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GewerklcbaMickies. Christliche Kampfesweise. Die Nr. Lv der..Gewerkschaftsstimme" enthält folgende Notiz: Bodenlose Gemeinheiten der Genossen. Wir konnten bereits in mehreren Nummern unseres Organs Von der Verrätertaktik der Genossen in Solnhofen berichten. Trotz der Beschönigungsversuche der Presse roter Couleur bleiben die von uns berichteten Tatsachen stehen. Die Dinge werden aber noch schöner. Bekanntlich sind viele unserer Kollegen ab» gereist und haben anderweitig Stellung angenommen, unter anderem auch ein Teil in Lahe. Unsere Kollegen mußten aber schon am ersten Tage die wahre Interessenvertretung der Ge- nossen empfinden. Diese legten nämlich sofort, als unsere Kol- legen zu arbeiten begonnen hatten, die Arbeit nieder, um die Entlassung unserer Kollegen zu erzwingen. Tatsächlich wurden sie von der Firma Leser noch am gleichen Tage entlassen. Die Genossen arbeiten dadurch den Unternehmern dirkt in die Hände. Sie arbeiten in ihrem Haß gegen die Christlichen auch gegen die eigenen Mitglieder, die an der Bewegung in Solnhofen mitbetn» ligt sind. Noch gemeiner und niederträchtiger kann der Arbeiter. verrat wahrlich nicht mehr betrieben werden. Ob ein Arbeiter einer solchen Gesellschaft noch gemeinsame Sache machen will, überlassen wir ihm selbst; der Vorgang wird aber einen neuen Beweis für die Schandtaten der Genossen in der Ge- schichte der deutschen Arbeiterbewegung bilden." Wahr ist, daß 1l) Mann in Solnhofen im Steinbruch ver Firma Leser anfingen und am nächsten Tage wieder ent- lassen wurden. Gelogen ist, daß dieroten Genossen" ihre Entlassung erzwungen oder auch nur veranlaßt haben. Das ist schon deshalb unmöglich, weil von den 12 Mann, die im Steinbruch arbeiten, nur ein einziger organisiert ist, die übrigen sind genau so schwarz wie die zugereisten aus Soln- hosen. Berttn und Umgegend. Der Kampf im Schlossergcwerbe. Am Dienstag kamen die streikenden Geldschrank- schlosser in Frankes Festsälen in der Badstraße zusammen, die Bauschlosser im Gewerkschaftshause. Die Streikenden pro- testierten energisch dagegen, daß Vorfälle, mit denen sie nichts zu tun haben, wie die Schlägerei am Gesundbrunnen , gegen ihre Sache ausgebeutet werden. Besondere Vorwürfe wurden gegen Die Zeit am Montag" erhoben, weil man von dieser Seite eine größere Zurückhaltung erwartet hätte. Otto Handle teilte mit. daß noch etwa 100 Ausgesperrte sich gemeldet hätten, so daß die Gesamtzahl bis Dienstag mittag noch keine 400 betrage. Zu Anfang der Bewegung wußte die bürgerliche Presse zu berichten, daß eine Aussperrung im Schlossergewerbe b000 bis 6000 Personen treffen würde. Die Unternehmer haben nach ihrer Generalversammlung vom 4. August ein Rundschreiben versandt, das in verschiedener Be° ziehung sehr interessant ist. Man ersieht daraus, mit welchen terroristischen Mitteln die Unternehmer zu arbeiten entschlossen sind, wenn ihre Mitglieder nicht gehorchen wollen. Das Schreiben lautet: Berlin , den 8. August 1000. An die Mitglieder der Schlosserinnungen zu Berlin und Charlottenburg sowie des Schuhverbandes Berliner Schlossereien und verwandter Gewerbe. Zu dem Streik der Geldschrankschlosser und zu dem Streik, den der Deutsche Metallarbeiterverband für mehrere unserer Betriebe proklamiert und durchgeführt hat, um zugunsten seiner übertriebenen Tarifforderungen einen Druck auf uns auszuüben, beschloß die gestrige außerordentliche Generalversammlung: mtliche Stundenlohnarbeiter sind, soweit sie Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterbandes oder einer mit ihr solidarischen Organisation