Verführung so gefordert, wie wir -s ähnlich ja schon längst tun und noch kräftiger tun müssen. Sehr zu beobachten ist überdies, daß das moderne Leben in der Ar- beiterjagend geistige Bedürfnisse anregt, die in ungeordneter, meist verhängnisvoller Weise befriedigt werden, wenn es an Anleitung fehlt. Dazu kommt, daß die Maschine vielfach das ehedem mehr an die Arbeit geknüpfte geistige Leben freimacht, so daß es nach anderer Befriedigung sucht, chie ihm aber so gewährt werden mutz, daß die Jugend der Arbeit nicht abgeneigter, sondern für sie tüchtiger wird. Auf Verdummung des Arbeiters, damit die In- dustrieHände" habe, wollen wir es gewiß nicht anlegen. Ein scharfer Stachel der Notwendigkeit ist aber auch die Schuld der heutigen Gesellschaft. Die Volksjugend sieht nicht nur viel Luxus und Sittenlosigkeit, sondern auch Kritik bis zur Zersetzung vor sich, statt einer geschlossenen Weltanschauung, Zerrissenheit aus reli- g-ösem, Unsicherheit auf sittlichem und Skepsis auf dem Erkenntnis- gebiet sind an der Tagesordnung. Die Wirkungen können nicht ausbleiben. Von den einzelnen Notwendigkeiten ist die Fort- bildungöschule jetzt allgemein anerkannt. Sie mutz eine Er- zichungsstätte für Geist, Charakter und Gemüt fein und es mutz sich viel an sie anschließen, ein freieres Vereinsleben, bei dem die Selbsttätigkeit und auch die Körperübung Pflege finden muß. Dabei müssen wir zwei elementare Mächte als Bundesgenossen haben: Religion und Vaterlandsliebe. Die bahnbrechenden Ver- dienste der konfessionellen Vereine, als deren warmer und über- zeuAter Anhänger ich mich bekenne, dürfen nicht vergessen werden. Mag man unmittelbare relegiöse Einwirkung für richtig halten oder nicht, es bedarf jener Konzentration der sittlichen unv Gemütskräfte, wie sie ijur in der Religion und nur im positiven Christentum zu finden ist. Von einem Einfangen für kirchliche Parteien darf dabei ebensowenig�wie für politische die Rede sein. Und die Vaterlandsliebe muß der höchst verderblichen Verbrüdc- rung m-t der roten Internationale kräftig entgegengesetzt werden. Ist etwas von Byzantinismus in unserem Patriotismus hinein- gekommen, so läutern wir ihn zu einer schlichten und treuen Liebe zu Kaiser und Reich. Es gilt eine gleichsam unpolitische Vaterlandsliebe zu pflegen, den Sinn für das Land, die Sitte, die Lieder und die Helden der Heimat. In ähnlicher Weise sprachen die Diskussionsredner, von denen mehrere die Notwendigkeit der Leibesübungen hervorhoben. Pfarrer Rieber(M.-Gladbach) verwahrte sich dagegen, daß der christlich-nationale Arbeiterkongreßschwarze Polizisten" sein wollen, sie wollten dieReligion nicht als Mittel zum Zweck", son- deinzur Erziehung des Volkes zum Glauben und zur Zucht". * Die Konferenz bleibt eine muckerische Vereinigung zur Be» kämpfung der Arbeiterklasse trotz aller schönrednerischen Verläum- düngen. Ihr Ziel ist nicht Ausbildung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten unserer Jugend, sondern möglichste Erziehung der Arbeiter zur Unselbständigkeit, zur Demut, zum Gehorchen und Sichausbeutenlassen._ Prämien für Kassenbetrüger. Der Maurerpolier KollekowSkt und der Eigentümer und Kauf- mann Emil Gabbert in Wilmersdorf sind Inhaber der Baufirma Gabbert u. Co. und führten im Jahre 1907 auf dem Grundstück Witzlebener Straße 18/19 einen Neubau auf. Sie Ivaren angeklagt, in der Zeit vom 1. Juni 1907 bis 28. Dezember 1907 die Kranken- kassenbeiträge für die auf dem Bau beschäftigten Arbeiter im Ge» samtbetrage von 719,13 M. nicht an die berechtigte Ortskranken- kasse zu Wilmersdorf abgeführt zu haben, obwohl sie den Arbei- tern auf die von diesen zu zahlende Zweidrittelquote Lohnadzüge gemäß§ 53 des Krankenversicherungsgesetzcs gemacht haben. Die Angrtlagtcn haben zugegeben, die Lohnabzuge bei den wöchentlichen