Nr. 219.
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26. Jahrg.
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Redaktion: SW. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Rüftet zum Kampf!
Das dritte Quartal neigt sich dem Ende zu. Die Herbstfampagne steht vor der Tür! Sie wird diesmal heißer sein, als seit Jahren! Der Schnapsblock hat dem Volke
Sonntag, den 19. September 1909.
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Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
das aus dem Beschluß spricht. Er bezeugt, daß die deutsche Sozialdemokratie fich start genug fühlt, ihre Anhänger zu einem Kampfe aufzurufen, der an viele von ihnen die Forderung stellt, auf ein gewohntes und beliebtes GenußAn einen guten Anfang hat der Parteitag zu Leipzig das mittel zu verzichten, der in hohem Maße an die Disziplin und gute Ende geknüpft. Die Annahme der Resolution Dittmann die Opfertvilligkeit weiter Kreise der Arbeiterschaft appelliert. hat den falschen Deutungen ein Ende gemacht, die das Die Partei darf darauf vertrauen, daß ihr moralischer wechselvolle Schicksal der Resolution Berlin I hervorrief. Einfluß im Klassenbewußten Proletariat stärker ist als die alte Den Spekulanten auf die Mauserung der Sozialdemokratie böse Sitte, als die gewaltige Macht der Gewohnheit. Die ist eine bittere Enttäuschung bereitet worden. Die Dresdener Sozialdemokratie darf darauf vertrauen, weil sie jahrzehnte400 Millionen neuer, indirekter Steuern Resolution, die den schärfsten Klassenkampf proklamiert, die lange Erziehungsarbeit in der Arbeiterschaft geleistet hat, aufgebürdet. Die Produzenten und Zwischenhändler nehmen jedes Entgegenkommen an die bürgerliche Gesellschaft weil es ihr gelungen ist, in den Massen ihrer Anhänger die das zum Anlaß einer besonderen Kontribution von ebenfalls verwirft, diese Resolution, die dasselbe sagt, was Erkenntnis zu wecken, daß der Einzelne Opfer zu bringen hat mehreren Hundert Millionen! Im ganzen wird das Volk Bebel einst in klassischer Kürze in den beiden Sägen für die Interessen der Gesamtheit. So ist dieser Beschluß cin aussprach:" Ich bin 600-700 Millionen mehr zu steuern Gesellschaft"" und der Todfeind der bürgerlichen lebendiges Zeugnis für die innere Kraft der Partei, für die stenern Gesellschaft"" und„ Es bleibt bei der Expropriation!" Tatsache, daß sie eins ist mit dem vorwärts strebenden haben. Und die nichtbesitzende Klasse, die ja die übergroße ist aufs neue bekräftigt, aufs neue als Richtschnur unserer Proletariat. Tattit bestätigt worden. Allerdings hat ein Teil der Dele- Wie dieser Beschluß die Feinde trifft, die er treffen soll, Mehrheit des Volkes bildet, den allergrößten Teil davon! Daß das von einer egoistischen Bourgeoisie und Pluto- nicht sagen wollen, wie die Erklärung des Genossen Auer Zentrumspreffe gezeigt, denen die mühsam verhaltene Wut Daß das von einer egoistischen Bourgeoisie und Pluto- gierten das mit der Zustimmung zur Resolution Dittmann das haben in diesen Tagen schon die Ergüsse der Junker- und fratie ausgeplünderte Volt sich diesen Raubzug auf sein tärg- nachweist. Die hinter ihm stehenden Genossen haben viel- und Angst nur zu deutlich anzumerken ist. Wird liches Einkommen nicht lammsgeduldig gefallen läßt, haben mehr nur bestätigen wollen, daß die Ablehnung der Resolution diese Steuerverweigerung zur fräftigen ja die seit Annahme der neuen Steuern erfolgten Berlin I die Dresdener Resolution nicht berührt. Ueber den dafür bürgt uns die einmütige Haltung des ParteiWert der Dresdener Resolution selbst wollten sie damit kein tages und der feste Wille jedes Genossen, sein Bestes Urteil abgeben. Darüber zu sprechen haben sie ausdrücklich für die Ausführung des Beschlusses