und nicht als Helfer an Akkordarbeiten beteiligt sind, am Sonnabendabend a u s z u- sperren. Neue Akkorde dürfen von heute an nicht mehr abgeschlossen werden. Bei Beendigung von Akkorden sind die dabei beteiligt gewesenen Leute sofort auszusperren. Die Aussperrung soll erfolgen, wenn der Deutsche Metall- arbeiterverband auf Aufforderung nicht bis zum Freitag abend 0 Uhr erklärt hat, daß der Streik sofort beendigt wird. Sobald sich danach eine Aussperrung nötig macht, werden Sie noch vor der Lohnzahlung benachrichtigt. Zugeständnisse dürfen in keiner Weise gemacht werden. Es wird sich auch ein jeder Arbeitgeber selbst sagen, welche desorganisierende Wirkung jedes Einzelzugeständnis haben muß. Die Arbeitnehmer wollen gerade durch ihre geschickte Taktik Zersplitterung in die Reihen der Arbeitgeber tragen, um dadurch die Löhne für die Gesamtheit bis ins Unmögliche in die Höhe zu treiben. Zeigen Sie durch einmütiges, festes Zusammengehen, daß Sie gewillt sind, geschlossen dem wachsenden Druck von unten und oben zu begegnen, um ein selbständiges Gewerbe lebens- fähig zu erhalten. Nichtorganisierten ist zur Unterschrift da? in zwei Exemplaren anliegende Formular vorzulegen, von dem weitere Exemplare in der Geschäftsstelle zur Verfügung stehen. Macht sich die allgemeine Aussperrung notwendig, so ist eS Ehrensache der Arbeitgeber, die durch die Gunst der Verhältnisse in der Lage sind, weiter zu arbeiten, keineAus. sperrungsarbeiten"(Arbeiten, die infolge der Aus» sperrung liegen bleiben müsseni ohne Wissen des betreffenden Kollegen anzunehmen. Wer solche Arbeiten übernehmen kann und will, möge sich mit Angabe der Art der Arbeiten, die er ausführen kann, an die Geschäftsstelle wenden. Wvr glaubt, durch Konventionalstrafe gebunden zu sein, möge sich, wenn alle Versuche, den Auftraggeber zur Ver- längerung der Lieferfrist zu bewegen, ohne Erfolg bleiben, durch die Geschäftsstelle sofort an den Vorstand wenden, und zwar mit genauer Darlegung des Falles. Der Vorstand wird das weitere veranlassen bezw. entscheiden. Um über die strikte Durchführung der Beschlüsse zu wachen, hat die Generalversammlung eine Kontrollkommission eingesetzt, deren Mitglieder mit Legitimationskarten ausgestattet sind. Gegen säumige Mitglieder werden nach den Satzungen der Innung und des Verbandes die gesetzlichen Zwangsmittel zur Anwendung gebracht werden und die Namen derer, die es an Solidarität fehlen lassen, werden allen Mitgliedern, den Be- Hörden, den einflußreichen Baumeistern, die Arbeitgeberverbänden angehören, und den Eisenhändlern bekanntgegeben. Arbeitswillige kann, bis jetzt allerdings noch im be- schränkten Umfange, die Geschäftsstelle beschaffen. Wir weisen noch darauf hin. daß den Ausgesperrten sofort alle Papiere auszuhändigen sind, unter anderem auch der Entlassungsschein(Formular des Verbandes Deutscher Schlosserinnungen, für 30 Pf. pro Dutzend in der Ge. schäftsstelle zu beziehen!) und daß sie sofort abzumelden sind. Wir ersuchen dringend, dieses Rundschreiben auf- gubewahrenl Mit kollegialem Gruß und vorzüglicher Hochachtung die Vorstände der Schlosserinnungen zu Berlin und Charlotten. bürg und des Schutzverbandes Berliner Schlossereien u. v. G. Paul Marcus. Ernst Franke. Th. Kaeber. Der Geschäftsführer: Dr. H. Karwehl. v«antw. Redakteur: Hans Weber' Berlin . Inseratenteil verantw.: An derMariendorfer Zeitung", demPublikationsorgan der Gemeindeverwaltung Mariendorf", findet man in der Sonntags- nummer vom 8. August die folgende Notiz: Wie wir erfahren, werden die in der Kunstschlosserei von Bechlee u. Pnasche zu Mariendorf beschäftigten Gesellen