Lohnauszahlungen gemacht und die Beiträge an die Krankenkasse nicht gezahlt zu haben, sowie daß die Exekution gegen sie fruchtlos ausfiel. Sie bestritten, daß sie in der Absicht vorgegangen seien, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen. Sie seien stets darauf bedacht gewesen, die Krankenkasse zu befriedigen. Die Baugelder, die sie von einer Bank in einer sich nach dem Fortschreiten des Baues richtenden Höhe erhielten, hätten kaum zur Auszahlung der um zwei Drittel der Versicherungsbeiträge gekürzten Löhne gereicht. Im Oktober oder November 1907 seien die Baugelder an den Rentier Ludwig Fanther abgetreten mit der ausdrücklichen Vereinbarung, daß Fancher die Bezahlung der rück- ständigen Kassenbeiträge übernehmen solle. Für die Zeit nach der Zession sei Fanther auch für die laufenden Beiträge in erster Reihe zahlungspflichtig gewesen. Der Angeklagte KollekowSki macht noch geltend, daß Gabbert allein auf seinen Namen die Arbeiter zur Krankenkasse angemeldet habe und er, Kollekowski, mit der Lohn- zahlung überhaupt nichts zu tun habe. Kollekowski wurde frei- gesprochen, weil er auf die Verwendung der Baugelder und das Ab- zugsverfahren keinen Einfluß gehabt habe. Gabbert wurde zu ganzen 75 M. Strafe von der ersten Strafkammer des Land- gerichtS III verurteilt. Besonders auffällig sind die..Milderungs- gründe". Es heißt da:Mit Rücksicht auf die Unbcscholtenheit d-S Angeklagten Gabbert und fein allerdings vergebliches Bemühen, der Krankenkasse die ihr vorenthaltenen Beiträge zu erstatten, andererseits in Anbetracht des erheblichen Betrages der vorent- haltenen Beiträge erschien eine Geldstrafe von 75 M. angemessen und ausreichend." Ein eigenartigesvergebliche? Bemühen"! Der Mann zieht den Arbeitern die Krankenkassenbeiträge ab, zahlt sie aber nicht ein, weil er die Beträge für sich verbraucht und dann attestiert ihm das Gerichtsein allerdings vergebliches Bemühen, der Kranken- kasse die ihr vorenthaltenen Beiträge zu entrichten". 719 Mark unterschlagen, Zwangsvollstreckung fruchtlos 75 M. Geldstrafe: das ist in der Tat einfeines Geschäft". So niedrige Strafen müssen geradezu als Anreiz zu Unterschlagungen und als Prä- mien für Kassenbctrug wirken. Sicher gehört aber Gabbert zu denen, die über Terrorismus der Krankenkassen mit Mugdan ge- meinsam zetern und ihnen eine Verwaltung wünscht, die absolute Nachficht Krankenkassenbetrügern gegenüber übt. Aus dem JnnungSschiedsgericht. Gestern klagte der Bäcker S. gegen die Bäckermeister Gebr. Mahlow auf Zahlung von 10,80 M. rückständigen Lohn. Bis zum 13. Mai stand er zu den Beklagten im Arbeitsverhältnis, das an diesem Tage ein eigentümliches Ende erreichte. Die Herren Meister hatten nämlich um eine Stunde und 20 Minuten die Zeit verschlafen. Diese Zeit, in der der Kläger also nicht durch feine Schuld an der Arbeit behindert worden ist, sollte dieser am Schlüsse der Arbeitszeit ohne Vergütigung nachholen. Das tat Kläger nicht. In einem darüber entbrannten Wortstreit sagte er zu einem der Beklagten , wenn es ihm nicht passe, soll er die Papiere zurechtmachen. Das geschah auch. Doch wurde dem Kläger der Lohn nicht ausbezahlt, weil sich die Beklagten durch den Weggang des Klägers geschädigt wähnten. Im Termin erhoben nun die Beklagten auf eine Frage des Borsitzenden Hagemann Widerklage auf Zahlung von 2,50 M. als Schadens- erfatz. Wodurch solche Widerklage auch nur den Schein einer Berechtigung erlangt das Arbeitsverhältnis war mit Kündi- gnngsausschluß eingegangen verriet der Vorsitzende leider nicht. Es gelang ihm aber nach vieler Mühe, die Parteien auf 10 M., die an Kläger zu zahlen sind, zu einigen. Preußische Schulverhältnisse. In der zur Gemeinde Steckelsdorf im Jerichower Kreise ge- hörigen Kolonie Neue Schleuse werden 250 Schulkinder von 2 Lehrern unterrichtet. Trotz dieser himmelschreienden Vernach- lässigung der Schulverhältnisse verlangt der Gemeindevorstand noch obendrein von der Nachbarstadt Rathenow auf Grund Z 53 des Kommunalabgabengesetzes einen Schullastenbeitrag von zirka 1.QQ0 M. Ais Gemeindejteuerzuschläge hetragey in Steckelsdori- Neue Schleuse 150 Proz.