zu tun, so werden die vermieden und sie haben der Resolution Dittmann zuge- Liebesgabenempfänger an ihrer empfindlichsten Stelle getroffen, Die sozialdemokratische Partei eroberte in glänzendem stimmt, weil sie nicht wollten, daß angesichts der gegenwärtigen fo wird ein raffiniertes System der Unterſtügung der herrKampfe den Wahlkreis Neustadt- Landau neu, behauptete politischen Lage die auf dem Parteitag dokumentierte Einig- schenden Junkerschaft aus öffentlichen Mitteln, aus den mit stark gewachsener Stimmenzahl den Wahlkreis Stoll- feit der Partei durch eine geteilte Abstimmung über eine vor Groschen der Aermsten, zu schanden gemacht, so wantt berg Schneeberg , ste errang sogar in dem stock- 6 Jahren beschlossene Resolution getrübt werde. Dieser Entschluß eine der Säulen, auf denen die wirtschaftliche Kraft der ultramontanen Wahlkreis Koblenz - St. Goar einen ist von achtungswerten Motiven diftiert. Wir müssen aber oftelbischen Ritter beruht, so wird der Sturz ihrer politischen stattlichen Stimmenzuwachs, während der Rom - auf dieses Moment hinweisen, weil es der Partei nicht Herrschaft, die auf ganz Deutschland wie ein Alpdruck ruht, plice am Steuerraub, das Zentrum, viele Tausend Stimmen förderlich wäre, wenn über das Maß der grundsäglichen wirksam vorbereitet. Daß der Boykott mit dieser politischen Uebereinstimmung in der Partei Illusionen unter den Ge- Wirkung eine kulturelle von hoher Bedeutung verbindet, daß nossen entstehen würden. Jedenfalls aber steht fest, daß die er eine Eindämmung der verheerenden Schnapspest bringt, große Mehrheit des Parteitages in dem Sinne abgestimmt erhöht den großen Wert der Aktion, die min von der Presse hat, wie es der Antragsteller an jener Stelle feiner Rede und den Organisationen der Partei mit allem Nachdruck zu formuliert hat, wo er nach Verlesung der entscheidenden Säße führen ist.
bewiesen.
einbüßte.
Erfahwahlen zum Reichstag
Aber diese Siege dürfen nur der
Anfang der Vergeltung
sein. Der Kampf muß mit vermehrter Energie, mit gesteigertem Erfolge fortgeführt werden.
Tat.
und
der Dresdener Resolution sagt:... Das ist flar und un- Die große Auseinandersetzung über unsere Stellung zweideutig, und durch die Annahme meines Antrages wird zu den Steuerfragen, die sich beim Bericht der Gelegenheit dazu bieten die noch bevorstehenden Reichs- das für die gegenwärtige Situation noch Reichstagsfraktion entspann, ist bis auf einige wenige tags- Ersatzwahlen in Landsberg - Soldin, in Roburg, einmal unterstrichen, und denen, die von einer Entgleisungen, bei denen wir nicht weiter verweilen wollen, tags- Ersatzwahlen in Landsberg - Soldin, in Koburg , Schwenkung der Partei reden, wird das Konzept ver- in würdiger, fachlicher Form geführt worden. So ist sie ein in Halle, in Eisenach - Dermbach ! Zeugnis für den Ernst, mit dem die Partei ihre Aufgabe beMit fiebernder Spannung harrt das fämpfende Profe- borben. Darauf aber kommt es an." Die lebhafte Zustimmung, die diesen Worten folgte, der trachtet, für den lebendigen Eifer, mit der ihre Glieder nach dem tariat dieser Wahlschlachten. Mit Anspannung aller Kräfte lebhafte Beifall und das Händeklatschen, womit dem Redner besten Wege zur Förderung der proletarischen Sache suchen. Diese ringt es um seine Erfolge. Gilt es doch, die zum Schluß gedankt wurde, wird in der Partei im Lande, Debatte im ganzen und großen genommen gereicht der Partei zur des sind wir sicher, ein starkes, freudiges Echo wecken. Ehre. Und sie war notwendig, weil die Partei wissen muß,
namenlose Erbitterung des Volfes
zu nutzen, der Armee des flassenbewußten Proletariats neue Massen von Mitstreitern zuzuführen! Aber nicht nur neue Reichstagswahlen stehen dicht bevor. Auch die
stehen vor der Tür.