sich dem allgemeinen Streik anschließen. Der Mindestlohn soll auf 4014 Pfennige erhöht werden. Nun, zu sehr wird die Firma nicht unter dem Streik leiden, da nicht weniger als 28 Lehrlinge dort in Arbeit stehen, eine Zahl, die mit der Anzahl der- Gehilfen in keinen Zusammenhang zu bringen ist." Die Firma Bechler u. Paasche wird recht erschrocken sein über die freundschaftliche Notiz derMariendorfer Zeitung". Vielleicht schenken die zuständigen Behörden in Mariendorf dieser Lehrlings- züchterei gelegentlich ihre nähere Aufmerksamkeit. Achtung, Kürscht�r! Wegen Maßregelung des Werkstattber- trauensmannes verhängte die Filiale Leipzig über die Firma Hermann Sobelmann in Leipzig die Sperre. Unsere Kollegen werden ersucht, Zuzug fernzuhalten. Deutscher Kürschnerverband. Ortsverwaltung Berlin . VeutkeKes Reich. Die leidtragenden Gastwirtsgehilfen. Unter den Interessenten ist in bezug auf die Steuerabwälzung eine Einigkeit erzielt worden!" So wird jetzt von überall her ge- meldet. BraUer und Wirte verstehen es nicht schlechter wie die Agrarier, alle Lasten auf Dritte abzuwälzen. Wie die Darstellung der gesamten Presse ergeben hat, ist nicht nur die Abwälzung der neuen Steuern beabsichtigt, sondern es ist allgemein vereinbart worden, einen bedeutend höheren Preisaufschlag eintreten zu lassen, als sich mit den neuen Steuern rechtfertigen läßt. Die von den neuen Steuern zunächst, wenigstens anscheinend Betroffenen, die Wirte und die Brauer, machen nach allem, was bisher bekannt wird ein wahrhaft glänzendes Geschäft bei der Abwälzung. Unter anderem ist das auch daraus ersichtlich, daß die Aktien der meisten Brauereien eine erhebliche Kurssteigerung erzielten. Es ist auch schon festgestellt, daß die Brauereien allein aus einer Erhöhung von nur 3 M. bekanntlich ist ja vielerorts eine solche von ö M. be- schlössen, einen neuen Ueberschuß von 4 13 Proz. auf ihr ge- samtes Aktienkapital erzielen werden. Bei einem Aufschlage von 3 M. würde z. B. die Schultheiß-Brauerei in Berlin aus der Abwälzung einen neuen Profit von 11-1 Millionen Mark heraus- schlagen und damit weitere 0 Proz. Dividende auf das Aktien- kapital zahlen können. Es ist also in aller Planmäßigkeit auf die Taschen des konsumierenden Publikums abgesehen. Ganz außer acht gelassen sind bisher bei allen Kalkulationen derBeteiligten" die Angestellten Dabei gibt es kaum eine Ar- beiterkategorie, welche unter schlechteren- Verhältnissen ihr Dasein fristet, wie gerade die Angestellten des Gastwirtsgewerbes, das den Unternehmern ungeheure Gewinne, den Angestellten jedoch zumeist nur die Möglichkeit günstigenfalls von Trinkgeldern existieren zu können, bietet. Die Trinkgcldmisere ist nicht nur sprichwörtlich, sondern die Lösung dieser Frage in den letzten Jahren geradezu eine Notwendigkeit geworden, und sicherlich wird sich nicht so leicht wieder eine Gelegenheit bieten, wenigstens auf eine Aendrung dieses traurigsten aller Lohnsysteme hinzuwirken. Die gewerkschaftliche Organisation der Angestellten, derVerband deutscher Gastwirts- gchilfen", ist zu solch einer Aktion allerdings noch zu schwach, ins- besondere durch den Umstand, daß er mit einer Reihe gelber natio- naler Verbände zu rechnen hat. Immerhin wird aber jetzt bei der überall eintretenden Vierpreiserhöhung auf die Einführung von festen Löhnen, so bescheiden diese auch in der ersten Zeit sein mögen, gedrungen werden können. Es ist zweifellos daß das Publikum sich gegen eine mäßige Erhöhung der Bierpreise viel weniger wenden würde, wenn die Gastwirte so einsichtsvoll ge- Wesen wären, sich auch über eine feste Entlohnung ihrer