(früher 147 Proz.). in Rathenokv dagegen 207 Proz._ Submissionsblüten. Um die Erd- und Böschungsarbeiten bei einer Veränderung an der Bahnstraße Hannvver-Lehrte bewarben sich achtzehn Firmen. Mindestfordernde blieb Plinke-Hannover mit 9018 M, während die Firma Harting-Braunschweig mit 20137 M. als höchstforderndes Angebot anzusehen ist. Bei der Vergebung der Maurerarbeiten(Arbeitslohn) zum Erweiterungsbau des Bahnhofsgebäudes am Raschplatz in Hannover forderte die Firma Graßtorf-Hannover 38 939 M.« während Schäfer in Hünfeld 73 758 M. forderte. Bei beiden Ergebnissen schwankt die Differenz zwischen Höchst- und Mindestfordernden um zirka 50 Proz. Tins der frauenbewegung. Nachklänge vom internationalen Stimmrechtskongreß. Dle in bürgerlichen Zeitungen aus der Feder bekannter Frauenrechtlerinnen erschienenen Berichte und Stimmungsbilder von ocr Londoner Tagung des Weltbundes für Frauenstimmrecht enthielten sich in merkwürdiger Uebereinstimmung jedes näheren Eingehens auf die skandalöse Behandlung der Frage des allgc- meinen Wahlrechts auf diesem Kongreß.(Siehe Nr. 103 und III desVorwärts".) Bei der offiziellen Berichterstattung über die Tagung des Weltbundes, die am Freitag abend in einer vom preußischen Landesverein für Frauenstimmrecht sowie vom Verein Frauenwohl nach dem Architektenhause einberufenen Versammlung stattfand, wolljte man diese Taktik des Vertuscheiis und Tot­schweigens kompromittierender Tatsachen und schwerwiegender Differenzen in der Stimmrechtsbewegung beibehalten. Die Bericht- erstatterinnen, die wiederholt emphatisch versicherten, als Mit- glieder des Deutschen Frauenstimmrechtsverbandcs voll und ganz und unentwegt auf dem Boden des allgemeinen Wahlrechts zu stehen, hatten trotzdem kein Wort der Kritik für die von der Konqreßmehrheit für die Zukunft eingeführte Praxis des Aus- schlusses der ein wirklich demokratisches Wahlrecht forderiiden Frauenverbände. Wohl erwähnte Frau Dr. Breitscheid einmal beiläufig, wie man mit Hilfe der nach angloamerikanischem Muster zugeschnittenen Geschäftsordnung unserer Genossin Mrs. Montefiore einfach das Wort abgeschnitten, sie mundtot ge- macht, weil sie als Vertreterin der Minorität für das allgemeine Wahlrecht sprechen wollte. Frau Breitschpid benutzte die Er- wähnung dieser Tatsache aber nur, um hieran ganz naiv di: Ermahnung zu knüpfen, die deutschen Delegiertinncn müßten es lernen, die englisch -amerikanische Geschäftsordnung auf inter - nationalen Kongressen so zu handhaben, daß man sie gegebenen- falls durch Schlußanträge zur Ausschließung widerstrebender Ele- mente von der Debatte benützen könne. Damit empfahl Frau Dr. Breitscheid jene Taktik desValentinisierens". wie sie unter dem Sozialistengesetz im Reichstage unter wohlwollender Zu- ttimmung der Regierung von der Mehrheit der bürgerlichen Par- teien unter Führung des Nationalliberalen Valentin der kleinen sozialdemokratischen Fraktion gegenüber ausgeübt wurde. Eine nette Demokratin, diese Frau Breitscheid! Stille, stille, kein Geräusch gemacht," war die Parole der Damen vom Frauenwohl und preußischen Landesverband. Kein Wort darüber, daß die Adult Suffrage Society im Verein mit der Delegation des internationalen sozialistischen Komitees durch demonstratives Verlassen des Kongresses den reaktionären Damen die einzig richtige Antwort gegeben. Ja, nicht einmal die für die deutschen Stimmrechtlerinnen zweifellos sehr interessante Tat- fache, daß ihre Führcrin, Anita Ausgspurg, sich