Trotz des elendesten aller Wahlsysteme und aller perfide ausgeflügelten Schikanen der Gegner müssen die nach der Ueberzeugung der Berliner Voltsmehrheit rechtswidrig kassierten
Wahlen mit einem
Genosse Auer hat in seiner Erklärung die Resolution wie es in der Fraktion, in der Körperschaft, der eine der Dittmann als überflüssig bezeichnet. Darin können wir ihm wichtigsten Aufgaben in der Bewegung anvertraut ist, so wenig beistimmen, wie es die Mehrheit des Parteitags aussieht. Die sozialdemokratischen Abgeordneten bilden nicht getan hat. Die nachträgliche Ablehnung der Resolution einen über der Partei, über den Organisationen stehenden Berlin I hatte Mißverständnisse nicht bloß im Bürgertum, Rat wie bei den bürgerlichen Parteien, sondern sie bilden eine sondern auch in der Partei Herborgerufen. Gegen die Re- der Kontrolle der höchsten Vertretung der Partei, dem Parteitag vier Berliner Neuwahlen zum Landtag' olution Berlin I konnten Bedenken erhoben werden, weil ihre unterstehende Körperschaft, und diese ist berufen, wenn die etwas unklare Fassung die Deutung zuließ, daß fünftig in Meinungen in der Fraktion auseinandergehen, den Willen der Den schnöden Streich der Rechtlosmachung der großen werden sollte. Stichwahlen jedes Eintreten für den Fressinn verboten Partei auszusprechen und so der Fraktion die Richtlinie zu Wir haben diesen Sinn diesen Sinn nicht darin stecken. Dazu ist es freilich in Leipzig nicht gekommen, aber Mehrheit der Berliner Wähler gilt es gründlich zu durch gefunden, da man solches Stimmen für das eventuell die Frucht der Debatte ist der Beschluß, die Steuerfrage auf frenzen! fleinere Uebel unseres Erachtens nicht als Zusammen- dem nächsten oder einem der nächsten Parteitage zu be das die handeln. So daß es auch in dieser Frage zu einer Entgehen" mit dem Freisinn bezeichnen kann, Aber andere, zum Beispiel Genosse scheidung des Parlaments der sozialistischen Proletarier Resolution verwirft. Wehring haben die Resolution so ausgelegt und deshalb die Deutschlands kommen wird. Ablehnung befürwortet, da die Festlegung unserer Wahltaktit Das neue Organisations statut, das die Partei auf Jahre hinaus, wie die Erfahrung gelehrt hat, einfach sich in Leipzig gegeben hat, bedeutet einen wesentlichen Fortwuchtigeren Siege der Sozialdemokratie nicht möglich ist. Die Ablehnung hätte daher nichts zu be- schritt. Die Partei nußt die wenigen Vorteile, die das an deuten gehabt und hätte nimmer als ein Angebot an den sich schlechte Reichsvereinsgesetz bietet, aus. Die Frauen sind enden, als es die Juniwahlen des Jahres 1908 waren. Dem Liberalismus gedeutet werden können, wenn nicht besondere endlich zu gleichberechtigten Mitgliedern der Organisation jämmerlichen Berliner Freifinn, der an dem Wahlrechtsraub Begleitumstände sie in ein zweideutiges Licht gerückt hätten. geworden, das Vereinsprinzip ist restlos durchgeführt. Die den Hauptanteil trägt, muß eine neue vernichtende Niederlage Deshalb war das Einbringen und die Annahme der Resolution finanzielle Rüstung der Partei wurde verbessert, für die Dittmann eine flärende Tat und wird von all denen lebhaft großen Kämpfe der Zukunft die feste Burg der Partei ausbeigebracht werden! begrüßt werden, die in unzweideutigen Entscheidungen die gebaut und verstärkt. Alle Wünsche erfüllt die neue ParteiAufgabe des Parteitags sehen, die die Tattit der Partei nach verfassung noch nicht aber bei der Vielheit und Verschieden dem klar