Angestellten zu einigen. Es ist zu wünschen, daß dem Verband deutscher Gast- wirtsgchilfen, der zurzeit überall, wo Bierpreiserhöhungen statt- finden und dami-t auch ein Zurückgehen des Trinkgelderverdienstcs der Angestellten zu befürchten ist. die Forderung auf Minimallöhne stellt, von feiten des' Publikums in jeder Weife Unterstützung zuteil werde._ Kampf im Baugewerbe in Hamburg . Da in der gestrigen Nummer desVorwärts" die vor dem Einiguugsamt gepflogenen Verhandlungen nur zum Teil wieder- gegeben sind, bringen wir sie heute vollständig: Das Einigungsamt hat den Parteien den folgenden Vorschlag gemacht�eiten� Axg�tnehmer der sämtlichen in Betracht kom- wenden Nebengewerbe wird die Arbeit zu den alten Lohn- und Arbeitsbedingungen sofort wieder aufgenommen, nachdem den Arbeiterorganisationen von dem Arbeitgeberverband offizielle Anzeige gemacht ist. daß die Stillegung des betreffenden Neben- gewerbes laut Bekanntmachung in den..Hamburger Nachrichten vom 24. Juli 1909 seitens des Baugewerbeverbandes aufgehoben worden ist. Die Vertreter des Baugewerbeverbandes nehmen den Antrag des Herrn Paeplow: Den an der heutigen Vcrhand- lung beteiligten Arbeitnehmerorganisationen, mit Ausnahme derjenigen der Gipser und Plattenansetzer, vom 1. Januar 1910 ab eine Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde auf die bisherigen Löhne zu gewähren, wenn und insoweit den Angehörigen der 3 Zentralverbände eine Lohnerhöhung überhaupt zugebilligt wird. _ entgegen und werden denselben mit der Paeplowschen Begrün- dung ausführlich vortragen- Die Parteien erklären sich zur Fort- setzung der Verhandlungen bor dem Einigungsamt in dem auf den 11. August d. I. anzuberaumenden Termine bereit. Im übrigen herrscht bis zur Beendigung der Verhandlungen vom 11. August im Baugewerbe Waffenstillstand. Es werden weder neue Sperren verhängt, noch fremde Arbeitskräfte angeworben und herangezogen, mit der Maßgabe jedoch, daß die bis heute angeworbenen Arbeitswilligen empfangen werden dürfen. Der Baugewerbeverband gibt noch heute Order» daß die Anwerbung Arbeitswilliger unterbleiben soll." Die Plattenansetzer. die neben den Gipsern bei einer Lohnerhöhung ausscheiden sollen, beschlossen, die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufzunehmen. Die Betonarbeiter faßten den gleichen Beschluß. Vom Lohnschutzverband der Betonbauunternehmer lag ein Schreiben vor. worin sich die Unternehmer mit den Einigungsverhandlungen ein- verstanden erklären und mitteilen, daß die Betonarbeiter die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufnehmen können. Die Wieder- einstellung soll nach Bedarf erfolgen. Wenn nach dem Tarif von 1907 gearbeitet wird, bedeutet dies im Vergleich zu den zuletzt ge- zahlten Löhnen teilweise eine Lohnerhöhung von 510 Pf. pro Stunde. Auch die Klempner stimmten dem Vorschlage, die Arbeit wieder aufzunehmen, zu. Sie wollen aber mit der Aufnahme der Arbeit warten, bis sie von den Meistern oder durch die Vermittclung der Organisation aufgefordert werden, die Arbeitsplätze wieder einzunehmen. Die Bauschlosser sind mit wenigen Ausnahmen wieder in Arbeit getreten. Von den Maurern und Bauhilfsarbeitern, die in zwei stark besuchten Versammlungen zu dem Resultat der Eini- gungsverhandlungen Stellung nahmen, wurde scharf kritisiert, daß die Verhandlungskommifsion vor den Unternehmern aufs Neue zurückgewichen sei. Es hätte unbedingt daran festgehalten werden Th. Glocke, Berlin . Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanftgU müssen, daß die Lohnerhöhung spätestens am 15. Oktober k>- F. eintreten würde, und nicht erst am 1. Januar 1910. Es wurde jedoch der Kommission die Vollmacht erteilt, die Verhandlungen weiterzuführen, und dafür zu sorgen, daß von dem jetzigen Stand» Punkt nicht mehr abgewichen werde. Weiter beschlossen die Gipser, Kunststeinarbeiter, Glaser und Dachdecker, die Arbeit auf» zunehmen. Sämtliche Berufe, die beschlossen haben, die Arbeit wieder aufzunehmen, taten es unter der Bedingung, daß die weiteren Einigungsverhandlungen für die Hauptbeteiligten und die durch die Aussperrung in Mitleidenschaft gezogenen Nebenberufe an- nehmbare Resultate zeitigen. In den Kreisen der Arbeiter hört man kein Wort von Kampfes- Müdigkeit, wohingegen die Unternehmer vielfach über große Ver- luste Klagen führen, und bedauern, daß sie sich dcam Arbeitgeber- verband mit Haut und Haaren verschrieben haben. In der Ham- burgcr Arbeiterschaft ist man der Ansicht, daß ein großer Einfluß von der hamburgischen Regierung auf die Unternehmer ausgeübt werde. Der Hamburger Senat befürchtet anscheinend, daß ein Sieg der Arbeiter im Baugewerbe auch die in den Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter begehrlich machen könnte. Was der Unternehmer braucht, muß er haben! Aus Halle a. S. berichtet man uns unterm 9. August: In der sogenannten Waisenhausbuchdruckerei legten am 5. August 25 Hilfs­arbeiter bezw.-arbciterinnen die Arbeit nieder, weil ihnen tarif- mäßige Zuschläge für die Ucberstunden nicht gewährt wurden. Der Administrator des Geschäfts ist nun auf das Gcwerbegericht gegangen und verlangt von den Arbeitern nnd Arbeiterinnen als Gesamtschuldner" 1000 M., weil sie kündigungslos die Arbeit verlassen hätten. Der Unternehmer glaubt seine Pflichten nicht erfüllen zu brauchen. Hu9 der Partei. Die 4. ordentliche Generalversammlung des 18. hannoverschen ReichstagswahlkreiseS tagte am Sonntag, den 8. August, in der Zcntralhalle" zu Scharmbeck. Vertreten waren K Ortsvereine durch 18 Delegierte. Ferner waren anwesend 3 Mitglieder de» Kreisvorstandes, der Obmann der Kontrollkommission, 2 Mitglieder des Bezirksvorstandes, 2 Vertreter des 19. hannoverschen Reichs» tagswahlkreiseS, stnoie der Kandidat des Kreises Genosse Rhein- Bremen. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, daß die Mit- glicderzahl eine geringe Steigerung erfahren hat. Sic stieg von 1243 auf 1253. davon sind 1112 männliche, 141 weibliche Mit- glieder. Die Abonncntcnzahl unserer Parteipresse ist infolge der im Unterwesergebiet mit außerordentlicher Schärfe auftretenden Wirtschaftskrise von 1988 auf 1059 zurückgegangen. Die im Be- richtsjahre vollzogenen Geineindevertreterwahlen haben der Partei neue gute Erfolge gebracht. In 13 Orten sind jetzt 49 sozialdcmo- kratische Gemeindevcrtrcter tätig, während im Vorjahr in 12 Ge- mcinden nur 33 Gemeindevertreter vorhanden waren. Es wurden 29 000 Flugblätter, 11 200 Kalender, 00 000..Landboten " und 10 800Sozialdemokraten" verbreitet. Als Delegierte zur Be- zirkskonferenz wurden die Genossen Geißler- Osterholz-Scharm- beck, Hölscher-Burgdamm, Hohorst-Ritterhude und Vollers-Vegesack gewählt. Zum Parteitag in Leipzig wurde Genosse Bollers einstimmig delegiert._ Versammlungen. Die Arbeiter-BildungSschule Berlin hielt im Schullokal, Genadierstr. 