veranlaßt sah, eine Wiederwahl als Vizepräsidentin des Weltbundes wegen seiner Haltung in der Wahlrechtsfrage mit aller Bestimmtheit a b z u- lehnen, wurde mit einem Sterbenswörtchen erwähnt!!! Viel- leicht schämt man sich ein wenig dieses nicht gerade sehr impo- nierenden Protestes. Jedenfalls aber wären Fräulein von Wcl- zceck, Frau Breitscheid, Frau Dzialozchnski und Fräulein Lüderö als ehrliche Berichterstatterinnen verpflichtet gewe,en, ihren Man- datgeberinnen über diese Dinge reinen Wein einzuschenken und 'hnen zu erklären, daß der Deutsche Stimmrechtsverband auf künftigen Kongressen des Weltbundes nur aus Gnade gelitten sein werde, so lange er auf dem Boden des allgemeinen Wahl- rechts stehe.... Da unternahm Frau Rüben es in der Diskussion, der Katze die Schellen anzuhängen. Mit kurzen treffenden Worten stellte sie den wirklichen Tatbestand fest und verwies auf die Gefahr einer VerWässerung des Gedankens des allgemeinen Wahlrechts dadurcki, daß der Deutsche Frauenstlmmrechtsverband im Weltbund« ver- bleibe, dessen reaktionäre Mehrheit ihrer Absicht, die Arbeiterinnen vom Wahlrecht auszuschließen, si> unumwunden Ausdruck gegeben. Auch nagelte sie Frau Breitscheid auf ihre sonderbaren Ratschläge zur Niederbüttelung mißliebiger Minoritäten nach Gebühr fest, fand damit jedoch nur sehr vereinzelten Beifall. Fräulein Schreiber, Fräulein Lüders und Frau Breitscheid befürworteten ein Verbleiben der deutschen Frauenstimmrechts- organisation im Weltbunde. Fräulein Lüders hatte vorher schon in ihrem Referat ihrem bekannten unmotivierten Optimismus die Zügel schießen lassen, indem sie von der Mission schwärmte. die derradikale" Flügel der Frauenbewegung auch im Weltbunde zu erfüllen habe. Zum Schluß bestritt sie noch mit einem durch keinerlei Sachkenntnis getrübten Mut die unanfechtbare Be- hauptung von Frau Rüben, daß das von den englischen Suffra- gists und Suffragettes geforderte Wahlrecht ein Damen-Wahlrecht sei. Es sei zwar kein allgemeines Wahlrecht, meinte Fräulein Lüders, aber doch recht weitgehend. Das ist stark! Wenn das zurzeit in England geltende Herrenwahlrecht durch den Nachweis von 17 verschiedenen Eigentums- oder Besitzquali- fikationen von 12� Millionen erwachsener Männer rund 5 Milli- cnen oder 40 Proz. der unteren Bevölkerungsschichten von der Stimmabgabe ausschließt, so würde es auf die Frauenwelt aus- gedehnt von 13% Millionen erwachsener Fragen nur 1% Milli- onen zugute kommen. 11% Millionen Frauen, die nach Lage der Dinge nur den Besitzlosen angehören können, blieben nach wie vor rechtlos. Und das soll kein Damen-Wahlrecht sein? Widersprüche und Halbheiten sind uns bei den padikalen Frauenrechtlerinnen längst nichts Neues mehr. Ihre VertuschungS- inanöver anläßlich des Londoner WeltbunLskongresses zeigen, daß sie auch in bezug auf politische Ehrlichkeit die einfachsten Voraus- setzungen unerfüllt lassen. Serickts- Leitung. Gelbe bei der Arbeit. Bei Gelegenheit des Streiks bei der Firma Härtung drang eine Anzahl Gelber in das Schanklokal von Pflaum- bäum ein, woselbst die Streikenden verkehrten. Sie suchten Händel und wurden von Pflaumdaum hinausgedrängt. Draußen fanden sie sich wieder zusammen und versuchten von neuem in das Lokal einzudringen. Sie waren zum Teil mit Revolvern und Gummischläuchen bewaffnet. Als Pflaunibaum die ihm drohende Gefahr erkannte, gab er eincil Alarmschuß in die Luft ab. Hierauf schoß der Dreher Kaczmarek. einer der Führer der Gelben, seinen Revolver auf Pflaumbaum ab, und zwar so, daß die Kugel ihn in den linken Arm traf und Pflaumbanni längere Zeit an der Wunde behandelt werden mußte. Ein anderer Gelber, der Former Dummer, schlug den Pflaumbaum mit einem Gummischlauch über den rechten Arm. Der Staatsanwalt lehnte das Einschreiten gegen die Gelben ab. Auf