ausgesprochenen Willen ihrer obersten Vertretung beit dieser Wünsche war die Enblocannahme ein Aft fluger bestimmt wissen wollen und die im schärfsten grundsätzlichen Selbstbescheidung. Die weitere Entwickelung darf die Partei Rampfe gegen die herrschende„ Drdnung" die Gewähr un- getrost der Zeit überlassen, die ihre Forderungen schon ge gebrochenen, geradlinigen Fortschritts der Arbeiterbewegung bieterisch genug stellen wird. Mit dem Organisationsstatut hat der Beschluß zur und ihres schließlichen Sieges erkennen. Daß die Mehrheit des Parteitages so denkt, das hat der Parteitag zu unserer Maifeier gemeinsam, daß er viele Wünsche unerfüllt läßt. Freude und zum Wohle der Partet und des deutschen Prole- Mit restloser Befriedigung wird kaum ein Barteigenosse auf tariats erwiefert. das Abkommen blicken, das der Parteitag besiegelt hat. Aber es war das Erreichbare. Daß es nicht die Abwürgung der freuliche, anspornende Geschäftsbericht des Vor Unter der neuen Vereinbarung wird die Maifeier immer das So entspricht der Schluß dem guten Anfang, den der er- Arbeitsruhe bedeute, das ist die Sache der Organisationen. stands, die treffliche Jugend debatte und der politisch sein, was die Arbeiter daraus zu machen verstehen. Eine wie fulturell hochbedeutsame Beschluß bilden, den Brannt- Mahnung an alle, denen die würdigste Form der Feier am weinboykott über die ostelbischen Raubritter vom Destillier Herzen liegt, die in ihr eine Quelle der Kraft und der Be helm zu verhängen. Wir werden vom Leipziger Parteitag geisterung erkennen, die unter dem neuen Parteigesetz in der einen Abschnitt in der jungen Geschichte der freien JugendAnerkennung der Partei und eine gesicherte Grundlage für rungsordnung schlossen den Reigen der großen GegenDrei treffliche Referate über die Reichsversiche organisation datieren dürfen. Nürnberg hat ihr die offizielle Arbeit für die Maifeier nicht zu erlahmen. ihre Entwidelung gegeben- Leipzig bedeutet, daß die Jugend- stände des Parteitags. Sie werden dem Kampf der Arbeiterbewegung im Begriff ist, sich eine gefestigte Stellung in der schaft gegen die reaktionären Anschläge, die in dem dickleibigen Arbeiterbewegung zu erwerben. Paragraphenwerk stecken, kräftigen Anstoß geben. Sie bilden ein Mit der Proklamierung des Branntweinboykotts hat die Waffenarsenal für den kommenden Kampf, der die prolePartei eine gewaltige Aufgabe in Angriff genommen. Mit tarischen Massen nicht minder aufrütteln muß wie der Streit freudiger Genugtuung dürfen wir auf das Kraftgefühl schauen, I wider die neuen Steuern.
Die nächste Zukunft steht im Zeichen des erbittertſten Kampfes. Die gehäufte Schmach der bürgerlichen Parteien schreit nach Vergeltung, nach
Statuierung eines abschreckenden Exempels!
Und wie kein Genosse sich lässig zeigen wird im Wahlkampfe, so darf auch kein klassenbewußter Arbeiter, kein Sozialdemokrat sich lässig zeigen im Rumpfe um Werbung uener Klaffenstreiter!
Solcher Werbung dient aber in erster Linie die Parteipresse, dient für Groß- Berlin der
,, Vorwärts"!
Kein nachdrücklicher Kampf ohne weiteste Verbreitung der Parteipresse!
Darum ergeht zum Duartalwechsel an alle Genoffen die Darum ergeht zum Duartalwechsel an alle Genossen die dringende Mahnung:
Helft der Parteipreffe die weiteste Verbreitung schaffen! Werbt mit rastlosem Eifer immer neue Abonnenten für das Zentralorgan der Partei,
für den Vorwärts"!
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