27, ihre regelmäßige ordentliche General- Versammlung ab. Der Vorsitzende, Genosse G e i t h n e r, erstattete den Bericht vom zweiten Quartal 1909. Wie in den früheren Jahren, so war auch diesmal der Unterricht auf die wichtigsten vier Unterrichtsfächer beschränkt und ist dadurch die Mitgliederzahl etwas zurückgegangen. Auch in den Vororten wurde der Unterricht für dieses Quartal eingestellt, er soll aber, nach Rücksprache mit den beteiligten Genossen, eventuell im Herbst wieder aufgenommen werden. Der Lehrplan für das vierte Quartal konnte dieser Generalversammlung noch nicht vorgelegt werden, das soll aber bald geschehen, damit frühzeitig in eine Agitation für die Schule eingetreten werden kann. Voraussichtlich wird er denselben Umfang wie im gleichen Quartal des Vorjahres haben. An sonstigen Veranstaltungen sind der gut besuchte Wilhelm-Busch -Abend und drei Ausflüge zu erwähnen. Den Kassenbericht gab Genosse Königs, für die Bibliothekare berichtete Genosse B a l z e r. während Genosse G r u n w a l d den Bericht des Lehrerkollegiums gab. Dem Antrage der Revisoren, Kassierer und Bibliothekare zu entlasten, wurde stattgegeben. Beim Punkt Schulangelegenheiten entspann sich eine längere Debatte über den weiteren Ausbau der Schule. Es wurden Vorschläge gemacht, die darauf abzielen, die Agitation für die Schule wirk- samer zu gestalten. Die Erfahrungen lehr«, jedoch, daß die Schule in der jetzigen Form und bei ihren beschränkten Mitteln über einen bestimmten Umfang nicht hinauskommt, zumal die Größe Berlins eine weitere EntWickelung, ohne die finanziell nicht mögliche, größere Dezentralisation, unterbindet. Dazu kommt noch, worauf Genosse G e i t h n e r binwies, daß die Form von straffen Lehrkursen immerhin erhebliche Anforderungen an Aufmerksamkeit und geistige Mitarbeit der am Tage körperlich schwer arbeitenden Schüler stellt. Dabei sei zu berücksichtigen, daß die Vorträge doch nur die An- regung zu weiterem Buchstudium geben könnten. Das beste Mittel zum Ausbau und zur Vorwärtsentwickelung der Schule sei die rege Beteiligung der Mitglieder auch am Vereinsleben der Schule und die eifrige mündliche Propaganda. Dem Vorstande seien auch Anregungen und Wünsche der Schüler auf Ausgestaltung der Lehr- Pläne sehr erwünscht. Von den Vorschlägen, die den zum nächsten Winter zu wählenden Lehrstoff betreffen, ist der am bemerkens- wertesten, der einen Kursus über die Geschichte der Sozialpolitik wünscht. Zentralverband der Maurer. Agitationsfragen wurden in der am Freitag abgehaltenen Generalversammlung des ZweigvereinS Berlin besprochen. Um die Kollegen, welche unter dem Druck der wirtschaftlichen Krise sich vom Verbände abgewandt hatten, an ihre gewerkschaftlichen Pflichten zu mahnen und neue Mitglieder der Organisation zuzuführen, ist gemäß dem Beschluß der vorigen Generalversammlung eine Bautenagitation betrieben worden. In sieben Wochen fanden 140 Sitzungen statt, zu denen jedesmal die Kollegen geladen waren, die auf einigen, nahe beieinanderliegendcn Bauten beschäftigt waren. Die Einladungen sind insgesamt an 0394 auf den Bauten beschäftigten Maurern ergangen. Von diesen haben 3187 an den Sitzungen teilgenommen. Etwa 300 Auf- nahmen neuer Mitglieder sind als unmittelbarer Erfolg der Bautenagitation zu verzeichnen, während etwa 300 weitere Auf. nahmen als mittelbare Folge dieser Agitation angesehen werden können. Am Schluß des zweiten Quartals hatte der Zweig- verein 8811 Mitglieder, und zwar 5721 Maurer , 1701 Putzer, 1329 GipS. und Zementarbeiter. Letzte IVacbnchten und Dcpclcbcn. Buchdruckerstreik. Innsbruck , 10. August. (B. H. ) Wegen Differenzen beim Tiroler Anzeiger ist hier ein allgemeiner Streik der Seher und Buchdrucker ausgebrochen. Seit heute morgrn erscheinen hier keine Zeitungen._ Erdbeben. Trient , 10. August. (W. T. B.) In den t e s s i n i s ch e n Alpen wurde heute ein wellenförmiges Erdbeben in der Richtung von Ost nach West verspürt. ?aul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen«.NnterhaltongSbl.